Unilogo

14
Feb
2005

Glauben

Bewusstsein, das ist auch der "Ort" des Glaubens und des Gewissens. Glaube, das ist Widerspiegelung von Restbildern, Restgedanken, Restgefühlen im Bewußtsein, also Vergegenwärtigung von Wahrnehmungen, Vorstellungen, Empfindungen, die nicht mehr bildlich oder begrifflich erfasst werden können, weil sie die Abbildungs- oder Definitionsmöglichkeiten überschreiten.

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Glaube ist eine Möglichkeit, mit Bewußtseinsinhalten jenseits von Kenntnis, Erkenntnis und Wissen umzugehen. Insofern ist dieser Umgang die offenste Form der Daseinsgestaltung. Die Erfahrung von Empfindungen nicht erklärbaren Erlebens führt in der Regel zum Versuch, die Grenzen des Vertrauten zu überschreiten, um auf diese Weise doch noch zu einer Erklärung zu gelangen.

Der Glaube ist immer dann eine Möglichkeit der existentiellen Orientierung, wenn der Umgang mit Bildern und Begriffen versagt. Da sich Glaube erst dann und nur dann vollziehen kann, wenn das Denken in den Bereich möglicher Möglichkeiten gelangt, versetzt sich jeder, der eine bildliche oder begriffliche Aussage darüber versucht, in den Widerspruch.

Jedes Dogma ist ein Paradoxon. Im Glaubensbereich gibt es nur ein mögliches Verhalten und eine mögliche Handlung. Das Verhalten des Gläubigen ist das Schweigen, sein Handeln besteht in der Meditation. Glauben bedeutet nichts wissen (wollen).

Glaube, d.i. die Bereitschaft, auf Bilder und Begriffe (Erkenntnis) bzw. auf bild- und begriffsorientiertes Verhalten (Wissen) zu verzichten, um Empfindungen zu erfahren, ohne etwas Bestimmtes zu erleben. Glauben heißt, alles möglich sein lassen.

Über Geschmack lässt sich streiten, über Glauben nicht.

13
Feb
2005

Glaube, Hoffnung, Liebe

Erfolg lebt nicht vom Glauben allein. Er braucht die Hoffnung auf das Glück, das er bereithält. Wer sich auf den Erfolg nicht wirklich freut, kann Niederschläge unterwegs kaum durchstehen.

glaube

Aber Erfolge sind noch anspruchsvoller. Sie verlangen geliebt zu werden. Sie scheinen sogar zu fordern, dass man sich ausschließlich um sie kümmert. Niemand kann diese Ansprüche erklären. Aber Erfolge, an deren Eintreten man nicht glaubt, auf die man nicht sehnlichst hofft und deren Botschaften man nicht von Herzen liebt, gehen so jämmerlich zugrunde wie Pflanzen oder Lebewesen, denen man sich versagt.

Ist aber der Erfolg erst einmal geboren, dann vermehrt er sich wie Kaninchen und versucht sich bei seinem Urheber so gewaltig zu revanchieren, dass dieser bisweilen von solcher Liebe schier erdrückt wird. Erfolge fallen nicht vom Himmel.

Vor den Erfolg hat Gott den Fleiß gestellt. Ohne Fleiß kein Fleiß. Diese beiden Sprüche spiegeln Erfahrungen mit Erfolgen wider. Erfolge fallen niemandem in den Schoß. Der Einfall ist das eine, dessen Umsetzung das andere.

Die Einfachheit erfolgsversprechender Einfälle, Entdeckungen oder Erfindungen erlaubt es, in einem Satz auf den Punkt gebracht zu werden.

Diesen Satz versteht auch jeder und kommentiert dies - wie gesagt - ob der doch ganz offensichtlichen Naivität mit einem fast mitleidigen Lächeln. Vielleicht ist es so: Je einfacher das Entdeckte, desto mühsamer dessen Vorbereitung auf den öffentlichen Auftritt.

