Unilogo

28
Feb
2005

Kultur - Raum zum Atmen

Im Gegensatz zu allen anderen Lebewesen ist der Mensch ein Kulturwesen. Die verschiedenen Generationen erfahren sich nicht in einer instinkthaften Wiederholung des immer Gleichen, sondern begegnen sich in der Weitergabe erworbener Fähigkeiten und in der kritischen Auseinandersetzung damit.

kultur

Diese Vermittlungsgeschichte spiegelt sich in unsern Köpfen wider. Die Geburt eines Menschen ist kein Neuanfang, sondern Fortsetzung. Als Fortsetzungsgeschichte übertragen sich kulturelle Inhalte durch Sprache und prägen im Gehirn der Nachfahren Verhaltensmuster der Vorfahren aus.

Die verschiedenen Ausprägungen haben unterschiedliche Namen wie Werte und Normen, Regeln und Gesetze, Gebote und Verbote. Sie alle regeln das Miteinander und leider auch das Gegeneinander der Menschen.

Es ist wichtig, um diese Zusammenhänge zu wissen, also ein Geschichtsbewusstsein zu haben, weil wir sonst keine Ahnung haben, wo es für uns selbst lang geht. Ohne historisches Bewusstsein verlieren wir die Orientierung und kommen nicht einmal mit den einfachsten Dingen des Alltags zurecht.

Viele halten die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte für Umstandskrämerei. Sie ahnen nicht, dass sie sich mit solchem Unfug schaden. Sie werden extrem kurzsichtig und verlieren damit viele zukünftige Möglichkeiten aus den Augen. Sie büßen die Fähigkeit ein, umsichtig zu handeln.

Ohne historisches Bewusstsein werden ganz bestimmte historisch bedingte Suchstrategien im Gehirn nicht ausgeprägt. Menschen geben ihre Erfahrungen tiefgefroren in Form von Begriffen weiter. Es kostet sehr viel Mühe, Begriffe aufzutauen, um daraus wieder Begreifen werden zu lassen. Der Vertrieb tiefgekühlter Gedanken erfolgt durch Theorien. Diese haben einen sehr schlechten Ruf. Sie gelten als schwerfällig und ihre Vertriebswege werden für recht umständlich gehalten.

27
Feb
2005

Konzentration – Besuch im Archiv

Konzentration bedeutet, dass ich versuche, mir Gedächtnisinhalte zu vergegenwärtigen. Das können Ereignisse, Situationen oder Erfahrungen sein.

konzentration

Ein unbekanntes Wort, ein Name, der mir nicht einfällt, ein Traum, die Begegnung mit einem Menschen bewirken Konzentration. Konzentration ist wie der Besuch in einem Archiv. In diesem Fall ist das Archiv mein Gedächtnis, in dem ich nach Daten suche. Der Erfolg, etwas zu finden hängt davon ab, ob ich ein klares Suchbild habe.

Fragen sind Suchformulare. Fragefürwörter sind Suchanstöße. Testen Sie Ihr Fähigkeit, nach etwas systematisch zu suchen.

Es gibt insgesamt zehn Fragefürwörter. Können Sie diese aufzählen? Achtung: Manche Fragefürwörter sind gleich, beispielsweise "Warum?" und "Wieso?"

Wir konzentrieren uns um so besser, je größer das Anliegen ist, durch gezielte Überlegungen etwas herauszubringen.

Wie aber wird nun archiviert? Unter welchen Voraussetzungen gelangen Inhalte ins Archiv? Viele klagen darüber, dass sie nichts behalten können. Sie behaupten, unter einem schlechten Gedächtnis zu leiden.

Jedoch, das schlechte Gedächtnis, das gibt es nicht. Die Unfähigkeit, etwas zu behalten, geht auf Unschärfen während des Wahrnehmens zurück.

Was wir mit äußerster Sorgfalt aufnehmen, das wird auch vom Gedächtnis behalten. Aus diesem Grund arbeiten viele Gedächtnistrainingstechniken konsequenterweise an der Schulung der Wahrnehmung.

