Unilogo

20
Mrz
2009

Annäherung (2)

annaeherung3
Die Fähigkeit, der Wahrheit zu begegnen, begründet sich in der Fähigkeit des Gehirns, die bereits mit dem Wort "Selbstauskunft" genannt wurde. Die Selbstauskunft setzt voraus, dass eine entsprechend genaue Frage gestellt wird. Das Gehirn ist allein zur wesentlichen Auskunft in der Lage. Selbstauskunft meint die Darstellung der eigenen Arbeitsweise. Infolgedessen kann man zum Beispiel danach fragen, welche Prozesse eine Frage auslöst, aber man kann sich nicht danach erkundigen, welche Fragen für eine bestimmte Angelegenheit wichtig sind. Im ersten Fall nutzt das Gehirn sein natürliches Wissen, im zweiten Fall bedarf es der erworbenen Erfahrungen und das Ergebnis ist dann auch nur relativ zuverlässig. Damit das Gehirn in der Lage ist, Selbstauskunft zu erteilen, muss bereits das reine Denken aktiviert sein. Das bedeutet, dass man sich im Umgang mit Wesentlichen auskennen muss. Es gibt durchaus die Möglichkeit sich einzuüben. Zu diesem Zweck stellt man sich das Frage- und Ausrufungszeichen jeweils personifiziert vor, ohne sich allerdings ein klares Bild von einer bestimmten Person zu machen; es sollte sich also eher um eine intuitive Gestalt handeln.

Hier das Fallbeispiel eines Dialogs mit "?" und "!":

?: Was bedeutet Selbstauskunft des Gehirns?
!: Ich kann zum Beispiel selbst erklären, um welches Phänomen es sich dabei bei mir handelt!
?: Und?
!: Um Vorgänge darstellen zu können, wie sie in mir ablaufen, benötige ich gleichsam eine Projektionsmöglichkeit. Die besitzt du bereits in Form der Introspektion.
?:
!: Du solltest jetzt überprüfen, ob die Projektion überhaupt funktioniert!
?:
!: Das funktioniert, wenn du folgende Tests erfolgreich durchführen kannst:

Stelle dir folgende vier Prozesse an einem Beispiel von etwas vor, das dir gerade spontan einfällt: wahrnehmen - betrachten - beobachten - begreifen...

Stelle dir folgende neun Prozesse zugleich vor, indem du dir den Time Square in New York vorstellst oder eine entsprechende Webcam aufrufst:
zu- und einordnen, vor- und nachordnen, über- und unterordnen, an-, bei- und umordnen.

?: Zu was dienen diese Tests genau?
!: Sie prüfen, ob du in dem Komplexitätsgrad zu denken gewohnt bist, der für das Öffnen bzw. Betreten des Ideenraumes oder des Raumes des Lichts, wie Platon das nennt, unabdingbar ist.
?: Ich würde gern ein Beispiel haben, um das besser verstehen zu können.
!: Ein vergleichbar komplexes Gebilde ist eine Fremdsprache. Viele Menschen tun sich sehr schwer damit, weil sie einfach nicht zuhören können. Sie achten nicht sorgfältig auf den Klang und Rhythmus der fremden Sprache und so können sie auch nicht verstehen, was in der ihnen noch fremden Sprache gesagt wird. Damit kann sich ihr Gehirn auch kaum einprägen, was sie in der fremden Sprache äußern, weil es dieses im Klangkörper der fremden Sprache nicht wieder hört. Im übertragenen Sinn können sie auch kein Denken nachvollziehen, solange sie sich nicht gedanklich analog zu dessen Art und Weise zu denken bewegen.
?: Kann ich mich in diese Komplexität einfinden, indem ich vor allem komplexe Aufgaben trainiere?
!: Solche Aufgaben gibt es nicht. Ich befürchte, Philosophie kann man nicht lernen. Man muss immer schon Philosoph oder Philosophin sein, um philosophieren zu können. Als gewisse Art und Weise, über das Simple hinaus zu denken, ist Philosophieren eben letztlich auch eine Begabung.
?: Und wozu betreiben wir das eigentlich?
!: Nun, weil ich bis zur Frage nach der Komplexität vermutet habe, dass dieses Denken zu vermitteln sei. Aber genau diese Frage zeigt, dass ich nichts erreicht habe!
?: Hey, da widersprechst du dir ja von Grund auf. Hast denn nicht ausgerechnet du von der Fähigkeit des Gehirns gesprochen, sich selbst reparieren zu können?
!: Ja, das ist so!
?: Dann kannst du doch einfach gleich damit beginnen, dieses zu initiieren?
!: Ich lasse mich gern auf dieses Abenteuer ein. Du kannst ja rechtzeitig kundtun, ab wann du glaubst, nicht mehr mithalten zu können.

!: Zur Erinnerung: Selbst-Beobachtung entsteht, sobald folgende parallele Vorgänge im Blick auf einen Inhalt ablaufen: Wahrnehmen - Betrachten - Beobachten - Begreifen.

Ein Beispiel: Erinnere dich an eine Person und nimm diese wahr, indem du dir diese Person vorstellst. Betrachte diese Person eingehend und schau ihr in die Augen. Beobachte, was während des Blickkontaktes geschieht. Und begreife jetzt, warum du gerade dieser Person in deiner Vorstellung begegnen wolltest, indem du diese Frage an deine innere Stimme stellst. Du wirst feststellen, dass das ganz einfach ist.

?: Wie ist diese Übung als Selbtbeobachtung einzuordnen?
!: Man darf Selbstbeobachtung und inneren Dialog nicht miteinander verwechseln. Der innere Dialog beruht im Gegensatz zur Selbt-Beobachtung auf Erinnerungen. Die Selbst-Beobachtung aber bezieht sich immer auf die Gesetze der (inneren) Natur. Bereits in den Anfängen unserer Kulturgeschichte waren die Philosophen der Auffassung, dass die Menschen von der Natur die Gabe geschenkt bekommen haben, die Natur selbst zu schauen.
?: Was genau bedeutet das?
!: Die Fähigkeit zu besitzen, zu sehen, wie die Natur alles Natürliche regelt. Um das zu können, musst du allerdings ihrem Wesen begegnen. Allein im Wesen offenbart die Natur ihre Natur.
?: Ist es dann aber nicht auch eine Möglichkeit, alles Natürliche zu verlieren, um das Wesen zu schauen?
!: Das Sterben ist der leichtere Weg. Schwieriger wird es schon, wenn das Leben das Sterben antizipieren soll.
?: Sprachen deshalb die frühen Philosophen des Altertums davon, das das Philosophieren eine Übung im Sterben sei?
!: Du hast die erste und zugleich letzte Frage entdeckt!

Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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