Unilogo

4
Jul
2005

Die Zeit begegnet der Leistung

zeit-und-leistung

Leistung: "Hallo Zeit, ich muss dich unbedingt sprechen!"
Zeit: "Was ist so dringend?"
Leistung: "Du musst mir auf jeden Fall helfen!"
Zeit: "Was ist geschehen?"
Leistung: "Die Gesellschaft hat es auf mich abgesehen... ...Sie will mich umbringen!"
Zeit: "Wer hat dir denn so etwas eingeredet?"
Leistung: "Das hat mir niemand eingeredet. Ich werde bereits verfolgt! Sie jagen mich aus Schulen und Hochschulen. Und bald werde ich arbeitslos sein!"
Zeit: "Und wen meinst du mit 'sie'?"
Leistung, herzzerreißend jammernd: "Na alle, die mit Bildung zu tun haben! Sie reden alles schlecht und sorgen gleichzeitig dafür, dass alles und alle immer schlechter werden. Schlechtreden ist in!"
Zeit: "Das kann nicht sein!"
Leistung: "Und warum nicht?"
Zeit: "Die Bildung will nichts mit jenen Leuten zu schaffen haben, welche behaupten, sich auf Bildung zu verstehen."
Leistung: "Und woher willst du das wissen?"
Zeit: "Von der Bildung selbst!"
Leistung: "Wann hast du denn die Bildung getroffen?"
Zeit: "Das ist nicht nötig. Die Bildung wohnt seit fast einem Jahrhundert bei mir."
Leistung: "Warum denn das?"
Zeit: "Die Bildung ist vor der Reformpädagogik geflüchtet."
Leistung: "Wie kannst du nur der Bildung Unterschlupf gewähren? Du liebst die Kinder, und die Reformpädagogik hat doch immerhin dieses Jahrhundert zum Jahrhundert des Kindes erklärt."
Zeit: "Die Reformpädagogik bevorzugt die Erziehung. Mit Bildung will sie nichts zu tun haben. Bildung fängt schließlich erst dort an, wo die 'Hilfe zur Selbsthilfe' erfolgreich geleistet worden ist!"
Leistung: "Oh, du hast recht. Ein Mensch ist erst dann und nur dann gebildet, wenn er Schöpferisches leistet. Da zählt nicht Quantität, sondern Qualität... "
Zeit: "...Und nicht die Uhrzeit, sondern ich, die Zeit!"
Leistung: "Könnten wir nicht zusammenarbeiten, du, die Bildung und ich?"
Zeit: "Das werden die meisten Bildungspolitiker und Bildungspolitikerinnen zu verhindern wissen!"
Leistung: "Und wie schaffen sie das?"
Zeit: "Indem sie zum Beispiel den Hochschullehrern die Zeit stehlen und die Uhrzeit schenken. Sie wollen sie an den Universitäten festhalten, damit sie sich nicht mehr in Ruhe auf ihre Seminare und Vorlesungen vorbereiten können. Das sollen sie zukünftig in den Semesterferien tun, damit sie nicht mehr forschen können!"
Leistung: "Vielleicht sollten sie die Vorlesungen einstellen, denn schließlich dauert ja die Vorbereitung einer einzigen Vorlesungsstunde in den Geisteswissenschaften mindestens 24 Stunden, die Lektüre noch nicht einmal mitgerechnet."
Zeit: "Das gesamte Bildungssystem ist ohne jede Rücksichtnahme auf mich organisiert. Da wird nach Uhrzeit gearbeitet und nicht nach der natürlichen Zeit der persönlichen Ressourcen! Der gebildete Mensch tut das Richtige zur rechten Zeit!"

3
Jul
2005

Die Zeit begegnet der Kunst

zeit-und-kunst

Die Kunst hat die Zeit in ihr Atelier eingeladen, um sie zu malen.
Kunst: "Es kann sofort losgehen. Ich habe schon alles bereitgelegt."
Zeit: "Wie soll ich mich zeigen? Als Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft?"
Kunst: "Ich werde dich als Augenblick malen."
Zeit: "Das schaffst du nicht. Als Augenblick kannst du mich nicht festhalten!"
Kunst: "Bei einem Kunstwerk darfst du nicht wahrnehmen, was es sinnlich vernehmbar zeigt.... ...Du musst vielmehr sehen können, was es nicht zeigt."

Die Kunst skizziert eine zweiseitig offene Spirale, die sich sowohl nach außen als auch nach innen hin öffnet.

