Unilogo

25
Mai
2013

Pädagogisches Denken Platons (A)

Platon folgt seinem Lehrer in der Aufgabe, denkend das Sein zu ergründen und nach dem inneren Licht zu streben. Wie die Sonne dem Verstand durch die Sinne dazu verhilft, sinnlich Vernehmbares erkennen zu können, so verhilft das innere Licht der Vernunft durch die Seele dazu, die Ideen als die Urbilder alles Seienden zu verstehen. Während das empirische Denken nicht über das Beschäftigen mit Abbildern der Ideen hinauszugelangen vermag, erreicht das philosophische Denken die Anschauung der Ideen bis hin zur höchsten Idee des Guten. Wie die Sonne für Platon als Ebenbild oder Wesen des eigentlich Guten steht, so steht das innere Licht für ihn für Wahrheit und das Offenbaren des Wesens des Seins. Diese seine Überzeugung veranschaulicht Platon im Sonnengleichnis, während das Liniengleichnis den Weg des Denkens zu dieser Anschauung darstellt. Platon teilt diesen Denkweg in Abschnitte auf. Im ersten Abschnitt verläuft dieser Weg durch die sichtbare Welt der sinnlichen Wahrnehmung. Das empirische Denken begegnet dort natürlichem Seienden als Schattenbilder des Seins. Der Mensch hält diese für reale Objekte. Platon nennt das empirische Denken Meinen (doxa). Das Meinen ist ein Denken, das über das Vermuten nicht hinausgelangt. Es bedarf eines Erziehers, der die Vernunft im Menschen aus der rein empirisch logischen Gefangenschaft des Verstandes befreit und die Intuition der Seele weckt. Aufgrund dieser Erweiterung des Denkens durch Kunst und Philosophie schaut das vernunftbegabte Lebewesen das Erkennen selbst und versteht nun das Denken (noesis) als Tätigkeiten des Verstandes (dianoia) und der Vernunft (episteme) zu unterscheiden und zu verstehen, dass sich die wahre Welt erst durch Überschreiten der Enge des Verstandes offenbart. Nach dieser Grenzüberschreitung schaut der Mensch das innere Licht der Wahrheit.

ff

24
Mai
2013

Nähe von Philosophie und Pädagogik

An der Struktur eines philosophischen Gedankens lässt sich leicht dessen Nähe zur Struktur der Bewusstseinsorganisation ablesen. Philosophieren geschieht ja gleichsam als Spiegelung des Bewusstwerdens auf der neuronalen Ebene des Begreifens. Das, was wir als Arbeit des Verstandes erfahren, vollzieht sich als mehrfache Spiegelung. Wahrnehmen spiegelt sich als Betrachten (1. Spiegelung), und Wahrnehmen als Betrachten spiegelt sich wiederum als Begreifen (2. Spiegelung). Und sobald philosophiert wird, spiegelt sich Begreifen nochmals als betrachtendes Begreifen (3. Spiegelung). Philosophieren ist folglich ein fortschreitendes nach innen sehen. Der Philosoph denkt, indem er in sich hineinsieht und sieht, was geschieht. Wesentliche philosophische Erkenntnisse beruhen auf geschauten Innenspiegelungen.
Da dem Pädagogen daran liegt, das Handeln organisierende Denken des Menschen zu fördern, muss er das, was für ihn pädagogisches Arbeiten bedeutet, philosophisch erkunden.
Dieses Vorgehen beschrieb der Philosoph Sokrates, der sich zugleich als Pädagoge verstand, als Mäeutik, die Kunst der Befreiung des Menschen zu sich selbst. Sokrates vergleicht das Bild der Mäeutik bzw. Hebammenkunst mit der Tätigkeit seiner Mutter, die den Beruf einer Ärztin und Hebamme ausübte.

23
Mai
2013

Philosophischer Gedanke

Ein philosophischer Gedanke umfasst: Frage, Strategie des Suchens und Entdeckung.

Ein philosophischer Gedanke, der nichts entdeckt, ist leer.

