Unilogo

3
Jan
2012

Hinauf geht’s hinunter

 

© urs

Der Weg, ein Engpass, der steil hinab in die Tiefe des Verborgenen führt, erscheint ihnen unheimlich. Obgleich sie das Geheimnisvolle in gleicher Weise ängstigt wie magisch anzieht, versuchen sie es trotz aller Faszination zu meiden.

Um aber der Versuchung zu entgehen, einen Abstieg dennoch zu wagen, lassen sie sich durch den Verstand einreden, dass das alles gar nicht existiert oder doch wenigstens nur traumhaft da ist. Weil sie sich mit der Seele noch wenig auskennen, übergehen sie die schwachen, rätselhaften Signale aus der Tiefe.

So nähern sie sich neugierig dem alten kunstvollen schmiedeeisernen Tor. Dieses öffnet sich vor ihnen wie von Geisterhand geführt. Und unmittelbar hinter dem Tor werden sie wie gewöhnlich von der großen lichten Gestalt in weißem Gewand erwartet. Ihnen ist klar, dass sie die geheimnisvolle Welt, die vor ihnen liegt, verwaltet. Und wie immer verbirgt sich diese Welt so lange im Dunkel ihrer Möglichkeiten, bis sie sich für ein Dasein entschieden haben. Diese Entscheidung wird wie jedes Mal erst im Zwiegespräch mit der Lichtgestalt fallen.

Schon viel zu oft, hat sich der Verstand zurückgehalten. Heute jedoch muss er es endlich loswerden. Er wendet sich der Fantasie und der Vernunft zu. “Ist Euch eigentlich schon einmal aufgefallen, dass sie uns wie Drei in Eins behandelt und mit uns wie mit einer einzigen Person umgeht.?” Die Vernunft beruhigt den Verstand. “Was wunderst du dich? Wir erscheinen doch tatsächlich als eine Gestalt, die sich nicht anmerken lässt, wer von dreien spricht. Du, die Fantasie und ich sind doch jene Dreiheit, welche unseren Geist ausmacht. Der Lichtgestalt fällt das natürlich nicht auf, da sie selbst ein dreifaltiges Geistwesen ist. Also betrachtet sie uns wohl als ihresgleichen!”

Der Verstand erkennt jetzt, dass sich seine Existenz wohl gänz­lich anders gestaltet als von ihm angenommen.

Wie auch immer, sie können sich nie sicher sein, ob sie überhaupt empfangen werden. Die Bereitschaft des Lichtwesens, sie zu empfangen, hängt davon ab, ob sie sich nach den Regeln gerichtet haben. Bereits geringe Verstöße ahndet sie. Eine Begegnung fällt dann aus. Solche Maßregelungen können dann Tage dauern.

Bislang haben sie jedoch keine Möglichkeit gefunden, um begangene Nachlässigkeiten wieder gutzumachen. Sie leiden sehr darunter, wenn andere ihnen gegenüber ihre Missachtung durch Schweigen ausdrücken. Dabei konnten sie oft genug miterleben, wie Freunde es fertigbekommen, sich oft wegen Kleinigkeiten über Jahre zu meiden. So rechnen sie sogar manchmal damit, dass sie die Möglichkeit, der Lichtgestalt zu begegnen, verlieren.

Wider alle Erwartung ist sie dann doch da, um sie zu empfangen und Schutz vor draußen zu gewähren, denn sie weiß sehr wohl, dass die Drei die Abgeschlossenheit einer Klause brauchen, um in Ruhe nach ihrem Bild oder einem Wort, das sie dorthin führt, zu suchen.
 

2
Jan
2012

Vertraut verkehrt

 

© urs

Die erwähnte Geschichte verdankt ihren Anfang einem Gewohnheitsfehler. Nicht selten erscheint nämlich bisweilen das, was etwas ehrfürchtig Tradition genannt wird, nur als eine Folge niemals hinterfragter Gewohnheitsfehler.

„Das wurde schon immer so gemacht. Das machen wir
immer so! Und das werden wir auch in Zukunft so machen!“

Erziehung gehört zu den typischen Fortsetzungsgeschichten der Gewohnheitsfehler. Hat man, wie es sich von jeher in der Familie gehört, mit christlicher Erziehung einmal angefangen, dann nehmen die vorgesehenen Events auch ihren Lauf: Taufe, Kommunion, Hochzeit, Krankensalbung, Bestattung, alles unter der steuerpflichtigen Obhut einer Kirche.

Auch die Geschichte, um die es hier gehen wird, beginnt mit einem dieser Events, der sogenannten Kommunion, die kirchlicherseits sicherlich nicht so gemeint ist wie sie von den Kindern in ihrer spielerischen Fantasie gehandhabt wird.

Ausgerechnet an jenem Tag, an welchem diese Erzählung beginnt und sich die Fantasie entschließt, in ihre Geschichte zurückzukehren, besteht wenig Aussicht auf Klarheit.

Neuronale Nebel breiten sich fast über das gesamte Gebiet des Bewusstseins aus. Hier und da verflüchtigt sich der Nebel so, dass er sogar zeitweilig in Dunst übergeht, und bei der Vernunft, welche die Fantasie begleitet, die Hoffnung aufkommen lässt, über bloßes Sehnen hinaus zu gelangen.