26
Feb
2005

Journalisten

Journalisten – ich rede von den professionellen – verstehen sich auf den Umgang mit Information. Viele des Schreibens nicht sehr kundige Wissenschaftler rümpfen über diese Berufsgruppe die Nase, viele Politiker natürlich auch, aber aus völlig anderen Gründen.

journalismus2

Gute Journalisten verstehen sich auf das Geschäft des Schreibens. Das gilt natürlich auch für Schriftsteller. Aber Journalisten verstehen sich vor allem darauf, komplizierte Zusammenhänge zu ermitteln und einfach darzustellen.

Sie tun das, was Wissenschaftler auch tun, aber sie vereinfachen, ohne sich in Abstraktionen zu versteigen. Gute Journalisten und Schriftsteller denken in Bildern und schreiben auch so. Schauen Sie sich die Wochendausgabe Ihrer Tageszeitung einmal daraufhin an.

Nehmen Sie sich einen Artikel vor, den Sie besonders gut finden, und schreiben Sie sich drei Regeln heraus, die Ihrer Auffassung nach während der Abfassung eine Rolle spielten. Und vor allem, versuchen Sie, diesen Artikel wie ein Lehrer zu korrigieren. Nehmen Sie ruhig einen Rotstift.

Diese Übung dient dem Training des bewussten Lesens und dient damit auch der Verschärfung im Umgang mit eigenen Gedanken und mit der eigenen Sprache.

Texte werden nicht perfekt geboren. Sie wollen fortwährend bearbeitet und überarbeitet werden. Irgendwann aber müssen wir sie loslassen und zur Diskussion stellen.

Das Versprachlichen eigener Gedanken lässt sich nicht durch Gespräche ersetzen. Es ist immer noch einer der besten Wege, das Gehirn zu trainieren.

Gerade dann, wenn Sie irrtümlichweise der Meinung sind, keine schreibenswerten Gedanken zu haben, ist es Zeit, damit anzufangen.

25
Feb
2005

Innere Uhr

Wenn Menschen über Wochen in Räumen wohnen, in denen es weder eine Uhr noch sonst einen Hinweis auf die Tageszeit gibt wie den Stand der Sonne, dann neigen sie zu einem 25-Stunden-Rhythmus. Wie funktioniert unsere körpereigene Uhr?

innere-uhr

Eines der wichtigsten Elemente des Zeitmeßsystems unseres Gehirns ist ein kleiner Hirnteil, die Zirbeldrüse oder Epiphyse. Sie liegt unter den beiden Großhirnhälften und produziert abhängig von der Helligkeit das Hormon Melatonin. Bei Dunkelheit wird viel Melatonin produziert, bei Licht dagegen wenig. Der Melatoninausstoß wird vom Hypothalamus reguliert. Diese Hirnregion ist für die Steuerung vieler lebenswichtiger Funktionen des Körpers verantwortlich, zum Beispiel für Essen, Trinken und die Kontrolle der in Tagesrhythmen verlaufenden Körpertemperatur. Der Hypothalamus darf wohl als Sitz der inneren Uhr betrachtet werden. Durch die Produktion von Melatonin werden wir schläfrig und legen uns infolgedessen auch zum Schlafen hin.

Der Wach-Schlaf-Rhythmus als der offensichtlichste Hinweis auf eine innere Uhr beruht allerdings auf einer Reihe biologischer Funktionen, die einem rhythmischen Muster folgen. Der Wechsel von Helligkeit und Dunkelheit wirkt sich beispielsweise auf die Aktivität der Nebennieren aus. Diese Drüsen erzeugen Steroidhormone, die bei Stress- und Verteidigungsreaktionen und bei der Aufrechterhaltung des Blutdrucks eine Rolle spielen.

Menschen sind mit den unterschiedlichsten Temperamenten ausgestattet, die physiologische Unterschiede widerspiegeln. So sagt man von Menschen mit dominantem sympathischem Nervensystem, sie seien Morgenmenschen und hätten tagsüber eine bessere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit.

Abendmenschen haben beispielsweise morgens eher einen niedrigen Blutdruck und ihre Körpertemperatur erreicht ihren höchsten Punkt gut eine Stunde später als bei Morgenmenschen.

