Unilogo

25
Apr
2005

Erster Eindruck von (m)einem Gedankenlabor

Denken lernen können wir nur durch Denken. Es bleibt keine andere Wahl als damit anzufangen. Die Fantasie hilft uns dabei. Gleich wird unmittelbar auf drastische Weise klar, wie stark unser Wahrnehmen aufgrund von Fehlerziehung und Missbildung eingeschränkt worden ist.

gedankenlabor

Wir verhalten uns nicht nur so, als ob wir in einer anderen Welt leben, sondern wir sehen auch unsere eigene Welt nicht. Gestaltpsychologen tun das mit der gedankenlosen Feststellung ab: "Sobald wir wahrnehmen, gestalten wir auch!" Sie weisen uns darauf hin, dass wir uns unsere Welt für uns so zurechtlegen, dass wir mit ihr klar kommen. Sie verschweigen uns aber, was wir da treiben, wenn wir alles für uns zurechtbiegen. Im Gegensatz zur Psychologie findet sich die Philosophie nicht damit ab, sondern gibt uns den Blick frei auf das Unwesen der Selbstgestaltung.

Um uns einen Zugang zu unserer eigenen selbstentfremdeten Welt zu erleichtern, begeben wir uns in unser Gedankenlabor. Gedankenlabor, d.i. unsere Fantasiewerkstatt, in der wir Vorstellungen durchspielen, eine Art Kopfkino also. In unserem Gedankenlabor führen wir nun ein Gedankenexperiment durch. Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich urplötzlich in einer zweidimensionalen Welt. Es wird Ihnen mitgeteilt, dass Sie Bestandteil eines Bildes sind, das anlässlich Ihrer letzten Geburstagsfeier gemacht wurde. Um sich aus dieser Lage befreien zu können, müssen Sie sich einen Weg der Fortbewegung einfallen lassen.

24
Apr
2005

Wahrheitsliebe

Wer sich auf Philosophie einlässt, sollte sich vorher sehr gut überlegen, was er sich damit antut. Wer sich nämlich erst einmal auf die Philosophie eingelassen hat, kommt nicht mehr von ihr los.

wahrheitsliebe

"Ich sehe etwas, das du nicht siehst!" Alle großen Entdeckungen in Mathematik und Physik erwachsen aus dem Träumen des Gehirns. Physiker nennen dieses Spielen des Gehirns mit einem Wort des französichen Philosophen René Descartes. Sie geben ihrer Erfahrung unmittelbar vor der Entdeckung den Namen Meditation. Im Glasperlenspiel beschreibt Hermann Hesse den Vorgang der Meditation und in seinen "Meditationes ad regulae ingenii" (Regeln zur Lenkung des Geistes) gibt Descartes an, welche Schritte solches Meditieren ermöglichen.

Wer sich auf Philosophie einlässt, weil er mehr und klarer sehen will als andere, muss die Fähigkeit, das Hirn spielen zu lassen, wieder aktivieren. Er muss das erneut erwerben, was er als Kind besaß. Für das Gehirn bedeutet die Einführung in die Philosophie eine Reise zurück in die Kindheit. Mit anderen Worten: eine Einführung in die Philosophie reaktiviert neuronale Fähigkeiten.

Anders gesagt: Philosohieren kann man nicht lernen. Philosophieren muss man reaktivieren. Noch einmal: Einführung in die Philosophie, das ist ein Ausflug in die eigene Kindheit.

Was aber bedeutet das Wort Philosophie? Philosopie heißt wörtlich übersetzt "Wahrheisliebe". Die erfüllte Liebe zur Wahrheit nennen die griechischen Philosphen vor gut zweieinhalb Jahrtausenden "Weisheit". Verständlich, dass wir mit diesem Wort heute nichts mehr anzufangen wissen. Dem Wort "Weisheit" entspricht heute am ehesten das Wort "Durchblick". Menschen, die durchblicken, behalten den Überblick über alles, was sie tun.

Wer sich also auf das Philosophieren einlässt, wird zunehmend mehr sehen als jene, welche sich nicht auf dieses Denken einlassen.

