Unilogo

23
Mai
2005

Philosophische Bilder III – Gut gefragt ist halb gefunden

Denken vollzieht sich zwar als Bilderleben, aber das Bild-Erleben darf sich nicht als Wiederholen des immer Gleichen vollziehen.

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Denken vollzieht sich als Gestalten von neuen Bildern. Als Bilderleben gestaltet sich Denken aufgrund mehrerer zugleich ablaufender Vorgänge. Einer dieser Vorgänge ist das Fragen. Nicht gemeint ist das Fragen im Sinne des Erkundigens. Es muss sich schon um Fragen handeln, die Sie wirklich über Ihren Alltag hinaus beschäftigen. Diese Fragen dürfen nicht vage sein. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist zum Beispiel viel zu 'allgemein' als dass sie als philosophische Frage gelten könnte.

Es mag überraschen, aber das Fragen muss erst gelernt werden. Denn: gewöhnlich organisiert unser Bewusstsein nur jene Standard-Fragen, die wir für den Alltag brauchen. Es existieren folgende Arten und Weisen zu fragen:
  • Fragen für das Überleben
  • Fragen aus Neugier
  • Fragen nach dem Nutzen
  • Fragen der Organisation
  • Fragen nach sich selbst
Die einzelnen Fragen werden in den folgenden Tagen behandelt. Welche Fragen kennen Sie und welche Bilder entstehen in Ihnen, sobald Sie sich diese Fragen vergegenwärtigen?

22
Mai
2005

Philosophische Bilder II

Denken vollzieht sich als Bilderleben. Jeder Gedanke kann sich nur als Bild zur Sprache bringen.

philosophische-bilder2

Texte, die keine Bilder erzeugen, sehen nur so aus, als ob gedacht worden wäre. Nicht jeder kann jeden Text verstehen. So gelten die Anforderungen der Bilderzeugung durch wissenschaftliche Texte freilich nur für die entsprechenden Fachleute. Aber für sie gelten sie!

Wer gedankenlose, weil bilderlose Texte erzeugt, hat entweder mit Minder- oder Höherwertigkeitskomplexen zu tun. Er braucht entweder Anerkennung oder Macht.

Das zweite philosophische Bild entsteht durch das Spiel mit Wörtern. Vergegenwärtigen Sie sich ein Wort und fügen Sie nur Wörter hinzu, die damit in Zusammenhang stehen. Wählen Sie ein Wort, das Ihnen naheliegt. Falls Sie den Monat Mai wählen, könnten das Wörter sein wie Blumen, blühende Bäume, Maiglöckchen, Regenwetter, frösteln... Es sind Wörter, die Sie Ihren Monat Mai ausmalen lassen.

Wenn Sie genug Wörter haben, spielt das Gehirn mit Ihren Wörtern und setzt sie zu vielfältigen, sehr unterschiedlichen Bildern zusammen.

Kennen Sie Ihre Lieblingswörter und Ihre Lieblingsbilder? Prüfen Sie, wie sehr sich diese von Tag zu Tag unterscheiden.

21
Mai
2005

Philosophische Bilder I

Die Bilder philosophischer Gedanken sind bewusstseins-organisatorische Anweisungen. Solche Anweisungen sind beispielsweise auch mathematische Formeln. Diese Formeln sind für das Bewusstsein Anleitungen, bestimmte Bilder zu entwickeln. Ohne Vorstellungen sind Formeln nicht zu begreifen.

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Das erste philosophische Bild entsteht aufgrund der Anweisung, einem Wort ein Bild zuzuweisen, um das Wort als begriffen auszuweisen. Vergegenwärtigen Sie sich einmal innerhalb von zehn Sekunden zehn Bilder. Sie werden feststellen, dass Sie diese Bilder spontan mit den entsprechenden Wörtern bezeichnen. Versuchen Sie es nun einmal umgekehrt. Vergegenwärtigen Sie sich zehn Wörter und dazu die entsprechenden Bilder. Sie werden feststellen, dass das wesentlich langsamer geht. Sie werden wahrscheinlich bemerken, dass Sie bisweilen mehrere Wörter zur Auswahl haben.

