Die Zeit trifft den Misserfolg

Zeit: "Dich wollte ich schon immer treffen!"
Misserfolg: "Ich aber dich nicht!"
Zeit: "Ich würde dir ja zu gern dein gefräßiges Maul stopfen!"
Misserfolg: "Das würde ich an deiner Stelle aber schön bleiben lassen. Siehst du dort meine Freunde?"
Zeit: "Ja, die Fehler, die Blockaden, die Hemmungen, die Übertreibungen, die Vorsätze und wer sonst noch dazugehört. Sie haben es sich dort drüben auf den Stolpersteinen bequem gemacht!"
Misserfolg: "Da wir uns nun einmal begegnet sind, möchte ich dir gern eine einzige Frage stellen."
Zeit: "Und wie lautet die?"
Misserfolg: "Warum lässt du mich eigentlich gewähren?"
Zeit: "Ich kann dein Treiben nicht verhindern. Die Leute mögen dich, auch wenn sie das nicht zugeben."
Misserfolg: "Das glaube ich dir nicht. Das musst du mir beweisen!"
Zeit: "Erst neulich hast du jemandem weisgemacht, dass er sein Leben viel besser organisieren kann, wenn er sich ein Buch über Zeit- und Selbstmanagement kauft. Also lief er in die Buchhandlung und erwarb jenes Buch, welches ihm am meisten zusagte. Ganz euphorisch ging er nach Hause, um sogleich in diesem Buch zu blättern. Er hegte ja die Hoffnung, dass jetzt alles anders wird. Aber schon wenige Seiten desillusionierten ihn völlig. Er sieht nämlich sehr schnell ein, dass Veränderung nicht so leicht zu haben ist. Zugleich muss er erkennen, wie viele Fehler er in der Vergangenheit gemacht hat. Das ist ja keineswegs motivierend. Und dann wird auch noch alle das hinterfragt, was er eigentlich erfolgreich verdrängt hatte. Schließlich legte er das Buch erst weg, korrigierte sich dann, indem er es gleich ins Regal zu den anderen Büchern ähnlichen Inhalts stellte. Und was bitte soll ich gegen eine solche Verhaltensweise unternehmen, wenn doch gerade wieder einmal die Erfahrung gemacht wurde, dass solche Bücher eben nicht weiterhelfen?"
Misserfolg: "Du könntest diesen Leuten Ausdauer schenken, damit sie länger verweilen. Auf diese Weise könntest du den Frust, welcher der Lust folgt, verhindern."
Zeit: "Das ist keine Frage der Ausdauer, sondern eine Frage des Willens. Wer sich nicht gegen sich selbst durchsetzen will, braucht nicht lange, um eine Entscheidung gegen eine Verhaltensänderung zu fällen."
Misserfolg: "Du kommst also nicht gegen mich an?"
Zeit: "Solange solche Leute nicht einsehen, dass sie Neuanfänge nicht verschieben dürfen, kann ich nichts ausrichten. Es ist immer Zeit für einen neuen Anfang. Aber man muss eben auch die Gelegenheit nutzen, wenn sie da ist. Chancen zeigen sich selten zweimal."
Misserfolg: "Du musst zugeben, dass meine Methode gut ist. So lasse ich Vorsätze fassen, die nicht einzuhalten sind, Ausreden erfinden, Verschiebungen vornehmen, oder ich sorge dafür, dass sich jemand überfordert."
wfschmid - 9. Juli, 09:12
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