28
Feb
2015

schizophren bis multiphren

Überkommene Ansichten von Persönlichkeit bemühen sich, das Selbst einer Person als Einheit bzw. Ganzheit darzustellen.
Das Wort „Person" entstammt jedoch dem lateinischen Wort „persona“, das „Maske eines Schauspielers“ bedeutet. Der Mensch maskiert sich. Eines seiner vielen möglichen Gesichter „trägt“ er öffentlich vor. Das Selbst inszeniert sich für verschiedene öffentliche Auftritte unterschiedlich. Das Ich maskiert sich je nach Situation. Kaum jemand zeigt je sein wahres Gesicht. Wir alle tragen Gesichtsmasken. So herrscht auf Roten Teppichen mehr oder weniger erstarrtes Dauergrinsen vor, und in Talkshows wird die Kunst der Verstellung zelebriert.

Fast scheint es so, als könnten wir uns nicht öffnen und offen sprechen. Ständig scheinen wir so zu tun als ob.

Das Selbst gleicht einem Chamäleon, das sich spontan seiner Umgebung anzupassen weiß.
Der zureichende Grund für die Vielgesichtigkeit des Menschen, ergibt sich aus der vermeintlichen Notwendigkeit, sich im Alltag flexibel zu zeigen. Negativ vorgelebt wird das beispielsweise durch Scheinheilige der Kirche, die sich mit Frömmigkeit maskieren, nachdem sie Kinder missbrauchten oder andere Untaten verübten. Mordende Kreuzritter, habgierige, lüsterne Päpste, neurotische Priester maskieren sich als Fromme.

Was ist das für eine Widersprüchlichkeit in der sich der Mensch als vernunftbegabtes Lebewesen vorfindet? Warum handelt er so oft wider besseres Wissen?

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, Die eine will sich von der andern trennen; Die eine hält, in derber Liebeslust, Sich an die Welt mit klammernden Organen; Die andere hebt gewaltsam sich vom Dust (= Staub) Zu den Gefilden hoher Ahnen.
(Faust I, Vers 1112 1117)

Gegensätze, mit denen sich das vernunftbegabte Wesen nahezu ständig auseinandersetzen muss sind u.a.:

Seele - Geist,
Glauben - Wissen,
Gefühl - Verstand,
Bedürfnisse - Gewissen...

Da wir nur auf Grund der Einheit des Gegensätzlichen in uns, vernünftig zu handeln vermögen, verhalten wir uns zwangsläufig unvernünftig, sobald das innere Gleichwicht verloren ist.

So fressen sich manche wegen ihres inneren Ungleichgewichts starkes Übergewicht an. Beispielsweise übt jemand seinen Beruf aus, ohne gefühlsmäßig dahinter zu stehen. Verstandesmäßige Gründe unterdrücken seelische Bedürfnisse. Die unterdrückte Seele aber befreit sich aus dieser Unterdrückung, indem sie ihr Bedürfnis nach einem geglückten Dasein körperlich kompensiert. Um das Frustfressen zu bremsen, muss der Verstand die berufliche Tätigkeit entweder seelisch begründen und verändern oder einen gelungen Ausgleich schaffen, damit sich die frustrierte Seele erholen kann. Frustfressen aber kann sich auch einstellen, wenn man beruflichen Erfolg vergeblich (lat. frustra) erwartet.

© Wolfgang F. Schmid

27
Feb
2015

Geschenk der Fantasie

Das größte Geschenk, das die Fantasie zu vergeben hat, ist die Gabe des Schöpferischen, Begabung also. Aber mit dieser Gabe hält sie sich oft so weit zurück, dass sie die Beschenkten selbst nicht einmal wahrnehmen. Sie brauchen Erzieher, die sie auf ihr Talent aufmerksam machen, indem sie es herausfordern, um es dadurch zu fördern.

Allerdings hat die Fantasie mächtige Gegner wie Trägheit, Mutlosigkeit oder Minderwertigkeitsgefühl u.a.

