Unilogo

22
Jun
2013

Neugier des Verstandes

Der Körper ist bedürftig, die Seele ist sehnsüchtig, und der Verstand ist neugierig. Körper, Seele und Verstand befriedigen sich, indem sie sich in der Fantasie vereinen. Der Körper sichert sich den Schutz seiner Existenz, indem er für Fortbewegung sorgt, denn Stillstand bedeutet Rückgang. Die Seele glaubt, hofft und liebt, denn sie will nicht vorzeitig sterben. Der Verstand fragt, sucht und entdeckt körperliche, seelische oder geistige Befriedigung.
Der Verstand verantwortet, die Seele kritisiert und der Körper kräftigt. Fallen ist nicht schlimm, nicht wieder Aufstehen ist schlimmer, Aufgeben ist am schlimmsten.
Wenn der Verstand die Neugier aufgibt, ist entweder der Körper tot und die Seele hat ihr Haus verlassen oder Macht und Erfolg haben ihn zerfressen.

21
Jun
2013

Gereinigte Seele

Nach allem, was die Intuition offenbart, eröffnet sich ein Weg nach innen nur, wenn sich der unruhige Geist so weit beruhigt hat, dass sich alle alltäglichen Störungen und Ablenkungen auflösen, um einer besinnlichen Atmosphäre Zeit und Raum zu schenken. Sonstige Interessen weichen vor der Kraft der Fantasie zurück. Das Spiel innerer Bilder stellt Ideen vor, die künstlerisch gestaltet werden wollen, und Lust, diese in Worten, Tönen oder Formen und Farben festzuhalten, schafft bleibende Kompsitionen. Die Seele bestätigt den Geist durch das gute Gefühl während des Schaffens. Der Verstand glaubt, was ihm die innere Stimme der Vernunft zuflüstert und lässt alles Überkommene los, um Neues zu wagen. Die Fantasie duldet keine Bedenken und verbietet Ausflüchte aus der Gegenwart des Augenblicks. Der Körper schenkt das Vergessen von Raum und Zeit. Das Denken versinkt ganz in Konzentration, um schöpferische Ideen des spielenden Unbewussten hervoscheinen zu lassen und die Neugier des Verstandes zu wecken.

20
Jun
2013

Weg nach innen

Was der kleine Friedrich erlebt, ist ein wunderbarer Schutz, den ihm seine verletzliche Seele schenkt. Die Fantasie gestaltet Bewusstsein nach dem Bedürfnis der Vernunft. Vergleichsweise sehr ähnlich eröffnet sie auch den Weg nach innen. Aber dieser Weg bleibt gesperrt, solange das Ich nur daran interessiert ist, etwas über sich selbst zu erfahren. Dieser Weg kann vom Ich nur begangen werden, wenn es dabei sich selbst in Ruhe lässt. Nur das vom Ich gereinigte Selbst offenbart den Weg nach innen. Das Ich muss sich selbst vollkommen loslassen, wenn es wesentlich erfahren will. Das ist schwierig. Aber Friedrich hat damit keine Probleme, weil er sich völlig offen dem Spiel seiner Fantasie zeigt und unvoreingenommen mitspielt. Auf diese Weise entdeckt er das Geheimnis des inneren Weges.

19
Jun
2013

Offen, spontan, neu

 
 
Am nächsten Abend verläuft die Begegnung wie am Vorabend ab. Aber ein Fest findet nicht statt. Spontan beschließt Friedrich, die Mauern der Festung zu verstärken. Zugleich mit Entstehen dieser Idee fahren Schwertransporter Baumaterial an, während mit Hilfe schwerer Kräne Gerüste an der Außenseite der Festungsmauer angebracht werden. Während Friedrich die baulichen Arbeiten beobachtet, überlegt er, was neu gebaut werden könnte. Da er in der Nähe des Bahnhofs aufgewachsen ist, fände er es gut, einen Bahnhof zu bauen. Bedenken, dass dies in dieser Höhe unmöglich sein und zudem die Gleisanlage den sicheren Schutz der Festung gefährden würde, schob er durch den Entschluss beiseite, den Bahnhof unterirdisch zu bauen. Während Friedrich mit der Planung begann, empfing ihn der Schlaf.

18
Jun
2013

Visionen?