24
Feb
2005

Informationsverarbeitung - Interhemisphärischer Rhythmus

Sinne: wahrnehmen - Bedürfnis: sich Zeit nehmen, um zu betrachten - Vernunft: beobachten, sich einen Überblick verschaffen - Verstand: begreifen, sich ein Bild machen - Gefühl: entscheiden, was sich damit anfangen lässt. Das sieht als interhemisphärischer Rhythmus so aus:

{(L-R), (R), (L-R)), (L), (L-R)}

informationsverarbeitung

Es besteht weitgehend Einigung darüber, dass in unserer Gesellschaft zu viele Menschen zu linkslastig sind.

Wenn das aber der Fall ist, dann verkürzt sich aufgrund der Nichtbeteiligung der rechten Hemisphäre das Wahrnehmen auf bereits vorhandene Muster (Schubladen), dann fallen Betrachtungen sehr oft ganz aus, dann werden Beobachtungen eingeschränkt und durch Vorurteile beschleunigt, dann orientiert sich der Verstand nur noch an Vorhandenem, statt dieses zu verbessern oder gar Neues zu schaffen, dann verkümmert bewusstes Verhalten zu bloßen Reaktionen auf Aktionen von außen.

Zwischen dem Rhythmus interhemisphärischer Kommunikation und den unterschiedlichen Denkweisen besteht ein enger Zusammenhang.

So verkürzen streng lineares oder tabellarisches Denken den idealen 5/4-Takt bis auf den 2/4 Takt des Marschierens.

Zyklisches oder systemisches Denken dagegen folgt dem natürlichen idealen Takt, während modulares Denken den Rhythmus ständig wechselt.

Sobald es Lernende mit ‚Zwei-Wort-Gleichungen’, also mit tabellarischem Denken zu tun haben, erhöht sich die Anzahl der Wiederholungen drastisch. Ein Unterricht ohne Experimente oder Werkstattcharakter kann man sich unter dem Gesichtspunkt des Behaltens von Inhalten sparen.

23
Feb
2005

Initiieren – "In die Gänge kommen"

Initiieren, in Gang setzen, sich in Bewegung setzen, motivieren, das sind einige Bezeichnungen für den Widerstand gegen Bequemlichkeit.

initiieren

Es gibt einen ebenso gemeinen wie einfachen Weg zur Selbstmotivation. Dieser Weg beruht auf einer Bewusstmachung der sonst unbewusst ablaufenden Selbstkontrolle. Wegen der Einfachheit und dem hohen selbstinduktiven Wert stößt das Verfahren in der Regel zunächst auf Skepsis.

Gewöhnlich begnügen wir uns damit, Zeit, die wir in Dinge investieren, die uns sehr wichtig sind, einfach nur zu schätzen. Ebenso gehen wir mit Werten um, die eigentlich wichtig wären, wenn wir etwas für unsere Gesundheit tun wollen.

Reden Sie sich z.B. ein, dass Sie genug schlafen, für eine bestimmte Sache ausreichend arbeiten oder sich genügend Bewegung durch Joggen, Gymnastik oder Spazieren-gehen verschaffen, dann tragen Sie das, was Ihnen sehr wichtig ist, doch ganz einfach einmal in eine Wertetabelle ein und verbinden die Werte der einzelnen Tage miteinander. Sie erhalten eine graphische Abbildung, die Ihnen wie in einem Spiegel zeigt, wie es tatsächlich aussieht.

Das hat natürlich überhaupt nichts mit Masochismus zu tun. Nein, Sie werden die auf diese Weise unübersehbaren schlechten Werte nicht akzeptieren und dafür sorgen, dass sich das Bild verbessert. Vor allem werden Sie feststellen, wie falsch wir etwas beurteilen, wenn wir es nur vage so zwischendurch einmal bewerten.