Das Geschenk der Fantasie an mich ist eine Frage, die mein ganzes Leben bestimmen sollte. Ich kann nicht sagen, wann sich mir diese Frage stellte. Sie ist wohl natürlicherweise aufgrund der Situation in meiner Kindheit entstanden.

Ich bin im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges geboren. Als Säugling erfahre ich die Unzuverlässigkeit von Dauer. Vor einem Bombenangriff werde ich mitten aus dem Schlaf gerissen und durch die Schreie ebenfalls in den Luftschutzkeller flüchtender Nachbarn erschreckt. Es fehlt jegliche Orientierung an Vertrautem.
Woher weiß ich um diese Situationen im Luftschutzkeller?
Es sind jedenfalls keine Erinnerungen, sondern meine Fantasie erzählt mir, dass es so gewesen sein muss. Sie erzählt mir auch, dass sich bereits in dieser Zeit das Vermögen entwickelt hat,kurzfristige Strategien zu schaffen, um Notsituationen zu meistern.

Heutzutage weiß ich, dass dadurch gleichsam neuronale Knoten gebildet werden, die kurzfristig vielfältig variierbare Entscheidungsmöglichkeiten schaffen, um möglichst unmittelbar reagieren zu können.
Die Bereitstellung mehrdimensionaler strategischer Entwürfe soll Angst auf Grund vollkommener Orientierungslosigkeit mindern.

Aus meiner frühen Kindheit stammt auch die mein ganzes Leben bestimmende Leitfrage. Ich habe fast nur kriegsbeschädigte Männer erlebt. Mindestens eines der Gliedmaßen fehlte immer. Auf einer Weihnachtsfeier habe ich einen auf seinem Rollstuhl festgebunden, blinden Mann ohne Arme und Beine erlebt. Seine Frau reichte ihm Kaffee und Zigarette, damit er trinken und rauchen konnte. Was mir bis heute nachgeht, ist die Heiterkeit dieses Mannes. Ich habe ihn heimlich beobachtet, wie er fröhlich lachte und seinen Kriegskameraden heitere Geschichten erzählten. Ich berichtete meinem kriegsblinden Vater von meinem traumatischen Erlebnis.

Warum tun sich Menschen so etwas an, und warum sind es die einzigen Lebewesen, die ihren eigenen Lebensraum zerstören? Das ist die existentielle Leitfrage, die mir meine Fantasie stellt.

26
Feb
2015

Werkzeuge der Fantasie

Die Fantasie nutzt Worte für Lyrik und Poesie, Formen und Farben für Gemälde, Töne für Musik, Modelle für Wissenschaft, Dogmen für Religion, Strategien und Prinzipien für Methoden, Fragen, für Suchen, Emotionen für Motive und Gedanken fürs Denken. Fantasie, nicht etwa der Verstand, ist das mächtigste Instrument des vernunftbegabten Lebewesens.

Angesichts der Macht der Fantasie verwundert es nicht, dass sie sich des gesamten Bewusstwerdens bemächtigt und dem Leben mannigfache Spielräume verschafft.

Das Wesen der Fantasie wird vor allem durch emotionales Spielen, Suchen und Entdecken geglückter Zufälle bestimmt. Im Bewusstsein macht sich Fantasie vor allem durch Neugier bemerkbar. Bei Kindern zeigt sie sich vor allem durch unentwegtes Fragen.

25
Feb
2015

Fantasiewelt

Das Wort „Fantasie" (altgriechisch φαντασία phantasía – „Erscheinung“, „Vorstellung“, „Traumgesicht“, „Gespenst“) nennt eine kreative Fähigkeit des Menschen. Fantasie zeigt sich beispielsweise in der Vergegenwärtigung von Bildhaftem wie Erinnerungs- und Vorstellungsbilder, aber auch sprachlich und logisch als Idee.

Als Vorstellungskraft bzw. Imagination ist mit Fantasie vor allem die Fähigkeit gemeint, innere Bilder und damit eine „Innenwelt“ zu erzeugen.