Überlegen Sie, warum es schneller geht, Bildern Wörter zuordnen als Wörtern Bilder zuzuweisen. Sobald Sie diese Überlegung anstellen, vollziehen Sie philosophische Gedanken. Sie denken über das Denken nach, also über das Bilderleben, das wir Bewusstsein nennen.

20
Mai
2005

Philosophie XII

Wir sind unterwegs zur Sprache. Dieser Weg ist ein Suchen nach geeigneten Bildern für das philosophische Denken. Der Wunsch, solche Bilder zu entdecken, ergibt sich aus dem Unbehagen an der doch teilweise sehr schwer verständlichen Sprache überkommener Philosophie.

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Noch einmal: Das Wort lässt sich durchaus wie ein Bilderrahmen vorstellen. Ohne Bild hat dieser Rahmen keine Funktion. Für das Gehirn ist das Wort eine neuronale Adresse für Bilder. Ohne Bilder ist ein Wort gleichsam neuronal unzustellbar. Bildlose Worte wirken wie nicht abgesandt.

Weil philosophisches Denken umfassend ist, eignen sich alle Arten von Bildern. Eine besondere Art von Bild ist das Gedicht "Schillern".


schillern

in mehreren Farben spielen
die Gedanken:
weder weiß noch schwarz
im Dazwischen
leicht
jedes Bild
wie ein Flügelschlag
dessen Licht
noch nicht verdunkelt
im gedruckten
Schwarz auf Weiß

Susanne M. Abel


Dieses Bild spiegelt die Vielfalt von Gedanken und lässt erahnen, welche Sorgfalt erforderlich ist, sollen Gedanken im Gewand der Sprache Gestalt bekommen..

19
Mai
2005

Philosophie XI

Während Platon von einem Begriff das Schauen des Inhalts fordert, reicht das Aristoteles nicht aus. Er stimmt zwar Sokrates und Platon zu, was die Allgemeingültigkeit angeht, fordert aber darüber hinaus, dass Gedanken nicht nur geschaut, sondern auch zugleich systematisch geordnet erscheinen.

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Aristoteles veranlasst, zwischen unterschiedlichen Gedanken und ihrern Bildern zu unterscheiden:

- wissenschaftliche Gedanken mit den Bildern von Strukturen und systematisierten Abläufen,

- künstlerische Gedanken mit den Bildern künstlerisch ins Werk gesetzter Sichten von Welt,

- technische Gedanken mit den Bildern von Programm- oder Herstellungsabläufen,
- alltägliche Gedanken mit den Bildern bevorstehender Situationen oder Ereignissen.

Die Arten und Weisen zu denken sind nicht zu werten. Sie entwerfen nun die Frage, welche Art von Bildern sich zu philosophischem Denken einstellen.
Die Bilder zu philosophischen Bildern ist das Entstehen von Gedanken. Philosophieren vollzieht sich als Denken des Denkens. Oder mit anderen Worten: Wer philosophiert, denkt über das Denken nach und versucht, dieses weiter zu entwickeln.
Die Geschichte der abendländischen Philosophie ist eine Geschichte des Denkens, dessen Umsetzung als Pädagogik geschieht.

Pädagogik erscheint so als die Kunst, Kindern das Denken bewahren zu helfen oder ihnen Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten, den Weg zu ihrem Denken wieder zu entdecken.

18
Mai
2005

Philosophie X - Platon 2

Platon nennt Urteile, die auf Annahmen beruhen, Schattenspiele.

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Er fordert die Hinwendung zu dem, was wir mit den Sinnen erfassen und mit dem Verstand von der Wahrnehmung her erklären können. Das hat zwar auch Piaget mit seinen Umschüttversuchen getan, aber er hat seine Beobachtungen mit seinen vorgefertigten Begriffen erklärt, statt Kinder machen und erzählen lassen.