Diese Art der Kurvenführung sollten Sie natürlich schon mindestens zwei Wochen konsequent durchhalten. Sie werden dann die selbstinduktiven Impulse ganz leicht bei sich feststellen. Wer steht schon gern vor sich selbst schlecht da! Wenn Sie natürlich jede Art von Kontrolle dieser Art hassen und auch die leichteste Form von Selbstmanagement ablehnen, sollten Sie sich auch nicht dazu zwingen. Sie werden eh so lange dagegen argumentieren, bis Sie das begründet wieder sein lassen können.

22
Feb
2005

Hirnvirus - Infektion

Die linke Hirnhälfte ist vor allem auf jene Informationen angewiesen, welche Bewusstseinsinhalte zu strukturieren und systematisieren helfen. Helfende Informationen dieser Art bieten vor allem Mathematik und in eingeschränkter Weise die sogenannten Alten Sprachen.

verbloedung2

Die rechte Hirnhälfte ist vor allem auf jene Informationen angewiesen, welche helfen, mit Bewusstseinsinhalten zu spielen und diese dadurch auch zu verändern.

Aber das ist noch nicht alles. Soll das Gehirn optimal arbeiten, dann müssen beide Hirnhälften zusammenarbeiten (interhemisphärische Kommunikation). Entweder arbeiten beide Hirnhälften zusammen oder gar nicht!

Alle naturwissenschaftlichen, sprachlichen, künstlerischen, handwerklichen, technischen Fächer und der Sport sind besonders geeignet, die Entwicklung des Gehirns zu fördern. Aber die Inhalte müssen sorgfältig, trennscharf und sogar engagiert vermittelt werden. Lehrende, die von dem, was sie lehren, nicht überzeugt sind, sollten die Hände vom Unterricht lassen.

Wird nun das Gehirn durch den Hirnvirus infiziert, dann fallen während des Bewusstwerdens von etwas wichtige Kontrollfunktionen aus. Die Aufnahme von Nachrichten wird gestört, die Verarbeitung von Information gehemmt und die Überführung in ein Verhaltensmoment blockiert. Lernen ist nicht mehr möglich.

Werden Verhaltensregeln, Konstruktionsvorschriften, Experimente... wegen mangelnder Kurzeitspeicherressourcen als Daten statt als Programme gespeichert, dann wird das Organisieren von informationellem Verhalten wie Denken und sprachliche Umsetzung zumindest stark gestört.

Das Gehirn reproduziert verfügbare neuronale Verbindungen statt neue zu produzieren. Man kann diese fortwährende Einschränkung auch einfach "Verblödung" nennen.

21
Feb
2005

Hirnvirus – Mitteilung, die keine Informationen erzeugt

Das Gehirn benutzt erworbene Sprachen, um Inhalte neuronal zu vernetzen. Wer während eines Lehrprozesses schlampig spricht oder schreibt, irritiert das Gehirn so, dass es den Lernprozess fehlerhaft organisiert. Der Hacker verschickt einen Computervirus. Der Lehrer dagegen überträgt einen Informationsvirus.

hirnvirus3

Informationsviren machen sich in der Regel bei acht- bis neunjährigen Kindern durch plötzlich auftretende tiefe Unlust, zur Schule zu gehen, bemerkbar. Gleichzeitig tritt ein starker Leistungsabfall auf und die Bereitschaft zu aggressiven Handlungen nimmt zu. Diese Symptome scheinen ziemlich unabhängig von der Intelligenz- und Begabungslage der Kinder aufzutreten.

Verantwortlich für das Strukturieren jenes Teils des Gehirns, welchen wir Kurzzeitgedächtnis oder Bewusstsein nennen, ist vor allem die Sprache. Je besser die mündliche und schriftliche Sprachbildung ist, desto trennschärfer geschieht auch die Organisation des Bewusstseins. Umgekehrt lassen sich durch schlechten Sprachgebrauch bestimmte Gehirnfunktionen hemmen oder gar blockieren.

Wie funktioniert das? Um etwas sinnlich und geistig einigermaßen brauchbar erfassen zu können, müssen im Gehirn kurzzeitig mindestens vier ineinander übergehende Prozesse pro Wahrnehmungsmoment ablaufen.

