Zen - Lehrgespräche (3)
Drittes Lehrgespräch
Leidenschaft schafft Leiden. Sinneseindrücke hinterlassen Spuren im Gedächtnis. Diese Spuren erzeugen unter Umständen Gefühle, die wieder an diese Sinneseindrücke erinnern und Wünsche schaffen, diese Sinneseindrücke noch einmal zu erfahren. Die Sehnsucht nach Erleben wächst.
Yiya: "Warum ist es so wichtig, sich im Loslassen einzuüben?"
Ensô: "Deine Frage schon belehrt mich, bei der Beantwortung sehr behutsam vorzugehen. Deine Frage erkundigt sich nach dem Sinn. Dein Denken ist noch nicht im Augenblick. Es geht über das Jetzt hinaus in ein Danach. Dein Sinn- und Zweckdenken lässt Dich noch nicht im Augenblick verweilen. Und weil Du noch nicht loszulassen vermagst, kannst Du das Loslassen als Vorgang nicht erfahren, geschweige denn begreifen, und Du musst Dich nach dem Sinn und Zweck erkundigen.
Gut, ich will Dir trotzdem zu antworten versuchen. Loslassen von allem bedeutet Freiheit. Nur der Mensch ist wirklich frei, der nichts begehrt. Aber das ist Utopie, denn schon das Streben nach Freiheit widerspricht dem Loslassen. Aus diesem Grund wird der Weg, Nichts zu denken, nach einiger Zeit des Einübens einfacher. Das kommt dann letztlich dem Loslassen des Loslassens nahe."
wfschmid - 1. Juli, 04:15
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