Die Fantasie aber lässt sich durch solche Sichtverhältnisse nicht stören. Das starke Licht ihres Bilderlebens vermag auch den dichtesten Nebel zu durchdringen, um kräftige Bilder hervorscheinen zu lassen.

Diese Bilder werden durch den Verstand wahrgenommen, betrachtet und existentiell günstig gedeutet bzw. so zurecht gelegt, dass sie wenigstens erträglich, wenn nicht sogar erfreulich erscheinen.

Mit dem Verstand ist die muntere Gruppe der Utopisten vollständig. Fantasie, Vernunft und Verstand bezeichnen sich natürlich selbst nicht so. Die Tatsache, dass sie sich unterwegs nach Utopia befinden, ist für die drei noch längst kein Grund, für sich daraus eine Ideologie zu machen.

Utopia[1] ist ein Land, das zwar noch weit von der Wirklichkeit entfernt liegt. Aber da in dieser Gegend die Quelle aller schöpferischen Kräfte liegt, erscheint für die Fantasie, die Vernunft und den Verstand kein Weg dorthin zu weit.

Obwohl die drei bereits länger unterwegs sind, fragen sie sich erst jetzt, wer sie eigentlich auf die Idee gebracht hat, sich auf dieses Abenteuer einzulassen.

Der Verstand vermutet, dass es jene göttliche Begegnung war, welche kindlicher Glaube als wirklich behauptet.

Und jetzt erinnert sich die Fantasie daran, wie begeistert sie damals war, diesen Gott selbst gestalten zu können. Die Vernunft betrachtet das von ihrer Erziehung her überaus kritisch. Es gehört sich nämlich nicht, sich ein Bild von Gott zu machen. Mit der Zeit allerdings muss jedoch auch sie zugestehen, dass die Bilder der Fantasie eine wertvolle Hilfe sein können.

Fantasie, Vernunft und Verstand sind sich einig, dass es am Abend des Kommunionstages war, als sie sich auf den Weg nach Utopia machten.

Ja, und genau an diesem Abend ist ihnen auch jene lichte Gestalt, welche sie nun erneut zu treffen hoffen, zum ersten Mal begegnet. Die drei wissen letztlich nicht, warum, aber sie sind sich sicher, dass diese Lichtgestalt die Grenze zwischen Topia[2] und Utopia schützt.

Für den Verstand bedeutet das Überschreiten dieser Grenze immer noch eine kleine Muprobe, fühlt er sich doch allein in Topia wirklich sicher. Schließlich ist es seine Sache nicht, das Gebiet des Wissens verlassen zu müssen, nur um sich auf das unsichere Feld des Glaubens einzulassen. Aber da er wesentlich zur Fantasie und Vernunft gehört, bilden sie doch gemeinsam die Dreiheit[3] “Geist“, muss er sich darauf einlassen.

Aber er wird doch jene Feste vermissen, die Exstasen[4] genannt werden, und die seiner Ansicht nach nur bei ihm zu Hause in Topia so richtig gefeiert werden können.

Exstase oder Einsicht[5], die als Licht der Erkenntnis des Außer-sich-seins in die Dunkelheit scheint, bleibt in Utopia, dem Reich der Fantasie, aus.

Des­halb sieht sich die Fantasie aufgefordert, den Verstand durch ihre Kunst der Verführung aus der Enge fehlender Bilder zu befreien.

Der Wille, der mit ihr gemeinsam in Topia der Trübsal trotzte, fordert nun die Energie des Widerstands heraus. Beide wollen sie nämlich nicht einfach akzeptieren, was ist und schon gar nicht, wie es ist, was da ist.

Sie scheinen Glück zu haben, gibt es doch für sie jenen Augenblick, welchen man auch den günstigen oder rechten Augenblick nennt. Dieser nähert sich als Vorscheinen einer helfenden schöpferischen Idee.

Die Fantasie liebt das Spiel mit Bildern, und es ist für sie ein Leichtes, schöne Bilder zu einer Idee zu binden. Schließlich ist das Bilderleben ihr Leben. Weil an diesen Bildern zugleich sowohl Vernunft als auch Verstand beteiligt sind, wird es “Denken” genannt.

Fantasie , Vernunft und Verstand machen sich gemeinsam als neuronale Kleingruppe auf Weg des Denkens.

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[1] οὐτοπία utopía „der Nicht-Ort“
[2] τόπος topos „Ort, Gemeinplatz”
[3] Tripel (Fanasie, Vernunft, Verstand) oder (Bilderleben, Bilder-Leben, Bild-Erleben)
[4] έκσταση
[5] εξέταση (κάποιας υπόθεσης, ιατρική)
 

1
Jan
2012

Natürlich echt

 

© urs

Natürliches, echtes Denken bleibt uns zunächst verborgen. Wir finden uns nämlich schon immer erzogen vor. Wir versuchen so zu sein wie wir sein sollen. Niemand fragt uns, ob wir das auch wollen, was wir sein sollen.

