22
Mai
2013

Pädagogischer Gedanke

Ein pädagogischer Gedanke (sprich: Erfahrung) umfasst genau drei Verhaltensmomente, und zwar erstens Auslöser oder Initiator des Verhaltens, zweitens Initiation oder Strategie des Verhaltens und drittens Verhältnis oder Bezug des Verhaltens.

Beispiel: Information, didaktische und methodische Strategie, unterrichtliches Moment

21
Mai
2013

Pfingsten: Utopisches Gebet an einen utopischen Geist


Raum- und zeitloser Geist, ohne Ursache und Wirkung, ohne Grund und Zweck, ohne Maß und Mittel, ohne Eigenschaften eines Wesens und deshalb ohne Art und Weise zu erscheinen, alles in allem Nichts, aus dem alles geworden ist, allgegenwärtig als informierte Energie in Materie, trotz nächster Nähe unerreichbar unbegreiflich.

20
Mai
2013

'Fühlen' des Verstandes

Mystische Erfahrungen beruhen auf Kontemplation oder tiefer Meditation. In der Kontemplation verweilt das Bewusstwerden im Betrachten oder in Anschauung. Zugunsten der Konzentration verringert sich die Aufmerksamkeit so stark, dass nur noch besonders auffällige äußere Ereignisse wahrgenommen werden. Die Konzentration bezieht sich vor allem auf vergegenwärtigte, stark gefühlte Innenbilder. Kontemplation ist vor allem ein "Fühlen" des Verstandes, der während dieser Beschaulichkeit Begriffe gleichsam vollkommen loslässt. Dieses Loslassen überführt logisches Denken in reines Denken. Kontemplation führt zu besonderen inneren Wahrnehmungen, die sonst nicht erfahren werden können. Ein Beispiel für eine Kontemplation ist das tiefe Versenken von Trauernden in ein Foto von einem Verstorbenen. Das Gefühl für den Verstorbenen kann dabei so stark werden, dass sie dessen Nähe zu spüren glauben. Das Gefühl für die Anwesenheit des Verstorbenen kann so stark werden, dass dieser in der Anschauung der Trauernden anwesend wird und sich über die innere Stimme mitteilt, meistens, um zu trösten. Diese besondere Form der Begegnung eines Lebenden mit einem Toten geschieht ganz persönlich, gleichsam als Geheimnis zwischen beiden, das niemanden etwas angeht.

19
Mai
2013

Pfingsten

Die Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten sollen an die Gegenwart des heiligen Geistes erinnern.

Aber die Gegenwart des allgegenwärtigen Geistes wird erst durch die persönliche Vergegenwärtigung lebendig.

Die Natur ist der Ausweis oder das Urbild des allgegenwärtigen Geistes.

Das Wesen der Natur selbst existiert vor der Entstehung des Universums als Einheit von Energie und Information.

Der Schöpfergeist erschafft, indem er Energie informiert.

Sobald aber Energie informiert wird, entsteht Materie.

Gleichnis: Sobald die Variablen einer geometrischen Formel mittels Zahlen informiert werden, entsteht eine bestimmte geometrische Figur.

Alles, was natürlich entsteht, bleibt nur für eine gewisse Zeit bestehen.

Die Natur des allgegenwärtigen Geistes bleibt durch Bewegung im Erschaffenen gegenwärtig.

Durch diese Bewegung vermittelt die Natur des Geistes Information über sich.

Die einem Geschöpf innewohnende typische Bewegung seiner Natur spürt es durch seinen Instinkt.

Die Gegenwart Gottes wird entweder mystisch oder instinktiv erfahren.

18
Mai
2013

Tragische Form, komische Gestalt

Arche betrachtet das Denken als tragisch komische Eigenschaft des Menschen, ständig am natürlichen Leben vorbei zu leben. Für Arche bedeutet Denken die typisch menschliche Form, Leben künstlich zu gestalten. Es bleibt dem Menschen nichts Anderes übrig, als dieses angeborene Missgeschick anzunehmen und mit diesem Geburtsfehler zu leben. Philosophie wird für Arche zur Kunst, das Leben erträglich zu gestalten.

17
Mai
2013

Ständig zu spät?