Platon hat wie Sokrates sehr großen Wert darauf gelegt, von den Erscheinungen her nicht nur zu fragen, sondern auch mit den Erscheinungen zu antworten. 4 bis 7 Jahre alte Kinder bearbeiten keine fremden Aufträge, sondern übersetzen diese in eigene Aufträge, die sie spielerisch ausführen.

Wird dem Gehirn das Spielen nicht erlaubt, dann reduziert es Wahrnehmen auf bloßes Identifizieren, also auf das Erfassen weniger Merkmale.

Befreiung des Menschen durch Bildung vollzieht sie für Platon als die Hinwendung zur Betrachten dessen, was uns die Natur lehrt, die von sich her auf das verweist, was ihr Sein bestimmt.

17
Mai
2005

Philosophie IX – Platon 1

Platon stimmt Sokrates zwar zu, dass ein Wort, das für einen philosophischen Gedanken steht, den Charakter eines Begriffes haben, also für alle gleich gültig sein müsse, aber er fordert darüber hinaus das Veranschaulichen des Begriffs durch Gleichnisse, also durch Situationen, die für viele vergleichbare Situationen stehen können.

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Es reicht ihm nicht aus, von der Gerechtigkeit eines Lehrers zu sprechen, sondern er verlangt, dass dessen Gerechtigkeit gleichnishaft aufgezeigt wird. Platon schildert die Befreiung des Menschen durch Bildung am Höhlengleichnis. Wird der im Höhlengleichnis geschilderte Vorgang der Bildung auf das Unterrichten übertragen, dann ergibt sich folgende Situation:

Studierende der Psychologie eignen sich semesterlang die unterschiedlichen Modelle der Psychologie an und glauben fest daran, dass das menschliche Verhalten so abläuft, wie die Modelle das darstellen. So projizieren sie das Modell der Entwicklung der Intelligenz des Kindes nach Jean Piaget, und dementsprechend nehmen sie das Verhalten des Kindes auch wahr.

Im anschaulichen (intuitiven) Stadium (nach Piaget von 4 bis 7 Jahre) entwickeln sich zwar echte Begriffe, diese sind aber noch ganz an die Anschauung gebunden. Piaget erklärt, dass die Begriffe noch in Bildern und anschaulichen Handlungen dargeboten werden müssen. Durch diese Erklärung wird etwas für kindlich gehalten, was dem Begriff wesentlich ist. Piaget hält sich gemäß des von ihm entwickelten Modells an das, was das Kind zur Sprache bringt und das, was das Kind in seinem Sinn tut. Das verleitet ihn zu dem Schluss, dass das Kind noch nicht die unterschiedlichen Gesichtspunkte eines Gegenstandes oder einer Beziehung zwischen Gegenständen gleichzeitig erfassen und berücksichtigen kann. Dazu bietet er folgendes Beispiel an:

Auf einem Tisch stehen drei unterschiedliche Gefäße. Das erste Gefäß ist eine Schale, das zweite ein Becher und das dritte eine dünne Vase oder auch Säule genannt. Alle Gefäße sind durchsichtig. Das Kind soll nun das Wasser aus der Schale in den Becher schütten und danach aus dem Becher in die dünne Vase gießen. Anschließend wird dem Kind die Frage gestellt: "Welches Gefäß enthält am meisten Wasser?" Antwort: "Die Vase!" Für Piaget ist diese Antwort falsch, für das Kind aber 'richtig' oder besser wahr! Denn: das Kind beurteilt das Wasser in seiner ästhetischen Erscheinungsform. Die dünne Vase ist ästhetisch das vollkommenste Gefäß. Das Wasser gelangt in der Vase vollkommener zum Vorschein als in der Schale oder dem Becher.