12
Feb
2005

Gelassenheit – Zehn Gebote der Gelassenheit von Johannes XXIII

1.
Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

gelassenheit

2.
Nur für heute werde ich die größte Sorge für mein Auftreten pflegen: vornehm in meinem Verhalten; ich werde niemand kritisieren; ja, ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern, ...nur mich selbst.
3.
Nur für heute werde ich in der Gewißheit glücklich sein, daß ich für das Glück geschaffen bin ... nicht nur für die andere, sondern auch für diese Welt.
4.
Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, daß die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.
5.
Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen; wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist die gute Lektüre für das Leben der Seele notwendig.
6.
Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen, und ich werde es niemandem erzählen.
7.
Nur für heute werde ich etwas tun, das ich keine Lust habe zu tun; sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, daß es niemand merkt.
8.
Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen. Und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: die Hetze und die Unentschlossenheit.
9.
Nur für heute werde ich fest glauben - selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten -, daß die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.
10.
Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist, und an die Güte zu glauben. Mir ist es gegeben, das Gute während zwölf Stunden zu wirken.

11
Feb
2005

Gehirn - Geniale Faulheit oder die drei hilfreichen Eigenschaften des Gehirns

Unser Gehirn ist von Natur aus beharrlich, faul und wählerisch. Alles Neue wird an bereits gemachten Erfahrungen geprüft. Gibt es dazu keine Erkenntnisse, wird das Neuartige in erster Instanz abgelehnt.

geruest

Nach dieser Ablehnung erhält das Neue Gelegenheit nachzuweisen, dass es vorhandene Vorgänge ganz entschieden zu verbessern vermag. Folglich muss etwas vorgetragen werden, das den Alltag durchgreifend erleichtert. Gelingt das nicht, wird das Neue auch in zweiter Instanz abgelehnt.

Jetzt wird es schwierig. Die dritte und letzte Instanz kümmert sich nämlich um das Neue nur noch, wenn es Grundbedürfnisse und/oder Gefühle anspricht.
Beispiel: Jemand schreibt seine Texte seit Jahren mit demselben Textverarbeitungsprogramm. Er ist zufrieden damit. Er wird also kaum dazu neigen, auf ein anderes Programm umzusteigen. Selbst wenn die Konkurrenz ihr ganz offensichtlich gleichwertiges Programm kostenlos anpreist, beharrt der Benutzer auf seinem Programm. Er verspürt keinerlei Lust, neue Erfahrungen in der Anwendung eines anderen Textverarbeitungsprogramms zu machen.

Damit die Konkurrenz eine Chance erhält, in der zweiten Instanz zu gewinnen, muss sie beweisen, dass ihr Programm dem Benutzer sehr viel Zeit spart, beispielsweise, indem sie volle Sicherheit vor Programmabstürzen gewährleistet.

In der dritten Instanz kann ein konkurrierendes Programm jetzt nur noch erfolgreich sein, wenn es das persönliche berufliche Engagement des Benutzers oder dessen Identifikation mit seinem Beruf anspricht, beispielsweise als spezielles Programm für Künstler oder Wissenschaftler.

Unser Gehirn verhält sich nach dem ökonomischen Prinzip: Minimaler Aufwand – maximaler Erfolg. Das ökonomische Prinzip ist ein natürliches Prinzip. Für das Gehirn bedeutet dies ein Minimum an Ressourcen bei einem Maximum an Leistung.

10
Feb
2005

Gehirn – Trainieren heißt sich geistig bewegen

Wir sehen, hören, riechen, schmecken, tasten, spüren und fühlen, wenn wir uns in der Natur aufhalten.

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Auch beim unempfindlich gewordenen Stadtmenschen kehren diese Sinne allmählich zurück, und er gewinnt den Eindruck, sich langsam zu erholen.

In der Regel verursacht der Verlust der Sinne eine Krankheit, die uns zwingt, uns als Naturwesen wieder ernst zu nehmen. In den meisten Fällen können wir aber den gesundheitlichen Schaden nicht mehr beheben. Wir müssen mit der oft selbst verschuldeten Behinderung zurechtkommen. Wir haben zu lange wider besseres Wissen gelebt.

Während wir körperliche Mängel sehr ernst nehmen und sie mit allen Mitteln zu beseitigen versuchen, lassen wir geistige Beschwernisse von Anfang an auf sich beruhen.

