15
Dez
2017

BIOLOGIK DES WERDENS

1. Werden setzt eine zureichende Ursache voraus, um als Bewegung wirken zu können.

14
Dez
2017

FANTASIE OFFENBART DEN HIMMEL

In der bewussten Welt gilt der Körper als Haus der Seele, das von dieser mit dessen Tod verlassen wird.

Es war zwar für mich zu erfahren, während des Sterbens allem Vertrauten zu entschweben und damit alles zu verlieren, was nicht Erinnerungen gehört. Hoch erstaunt, an bloßes Erinnern ohne Zukunft gebunden zu sein, wird einzig und allein das Vergegenwärtigen von Dagewesenem zu möglichem Erfahren. Ich erfährt sich als Wahrnehmen Erfahren grenzenlos gewordenem Selbst. Da zu Erinnerungen ehemalige Kontakte gehören, ermöglicht dieser Zusammenhang gleichsam ein Wieder Sehen der Gewesenen. Dieses Wiedersehen ist weder raum- noch zeitlos, sondern allein emotional gebunden. Dabei gewährt ein stabiles Kommunikationsnetz inneren Stimmen zuverlässige Kontakte.

Da Sprache und Möglichkeiten, sich mitzuteilen, gänzlich fehlen, müssen eben andere Wege entdeckt werden. Da einzig und allein Gefühle die Seele regeln, muss sich Dagewesenes rein emotional mitteilen, indem es die innere Stimme der Empfangenden dazu bewegen, Emotionen zur Sprache zu bringen.

Zunächst verstärkt das Vergegenwärtigen des Versäumten die Trauer. Endgültiger Entzug macht Korrekturen unmöglich.

Ewiges Verweilen in allgegenwärtigem Selbst erscheint zunächst kaum erträglich. Im Nichts schöpferisch zu werden verlangt nach Energien, die allererst angeeignet werden müssen. So gesehen gilt Himmel gleichsam als kreativer Kraftakt.

13
Dez
2017

GOTT IST NICHT DAS, WAS FROMME GLAUBEN

Gesetzt den Fall, Emotionen als Widerspiegelungen körperlicher, seelischer und geistiger Prozesse werden in irgendeiner Forn physikalisch gespeichert und dies Formen ermöglichen es dann, nach dem körperlichen Tod ein Eigenleben zu gestalten, dann käme eine solche Existenz in etwa dem gleich, was Himmel Gläubige Himmel nennen.

Die Existenz Gottes wäre dann gleichsam das alles bewahrende physikalische Substrat, der eine derartige Form innewohnt.

Wäre so etwas überhaupt nachvollziehbar und dann auch noch beschreibbar? Vielleicht ist die es wert, eine solche Vision zu wagen.

12
Dez
2017

SCHWIERIG, WAHRES ZU ERFAHREN

Da sich das, was wahr sein soll, nicht wie das, was sich als richtig erweist, aus wissenschaftlichen Überprüfungen ergibt, sondern auf Glauben angewiesen ist, erscheint es als sehr problematisch, dem zu vertrauen, was als Wahrheit offenbart wird.

Religionen versuchen, diesen Mangel durch Wunder auszugleichen. Aber die lediglich subjektive Gültigkeit solcher Wunder macht eine objektive Bewertung unmöglich.

In Wundern werden fantasievolle Bilder der Gefühle überhöht. Solchen Überhöhungen wird geglaubt und dann Verehrung gezeugt.

In vorwissenschaftlichen Zeiten war das Vergöttlichen von Fantasiebildungen eine Notlösung, die überhaupt erst Orientierung des Daseins ermöglichte. Auf diese Weise kamen erst die Geburten von Göttern und Göttinnen zustande, die sich schließlich zu drei Gottheiten in einem dreifaltigen Gott vereinfachten.

11
Dez
2017

Wegmarken

sind die Fragen
1) Welche (Eigenschaften)?,
2) Was (Etwas Bestimmtes)?,
3) Weshalb (Grund)?,
4) Wofür (Zweck/Sinn)?,
5) Warum (Ursache)?.
6) Wozu (Wirkung)?,
7) Wobei (Umstand)?,
8) Womit (Mittel)? ,
9) Wie viel (Maß) ?,
10) Wie (Art und Weise)?,
11) Wo (Raum)? und
12) Wann (Zeit)?.

