8
Jul
2017

8

Ordi hat sich in jenen Zustand zurückgezogen, welchen sie die innere Einkehr nennt. Während dieser Ich-Klausur versucht sie dem nachzusinnen, was sie unterwegs erfahren hat.

Sie empfindet ihr Wesen duch den Namen 'Ordi' unzureichend ertfasst , denn sie möchte nicht darin aufgehen, lediglich zu ordnen.



Sie sagt sich: "Wer sein Leben nur ordnet, der lebt nicht!"



Kaum hat sie das zu sich selvst gesagt, vernimmt sie eine leise Stimme: "Du bist nun endlich dabei, Dich selbst zu finden!"



"Wer bist Du? Wer spricht da zu mir?"



"Ich bin die innere Stimme Deiner Seele!"



"Und was ist Seele?"



"Seele, das ist das Wesen Deiner Gefühle. Dene Gefühle vereinigen sich zu einer, der inneren Stimme."



"Und wer behauptet so etwas?"



"Ich bin Deine Natur, die Dein Leben maßgeblich bestimmt."



"Ach Du meinst jenen Schutzgeist, welchen der Philosoph Sokrates für sich entdeckt und Daimónion genannt hat?"



"Ja, das vermute ich so,,,, ... Aber sage mir bitte, was Du als meine Natur bist!"



"Wie sich alle Deine Gefühle zu einer Stimme vereinigen, so vereinigen sich Deine köperlichen, seelischen und geistigen Kräfte zu einer Kraft, die Deine Natur ausmacht!"



"Davon habe ich bis heute überhaupt nichts gehört!"



"Dann wird es aber hohe Zeit, das zu erfahren!"



" 'Ordi' allein als 'ordo' anzunehmen, das ist völlig unzumutbar!"



"Das siehst Du auch darin, dass ich zwar Ordi heiße, aber eine echte Chaotin bin!"



"Das spricht nicht gegen Deinen Namen, denn Du hast lediglich eine andere existentielle Überordnung oder Leitmotiv. Da ist klar, dass Du nichts sieht, wenn Du Dich als Ordnung sehen willst!"



"Dann habe ich ja einen unpassenden Namen oder etwa nicht?"



"Nein, ganz und gar nicht, denn die Natur ordnet unordentlich, weil spielerisch mehr oder weniger zufällig!"



"Huch, das ist aber ziemlich kompliziert!"

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Prof. Dr.phil. habil. Wolfgang Schmid

 

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