Unilogo

21
Okt
2006

Lichtverhältnisse

lichtverhaeltnisse

Solange ich mich erinnern kann, hat mich die Frage beschäftigt, warum Menschen, die ich kenne, sich damit abfinden, dass sie 'nichts machen können'. Eine solche Aussage kann vieles bedeuten. Die Auswirkungen sind dieselben. Ich muss mich abfinden. Alle Ereignisse bestätigen mich. Die Welt ist grau.

Sicher liegt hier eine kräftige Täuschung vor. Doch sie ist nicht leicht aufzudecken. Argumente rufen Gegenargumente auf. Besser ist es, ein kräftigeres Bild gegenüber zu stellen.

Auf jeden Tag folgt eine Nacht. Auf jede Nacht folgt wieder ein Tag. Mein Tag folgt dem Rhythmus der Natur. 'Nacht' und 'Tag' zu benennen, ist unser Erleben. Licht ist da und es entzieht sich wieder. Mein eigenes Licht, die Sehkraft, ist einmal größer, dann nimmt sie wieder ab. Ich kann sehr gut beobachten, wann und wie ich besser sehen kann. Im hellen Licht gelingen feine Arbeiten viel besser. Ich achte auf die Lichtverhältnisse. Das feine Gespür für die Differenzierungen kann sich entwickeln; es hilft, genauer zu werden. Ich verstehe immer besser, warum dieses Sehen-Lernen niemals enden kann.
(urs)

20
Okt
2006

Anders als die anderen

anders

Eingrenzen und ausgrenzen. Wer gehört dazu, zu uns, wer gehört nicht dazu. Erkennungsmerkmale festlegen, Übereinstimmung herstellen. Regeln bestimmen, Gebote und Verbote ableiten. Ein geschlossenes System.

Das ist eine gefährliche Situation für diejenigen, die am Rande stehen, weder zu dem einen noch zu dem anderen System gehören. Sie fallen durch die Maschen der Netze oder sie verhakeln sich. Das ist noch problematischer, weil die Hilflosigkeit eigens auf das Andere verweist.

Es ist schwierig genug, die richtigen Strategien zu entwickeln, um nicht unablässig in Konflikt mit anderen zu geraten. Jeder ist anders. Jeder Mensch hat Versagensängste, Unsicherheiten, auch Eigenschaften, die ihn vielleicht nur schwer integrierbar machen in ein System von Vereinbarungen und gewachsenen Strukturen. Die seelische Notwendigkeit, irgendwo zu Hause zu sein, sich einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen, Anerkennung zu finden gerade mit den ganz persönlichen Merkmalen und Eigenschaften sichert bis zu einem gewissen Grad das Lernen. Dazu gehört auch, mehr und mehr zu verstehen, dass jeder eben vollkommen anders ist. Dass diese Andersartigkeit einen Reichtum darstellt, auch wenn sie manchmal so schwer zu akzeptieren ist.
(urs)

19
Okt
2006

Die eigenen Gedanken hören

gedanken-hoeren

Alles hat eine sinnliche Qualität. Das lässt sich zeigen. Dazu eine kleine Inszenierung. Sie gehen auf einen Raum zu. Die Tür ist noch geschlossen. Sie achten auf den Weg. Es ist ein besonderer Raum. Wie jeder Raum. Da ist die Tür. Sie treten ein.

Hörend, riechend, schmeckend... das Berühren der dickbauchigen Keramiktasse, der Blick aus dem Fenster zum Horizont oder auf einen Baum in der Nachtmittagssonne, das Rascheln der Buchseite, die sanfte Schwingung in einer Stimme, Wasser fließt kühl in eine Schüssel, der Apfel schmiegt sich in die Hand...

Wahrnehmen. Was für ein sprödes, aller Kraft beraubtes Wort für diese außergewöhnlichen Räume.
(urs)

18
Okt
2006

Die eine und die andere Seite

zwei-seiten

Wo bleibt der Begriff? Es ist doch schließlich ein Begriffskalender! Geduld. Ich werde ihn entwickeln oder besser auswickeln. Da ist er in einer noch ursprünglichen Weise. Über den Weg bis hierher ließen sich mit Leichtigkeit Seiten füllen. Und ich bin beim Thema - nicht bei einem Begriff! Das wäre eine plumpe Verführung zum Abschalten. Wenn ich dagegen Sie verführe weiter zu lesen, dann habe ich erreicht, was ich anstrebe. Verständigung. Über Grenzen hinweg.