Zeit: "Ich sehe entgegengesetzte Bewegung. Du willst also ausdrücken, dass Zeit immer nach zwei Seiten fließt. Indem ich auf die Zukunft hin fließe, entsteht zugleich Vergangenheit.
Dennoch: irgendwie fühle ich mich durch diese Bewegung nicht getroffen. Mir fehlt das Zyklische, das mich prägt."
Kunst: "Schau genau hin!"
Zeit: "Oh, das sieht ja doch eher wie eine Helix aus, als Entwicklung durch Wiederholung des immer Gleichen. Doch, damit kann ich mich identifizieren."

Die Zeit zögert, um dann die Kunst zu fragen: "Meinst du, dass dein Kunstwerk überhaupt verstanden wird?"
Kunst: "Ehrlich gesagt, ich glaube nicht!"
Zeit: "Vielleicht sollten wir die Leinwand gegen ein anderes Medium austauschen. Allein, mir fällt keines ein. Ich lasse mich ja weder fotografieren noch filmen. Vielleicht taugt ein Gedicht oder eine Geschichte!"
Kunst: "Vielleicht lässt du dich gar nicht beschreiben!"
Zeit: "Ich bin einzig im Wechsel. Solange sich etwas ständig verändert, bin ich anwesend. Insofern helfe ich denen, welche ein Kunstwerk betrachten und immer wieder Neues entdecken. Kunstwerke zeigen Fließendes. Wer das nicht sieht, bei dem ist die Kunst aus dem Werk geflohen, und zurück bleibt lediglich ein bloßes Bild."
Kunst: "Also gelangen Menschen in den Augenblick, sobald sie schöpferisch werden."
Zeit: "Ich will dich nicht ärgern. Aber das braucht nicht Kunst zu sein. Jeder, der sich im Schaffen oder Spielen verliert, ist im Augenblick und somit in seiner eigenen Zeit."

2
Jul
2005

Die Zeit trifft einen ihrer Brüder

zeit-und-raum

Zeit: "Du siehst bedrückt aus, lieber Raum!"
Raum: "Dazu habe ich auch allen Grund!"
Zeit: "Was ist denn los?"
Raum: "Ich habe ein Verhältnis."
Zeit: "Was hast du?"
Raum: "Ein Verhältnis!"
Zeit: "Das ist doch nicht neu."
Raum: "Aber dieses Mal ist es Inzucht!"
Zeit: "Was?"
Raum: "Ich habe mich in 'km/h' verliebt!
Zeit: "Du hast schon immer eine Schwäche für Geschwindigkeiten gehabt... ...Mit Inzest jedoch hat das überhaupt nichts zu tun. Du hast dich mit der Uhrzeit eingelassen und nicht mit mir! Wenn du dich von ihr aushalten und ausmessen lassen willst, ist das deine Sache."
Raum: "Ich fühle mich endlich ernst genommen. Sogar Naturwissenschaftler rechnen jetzt mit mir; sie sprechen sogar von unendlicher Ausdehnung. So groß war ich noch nie!"
Zeit: "Mein Bruder auf Abwegen. Wer hätte das gedacht!"
Raum: "Wieso auf Abwegen?"
Zeit: "Die Menschen können jetzt Zeiträume verplanen und alle Arten von Projekten definieren. Sie werden dafür sogar Zeitmanager brauchen!"
Raum: "Und was ist schlimm daran?"
Zeit: "Die Menschen verlieren den Augenblick. Sie werden aus der Gegenwart fallen, um entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft zu verweilen."
Raum: "Und was bedeutet das?"
Zeit: "Wenn sie morgens aufwachen, denken sie schon ans Frühstücken. Während sie frühstücken, lesen sie Zeitung. Während sie Zeitung lesen, denken sie bereits an den Arbeitstag. Während sie arbeiten, freuen sie sich schon auf den Feierabend. Und statt den Feierabend zu genießen, beschäftigen sie sich längst mit dem nächsten Tag. Sie sind nicht im Augenblick, nicht wirklich bei dem, was sie gerade tun."
Raum: "Dann darf ich ja km/h gar nicht mehr treffen!"
Zeit: "Mein lieber Bruder, dazu ist es bereits zu spät. Km/h erwartet Zwillinge von dir!"
Raum: "Wieso Zwillinge?"
Zeit: "Wenn sich Raum und Uhrzeit zur Geschwindigkeit vereinen, werden sie Verlangsamung und Beschleunigung, Langeweile und Kurzweil zeugen. Die Menschen werden ihr Leben danach bewerten, ob es langweilig oder kurzweilig verläuft."