Es scheint so, dass die Natur uns keine Wahl lässt. Schließlich sind wir auf Erziehung angewiesen. Uns fehlt jegliche Ausstattung, um allein zurecht kommen zu können. So müssen wir annehmen, was uns gegeben wird. Und das ist nicht als Geschenk gedacht, sondern geschieht aus einer Fürsorgepflicht heraus.

Wer ein Lebewesen erzeugt, muss auch für es sorgen. Das gilt unter allen Herdentieren als ungeschriebenes Gesetz. Die gesetzliche Fürsorgepflicht wirkt prägend. Der Prägestempel des Charakters wird aufgedrückt.

Bevor wir überhaupt in der Lage sind, uns selbst zu regeln, werden wir auf vorgegebene Sollgrößen hin eingeregelt. Wenn wir diesem Mechanismus entkommen wollen, müssen wir uns im Ungehorsam üben. Statt einfach nur alles zu befolgen, müssen wir von Grund auf alles in Frage stellen.

Wenn sich das Ich jemals aus entfremdetem Selbst befreien will, muss es aus seinem Leben eine Geschichte des Ungehorsams machen.

Eine Anleitung zu solcher Rebellion hält gewöhnlich jedes Gehirn von Natur aus vor. Spätestens mit der Pubertät ist die Zeit gekommen, zur Selbstbefreiung aufzurufen. Pubertät ist jener neuronale Gewaltakt, welcher für die Empörung der Seele über alle ausfgedrückten Verhaltensmuster sorgt. Schließlich befinden sich alle neuronalen Netze im Umbruch. Über die Häfte erfährt sogar den totalen Zusammenbruch. Angesichts dieses inneren Krieges fällt es schwer, sich nach außen hin friedlich zu verhalten.

In den Zeiten totalen neuronalen Umbruchs bietet das Gehirn individuell angemessene Waffen für den persönlichen Freiheitskampf an. Äußerlich flüchtet sich die Fantasie in Abenteuergeschichten.

Abenteuerromane werden verschlungen. In solchen Abenteuern probiert sich die Fantasie aus, und bei schöpferisch begabten Wesen spielt sie mit vollem Risiko.

Die folgende Darstellung widmet sich einer solchen Geschichte. Neben der Fantasie gehören der Vernunft und dem Verstand weitere Hauprollen.
 

31
Dez
2011

Geist[1]

 

© urs

Aristoteles bezeichnet den Menschen als geistbegabtes Lebewesen. Das wird meistens verkürzt zu “vernunftbegabtes Lebewesen”. Diese Verkürzung auf eine bestimmte Bedeutung von νοῦς mündet allerdings in eine einseitige Betrachtung des Geistes als Vernunft und nicht etwa als Duplizität von Vernunft und Verstand.

Die Bedingung der Möglichkeit für geistige Tätigkeit ist ein Alphabet, um überhaupt zum Vorschein gelangen zu können. Aber auch die Natur verweist durch alle ihre Erscheinungen auf die Existenz eines Alphabets. Nämlich auf Operationen, die allem Wachsen gemeinsam sind. Es erscheint schlichtweg so, dass nicht Geist für die Ur-Information verantwortlich ist, sondern umgekehrt Ur-Information allererst Geist ermöglicht. Wahrscheinlich meint “Am Angang war das Wort” zu Beginn der Schöpfungsgeschichte genau diese Abfolge. Dennoch wohnt auch dem Entstehen des Alfabets hohe schöpferische Intelligenz inne. Dass dies alles aus spielerischen Zufälligkeiten hervorgegangen sein soll, erscheint kaum möglich. Vielleicht ist es sinnvoll, sich einmal auf folgende Spekulation einzulassen: Gesetzt den Fall, es existiert ein allumfassender schöpferischer Geist, den Religionen “Gott” nennen, warum teilt sich dann dieser Gott nicht jedem Wesen unmittelbar selbst mit? Das könnte schlichtweg daran liegen, dass wir entweder seine Zeichen nicht wahrnehmen oder als solche überhaupt nicht verstehen. Der zureichende Grund für solches Übersehen könnte aber auch in einer vollkommen falschen Erwartungshaltung liegen, etwa darin, dass wir erwarten, mit diesem Gott unmittelbar kommunizieren und uns mit ihm verständigen zu können. Gesetzt den Fall, dieser Gott teilt sich als Schöpfer einzig und allein durch seine Schöpfung mit, dann müssten wir schleunigst alle Vorstellungen von einem persönlichen Gott vergessen und auf alle Verkündigungen und Verkünder samt deren Gebote verzichten. Es würde dann exemplarisch genügen, Bäume oder wilde Tiere zu studieren, um deren allgemeine Aussage über das Leben verstehen zu lernen. Das wäre es dann auch schon gewesen. Hoch wahrscheinlich ist Gott tatsächlich kein Mittel zum Zweck der Absicherung und Beruhigung eigener Existenz.

Aber Materie allein schon als Ausdruck göttlicher Energie zu betrachten, scheint geistbegabten Wesen nicht auszureichen. Und doch bliebe nichts Anderes übrig, als den urgrundsätzlichen Geboten zu folgen:



In jedem Anfang beginnt das Ende.