Ich gehe spazieren. Bewege ich mich oder werde ich durch äußere oder innere Ereignisse bewegt?

Das Gehirn stellt Beziehungen zwischen gegenwärtigen und vergangenen Wahrnehmungen her oder löst diese wieder auf. Es vergleicht diese und
unterscheidet sie zufolge ihrer Gleichheit, Ähnlichkeit oder Gegensätzlichkeit. Es beschleunigt oder verlangsamt informationelle Vorgänge. Es hebt gewisse Augenblicke hervor oder vernachlässigt sie.

Diese Beweglichkeit lässt sich durch geeignetes Training nicht nur bis ins hohe Alter erhalten, sondern auch noch erhöhen. Alles, was neu und noch nicht erfahrungsmäßig ausgeprägt ist, zählt dazu.

Nicht von ungefähr kommen viele ältere Menschen auf die Idee, eine Fremdsprache zu lernen oder oft weite Reisen zu unternehmen. Das Training besteht hier letztlich nur im systematischen Bereitstellen neuer Spielmöglichkeiten für das Gehirn und in der Geduld, Angefangenes auch durchzuhalten.

9
Feb
2005

Gehirn – Diktieren statt schreiben?

Unser Gehirn ist ein höchst anpassungsfähiges Organ. In den ersten beiden Lebensjahren prägt es unsere späteren existentiellen Möglichkeiten aus.

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Diese Vorbereitung auf unsere spätere Existenz ergibt sich aus dem spielerischen Umgang mit Sinnesreizen. Wahrnehmend, betrachtend, beobachtend, Zusammenhänge erschließend und immer wieder ausprobierend entwickelt das Gehirn für sich Verhaltensmuster. Einfachste Musterformen kennt es schon aus vorgeburtlicher Zeit im Mutterleib.

Das Hirn ist von sich her nicht vorgeprägt. Es spielt mit dem Zufall des Angebots an Sinnesreizen. Je reichhaltiger dieses Angebot des Sinnenfälligen ist, desto mehr wächst die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher neuer Verbindungen.

Der Erfolg misst sich anfangs an der Befriedigung von Grundbedürfnissen. Das gekonnte Schreien zwecks Bestellen von Nahrung gehört zu den frühesten Erfolgserlebnissen eines Babys.

Wir neigen dazu, unseren Einfluss auf die Hirnaktivitäten zu überschätzen. Einfälle sind zumeist Zufälle in unbewussten Abläufen. Erspielte Zusammenhänge erscheinen spontan als sinnvolle Verbindungen. Das Schreiben vollzieht sich eher durch Beschreiben geschauter Beziehungen als durch Aushecken gedanklicher Gefüge. In freudiger Erwartung reibe ich mir die Hände, jederzeit bereit, den flüchtigen Gedanken festzuhalten. Oft stellen sich passende Worte nicht schnell genug ein, und wieder einmal mehr hat sich eine gute Darbietung verflüchtigt.

Die einzige Möglichkeit, sich davor zu retten, besteht wahrscheinlich in der Bereitschaft, das Diktat des Gehirns möglichst zu stenografieren oder ins Diktiergerät zu sprechen. Ich finde es recht erstaunlich. Schon der Versuch, auch vorhandene Gedanken mit einzuflechten, trocknet den inneren Gedankenfluss unvermittelt aus. Das Gehirn scheint radikal selbstschöpferisch spielen zu wollen oder gar nicht.

8
Feb
2005

Eine Fremdsprache erwerben bedeutet das Gehirn spielen lassen

Das Gehirn verfügt immer schon über Erfahrungen im Umgang mit Sprache. Schließlich hat es sich bereits erfolgreich die Muttersprache angeeignet. Das hätte es nicht geschafft, wenn es nicht spielerisch vorgegangen wäre.

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Das Kleinkind wird in eine Welt voller Rauschen hineingeboren. Wenn Ihr Fernseher rauscht, können Sie weder Ton noch Bild empfangen. Sie müssen
einen Sender erst suchen oder schärfer einstellen.

