Unilogo

27
Sep
2012

3.4 (16) Bitte an das Unbewusste

 




 


Fühlen, nach innen schauen, ohne zu sehen.
Geschehen lassen, nachspüren, ohne zu ahnen.
Verdichten empfinden, ohne zu betrachten.
Glauben an das Entstehen. Gewissheit:
Es wird ein Gedicht.

Worte wirbeln auf, ohne sich zu binden.
Folgen von Sätzen wollen in keinen Sinn.
Gedanken verweigern annehmbare Sätze.
Angestrengt suchen, ohne zu finden.
Es wird kein Gedicht.



Die Bitte an das Unbewusste war, eine Idee zu finden, um das Entstehen einer Idee zu zeigen. Ein Versuch, das zeichnerisch zu lösen, scheiterte. Ideen, Möglichkeiten zu zeichnen, mögen mich offenbar nicht. Da interessiert dann auch nicht die Lust.

Da blieb nur noch der künstlerische Bereich des Textens, also ein Gedicht wenigstens. Ein Gefühl meldet sich, dass etwas in mir diesem Wunsch zu entsprechen gedenkt, wenn ich nur meine Schwierigkeit dabei zu Wort kommen lasse. Ich habe es gemacht, ohne jetzt zu wissen, ob daraus auch ein Gedicht geworden ist. Irgend etwas in mir flüstert mir zu, dass das jetzt nicht interessiert. Es wird betont, dass ich mich doch gefühlsmäßig verhalten habe. Also versuche ich jetzt in mir zu beschreiben, was mit mir geschehen ist.

Wider Erwarten ist es in einer Zeit geschehen, die ich gewöhnlich totschlage. Wegen eines Kindheitstraumas ängstigt mich der bevorstehende Arztbesuch. So entsteht innerer gefühlsmäßiger Druck, die verbleibende Zeit so gut wie irgendwie möglich sinnvoll zu verbringen, vor allen Dingen, um mich vom bevorstehenden Ereignis abzulenken. Das bedeutet zu schaffen, möglichst schöpferisch zu sein. Vielleicht erschien deshalb die Idee, die Aufgabe in einem Gedicht zu lösen, beschleunigt.

Fühlen, nach innen schauen, ohne zu sehen.
Geschehen lassen, nachspüren, ohne zu ahnen.
Verdichten empfinden, ohne zu betrachten.
Glauben an das Entstehen.


Das ist wahrscheinlich die typische Anfängersituation einer Idee. Diese Antwort gewährt aber noch kein deutliches Gefühl für die Herkunft einer Idee. Ich will mich noch nicht damit abfinden, dass solches Erleben vielleicht einem zu stark wortgebundenen Wesen verwehrt bleibt. Dann aber bliebe für das Erscheinen einer Idee allein Malerei, Musik und Tanz, also die wortlos sprechende künstlerische Bewegung.
 

26
Sep
2012

3.3 (15) Die andere Welt

 




 

Die erzieherisch verrückte Welt ist der Natur abgewandt. Die schulische Erkundung der Natur ist naturfeindlich und bringt das vernunftbegabte Lebewesen als einziges Lebewesen dazu, den eigenen Lebensraum durch Unterdrückung der Natur zu zerstören.

Die Macht des Kapitals maßregelt das Leben. Medien bestimmen durch die Anzahl der Wiederholung des immer Gleichen den Öffentlichkeitswert eines Gesichts wenigstens so lange wie für das Ansehen bezahlt wird.

Die andere Welt aber liegt jenseits der Grenzen der Gültigkeit irgendwelcher kapitalistischer Werte. Zu dumm nur, dass auch diese Welt auf Medien angewiesen scheint.

Die andere Welt zeigt sich als Utopie, indem sie Bewegungen als Zeichen sendet. Durch das Werden lässt sie die Vergänglichkeit des Augenblicks hervorscheinen. Die ständige Veränderung des Werdens verweist auf die Abwesenheit allen Ordnens und auf die Vorherrschaft zufälligen Spielens.

Das Lesen und Deuten dieser Zeichen hängt wesentlich davon ab, dass sie zureichend deutlich empfangen werden. Gewöhnlich nämlich existieren kaum Erfahrungen im Umgang mit Zeichen aus der anderen Welt. Es sind nicht die Sinne, welche die entsprechenden Signale übertragen, sondern Gefühle.

Gefühle aber sind bereits Widerspiegelungen eines tief inneren Geschehens. Je nach Begabung bilden sich diese Spiegelungen in Ideen für Musik, Lyrik, Malerei, Tanz oder Theater ab und zeigen den Künstlern und Künstlerinnen in ihren Träumen und Visionen Möglichkeiten auf.
 