Das Ineinanderfließen von Identifizieren, Interpretieren, Folgern und Beschließen läuft innerhalb eines Augenblicks ab, also innerhalb von etwa drei Sekunden. Jeden Augenblick geschieht das erneut. Alle Bewusstseinsinhalte werden mindestens zweifach festgehalten: sprachlich und bildlich. Worte sind gleichsam neuronale Adressen von Bildern im Langzeitgedächtnis. Jeder erzeugt zu dem Wort „Frühling" Bilder. Diese persönlichen Bilder lassen sich auch wieder zur Sprache bringen. Unser Bewusstsein ist ein Bilderleben, sowohl Bilder-Leben als auch Bild-Erleben, das sind Geschichten, die wir sprachlich fassen.

20
Feb
2005

Hirnvirus

Information, das ist die praktische Konsequenz aus einer Nachricht. Nachrichten werden vorwiegend schrift- und bildsprachlich übermittelt. Je sorgfältiger Nachrichten aufbereitet werden, desto erfolgreicher sind auch mögliche Schlussfolgerungen.

hirnvirus1

Nachrichten können unter ungünstigen Umständen Hirnviren übertragen. Diese wirken im Bewusstsein, indem sie wichtige Hirnfunktionen stören oder gar blockieren. Es handelt sich hierbei um einen ganz bestimmten Nachrichtentypus.

Nachrichten, die in der Lage sind, das Hirn mit Viren zu infizieren, müssen das Bewusstsein fehlsteuern können, bevor es eine Nachricht in eine Information umzuwandeln vermag. Diese Manipulation gelingt, wenn vor allem zwei Maßnahmen getroffen werden:

1.
Die Nachricht muss eine Folge von Teilnachrichten enthalten, welche das Bewusstsein als Lernschritte deutet.
2.
Der erwartete Lernprozess darf nicht in Gang gesetzt werden.

Virenverseuchte Nachrichten wirken wie Aprilscherze. Sie führen den Betroffenen in die falsche Richtung. Durch fehlerhafte Unterrichtung zieht das Gehirn des Kindes falsche Schlüsse. Mit anderen Worten: Lehrer sorgen durch ihren Unterricht für Fehlinformationen und hemmen so wichtige
Hirnfunktionen für viele Jahre.

Wichtige Funktionen des Kurzzeitgedächtnisses lassen sich schon durch den schlampigen Umgang mit der Sprache stören. Wie ein Hacker durch geschickte programmtechnische Manipulation Hard- und Software stören oder gar zerstören kann, so vermag der Lehrer durch sprachlich schlecht vorgetragene Sachverhalte bestimmte Funktionen im Gehirn einfach zu destabilisieren.

19
Feb
2005

Hemmungen – Warum aller Anfang schwer ist

Es gibt vor allem folgende Möglichkeiten, sich selbst an etwas zu hindern:

hemmungen

1.
Selbsthemmung: Man identifiziert sich nicht mit der Sache, an der man arbeiten sollte. Es gibt also keinen persönlichen Beweggrund (Motiv), sich damit zu beschäftigen.
2.
Darstellungskonflikt: Die Sache mit der man sich beschäftigt, dient der Selbstdarstellung. Das zeigt sich häufig, wenn jemand übertrieben ehrgeizig ist und für sich den Anspruch erhebt, alle und alles zu überbieten.
3.
Tätigkeitskonflikt (Profilneurose): Jemand ist in einem Bereich tätig, in dem er nicht zu Hause ist. Er wird die Tatsache, sich nicht auszukennen, durch wohlklingende Attrappen-Begriffe zu vertuschen versuchen. Solche Leute wirken in der Regel aufgeblasen, eingebildet.
4.
(Di-) Stress: Wer kein geistiges Zuhause hat, wird sich durch den Alltag hetzen, weil ihm Wegmarken und Orientierungspunkte fehlen. Er wird sich für nichts genügend Zeit lassen.
5.
Mangelnde Neugier und damit fehlende Bereitschaft zu suchen und zu finden bzw. zu entdecken. Die Neugier äußert sich durch eine unbändige Lust zu fragen.
6.
Wer taub für seine innere Stimme (~ Selbstkontrolle) geworden ist, dem fällt nichts mehr ein. Die Intuition ist wahrscheinlich durch fortschreitende Desensibilisierung ausgefallen.
7.
Wer sich nicht ständig inhaltlich fordert, fördert seine Entwicklung nicht mehr. Wer sich vorwiegend passiv verhält, darf nicht von sich erwarten, plötzlich aktiv werden zu können, wenn es dann darauf ankommt.
8.
Wer sich auf falschem Weg zum Ziel bemüht, kennt sich mit seinen eigenen Gepflogenheiten nicht recht aus. Es fehlt ihm an Übung im Umgang mit sich selbst.