Uns wird gewöhnlich nicht bewusst dass, das, was wir als unser Dasein erfahren, nichts Anderes ist als das Vergegenwärtigen unserer von uns für uns zurechtgemachten Wirklichkeit ist. Unser Gehirn überzieht Wirklichkeit mit einem schönen, wohltuenden Schein, damit wir sie als unser Dasein besser ertragen.

Bisweilen korrigiert unser Gehirn sogar unsere Wirklichkeit aufgrund des von uns (anders) erlebten Daseins.

Fallbeispiel: Schulmedizinisch ausgemachte Wirklichkeit ist die Tatsache eines vorhandenen Tumors in der Lunge. Diese Tatsache widerspricht aber dem Überlebenstrieb. Folglich versucht das Gehirn, diese Krankheit selbst zu heilen. Als selbstreparierendes Organ versucht es also, seelischen und geistigen Widerstand zu aktivieren.
Der seelische Widerstand kündigt sich zunächst durch Hoffnung an, wieder gesund zu werden. Das Gehirn versucht nun, Hoffnung in Glauben an die Gesundung überzuführen. Diese Überführung leistet die Fantasie, indem sie Vorstellungen von Strategien erzeugt, diesen Tumor auszurotten. Nicht wenige tun das, indem sie dem Tumor energisch erklären, dass sie nichts mit ihm zu tun haben wollen und er infolgedessen in ihrem Körper auch nichts zu suchen hat. Andere zerstören ihn zunehmend mehr, indem sie ihn in ihrer Fantasie mit für ihn schädlicher (z.B. ätzender) Flüssigkeit überschütten, während sie ihren Tee möglichst heiß trinken, und wieder andere schicken ihm energievolle Augenblicke voller kleiner Wesen, die ihn nach und nach auffressen.

Wie immer auch die Fantasiebilder aussehen, in jedem Fall handelt es sich um Initiatoren von Selbstheilungskräften, die behutsam Selbstheilung vorantreiben.

Zusätzlich versucht das Gehirn, seelische Strategien geistig zu unterstützen, indem es behutsame körperliche Maßnahmen der energetischen Unterstützung ersinnt. Das kann Bewegung sein wie Spazierengehen, Treppensteigen oder einfache (erlaubte) gymnastische Übungen sein.


Eine Spielwelt ist eine Fantasiewelt, die als Hintergrund und Handlungsort eines Spiels dient. Spielen ist eine Tätigkeit zum eigenen Vergnügen und ohne äußeren Zweck. Kinder üben im Spiel wichtige Fähigkeiten.


Körper, Seele und Geist können also von unserem Gehirn dazu angeregt werden, unsere Wirklichkeit zu verbessern.

24
Feb
2015

Besuch in einer Fantasiewelt

Wie die reine Bergquelle ist die innere Quelle der Fantasie ein Geschenk der Natur. Sie sprudelt aus dem Bewusstsein als Bewusstwerden hervor. Äußere Einflüsse können den klaren geistigen Strom verschmutzen und das Bilderleben trüben. Die Fantasie wird dadurch geschwächt und vermag ihre Bilder nicht mehr klar genug bewusst werden zu lassen. Die Seele beugt dieser Entfremdung vor, indem sie die Fantasie kräftigt und sich mit ihrer Hilfe widersetzt.

Kinder mit derartigem Selbstschutz wirken nach außen hin verträumt. Weil sie sich häufig in ihrer Fantasiewelt aufhalten, wirken sie oft zu ruhig. Da sie in der Schule durch ihre originellen Ideen auffallen und selten stören, werden sie von ihren Lehrern auch weitgehend in Ruhe gelassen.