Von Anfang an wird Werden geregelt. Durch Existieren wird solches Geschick wahrnehm­bar und innerhalb vorgegebener Grenzen beeinflussbar.

Werden wird absichtlos. Alles fällt Jetzt aus Vergangenheit zu. Zukunft ist Zufall.

Zweck wird durch Grund bestimmt, Wirkung durch Ursache, Wesen durch Eigenschaften, Art und Weise durch Umstand, Mittel durch Maß, Zeit durch Raum.

Am Anfang ist das Wort.

Werden wird durch Informieren von Energie. Diese Information gelangt als Materie zum Vorschein. Die Physik ermöglicht das Verstehen des Ur-Alphabets, das vor allem Anfang ist.

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[1] griechisch: νοῦς
 

30
Dez
2011

Alphabet

 

© urs



Alphabet


29
Dez
2011

Metaphysik

 
metaphysik

© urs

Das Erste ist der Grund der Form, der Materialgrund, aus dem sich alles als dessen Zweck gestaltet. Alles, was ist, scheint als Zweck dieses Ur-Grundes hervor.

Das Werden ist Vorscheinen des Grundes.

Dieser Vorschein vermittelt nur dem Anschein nach Sein. In Wahrheit ist alles Seiende Werdendes. Mit der Erfahrung der Konstituenten des Werdens (Kategorien) erfährt sich die Vernunft zugleich auch als Verstand. Das Staunen wird zur Sehnsucht zu wissen und nicht mehr nur zu glauben.

Der Verstand ist gleichsam die ordnende gestalterische Kraft des Geistes, während die Vernunft dessen spielerisch gestaltende Kraft darstellt. Vernunft und Verstand sind folglich gleichsam die beiden ‘Seiten des Geistes’. Der Zwiespalt zwischen Glauben und Wissen ist also von Natur aus angelegt, und damit die ständig präsente Notwendigkeit, sich zu einigen. In der Regel aller­dings wird der Verstand durch die Vernunft auf das vorbereitet, was geistig zu tun und seelisch oder körperlich zu tragen ist.

Vor Questia liegt eine ganze Tafel Schokolade. Und Questia liebt Schokolade! Questias Verstand sagt, dass sie die Schokolade essen kann, dass sie gut schmeckt und sie sich danach besser fühlt. Questias Vernunft aber wendet ein, dass es unvernünftig wäre, gleich die ganze Tafel zu essen. “Du solltest erst einmal nur ein Stück nehmen und den Rest aufbewahren!“ Questia hat verstanden und gibt ihr gieriges Vorhaben auf.

In diesem Fall wird das Vorhaben durch ein Bedürfnis ausgelöst. Weil über das Verhalten schnell entschieden werden soll, schaltet sich spontan der Verstand mit einem Vorschlag ein, der auf einem Erfahrungmuster beruht, das der Vernunft sogleich plausibel erscheint. Ist dagegen eine geistige Anforderung Anlass für eine Verhaltensmöglichkeit, dann bewirkt diese unmittelbar das Aktivieren des Verstandes. In der Schule ist also in Unterrichtsstunden, z.B. Mathematikstunden, der Verstand gefragt, weil es nicht mehr darum geht, was vernünftig oder unvernünft ist, sondern vielmehr darum, ein Problem zu lösen. Für Problemlösungen oder für das Verstehen von Zusammenhängen aber ist die Vernunft nicht zuständig. Eigentlich wirkt die Vernunft gewöhnlich erst dann, wenn der Vestand sie darauf vorbereitet, indem er eine Situation analysiert hat.

Als Gesamtheit des Erfahrungswissens ist das Gewissen die Führungsgröße des Verstandes, welche jeweils das Soll vorgibt. Diese Sollgröße wird gewöhnlich nicht mehr diskutiert, sondern gilt als unfragliche Vorgabe. Der Verstand reflektiert auf eine gegebene Menge von Werten und Normen, von Regeln und Gesetzen, von Empfehlungen und Vorschriften oder von Anordnungen und Verordnungen.

Das was sich im Bewusstsein als Verstand spiegelt, ist im Grunde eine Analogie zur Grund-Information aller Elementarteilchen und der durch sie geprägten Strukturen und Systeme.

Die Grund-Information[1] initiiert mittels acht bzw. 4 mal 2 Formen des Ordnens:

die faktische Information durch Zuordnen von Eigenschaften und Einordnen in das entsprechende Wesen,

die temporale Information durch Vorordnen (Vergangenheit) und Nachordnen (Zukunft) relevanter Veränderungen,

die hierarchische Information durch Überordnen von Mengen, Strukturen oder Systemen und durch Unterordnen entsprechender Elemente oder Momente,

die lokale Information duch Anordnen der Teile zu einem Ganzen und Beiordnen ähnlicher oder gegensätzlicher Teile.

Aufgrund der temporalen Information geht Etwas einem Etwas voraus, und Etwas folgt auf Etwas.

Aufgrund der hierarchischen Information wird Etwas als Teil von Etwas gestaltet. Infolgedessen besteht jedes Ganze aus Teilen, und jedes Etwas ist wiederum Teil von Etwas.