Arche beschäftigt die Frage, was es bedeutet, wenn ständig mehr sinnlich geschieht als denkend erfasst werden kann. Das Denken vollzieht sich wesentlich langsamer als das, was eigentlich geschieht. Arche weigert sich, zu akzeptieren, dass uns mehr entgeht als wir mitbekommen. Weil sie nichts zu entdecken vermag, was gegen die Annahme des ständigen Schwunds sprechen könnte, wendet sie sich zunehmend jener Eigenschaft des Denkens zu, welche den Menschen glauben lässt, dass er alles erlebe, was mit ihm und um ihn herum geschieht.

16
Mai
2013

Einem Gedanken fehlt es an Zeit

Das, was die Menschen als Dasein betrachten, bedeutet für Arche Schein. Dem Dasein fehlt die Wirklichkeit des Da, das ist der wahre Augenblick. Das fliehende Wesen kennt keine Gegenwart. Aber ohne Gegenwart verflüchtigt sich auch das Bewusstwerden, bevor es als Vergegenwärtigung zum Vorschein gelangt.
Das Erfassen eines Gedankens ist nicht möglich, weil die Zeit dazu fehlt. Ein Gedanke ist ständig vor sich auf der Flucht zum nächsten. Als Moment des Bewusstwerdens ist Bewusstsein die Erinnerung einer Wahrnehmung, die längst verflossen ist, wenn das Denken sich mit ihr beschäftigt.

15
Mai
2013

Epoche des Werdens (4)

 
Fluchtverhalten
 
Jeder von uns kann sein Fluchtverhalten selbst überprüfen, denn sobald er erwacht, ist er schon in Gedanken damit beschäftigt, sich für den Tag herzurichten, und während er das tut, überlegt er bereits, was er frühstücken wird, und während er frühstückt gehen ihm bereits bevorstehende Arbeiten durch den Kopf. Und selbst während unserer Arbeit denken wir längst an den Feierabend. Und während wir einschlafen, denken wir an den nächsten Tag.

14
Mai
2013

Epoche des Werdens (3)

 
Das abwesende Wesen
 
Durch den Schwund des Augenblicks schwindet auch die Gegenwart. Ohne Gegenwart aber existieren weder Vergangenheit noch Zukunft, denn Gegenwart vollzieht sich als Übergang der Vergangenheit in ihre Zukunft. Jetzt ist immer das Nachher von vorher. Im Blick auf das, was werden soll, verpasst der Mensch ständig das, was gerade wird. Aus diesem Grund kennt das Lebewesen Mensch seine Gegenwart nicht wirklich.

13
Mai
2013

Epoche des Werdens (2)

 
Bewegungsdrang, Habgier, Neugier
 
Fliehen, das ist der Ausdruck des Wesens des Menschen.
Dieses Fliehen äussert sich körperlich, seelisch und geistig:

körperlich durch das ständig in Bewegung sein müssen,

seelisch: durch die ständige Unzufriedenheit mit dem, was ist oder was man erreicht hat,

geistig: durch das ständige Suchen nach Fortschritt durch Neues.

12
Mai
2013

Epoche des Werdens (1)

 
Das fliehende Wesen
 
Mit der Philosophin Arche, die in Utopia während der Zeit des Werdens lebte, beginnt die utopische Philosophie. Arche, die sich selbst eine Utopistin nennt, lehrt die Ortlosigkeit des Lebens in der Zeit. Die Zeit lässt dem Leben keinen Raum. Arche nennt den Menschen deshalb ein fliehendes Tier. Dieses Lebewesen findet, solange es lebt, keinen Augenblick, um zu verweilen. Dem fliehenden Lebewesen ist nicht vergönnt, “Jetzt” zu sagen. Bevor es “Jetzt” gesagt hat, ist schon längst das vergangen, was es benennt: der Augenblick.
 

11
Mai
2013

Ab morgen: Geschichte der utopischen Philosophie

 
In einem Antiquariat fiel mir vor einiger Zeit das Buch “Geschichte der utopischen Philosophie” auf. Ein erster Blick in dieses Buch versetzte mich in Erstaunen. Ich fand nämlich keine Angaben von Jahreszahlen, sondern Überschriften für Epochen.
 

10
Mai
2013

Wer sagt uns, dass wir denken?

 
Wer sagt uns, dass wir denken? Diese Frage überrascht, denn jeder von uns hält das Denken für so selbstverständlich wie das Atmen. Wir meinen, dass wir ununterbrochen denken. Wir können sogar gar nichts anderes als zu denken. Was also soll überhaupt diese merkwürdige Frage?