Piaget hat zu seinen Umschüttversuchen die falsche Frage gestellt. Das Kind, das in diesem Alter noch philosophiert, interessiert sich nicht für die Menge, sondern für die Gestalt. Ein katastrophales Mißverständnis. Die Katastrophe ergibt sich aus der Schlußfolgerungen, die aus der Fehlbeurteilung Piagets für die Erziehung und Bildung gezogen werden. Zufolge dieser Fehleinschätzung der Entwicklung des Kindes wird das natürliche Philosophieren des Kindes in der Grundschule nicht mehr gefördert.

16
Mai
2005

Philosophie VIII - Sokrates

Ein Wort ist nur dann nicht leer, wenn es der sprachliche Rahmen für ein Ereignis ist.

Das Vergegenwärtigen nur eines Bildes aufgrund eines Wortes genügt nicht, weil das Vergegenwärtigen lediglich halbseitig (linkshemisphärisch dominant) geschieht. Insofern lässt sich das Philosophieren auch als Bildgestaltung begreifen. Denken und Bilderleben ist dasselbe.

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Das Wort lässt sich durchaus wie ein Bilderrahmen vorstellen. Ohne Bild hat dieser Rahmen keine Funktion. Für das Gehirn ist das Wort eine neuronale Adresse für Bilder. Ohne Bilder ist ein Wort gleichsam neuronal unzustellbar. Bildlose Worte wirken wie nicht abgesandt.

Welches aber sind nun die geeigneten Bilder für den philosophischen Gedanken? Auf diese Fragen geben Sokrates und sein Schüler Platon eine Antwort. Diese Antwort wird dann von Aristoteles, dem Schüler Platons verschärft.

Sokrates fordert von einem Wort, das einen philosophischen Gedanken beim Namen nennt, dass alle dessen Inhalt zustimmen können. So beinhaltet das Wort "Gerechtigkeit" die Regeln, die eingehalten werden müssen, damit ein Verhalten gerecht genannt werden kann. Ein Lehrer handelt gerecht, wenn er dafür sorgt, dass alle gemäß ihrer Voraussetzungen lernen können. Sokrates ist der Auffassung, dass dies nur gelingt, wenn Lernende sich wechselseitig unterstützen und auf diese Weise durch Lehren lernen. Sokrates ist überzeugt davon, dass alle alles lernen können. Allerdings bedürfen unterschiedliche Voraussetzungen auch unterschiedlicher Wege. Unabhängig vom Lehr- und Lernprozess gelten für alle Lernenden die gleichen Werte und Normen, Regeln und Gesetze, Gebote und Verbote, Abmachungen und Vereinbarungen, Belohnungen und Zurechtweisungen.

15
Mai
2005

Philosophie VII

Begriffe, die keine Bilder erzeugen, nennt Nietzsche „leere Hülsen“.

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Gefährlich werden Begriffe dann, wenn sie zum Aberglauben verführen, also zum Glauben, dass das auch existiert, was der Begriff vorgibt. Die Psychologie ist reich an Begriffen, die den Menschen Gefährdungen vorgaukeln, die nicht mehr sind als fantasievolle Modelle in den Köpfen gedankenloser Psychologen. Pharmakonzerne haben diese Strategie längt übernommen und so zum Beispiel den Begriff „Hyperaktivität“ erfunden, eine Störung, an der seit ihrer Erfindung Tausende von Kindern in Deutschland leiden und deshalb u.a. mit Ritalin behandelt werden müssen. Lehrer, Lehrerinnen und Eltern glauben inzwischen fest daran, dass es das wirklich gibt: Überaktivität. Überaktivität ist aber nicht mehr als die Nachfolgerin
der ebenfalls erdachten Unteraktivität oder Antriebsschwäche.

Wer nicht denkt, befindet sich ständig in der Gefahr, seine Existenz dem Glauben an Begriffe zu opfern und so zu leben, wie es sich andere für ihn ausgedacht haben. Insbesondere dann, wenn Fachausdrücke im Gewand der griechischen Sprache daherkommen, ist äußerste Vorsicht angebracht.