Grenzen, das sind zunächst einmal Reviere. Es ist hinreichend bekannt, dass das Revierverhalten ein grundlegendes Bedürfnis nach Sicherheit ist. Das gilt es im Auge zu behalten, um nicht unsinnige Forderungen aufzustellen. Doch es ist eine ziemliche lange Strecke von einer solchen wörtlichen Anerkennung eines Bedürfnisses bis zum verbindenden Verhalten. Das dann auch Verbindlichkeiten möglich macht.

Streckenbeschreibung:

1. Einsicht in die Notwendigkeit. Behauptung: Wahrscheinlich würde es kaum noch Kriege geben, wenn Schule = Lebensschulung sein könnte. Das beinhaltet eine Aufklärung über grundlegende Bedürfnisse und ihre angemessene Befriedigung. Aufklärung meint vor allem Erleben, also Tun. Wer erfolgreich handeln kann, verspürt wenig Lust, andere bei demselben Ziel zu stören. Im Gegenteil. Er erkennt, wie viel besser es ist, zusammen erfolgreich etwas wirklich werden zu lassen.

2. Fremde Reviere kennenlernen. Ist die Einsicht vorhanden, dann wird schnell deutlich, dass es sehr viel zu lernen gibt. Projekte misslingen, weil die mit bester Absicht und fantastischen Ideen begonnene Zusammenarbeit scheitert, wenn ich die Sprache des anderen nicht beherrsche, nicht verstehe, warum er gerade jetzt dies oder jenes tut, nicht weiss, wie ich es herausfinden kann, nicht gelernt habe, Konflikte zusammen zu lösen.

3. Das Gelernte weitergeben. Wenn ich erfahre, wie Wege kürzer werden, dann kann ich schlecht zusehen, wie andere weiterhin die beschwerlichen Umwege nehmen. Sie sagen vielleicht: 'So ist das eben!' Oder: 'Damit muss ich mich abfinden!' Möglich, dass manche nicht erreichbar sind. Wahrscheinlich ist auch, dass sie in diesem Augenblick ganz andere Unterstützungen brauchen. Alles hat seine Zeit und jeder Mensch lernt dann, wenn es für ihn richtig oder notwendig ist. Trotzdem: Verstummen sollte deshalb niemand. Die einzelnen Reviere sind zu eng und der Boden wird unfruchtbar, wenn immer dasselbe angebaut wird.
(urs)

17
Okt
2006

Es is so schwer, die Wahrheit zu erkennen!

wahrheit-erkennen

Wahrheit - das signalisiert einen hohen Anspruch. Die im Titel enthaltene Emotion spricht da viel 'wahrer'. Es ist vollkommen müßig, sich ständig selbst zu erforschen, zu grübeln, 'nach zu denken' - den eigenen Antrieben hinterher zu laufen. Sie sind bereits vergangen. Doch gemeint ist eine Diskrepanz zwischen Gefühl und Verstand. Die Vernunft ist noch nicht aufgewacht.

Ich riskiere einmal einen Blick in den Tag hinein. Was ich sehe, ist faszinierend. Sei unverstellt und alle Verstellungen lösen sich im selben Augenblick auf. Verschiebt dieser Satz nicht nur die Ausgangsfrage, die indirekte, etwas verstellte Suche? Ja und nein.

Wenn ich einem Menschen begegne, dann ereignet sich etwas. Das ist sehr schwer in Worten zu fassen. Zum Glück versteht jeder das Gemeinte. Der Blickkontakt ist das Bild dafür. Wir erkennen einander und wissen, dass es so ist. Wir wissen ganz genau, ob ein solches Ereignis stattfand oder ob wir uns auswichen. Das geschieht und läßt sich nicht manipulieren. Es ist nicht schwer, die Wahrheit zu erkennen. Sie geschieht.
(urs)

16
Okt
2006

Gespenster verscheuchen

gespenster

Die Trennwand ist hauchdünn. Nur die Oberfläche scheint schier undurchdringlich. Scheint. Denn oftmals genügt eine kleine Geste und diese aus Schutzmassnahmen und missverstandenen Pflegeanweisungen geformte engmaschige Hülle bricht auf. Was kommt zum Vorschein? Eine verletzliche Seele, jetzt, in der Offenheit und im hellen Licht ungewohnten Tiefenblicks. Ein Wesen, das unmittelbar das Gefühl sprechen lässt.