18
Feb
2005

Hören - Aufladung oder Entladung

Das Ohr hat zwei Aufgaben, die nahezu in Vergessenheit geraten sind. Der Musiktherapeut Alfred Tomatis beklagt, dass diese beiden Aufgaben unglücklicherweise von der Wissenschaft getrennt betrachtet werden, weil man beim Hörnerv zwei getrennte Äste sehen wollte: der eine in Verbindung mit der Funktion des Vorhofs (Gleichgewichtsempfindung), der andere mit der Funktion der Schnecke (Schallempfindung).

hoeren2

Das Gleichgewichtsorgan wird für die aufrechte Haltung des Menschen verantwortlich gemacht. Der Vorhof-Nerv findet sich überall in der Wirbelsäule wieder. Er berührt alle vorderen Nervenwurzeln des Rückenmarks und kontrolliert dieses.

Es besteht eine Verbindung zwischen den beiden Zweigen des Hörnervs und dem Schnecken-Nerv, also zwischen Gleichgewicht bzw. Haltung und Schallwahrnehmung bzw. Horchen. Weil alle vorderen Wurzeln des Rückenmarks vom Vorhof-Nerv abhängen, spielt der Klang für die Beweglichkeit des Körpers eine wichtige Rolle. Das klangliche Geschehen bezieht den ganzen Körper mit ein. Es besteht eine unmittelbare Wechselwirkung zwischen der klanglichen Äusserung eines Menschen und seiner körperlichen Erscheinung.

Der andere Teil des Hörnervs dient – so Tomatis – in erster Linie dazu, das Gehirn mit elektrischer Energie aufzuladen. Unsere klangliche Umgebung beeinflusst unsere Befindlichkeit unmittelbar.

Weil von hohen Frequenzen eine anregende Wirkung ausgeht, fühlen wir uns besser. Tiefe Töne lassen den Körper mitschwingen, ohne ihn aufzuladen. Hohe Töne beleben ihn und versorgen ihn mit Energie. Enstprechend werden wir auch durch menschliche Stimmen aufgeladen oder entladen. Versuchen Sie das einmal aufzuspüren, indem Sie Ihren Gesprächspartnern lauschen.

17
Feb
2005

Hören

Für das Gehirn kommt Hören natürlicherweise vor dem Sehen. Das hat mit seiner Entwicklung zu tun: vom Rauschen zu Geräuschen, von unbestimmten Geräuschen zu bestimmbaren Lauten, von deutbaren Lauten zu ersten Wörtern. Mit Hilfe von Verlautbarungen hat sich das Gehirn den ersten Zugang zu einer verstehbaren Welt geschaffen.

hoeren1

Auf vergleichbare Weise nähert sich das Gehirn spielerisch einer fremden Sprache. Aber es verfügt nun über Erfahrungen und begreift das Aussprechen und die Bedeutungen von Wörtern sehr viel schneller.

Im Land selbst wäre es in der Lage, sich die Fremdsprache wie die Muttersprache anzueignen. Folglich sollten vergleichbare Situationen simuliert werden.

Hier geht es um das Hören und Horchen als Sensibilisieren und Intensivieren der Wahrnehmung. Leider ist dieser Text nur ein Lese- und nicht auch ein Hörtext. Versuchen Sie einige Module einmal für sich selbst laut zu lesen. Achten Sie dabei einmal nicht so sehr auf die Inhalte, sondern auf Ihre Stimme.