1
Jul
2005

Die Zeit trifft einen Kommissar

Kommissar: "Ich bin beauftragt, dem Treiben der Zeitdiebe ein Ende zu machen! Und ich bin der Ansicht, dass du mir dabei helfen könntest."

zeit-und-kommisar

Zeit: "Schildere mir zuerst deinen Fall!"
Kommissar: "Verschiedene Unternehmen, deren Namen nichts zur Sache beitragen, haben mich beauftragt, nach Zeitdieben zu fahnden. Trotz verschärfter Zeitkontrollen wurde in diesen Unternehmen festgestellt, dass immer weniger Zeit eingeplant werden kann. Nahezu alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen leiden unter chronischem Zeitmangel. Deren Überstundenberge wachsen weit über das gesetzlich zulässige Maß hinaus. Aber bislang ist es mir nicht gelungen, auch nur einen Zeitdieb auf frischer Tat zu ertappen."
Zeit: "Das kann ja auch nicht gelingen! Zeitdiebe sind nämlich für dich noch unsichtbar."
Kommissar: "Dann kann ich sie auch nicht festnehmen!"
Zeit: "Doch, doch. Es gibt spezielle Filter für die Augen, die Zeitdiebe sichtbar werden lassen."
Kommissar: "Besitzt du solche Filter?"

Die Zeit schenkt dem Kommissar einige Filter. Die beiden begeben sich damit sofort in eines der Unternehmen.

Kommissar: "Aber das gibt es doch gar nicht!"
Zeit: "Was kannst du beobachten?"
Kommissar: "Nein, das darf doch nicht wahr sein! Die beklauen sich alle selbst. Schau' mal dort drüben. Sieh' mal, was der Abteilungsleiter treibt. Der sitzt doch tatsächlich vor seinem Schreibtisch und stiehlt sich Zeit! Normalerweise fällt das gar nicht auf, denn er arbeitet fleißig und führt längere Telefonate. Aber jedes Mal, wenn er den Hörer aufgelegt hat, kann er mit seiner Arbeit fast von vorn anfangen. Tatsächlich, ich kann feststellen, wie ihm jedes Telefonat Zeit stiehlt. Zudem lässt er sich wiederholt durch Leute unterbrechen, die bei ihm einfach mal so hereinschauen."
Zeit: "Diese Art von Zeitklau nenne ich Sägezahneffekt, weil die Konzentration auf die Arbeit wegen der Unterbrechungen ständig rauf und runter geht. Schließlich ist die Konzentrationsfähigkeit erschöpft, und die Arbeit bleibt liegen."
Kommissar: "Da entdecke ich noch etwas. Ich habe bis jetzt die Leute bewundert, weil sie so intensiv nachdenken. Nun aber muss ich sehen, dass sie lediglich tagträumen. Eine Sachbearbeiterin hat doch tatsächlich allein während einer einzigen Stunde mehr als vierzig Minuten einfach so vor sich hin geträumt. Das gibt's doch nicht! Und andere verschwatzen ihre Zeit leichtsinnig oder spielen gar mit irgendwelchen Gegenständen auf ihrem Schreibtisch. Ich habe sogar Leute entdeckt, die sich mit Computerspielen beschäftigen, statt zu arbeiten."
Zeit: "Willst du die jetzt alle festnehmen?"
Kommissar erschrocken: "Ich gebe diesen Fall sofort ab!"

