Unilogo

26
Dez
2009

Tagesstempel



Das Unbewusstsein hat seinen eigenen Nachrichten- und Bilder-Versand. Es sind die Wiederholungen, die unseren Tag prägen und ihm ihren Stempel aufdrücken. Versuchen Sie jetzt herauszufinden, woran Sie sich während eines Tages besonders oft erinnern. Sie werden feststellen, dass es sich oft um Dinge handelt, die sich einfach deshalb aufdrängen, weil sie noch nicht erledigt sind. Wenn Ihnen solche Erinnerungen unangenehm sind, dann geben Sie doch Ihrem Gehirn die Gelegenheit, Sie vorzugsweise erst dann zu erinnern, wenn diese Dinge anfallen. Machen Sie sich also einen Plan, in dem Sie kurz festhalten, wann was anliegt. Sie machen sich mit einer solchen Was-Wann-tun-Liste oder ToDo-Liste ein wirklich alltagstaugliches Geschenk.

25
Dez
2009

Wie wahr ist Weihnachten?



"In vino veritas!" "Etiam in nocto sancta!" Aufgestaute Aggressionen wirken bei manchen Menschen zu Weihnachten, als ob sie zu viel Wein getrunken haben. Die einen bestrafen, indem sie schweigen, die anderen, indem sie böse Worte sagen. Die Schweiger sind die heimtückerischen und die gemeineren, vor allem sich selbst gegenüber. Denn wer schweigt, frisst in sich hinein und ätzt sich krank. Aber man kann auch hinter lieben Worten auf Weihnachtskarten Aggressionen verbergen. Das Weihnachtsfest ist auch das Fest der Scheinheiligen. Warum ist dieses Fest so anfällig für Unflätiges aller Art?
Weihnachten ist das Fest des Lichts. Und die innere Sonne bringt es an den Tag. Auch die Botschaft an die Hirten ist eine scheinheilige Geschichte. Es ist sarkastisch von froher Botschaft über ein Kind zu sprechen, das in der Krippe fast erfriert.

24
Dez
2009

Friedrich Nietzsche: Zitat aus seinen Baseler Vorträgen: Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten



"wir sind ohne Bildung, noch mehr, wir sind zum Leben, zum richtigen und einfachen Sehen und Hören, zum glücklichen Ergreifen des Nächsten und Natürlichen verdorben und haben bis jetzt noch nicht einmal das Fundament einer Kultur, weil wir selbst davon nicht überzeugt sind, ein wahrhaftiges Leben in uns zu haben. Zerbröckelt und auseinander gefallen, im Ganzen in ein Inneres und Äußeres, halb mechanisch zerlegt, mit Begriffen wie mit Drachenzähnen übersät, Begriffs-Drachen erzeugend, dazu an der Krankheit der Worte leidend und ohne Vertrauen zu jeder eigenen Empfindung, die noch nicht mit Worten abgestempelt ist : als eine solche unlebendige und doch unheimlich regsame Begriffs- und Wortfabrik habe ich vielleicht noch das Recht zu sagen cogito ergo sum, nicht aber vivo, ergo cogito. Das leere "Sein", nicht das volle und grüne "Leben" ist mir gewährleistet, meine ursprüngliche Empfindung verbürgt mir nur, daß ich ein denkendes, nicht daß ich ein lebendiges Wesen, daß ich kein animal, sondern höchsten ein cogital bin. Schenkt mir erst Leben, dann will ich euch auch eine Kultur daraus schaffen!"

Nietzsche, Friedrich: Sämtliche Werke : kritische Studienaus-gabe in 15 Bänden / hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Monti-nari. [Bd. 1-13 mit Vorbem. von Mazzino Montinari, Bd. 1-6, 11 und 13 mit Nachw. von Giorgio Colli, übers. von Ragni Maria Gschwend]. - Dünndruck-Ausg. - München : Deutscher Ta-schenbuch Verlag ; Berlin ; New York : de Gruyter, 1980. - (dtv ; [5977]) Bd. 1. Die Geburt der Tragödie. Unzeitgemäße Betrach-tungen I-IV. Nachgelassene Schriften 1870-1873. - 924 S.