Wird versucht alle Aspekte des Fragens in einem Satz zu berücksichtigen, dann wird die Enge des Bewusstsein zum Hindernis für den Verstand. Vernunft aber vermag diese Grenzen zu überschreiten. Der folgende Allsatz macht dieses erlebbar.

Etwas wird erst dann und nur dann vollständig erkannt, wenn dessen charakteristische Eigenschaften den zureichenden Grund und Zweck so hervorscheinen lassen, dass zufolge der Art und Weise der Wirkung die Ursache in Raum und Zeit ermittelt werden kann.

Das Problem, Intuition zu verstehen, eribt sich aus der Notwendigkeit, diese Empfindung zu versprachlichen. Durch die Übersetzung in Verstandestätigkeit mit Hilfe der Sprache verlieren sich gefühlte Spuren jenseits von Erfahrungen. Vor allem lässt der Verstand tiefes inneres Schauen gewisse Erscheinungen als unglaubhaft erscheinen.

Erst das vollkommene Loslassen überkommener Formen ermöglicht freies inneres kontemplatives Gestalten als Vorschein von Visionen.

Bewusstwerden kennt zwei wesentliche Eichtungen innerern Sprechen: das Fragen (?) und das Antworten (!)

Allerdings löst deren angenommener Wahrheitsgehalt tiefe Zweifel aus.

INTUITION WILL GEWECKT, NICHT GELEHRT WERDEN

Axiome wie der Satz der Identität "a = a" lassen sich nicht beweisen, sondern allein nur glauben. Axiome sind wahr und deshalb nicht richtig.

Dennoch bilden diese Wahrheiten die Bedingungen aller Möglichkeiten von Wissenschaft.

Wer intuitiv vorgehen will, muss wie Einstein kontemplativ nach innen schauen, um zu sehen, was Natur offenbart.

Nach innen gehen wollen, verlangt, akribisch fragen können.Das Vermögen zu fragen gründet auf der Erkenntnis a priori um die möglichen Perspektiven und Aspekte des Fragens.

Wer sich auf diesen Weg macht, nimmt zunächst Eigenschaften wahr, die etwas Bestimmtes als solches charakterisieren. Während dieser Einsicht gelangt der zureichende Grund und Zweck dieses Etwas hervor. Aber warum ist dieses Etwas überhaupt, das durch sein Wirken auf die Ursache zurück verweist. Während des Betrachtens der Bedingungen seiner Möglichkeit fallen Mittel und Maß dieses Etwas in Raum und Zeit auf.

10
Dez
2017

Alles, was zählt, ist Intuition

"ALLES, WAS ZÄHLT, IST INTUITION ...

... Der intuitive Geist ist ein Geschenk und der rationale Geist ein treuer Diener.
Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat. "

Gewöhnlich wird nicht erfahren, was ausserhalb alltäglichen Daseins existiert. Dasein ist die Welt der Erfahrung (aposteriori). Diese Welt wird durch natürliches Ordnen vor aller Erfahrung (a priori).

Gewöhnlich wird die Welt vor aller Erfahrung nicht wahrgenommen, da vernunftbegabte Lebewesen dafür zwar begabt, aber nicht hinreichend sensibilisiert sind. Um nämlich Sein vor aller Erfahrung empfinden zu können, bedarf es eines geeigneten Trainings.

Durch dieses Training wechseln Aufmerksamkeit und/oder

Konzentration in Intuition. Im Gegensatz zur sinnlichen oder geistigen, selektiven Wahrnehmung vollzieht sich intuitives Wahrnehmen ganzheitlich.

Ganzheitlich, das bedeutet Zusammenspiel aller neuronalen Bereiche und Funktionen, um intuitives Empfinden bewusst werden zu lassen.

Dort, wo sich der Weg durch den Hoppenlau-Friedhof zur Stadt hin ausrichtet, trauert im Spätherbst die alte hohe Kastanie voller Anteil seiner verlorenen großen Liebe nach. Wenn ihn sein Gang zum Wochenmarkt voller schmerzlicher Erinnerungen an ihr vorbeiführt, fühlt er ihren Trost als ob ihm die Tote aus der Ewigkeit lebendig liebevoll zuflüstert.

