Unilogo

2
Aug
2011

Fortsetzung vom 01.08.2011

 
(Kritik Nietzsches an der Pädagogik - Exkurs)

"Wie wenig Vernunft, wie sehr der Zufall unter den Menschen herrscht, zeigt das fast regelmäßige Mißverhältnis zwischen dem sogenannten Lebensberufe und dem ersichtlichen Nichtberufensein: die glücklichen Fälle sind Ausnahmen wie die glücklichen Ehen, und auch diese werden nicht durch Vernunft herbeigeführt. Der Mensch wählt den Beruf, wo er noch nicht fähig zum Wählen ist; er kennt die verschiedenen Berufe nicht, er kennt sich selbst nicht; er verbringt seine tätigsten Jahre dann in diesem Berufe, verwendet all sein Nachdenken darauf, wird erfahrener; erreicht er die Höhe seiner Einsicht, dann ist es gewöhnlich zu spät, um etwas Neues zu beginnen, und die Weisheit hat auf Erden fast immer etwas Altersschwaches und Mangel an Muskelkraft an sich gehabt.

Die Aufgabe ist meistens die, wieder gutzumachen, ungefähr zurechtzulegen, was in der Anlage verfehlt war; viele werden erkennen, daß der spätere Teil des Lebens eine Absichtlichkeit zeigt, die aus ursprünglicher Disharmonie entstanden ist; es lebt sich schwer. Am Ende des Lebens ist man's aber doch gewohnt – dann kann man sich über sein Leben irren und seine Dummheit loben: bene navigavi cum naufragium feci, und gar ein Preislied auf die »Vorsehung« anstimmen.

Ich frage nun nach der Entstehung des Philologen und behaupte

1. der junge Mensch kann gar nicht wissen, wer Griechen und Römer sind,
2. er weiß nicht, ob er zu ihrer Erforschung sich eignet,
3. und erst recht nicht, inwiefern er sich mit diesem Wissen zum Lehrer eignet. Das, was ihn also bestimmt, ist nicht Einsicht in sich und seine Wissenschaft, sondern
a) Nachahmung,
b) Bequemlichkeit, dadurch, dass er forttreibt, was er auf der Schule trieb,
c) allmählich auch die Absicht auf Broterwerb.

Ich meine, 99 von 100 Philologen sollten keine sein."

Und weiter:

„Da aber die Philologen vornehmlich mit Hilfe des griechischen und römischen Altertums erziehen, so könnte die im ersten Falle angenommene Mangelhaftigkeit ihrer Einsicht einmal darin sich zeigen, dass sie das Altertum nicht verstehen; zweitens aber darin, dass das Altertum von ihnen mit Unrecht in die Gegenwart hineingestellt wird, angeblich als das wichtigste Hilfsmittel der Erziehung, weil es überhaupt nicht oder jetzt nicht mehr erzieht. Macht man ihnen dagegen die Ohnmacht ihres Willens zum Vorwurf, so hätten sie zwar darin volles Recht, wenn sie dem Altertum jene erzieherische Bedeutung und Kraft zuschreiben, aber sie wären nicht die geeigneten Werkzeuge, vermittels deren das Altertum diese Kraft äußern könnte, das heißt: sie wären mit Unrecht Lehrer und lebten in einer falschen Stellung: aber wie kamen sie dann in diese hinein? Durch eine Täuschung über sich und ihre Bestimmung. Um also den Philologen ihren Anteil an der gegenwärtigen schlechten Bildung zuzuerkennen, könnte man die verschiedenen Möglichkeiten ihrer Schuld und Unschuld in diesen Satz zusammenfassen: Drei Dinge muss der Philologe, wenn er seine Unschuld beweisen will, verstehen, das Altertum, die Gegenwart, sich selbst: seine Schuld liegt darin, dass er entweder das Altertum nicht oder die Gegenwart nicht oder sich selbst nicht versteht.“


Friedrich Nietzsche: Werke in drei Bänden. Band 3, herausgegeben von Karl Schlechta. München: Hanser, 1954. Band 3, S. 323-332.


 

1
Aug
2011

Kritik Nietzsches an der Pädagogik (Exkurs)

 
"Man mache sich nur einmal mit der pädagogischen Literatur dieser Gegenwart vertraut; an dem ist nichts mehr zu verderben, der bei die-sem Studium nicht über die allerhöchste Geistesarmut und über einen wahrhaft täppischen Zirkeltanz erschrickt. Hier muss unsere Philoso-phie nicht mit dem Erstaunen, sondern mit dem Erschrecken begin-nen: wer es zu ihm nicht zu bringen vermag, ist gebeten, von den pädagogischen Dingen seine Hände zu lassen."