Eine Einführung in die Philosophie lässt sich im heutigen Sprachgebrauch durchaus auch als Training des Denkens begreifen, also als schrittweise systematische Reaktivierung kindlicher schöpferischer Fähigkeiten. Achtung: Um Missverständnissen vorzubeugen, sei auf Folgendes hingewiesen: Wenn der Philosoph sagt "Ich sehe etwas, das du nicht siehst!", dann fantasiert er nicht, er sieht es wirklich. Die aus der Meditation erwachsene Relativitätstheorie Albert Einsteins ist kein Fantasieprodukt, sondern eine physikalische Sicht der Wirklichkeit.

Philosophieren bedeutet wesentlich die Begegnung mit der Natur der Natur oder anders gesagt: sehen, was die Natur zeigt, hören, was die Natur sagt. Das schließt die eigene Natur oder Persönlichkeit mit ein.

23
Apr
2005

Sonderlinge

Was Menschen nicht verstehen, versuchen sie sich häufig auf die merkwürdigste Art und Weise zu erklären. So gelten Philosophen als etwas weltfremd und nicht ganz alltagstauglich. Philosophen sind Leute, die den Blick in die Ferne richten und über das Nächstliegende stolpern. Nicht selten wird ihnen ihre bisweilen doch recht auffällige geistige Abwesenheit sogar als Arroganz ausgelegt. Häufig pflegen Philosophen sogar solche Vorurteile, um ihre Ruhe zu haben.

sonderlinge

Tatsächlich vollzieht sich philosophisches Denken vorwiegend rechtshemisphärisch dominant. Und da Philosophen leidenschaftliche Denker sind, beansprucht deren dominierende rechte Hemisphäre oft Ressourcen, die eigentlich für die alltäglichen Geschäfte benötigt würden.

22
Apr
2005

Thales von Milet V

Der 28. Mai 585 (v.u.Z.) gilt als Geburtstag der Philosophie, denn an diesem Tag fand der Überlieferung nach die von Thales berechnete Sonnenfinsternis statt. Die Berechnung der Sonnenfinsternis macht aber ebenso wenig das eigentliche Verdienst des Thales aus wie das Aufstellen mathematischer Sätze. Sehr wahrscheinlich übernimmt er das sogar von den Babyloniern. Thales schmückt sich auch keineswegs mit 'fremden Federn', sondern vielmehr nutzt er die Möglichkeit, Gesetzmäßigkeiten zu erfassen, um seine entscheidende Frage zu formulieren. Wenn alle natürlichen Erscheinungen über sich hinaus auf eine Gesetzmäßigkeit verweisen, durch die sie bestimmt werden, dann muss es außerhalb des sinnlich Vernehmbaren ein Sein geben, das diese Gesetzmägkeiten ermöglicht. Mit anderen Worten: Es muss außerhalb der sinnlich fassbaren Ursachen Ursachen geben, die wir mit unseren Sinnen nicht erfassen können.

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Die von Thales zum ersten Mal gestellte Frage nach dem Sein vor aller Erscheinung schafft allererst den Grund für philosophisches Denken. Die Entdeckung dieses Seins als Gegenstand der Philosophie ist die eigentliche Begründung der Philosophie.

Die philosophische Grundfrage des Thales ist auch schon für die Menschen damals recht gewöhnungsbedürftig. Es verwundert also nicht, dass sie angesichts dieser völlig unvertrauten bzw. ungewöhnlichen Frage nach dem Sein Thales für einen Träumer hielten, der etwas wirkllichkeitsfremd von Dingen spricht, die kaum jemand versteht. So erzählen sie sich Dinge über Thales, die vermutlich reine Erfindung sind. Er soll beispielsweise in einen Brunnen gefallen sein während er den Himmel betracht

21
Apr
2005

Thales von Milet IV

Philosophisches Fragen geht vom sinnlich Vernehmbaren aus, gewinnt aus sorgfältigem Betrachten beobachtbare Zusammenhänge, die durch Beobachten zum Begreifen einer Gesetzmäßigkeit führt, die sich wiederum auf den Bereich des sinnlich Vernehmbaren anwenden lässt.

thales4

Und auch das kindliche Fragen zielt darauf ab, die Welt wahrnehmend, betrachtend und beobachtend zu (be)greifen. Aus diesem Grund steckt hinter den meisten kindlichen Fragen das Suchen nach geeigneten Experimenten. Der unnachgiebige Drang, durch Versuch und Irrtum zu lernen, ist das, was frühe Kindheit maßgeblich bestimmt.