Der ungläubige Verstand versucht der gläubigen Vernunft dieses wundervolle Gefühl zu enteignen. Logik verabscheut, was emotional über die Stränge schlägt.

Der Geist des Verstandes macht es der Seele der Vernunft nicht leicht, sich während des Bewusstwerdens gefühlt durchzusetzen.
Dementsprechend schwierig wird es, Intuition zu bechreiben.

Als Sprache der Seele drückt sich Intuition unmittelbar durch die innere Stimme aus. Deshalb verlangt sie nach besonderen Bildern und meidet Abstraktionen.

Aus diesem Grund ist Intuition unmittelbar in der Kunst und nur mittelbar in der Wissenschaft antreffen.

9
Dez
2017

Mitteilungen von drüben

Selbstloses Ich bewegt sich grund- und zwecklos durch freie Weiten der Unendlichkeit ohne irgendwelchen Halt durch Sinn.

Spiele verursachen mittel- und maßloses Wirken, ohne dass Bedingungen Wege markieren. Raum und Zeit verlieren sich in ewiger Wiederkehr geglückter Formen herrlichsten Gestaltens.

Mythisches und Mystisches offenbaren sich nach dem Sieg über die Vernunft als wahr.

8
Dez
2017

In der Welt der Seele

Die Welt der Seele ist nicht der Himmel. Die Seele verlässt den sterbenden Körper nicht, um gegen Himmel zu streben, sondern vielmehr, um sich aus der Enge des Bewusstseins zu befreien.
In der Vision des Todes lässt sich diese Selbstbefreiung in etwa antizipieren. Während körperliche Kräfte schwinden, lichtet sich der Geist. Logische Netze zerreißen und neuronale Irrlichter spenden transzendentales Licht. Erfahrene Gefühle geleiten die sterbend erwachende Seele in die Unendlichkeit in erhofftes Sein.
Nichts bleibt, das noch irgendwie Halt böte. Die befreite Seele lässt sich in ewiges Werden fallen. Während der Auflösung von Raum und Zeit allmählich gewinnt sie Halt im Loslassen. Nach und nach findet sie sich emotional zurecht und sucht sich gefühlsmäßig mit zurückgelassenen Seelen zu verbinden.

Die trauernde Seele empfindet diese Bindung als Nähe und die innere Stimme übersetzt diese Verbindung in schweigende Worte der Gefühle. Statt zu hören, vernimmt sie diese emotionalen Zeichen als Mitteilung der geliebten Seele hinter dem Horizont.
Auf diese Art und Weise wird die tot geglaubte Seele als lebendige Allgegenwart erfahren. Glauben, Hoffen, Lieben vergegenwärtigen nunmehr alltägliche Geborgenheit in emotionaler Geborgenheit.
Kontakt zwischen den Welten des Lebens und des Todes ermöglicht kontemplatives Schauen und Verstehen von Spiegelungen ewigen Seins. Solche transzendentalen Reflexionen entbergen jenes Werden in allgegenwärtiger Anwesenheit, gleichsam als wahrer Schutzgeist (daimónion).

Gott als mythischer Sammelname für alles Unerklärliche bleibt hinter dem Horizont offensichtlich unwirksam.
Mythologisch versprochene Himmel versinken glücklos im ewigen Werden.

Zurechtfinden, Vergegenwärtigen und Verstehen in rein emotionalen Werden vollzieht sich rein intuitiv und muss erst behutsam erworben und dann achtsam erlernt werden. Kontaktaufnahme aus dieser Ferne in die Nähe trauernder Hinterbliebenen erweist sich in jeder Hinsicht als äußerst energieaufwendig.

7
Dez
2017

Wer auf Glauben baut, muss vertrauen können

Die Tatsache, dass etwas wahr ist, bestätigt sich durch Intuition. Was nicht glaubhaft und damit vertrauenswürdig erscheint, kann nicht wahr sein.

Der Zustand, dass etwas wahr ist, muss durch Praxis aufgezeigt werden können.