Sind Friedrichs erfahrene Erscheinungen nur Spiele seiner Fantasie mit Bildern erinnerter Erfahrungen? Der kleine Friedrich hat sich nie Gedanken darüber gemacht. Für ihn gilt das, was sich ihm zeigt, als selbstverständlich. Wenn er mit seinem verstorbenen Großvater spricht, tut er das allein, weil er ihn sehr gern hatte. In solchen Gesprächen zeigt sich nichts, was den kleinen Jungen sonderlich gewundert hätte. Zudem behandelte er Verstorbene immer, als ob sie anwesend wären, nur unsichtbar eben wie viele seiner fantasierten Spielgefährten. Friedrich war auch nicht darüber erstaunt, dass ihm in der Regel geholfen wurde, wenn er nur intensiv um etwas bat. Er sprach nie über seine abendlichen Begegnungen. Später war für ihn völlig klar, dass es seine lebhafte Fantasie war, die ihm seine kindlichen Begegnungen ermöglichte. Als er dann in seinem Studium von Visionen der Heiligen erfuhr, sah er in solchen Phänomenen nicht mehr als das, was er als unheiliges Kind erfahren hatte.

17
Jun
2013

Die Nähe der Toten

Wenn Friedrich den Bereich der inneren Festung betritt, kann er rechts im hügeligen Hintergrund die Siedlung der Toten erkennen. Er kann die Toten jederzeit besuchen. Währen des Besuchs befindet er sich jeweils im Zeitraum ihres Lebens. Friedrich wundert sich nicht über diese Möglichkeit. Er empfindet es als sehr tröstlich, diese Möglichkeit zu haben. Allerdings nutzt er diese Möglichkeit kaum. Nur einmal begegnete er seinem Großvater väterlicherseits, ein liebenswerter, sehr freundlicher Mann.
Trotz dieser scheinbar wirklichen Begegnung denkt Friedrich nicht weiter über die Existenz Verstorbener nach. Erst sehr viel später wird er erfahren, dass Verstorbene rein virtuell existieren. Sie sind allgegenwärtig und Lebende können ihnen jederzeit begegnen, sobald sie gute Gedanken für sie empfinden. Während einer solchen Begegnung können sie mit dem inneren Ohr hören, was sie sagen, und mit schweigender innerer Stimme mit ihnen sprechen.

16
Jun
2013

Kindliche Planspiele

Im ersten Bauwagengespräch erfährt Friedrich, dass er alles innerhalb der Festung nach eigenen Wünschen planen und gestalten kann. Warum diese gestalterische Möglichkeit ins Spiel kommt, ist unklar, denn der kleine Junge hat weder etwas mit Architekten zu tun, noch zeigt er eine Vorliebe für Baustellen. Trotzdem macht ihm dieses Spiel der Fantasie von Anfang an Spass. Weil er die Anordnung des Gebäudes, das er vorfindet, unpraktisch findet, überlegt er zuerst, welche Änderungen er vornehmen könnte. Der einstöckige, nutzbare Teil des Gebäudes ist in großer Höhe zwischen je zwei Säulen eingelassen. Friedrich aber interessiert sich zunächst nicht dafür. Stattdessen organisiert er zu seinem Ehrentag ein großes Fest vor diesem Gebäude. Während ein Orchester für fröhliche Unterhaltung sorgt, schläft Friedrich ein.

15
Jun
2013

Am Abend der Erstkommunion

Die erste Begegnung war am Sonntagabend, eine Woche nach Ostern. Friedrich sah sich plötzlich vor dem großen Tor der Festung. Dahinter erblickte er die Gestalt in ihrem langen weißen Gewand. Jesus erwartete ihn bereits. Während er auf Friedrich zuging, öffnete sich wie von Geisterhand das schwere schmiedeeiserne Tor. Jesus empfing den kleinen Jungen sehr freundlich, ohne ihn zu berühren. Jesus führte ihn zu einem Bauwagen unmittelbar rechts hinter dem Tor. Friedrich wunderte sich nicht einmal, dass Jesus in einem Bauwagen wohnte und ihn auch dorthin einlud.

14
Jun
2013

Vorlagen der Fantasie

Die Fantasie, welche die Festung errichtete, bezog alle ihre Vorlagen wie erst sehr viel später erkannt wurde aus Friedrich’s ästhetischen Erfahrungen. Im Sommer, wenn der Junge bereits vor Sonnenuntergang im Bett lag, fiel sein Blick auf den Hegauberg Hohentwiel, auf dem sich die größte Festungsruine Deutschlands befindet. Wenn Friedrich am Fenster stand, konnte er auf die Blumenbeete der Gärtnerei auf der anderen Seite schauen. Sonntägliche Spaziergänge führten des öfteren durch den Stadtpark mit Pflanzen wie Bananenstauden, die sonst nur sehr viel weiter südlich gedeihen. Vor dem Park teilte sich die Aach und floss auf beiden Seiten des Parks weiter, um sich an dessen Ende wieder zu einem Fluss zu vereinigen. Aber auch ein Besuch auf der Blumeninsel Mainau im Bodensee hatte Friedrich tief beeindruckt. Wie alle Kinder seines Alters musste er den sonntäglichen Gottesdienst besuchen. Die mächtige, altertümliche zwischen Säulen gehaltene Architektur des Hochaltars beschäftige den Jungen vor allem während der Predigt.

