Weder noch
Pädagogen wollen nicht wahrhaben, dass sich pädagogisches Denken wesentlich vom wissenschaftlichen Denken unterscheidet. Erziehung als der Gegenstand der Pädagogik bezieht ihren zureichenden Grund einzig und allein aus den Bildern der Erfahrung und nicht etwa aus verallgemeinerten Bildern der Wissenschaft. Aber solche bisweilen schrecklichen Bilder der Erfahrung wollen weder Philosophen, Theologen noch Wissenschaftler wahrhaben. Um sie loszuwerden, schaffen sie sich ihre jeweiligen Himmel, die Philosophen den Himmel des Geistes, die Theologen den Himmel Gottes und die Wissenschaftler den Himmel ihrer Theorien. Pädagogen dagegen glauben, solange es ihre Kraft erlaubt, anderen helfen zu müssen. Vor allem Wissenschaftler verdächtigen sie deshalb nicht selten, unter dem Helfersyndrom zu leiden. Lehrern, Ärzten, Altenpflegern, Pfarrern, Ordensleuten, Psychologen und Sozialarbeitern werden mangelnde Selbstwertgefühle unterstellt. Diese Minderwertigkeitsgefühle wandeln Helfen in Sucht und verkehren diese schließlich in Selbstsucht. Die Helfer versuchen angeblich, Ideale zu verwirklichen, die sie selbst in ihrer Kindheit vermisst haben.
Wovor aber fürchten sich Wissenschaftler, wenn sie sich mit solchen haltlosen, weil unbewiesenen Unterstellungen schützen müssen? Fürchten sich Wissenschaftler etwa vor den Bildern der Erfahrung, weil sie die Unzulänglichkeit ihrer allgemeinen Bilder spüren?
wfschmid - 28. April, 04:30
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