25
Sep
2012

3.2 (14) wahr werden

 





 


Wahrheit ist kein Ergebnis, sondern Entwicklung. Wahrheit antwortet nicht, sondern fragt. Als Vergegenwärtigung der Wahrheit gründet vor allem das Gefühl das Bewusstwerden. Wahrheit wird demnach nicht durch Sinne oder Geist vernommen, sondern durch die Seele.
Wahrheit ist keine Angelegenheit des Verstandes. Begriffliches Denken darf deshalb auch keinen Einfluss nehmen. Begriffe, Funktionen und Formeln sind niemals wahr, sondern allenfalls richtig.

Somit wird klar, dass Wahrheit nicht zum Gegenstand von Wissenschaft werden kann. Es handelt sich weder um verifizierbare noch falsifizierte Inhalte.

Das Erscheinungsfeld der Wahrheit gestaltet sich vor allem mystisch oder künstlerisch. Während Kunst Wahrheit für alle möglichen Betrachtungen offen ins Werk setzt, steht Mystik in der Gefahr ihre Visionen so zu versprachlichen, dass sie in die Nähe von Belehrungen geraten.

Wahrheit setzt Reinheit der Seele und intuitive Begabung voraus. Die reine Seele eines vorurteilsfreien Selbst vermag allein Bilder zu schauen und in ihnen Wahrheit zu schauen.
Die reine, selbstlose Seele ist ein künstlerisches Wesen. Um so mehr muss sich dieses Wesen vor irgendwelchen Selbst-Auslegungen schützen und sich im Loslassen üben.

Die Selbstreinigung der Seele vollzieht sich allmählich, indem alle erziehungsbedingten Selbstverurteilungen als aberwitzige Irrtümer nach und nach abfallen. Von allen Häresien befreit findet sich die Seele in Freiheit im ursprünglich natürlich kindlichen Selbstvertrauen wieder.

Dem kleinen Kind ist wie allen Lebewesen die Lüge noch fremd. Erst durch Erziehung nistet sich das Vermögen zu täuschen in der Vernunft ein. Durch Verstellen wird das vernunftbegabte Wesen dem Schauen der Natur entrückt. Die so ver-rückte, gewendete Seele verliert das innere Licht.

Durch solche Verrückung geblendet wendet sich das vernünftig werdende kleine Wesen vom traumhaften Spiel seiner Fantasie ab, um nach und nach erzieherische Vorgaben zu verinnerlichen.

Inneres Wahrnehmen wandelt sich in Äußeres Wahr Nehmen. Das ursprüngliche Verhältnis zur Natur verändert sich radikal durch anerzogenes Filtern von Erfahrungen. Höchst selten entwickelt sich dabei eine Resistenz gegen schulischen Missbrauch natürlicher Vernunft.

Das aber zwingt das Resistente in eine scheinbare eigene, weil von Gewohnheiten abgewandte Welt.

24
Sep
2012

3.1 (13) Wahrheit

 




 

Wahrheit ist hoch sensibel und hoch wahrscheinlich unmoralisch und gewissenlos. Wahrheit entzieht sich jeglichem Ordnen. Die Freiheit der Wahrheit lässt sich nicht binden.
Wer vorgibt, Wahrheit zu lehren oder zu verkünden, ist ihr nie begegnet.

Wahrheit gibt keine Antworten, denn Wahrheit existiert nur während des Suchens. Wer als zutreffend angenommene Antworten besitzt, sitzt fest. Wahre Antworten formulieren Fragen.

Ist Wahrheit eine Utopie, die das vernunftbegabte Wesen unentwegt unterwegs sein lässt?

Das Bewusstsein des vernunftbegabten Wesens ist gewöhnlich für Wahrheit gar nicht offen. Bevor nämlich etwas überhaupt von außen oder innen her bewusst werden kann, ist es auch schon gefiltert für uns zurecht gemacht.

Ganz offensichtlich sollen wir nicht erfahren, was in Wahrheit ist. Es scheint eine wesentliche Aufgabe des Gehirns zu sein, uns vor der Wahrheit zu schützen.

Wegen der Ich-Bezogenheit der Wahrheit des Glaubens flüchten wir uns seit Aristoteles (* 384; † 322 v. Chr. ) in die Richtigkeit des Wissens.

Als Abwesenheit von Wahrheit existiert Unwahrheit in Form von bloßen Meinungen, die durch Statistiken als annehmbar dargestellt werden. So hängt Glaubhaftigkeit plötzlich von der Größe der Medien und vom Bekanntheitsgrad ihrer Meinungsmacher ab.

In Gestalt von Meinungen wird Richtigkeit zur Ware, die sich jeder nach Belieben aussuchen kann.
 