Ich war wohl auch so ein ruhiges, verträumtes Kind. Allerdings kann ich mich im Augenblick nicht daran erinnern, dass ich mich während des Unterrichts in einer Fantasiewelt aufhielt. Sehr gut erinnere mich aber an meine dienst- und freitäglichen abendlichen Wunschkonzerte im SWF.
Während ich mich auf dem Weg zum Büro meines Vaters befinde, wird pünktlich um 17:45 Uhr in meiner Fantasie das von mir moderierte Wunschkonzert vom SWF gesendet. Den tristen Weg der öden Steinmauer entlang, die das Fabrikgelände der Maggi begrenzt, erklingen volkstümliche Wesen. Es ist eine Art von mir zusammengestellte Hitparade. Manchmal wird sie von kleinen Interviews, die ich mir ausdenke, unterbrochen. Kurz bevor ich im Büro ankomme oder auch schon früher verflüchtigen sich solche Fantasiesendungen wieder. Deren Funktion ist leicht einzusehen. Sie unterhalten mich auf einem immer gleich langweiligen Weg.

Auch langweilige, sonntägliche Spaziergänge werden durch meine Fantasie belebt. Ich spiele Rangierlok, weil wir immer wieder stehen bleiben. Abends vor dem Einschlafen verkaufe ich Bratwürstchen an meinem Imbissstand im Niederhof oder baue von mir entworfene Wege oder Häuser.

Meine Erinnerung sagt mir, dass es sich um Fantasiewelten handelt, bevor ich Lesen und Schreiben lerne. Es handelt sich insgesamt um Imitationen der Wirklichkeit oder um Nachbildungen vom Hörensagen. Wenn ich mich recht entsinne hält die innere Stimme erst mit dem Schriftspracherwerb Einzug in die Fantasiewelt.

Durch den Umgang bzw. die Erfahrungen mit Fantasiewelten habe ich gelernt, Fantasie zu nutzen, um einen Gang durch meine Innenwelt zu machen. Ich tue das, indem ich mich durch meine Fantasie dazu einladen lasse.

Die Fantasie offenbart das jener Vorgang, welchen sie gestaltet, Denken heißt. Es handelt sich um das Gestalten des Bewusstwerdens als Bilderleben im zweifachen Sinn.. Bilder-Leben wird un- und vorbewusst erzeugt, und Bild-Erleben ist das, was von diesem Bilder-Leben bewusst wird.

Da mir diese Erklärung zu abstrakt ist, bitte ich die Fantasie um ein Beispiel. Sie greift auf meine selbstinszenierte Radiosendung zurück. Jene Musikstücke, die Dir einfallen, entstammen dem un- und vorbewussten Bilderleben. Das Stück, welches Du für die aktuelle Sendung aussuchst, ist das Bild-Erleben. Bild-Erleben ist gleichsam die Erfahrung einer Eingebung.

Solche Erfahrungen kommen entweder trieb- oder bedürfnisbedingt zustande, entstehen also emotional durch Impulse des Unbewussten. Ich erkundige mich, ob das, was ich momentan aufschreibe, auch durch sie, die Fantasie, ins Werk gesetzt wird.

Die Fantasie tadelt mich, weil ich das doch bemerken müsste.

23
Feb
2015

Spielräume

Wenn dunkle Wolken der Schwermut das Dasein verfinstern, flüchten Kinder in ihre Spielwelten und Erwachsene in Tagträume.

Wir alle verfügen von Natur aus über einen Fluchtraum. Obgleich wir diesen Raum tagtäglich nutzen, wird das den wenigsten bewusst. Den meisten ist unklar, dass sie in einer geschönten Gegenwelt leben. Wer bemerkt schon, dass er sich etwas zurechtlegt, sobald er wahrnimmt.

Bewusstwerden durchläuft vor allem drei Phasen, die mit den Eigenschaften des Gedächtnisses zu tun haben. Im Ultrakurzgedächtnis, dem sogenannten Vorbewusstsein, werden Sinnesreize und innere Impulse bereits so gefiltert, dass diese Filterung augenblicklichen Bedürfnissen gerecht wird.

Wenn jemand hungrig ist, dann wird er natürlicherweise Essensauslagen einer Bäckerei oder Metzgerei ansprechender empfinden als im gesättigten Zustand. Wenn er überlegt, ob er sich etwas zum Essen kaufen soll, wurde das Ergebnis dieser Überlegung bereits im Vorbewusstsein vorweggenommen, nämlich die Entscheidung, sich etwas zum Essen zu besorgen.