Die Begründung Nietzsches für diesen Missstand in der Pädagogik fällt scharf aus:

"Dass es aber trotzdem nirgends zur vollen Ehrlichkeit kommt, hat seine traurige Ursache in der pädagogischen Geistesarmut unserer Zeit; es fehlt gerade hier an wirklich erfinderischen Begabungen, es fehlen hier die wahrhaft praktischen Menschen, das heißt die-jenigen, welche gute und neue Einfälle haben und welche wissen, dass die rechte Genialität und die rechte Praxis sich notwendig im gleichen Individuum begegnen müssen: während den nüchternen Praktikern es gerade an Einfällen und deshalb wieder an der rechten Praxis fehlt."


Quelle: Nietzsche, Friedrich: Sämtliche Werke : kritische Studienausgabe in 15 Bänden / hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. [Bd. 1-13 mit Vor-bem. von Mazzino Montinari, Bd. 1-6, 11 und 13 mit Nachw. von Giorgio Colli, übers. von Ragni Maria Gschwend]. - Dünndruck-Ausg. - München : Deutscher Taschenbuch Verlag ; Berlin ; New York : de Gruyter, 1980. - (dtv ; [5977]) Bd. 1. Die Geburt der Tragödie. Unzeitgemäße Betrachtungen I-IV. Nachgelassene Schriften 1870-1873. - 924 S.
Darin im Abschnitt "Basler nachgelassene Schriften 1870-1873": Zwei öffen-tliche Vorträge über die griechische Tragödie [Erster Vortrag: Das griechische Musikdrama. Zweiter Vortrag: Socrates und die Tragödie]. Die dionysische Weltanschauung. Die Geburt des tragischen Gedankens. Sokrates und die griechische Tragödie. Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten. Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen Büchern [Über das Pathos der Wahrheit. Gedanken über die Zukunft unserer Bildungsanstalten. Der griechische Staat. Das Verhältnis der Schopenhauerischen Philosophie zu einer deutschen Cul-tur. Homer's Wettkampf]. Ein Neujahrswort an den Herausgeber der Wo-chenschrift "Im neuen Reich". Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen. Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne. Mahnruf an die Deutschen.

 

31
Jul
2011

Eigentliche Schwierigkeit des Lehrens

 
Die eigentlichen Schwierigkeiten der Pädagogik bestehen letztlich darin, nichts 'Greifbares' in Händen zu haben.

Die meisten Pädagogen und Pädagoginnen wollen das nicht wahrhaben und versteigen sich in absurden pseudowissenschaftlichen Begrifflichkeiten. Es ist nicht ganz verständlich, warum sie nicht offen zugeben können, dass in der Pädagogik einzig und allein Beispiele und Vorbilder zählen.

Pädagogik ist als Kunst des Lehrens ganz allein eine praktische Angelegenheit. Weil aber praktisch nicht umsetzbar ist, was theoretisch nicht gewusst wird, schließt die praktische Begabung des Pädagogen eine hohe philosophische Begabung mit ein. Er muss sich ständig etwas Neues "ausdenken" und damit schöpferisch bleiben. Schließlich ist seine Vernunft die einzige Quelle, aus der er täglich schöpfen kann.

Auf den Punkt gebracht: Die eigentlichen Schwierigkeiten der Pädagogik liegen in Philosophie und Kunst.

So müssten sich Schule und Hochschule die Lehrerausbildung teilen; der einzige Sinn in der Bildung ist die Kraft, aus der Theorie Praxis zu schöpfen. Verwechselt man wie heutzutage immer noch Bildung und Ausbildung bzw. Theorie und Praxis, dann entsteht jener Murks, welchen der Philosoph Friedrich Nietzsche so sehr beklagt.
 

30
Jul
2011

Lehren setzt Selbst-Befreiung voraus : Informieren

 
Leider waren die Projekte mit wenigen Ausnahmen immer davon abhängig, dass ich anwesend war. Selbst Studierende trauten sich das ohne mich bald nicht mehr zu. Da nur einige Lehrer diese Idee des Selbstunterrichtens übernahmen, konnte sich die Idee nicht durchsetzen, obgleich deren Verwirklichung immer erfolgreich war, aber eben fast nie ohne meine Mitwirkung.

Vergleiche mit ähnlichen Versuchen im In- und Ausland zeigen, dass so etwas immer personenabhängig bleibt, solange keine entsprechende eigene Schule hierfür gegründet werden kann.