Darin im Abschnitt "Basler nachgelassene Schriften 1870-1873": Zwei öffentliche Vorträge über die griechische Tragödie [Erster Vortrag: Das griechische Musikdrama. Zweiter Vortrag: Socrates und die Tragödie]. Die dionysische Weltanschauung. Die Geburt des tragischen Gedankens. Sokrates und die griechische Tragö-die. Ueber die Zukunft unserer Bildungsanstalten. Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen Büchern [Ueber das Pathos der Wahr-heit. Gedanken über die Zukunft unserer Bildungsanstalten. Der griechische Staat. Das Verhältnis der Schopenhauerischen Phi-losophie zu einer deutschen Cultur. Homer's Wettkampf]. Ein Neujahrswort an den Herausgeber der Wochenschrift "Im neuen Reich". Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen. Ueber Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne. Mahnruf an die Deutschen.

23
Dez
2009

Armut



Inmitten weihnachtlicher Hetze findet sich kein Augenblick der Reflexion mehr auf den Begriffskalender. Es fehlt ja sogar der Blick auf den Kalender. So schnell rast die Zeit. Dieses Jahr haben wir für das Krippenkind ein besonderes Armutszeugnis: den Klimagipfel in Kopenhagen. Von den Dänen schlampig vorbereitet und von den Spitzenpolitiker(innen) lustlos ausgeführt. Im Zeichen der Zeit, ganz voller Interesselosigkeit für das Wesentliche. Die Finanzkrise ist nur ein Symptom einer Krise des Wesens.

22
Dez
2009

Pädagogik als Pseudologik



Als Pseudologik verfügt Pädagogogik über keine eigene Methode, sondern hat diese von anderen Wissenschaften übernommen. Aufgrund übernommener wissenschaftlicher Verfahren wähnt sie, selbst Wissenschaft zu sein.

Um es noch einmal deutlich zu machen. Jeder kann auf seine Uhr schauen und einem anderen die Uhrzeit mitteilen. Der Pädagoge aber sagt, dass es sich hier um eine Informationsvermittlung handelt, bei der ich mir erst einmal Gedanken über den Empfänger meiner Mitteilung machen muss. Ist er Nord- oder Süddeutscher? Im ersten Fall hat er Schwierigkeiten die Mitteilung "viertel vier!" zu verstehen. Hört er gut oder schlecht? Im zweiten Fall muss ich vor allem laut und deutlich sprechen. Ist es ein heiterer oder ernster Mensch? Im zweiten Fall darf ich nicht zu sehr dabei lächeln, sonst nimmt er an, dass ich ihm die falsche Zeit sage. Vor allem muss ich überprüfen, ob er meine Mitteilung tatsächlich verstanden hat. Zu diesem Zweck erkundige ich mich dann bei ihm noch einmal nach der Uhrzeit.

Fazit: 1. Phase: Uhrzeit ablesen, 2. Phase: Uhrzeit in eine angemessene Sprache übersetzen, 3. Phase: Mitteilung antizipieren, damit sie dann richtig ankommt. 4. Phase: Mitteilung machen und nachfragen, ob sie verstanden worden ist.

Pädagogik wird sehr oft mit Didaktik (= Sachlogik) oder mit natürlichem Erklärungsgeschick verwechselt. Wenn jemand gut erklärt, sagt man häufig nicht: "Er hat gut erklärt", sondern: "Das war pädagogisch gut!". Es gibt eine Fülle solcher Verwechslungen.
Pädagogik bürokratisiert alles, was mit Menschen zu tun hat, und Pseudologik managt Klatsch und Tratsch.