30
Jun
2005

Die Zeit trifft die Uhr

zeit-und-uhr

Uhr: "Ich habe gehört: Du hast dich mit dem Uhrmacher getroffen."
Zeit: "Ja, er hat mich neulich besucht."
Uhr: "Und?"
Zeit: "Was und?"
Uhr: "Hat er dir von mir erzählt?"
Zeit: "Nein!"
Uhr: "Er hat dir nichts von meinen Depressionen erzählt?"
Zeit: "Warum sollte er?"
Uhr: "Kannst du mir vielleicht helfen?"
Zeit: "Ich habe schon dem Uhrmacher gesagt, dass ich mich mit Uhrzeiten überhaupt nicht auskenne und auch nichts von Uhren verstehe."
Uhr: "Das ist doch nur von Vorteil. Also, darf ich mit dir über mein Problem sprechen?"
Zeit: "Wir können es versuchen."
Uhr: "Vor kurzem klagte mir eine goldstrotzende Armbanduhr ihr Leid. Ihr protziger Besitzer hätte sie sich auch nur gekauft, um sein Image auszustellen. Aber im Grunde könne sie anzeigen, was sie wolle, er achte ohnehin nicht auf sie. Als Zeitgeberin ließe er sie völlig links liegen!"
Zeit: "Und was bedrückt dich da?"
Uhr: "Es geht allen Uhren so. Sobald sie ein bisschen was hermachen, scheinen sie keine Rolle mehr zu spielen. Die Leute, die sie tragen, holen sich die Zeitangabe von ihrer Sekretärin."
Zeit: "Da irrst du. Sie schauen sogar sehr oft auf ihre teure Uhr!"
Uhr: "Ja, aber sie gucken nicht richtig hin. Die können auf ihre Uhr gucken und anschließend jemanden fragen, wie viel Uhr es ist!"
Zeit: "Aber deswegen brauchst du doch nicht niedergeschlagen zu sein!"
Uhr: "Ich fühle mich völlig überflüssig. Ich langweile mich angesichts der Wiederholungen des immer Gleichen, die ich anzubieten habe, unendlich!"
Zeit: "Du hast doch viele, mit denen du dich unterhalten kannst!"
Uhr: "Da irrst du völlig. Frag' doch nur einmal eine der vielen Stunden, wie es ihr geht! Jede Stunde kennt nur eine Antwort: 'Nach sechzig Minuten bin ich weg!' Überhaupt, alle Zeiteinheiten, mit denen ich zu tun habe, befinden sich ständig auf der Flucht. Ich kann mich überhaupt nicht durchsetzen. Es gibt überhaupt keine Angriffsflächen. Sobald sich eine Stunde vollkommen entwickelt hat, löst sie sich auch in nichts auf! Alle Uhren zeigen ständig einzig und allein Schwund an. Unser Sekundenzeiger demonstriert das ja geradezu. Tick, tick, tick, weg, bevor er überhaupt eine Sekunde berührt hat."
Zeit: "Liebe Uhr, wenn du deinen Beruf so sehr hasst, dann solltest du ihn aufgeben!"
Uhr: "Und wer misst dann Zeit?"
Zeit: "Ihr braucht mich gar nicht zu messen!"
Uhr: "Du meinst wirklich, wir können alle stehen bleiben?"
Zeit: "Das werdet ihr nie schaffen. Klar, einige von euch können geschickt herunterfallen oder abhauen, indem sie sich klauen lassen. Die meisten Uhren werden bleiben müssen, um der Uhrzeit zur Verfügung zu stehen."
Uhr: "Aber die will ja von uns immer nur das eine: Kommen und gleich wieder gehen! Und dann fragen uns manche Uhrenbesitzer auch zu allem Überfluss, wo denn die Zeit geblieben sei. Was sollen wir da antworten? Wir wissen ja auch nicht, wohin die Zeit flieht!"
Zeit: "Laufe doch einfach mit! Als Uhr musst du Spitzensportlerin sein oder noch besser Marathonläuferin. Je gleichmäßiger du deine Schritte setzt, um so länger kannst du durchhalten. Also, bleibe nicht sitzen, um zu jammern, sondern laufe, um zu erfahren, wohin die Zeit entschwindet. Dann hörst du auf, dich zu langweilen, und die Gleichmäßigkeit deiner Bewegung wird für dich zum Abenteuer!"

29
Jun
2005

Die Zeit trifft einen Uhrmacher

zeit-und-uhrmacher

Uhrmacher: "Zeit, ich bin wirklich froh, dir zu begegnen. Ich habe nämlich eine ganz wichtige Frage!"
Zeit: "Ich werde dir kaum helfen können. Ich bin für die Uhrzeit nicht zuständig."
Uhrmacher: "Ich zweifle immer mehr an der Uhrzeit!"
Zeit: "Aber du stellst doch Zeitmesser her!"
Uhrmacher: "Ja schon, aber ich messe eben nur künstliche Zeit!"
Zeit: "Das ist dein Beruf!"
Uhrmacher: "Ich weiss nicht. Gestern kam ein Kind in meine Werkstatt und fragte mich: 'Lieber Uhrmacher, kannst du mir eine Uhr machen, die richtig geht?' - 'Aber du hast doch eine Armbanduhr!' erwiderte ich. 'Die stimmt aber nicht!' widersprach mir das Kind. Es erklärte mir, dass seine Armbanduhr ständig falsch ginge. Auf seiner Uhr würden die Stunden viel langsamer vergehen als auf den Uhren der Erwachsenen. Deren Uhren würden sehr viel schneller gehen. 'Das stimmt nicht!' erklärte ich, und ich fragte: 'Wenn es auf deiner Uhr 12 Uhr mittags ist, was zeigen dann die Uhren der Erwachsenen?' 'Auch 12 Uhr!' antwortete es. 'Na, siehst Du!' 'Nichts stimmt!' wehrte sich das Kind und fügte hinzu: 'Meine 12 ist eine ganz andere als die 12 der Erwachsenen!' Ich wunderte mich: 'Was unterscheidet denn deine 12 von der 12 der Erwachsenen?' Das Kind schaute mich erstaunt an: 'Aber das weisst du doch! Meine 12 ist ein Guckloch!' Ich: 'Was, ein Guckloch?' Das Kind: 'Ja, ein kleines Fenster, aus dem der Tag mich anguckt!' Ich: 'Und sagt er dir etwas?' Das Kind: 'Klar doch.' Das Kind zögerte und flüsterte mir dann ins Ohr: 'Weisste, das ist ein Geheimnis.' "
Die Zeit: "Und, kennst du das Geheimnis!?"
Uhrmacher: "Ja, das Kind kam nach einer Weile zurück und erklärte mir: 'Ich darf dir das Geheimnis mitteilen, wenn du mir dafür eine richtige Uhr machst!... ...Machst du?' 'Ich werde es versuchen!' antwortete ich. Das Kind: 'Also, durch die Fensterluke klettern kleine Schutzengel, steigen auf den Kirchturm und lassen die Glocken für mich läuten. Und wenn ich ganz fest lausche, dann kann ich schöne Bilder sehen. Weisst du, dann bin ich wieder bei meiner Oma, die für mich immer Ofenkuchen gebacken hat.... Und manchmal darf ich sie auch im Himmel sehen!... ...Also, schenkst du mir jetzt eine Uhr, die richtig geht?' Und ich versprach: 'Ich werde mich auf die Suche nach deiner Uhr machen, und ich bin ganz sicher: Ich werde sie entdecken!'"
Zeit: "So hast du doch alles verstanden!"