Versuchen Sie herauszubekommen, was Ihnen der Klang, die Färbung und die Modulation Ihrer Stimme sagt. Hören Sie sich auch ab und zu bei Gesprächen einmal selbst zu und versuchen Sie die Begleitinformation zu verstehen, die Ihre Stimme während des Gesprächs anderen mitteilt.

Klingt Ihre Stimme sicher oder unsicher bzw. überzeugend oder zweifelnd? Ist der Tonfall eher weich oder hart?

Schulen Sie Ihr Gehör, indem Sie Ihre Aufmerksamkeit ganz bewusst auf Geräusche richten, die Sie sonst gar nicht mehr bewusst aufnehmen. Hören Sie z.B. dem Tastengeräusch zu während Sie schreiben. Klingt das eher hektisch oder angenehm gleichmäßig?

16
Feb
2005

Grammatik der Natur

Die Natur ist ein Zusammenspiel unterschiedlicher Kräfte. Dieses Zusammenspiel bewegt sich ständig zwischen Kosmos (Ordnung) und Chaos (Un-Ordnung).

grammatik

Dominiert die Ordnung, dann werden folgende ordnenden Kräfte wirksam:

Menschen gehen aufeinander zu (zuordnen),
Menschen beurteilen einander (einordnen),
Menschen schaffen Systeme (ordnen sich unter bzw. über),
Menschen folgern (ordnen vor bzw. nach),
Menschen bilden Strukturen (anordnen),
Menschen delegieren (beiordnen).

Statt dieses Beispiels für ordnende Kräfte lassen sich viele andere finden. Alles organisiert sich auf vergleichbare Weise, ob es nun der Mensch mit seinen Terminkalendern oder Todo-Listen ist oder ein junger Baum, der sich unter den anderen Bäumen des Waldes zu behaupten sucht. Bei schnell wachsenden Pflanzen wie bei der Trichterwinde lässt sich das Ordnen während des Wachstums einfach beobachten. Und natürlich richtet sich auch das Gehirn nach der natürlichen Grammatik.

Die Begegnung von Menschen ist nur ein Ereignis von einer unüberschaubaren Menge von Ereignissen. Aber selbst dieser Fall lässt sich auf beliebig viele vergleichbare Fälle übertragen.

So ziehen sich Elemente (Teilchen) an (zuordnen), gruppieren sich (einordnen), beziehen sich raum-zeitlich aufeinander (ordnen sich einander vor bzw. nach), bilden Systeme bzw. Teilsysteme (ordnen sich über bzw. unter), wirken zusammen (anordnen) und vernetzen sich mit gleichen, ähnlichen oder gar gegensätzlichen Zusammenhängen (beiordnen).

15
Feb
2005

Gleichgewicht

Stabilität ist die Fähigkeit, sich im Gleichgewicht zu halten, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

gleichgewicht

Das körperliche Gleichgewicht wird durch den Gleichgewichtssinn gehalten. Eine ausgewogene Ernährung lässt sich an den Blutwerten ablesen.

Das seelische Gleichwicht wird uns durch jene Haltung angezeigt, welche wir Gelassenheit nennen. Und das geistige Gleichgewicht erfahren wir, indem wir prüfen, wie genau wir wahrnehmen, wie sorgfältig wir betrachten, wie trennscharf wir beobachten, wie klar wir begreifen und wie ökonomisch wir arbeiten.

Jemand, der seine Mitmenschen kaum oder gar nicht ansieht und ihnen nicht zuhört, befindet sich gewöhnlich nicht im Gleichgewicht.

Äussere Kennzeichen innerer Stabilität sind u.a. Interesse, Engagement, Toleranz und Freundlichkeit. Wer sich im Gleichgewicht befindet, tut das, was gerade anliegt, ohne lange herum zu diskutieren.

Die beiden Hemisphären arbeiten am wirksamsten sowohl allein als auch zusammen, wenn Stabilität herrscht. Für das unvoreingenommene wissenschaftliche Arbeiten ist zumindest seelische und geistige Ausgeglichenheit unabdingbare Voraussetzung.
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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