Diese Erfahrung ist wichtig. Je mehr Vorkehrungen zur Abschirmung, desto bedeutender das Erleben von Verletzlichkeit und Ungeschütztheit. Jetzt kommt es darauf an. Kleinen Kindern, die voller Angst in die Dunkelheit starren, hilft die liebevolle körperliche Zuwendung ihnen Nahestehender. Die Schimären lösen sich auf. Die offene Tür hin zu den Eltern erzeugt später die Spannung, die ausreicht, um selbst hilfreiche Energien zu aktivieren. Wir lächeln vielleicht. Kinder! Doch es ist vergleichbar. Gespenster, das sind immer meine Gespenster, sie gehören ebenso zu mir wie mich stärkende Bilder, die auch ich erzeuge. Helligkeit und Dunkelheit bedingen einander. Das, was sie beinhalten, verändert sich ebenso wie die Intensität des Erlebens. Gespenster verscheuchen, das ist der gute Kontakt zu Kraft spendenden Energien.
(urs)

15
Okt
2006

Klimawechsel

klimawechsel

Vernünftige Argumente bedrängen nicht. Sie sprechen die Vernunft an. Und die bleibt ja genau in dem Raum, in dem es sich gut aushalten lässt - wohltemperiert.

Die Vernunft hat eine mächtige Schwester, die Fantasie und einen Bruder mit Gewicht, den Verstand. Als Team sind die drei fasst unschlagbar - wenn sie selbst gut sind. Dazu brauchen sie Verstärkung: klare Vorstellungen von ihrem Einsatz und vor allem so etwas wie eine seelische Betreuung - eine Haltung, die für ein ausgezeichnetes Klima sorgt.

Woran liegt es wohl, dass ich mich kaum traue, das hier einzig passende Wort zu nennen? Visionen sind erforderlich, um etwas wesentlich zu bewegen. Ein klares Bild von einer wirklich möglichen, wünschenswerten und vielleicht sogar notwendigen Wirklichkeit. In diesem Bild sind die persönlichen Beweggründe enthalten, verdichtet und damit auch von blossen Träumen bereinigt. Visionen sind erforderlich, wenn aus der Begabung zur Vernunft vernünftiges Handeln werden soll.

Das Elend in grossen Teilen der Welt, eigenes Misslingen im Alltag - sie müssen nicht mehr verdrängt oder verurteilt werden; die Hinwendung zu klar formulierten, aus Visionen abgeleiteten Zielen zeigt gehbare Schritte. Nur oberflächlich betrachtet widersprechen sie 'aller Erfahrung'. Es ist gerade die Erfahrung, die dies bestätigt.
(urs)

14
Okt
2006

Trampelpfade oder neue Wege

trampelpfade

Ziele machen es möglich, Wege zu wählen und zu bestimmen. Ohne Ziele fehlt die Orientierung, also auch die Grundlage für Entscheidungen. Wenn ich nicht weiss, wohin ich will, kann ich nicht sagen: dies ist ein guter Weg. Oder: das ist ein Irrweg, ich verlaufe mich gerade. Das vorgestellte Ziel werde ich in dieser Richtung nicht erreichen. Ohne Ziel bin ich in der Gefahr, nur zu wiederholen, was schon gelingt. Ich sehe nicht darüber hinaus.

Eltern überlegen sich, wie sie ihren Kindern 'den Weg ebnen' können - hin zu einem gelungenen Leben. Häufig bestimmt sie der Wunsch, die Kinder sollen es 'einmal besser haben' als sie selbst, die Eltern. Gelungene Kinder = gelungene Eltern. Diese Gleichung kann nicht aufgehen, wenn sie einem Mangel entspringt, der nicht so guten Bewertung des eigenen Lebens. Für die nachfolgende Generation ist es zudem schwer herauszufinden, in welcher inneren Gegend viel gute Luft gegeben ist, um eigene Lebensentwürfe zu gestalten.