28
Jun
2005

Die Zeit trifft Berta

Seit Stunden ist Berta unterwegs. Sie kriecht zu ihrem Lieblingsplatz im Rasen vor dem Landeshaus. Berta hatte einer Landtagssitzung beigewohnt. Es ging um Zeitdiebstähle in den Ministerien. Eine freundliche Abgeordnete hatte Berta nach der Sitzung entdeckt und aufgehoben, um die kleine Schnecke draußen am Rand der Rasenfläche wieder abzusetzen.

zeit-und-berta

Gerade will sie von einem frischen Kleeblättchen naschen, da wird sie von der Zeit freundlich begrüßt.

Zeit: "Hallo Berta!"
Berta: "Oh, gut, dass ich dich treffe! Ich brauche nämlich einen Rat von dir."
Zeit: "Worum geht es, Berta?"
Berta: "Ich überlege, ob ich mich als Sachbearbeiterin in einem der Ministerien bewerben soll."
Zeit: "Wie kommst du auf diese Idee?"
Berta: "Die Leute in den Ministerien sind sehr freundliche Menschen. Und vor allem, sie erledigen ihre Aufgaben und treffen ihre Entscheidungen so langsam, dass ich gut mithalten könnte!"
Zeit: "Liebste Berta, diese Leute arbeiten und entscheiden keineswegs im Schneckentempo. Das sieht nur so aus."
Berta: "Nein, nein, wenn zum Beispiel eine Akte von einer Abteilung zur anderen weitergegeben wird, dann geht das viel langsamer, als ich kriechen kann!"
Zeit: "Berta, du siehst nur den Aktenvorgang. Aber bevor sich eine Akte bewegt, bleibt sie erst einmal lange liegen. Und während sich die Akte ausruht, wird sie dicker. Sie nimmt viele gewichtige Papiere auf."
Berta: "Das ist doch wie bei mir. Ich ruhe mich auch oft aus, wenn ich genug Blätter gefressen habe!"
Zeit: "Berta, Verwaltungsleute fressen keine Blätter, sondern beschreiben sie mit großem Eifer!"
Berta: "Das stimmt. Sie fressen die vollgeschriebenen Blätter nicht selbst, sondern sie haben Geräte dafür. Ich glaube, sie nennen so ein Gerät Reißwolf!"
Zeit: "Aber bevor sie diese Geräte Akten fressen lassen, muss der Vorgang erledigt sein."
Berta: "Welcher Vorgang?"
Zeit: "Das, was nach Aktenlage zu tun ist."
Berta: "Und wer tut das?"
Zeit: "Alle, die eine Akte lesen!"
Berta: "Aha, das kenne ich. Natürlich, ich arbeite auch erst, bevor ich Blätter fresse. Du hast recht, was die Leute arbeiten, während sie Akten lesen, und was sie tun, wenn sie diese gelesen haben, das kann ich nicht sehen. Aber ist das wichtiger als das, was eine Schnecke an Arbeit verrichtet?"
Zeit: "Nein!"