Allmählich treten für das Kleinkind aus dem Rauschen Geräusche hervor. Mit zunehmender Trennschärfe werden aus diesen Geräuschen beispielsweise Summen, Brummen und dann Stimmen. Es kristallisieren sich Laute bzw. Töne heraus. Es lernt durch zeitliche Nähe mit anderen sinnlichen Ereignissen, dass gewisse Laute und Töne bestimmte Bedeutungen haben.

Das kleine Gehirn entwickelt von Anfang an neuronale Verbindungen durch Erfassen von Zusammenhängen. Es erfährt wohltuende Klänge, angenehme Stille, aber auch erschreckenden Lärm. Für all diese akustischen Ereignisse ergeben sich zunächst keine Zusammenhänge. Also beginnt das Gehirn zu
suchen.

Das Suchen und Entdecken von Zusammenhängen ist bereits eine frühe Form des Denkens. Mit diesen Erfahrungen wird dann das Kind in eine Welt
hineingeboren, die voller unerklärlicher Geräusche ist.

Das macht Angst, zumal die vorgeburtlichen sanften Berührungen und Empfindungen im Mutterleib durch unsanfte taktile Erfahrungen ersetzt werden. Die tumultartigen Schallereignisse, die auf das Kind eindringen, fordern es auf, sich gegen diesen Krach zu wehren: Es schreit. Und jetzt müssen sich die erworbenen analytischen Fähigkeiten des Gehirns bewähren.

Es spielt Schreie durch, um herauszufinden, welche Zusammenhänge sich da ergeben. Das Gehirn experimentiert, um zu entdecken, welches Schreien
angenehme oder gar keine oder etwa unangenehme Folgen hat. Es ermittelt spielerisch Bedeutungen.

7
Feb
2005

Funktionen des Bewusstseins – Zweierlei Begegnung

Überlegenheits- oder auch Unterlegenheitsgefühle bilden den Beweggrund für die Gestaltung des Verhältnisses dem anderen Menschen gegenüber. Unter- und Überordnen definieren Revierverhalten.

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Sobald die Rollen klar bestimmt sind, nähert man sich dem anderen oder geht auf Abstand. Annäherung oder Entfernung drücken sich zunächst vor allem körpersprachlich aus, begleitet freilich von belanglosen Floskeln wie "Hi" oder "Hallo“.

Diese Begegnungsphasen spielen sich natürlich sehr viel schneller ab als sie erklärt werden können. Das Ganze dauert ja nur einen Augenblick, etwa drei Sekunden also. Sie vollziehen sich als das, was man Revierverhalten bezeichnet.

Das Wache bzw. Innere Auge dagegen nimmt dergleichen nicht wahr. Mit einem einzigen Blinzeln wischt es solche Erziehungsflusen gleichsam weg oder wendet sich spontan ab. Anderenfalls nimmt es Schwingungen wahr. Neuronal werden nicht Teilnetze bzw. Erfahrungsmuster aktiviert, sondern sensible neuronale Impulse, die allererst ein Netz aufbauen. Menschen, die sich so begegnen, schauen sich in die Augen und horchen.

Die gesprochenen Worte sind Laute, die durch Gedankenschwingungen entstehen. Oder besser: Die durch Gedanken erzeugten Schwingungen übertragen sich von Ich zu Ich. Worte ohne Schwingungen können wir nicht verstehen, sie wären völlig wirkungslos. Identifizieren vollzieht sich hier als Einschwingen und das Interpretieren vollzieht sich als inneres Hören der Melodie des anderen. Statt irgendwelcher Vermutungen gestalten sich intuitive Bilder, statt Rivalität entsteht Harmonie und das Zusammentreffen wird zur offenen Begegnung. Das kann kurz sein und sich überall abspielen.

6
Feb
2005

Funktionen des Bewusstseins – Utopie, Sehen, was noch nicht ist

Alles in der Natur ist zugleich auch wesentlich utopisch. Alles in der Natur treibt also aus sich heraus, um Neues zu erschaffen. Alles in der Natur ist wesentlich schöpferisch.

zwillinge

Vor etwa zweieinhalb Jahrtausenden hat der Naturphilosoph Heraklit das Wesen der Natur als Spiel bestimmt. "Panta rei", alles ist in Bewegung, meint das Spiel der Natur mit sich selbst. Und mit der Aussage "Polemos pater pantôn" erklärt uns Heraklit das schöpferische Spiel der Natur. "Polemos pater pantôn" bedeutet in der Übersetzung: "Der Streit der Gegensätze ist der Anfang von allem!"

