28
Mrz
2018

Naiver Versuch

Nichts als Leere umgibt den suchenden Geist. Neugier bedrängt ihn, sich endlich von seiner Ahnungslosigkeit zu befreien. Das Gefühl, Fragen zu entdecken, um suchen zu können, wird bedrängender. Fragen stellen sich ein, ohne Antworten zu organisieren. Was liegt näher, als sich wenigstens um diese Frage zu kümmern.

"Welche?" erkundigt sich nach Personen, Dingen oder Eigenschaften. Dieses Fragefürwort verweist auf etwas, dessen Vorschein mit gewissen Eigenschaften erwartet wird. Es scheint, dass zunächst die Eigenschaften von Etwas erfasst werden, um dann auf dieses selbst zu schließen. Aber es könnte auch geradezu umgekehrt sein. Es wird zunächst ein Dreieck wahrgenommen und dann festgestellt, dass es sich um ein Dreieck mit drei gleichen Seiten und Winkeln handelt. Der Verstand aber notiert, dass das Erfassen eines Objekts und dessen Eigenschaften gleichzeitig geschieht. Vermutlich wird das bereits vermutlich vorbewusst entschieden.

"Welche?" fragt zwar nach Eigenschaften von Etwas, aber es leitet eben deshalb noch keine Suche ein, weil nichts Gegenständliches zum Vorschein gelangt!

Nun erweist sich das Bewusstwerden als Denken selbst als frag-würdig. "Weshalb?" fragt nach dem Sinn des Ganzen. "Was?" ge-schieht hier überhaupt? Unversehens wird nach den Eigenschaften des Bewusstwerdens selbst gefragt. Entgegen momentaner Erwar-tung wird das Bewusstwerden selbst als Gegenstand entdeckt. Das fühlt sich gut an, vor allem deshalb, weil das unbestimmte Suchen bestimmt wird und somit sein Ende findet. Augenblickliche Zufrie-denheit darüber, dass überhaupt etwas stattfindet.

Beabsichtigt war ja ein wirklich naives Beginnen. Gleichsam bei nichts sollte begonnen und abgewartet werden, was geschieht. Das entspricht seit langem den Erfahrungen meines Denkens: Ich kon-zentriere mich und warte ab, was sich ereignet. Eine Art Zen-Versunkenheit scheint mir.
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Prof. Dr.phil. habil. Wolfgang Schmid

 

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