Die schönen Wegstrecken, die leichten Fußes gegangen werden können, wären gut für einen gelassenen Weitblick geeignet. Genau dann entsteht selten ein solches Bedürfnis. Erst ein Mangel motiviert oder zwingt gar zum Nachdenken. Wege sind selten eben. Also eigentlich viele Gelegenheiten nachzudenken! Gute Ziele sind jedoch sehr anspruchsvoll. Sie setzen eine starke Motivation, Fantasie und einen geschulten Blick - Erfahrungen im Denken - voraus. Sie sind höchst persönlich und sie gedeihen auch nur im Schutz einer geistig-seelischen Intimssphäre.
(urs)

13
Okt
2006

Spiegelbilder

spiegelbilder

Sie gehen in der Stadt durch eine belebte Straße. Kurze Blickkontakte, ein Lächeln, verschlossene Gesichter, eine unabsichtliche Berührung, Ausweichen, Lücken nutzen und schnell an jemandem vorbeihuschen. Oder ein Café. Sie sitzen allein an einem Tisch, warten auf das bestellte Getränk, schauen sich um... dasselbe Spiel von Nähe und Distanz, Zustimmung und Ablehnung. Menschen, denen Sie begegnen, spiegeln sich in Ihrer Pupille - Ihre Erscheinung nimmt für kurze Augenblicke oder auch länger das Bewusstsein anderer in Anspruch. Die Gefühle spiegeln wiederum, was Sie erleben. Sie tragen Ihr Selbstbild spazieren und reflektieren es an dem anderer.

Diese beiläufigen Selbstwahrnehmungen laden geradezu zu einer spielerischen Inszenierung ein - vorausgesetzt, man fühlt sich innerlich frei genug und ist 'gut drauf'. Bin ich unfrei, an mich gefesselt, dann sehe ich überall dasselbe, nämlich negative Abbilder meiner Innenschau. Mehr oder weniger bewusst läuft diese Selbstbetrachtung auch ohne die Gegenwart anderer ab. Vollkommen ausgeblendet wird sie allerdings bei sehr engagiertem Arbeiten. Das ist zugleich eine Art Selbstbefreihung. Vollkommen aufgehen im Tun, das ist der beste Spiegel, in den ich - später - glücklich schauen kann.
(urs)

12
Okt
2006

Bedürfnisse

beduerfnisse

Für dieses Wort muss ich zunächst etwas tun. Ich muss es frei machen von einem 'Beigeschmack'. Die unmittelbar auftretenden Assoziationen verschieben es in die Ecke des Tabuisierten. Wer von seinen Bedürfnissen spricht, ist bei uns in der Gefahr, seltsam angeschaut zu werden. Das nicht Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse bewirkt den leicht verschleierten Blick.

Bedürfnisse zeigen einen Mangel an. Bin ich hungrig, dann verspüre ich die mir mangelnde Nahrung. Das Gefühl zeigt mir, dass sich ein Ungleichgewicht anbahnt. Ich brauche etwas zu essen und zu trinken. Dieses naturgegebene Hungergefühl kann ich für eine Weile unterdrücken. Ich weiss, im Augenblick gibt es keine akzeptable Lösung oder ich habe jetzt keine Zeit, keine Lust, mich mit meinen körperlichen Bedürfnissen zu beschäftigen. Andere Bedürfnisse sind gerade viel mehr bestimmend.

Die von Abraham Maslow entwickelte Bedürfnispyramide zeigt eine Rangfolge. Die grundlegenden körperlichen Bedürfnisse, die das Überleben sichern, müssen befriedigt sein, damit die 'höheren' geistig-seelischen Bedürfnisse motivierend in Erscheinung treten können. Wer seit Tagen nichts gegessen hat, ist nur unter extremen Bedingungen bereit und in der Lage, an anderes zu denken und entsprechend zu handeln wie es beispielsweise die Rettung von Menschen aus einer Notlage erfordern kann. Ein Mensch, dem es nicht gelingt, andere für sich zu gewinnen und liebevolle Zuneigung zu erfahren, kann schwer von diesem Mangel abstrahieren.

Wir kompensieren Bedürfnisse. Ein Mangel, für den es scheinbar keinen Ausgleich gibt, versuchen wir durch erfolgreiches Handeln in einem anderen Bereich auszugleichen. Wer ohne liebevolle Kontakte leben zu müssen meint, versucht vielleicht, besonders gute Leistungen zu erbringen, um in einem anderen Rahmen Anerkennung zu erlangen. Bedürfnisse werden oft verdrängt, also gar nicht wahrgenommen. Wer gelernt hat, Anstandsregeln einzuhalten und vor allem hoch zu halten, vergisst und übersieht vielleicht, dass er dabei 'Hunger' leiden kann. Es sind vor allem die nicht oder nicht mehr wahrgenommenen Bedürfnisse, die helfen zu lernen, zu wachsen, sich und die Anforderungen des Lebens besser zu verstehen.
(urs)

