Sensible Beziehung

Der äußerst schwierige Zugang zur "inneren Welt" der Natur kann erst dann und nur dann gelingen, wenn der Weg sowohl künstlerischer als auch wissenschaftlicher Natur ist. Das bedeutet eine Synthese von Formel und Bild, und zwar möglichst so, dass ein Optimum an Intuition erreicht wird. Das lässt sich vor allem erreichen, wenn die wissenschaftliche Aussage mit Hilfe der Fantasie formuliert wird.
Hierzu ein Beispiel: "Vektor"! Würde man den Vektor als Pfeil abbilden, dann wäre das ohne künstlerischen Wert, weil jede Auseinandersetzung schon mit der Identifikation des Vektors als Pfeil abgeschlossen ist. Stattdessen wird "Vektor" als Zuordnung von einem Anfangs- zu einem Endpunkt bestimmt. Als Zuordnung ist diese Beziehung festgelegt, d.h., man weiß im Grunde genau, wie lange dieser Vorgang zeitlich andauert. Bestimmt man dagegen "Vektor" als Zuordnung von Start- und Zielpunkt, dann erhält man eine inhaltliche Beziehung, d.h., der Ablauf ist davon abhängig, dass das Vorhaben auch tatsächlich erreicht worden ist.
Dieses Beispiel mag schon zeigen, wie sehr viel sensibler die Mathematisierung mit Hilfe 'symbolischer Ausdrücke' ist als mit bloßen Zeichen für eine Operation. Erkennen Sie den genauen Unterschied zwischen beiden Vektoren? Das Ende wird erreicht, unabhängig davon, ob das Ziel erreicht worden ist. So kann das Leben zu Ende gehen, ohne eigentlich sein Ziel erreicht zu haben. Dieser Unterschied lässt sich beispielsweise nicht mathematisch zum Ausdruck bringen.
wfschmid - 22. März, 05:45
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