Vergegenwärtigen Sie sich doch einmal die Begriffe, mit denen Sie ihre eigenen Störungen und Schwächen benennen und fragen Sie sich, ob diese Namen nicht das Alibi für die Notwendigkeit einer Selbst-Veränderung liefern.

14
Mai
2005

Philosophie VI

In seinem Werk "Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben" schreibt Friedrich Nietzsche:

"...wir sind zum Leben, zum richtigen und einfachen Sehen und Hören, zum glücklichen Ergreifen des Nächsten und Natürlichen verdorben und haben bis jetzt noch nicht einmal das Fundament einer Kultur, weil wir selbst nicht davon überzeugt sind, ein wahrhaftiges Leben in uns zu haben."

Kurzum: Wir haben das Gespür für das Leben verloren!

Nietzsche erklärt auch den zureichenden Grund für unser unnatürliches Verhalten:

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"Zerbröckelt und auseinandergefallen, im ganzen in ein Äußeres und ein Inneres halb mechanisch zerlegt, mit Begriffen wie mit Drachenzähnen übersät, Begriffsdrachen erzeugend, dazu an der Krankheit der Worte leidend und ohne Vertrauen zur eigenen Empfindung, die noch nicht mit Worten abgestempelt ist: als eine solche unlebendige und doch unheimlich regsame Begriffs- und Worte-Fabrik habe ich vielleicht noch das Recht, von mir zu sagen cogiti, ergo sum, nicht aber vivo, ergo cogito. Das leere 'Sein', nicht das volle und grüne 'Leben' ist mir gegegeben."

13
Mai
2005

Philosophie V

Der Philosoph Martin Heidegger beklagt, dass der philosophierende Mensch eine seltene Pflanze geworden sei und durchaus zu den aussterbenden Arten zu zählen sei.

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Der Mensch verliert zunehmend beschleunigt an Boden. Er verliert sich immer mehr in der Bodenlosigkeit technischer Vereinnahmung und digitalisierter Verwaltung. Die menschliche Existenz wird zur Tortur einer Auseinandersetzung des natürlichen Lebens, das sich gegen seine Digitalisierung wehrt. In "La Tortura" stellt Shakira Isabel Mebarak Ripoll diese Auseinandersetzung beispielhaft dar in der ständigen Bedrohung einer jungen Frau durch das alter Ego einer technischen Schlampe.

Dass wir nicht mehr genau wahrnehmen, unvoreingenommen betrachten, trennscharf beobachten und klar verstehen, darauf hat zum letzten Mal der Philosoph Friedrich Nietzsche vor gut hundert Jahren hingewiesen.

12
Mai
2005

Philosophie IV

Wo bitte, geht es zur Philosophie?

Wer Zugang zur Philosophie haben will, muss sich entsprechend zurecht machen. Wer dem prüfenden Blick des inneren Auges nicht standhält, erhält keinen Einlass in die Welt der Philosophie.

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Wer ist dieser unbestechliche Türsteher, der so viele nicht ins Denken lässt?

Ist es die eigene Vernunft, die uns am Denken hindert. Nein, sie ist es nicht, die uns draußen vor der Tür stehen lässt. Der Vernunft begegnen wir erst, wenn wir uns im Denken finden.

Ist es etwa die Seele, der wir nicht feinfühlig genug sind? Das kann nicht sein, denn wer nicht einfühlsam ist, findet den Ort des Denkens erst gar nicht.

Doch nicht etwa der Körper! Was hat der denn mit dem Denken zu schaffen?

Alles! Es ist der Philosoph Friedrich Nietzsche, der das Denken als Ernährung beschreibt, nicht wissend, das gut hundert Jahre später die
Hirnforschung das Denken als Selbst-Ernährung des Gehirns beschreibt. Philosophie, eine Frage des Nahrungstriebs?