11
Okt
2006

Chaos und Ordnung

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Es ist eine Täuschung. Das weiss jeder. Doch immer wieder tritt sie ein. Wenn alles gut geordnet ist, dann ist alles gut! Nein. Alles bewegt sich zwischen den beiden Grenzzuständen Ordnung und Chaos. Erkenntnisse, Wissen, unablässig sich weiter entwickeln. Da gibt es eine Triebkraft, die umso stärker wird, je mehr sie angenommen wird. Das Bewusstsein läßt sich nicht ausschalten - das Bewusstsein davon, dass es nicht möglich ist, alles auf einmal zu erkennen, überhaupt sicher zu sein, bei einer einzigen Erkenntnis, dass diese umfassend, gänzlich, erschöpfend ist.

Der Glaube hat hier seinen Grund. Erkenntnisse sind beschränkt, letzten Endes relativ zu den nicht mehr hinterfragbaren Grundannahmen, auf denen sie fussen. Axiome der Wissenschaften stehen dafür. Die heute kleinstdenkbare Einheit erweist sich wahrscheinlich irgendwann als zerlegbar. Dieser Prozess selbst kann mit bedacht werden. Die abstrahierte kleinste Einheit wird formuliert und einbezogen. Für sie gibt es kein nachweisbares natürliches Äquivalent. Eine faszinierende Modellierung. Sie treibt das Denken weiter. Existieren können wir jedoch nur mit erfahrbaren Sicherheiten, erlebter 'Wirklichkeit'.

Also müssen wir diesen Wechsel aushalten, die Bewegung vom Chaos zur Ordnung und wieder zur Auflösung. Aushalten, das meint in diesem Zusammenhang: bewusst erleben, annehmen und den nächsten Schritt tun.
(urs)

10
Okt
2006

Wir können nur aus Fehlern lernen! - Lernen wir wirklich daraus?

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Im Alltag funktioniert fast alles reibungslos. Fast alles. Kleine Unachtsamkeiten können schwerwiegende Folgen haben.

So half eine Frau einem Autofahrer, der an ihrer Haustür klingelte. Er hatte eine Panne, sein Tank war leer. Die Frau fuhr ihn in den nächsten Ort zur Tankstelle. Als sie zurückkam, stand ihr Haus in Flammen. Sie hatte vergessen, den Herd abzustellen.

Dass wir im Alltag gewöhnlich gut zurechtkommen, sagt das Wort Alltag selbst: alle Tage Wiederholung des Gleichen, Routinen eben.

Aber sobald wir etwas nicht mit Routine bzw. großer Erfahrung machen, wird es kritisch. Und wenn wir gar anfangen zu denken, wird es problematisch. Ich meine nicht die Gedanken, welche künstlerisch erzählend, intuitiv daherkommen, sondern jene anstrengenden Gedanken, die auf einen klar vorgeschriebenen Weg geschickt werden sollen. Man geht 'nach allen Regeln der Kunst' methodisch vor, um dann zu erkennen, welche methodischen Fehler einem unterlaufen sind.

Das ist ein typisches Bild von geisteswissenschaftlich Arbeitenden, die nicht über die strengen, hilfreichen Wegmarken der Naturwissenschaften verfügen.

Wenn man liest, was häufig gedankenlos zusammengeschrieben wird, dann lässt sich kaum verstehen, wie so etwas geschehen kann. Studierende trichtern sich das vor Prüfungen ein. Sie glauben an den Sinn solchen Unsinns, denn schließlich werden sie doch darüber geprüft.

Niemand kann den Unsinn, der verfasst wird, aus der Welt schaffen und gewisse Geisteswissenschaften abschaffen. Nein, da muss jeder versuchen, aus Zitronen Limonade zu machen.

Aber wie gesagt, die Herstellung eines geistig wohlbekömmlichen Getränks ist nicht einfach. Einen klaren Informationsfluss zu erzeugen ist sehr aufwendig. Das weiß jeder, der es immer wieder versucht und andere dazu einlädt, weil er von Berufs wegen zu informieren hat.