13
Jun
2013

Vision des Aufstiegs

 
 
Der Weg steigt steil an. Er führt zu einer weit angelegten Festung hinauf, die zur Zeit ihrer Errichtung allen Feinden standgehalten hätte. Die hohen Mauern der Festung sind von einem abgrundtiefen Wassergraben umgeben. Das wichtigste Gebäude liegt in einem weit ausladenden Park innerhalb dieser Festung. In diesem Park stehen all jene Bäume, welche der neunjährige Junge am liebsten mag. Es sind wunderschön blühende Obstbäume, mit alten hohen Kastanienbäumen dazwischen. Blumen finden sich anfangs nur im großen Blumengarten hinter dem Gebäude.
Die Festung kann nur über eine Hängebrücke erreicht werden. Diese endet vor einem großen schmiedeeisernen Tor, das in der Regel verschlossen ist. Es scheint allein an Jesus zu liegen, ob sich dieses Tor lautlos, von allein öffnet. Friedrich macht sehr schnell die Erfahrung, dass der Zugang zum Park versperrt bleibt, wenn er tagsüber nicht brav war. Dann erscheint ihm nicht einmal die Lichtgestalt im weißen Gewand, die ihn sonst immer erwartete. Diese Gestalt hat dem kleinen Jungen niemals ihren Namen genannt. Friedrich weiß ohnehin, um wen es sich handelt.

12
Jun
2013

Philosophieren entdecken

Katathymes Spielen bereitet das Philosophieren vor. Als kindliches, katathymes Bilderleben spielt sich Denken bereits im Vorhof der Philosophie ab. Sobald das fantastische Bilder-Leben der Vernunft in das Bild-Erleben des Verstandes übergeht, existiert eine Spielfigur, die über kurz oder lang zum Philosophieren herausgefordert wird. Der kleine Friedrich sieht sich durch seine Erste Kommunion herausgefordert, die in der Hostie anwesende göttliche Gegenwart im katathymen Spiel Gestalt werden zu lassen. Folglich formt der Verstand die Gestalt Jesus, welche die Vernunft in der katathymen Welt erscheinen lässt. Fortan begegnet Friedrich in der Stille des ganz für sich Seins vor dem einschlafen Jesus, mit dem er über alles spricht.

11
Jun
2013

Pädagogik = Kunst der Erziehung

Erziehung ist intuitive Hilfe zur Selbsthilfe zur Selbstbefreiung des Ichs.
Um das zu ermöglichen, muss ein Pädagoge intuitiv sowohl praktisch als auch theoretisch denken können.
Er muss intuitiv fühlen können, was jemand braucht.

10
Jun
2013

"Der Geist ist frei von Geist. Die Natur des Geistes ist Klares Licht"

Es ist das innere Licht, von dem Buddha wie Platon sprechen. Weil wir dieses Licht verloren haben, tastet unser Geist im Dunklen. Der Philosoph Friedrich Nietzsche beschreibt die Folge dieser Dunkelheit so: "Wir sind ohne Bildung, noch mehr, wir sind zum Leben, zum richtigen und einfachen Sehen und Hören, zum glücklichen Ergreifen des Nächsten und Natürlichen verdorben und haben bis jetzt noch nicht einmal das Fundament einer Kultur, weil wir selbst davon nicht überzeugt sind, ein wahrhaftiges Leben in uns zu haben."

9
Jun
2013

Was unterscheidet pädagogisches und philosophisches Denken?

Pädagogisches Denken ist konkret und praktisch. Philosophisches Denken ist abstrakt und theoretisch.
"konkret praktisch" denken bedeutet, Möglichkeiten zu handeln sehen.
"abstrakt theoretisch" denken bedeutet, Möglichkeiten zu definieren sehen.

Ein allgemeiner Fall für alle besonderen Fälle ist "abstrakt theoretisch".
Ein besonderer Fall als Beispiel ist "konkret praktisch".
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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