Das, was wir Bewusstsein nennen, macht uns Entscheidungen bewusst, die bereits im Vor- und Unbewusstsein schöngefärbt getroffen wurden. Ohne dass es eigens bewusst wird, leben wir in einer vor- und unbewusst gestalteten Scheinwelt. Der schöne Schein des Daseins kann religiös, künstlerisch oder wissenschaftlich geprägt sein.

Unaufgeklärt erfahren wir nichts von unserer inneren Emigration. Aber was haben wir vom Verlust dieser Art von Naivität?

22
Feb
2015

Logik des Bewusstwerdens

Das Bewusstsein kann sich physisch, psychisch oder noetisch organisieren. Das Adverb „poetisch" ist vom griechischen Wort noētós (deutsch: geistig wahrnehmbar) abgeleitet. Diese Organisationsformen werden vom Gehirn mitgeteilt. Hintergrund dieser Mitteilung ist die übernommene bzw. anerzogene Vorstellung von Körper, Seele und Geist. Wenn diese Einheit das vernunftbegabte Lebewesen ausmacht, dann, so wird gefolgert, steuert sie - laut Eingebung -auch das Bewusstwerden.

Entweder Körper, Seele oder Geist können in Extremfällen jeweils die Rolle des Reglers des Bewusstwerdens übernehmen und damit Introspektion entsprechend organisieren. Herrschen beispielsweise Schmerzen vor, dann beherrscht auch der Körper das Bewusstwerden. Nimmt dagegen Niedergeschlagenheit überhand, wird das Bewusstwerden vor allem von negativen Gefühlen bestimmt. Der Geist übernimmt dann die Vorherrschaft, wenn es um konzentriertes schöpferisches Arbeiten geht. Aber das Gleichgewicht wird erst dann gewahrt, wenn alle drei Komponenten zugleich gleich beteiligt sind.

Das innere Auge sieht klar, wenn sich Bewusstwerden harmonisch vollzieht. Erst dann vermag es nicht nur die eigene Natur zu erfahren, sondern Natur schlechthin.

21
Feb
2015

Aktive Intuition

Gewöhnlich meint man die gefühlsmäßige passive Intuition in Richtung Bewusstsein und vernachlässigt Gelegenheiten zur verstandesmässigen aktiven Intuition (Inspiration) in Richtung Unbewusstsein. Nur die bewusstseinsorganisierte Intuition ermöglicht neue bzw. originelle Erfahrungen. Aus diesem Grund bedarf es auch einer anderen Methode als die des inneren Dialogs.

Die entscheidende Hilfe zur aktiven Intuition ist die künstlerische Fantasie. Das bekannteste und zugleich älteste Beispiel hierfür ist Platons Höhlengleichnis. Man kann diese Methode selbstverständlich als das Schauen des inneren Auges betrachten.

Das innere Auge soll uns nun den Blick für das freigeben, was uns auf dem Weg aus dem Bewusstsein ins Unbewusstsein erwartet.

20
Feb
2015

Gegen Gefühlsduselei

?: „Ist es überhaupt zutreffend, Intuition lediglich als Widerspiegelung von Gefühlen zu betrachten?"

!: „Selbstverständlich nicht! Ich erwähnte bereits, dass Intuition unbewusst eigene Erfahrungen superiert. Als spontan vergegenwärtigte Komplexion von Verhaltensmustern orientiert sie sich augenblicklich an rationalen Strategien."

?: „Damit schließt doch Intuition Inspiration mit ein oder etwa nicht?"

! „Letztlich handelt es sich sogar um Synonyme"

?: „Warum aber wird Intuition nur auf eigene Erfahrungen beschränkt?"

!: Sie wird wegen der Enge des Bewusstseins nur zum Teil bewusst, nämlich emotional und nicht auch rational!"

?: „Das meine ich nicht, sondern ich möchte wissen, ob sich Intuition allein auf den subjektiven Erfahrungsschatz bezieht. Vermag denn Intuition nicht die Grenzen des Ichs bzw. des Selbst zu überschreiten?"