20
Apr
2005

Thales von Milet III

Das philosophische Fragen ist ein Suchen nach Gesetzmäßigkeiten. Der erfolgreiche philosophische Gedankengang mündet in einem Gesetz. Zur Zeit des Thales erscheinen Philosophie und Mathematik noch nicht getrennt. Die Mathematik liefert dem Philosophen die Möglichkeit, sein Ergebnis möglichst trennscharf zu fassen.

thales3

Den Weg, philosophische Aussagen eindeutig zu fassen, nennt Thales "Kunst des Lernens" (griechisch: mathematiké téchne oder Mathematik). Es ist nicht überliefert, ob "Mathematik" eine Wortschöpfung des Thales ist oder ob er dieses Wort von den Babyloniern übernimmt und ins Griechische übersetzt. Für die Bedeutung des Wortes ist das unerheblich. Wichtig ist nur, dass die Griechen in der Mathemetik die pädagogische Funktion, trennscharf denken zu lernen, erkennen. Mathematik ist für die Griechen zur Zeit des Thales wesentlich das, was später den Namen Pädagogik erhält.

19
Apr
2005

Thales von Milet II

Thales gilt als Begründer der Philosophie, weil er zeigt, dass Fragen ein Suchen ist, das zur Entdeckung von Gesetzmäßigkeiten führt und damit zur Fähigkeit, Dinge vorhersagen zu können. Die Menschen sind begeistert, weil sie erkennen, dass Erscheinungen weniger das von Göttern verwaltete Geschick sind, sondern Folgen natürlicher Vorgänge. Das befreit sie aus der Abhängigkeit von Priestern und Priesterinnen und schenkt ihnen zum ersten Mal in der Geschichte das Bewusstsein, selbst erkennen zu können und nicht nur opfern zu müssen.

thales2

Thales erklärt das, was er unter Gesetz versteht, bevorzugt an der Konstruktion rechtwinkliger Dreiecke. Deshalb sprechen die Leute liebvoll vom Satz des Thales, wohl wissend, dass der Satz eigentlich von den Babyloniern stammt. Aber jeder Denker hat seinen 'Lieblingssatz', in dem er den Kern seines Denkens fasst. Und bei Thales war es eben der Satz: Immer, wenn man Linien zwischen den Endpunkten einer Strecke und einem beliebigen Punkt auf dem Halbkreis über ihr zieht, ergibt sich ein rechtwinkliges Dreieck. Dies ist ein Gestz. Es ist unveränderbar, gilt für ewig, und kein Gott kann daran etwas ändern.

18
Apr
2005

Thales von Milet I

Philosophie und Kunst unterscheiden sich von Wissenschaft und Technik durch die Art und Weise zu fragen.

thales1

Gewöhnlich setzen Fragen immer schon voraus, dass es eine Antwort gibt. Wer nach einem Weg, nach einem Ort, nach der Zeit fragt, setzt deren Exstenz immer schon voraus. Gewöhnliche Fragen sind also Erkundigungen. Es wäre folglich zutreffender zu sagen "Sie erkundigt sich nach dem Weg." statt "Sie fragt nach dem Weg."

Wenn der Philosoph oder der Künstler fragt, erkundigt er sich nicht, sondern er sucht nach einer Antwort, die er noch nicht kennt. Fragen bedeutet suchen und nicht nur sich erkundigen.

Wer sich nicht denkend auf der Suche befindet, wird mit dieser Unterscheidung zuächst nicht viel anfangen können. Das hängt eben vor allem damit zusammen, dass das Verb "fragen" immer schon im Sinne von "sich erkundigen" gebraucht wird. Dieser alltägliche Umgang mit dem Verb "fragen" erfordert den Aufwand, vom "philosophischen Fragen" zu sprechen und nicht nur vom "Fragen".

Kinder fragen von Anfang an philosophisch. Sie sind auf der Suche. Sie sind unaufhörlich fragend unterwegs, um sich die Welt zu erklären. Die kindliche Art und Weise zu fragen wird von den Erwachsenen meistens missverstanden. Das Kind fragt nach den Ursachen und Gründen eines Geschehens. Die bevorzugten Fragefürwörter des Kindes sind "Warum?, Wieso? Weshalb?" Die Erwachsenen aber erklären ihnen das Geschehen selbst, verstehen folglich die Frage des Kindes als Was-Frage.