Hieraus lassen sich auch erhebliche Einschränkungen für alle Versuche, das Vermögen zum Selbstunterricht zu vermitteln, ableiten. Aus der Philosophie habe ich jedoch gelernt, dass jeder vernünftig denkende Mensch selbst auf eine solche Idee kommen und diese auch in seinem Bereich verwirklichen kann.

Also kommt es wesentlich darauf an, diese Vernunft zu wecken!

informiert-wacher
 

29
Jul
2011

Lehren setzt Selbst-Befreiung voraus : Delegieren

 
Wenn bei der Vermittlung von Information darauf geachtet werden soll, dass dadurch zugleich erzogen und gebildet werden soll, dann fällt die Initiation einfachen Vor- und Nachmachens von vornherein aus. Wenn beispielsweise der Wert „Selbständigkeit“ höchste Priorität hat, dann muss diesem auch durch Selbsttätigkeit der Lernenden entsprochen werden. Sie sollen demnach selbst herausfinden, worum es geht und was sich davon unbedingt angeeignet werden soll.

Ich habe das viele Jahrzente in verschiedenen Schularten, aber vor allem in Grundschulen erfolgreich ausprobiert, indem ich Kinder und Jugendliche sich selbst unterrichten ließ.

Überrachend dabei war doch, wie wenig Schwierigkeiten Kinder damit hatten, sich auf Unterricht vorzubereiten, Untericht durchzuführen und diesen auch aufgrund ihrer damit gesammelten Erfahrungen auszuwerten. Nachdem sie anfänglich den ihnen vertrauten Unterricht ihrer Lehrerin nachahmten, fanden sie doch bald ihren eigenen Stil. Ich habe dabei selbst erfahren, dass alle Erklärungskunst nichts nützt. Das Vertrauen in das Selbstvertrauen der Kinder und Jugendlichen stellt die wesentliche Voraussetzung für ein Gelingen dar. Selbst bei Kindern, die sich anfänglich nichts zutrauten, wuchs das Vertauen angesichts dessen, was sie bei ihren Mitschülern beobachten konnten.
 

28
Jul
2011

Lehren setzt Selbst-Befreiung voraus : Verändern

 
Mein großer Vorteil besteht darin, dass ich vor meiner Hochschullehre nie etwas mit Lehrerausbildung zu tun hatte. Ich sollte also Lehrer ausbilden, ohne die geringsten praktischen oder theoretischen Erfahrungen für diesen Beruf mitzubringen. Aber ich hatte gründlichst Philosophie studiert und wusste genau, wie klare Gedanken in Handeln überführt werden.

Natürlich interessierte mich die Frage nach gutem Unterricht brennend. Um möglichst rasch eine Antwort zu finden, suchte ich Schulen, an denen ich unterrichten durfte. Das klappte sofort und ich begann intensiv über die Planung, Durchführung und Analyse nachzudenken.
 
Sehr bald fand ich folgende Gleichung:
 
unterrichten
 
Wie aber lässt sich diese Gleichung auf die Praxis von Unterricht hin ableiten?
 

27
Jul
2011

Lehren setzt Selbst-Befreiung voraus : Demonstrieren

 
Information ist ein Bild, das eine Vorgehensweise zum Ausdruck bringt oder noch viel besser: ein Handeln, das eine Vorgehensweise demonstriert.

Man kann auch sagen: Bereits eingeprägte Information ist eine Momentaufnahme einer Handlung. Diese Momentaufnahme kann künstlerisch, wissenschaftlich oder vor allem alltagssprachlich gegeben sein.
 
Handlungsanweisung
 
Wichtig ist, dass der Lernende sofort erkennt, was zu tun ist. So ist es Aufgabe der Lehrenden, Begriffe nicht einfach vorzugeben sondern in Information umzuwandeln.
 

26
Jul
2011

Lehren setzt Selbst-Befreiung voraus : Offenlegen

 
Jetzt allerdings wird es höchste Zeit, hier erst einmal auf die eigene Art und Weise, Information zu vermitteln, einzugehen.
Ich bin das typische Beispiel dafür, warum hinter Erziehung immer auch Selbst-Erziehung steckt.
 
informieren-erziehen
 
Ich will informieren, also auch erziehen. Der Hintergrund hierfür bildet eine Jahrzehnte lange Hochschulpraxis der Ausbildung von Lehrern. Ich habe diese Praxis nicht angestrebt, weil ich sie gut finde, sondern vielmehr deshalb, weil meiner Ansicht nach Vieles im Argen liegt. Also liegt klar auf der Hand: Ich wollte etwas verbessern. Und weil sich in ein paar Jahrzehnten nicht durchgreifend verändern kann, was über Jahrhunderte oder gar Jahrtausende hindurch mit mehr oder weniger fester Hand ausgeprägt wurde, geleitet mich diese Absicht auch weiterhin und somit auch wesentlich diese Darstellung.