Und aufgrund der lokalen Information ist Etwas mit Etwas verbunden, wenn es sich um Gleiches oder Ähnliches handelt, oder unverbunden, wenn Etwas zu Etwas unterschiedlich oder gar gegensätzlich ist.

Der achtfachen bzw. vier mal zweifachen Grundinformation inhärieren die Kräfte des Bindens und Lösens bzw. Anziehungskraft und Fliehkraft und die Kräfte des Hinzufügens und Wegnehmens bzw. des Stärkens und Schwächens. Diese vier Kräfte gelten als Grund­kräfte der Physik. Sie sind dafür verantwortlich, dass sich bestimmte Teilchen untereinander anziehen, abstoßen oder auf eine andere Weise wechselwirken können. Diese vier Kräfte sind die Gravitation (Binden oder Lösen), die elektromagnetische Kraft oder Wechselwirkung (Anziehen oder Abstoßen), die starke (Binden) und die schwache (Lösen bzw. Zerfallen) Kernkraft. Im Verstand begründen diese vier Kräfte die Grundrechenarten und innerhalb der Neuronen sorgen sie für entstehende und vergehende neuronale Beziehungen oder Verknüpfungen.

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[1] lat. informare „bilden“, „eine Form, Gestalt, Auskunft geben"
 

28
Dez
2011

Lichtung

 
lichtung

© urs

Als baumfreie Fläche inmitten eines Waldes ist die Lichtung hier ein Bild für eine offene Stelle[1] im Denken. Der Fülle des Bilderlebens entnommene Bild-Erlebnisse werden in einem zeitlich und räumlich begrenzten Erfahrungsraum belichtet. Bilderleben braucht die richtige Umgebung, die rechte Zeit und den geeigneten Ort, um einsichtige Bilder freigeben zu können. Einsicht ist immer von der augenblicklichen Umgebung des Denkens abhängig. Diese schafft erst die Bedingungen ihrer Möglichkeit. Einsicht ist die jeweilige Lichtung inmitten des Dunkels gewachsener unbewusster und vorbewusster Erfahrungen, ein lichter Augenblick des Bewusstwerdens, in dem sich ein beeindruckendes Bild zeigt und Erkennen schenkt. Die Lebensumstände prägen das Hervorscheinen helfender Bilder. Der Anfang eines Wesens ist der maßgeblich bestimmende Beginn seines Werdens und dessen vorbestimmtes Ende. Im Anfang jeweiligen Werdens wird das Geschick des einzelnen insofern geboren, da sich das Gehirn nur innerhalb dessen entwickeln kann, was ihm von Zuhause vorgegeben ist. Insofern fällt kein Apfel weit vom Stamm und Vieles von dem, was ein Wesen für selbst verschuldet hält, ist in Wahrheit das, was ihm mit auf den Weg gegeben ist. Aber wir haben eine Wegbegleiterin, die uns unsere Welt verstehen lässt, ohne dass wir dazu irgendwelche Propheten oder Gottheiten brauchen. Diese Wegbegleiterin, welche uns die Phänomene offenbart und uns Zusammenhänge er­kennen lässt, ist die Vernunft. Die Vernunft nimmt uns die Arbeit des Erkennens nicht ab, sondern bereitet sie vor, indem sie uns ins Fragen schickt.

Es sind nicht nur die vordergründigen Fragen des Wer?, Was?, Wann?, Wo? und Wie?, sondern jene hintergründigen Fragen, die uns nach dem Warum?, Wozu? bzw. Weshalb?, Wofür? und Wobei? suchen lassen. Die Fragen sind Nahrung unseres Geistes, der unaufhaltsam weiter drängt.

Fragen wird aus dem Staunen geboren. Es geht um Klären des Vorgefundenen. Das geht nicht ganz ohne Schmerzen des “Zu spät” ab, denn verstehen lässt sich immer nur rückwärts, eine schmerzliche Erfahrung des vorwärtsgerichteten Geistes. Aber um die Wirklichkeit erkennen zu können, muss man vorweg der­en Möglichkeiten kennen. Es ist immer schon alles da, und kein Gedanke vermag es zu wagen, sich als originell zu empfinden. Es ist nur die eigene Sicht, durch die in einer Welt der Wiederholung des immer Gleichen etwas unversehens anders und möglicherweise als neu erscheint.

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann “neu” lediglich als “erneut” erscheint. Aber wer findet sich schon damit ab, immer ein zu spät Gekommener zu sein. Dem Staunen über das schon Dasein bleibt immer nur das Ergründen. Der Fortschritt wächst mit dem Rückschritt in den eigenen Ursprung und vor allem den der Welt. Die Zukunft eines notwenigerweise rückwärtsgewandten Wesens liegt in seiner Vergangenheit, denn es versteht den Anfang zugleich als Beginn des Endes.