!: „Intuition vollzieht sich sowohl passiv als auch aktiv, also entweder in Richtung Bewusstsein (passiv) oder in Richtung Unbewusstsein (aktiv). Die aktive Intuition ist ziemlich unbekannt und insofern fast noch ein Geheimnis!
Die aktive Intuition wird zwar emotional initiiert, aber rational aktiviert."

19
Feb
2015

Heimliche Hilfe

!: "Wegen der Enge des Bewusstseins kann längst nicht alles bewusst werden. Ohne den inneren Autopiloten kämen wir jedenfalls kaum klar. Bis zu 100.000 Entscheidungen trifft der Mensch pro Tag. Nur für die wenigsten hat er wirklich Zeit. Die allermeisten aber ("Greife ich mit der Linken oder mit der Rechten zum Telefonhörer?" "Was sage ich meiner Nachbarin, wenn sie mich fragt, wie's mir geht?") fallen unterhalb der Bewusstseinsschwelle."

?: „Intuitives Denken ist also viel schneller als logisches Denken?

!: „Deshalb kommen Leute, die nur nach gründlicher Abwägung entscheiden, zu nichts. Wenn wir einen Konflikt lösen müssen und nur Logik anwenden, können wir ergebnislos den ganzen Tag damit zubringen.

?: „Aber allein der Intuition zu vertrauen, macht allerdings auch keinen Sinn. Ist Intuition ohne Intellekt nicht doch zu risikoreich?"

!: „Die Nadel des inneren Kompasses lässt sich durchaus ablenken,denn die Einstellung wird dadurch beeinflusst, dass man eine Situation mit einer anderen verknüpft, nur weil es damals so ähnlich roch, oder auch durch eine miese Stimmung, in der man sich gerade befindet. Dann nämlich zieht man andere Erfahrungen zur Entscheidung heran, als wenn man bester Laune ist!"

?: „Aber werden intuitive Eindrücke nicht auch vom Verstand beeinflusst?"

!: „Ja besonders dann, wenn die Intuition Dir zu einem besonders wertvollen Geschenk rät, und der Verstand diese Empfehlung stoppt, weil der Preis zu hoch ist."

?: „Versagt nicht das Bauchgefühl häufig dann, wenn es um Selbsterkenntnis geht?"

!: „ Jeder muss selbst wissen, wann er seine Intuition einsetzt. Man sollte nicht voreilig auf sie hören oder nur, weil man zu faul zum Nachdenken ist."

?: „Ist das so zu verstehen, dass man mit seinen Intuitionen auch erst einmal Erfahrungen sammeln muss?"

!: „Natürlich!"

18
Feb
2015

Frustration

Eine Frustration (von lat. frustra = vergeblich bzw. frustratio = „Täuschung einer Erwartung“) ist eine vergebliche Erwartung bzw. Enttäuschung.

?: "Die innere Stimme als bloßes Echo des Ich, das ist schon enttäuschend, nicht wahr?"

!: „So ist es! … Aber die innere Stimme greift auf den gesamten Erfahrungsschatz zurück, auf alle Reaktionsmuster, Einschätzungen und Kenntnisse, die sofort abrufbar sind - ohne dass darüber noch eigens nachgedacht wird."

?: „Was unterscheidet die innere Stimme dann vom Instinkt?"

!: „Der Instinkt, setzt in Extremsituationen automatisch ein Verhaltensprogramm in Gang, die Intuition aber, deren Fürsprecherin die innere Stimme ist, zeigt sich als Kreativität. Sie fällt spontan Urteile, schafft Vorlieben oder trifft augenblicklich Entscheidungen."

?: "Ist Intuition eine Art Begabung?"

!: „Ja, sie wächst mit dem Erfahrungsschatz. Sie wirkt so geheimnisvoll unergründlich: weil wir nicht wissen, dass wir wissen, was wir wissen.

?: Dann führt das mentale Durchspielen aller Möglichkeiten also nicht unbedingt zu besseren Entscheidungen?"