• Kunst setzt Wahrheit ins Werk.
• Wissenschaft stiftet Beweise.

6
Dez
2017

Zwei Welten

Während die Welt des Verstandes durch Logik maßgeblich bestimmt wird, weist sich die Welt der Vernunft vor allem durch Intuition aus.
Beide Welten sind so stark vernetzt, dass Existenz gleichsam als Vermischung hervorscheint. Dieser Vorschein drückt sich in Goethes Faust wie folgt aus:
 Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, Die eine will sich von der andern trennen; Die eine hält, in derber Liebeslust, Sich an die Welt mit klammernden Organen; Die andere hebt gewaltsam sich vom Dust (= Staub) Zu den Gefilden hoher Ahnen. 
(Faust I, Vers 1112 1117)
Physik ist die Welt des Geistes, während Metaphysik die Welt der Seele ist. Seit Beginn der Geschichte Abendländischen Denkens wird die Welt der Seele als jene aufgefasst, welche die Welt des Geistes überdauert.
Der Körper gilt als Haus der Seele, das diese mit dem Tod wieder verlässt.

5
Dez
2017

Passkontrolle (B)

Nun existieren aber Objekte, die sich allein intuitiv wahrnehmen und erfassen lassen. Für den Mathematiker Gödel sind das beispielsweise mathematische Objekte. Mathematik konstituiert sich als abstraktes Reich der Formen. Obgleich diese Formen nicht sinnlich vernehmbar und somit auch nicht empirisch sind, existieren sie sowohl wahr als auch richtig. Die Wahrheit existiert kraft Offenbarung durch Intuition, und die Richtigkeit beruht auf logischen Beweisen.

Als Bereich a priori ist das mathematische System der Formen Bedingung der Möglichkeit der Gestaltung. In der Wissenschaft wird dieser Bereich a priori „Theorie“ genannt. Letztlich handelt es sich um ein Analogen zur Ideenlehre.

Sowohl mathematische als auch visionäre Phänomene gelangen in Abhängigkeit vom Verstand zum Vorschein. Durch den Verstand werden sie dank Vernunft in Gestaltung überführt.


Mit Hilfe mathematischer Sprache lassen sich sowohl Objekte a priori als auch Objekte a posteriori beschreiben. „a mal a“ kann sowohl theoretisch als auch praktisch ein Quadrat sein. Abstraktionen stellen sich so gleichsam als Kürzel des Konkreten dar.
Wenn sich etwas als richtig erweist, wissen wir es und fühlen uns sicher. Wenn aber etwas als wahr erscheint, müssen wir es glauben, fühlen uns aber unsicher, weil wir zweifeln.
Aber nicht Denken bestimmt uns existentiell, sondern Empfinden. Nicht der Verstand maßregelt uns, sondern die aus dem Un- und Vorbewussten schöpfende Seele.
Die Sprache der Seele (das limbische System) ist das Gefühl. Die Seele äußert sich durch Affektionen und / oder Emotionen.
Diese Äußerungen können sprachlich bewusstwerden. „Ich fühle mich schlecht!“ zeigt eine negative Befindlichkeit an.
Aber sprachliche Anzeigen von Gefühlen sind so vage, dass sie bisweilen sogar als unzutreffend empfunden werden. So kann die Eigenschaft „schlecht“ auf Vieles zutreffen wie schlechte Verbindung, schlechte Literatur oder schlechter Charakter.

Wegen sprachlicher Ungenauigkeiten eigen sich Gefühle wenig, um eine Art Psychologik zu begründen.
Gefühlte Wahrheiten hängen von subjektivem Glauben ab und entziehen sich jeglichem Suchen nach Richtigkeit. Aus diesem Grund wird Richtigkeit Wahrheit gegenüber auch bevorzugt gewichtet.
So entsteht eine seltsame Vermischung. Die Geschichte Abendländischen Denkens lässt ein Gemisch aus Sein und Werden entstehen. Wissenschaften, die letztlich auf gläubigen Annahmen beruhen, überziehen Werden mit fantasievoll modellierten Sein. Fortan wird im Werden gesucht, was als Sein vorweg gedacht worden ist.
Natürlich liefert schließlich die unendliche Vielfalt des Werdens immer wieder Angebote des Seins, die Werden modellhaft begreifbar werden lässt.