Reicht als Mittel zu diesem Zweck das Sichtbare nicht aus, wird gar das Unsichtbare gewagt. Den Anfang dieses Wagnisses machen Leukipp und Demokrit, indem sie angesichts ihres Unbehagens an den Erklärungen des Sichtbaren das für sie noch unsichtbare Atomos, das Unteilbare, ins Spiel bringen und damit das unaufhörliche Suchen nach den unteilbaren Teilchen, nach den allerletzten Teilchen in Gang setzen. Und damit hat die suchende Vernunft für 2.300 Jahre und noch über heute hinaus ihr Programm. Es geht darum, von den Molekülen zu den Atomen, von den Atomen zu den Kernen, von den Kernen zu den Elementarteilchen zu kommen, vielleicht um noch zu den elementarsten Elementarteilchen wie das Herm zu gelangen. Mit Hilfe großer Elementarteilchen-Beschleuniger sollen die letzten Bausteine, aus denen Materie bestehen kann, entdeckt werden, falls es da überhaupt eine Grenze gibt. Und je mehr sich die Physik dieser Entdeckung nähert, desto dichter kommt sie an ihren Ursprung heran, das ist die Metaphysik. Und schließlich die alte Frage des Aristoteles: Warum ist da überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts? Es muss doch für alles einen Grund geben!

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[1] Zu dem dem Denken Heideggers entlehnten Begriff der Lichtung vgl. Rafael Capurro: Matin Heidegger, Ausgewählte Werke, Zuerst erschienen in: F. Volpi, J. Nida-Rümelin, Hrsg.: Lexikon der Philosophischen Werke. Stuttgart: Kröner, 1988. Zu M. Heidegger vgl.: Martin Heidegger (1889-1976)
 

27
Dez
2011

Ohne Verstand[1]

 
ohne-verstand2

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Im Alter versucht das sich erneuernde Gehirn noch einmal radikal das, was es schon während der Pubertät als Erste neuronale Restauration, Umwandlung oder Erneuerung nicht geschafft hat. Die Vernunft verliert ihren Halt durch den Verstand während sie sich radikal von Grund auf reorganisiert.

Vorwiegend verstandesbetonten Wesen bleibt jeglicher Einblick in diesen Vorgang verwehrt, weil er sich auch gerade nicht mit herkömmlichen Mitteln des Verstandes beeinflussen lässt. Der Verstand beklagt dies vielmehr als unheilbare Krankheit. So unterstützt niemand die Vernunft mit ihren ureigenen Mitteln bei ihrer grundsätzlichen Arbeit.

Will man das Wagnis einer totalen neuronalen Restauration erst gar nicht eingehen, dann muss man recht­zeitig selbst mit der vorgesehenen neuronalen Umwandlung beginnen. Hierfür gibt es von Natur aus einige wenige Regeln, nämlich Trainung der Verarbeitungsgeschwindigkeit, der Aufmerksamkeit, des Ge­dächt­­nisses, der Fähigkeit, Probleme zu lösen und der Beweglichkeit. Diese Anforderungen lassen sich gleichsam in der Forderung nach origineller schöpferischer Arbeit zusammenziehen.

Da es um eine Erneuerung von Grund auf geht, geht es nicht darum, das Vorhandene zu erweitern und fortzusetzen. Erneuerung von Grund auf, das bedeutet vor allem, das Vorhandene radikal in Frage zu stellen, um es gegebenenfalls von seinem Gegensatz her zu denken.

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[1] lat. dementia (mens Verstand)
 

26
Dez
2011

Der Verstand staunt nicht

 
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Staunen ist der Ursprung der Vernunft. Das, was sich im Staunen offenbart, verbleibt dem Verstand verborgen. Der Verstand staunt nicht. Der Verstand denkt anders als die Vernunft. Da der menschliche Geist in sich widersprüchlich angelegt ist, denkt er, indem er sowohl fühlt als auch plant, wobei sich beide Prozesse durchaus widersprechen können. Dennoch bedingen sich Verstand und Vernunft wechselseitig.

Die Vernunft benötigt den Verstand, um überhaupt existieren zu können, denn der formgebende Verstand ermöglicht der gestaltenden Vernunft allererst, sich auszudrücken und zu erfahren. Als Selbst eines Wesens ermöglicht der Verstand der Vernunft als das Ich zu allererst Halt.

Während der Vernunft das Werden liegt, obliegt dem Verstand das Sein. Die Vernunft erscheint als neuronaler Fluss von Bildern, der an der Quelle der Seele entspringt. Man kann sehen, wie der Verstand in diesen Fluss steigt und aus dem Fluss des Werdens für sich Sein schöpft. In diesem Moment wandelt sich diese Entnahme durch Bewusstwerden zu einem Bild-Erlebnis für die Verstand, der darin seine eigene Inzenierung betrachtet, beobachtet und als Verhalten begreift.

Im Gegensatz zum wissenden, selbstsicheren Verstand, erfährt sich die glaubende, ichhaft selbstlose Vernunft träumend. In der Regel vermag das Gehirn nicht das Gleichgewicht zwischen Verstand und Vernunft zu wahren, sondern muss zulassen, dass entweder Vernunft oder Verstand dominiert, auch wenn das Ungleichgewicht nicht selten in einem tiefgreifenden, bisweilen lebensbedrohlichen existentiellen Kampf mündet.

Bisweilen erscheint der Zwiespalt zwischen Vernunft und Verstand dann gleichsam als Tragikkomödie, wenn der Verstand versucht, das zu wissen, was die Vernunft glaubt. So bleibt der Glaube an Gott eine Frage der Vernunft und wird sich niemals als Antwort des Verstandes erweisen können. Zwischen Glauben und Wissen kann man nicht wählen, sondern muss sich wie Hermes am Scheidewege entscheiden.