So bemühe ich mich, keine unverdauten Halbbegriffe zu übernehmen. Ich möchte das wissenschaftliche Scheingehabe, das viele betreiben, nicht fortsetzen. Also versuche ich nur Begriffe zu verwenden, die ich vorweg auch selbst erklärt habe.
 

25
Jul
2011

Lehren setzt Selbst-Befreiung voraus : Handeln!

 
Sich nicht nach dem Manipulationsgehalt von Information zu fragen, ist eine weit verbreitete Nachlässigkeit mit den Folgen unvorhersehbarer Agressionen.

Wenn Jugendliche bereits unkontrolliert um sich schlagen, dann ist es zu spät.

Wenn Sie beispielsweise als „neuer“ Lehrer auf eine sehr aggressive Lerngruppe stoßen, so ist das Verkehrteste, was Sie machen können, mit Unterrichten zu beginnen. Hüten Sie sich vor dämlichen Ankündigungen über Ihre Art und Weise zu unterrichten, womöglich gar auch noch anders als ihre Kollegen zu unterrichten. Unterlassen Sie jegliches didaktische oder methodische Geschwätz! Handeln Sie doch einfach.
 

24
Jul
2011

Lehren setzt Selbst-Befreiung voraus

 

Lehren geht mit Erziehen einher. Die Art und Weise Information zu vermitteln schließt Beeinflussung ein. Insofern steckt darin zugleich die Möglichkeit zur Manipulation. Wer sich auf die Vermittlung von Information einlässt, muss sich das unbedingt klar machen. Während er sich mit der Aufbereitung der Information beschäftigt, sollte er also für sich klären, welches Mittel zum Zweck welcher Manipulation diese Information ist.

Viele Lernende reagieren aggressiv, wenn sie mehr oder weniger bewusst oder unbewusst spüren, dass sie manipuliert werden sollen. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob der Lehrende das bewusst oder unbewusst tut.
 

23
Jul
2011

Wer Vorurteile hat, kann weder lehren noch lernen!

 

Vorurteile-Lehren
 

„Natürliches Lehren und Lernen“ bedeutet vor allem eine möglichst vorurteilsfreie Begegnung mit Lernenden und natürlich darüber hinaus unvoreingenommenes Wahrnehmen. Zu diesem Zweck ist es erforderlich, sich auf die vielfachen Arten und Weisen des Wahrnehmens überhaupt erst einmal einzulassen und zu trainieren. 

Diese Befreiung von bedrückenden Vorurteilen geht mit der beglückenden Erfahrung von Selbstbefreiung einher. Jedoch ist dies leichter gesagt als getan, denn der Weg dorthin ist nicht frei von Stolpersteinen. Aber sie lassen sich Schritt für Schritt aus dem Weg räumen, vorausgesetzt, Sie unterziehen sich der Mühe und führen die angebotenen Übungen (Exercises) auch schrittweise durch.
 

22
Jul
2011

Fortsetzung von 21.7.2011

 
Die eigene Vorgeschichte beeinflusst das, worauf wir uns einlassen und lässt es uns selbst gefällig erscheinen. Wir setzen uns alle recht unterschiedlich mit den Dingen auseinander. Jeder von uns lernt demnach unterschiedlich. Lehrende stehen somit vor der Schwierigkeit, ihre Inhalte so zu vermitteln, dass Lernende diese auf geeignete Weise für sich zurechtlegen können. Erst dann und nur dann wird Lehre interessant. Dahinter scheint sich ein kaum einlösbarer Anspruch zu verbergen.
 
Uninteressantes_nicht_zu_lernen
 
Viele Lehrende schaffen das nicht und stoßen deshalb auf uninteressierte Schüler. Bei solchen Schülern allerdings verflüchtigt sich das Desinteresse, sobald sie mit Lehrern zu tun haben, die sie (noch) zu begeistern vermögen. Die Begeisterung wird geweckt, weil plötzlich das Gefühl da ist, wieder ernstgenommen zu werden. Wie aber schaffen diese Lehrer das?