Obgleich Mathematik allein auf gläubigen axiomatischen systematischen Annahmen beruht, erscheint diese Wissenschaft des Geistes als unübertreffbare Möglichkeit, Richtigkeit des Rechnens gegen Wahrheit des Denkens auszuspielen.
Jedoch weist Denken dem Rechnen gegenüber den nicht zu übersehenden Vorteil der Beweisbarkeit auf, während Wahrheit auf Glauben angewiesen bleibt.

4
Dez
2017

Passkontrolle (A)

Durch sein Selbst weist sich das Ich als imaginäres Wesen geistiger Tätigkeit der Vernunft aus. Dieser Ausweis einer ausgedachten Welt lässt das Ich als Traumtänzer erkennen.
Spielleidenschaft öffnet dem Ich Selbstbegrenzung.
Äußere und innere Grenzen sinnlicher Vernehmbarkeit bestimmen die Reichweite des Bewusstwerdens. Aber der Mensch verfügt als vernunftbegabtes Lebewesen über die Fähigkeit, diese Grenzen denkend zu verschieben.
Bei den äußeren Grenzen gelingt das der Physik, bei den inneren Grenzen erreicht das die Metaphysik. Jedoch findet Metaphysik weitaus geringere Akzeptanz als Physik. Diese relative Geringschätzung der Metaphysik ist überaus erstaunlich, bildet sie doch die Bedingung der Möglichkeit von Physik schlechthin.
Der zureichende Grund hierfür liegt jedoch auf der Hand. Im Gegensatz zur Metaphysik sind physikalische Erkenntnisse für alle diejenigen überprüfbar, welche sich der Mühe unterziehen, sich mit dieser Naturwissenschaft eingehend zu beschäftigen und sich auch nicht von der hierfür erforderlichen Mathematik und Technik abschrecken lassen.

Während sich physikalische Phänomene allein naturwissenschaftlich erfassen lassen, bleiben metaphysische Phänomene vorwiegend auf Intuitionen angewiesen.
Albert Einstein betont: „Die Intuition ist ein göttliches Geschenk, der denkende Verstand ein treuer Diener. Es ist paradox, dass wir heutzutage angefangen haben, den Diener zu verehren und die göttliche Gabe zu entweihen.“

3
Dez
2017

Erfahren vor aller Erfahrung

1. Ungewöhnliche Grenzüberschreitung

Sich in die Unwirklichkeit auf den Weg machen bedeutet, erfahren wollen, was hinter dem Horizont geschieht. Diese Neugier verlangt Bereitschaft zum Risiko. Das Wagnis besteht im Mut, Vertrautes aufzugeben.
Vertraut ist die Verlässlichkeit überkommenen Denkens. Der Verzicht auf dessen Muster verlangt, das Loslassen von dem, was der gebildete und dadurch verzogene Verstand vorschreibt.
Überkommenes Denken weigert sich, das anzunehmen, was da ist. Tagträumerisch steigert es sich in angeblich sinnlich nicht vernehmbare Bereiche hinein, um ihre obdachlosen Einfälle als Einsichten zu feiern.
Es gibt jene leidigen Ausnahmen, welche hartnäckig jede Regel bestätigen. In diesem Fall zerschellt Philosophie an Mathematik, der sie selbst zur Geburt verhalf. Als Hebamme verausgabt sich Philosophie seitdem in wesenlosen Sprüchen und Ratschlägen.
Trotzdem verliert sich das Ich in sich und verliert sein Selbst.
Die bildungslose Vernunft verliert den Verstand und damit die Fähigkeit, sich ordentlich zu verhalten.
... wir sind ohne Bildung, noch mehr,
wir sind zum Leben, zum richtigen und einfachen Sehen und Hören, zum glücklichen Ergreifen des Nächsten und Natürlichen verdorben und haben bis jetzt noch nicht einmal das Fundament einer Kultur,
weil wir selbst davon nicht überzeugt sind, ein wahrhaftiges Leben in uns zu haben.“