So entzieht sich auch Herm, das energetische Minimum als materielle Form geistiger Gestalt einem Beweis und verbleibt als Hypothese der Vernunft so lange übereignet, bis dem Verstand eine wahrscheinlich längst überfällige Physik der Metaphysik hervorscheint. So lange bleibt für den Verstand der Weg des Staunens und Glaubens verschlossen.
 

25
Dez
2011

Staunen

 
staunen2

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Unerwartetes überrascht, löst emotionale Erregung aus, weil gewohnte Denkmuster unbrauchbar erscheinen. Je nach Intensität der Gefühle verwirrt die überwältigende Wahrnehmung die Vernunft, weil Erklärungen ausbleiben oder sie weckt die Neugier, um nach Erklärungen zu suchen. Verwunderung mischt sich mit Bewunderung. Staunen setzt Fragen und damit Suchen in Gang, verbunden mit der Bereitschaft, anders zu denken und zu lernen. Während Sprache gewöhnlich Zeichen zum Zwecks des Abkürzens und Verkürzens benutzt, fällt das sprachbegabte Wesen bei stark und spontan gefühlten Erlebnissen in körperliches Verlautbaren zurück. Es drückt sich dann in Interjektionen aus, wenn die Sprache versagt, weil zum Beispiel Zeit zum Sprechen fehlt. “Au” bei plötzlichem Schmerz, “Igit” bei Ekel oder “Häh” bei überraschendem Unverständnis sind gefühlte Situationen, in denen die Zeit für Worte fehlt. Als Sprachpartikel demonstrieren Interjektionen die Sprachnöte starker Emotionen. Dagegen zeigen Verzögerungslaute wie “Äh” oder “Ähm”, dass noch geeignete Worte fehlen.

Der Entwicklungsdrang bzw. Bildungstrieb des vernunftbegabten, auf Mitteilung angewiesenen Wesens verlangt nach einem kommunikativen Werkzeug, das die körperlichen Möglichkeiten wie Mimik und Gestik erweitert. Die Idee zur Entwicklung dieses Werkzeugs ist als Möglichkeit in der Ur-Information enthalten. Und was mag der zureichende Grund sein, dem vernunftbegabten Wesen durch die Gabe der Sprache die Möglichkeit, wahr zu sein, zu verstellen? Bedingung der Möglichkeit für eine solche Frage ist selbstverständlich die hierfür vorausgesetzte notwendige geistige Exi­stenz.
 

24
Dez
2011

Sprache

 
unmittelbar-verstehen

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Sprache ist Verständigungsmittel. Etwas, das ist, nutzt dieses Mittel zum Zweck seines Ausdrucks. Dieser Ausdruck kann entweder unmittelbar durch das Verhalten des sich Ausdrückenden selbst geschehen oder durch Zeichen, die mittelbar für das, was ausgedrückt werden soll, stehen. Der unmittelbare Ausdruck ist der zugänglichste. Er lässt sich instinktiv oder intuitiv verstehen und muss nicht erst gedeutet werden. Der Ausdruck allen Werdens durch das Werden selbst ist direkt.

Er ist einfach und offen, weil geradewegs und augenblicklich. Der unmittelbare Ausdruck ist wahr, weil unverschleiert. Ein Baum teilt sein Leben mit durch die Art und Weise mit wie er gewachsen ist. Beim Menschen übernimmt diese Rolle vor allem der Ausdruck seines Gesichts. Während des Alterns offenbart die Natur Lebenserfahrungen allen Gewachsenen. Wäh­rend des Alterns verlieren sich die Zeichen und die Mitteilungen werden wieder einfach, weil ungekürzt. Die Sprache befreit sich im Alter aus dem Zwang, zwischen Zeichen wählen zu müssen, um abkürzen zu können. Das Alter kommt wie die Jugend wieder ohne Umschweife zur Sache. Die Fähigkeit des Lebewesens, Zeichen zu erfinden, um abkürzen und verkürzen zu können, um nicht alles sagen zu müssen, gilt als Vernunft. Das sprachbegabte Lebewesen ist allein das vernunftbegabte Lebewesen. Und die Fähigkeit, Prozesse verkürzt abgekürzt vorstellen und darstellen zu können, wird gemeinhin als Denken gefeiert. Insofern denkt die Natur nicht. Und die Schöpfung samt Schöpfer ist wesentlich gedankenlos. Aus diesem Grund kann es keine versprachlichten Offenbarungen geben, denn ein Gott spricht so nicht. Die Schöpfung braucht keine Zeichen, weil sie für sich spricht.

Allerdings muss die Fähigkeit des unmittelbaren Verstehens erst wieder zurückgewonnen werden. Die Kunst versucht dies, indem sie Bilder ins Werk setzt. Dabei wagt sie sich in die Schwierigkeiten der Natur, denn oft machen die unmittelbaren Bilder der Kunst sprachlos.