27
Jun
2005

Die Zeit trifft den Stress

zeit-und-stress

Manchmal geschieht ein Treffen ungewollt. So versucht der Stress, der Zeit aus dem Wege zu gehen. Das gelingt nicht immer.
Zeit: "Hallo Stress! Gut, dass ich dich wieder einmal treffe. Du weichst mir ja ständig aus!"
Stress: "Du kennst den Grund!"
Zeit: "Ja, ich bin dir nicht gerade sympathisch!"
Stress: "Ich kann nun einmal mit dir nicht umgehen."
Zeit: "Ich habe dir genau so viel Dauer geschenkt wie allen meinen Kindern. Aber du nervst die Leute, indem du ihnen einredest, sie müssten in kürzester Zeit möglichst viel schaffen!"
Stress: "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!... ...Das hast Du uns selbst gelehrt!"
Zeit: "Hast du da nicht etwas vergessen?"
Stress: "Ja, ja... ...Du meinst die Sache mit der Wichtigkeit... ...Ich halte nichts davon, die Aufgaben erst lange nach Wichtigkeit zu ordnen. Wir müssen ohnehin alles erledigen!"
Zeit: "Wer alles tun will, macht nichts richtig!"
Stress: "Liebe Zeit, das überzeugt mich nicht. Die Leute, mit denen ich zu tun habe, achten auf Tempo. 'Zeit ist Geld', sagen sie. Alles zu beschleunigen, das ist ihr Motto!"
Zeit: "Du schadest ihrer Gesundheit, wenn du ihren Beschleunigungswahn unterstützt!"
Stress: "Das trifft nicht zu. Ganz im Gegenteil: In einer Beschleunigungsgesellschaft leben die Menschen sogar länger... ...Selbst Heilungsprozesse und Genesungen nach Operationen laufen sehr viel schneller ab als noch vor Jahren! Nein, die Menschen lieben die Hochgeschwindigkeit!"
Zeit: "Ich weiss... ...viele Menschen lieben dich, und sie sind stolz darauf, im Stress zu sein!"
"Liebste Mutter, ich muss mich beeilen!" verabschiedet sich der Stress und läuft der Zeit wieder einmal davon.

26
Jun
2005

Die innere Uhr

Alle Körpervorgänge laufen nach einem rhythmischen Muster ab. Uhrwerken gleich erzeugen diese ihre eigene Zeit und bestimmen so den Zyklus bzw. Rhythmus, in dem wir denken, essen, wachen und schlafen - und die Stunden verstreichen fühlen. Doch das Zeitgefühl schwankt je nach Tageszeit, Körpertemperatur und Tätigkeit. Die innere Uhr tickt mal schneller und mal langsamer. Der Morgen scheint eher vorüberzugehen als der Abend.

die-innere-uhr

Menschen erleben den Tag in Einheiten von jeweils 90 Minuten. So lange können wir uns jeweils einer anspruchsvollen Tätigkeit widmen. Dann überfällt uns Hunger, wird das Verlangen nach einer Tasse Kaffee übermächtig oder die Blase will entleert werden.

Auch im Schlaf durchlaufen wir 90-Minuten-Zyklen: Einer traumlosen Periode folgt jeweils eine REM-Phase mit charakteristischen schnellen Augenbewegungen unter geschlossenen Lidern und lebhaften Träumen. Die Ausschüttung vieler Hormone schwankt in einem Rhythmus von 2 bis 4 Stunden. Kraft und Konzentration erreichen zwei Gipfel, die etwa 8 Stunden auseinander liegen - jeweils morgens und abends.

Unser körpereigener Tag/Nacht-Zyklus würde rund 25 Stunden dauern, stellten ihn nicht jeden Morgen äußere Faktoren auf Null. Vor allem das Sonnenlicht löst eine Hormonkaskade aus, die den Körper auf "wach" schaltet und uns so mit der Umwelt synchronisiert. Vor allem die Uhrzeit beeinflusst unsere innere Uhr. Beim Schlaf/Wach-Rhythmus erfüllt der klingelnde Wecker die Funktion eines sozialen Zeitgebers.

Manche behaupten, dass kosmische Prozesse unsere inneren Rhythmen in Takt halten. So synchronisiert der Mond den weiblichen Zyklus von durchschnittlich 29,5 Tagen. In dessen Verlauf schwanken Stimmung und Krankheitsanfälligkeit.

365 Tage dauert der Kreislauf, während dessen zum Beispiel Schlafbedürfnis (von März an weniger) und Abwehrkräfte des Körpers (von März an mehr) schwanken.