Es gab viele Versuche, anderen beim Denken zu helfen. Der bekannteste Versuch dieser Art ist in den "Regulae ad directionem ingenii" des Philosophen René Descartes dargestellt. Diese hilfreichen Regeln sind nahezu in Vergessenheit geraten. Die Philosophie bietet viele hilfreiche Strategien des Denkens an. Aber meistens sind diese so kompliziert geschrieben, dass sie kaum jemand zu verstehen vermag.

Ich bin im Anbau des Rohstoffes Information tätig und ich bemühe mich auch, mit diesem Rohstoff wirtschaftlich umzugehen. Deshalb habe ich mich aus ökonomischen Gründen entschieden, die wichtigsten Regeln aus der Informationswirtschaft zusammenzustellen.

Selbstverständlich darf das nicht auch wieder ein langweiliges Regelwerk werden, das schon deshalb niemanden interessiert. Ich beschränke mich auf die Regeln, welche letztlich von der Naur abgeschaut sind.

Im Gegensatz zum Menschen bringt die Natur samt allen anderen Lebewesen nichts Langweiliges hervor. Außer dem Menschen verfügt kein Lebewesen über eine naturfeindliche Technik. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das den eigenen Lebensraum und den anderer Lebewesen zerstört. Es ist ganz offensichtlich, dass da mit uns Menschen etwas nicht stimmen kann. Wir bezeichnen uns stolz als vernunftbegabte Lebewesen. Aber es ist unsere Vernunft, die der Natur zuwiderhandelt.

Wir Menschen haben für alles Ordnungen, die uns vorgeben, wie wir uns zu verhalten haben. Wenn wir zu Hause sind, haben wir die Hausordnung. Unterwegs haben wir die Straßenverkehrsordnung. Wenn wir im Dienst sind, haben wir die Dienstordnung. Wer studiert, hat die Studien- und Prüfungsordnung. Es gibt die Geschäftsordnung, Tagesordnung, Sitzordnung usw. usf. Nur die allerwichtigste Ordnung, die haben wir uns nicht geschaffen. Das ist die Ordnung des Denkens.
(swf)

9
Okt
2006

Gegen den Strich bürsten

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Heute fällt mir absolut nichts ein. Das ist eine faszinierende Situation. Falsch wäre es, von Blockade zu sprechen. Das trifft nicht zu; und jede negative Bestimmung verschließt nur angelehnte Türen. Klick. Den Schlüssel müsste ich mühevoll wieder ausfindig machen. Ich lasse mich ein. Was geschieht? Etwas geschieht immer. Die Situation ergründen? Ähnlich unergiebig. Spazieren gehen, bei anderen Anreize suchen? Falsch, ganz falsch. Jeder Impuls würde sich auf der Stelle verabschieden. Du traust mir nichts zu. Also schau, wie du zurecht kommst.

Die Frage nach dem 'Gegenstand' stellt sich ebenso wenig. Er ist da. Sobald auch hier das 'Gegen' weggenommen wird, kann er sich - wieder - zeigen. Ich spüre ihn schon. Dieses Kribbeln ist untrügliches Anzeichen. Schau, du bist Teil eines kleinen Experiments. Ich variiere. Mein Blick ist längst frei. Die Lösung ist bereits in den Sätzen enthalten...
(urs)

8
Okt
2006

Auf Sand gebaut

auf-Sand-gebaut

Das ist bitter. Plötzlich die Einsicht: alles ist nichts! Nicht einmal für die Katz. Nichts ist nichts.

Erlebnisse, die alles bisher Angestrebte, für wichtig und bedeutungsvoll Angesehene vollkommen auflösen, sind Grenzsituationen. Es fehlen die Worte. Vertraute Erklärungsketten fallen aus. Untauglich, ohne Bezug.

Niemand weiss, was geschehen wird. Ich kann überhaupt nichts aussagen über Erfahrungen, die ich nicht gemacht habe. Was ich tun kann, ist wachsam sein. Mich ernst nehmen. Gründlich prüfen, was ich tue, warum ich genau dieses tue und nicht etwas vollkommen anderes - wie ich mich einsetze, meine Fähigkeiten entwickle. Ich kann feststellen, ob ich in der Gefahr bin, rückwärts zu gehen oder ob ich erfolgreich bin. Ich kann meine Vernunft stärken, meine Lebensenergie unterstützen. Ich kann jeder Zeit Bilanz ziehen. Das Gewissen gibt mir genaue Auskunft, mit meinem Gefühl kann ich mich erfahren. Machen können wir nur Weniges - doch damit sind wir ausgelastet.
(urs)
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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