Künstlerische Bilder, gleichgültig, ob Malerei, Musik, Dichtung oder Tanz, machen sprachlos, weil sie sich allein intuitiv oder instinktiv öffnen. Kunst, Natur und Gott sprechen nicht, weil sie sich allein über das Staunen mitteilen.
 

23
Dez
2011

Herm

 
herm

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Herm (Hermaphroditos) ist das kleinstmögliche Partikel der Materie. Da es Bestandteil des Ur-Substrats ist, ist es in allen Substanzen gegenwärtig und berührt so gar sensible neuronale Abläufe. Deswegen ist das Empfinden der Präsenz von Herm oder des sogenannten Gottesteilchens[1] durch manches vernunftbegabte Lebewesen plausibel.

Weil das Minimalteilchen oder Minimum sowohl sichtbar als auch unsichtbar ist, kann es als metaphysisches Moment sowohl phyikalisch als auch metaphysisch gedacht werden. Der Inhalt der Gedanken über das kleinste Teilchen ist zu klein, um veranschaulicht werden zu können. Allein von seiner Wirkung her lässt sich erschließen, dass es ist. Als mittelbar Seiendes bzw. unmittelbar Nichtseiendes lässt sich das Paradoxon Herm physikalisch metaphysisch bzw. metaphysisch physikalisch untersuchen. Als primus inter omnes, also als erstes aller Teilchen ist das Herm nicht nur allgegenwärtig, sondern zugleich über alles informiert. Sowohl im Makrokosmos Universum als auch Mikrokosmos Gehirn ist jedes Teilchen jederzeit und überall über jedes Teilchen vollständig informiert. Als solches wirkt es nicht nur in Bezug auf Energie und Materie einheitsstiftend, sondern auch zwischen Energie und Gedanken. Um dies zu ermöglichen, stiftet es Sprache.

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[1] Dem Gottesteilchen auf der Spur
 

22
Dez
2011

Eigenliebe

 
eigenliebe

Der eigentliche Beweggrund des Suchens nach Spuren eines überlebensfähigen Hintergrunds ist eher Ichbezogenheit als von Neugier geleitetes Interesse. Aber ein von Eigennutz bestimmtes Suchen geschieht voreingenommen und ist der ständigen Gefahr ausgesetzt, be­reits Möglichkeiten schön zu färben. Schließlich kehrt das Hoffen auf Erlösen von der Ungewissheit eigenen Werdens alle Jahre wieder und käuflicher Lichterglanz überdeckt die Dunkelheiten anerzogener Sehnsucht. Eigene Unzulänglichkeiten verlieren sich in zum Kauf­rausch verführenden Märkten oder werden schließlich in Gelagen erstickt. Weil man sich ja sonst nichts gönnt, öffnet sich die vergessene, gläubige Unvernunft bereitwillig allen lichten Träumen.

Aber die Krippe steht nicht auf dem Weihnachtsmarkt und die artistische Kraft der Auferstehung verliert sich rasch zwischen verstört hoppelnden Osterhasen. Was bleibt, ist Missbehagen angesichts unerfüllter Träume, und auf den Kater wieder einmal mehr unbefriedigter Ichsucht folgen erst Depression und dann Ernüch­terung. Und nach überstandenem Katzenjammer beginnt der täppische Zirkeltanz von neuem.

Existieren Zeitfenster, um aus der Wiederholung des immer Gleichen herauszuspringen? Oder hilft nur eine mutwillige Maßnahme kraft Entscheidung?
 

21
Dez
2011

Das Gesetz der Natur

 
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Das Gesetz der Natur sorgt für die Wechselwirkungen zwischen den Substanzen. Ordnung wird aus dem Chaos geboren. Solches Gebären ist im Bildungsgesetz der Natur angelegt. Auch das vernunftbegabte Lebewesen wird in neuronales Chaos hineingeboren. Bei ihm ist es die ordnende Vernunft, welche es aus dem Chaos befreit. Die Vernunft erwächst aus dem Zusammenspiel des Mehr und Weniger an Perspektien und Aspekten des Werdens als unendliche Wiederkehr des Gleichen, wobei die Expansion des Universums dem Ausatmen des Äons gleicht. Im Grund durch Mehr, das zunehmend weniger wird, auf den Punkt gebrachter Urknall von im Nichts überladener Energie, treibt das Weniger zunehmend mehr bis zum Rückfall auseinander.

Mit der Geburt eines vernunftbegabten Lebens wiederholt sich der Urknall mikrokosmisch und demonstriert die in jedem Ursprung allgegenwärtige Ur-Information voller geistiger Energieformen, jederzeit bereit, sich mehrfach vielfach auf Materie einzulassen.

Als Ursache Äonen von ihrer Wirkung entfernt ist sie für das vernunftbegabte Wesen nur noch bei höchstmöglicher Empfindlichkeit als Licht aus der Ferne hinter all den Dunkelheiten spürbar. Geringste Spuren im neuronalen Mikrokosmos inspirieren die sich bildende Vernunft dennoch, nach ihren feinst­nervigen Wurzeln zu suchen.

Jedoch bleibt der bilderlose kosmische Kern vernünftigem Bilderleben verborgen und macht alles Suchen nach begreifbaren Bildern einer Anschauung des so verborgenen Hintergrundes aussichtslos.
 
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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