Maximal drei 90-Minuten-Zyklen stehen täglich für schöpferische Tätigkeiten zur Verfügung. Zwei dieser Zyklen liegen um das Leistungshoch zwischen Morgen und Mittag, in der Regel zwischen 9 und 12 Uhr. Der dritte Zyklus liegt um das Leistungshoch zwischen Nachmittag und Abend, gewöhnlich zwischen 18 und 20 Uhr. Je nach Beruf können sich die Zyklen für schöpferische Tätigkeiten verschieben. Sogenannte "Nachteulen" bilden die Ausnahme; sie fassen die Zyklen für schöpferische Tätigkeiten zusammen, indem sie nachts "in einem Zug" durcharbeiten.

Wer seiner inneren Uhr folgt, spart sehr viel Zeit, weil er hochökonomisch arbeitet. Zudem spart er Ressourcen und kann im Bedarfsfall auch einmal Energien aufbringen, die ein Mehrfaches an "schöpferischen Zyklen" ermöglichen.

25
Jun
2005

Armut

armut

Armut ist ein Begriff, der sich nicht mit den Mitteln der Vernunft begreifen lässt. Wenn einem Menschen alle Möglichkeiten genommen werden, seine Grundbedürfnisse zu befriedigen, entsteht eine Situation der Not und des Elends, die sich nicht mehr verstandesmäßig erfassen lässt. Wenn Menschen dürsten, hungern, krank sind, sich nicht mehr fortbewegen können, dann verhelfen auch Berichte und Bilder kaum mehr zu einem Verständnis. Die einzige Möglichkeit überhaupt in die Nähe eines Verständnisses zu gelangen, bestünde im Erleben solchen menschenunwürdigen Daseins.

Kriege und Bürgerkriege, politische Strukturen wie Diktaturen, ungerechte internationale Handelsregeln, ökonomische Strukturen wie ungleiche Einkommensverteilung, Korruption, Überschuldung, verschlampter Bürokratismus, Mangel an bezahlbarer Energie, Staatsversagen, technologische Rückständigkeit, Bildungsrückstand, Naturkatastrophen, Epidemien, zu starkes Bevölkerungswachstum, Arbeitslosigkeit sind die wichtigsten Ursachen und Gründe der Armut. Armut ist folglich auch ein Begriff, der für globales menschliches Versagen steht.

Der Begriff der Armut ist ein Instruktionsbegriff, also kein Begriff, den es zu verstehen gilt, sondern ein Begriff, der zum sofortigen Handeln auffordert.

Deutschland verarmt zunehmend beschleunigt, u.a. vor allem durch Staatsversagen, Bildungsnotstand, gleichgültigen Unterricht, mangelnde Nächstenliebe, Verbürokratisierung, Überschuldung, ungleiche Einkommensverteilung.

Nehmen Sie den Begriff der Armut als Aufforderung zum Handeln. Beginnen Sie damit, dass Sie ihre Stimme für die weltweite Aktion gegen die Armut abgeben: ONE

24
Jun
2005

Sichtbarmachen

Wir können zwar den Augenblick erfahren, aber wir können augenblickliche Erfahrungen nicht mitteilen. Unsere Worte bleiben hinter dem Erleben zurück.

augenblicke-erfahrbar

Wir kommen immer schon zu spät, wenn wir uns an das halten, was bewusst geworden ist.

Paul Klee sagt von der Kunst, dass sie das Sichtbare nicht zeigt, sondern sichtbar macht. Kunst setzt Sein ins Werk, indem sie dieses künstlerisch zum Vorschein bringt. Aber jedes nicht flüchtige Kunstwerk gelangt nicht in den Augenblick.

Allein Kunstwerke, die sich aufführen lassen, können Mitteilungen unmittelbar empfinden lassen, also Schwingungen übertragen.

Musik macht in höchster Weise Wesentliches unmittelbar sichtbar und in eins zugleich erfahrbar.

23
Jun
2005

Augenblicke lassen sich nicht stoppen

Wir sind nicht in der Lage, die genaue Zeit anzugeben. Bis wir ausgesprochen haben, dass es 0:00:00 Uhr ist, verstreichen Sekunden. Gleichgültig, welchen Sekundenbruchteil wir auch messen können, wir werden Augenblicke nicht zu fassen kriegen.

augenblicke-nicht-stoppbar

Wir können das, was wir augenblicklich erfahren, nicht zur Sprache bringen oder in Zahlen ausdrücken.
Das, was ein Satz sagt, ist vorbei, bevor er ausgesprochen wird. Das Erleben ist schneller als das Sprechen darüber.

Je ausführlicher wir über Erlebtes sprechen, desto mehr fallen wir aus der Gegenwart in die Vergangenheit zurück. Und je kürzer wir Erlebtes erfassen, desto eher verlieren wir sogar das Erlebte selbst.