Begabte Lehrer zeigen alles, was sie sagen. So kann sich jeder ‚seinen eigenen Reim machen’ auf das, was ihre Beispiele zeigen. Wenn uns keine Zeit gelassen wird, die Dinge, mit denen wir zu tun haben, für uns zu bewerten, werden diese für uns uninteressant und somit schnell ‚vergessen’.

Das geistige Wahrnehmen gestaltet das, was sich sinnlich vernehmbar und gefühlsmäßig bewertet präsentiert und legt es für den Wahrnehmenden auf geeignete Weise zurecht. Jeder kennt das: Was wir negativ bewerten, nehmen wir anders wahr als das, was wir positiv bewerten. Untersuchungen zeigen, dass Leute, die Beamte oder Bauarbeiter als faul bezeichnen, Beamte oder Bauarbeiter vor allem dann wahrnehmen, wenn sie gerade Pause machen. Umgekehrt nehmen Leute, die Beamten und Handwerkern gegenüber positiv eingestellt sind, diese vor allem bei der Arbeit wahr.[1]

Vorurteile verzerren die Wahrnehmung. Lehrer, die von Lernenden Positives erwarten, nehmen diese auch positiver wahr.

Es darf nicht sein, dass einfallsreichere Schüler anders wahrgenommen werden als einfallsarme. Wer also erfolgreich lehren will, muss selbst vorweg erst einmal das vorurteilsfreie Sehen lernen. Diese Fähigkeit sprechen sich Studierende, die Lehrer werden wollen, mit großer Hartnäckigkeit ab. Sie bestreiten dieses Wahrnehmungsvermögen schlichtweg.
 

[1] Negative Gedanken sind eine Form von Vorurteilen. Und dass diese Einfluss auf unsere Wahrnehmung haben, ist wissenschaftlich bestätigt. Vor zwei Jahren hat eine Untersuchung der Universität von Toronto folgendes ergeben: Wer der Auffassung ist, andere Menschen würden einen vorschnell einem Klischee zuordnen, nimmt vorrangig genau jene Anzeichen wahr und interpretiert dementsprechend. Dies führt für die entsprechende Person zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung: University of Toronto. "Expecting To Be Treated With Prejudice May Be Self-fulfilling Prophecy, Study Suggests., June 2008"
 

21
Jul
2011

2 Nicht belehren, sondern zeigen

 
Die beste Art, etwas zu lernen, ist, es selbst herauszufinden. Wer etwas finden will, muss suchen können. Und wer etwas entdecken will, muss gut hinsehen lernen. Dazu brauchen wir jemanden, der uns das zeigt. Sehen lernen bedeutet zunächst einmal Wahrnehmen erfahren, empfinden, dass Wahrnehmen sich dreifach vollzieht: körperlich, seelisch, geistig. Das körperliche Wahrnehmen erfasst etwas so wie es sich den Sinnen zeigt. Das seelische und das geistige Wahrnehmen kommentieren das gefühls- und verstandesmäßig, was sich den Sinnen zeigt.

lehren_als_entdeckenlassen

Die Folge sinnliches Wahrnehmen, Empfinden bzw. Fühlen und vernünftiges Deuten des Wahrgenommenen organisiert sich als Bewusstwerden. Inhalte des Bewusstseins sind folglich immer schon von uns vor- bzw. unbewusst zurechtgemacht’, bevor wir sie wirklich erfassen.

20
Jul
2011

1.2 Summa Summarum

 

1.2 Summa Summarum


Lernen geschieht als Veränderung des Verhaltens allmählich und vor allem durch Übung bzw. Wiederholung.
     
  1. Es ändert sich das Wahrnehmen. Höhere Aufmerksamkeit bewirkt genaueres Hinsehen, und höhere Konzentration ermöglicht eine trennschärfere Auslegung des Wahrgenommenen. So werden Oberflächlichkeit und Nachlässigkeit reduziert, und das, worauf es tatsächlich ankommt, gerät schärfer in den Blick.
  2. Es ändert sich das Betrachten. Durch weniger Flüchtigkeit werden Fehler geringer. Man lässt sich mehr Zeit.
  3. Es ändert sich das Beobachten. Zusammenhänge werden eher erkannt und klarere Schlüsse gezogen. Insofern kann auch schlüssiger geurteilt werden.
  4. Es ändert sich das Begreifen. Vorschnelle Schlussfolgerungen bleiben allmählich aus, und Wahrnehmungen unterliegen weniger Vorurteilen.
Eine wünschenswerte Nebenwirkung besteht darin, dass alle diese Vorgänge mit größerer Ruhe und Selbstzufriedenheit ablaufen.Die Selbstsicherheit nimmt zu.

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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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