Thales von Milet (um 600 v.u.Z.) ist der erste Erwachsene, der das kindliche Fragen in das Denken der Erwachsenen übersetzt und so methodisch nutzbar macht. Wahrscheinlich lässt sich auch sagen: Thales hat sich das kindliche Fragen schlichtweg bewahrt und als Erwachsener eben so weiter gefragt wie Kinder fragen. Thales hat Glück, weil sein Fragen zu Antworten führt, über die Erwachsene nicht mehr hinwegsehen können. So berechnet er beispielsweise als erster eine Sonnenfinsternis. Nicht die Berechung versetzt die Menschen in Erstaunen, sondern die Vorhersage auf Grund dieser Berechnung.

17
Apr
2005

Begegnung mit Mikro

Die Mikrostrukturierung lässt sich als Umkehrung der Makrostrukturierung begreifen. Wenn Sie sich also auf Ihrem gestrigen Flug entschlossen haben zurückzukehren, dann haben Sie zugleich mikrostrukturiert.

mikro

Makrostrukturierung endet ebenso wie Mikrostrukturierung im Nichts. Aber die Erfahrung dieses Nichts unterscheidet sich. Die Makrostrukturierung entführt Sie in die Weite der Unendlichkeit, während Sie die Mikrostrukturierung den Schwund erleben lässt.

Stellen Sie sich zwecks Mikrostrukturierung einen Apfel vor. Halbieren, vierteln, achteln, 1/16, 1/32, 1/64.... Setzen Sie das so lange fort, bis Sie in Ihrer Vorstellung nichts mehr von einem Apfel sehen.

16
Apr
2005

Begegnung mit Makro

Versetzen Sie sich in folgende Situation: Dort, wo Sie sich gerade befinden, steht in unmittelbarer Nähe ein besonderes Raumschiff. Sie nehmen in diesem Raumschiff Platz. Das Raumschiff startet und bringt Sie mit hoher Geschwindigkeit in immer größere Entfernung von der Erde. Das, was Sie in Ihrer Vorstellung erfahren, wenn Sie diese Übung sorgfältig machen, ist das, was Makrostrukturierung genannt wird.

makro

Struktur, das ist die Beziehung zwischen Teilen zum Ganzen. Jeder Teil eines Ganzen ist selbst wiederum ein Ganzes. Makrostrukturierung bedeutet nun ein Wegbewegen von Teilen zum Ganzen. Ihr Zimmer ist Teil eines Hauses. Das Haus ist Teil einer Strasse. Die Strasse ist Teil eines Wohnbezirks. Der Wohnbezirk ist Teil einer Stadt. Die Stadt ist Teil einer Landschaft. Die Landschaft ist Teil eines Landes. Das Land ist Teil eines Kontinents. Der Kontinent ist ein Teil der Erde. Die Erde ist Teil der Planeten.... Wollen Sie weiter fliegen (makrostrukturieren) ?

15
Apr
2005

Begegnung mit Deuter

Mit Deuter ist nicht der Musiker gleichen Namens gemeint, sondern jener 'Regler', welcher versucht, Unschärfen von Bewusstseinsinhalten mit Hilfe von Deutungsversuchen zu verschärfen. Sie können jede Regelung des Bewusstwerdens unmittelbar ansprechen und so in Erfahrung bringen, ob der entsprechende Regler noch einwandfrei arbeitet oder ob Sie sich Schlampereien 'gönnen'.

deuter

Prüfen Sie nun den Regler "Deuter" und schauen Sie, ob dieser Regler die Regelung "Deuten" beherrscht. Diese Prüfung vollzieht sich, indem Sie sich sehr genau szenisch vorstellen, was die folgenden Verben aussagen: andeuten, bedeuten, deuten, hindeuten, umdeuten.