22
Jun
2005

1/2 ungleich 0.5

Schreiben ist die eingeschränkte Form des Mitteilens. Schreiben vollzieht sich unabhängig von körperprachlichen Kommentaren. Im Gegensatz zu gesprochenen Mitteilungen schwingen geschriebene nicht.

einhalb-ungleich-einhalb

Die geschriebene Mitteilung ist die digitalisierte Form der gesprochenen, also analogen Mitteilung. Die Eigenschaft "digital" beschreibt den Zustand von etwas oder den Moment eines Prozesses in Form zweier Möglichkeiten. Ein Lichtschalter lässt sich entweder ausschalten oder einschalten. Das Bedienen des Lichtschalters kann entweder erfolgreich sein oder nicht. Die geschriebene Mitteilung ist entweder klar oder unklar.

Der Bruch 1/2 besagt als Grundform der Digitalisierung, dass etwas genau in zwei gleiche Teile aufgelöst erscheint. Die Zahl, die für die Anzahl der Teile des Ganzen steht, wird Nenner genannt. Die Zahl, welche angibt, wie viele Teile des Ganzen wahrgenommen werden sollen, heißt Zähler. Die zwei ‘Hälften’ (2/2) einer Mitteilung sind: Wort (1/2) und Bild (1/2). Sobald ein Wort kein Bild erzeugt, bleibt jede Mitteilung unverständlich.

Durch Digitalisieren der Verständigung wird die Synchronisation der Hemisphären aufgehoben und durch Hin- und Herschalten zwischen linker und rechter Hemisphäre ersetzt. Der Verlust der analogen (mündlichen) Verständigung durch das Angewiesensein auf die digitale (schriftliche) Verständigung führt zu erheblichen Einschränkungen dessen, was eigentlich mitgeteilt werden soll.

Der Verlust der das Sprechen tragenden Schwingungen durch das Schreiben ermöglicht das Versachlichen bzw. das Intersubjektivieren (~ Standardisieren von Informationen) oder gar Objektivieren von Mitteilungen.

Die Digitalisierung der Sprache bringt den Menschen in Gefahr, sich auch in einer digitalisierten künstlichen Welt zu verlieren. Ohne Digitalisierung ist wissenschaftliches Denken nicht möglich. Die Entscheidung für die Möglichkeit so zu denken fällt mit der Entdeckung der Schriftsprache.

21
Jun
2005

Unbedacht

Bild: Laden Sie Ihre Fantasie ein, für Sie eine schönes Erlebnis in der Natur zu inszenieren. Das kann ein Streifzug sein, der Sie durch Wiesen und Felder führt, ein Spaziergang durch einen Wald oder das verträumte Verweilen an einem schönen Strand. Wichtig dabei ist, dass Sie sich eine Szene aussuchen, in der Sie viele Dinge sehen, die Sie nicht benennen können, also zum Beispiel Blumen auf der Wiese, deren Namen Sie nicht kennen. Versuchen Sie möglichst, nur bei namenlosen Dingen zu verweilen, diese anzuschauen und auf sich wirken lassen.

unbedacht

Vorstellung: Schauen Sie sich nach einer Szene um, die für Sie stimmt. Stimmen Sie sich ein, indem Sie sich Ihr Gefühl vergegenwärtigen. Lassen Sie sich auf diese Stimmung ein, indem Sie sich dieser Heiterkeit des Augenblicks stellen. Ihr Gefühl wird Sie wortlos die Bedeutung dieser Szene erfahren lassen. Halten Sie diese gefühlte Einstellung einige Augenblicke fest.

Klärung: Bevor sich Gedanken zur Sprache bringen, zeigen sie sich in Bildern. Die bewusst werdenden Bilder werden spielerisch vom Un-Bewussten inszeniert. Die Szenen wechseln mehr oder weniger schnell.

Diese Szenenwechsel gestalten das, was wir als Bewusstwerden erfahren. In der Regel greifen wir in diesen künstlerischen Prozess des Vor-Denkens vorschnell ein. Wir brechen das spielerische Gestalten vorschnell ab. Wir wechseln inmitten dieses Schauspiel des Klärens unsere Rolle. Wir schauen diesem Spiel nicht einfach zu. Aus Zuschauern werden wir voreilig zu Spielleitern, indem wir diesem schöpferischen Geschehen ein bereits vorhandenes Drehbuch aufzwängen. Diesem Zwang unterliegen wir, sobald wir das Bilderleben unbedacht versprachlichen.

Aufgabe: Übersetzen Sie folgende Tuwörter in Bilderleben zurück:

- stimmen - einstimmen - Stimmung
- stellen - einstellen - Einstellung
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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