Dieser Streit spielt in Utopia eine nicht unerhebliche Rolle, sorgt er doch dafür, dass sich alles, was als Eines erscheint, aus gegensätzlichen Kräften zusammensetzt, auch wir selbst. Das bekommen wir bei guten Vorsätzen ja deutlich genug zu spüren.

Ich möchte nun zu zeigen versuchen, wie das Schlafende und das Wache Auge wahrnehmen. Ich zeige das an der Begegnung zweier Menschen auf.

Wir wollen annehmen, dass sich zwei Menschen begegnen, die einander fremd sind. Sobald sich Menschen begegnen, also sinnlich vernehmen, ordnen sie ihren Wahrnehmungen vorhandene Erfahrungen zu. Die Begegnung wird zunächst instinktiv entschieden: sympathisch oder unsympathisch, schön oder hässlich, gefährlich oder ungefährlich. (Identifikation)

Das wechselseitige Zuordnen von Wahrnehmungen und Erfahrungen dient der Möglichkeit, die wahrgenommene Person einzuordnen. "Was ist das wohl für ein Typ?"

Aber das reicht längst noch nicht. Man stellt Vermutungen über das an, was der andere wohl so treibt oder eventuell vorhaben könnte. Schließlich möchte man wissen, mit wem man es zu tun hat. Dieses spekulative Vor- und Nachordnen dient der Orientierung, aus der heraus sich Ebenbürtigkeits-, Überlegenheits- oder auch Unterlegenheitsgefühle breitmachen können.

5
Feb
2005

Funktionen des Bewusstseins - "Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

Wahrnehmungen werden dimensioniert, strukturiert und systematisiert, bevor sie ins Gedächtnis gelangen. Dieser Vorgang ist sehr störanfällig. Sobald nämlich Wahrnehmungsinhalte zu schwierig erscheinen, werden sie gefühlsmäßig zurückgewiesen. Im "Kleinen Prinzen" von Antoine de SaintExupéry heißt es: "Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Man sieht nur mit dem Herzen gut!"

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Geistiges Sehen ist rechtshemisphärisches Wahrnehmen. Jede Theorie wird erst lebendig, wenn sie Bilder erzeugt, die uns neugierig machen. Das Wort "Theorie" hat seinen Ursprung in der griechischen Sprache und bedeutet so viel wie "geistiges Sehen". Aber das Innere Auge unseres Geistes wird durch theoriefeindlichen Unterricht in der Schule getrübt.

Es wird zu viel pseudotheoretisches Zeug angeboten. Pseudotheorie lässt alles vor unseren Augen verschwimmen, statt uns Klarheit zu verschaffen. Ein klassisches Beispiel ist bei vielen die Abneigung gegen alles, was mit Mathematik zu tun hat. Dabei ist Mathematik die beste Möglichkeit, geistiges Sehen zu lernen. In den Anfängen unserer Kultur sprachen die Griechen deshalb noch von "mathematikê téchne". Sie verstanden unter Mathematik noch die "Kunst des Lernens".

Das Innere Auge vermag ebenso wie die Sinne wahrzunehmen, zu betrachten und zu beobachten. Was uns unsere Augen vermitteln, schauen wir uns mehr oder weniger bewusst mit dem Inneren Auge unseres Geistes an. Sobald wir wahrnehmen, gestalten wir auch. Es ist das Innere Auge, das uns unsere eigene Weltsicht schafft. Das Innere Auge nimmt nicht einseitig wahr sondern ganzheitlich gegensätzlich. Die Beschaffenheit des Inneren Auges ist wesentlich bildnerisch. Es ist also besonders befähigt, Natur zu schauen.

4
Feb
2005

Funktionen des Bewusstseins - Die Inneren Augen

Die Inneren Augen haben wie die äußeren Augen die Aufgabe, innere Wahrnehmungen zu sehr differenzierten Mustern von Nervenimpulsen auszugestalten.