Es sind vor allem zwei Aussagen des Philosophen Friedrich Nietzsche, die das, was ich intuitiv empfinde, ausdrücken. Die erste Aussage beinhaltet seine Kritik an der Pädagogik, die uns jene Erziehung und Bildung aufdrängt, durch welche das unvoreingenommene Sehen verlernen.
"Man mache sich nur einmal mit der pädagogischen Literatur dieser Gegenwart vertraut; an dem ist nichts mehr zu verderben, der bei diesem Studium nicht über die allerhöchste Geistesarmut und über einen wahrhaft täppischen Zirkeltanz erschrickt. Hier muss unsere Philosophie nicht mit dem Erstaunen, sondern mit dem Erschrecken beginnen: wer es zu ihm nicht zu bringen vermag, ist gebeten, von den pädagogischen Dingen seine Hände zu lassen."
Die Begründung Nietzsches für diesen Missstand in der Pädagogik fällt scharf aus:
"Dass es aber trotzdem nirgends zur vollen Ehrlichkeit kommt, hat seine traurige Ursache in der pädagogischen Geistesarmut unserer Zeit; es fehlt gerade hier an wirklich erfinderischen Begabungen, es fehlen hier die wahrhaft praktischen Menschen, das heißt diejenigen, welche gute und neue Einfälle haben und welche wissen, dass die rechte Genialität und die rechte Praxis sich notwendig im gleichen Individuum begegnen müssen: während den nüchternen Praktikern es gerade an Einfällen und deshalb wieder an der rechten Praxis fehlt."
Die Folgen solcher Erziehung und Bildung: "wir sind ohne Bildung, noch mehr, wir sind zum Leben, zum richtigen und einfachen Sehen und Hören, zum glücklichen Ergreifen des Nächsten und Natürlichen verdorben und haben bis jetzt noch nicht einmal das Fundament einer Kultur, weil wir selbst davon nicht überzeugt sind, ein wahrhaftiges Leben in uns zu haben. Zerbröckelt und auseinandergefallen, im Ganzen in ein Inneres und Äußeres, halb mechanisch zerlegt, mit Begriffen wie mit Drachenzähnen übersät, Begriffsdrachen erzeugend, dazu an der Krankheit der Worte leidend und ohne Vertrauen zu jeder eigenen Empfindung, die noch nicht mit Worten abgestempelt ist: als eine solche unlebendige und doch unheimlich regsame Begriffs- und Wortfabrik habe ich vielleicht noch das Recht zu sagen cogito ergo sum, nicht aber vivo, ergo cogito.
Das leere "Sein", nicht das volle und grüne "Leben" ist mir gewährleistet, meine ursprüngliche Empfindung verbürgt mir nur, daß ich ein denkendes, nicht dass ich ein lebendiges Wesen, dass ich kein animal, sondern höchstens ein cogital bin. Schenkt mir erst Leben, dann will ich euch auch eine Kultur daraus schaffen!"

Als Grundvoraussetzung für richtiges und einfaches Sehen und Hören, zum glücklichen Ergreifen des Nächsten und Natürlichen gilt dem Philosophen Nietzsche die Überzeugung, ein wahrhaftiges Leben in sich zu haben. Seiner Ansicht nach stört das Fehlen einer solchen Überzeugung das Wahrnehmen ganz empfindlich.