21
Dez
2009

Pädagogik als Deontologik



Als Deontologik (griech. deon: das Erforderliche, die Pflicht) stellt Pädagogik Normen, Werte, Regeln und Gesetze, Verbote und Gebote auf, welche sie sich zuvor bei Theologie, Philosophie, Soziologie und Psychologie entlehnt hat.

Alle Maßregelungen im Unterricht sind entlehnter Art. Die Gebote Gottes sind vernünftige gesellschaftliche Regelmechanismen des Menschen.

20
Dez
2009

Pädagogik als Paralogik



Als Paralogik fördert die Pädagogik Fehlschlüsse.
Im Gegensatz zu den Fachdidaktiken erzeugen Pädagogen in der Regel Unsinn, sobald sie schreiben. Ich habe das studiert, weil es mich faszinierte, dass solche Textattrappen dann auch wirklich diskutiert werden. Und ich muss zugeben, dass ich sehr oft und viel zu lange selbst darauf 'reingefallen bin.

Andererseits darf ich natürlich nicht vergessen, dass Pädagogik eine Gestensprache ist, eine bestimmte Form, sich mimisch zu verlautbaren.

Eine typisch paralogistische Erklärung ist folgende: Unterricht besteht aus folgenden Phasen: Motivation, Information, Übung, Aufgaben. Nach diesem 'Phasen-Modell' lernen Studierende wie Referendare ihren Unterricht zu planen, obgleich dieses Modell falsch ist, weil 1. Motivation in jeder Phase eine Rolle spielen muss, 2. sich Lehren und Lernen an der Sache und nicht an didaktischer Bürokratie orientiert, 3. Sicherheit vorgegaukelt wird, die nie eingelöst wird. Das Faszinierendste an diesem Modell ist, dass es eine Unterrichtswirklichkeit schafft, von der man glaubt, dass sie tatsächlich so ist. Es braucht eine Zeit, bis man dahinterkommt, dass man einer Täuschung aufsaß.

19
Dez
2009

Pädagogik als Tautologik



Als Logik ist Pädagogik Tautologik, nämlich ein System der Wiederholung des Gleichen, des noch einmal Erklärens dessen, was schon längst klar ist. Dieser Irrtum ist uns so vertraut, daß er uns nicht einmal mehr bewusst wird. Eine unnötige Wiederholung geschieht, wenn von der Fachdidaktik her bereits alles klar ist und der Pädagoge dann noch einmal erklärt, wie das im Unterricht umgesetzt wird. Wer wirklich erklären kann, wie man vom Hauptbahnhof zum Stadtzentrum gelangt, braucht nicht mehr zu planen, wie er das einem anderen vermittelt, weil er das natürlicherweise immer schon weiß.
In der Lehrerausbildung wird nicht erkannt, dass das Vermitteln von Information eine natürliche Fähigkeit ist.

18
Dez
2009

Täuschung



Gewöhnlich nehmen wir an, dass die Dinge so sind wie wir annehmen. So nehmen wir an, dass wir unvoreingenommen an alles herangehen, mit dem wir zu tun haben. Wir bemerken nicht, dass wir uns in unserem eigenen Film befinden und diesen so intensiv erleben, dass wir ihn sogar für unsere Wirklichkeit halten. Uns fällt nicht auf, dass wir das, was wir erfahren, vorweg für uns inszenieren. Jeder von uns lebt in seiner eigenen Welt. Und weil das so ist, gibt es zwischen uns Gemeinsamkeiten, über die wir uns sogar auszutauschen vermögen. Da wir uns wechselseitig über unser Weltverständnis verständigen können, entsteht sogar der Eindruck, dass wir an einer gemeinsamen Welt teilhaben.