22
Mai
2013

Pädagogischer Gedanke

Ein pädagogischer Gedanke (sprich: Erfahrung) umfasst genau drei Verhaltensmomente, und zwar erstens Auslöser oder Initiator des Verhaltens, zweitens Initiation oder Strategie des Verhaltens und drittens Verhältnis oder Bezug des Verhaltens.

Beispiel: Information, didaktische und methodische Strategie, unterrichtliches Moment

21
Mai
2013

Pfingsten: Utopisches Gebet an einen utopischen Geist


Raum- und zeitloser Geist, ohne Ursache und Wirkung, ohne Grund und Zweck, ohne Maß und Mittel, ohne Eigenschaften eines Wesens und deshalb ohne Art und Weise zu erscheinen, alles in allem Nichts, aus dem alles geworden ist, allgegenwärtig als informierte Energie in Materie, trotz nächster Nähe unerreichbar unbegreiflich.

20
Mai
2013

'Fühlen' des Verstandes

Mystische Erfahrungen beruhen auf Kontemplation oder tiefer Meditation. In der Kontemplation verweilt das Bewusstwerden im Betrachten oder in Anschauung. Zugunsten der Konzentration verringert sich die Aufmerksamkeit so stark, dass nur noch besonders auffällige äußere Ereignisse wahrgenommen werden. Die Konzentration bezieht sich vor allem auf vergegenwärtigte, stark gefühlte Innenbilder. Kontemplation ist vor allem ein "Fühlen" des Verstandes, der während dieser Beschaulichkeit Begriffe gleichsam vollkommen loslässt. Dieses Loslassen überführt logisches Denken in reines Denken. Kontemplation führt zu besonderen inneren Wahrnehmungen, die sonst nicht erfahren werden können. Ein Beispiel für eine Kontemplation ist das tiefe Versenken von Trauernden in ein Foto von einem Verstorbenen. Das Gefühl für den Verstorbenen kann dabei so stark werden, dass sie dessen Nähe zu spüren glauben. Das Gefühl für die Anwesenheit des Verstorbenen kann so stark werden, dass dieser in der Anschauung der Trauernden anwesend wird und sich über die innere Stimme mitteilt, meistens, um zu trösten. Diese besondere Form der Begegnung eines Lebenden mit einem Toten geschieht ganz persönlich, gleichsam als Geheimnis zwischen beiden, das niemanden etwas angeht.

19
Mai
2013

Pfingsten

Die Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten sollen an die Gegenwart des heiligen Geistes erinnern.

Aber die Gegenwart des allgegenwärtigen Geistes wird erst durch die persönliche Vergegenwärtigung lebendig.

Die Natur ist der Ausweis oder das Urbild des allgegenwärtigen Geistes.

Das Wesen der Natur selbst existiert vor der Entstehung des Universums als Einheit von Energie und Information.

Der Schöpfergeist erschafft, indem er Energie informiert.

Sobald aber Energie informiert wird, entsteht Materie.

Gleichnis: Sobald die Variablen einer geometrischen Formel mittels Zahlen informiert werden, entsteht eine bestimmte geometrische Figur.

Alles, was natürlich entsteht, bleibt nur für eine gewisse Zeit bestehen.

Die Natur des allgegenwärtigen Geistes bleibt durch Bewegung im Erschaffenen gegenwärtig.

Durch diese Bewegung vermittelt die Natur des Geistes Information über sich.

Die einem Geschöpf innewohnende typische Bewegung seiner Natur spürt es durch seinen Instinkt.

Die Gegenwart Gottes wird entweder mystisch oder instinktiv erfahren.

18
Mai
2013

Tragische Form, komische Gestalt

Arche betrachtet das Denken als tragisch komische Eigenschaft des Menschen, ständig am natürlichen Leben vorbei zu leben. Für Arche bedeutet Denken die typisch menschliche Form, Leben künstlich zu gestalten. Es bleibt dem Menschen nichts Anderes übrig, als dieses angeborene Missgeschick anzunehmen und mit diesem Geburtsfehler zu leben. Philosophie wird für Arche zur Kunst, das Leben erträglich zu gestalten.