Auf den Punkt gebracht bedeutet das: Wer ‚unvoreingenommen' äußerlich (sinnlich) wahrnehmen will, muss von innen (geistig) nach draußen schauen. Wer sich nicht mit der Fantasie als Verfremdung des Wahrnehmens auseinandersetzt und aufklärt, vermag nicht zu erfassen, was in Wahrheit geschieht.
Der Rückgang in den Ursprung allen Erkennens gelingt der Vernunft, indem sie nach innen schaut. Diese Sichtweise lässt sich verhältnismäßig leicht als Bewusstwerden beschreiben.
Bewusstwerden lässt sich entweder durch Aufmerksamkeit oder Konzentration ausrichten. Durch Aufmerksamkeit werden sinnliche (äußere) Wahrnehmungen bewusst, durch Konzentration geistige (innere). Will man den Ursprung allen Erkennens schauen, dann geschieht das natürlich durch Konzentration. Wie weit man nach innen sehen kann, das hängt natürlich davon ab, wie stark man sich konzentriert.
Als Vergegenwärtigen von inneren Bildern oder Vorstellungen vollzieht sich Konzentrieren gleichsam noch ohne Aufwand. Man braucht dazu keine geistige Kraft. Sich etwas vorstellen, das geht so einfach wie sich erinnern. In der Regel muss sich niemand anstrengen, um sich zu erinnern.
Fragt man sich aber, was dem Vorstellen innerer Bilder vorausgeht, dann benötigt man geistige Kraft. Fragen kostet Kraft, und es hängt von der Art und Weise des Fragens ab, wie viel Kraft erforderlich wird. Die Frage „Wer oder was?“ kostet allerdings kaum Kraft, weil man sich lediglich erinnern muss, um diese Frage zu beantworten.
Der Philosoph Sokrates aber kam als Erster auf die Idee die Frage „Was ist das?“ radikal umzudeuten. „Was?“ verlangt bei Sokrates nicht, etwas wiederzukennen, sondern vielmehr das Wesen von Etwas zu bestimmen. Als Wesensfrage braucht „Was?“ entschieden mehr Kraft als eine bloße Bestimmungsfrage.

Sobald wir wahrnehmen, erfassen wir nicht mehr, was wesentlich ist. Stattdessen nehmen wir oberflächlich wahr. Wenn wir einen Baum wahrnehmen, endet das Erfassen gewöhnlich mit der Feststellung „Das ist!“ mit bloßem Identifizieren also.

2
Dez
2017

Gabe

Sein und Nichts bemerken sehr wohl Ordis Traurigkeit. Ihnen ist natürlich bewusst, dass ein Gedanke, der kein Bild von sich hat, auf Dauer nicht lebensfähig sein kann. Aus diesem Grund kommt ihnen in den Sinn, Ordi zu raten, doch ihren Schutzgeist um ein Bild zu bitten.
Also bittet Ordi ihre innere Stimme, ihr Bild zu beschreiben. Ihr Schutzgeist spricht zu ihr durch die innere Stimme: „Da Du der erste Gedanke bist, darfst Du noch den Ursprung aller Gedanken schauen. Es ist das innere Licht des Geistes!“

Ordi ist sehr froh, dieses innere Bild empfangen zu haben. Sie ist dankbar für diese Gabe ihrer inneren Stimme.

Schutzgeist (Exkurs)

Das Daimonion (auch Dämonion) bezeichnet in der griechischen Antike einen persönlichen Schutzgeist, der Teil des Ichs ist.

Das Daimonion wurde von Sokrates als innere Stimme von göttlichem Ursprung erklärt. Diese innere Stimme warnte ihn in entscheidenden Augenblicken und hielt ihn von der Ausführung einer unrechten (vgl.: "adikia") Absicht ab. (Nach Platon Apol. 31 D und 41 D, Xen. Mem. I, 1, 6 warnte das Daimonion peri - tôn adêlôn, hopôs an apobêsoito.) Er verstand es als eine Gegeninstanz zum Logos, die das erkennt, was der Vernunft verborgen bleibt, und vom Falschen abrät, jedoch zu nichts zurät. Sein Daimonion schätzte Sokrates so hoch ein, dass er ihm auch gegen seine rationale Einsicht gehorchte.

Die innere Stimme orientiert sich gewöhnlich intuitiv am Erfahrungsschatz einer Person. Der Name dieses Erfahrungsschatzes ist „Gewissen“.

Intuition werden durch das Gewissen Grenzen gesetzt. Gewissen, das ist die Vorgabe des Verhaltensspielraums durch Werte und Normen, Regeln und Gesetze, Vereinbarungen und Verträge, Gebote und Verbote (Kann - und Muss - Vorschriften).

Die Ausprägung des Gewissens wird durch Bildung und Erziehung maßgeblich bestimmt.
Gewissensbildung ergibt sich gleichsam aus Erziehung. Regelungen des Verhaltens durch das Gewissen können durch Triebe oder Bedürfnisse verfälscht bzw. gestört werden.

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