14
Apr
2005

Bewegungen des wahr Nehmens IV

Das Filmen brauchen wir weder zu lernen, noch müssen wir uns um irgendeine Ausstattung kümmern. Allerdings ist die natürliche 'Technik' für Erwachsene gewöhnungsbedürftig. Es wurden bereits einige Bewegungen angesprochen wie "auf und ab, rückwärts und vorwärts, links und rechts". Diese Hinweise auf Entsprechungen zwischen körperlichen und geistigen Prozessen kündigen die Aufgabe an, geistige Vorgänge so zu gestalten, dass sie auch körperlich fassbar, also sinnlich erfahrbar und greifbar werden.

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Dieser Anforderung genügt der einfache Vergleich zwischen "Auf und Ab" bzw. "Induktion und Deduktion" (vgl. Bewegungen des wahr Nehmens I) nicht. Wir selbst müssen nun die Texte so gestalten, dass aus wahrnehmendem Lesen wahr nehmendes Lesen werden kann.

13
Apr
2005

Bewegungen des wahr Nehmens III

Im Wort begreifen steckt das Greifen der Hand. Ein Begriff, der nicht handgreiflich wird (!), verrät sich als Attrappe.

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Begriffe sind Kurzfilme fürs Kopfkino, die zeigen, wie's geht. Begriffe sind Filme mit einer Spieldauer von etwa drei Sekunden. Nicht nur Begriffe, sondern alle Texte sind Drehbücher, die während des Lesens oder Hörens abgedreht werden. Texte, die keine Bilder ins Bewusstsein inszenieren, sind verlorene Texte.

Als Beispiel für das Vorführen eines Kurzfilms wird Ihnen der Kurzfilm mit dem Titel Freundschaft ausgeliehen. Sobald Sie das Wort Freundschaft lesen, läuft der Kurzfilm an. Sie sehen Menschen, mit denen Sie befreundet sind. In Ihnen regen sich die Gefühle der Zuneigung für diese Menschen...

Das Entscheidende ist aber nun, ob Sie den Film auch wirklich wahr genommen haben. Das lässt sich einfach überprüfen. Sprachvermittelte Filme lassen sich nur mit dem Dritten Auge wahr nehmen. Ob Sie wahr genommen oder nur wahrgenommen haben, können Sie prüfen, indem Sie sich fragen, ob Sie während der Betrachtung des Kurzfilms über die Freundschaft auch das Wesen der Freundschaft 'gesehen' (!) haben. Sie erinnern sich an den Kleinen Prinzen: "Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar, Man sieht nur mit dem Herzen gut!"

Philosophischer Tipp zum Film über die Freundschaft: Schneiden Sie alle Szenen, in denen Personen auftreten, die Sie nicht berühren mögen. (Ersparen Sie sich die Ausreden, die jetzt möglicherweise kommen! Gehen Sie lieber einige Schritte zurück: in diesem Begriffskalender!)

12
Apr
2005

Bewegungen des wahr Nehmens II

Das folgenreichste Missverständnis des Denkens verführt zu der Annahme, dass das Denken ein Vorgang ist, der sich allein im Kopf abspielt. Zufolge dieses Missverständnisses zerbrach das Denken in Theorie und Praxis.

wahr-nehmen2

Ursprünglich bilden Theorie und Praxis die unauflösbare Einheit von Vorstellungen, wie zu handeln ist (gr. teoreîn) und dem Umsetzen dieser Vorstellungen durch Handeln (gr. pratein). Die Definition des Menschen als vernunftbegabtes Lebewesen beinhaltet immer schon die Forderung vernünftig zu handeln.

Wer behauptet einen Menschen zu lieben, muss diese Behauptung auch durch liebevolles Verhalten belegen: köperlich, seelisch, geistig. Das Auseinanderbrechen des Wahr-Nehmens in Theorie und Praxis hat zur Folge, dass wir Menschen allen Ernstes glauben, Aussagen machen zu können, ohne uns entsprechend zu verhalten. Zum Wort Liebe gehört das Wissen um die Liebe, die liebevolle Berührung und jenes tiefe Gefühl einer Einkehr des Ichs im Du des anderen.

Das Wort Liebe gehört zu den berührenden Worten. Ohne Berühung sollte man es nicht aussprechen. Der Ausdruck "Platonische Liebe" ist ein hilfreiches Beispiel für einen gebrochenen Menschen, der sich in seinem Kopf sitzend bewegt, weil er seinen Körper verloren hat.
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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