Wenn sich aber alle täuschen, dann fällt es nicht mehr auf, wenn sich jeder täuscht. Wenn alle glauben, dann glauben alle das, an das geglaubt wird, so selbstverständlich, dass es für selbstverständlich existierend gehalten wird. Solange wir uns in dem Schein, den wir Welt nennen, zurechtfinden, zeigt sich kein Grund, gegen diese Art von Selbstverständlichkeit etwas zu unternehmen. Wer, der meint auf dem rechten Weg zu sein, lässt sich schon sagen, dass er sich irrt. Ein Glaube, der besonders stark gefühlsmäßig gefestigt ist, zeigt sich besonders widerstandsfähig gegen Argumente, die ihn gefährden. Zudem stellt sich die Frage, wie es möglich sein sollte, einer durchgängigen Täuschung zu entkommen, wenn man grundsätzlich nur Erfahrungen darin gesammelt hat. Wird dann der Ausweg nicht selbst zu einem scheinbaren Ausweg, also zur Täuschung?

17
Dez
2009

Triebhaftigkeit


Das Lebewesen Mensch zeichnet sich von Natur durch körperliche, seelische und geistige Triebe aus. Die körperlichen Triebe zeigen sich in den Grundbedürfnissen wie Nahrung aufnehmen, Existenz sichern, Erfolg haben, Macht und Ansehen gewinnen. Die seelischen Bedürfnisse zeigen sich in Stimmungen, und Einstellungen, Engagement oder Trägheit, Mut oder Furcht, Liebe oder Hass. Die geistigen Triebe gelangen durch Forschen bzw. Suchen und Fragen, oder Schaffen zum Vorschein.

Können sich diese Triebe nicht durchsetzen, schlagen sie in Aggressionen um, wobei die Schuld in der Regel von sich selbst weggeschoben wird.

16
Dez
2009

warten, worauf ?



was erwartet wird wurde schon weg
gelegt

aufgeschichtet auf den Stapel der

Erinnerung

an das Warten in

Gegenwart, weg gelegt

15
Dez
2009

Im Fluss sein



Im Fluss sein bedeutet vollkommen gelassen sein. Die voll-kommene Gelassenheit der inneren Ruhe wird durch Los-lassen erreicht. Loslassen vollzieht sich als Betrachten, Beobachten und Begreifen der Einflüsse von Trieben, Grundbedürfnissen, Wünschen oder Träumen während ei-nes gleichsam unbeteiligten Geschehen-Lassens.

Man möchte beispielsweise ein bestimmtes Markenprodukt unbedingt haben. Man betrachtet in sich die Wirksamkeit dieses Begehrens, beobachtet, wie einem dieser sehnliche Wunsch ständig beschäftigt und spielt Argumente Pro und Contra geduldig durch, indem man sie mit Ausdauer ständig erneut miteinander vergleicht.

Solange man dabei nicht anfängt, unter dem Mangel des noch nicht Besitzens zu leiden und diese Mangelerscheinung durchaus interessant findet, statt depressiv zu werden, befindet man sich trotz der starken emotionalen Strömung immer noch im Fluss einer zunehmend beschleunigten Beruhigung. Es kommt nicht auf die Stärke der emotionalen Strömung an, sondern vielmehr darauf, dass diese im Fluss der Zeit nachlässt und zur vollkommenen Beruhigung führt.

14
Dez
2009

"Just in time"



just-in-time

Die Duplizität von Vernunft und Verstand verführt im Alltag zur Alternative etwa in der Art "Ich mach das entweder jetzt oder nachher!"

Das Argment des Verstandes: es macht keinen Sinn, und es gibt auch keinen Grund, ein Vorhaben zu verschieben.
Ein Vorhaben, über das nicht sofort entschieden wird, wirkt wie ein Stolperstein. Für einen erneuten Anlauf benötigt man nur zusätzliche Ressourcen. Sofort erledigen ist besser als erst notieren.

Das Aufstellen von Alternativen ergibt sich aus dem Defekt der Duplizität von Verstand und Vernunft. Dieser schizoide Schub ist eine Folge des Verlustes des Werdens in der Zeit.

13
Dez
2009

gedanken glut


unverbunden
so
lange
die bilder

haushalten mit

tropfen im sekunden
takt

tiefer blicken
bildlos

bleiben
ausharren

glühend
schweigen


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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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