„Davon haben wir ja noch nie etwas gehört!“ – Schlimm genug! Wer nicht denkt, lässt sein Hirn verhungern. Die Rausschmeisserin Natur hat ganze Arbeit geleistet. Diese Armen irren umher, nichts sehend, weil ihr inneres Auge erblindet ist, nichts hörend, weil ihre innere Stimme stumm ist, nichts-sagend, weil ihnen die eigenen Worte ausgegangen sind, nichts mehr empfindend, weil ihr Gefühl längst taub ist.

Philosophie und Mathematik bilden die kürzesten neuronalen Strecken im Gehirn. Angesichts der hohen Signalgeschwindigkeit wird so kurz ins Bewusstsein projiziert, dass dieses hoch empfindlich sein muss, um überhaupt Bilder zu erkennen.

11
Mai
2005

Philosophie III

Die Philosophie gestaltet dieses Bilder-Leben und Bild-Erleben zu einem Weg in die schöpferische Welt der Möglichkeiten. Philosophie lehrt Möglichkeiten sehen.

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Was aber hat jemand von der Philosophie, wenn er eh schon schöpferisch tätig ist? Die Philosophie zeigt ihm die gedankliche Seite seines schöpferischen Tuns und führt ihn so zu neuen Schaffensmöglichkeiten.

Natürlich gibt es Kinder, die philosophieren, während ihrer Schulzeit Philosophie weiter betreiben und schließlich als Erwachsene auch Philosophie studieren. Aber das sind Ausnahmen. In der Regel begegnen die meisten Menschen der Philosophie erst später, zum Beispiel, wenn sie eine Universität besuchen. Eine solche Begegnung zu ermöglichen ist der tiefere Grund für eine Einführung in die Philosophie.

Wer eine der gestellten Prüfungsfragen bejahen kann, wird mit offenen Augen durch die Welt gehen. Mit offenen Augen durch die Welt gehen, das bedeutet das Vermögen, die Dinge zu durchschauen. Die Augen werden durch das innere Auge geöffnet. Die Sinne werden erst durch den Geist geschärft. Insofern ist Philosophie auch eine Sehschulung.

10
Mai
2005

Philosophie II

Die Regulation des Denkens ist jenes Zeitfenster, welches das Gehirn am längsten offenhält. Wird dieses Zeitfenster durch die pubertären Stürme nicht zugeschlagen, bleibt es ein Leben lang offen.

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Da Denken und Philosophieren dasselbe ist, kommt eine Einführung in die Philosophie nicht umhin, eine Eignungsprüfung vorzunehmen. Eigne ich mich zum Philosophieren oder nicht? Diese Prüfungsfrage lässt sich in Einzelfragen auflösen. Kann nur eine einzige dieser Einzelfragen bejaht werden, dann erscheint die Wahrscheinlichkeit, dass das Gehirn die Regulation des Denkens aufrechterhalten hat, sehr hoch. Die einzelnen Prüfungsfragen sind einfach zu beantworten. Allerdings gilt die jeweilige Antwort erst dann und nur dann, wenn sie durch Taten ausgewiesen werden kann. Die Fragen stellen keine Rangfolge dar.
  • Schreibe ich regelmäßig eigene Texte?
  • Male, zeichne oder gestalte ich regelmäßig räumlich?
  • Komponiere ich regelmäßig?
  • Spiele ich seit meiner frühen Kindheit ein Instrument und übe leidenschaftlich?
  • Betreibe ich leidenschaftlich Mathematik?
  • Interessiere ich mich seit meiner Schulzeit für eine Wissenschaft und forsche leidenschaftlich?
  • Bringe ich seit meiner Kindheit besondere sportliche Leistungen und trainiere ich leidenschaftlich?
Allen Antworten ist gemeinsam, dass sie ein nach wie vor spielendes Gehirn voraussetzen. Das Spielen des Gehirns ist ein anderer Ausdruck für das Regulieren von Gedanken. Ein Gedanke ist nichts Anderes als eine Momentaufnahme des Bildergeschehens im Kopf.
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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