17
Mai
2013

Ständig zu spät?

Arche beschäftigt die Frage, was es bedeutet, wenn ständig mehr sinnlich geschieht als denkend erfasst werden kann. Das Denken vollzieht sich wesentlich langsamer als das, was eigentlich geschieht. Arche weigert sich, zu akzeptieren, dass uns mehr entgeht als wir mitbekommen. Weil sie nichts zu entdecken vermag, was gegen die Annahme des ständigen Schwunds sprechen könnte, wendet sie sich zunehmend jener Eigenschaft des Denkens zu, welche den Menschen glauben lässt, dass er alles erlebe, was mit ihm und um ihn herum geschieht.

16
Mai
2013

Einem Gedanken fehlt es an Zeit

Das, was die Menschen als Dasein betrachten, bedeutet für Arche Schein. Dem Dasein fehlt die Wirklichkeit des Da, das ist der wahre Augenblick. Das fliehende Wesen kennt keine Gegenwart. Aber ohne Gegenwart verflüchtigt sich auch das Bewusstwerden, bevor es als Vergegenwärtigung zum Vorschein gelangt.
Das Erfassen eines Gedankens ist nicht möglich, weil die Zeit dazu fehlt. Ein Gedanke ist ständig vor sich auf der Flucht zum nächsten. Als Moment des Bewusstwerdens ist Bewusstsein die Erinnerung einer Wahrnehmung, die längst verflossen ist, wenn das Denken sich mit ihr beschäftigt.

15
Mai
2013

Epoche des Werdens (4)

 
Fluchtverhalten
 
Jeder von uns kann sein Fluchtverhalten selbst überprüfen, denn sobald er erwacht, ist er schon in Gedanken damit beschäftigt, sich für den Tag herzurichten, und während er das tut, überlegt er bereits, was er frühstücken wird, und während er frühstückt gehen ihm bereits bevorstehende Arbeiten durch den Kopf. Und selbst während unserer Arbeit denken wir längst an den Feierabend. Und während wir einschlafen, denken wir an den nächsten Tag.

14
Mai
2013

Epoche des Werdens (3)

 
Das abwesende Wesen
 
Durch den Schwund des Augenblicks schwindet auch die Gegenwart. Ohne Gegenwart aber existieren weder Vergangenheit noch Zukunft, denn Gegenwart vollzieht sich als Übergang der Vergangenheit in ihre Zukunft. Jetzt ist immer das Nachher von vorher. Im Blick auf das, was werden soll, verpasst der Mensch ständig das, was gerade wird. Aus diesem Grund kennt das Lebewesen Mensch seine Gegenwart nicht wirklich.

13
Mai
2013

Epoche des Werdens (2)

 
Bewegungsdrang, Habgier, Neugier
 
Fliehen, das ist der Ausdruck des Wesens des Menschen.
Dieses Fliehen äussert sich körperlich, seelisch und geistig:

körperlich durch das ständig in Bewegung sein müssen,

seelisch: durch die ständige Unzufriedenheit mit dem, was ist oder was man erreicht hat,

geistig: durch das ständige Suchen nach Fortschritt durch Neues.

12
Mai
2013

Epoche des Werdens (1)

 
Das fliehende Wesen
 
Mit der Philosophin Arche, die in Utopia während der Zeit des Werdens lebte, beginnt die utopische Philosophie. Arche, die sich selbst eine Utopistin nennt, lehrt die Ortlosigkeit des Lebens in der Zeit. Die Zeit lässt dem Leben keinen Raum. Arche nennt den Menschen deshalb ein fliehendes Tier. Dieses Lebewesen findet, solange es lebt, keinen Augenblick, um zu verweilen. Dem fliehenden Lebewesen ist nicht vergönnt, “Jetzt” zu sagen. Bevor es “Jetzt” gesagt hat, ist schon längst das vergangen, was es benennt: der Augenblick.
 
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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