Vergegenwärtigen wir uns aber als die einzigen Lebewesen auf der Erde, die den eigenen Lebensraum zerstören, dann sieht es durchaus so aus, dass wir eher nicht nachdenken, also dem nicht nachsinnen, was wir eigentlich tun. Und werfen wir einen Blick in unsere Schulen, dann erweist sich das Unterrichten eher als Auswendiglernen als Erziehung zum Denken. Unsere Gesellschaft beweist geradezu, wie gedankenlos sie ist, wenn sie einem Lehrer zutraut, mehr als zwanzig Schüler und Schülerinnen individuell unterrichten zu können. Völlig überforderten Lehrern fehlt es schlichtweg an Zeit, sich angemessen auf ihren Unterricht vorzubereiten. Und was tut man, wenn man keine Zeit hat? Man verlässt sich auf das, was man schon kann. Lernende mögen gewöhnlich keinen Unterricht, weil sie dort in der Regel nichts erleben, sondern sich mit Wiederkäuen abquälen. Das Erleben ist aber ein wichtiges Indiz dafür, dass Denken überhaupt stattfindet.

Wer denkt, ist auf der Suche, will etwas in Erfahrung bringen. Neues erfahren aber ist ein weiteres Indiz für das Denken. Wer denkt, ist neugierig, will entdecken. Es ist die Neugier, die zum Denken antreibt. Neugier ist geradezu der Beweggrund des Denkens. Denken organisiert Bewusstwerden körperlich bzw. sinnlich, seelisch und geistig, indem es Bilderleben inszeniert. Diese Inszenierung kann jeder selbst beobachten, indem er nach innen schaut. Der Blick nach innen wird durch die Frage ausgelöst, was ich mir gerade vorstelle. Dabei stellt sich gewöhnlich heraus, dass wir uns sowohl mit der augenblicklichen Situation (primäre Vorstellung) als auch damit, wie wir uns verhalten sollen (sekundäre Vorstellung) beschäftigen. Nur wenn wir uns besonders darauf konzentrieren, können wir beide Situationen voneinander unterscheiden. Nehmen wir an, jemand hat vor, in die Stadt zu gehen. Mit einem Blick aus dem Fenster wird er sich über das aktuelle Wetter informieren (primäre Vorstellung) und sich klar werden, was er anziehen soll (sekundäre Vorstellung). Betrachten wir diesen Vorgang noch genauer, dann können wir feststellen, dass wir uns primär ein Geschehen wie z. B. die Bewegung der Wolken vorstellen und uns sekundär ein Bild wie „Es wird nicht regnen!“ davon machen. Das Abbild (sekundär) der primären Wahrnehmung ist eine Leistung des Verstandes. Es entstand durch sorgfältiges Betrachten und Beobachten von Zusammenhängen. Eine Leistung des Denkens besteht also darin, dass Bilderleben durch den Verstand in Bilder-Leben und Bild-Erleben geschieden wird, wobei das Bild-Erleben sehr oft den Charakter einer Soll- oder Führungsgröße hat.

Wir stellen also fest, dass wir durch Selbstbeobachtung viel über unsere inneren Vorgänge herausfinden können. Selbstbeobachten ist neben Suchen Erleben ein weiteres Indiz für das Denken.
Allmählich wird klarer, dass Denken nicht einfach ständig abläuft, sondern besonderer Konzentration (Ausrichtung nach innen) bedarf. Ich denke nicht einfach, sondern ich muss eigens denken wollen. Wenn ich denke, bin ich voller Neugier auf der Suche nach etwas, das ich entdecken oder aufdecken will.
Ein wenig haben wir darüber erfahren, dass wir uns wahrscheinlich selbst die Frage beantworten können, ob wir denken oder nicht. Aber um diese Wahrscheinlichkeit erhöhen zu können, müssen wir uns auf den Weg machen, um noch mehr darüber zu erfahren, was in uns mit uns geschieht.
 

9
Mai
2013

Unbewusst bestimmt

 
Uns wird nicht bewusst, dass wir uns im Alltag vorwiegend unbewusst, weil routiniert verhalten. Es bedarf eines eigenen Aktes des Willens, um innere Vorgänge bewusst werden zu lassen. Der Wille ist das Vermögen, Bewusstwerden zu initiieren, zu regeln und zu verändern. Zugleich mit einem solchen Willensakt organisiert sich das Denken, indem es Vorstellungen von dem, was wir erleben, inszeniert.
 
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Prof. Dr. habil. W. Schmid

 

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© Texte: Wolfgang F. Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) mail(at)wolfgang-schmid.de Bilder: Ulrike Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) mail(at)ulrike-schmid.de

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