!: "Selbst Albert Einstein wusste: "Wenn man gar nicht gegen die Vernunft sündigt, kommt man zu überhaupt nichts!"
Schließlich ist die Vernunft keineswegs so vernünftig, wie sie zu sein scheint. Emotionen und Erfahrungen entscheiden darüber mit, was auf die Für- und Wider-Listen der Logik gesetzt wird. Wir müssen lernen, zu akzeptieren, dass wir manchmal einfach nicht wissen, warum wir etwas tun!"

17
Feb
2015

Einladung

Innere Dialoge entwickeln sich entweder bewusst oder unbewusst. Unbewusst geschieht das durch Emotionen und/oder Eingebungen, bewusst durch Gewissen oder durch Fragen vor allem.

Innere Dialoge werden vor allem durch die innere Stimme angeregt. Diese Dialoge dürfen nicht mit Selbstgesprächen verwechselt werden. Wenn jemand eine Weile unterwegs ist und sich dann erschrocken fragt „Habe ich überhaupt den Herd abgeschaltet?“, dann wird durch diese Frage kein innerer Dialog in Gang gesetzt. Die Frage ist mit keiner Eingebung oder Intuition verbunden, sondern beruht auf bloßer Erinnerung.

Einen inneren Dialog bewusst herbeiführen bedeutet eine Frage in Hinsicht auf eine von Neugier geleitete Thematik formulieren.

Eine solche Frage könnte sich beispielsweise nach jenem Grund erkundigen, welcher das Phänomen des inneren Auges verantwortet. „?“ steht für mich als fragenden. „!“ steht für die innere Stimme als antwortende.

?: "Was genau ist das innere Auge?"

!: „Das innere Auge ist ein in der Esoterik schon fast bis zur Bewußtlosigkeit malträtiertes Werkzeug! es ist auf keinen Fall das, als was es geschäftstüchtige Esoteriker beschreiben. Deshalb spricht man wohl besser von Introspektion, denn Selbstbeobachtung meint die Fähigkeit des Bewusstseins, sich selbst zu spiegeln, um sich durch diese Spiegelung selbst wahrzunehmen, zu betrachten, zu beobachten und zu begreifen!"

?:“Soll das heißen, das mir die innere Stimme nur das sagen kann, was ich schon immer weiß?"

!: „So ist es!"

16
Feb
2015

Innerer Dialog

"Innerer Dialog“, das ist der Name für jene Form der Kommunikation zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein, welche gewöhnlich als eine Art Selbstgespräch empfunden wird.

Das Selbstgespräch ist jene Form, in welcher sich das Ich mit sich selbst einen inneren Dialog gestaltet. Das Ich hört sich selbst dabei als innere Stimme eines vorgestellten Selbst.

Ein innerer Dialog kann sowohl vom Bewusstsein als auch vom Unbewusstsein angeregt werden. Wird das innere Zwiegespräch durch das Un- oder Unterbewusstsein ausgelöst, dann wird das häufig als Stimme des Gewissens empfunden. Die innere Stimme meldet sich nämlich in der Regel dann, wenn etwas als nicht ‚ordentlich‘ geregelt erscheint.

In der Geschichte der Philosophie wird die innere Stimme zum ersten Mal von Sokrates beschrieben. Sokrates nennt sie ‘daimonion’ und versteht diese innere Erscheinung wie später auch Augustinus oder Hildegard von Bingen als Wesen und Wirkung des Göttlichen.

Sokrates’ Auffassung nach wird jedem Menschen von Geburt an ein göttlicher Schutzgeist mit auf den Weg gegeben, der ihn vor Unheil bewahrt. Erst wenn der Mensch diesen Schutzgeist vernachlässigt und damit den Unwillen der Götter erregt, wird das Dämonische in ihm zur Verblendung und Besessenheit.