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Der äußere Bereich des Inneren Auges besteht aus drei schützenden Hüllen, die Grobheiten und damit Verletzungen abwehren:

Ganz außen liegt das schützende Gleichmachen (idem facere = identifizieren), das alle automatisierten oder routinierten Muster abweist. "Das haben wir immer so gemacht, das machen wir jetzt so, und das werden wir auch in Zukunft nicht anders machen!" Oder: "Ich habe schon immer nichts von Mathematik verstanden. Das geht mir heute genauso. Warum soll ich mich also irgendwann mit Mathematik beschäftigen?"

Dieser Vorgang geht unter gewissen Umständen in Interaktion mit dem zweiten Schutzmechanismus über, der die Störungen von Automatismen und Routinen ausgleicht, indem er alternative Interpretationsmöglichkeiten anbietet. Dieser zweite Schutzmechanismus ist das Modellieren auf der Grundlage verfügbarer Modelle. "Beamte sind faul." Oder: "Politiker sind machtgeil."

Der dritte Schutzmechanismus ist das Ausreden bzw. Abweisen von Wahrnehmungen, die sich nicht einfach und spontan abwehren lassen. Ein kleiner Junge zu seiner Mutter: "Ich möchte nur wissen, wer mir in die Hose geschissen hat, ich hatte sie doch an!"

Gleichmacherei, Vorurteile (Modelle) und Ausreden schützen die Schlafenden Augen vor versehentlichem Aktivieren. Solange diese drei Schutzbereiche die Verarbeitung von Informationen bewältigen können, öffnen sich die Schlafenden Augen nicht.

Diese drei wichtigsten Schutzmechanismen schützen die Schlafenden Augen im Alltag vor unergiebigen Strapazen. Weil das Innere Auge auf Grund interhemisphärischer Kommunikation aktiviert wird, bleibt es geschlossen, solange das Gehirn einseitig arbeitet.

3
Feb
2005

Erfolg - So einfach kann das doch nicht sein!

Zufall und Begabung sind die Eltern des Erfolgs. "Ich sehe 'was, was du nicht siehst!", das ist die Geburt jedes Erfolgs. Es wird ein bislang nicht beobachteter Zusammenhang entdeckt. Die meisten Entdeckungen überraschen die Entdecker selbst am meisten. Das Entdeckte erscheint einfach, viel zu einfach zu sein.

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Zuerst ungläubiges Staunen, dann Irritation ob der Banalität des aufgedeckten Zusammenhangs. Zweifel: "So einfach kann das doch alles nicht sein! Da wären dann doch schon längst andere 'draufgekommen!".

Solcher Zweifel muss durch den Glauben an sich selbst überwunden werden. Ohne Selbstvertrauen fehlt der Mut zum Erfolg. Zögerlichkeit läßt jeden Einfall verkommen. Er verschwindet aus dem Gesichtsfeld, zumeist auf Nimmerwiedersehen.

Der Erfolg ist höchst empfindlich. Er will behutsam angenommen und gepflegt werden. Jeder Erfolg macht zu Anfang einen recht schwächlichen Eindruck. Sich um ihn zu kümmern, das erscheint sehr risikoreich. Der überaus anspruchsvolle Geselle scheut zu Anfang das Licht der Öffentlichkeit. Wer zu früh über seinen wahrscheinlich sehr erfolgreichen Einfall erzählt, schwächt seine Idee so, dass sie sogar daran zugrunde gehen kann. Der gerade entstandene Einfall braucht Einsamkeit und Verschwiegenheit, um sich optimal entwickeln zu können. Ein möglicher Erfolg ist zunächst wie ein Geheimnis. Wahrscheinlich kennen Sie selbst das Gefühl, das Sie überkommt, wenn Sie wieder einmal den Mund nicht halten konnten. Meistens belächeln Sie andere ohnehin nur, wenn Sie ihnen von einem wirklich guten Einfall erzählen.

Die meisten Erfolge scheitern, weil der Glaube an sie fehlt. Das zeigt, dass das Gehirn unser Handeln vor allem auch emotional regelt. Gefühle steuern das, was uns nicht unmittelbar bewusst wird. Sind wir auf etwas günstig eingestimmt oder eingestellt, dann wirkt sich das positiv aus.