Das sokratische Daimonion stellt sich, ständig anwesend, schützend vor die ihm Anvertrauten. Das Daimonion berät zwar, aber es trägt nicht zum Erkennen bei. Das Daimonion ist streng getrennt vom Verstand, es sagt das, was der Verstand nicht erkennen kann. Es ist nicht das sittliche Gewissen. Was Sokrates zu tun hat und was nicht, sagt ihm sein Verstand. Das Daimonion bedeutet die Stimme, die ihn warnt, sobald er gegen seine Intuition handelt.

Die innere Stimme gilt je nach Ansicht den einen als Stimme der Seele, anderen als Sprache der Vernunft und wieder anderen als Ausdruck des Gewissens oder als Zuspruch des Geistes oder auch Stimme des Herzens. Mahatma Gandhi nennt die „leise innere Stimme den einzigen Tyrann, den er in dieser Welt anerkennt.“

Die innere Stimme wird gewöhnlich durch das Gewissen, seltener durch den Verstand geweckt. Im Alltag meldet sie sich wie gesagt zu Wort, wenn unser Verhalten gegen eine Norm, eine Regel oder gar gegen ein Gesetz zu verstoßen droht. Durch den Verstand wird sie gewöhnlich durch eine Frage geweckt. Sie berät schöpferische Menschen, was sie schaffen können und diktiert Schriftstellern den Text oder Komponisten, was sie komponieren sollen.

Künstlerisch, aber auch wissenschaftlich schaffende Menschen sind auf die innere Stimme angewiesen.

Als innerer Dialog spiegelt die innere Stimme Reflexionen des Empfindens durch Gefühle. Äußere Reize oder innere Impulse finden dabei ihren sprachlichen Ausdruck oder gestalten sich als Antizipationen oder auch Visionen.

Wird das Daimonion zum Gegenstand der ‚Vermarktung‘, dann erfährt es vielfältige Auslegungen. Das reicht von Engeln bis hin zu inneren Beratern wie der innere Arzt oder der innere Lehrer. Das sind - vor allem im esotherischen Bereich - Versuche, das Phänomen der inneren Stimme für alle bewusst und damit erfahrbar zu machen.

Das Problematische solcher Versuche liegt in der Besetzung der inneren Stimme mit einer bestimmten Rolle. Wird das Daimonion beispielsweise als innerer Arzt ausgestattet und zum inneren Berater für gesundheitliche Angelegenheiten erklärt, dann werden die Möglichkeiten des Daimonion gefiltert. Der Vorteil solcher Filterung liegt darin, dass das Daimonion leichter zur Sprache gelangt. Der ganz entschiedene Nachteil aber ergibt sich aus der Vermischung von intuitiven Mitteilungen mit Argumenten des Verstandes. Dadurch wird die natürliche intuitive Verlautbarung des Daimonion verfälscht und gemindert.

Die Mitteilungen der inneren Stimme in Gestalt eines Engels, eines inneren Arztes oder eines inneren Lehrers werden zu Gags. Das so verfälschte Daimonion veranstaltet narzisstische Gigs, also spontane, verführerische Selbstvergnügungen.

15
Feb
2015

Der Weg ist das Ziel

Das innere Auge vermag Bewusstwerden insgesamt zu schauen, hat also Einblick ins Vorbewusstsein, Bewusstsein und Unbewusstsein. Durch Beobachtung des Bewusstwerdens lassen sich folgende Strecken ausmachen: VORBEWUSSTSEIN: Isolation des Aussenreizes —> Initiation einer entsprechenden Erinnerung —> BEWUSSTSEIN: Identifikation —> Interpretation —> introspektive Supervision —> UNBEWUSSTSEIN: innerer Kommentar <=> Inspiration.

Es ist immer das Gehirn, das Texte produziert. Das geschieht vor allem entweder durch Markieren des Produktionsweges (Gliederung des Textes) oder durch offenes Produzieren, wobei dann der Weg das Ziel ist. Die Produktionsidee wird durch den Verstand gesteuert, während die Vernunft den Weg regelt, der das Ziel ist.

Die beste Strategie, auf einem offenen Weg voranzukommen, ist die Initiation eines inneren Dialogs.
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Prof. Dr.phil. habil. Wolfgang Schmid

 

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