2
Feb
2005

Erfolg - Zeit kann man sich nicht besorgen, aber besser nutzen

Viele verbinden mit Erfolg einen gelungenen Umgang mit der Zeit. Sie kommen auf diesen Gedanken, weil sie das Gefühl nicht loswerden, ihr Leben wird von der Zeit diktiert. Sie fühlen sich unter Zeitdruck, können selten ausschlafen und haben es schwer, Verabredungen einzuhalten.

erfolg1

Umfragen zeigen immer wieder, dass die meisten Menschen gern mehr Zeit hätten für den Schlaf, für Reisen, für Besuche von Freunden und Verwandten, für das Faulenzen, für das Lesen, für sportliche Betätigungen, für das Hören von Musik, für Theater und Kinobesuche oder das Fernsehen. Die meisten Menschen wünschen sich also mehr freie Zeit zur eigenen Gestaltung ihres Lebens.

Diesem Wunsch steht die Fremdgestaltung der eigenen Zeit entgegen. Pflichten, Verpflichtungen und unnötige Wartezeiten takten das Leben nach Terminen bzw. anstehenden Aufgaben. Die meisten von uns haben ständig etwas zu tun. Weil sie ihr Pflichtenheft immer bei sich tragen, können sie nicht abschalten, um einmal einfach nur so in den Tag hineinleben zu können. Folglich überlegen sie, ob sie überhaupt richtig mit ihrer Zeit umgehen oder ob es da nicht Verbesserungsmöglichkeiten geben könnte.

Also suchen sie nach Möglichkeiten, wie sie sich ihre Zeit besser einteilen können. Vielleicht erwerben sie besondere Organizer, um das zu schaffen.

Allerdings laufen sie dabei Gefahr, den Sinn von Terminkalendern in Unsinn zu verkehren, denn diese Zeithelfer sind nicht dazu da, möglichst viel Zeit zu verplanen, sondern genau umgekehrt möglichst viel Zeit freizuhalten.

Ein voller Terminkalender ist in der Regel ein Armutszeugnis.

1
Feb
2005

Erfahrung

Erfahrung ist letztlich das deutsche Wort für lateinisch ‚Information'. Jemanden zu informieren, das ist etwas völlig Anderes als ihn zu benachrichtigen.

erfahrung

Nachrichten sind Mitteilungen, durch die Fakten und Daten vermittelt werden. Informationen dagegen sind Auskünfte, die jemanden in die Lage versetzen, etwas zu tun.

Echte Informationen ermöglichen Erfahrungen, versetzen also in die Lage, sich selbst durch Tun zu unterrichten. Erfahrung steht für ‚unterrichtet sein'. Im Unterricht wird folglich erst dann und nur dann informiert, wenn Möglichkeiten geschaffen werden, etwas durch Ausprobieren selbst herauszufinden. Die meisten Lehrer sprechen Nachrichten statt zu informieren.

Die Bestandteile einer Information sind: Beschreibung eines Vorgehens, Anleitung für die Umsetzung und Definition des Erfolgsfalles.

Übung: Geben Sie den Leuten, mit denen Sie tagtäglich zu tun haben, Nachrichten oder Informationen?
Warum bemisst sich Professionalität nicht an der Menge von Informationen?
Warum behandelt ein Nachrichtenredakteur im Gegensatz zum Nachrichtensprecher Nachrichten, bevor sie gedruckt oder gesendet werden, als Informationen?

In welchen der folgenden Fälle benachrichtigen und in welchen informieren Sie?
Sie werden nach der Uhrzeit gefragt.
Ihr Kind fragt Sie nach dem Lösungsweg einer Aufgabe.
Sie werden um einen Termin gebeten.
Sie erkundigen sich nach Reisemöglichkeiten.
Sie werden nach dem Weg zum Bahnhof gefragt.
Sie erkundigen sich nach einem Kochrezept.
Erklären Sie die Berechnung des Flächeninhaltes eines Quadrates in Form einer Nachricht und dann in Form einer Information.
Sie berichten über einen Film und Sie erzählen von einem Film. Wann benachrichtigen und wann informieren Sie?
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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