23
Sep
2012

3 (13) Entbergen

 
 

22
Sep
2012

2.7 (12) verflüchtigen

 


 


bleiben verlieren
benennen aufgeben
ordnen verlieren
verflüchtigen

Sich retten durch Substantivieren?
Doch Sein gewinnen und festhalten?
schwinden aushalten
verflüchtigen

noch bleiben
halten wollen
fantasieren öffnen
verflüssigen

wahrnehmen
betrachten
beobachten
dichten
 

Eigenschaften erst ermöglichen das Unterscheiden von Werden als Beobachten von Vorgängen.

Betrachten beschreibt und hält Schwinden durch das Bestimmen als Wesen anwesend.

Das hilft Werden zu übersehen und mit allen Mitteln zu versuchen, den Verfall aufzuhalten.

Vernunftbegabte Wesen träumen vom Bleiben, während ihnen alles entschwindet.
 

1.
Ach wie flüchtig,
ach wie nichtig
ist der Menschen Leben!
Wie Ein NEBEL bald enstehet
und auch wie der bald vergehet
so ist unser LEBEN sehet!
2
Ach wie nichtig,
ach wie flüchtig
sind der Menschen Tage!
Wie ein Strom beginnt zu rinnen
und mit Laufen nicht hält innen,
so fährt unsre Zeit von hinnen.
3
Ach wie flüchtig,
ach wie nichtig
ist der Menschen Freude!
Wie sich wechseln Stund und Zeiten,
Licht und Dunkel, Fried und Streiten,
so sind unsre Fröhlichkeiten.
4
Ach wie nichtig,
ach wie flüchtig
ist der Menschen Schöne!
Wie em Blümlein bald vergehet,
wenn ein rauhes Luftlein wehet,
so ist unsre Schöne, sehet!
5
Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Ist der Menschen Stärke!
Der sich wie ein Löw erwiesen,
Überworffen mit den Riesen,
Den wirfft eine kleine Drüsen!
6
Ach wie flüchtig,
ach wie nichtig
ist der Menschen Glücke!
Wie sich eine Kugel drehet,
die bald da, bald dorten stehet,
so ist unser Glücke, sehet!
7
Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Ist der Menschen Ehre!
Über den, dem man hat müssen
Heüt die Hände höflich küssen,
Geht man morgen gar mit Füssen!
8
Ach wie nichtig,
Ach wie flüchtig
Ist der Menschen Wissen!
Der das Wort konnt prächtig führen
Und vernünfftig discurriren,
Muß bald alle Witz verlieren!
9
Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Ist der Menschen Dichten!
Der, so Kunst hat lieb gewonnen
Und manch schönes Werck ersonnen,
Wird zu letzt vom Todt erronnen !
10
Ach wie nichtig,
ach wie flüchtig
sind der Menschen Schätze!
Es kann Glut und Flut entstehen,
dadurch, eh wir es versehen,
alles muß zu Trümmern gehen.
11
Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Ist der Menschen Herrschen!
Der durch Macht ist hoch gestiegen,
Muß zu letzt aus unvermügen
In dem Grab erniedrigt ligen!
12
Ach wie flüchtig,
ach wie nichtig
ist der Menschen Prangen!
Der in Purpur hoch vermessen
ist als wie ein Gott gesessen,
dessen wird im Tod vergessen.
13
Ach wie nichtig,
ach wie flüchtig
sind der Menschen Sachen!
Alles, alles, was wir sehen,
das muß fallen und vergehen.
Wer Gott fürcht', wird ewig stehen.
 
--
Michael Franck (Text)
Johann Sebastian Bach
Kantate. BWV26
 

21
Sep
2012

2.6 (11) Kontrast

 




 

Konträres Denken wendet sich gegen bereits Gedachtes. Es versteht sich als Probe aufs Exempel. Aber ein solcher Versuch ist schwierig. Das Gehirn widersetzt sich allen Veränderungen gewohnter ausgeprägter neuronaler Strukturen. Die Erfolgs-Wahrscheinlichkeit eines Veränderungsversuches wächst durch die Einnahme einer Gegenposition. Das Formulieren von Pro und Contra erleichtert das.

Pro: Wissenschaftliche Sätze folgen festen Regeln formalisierender Verallgemeinerung.
Contra: Künstlerische Sätze folgen intuitiven Bildern gefühlter Fantasie.
Pro: Wissenschaft ist ihrer Beweiskraft verpflichtet.
Contra: Kunst ist der Wahrheit verbunden.

Pro und Contra ist jedoch ein zu rationaler Vergleich, um sich von eingefahrenen Spuren lösen zu können.
Eher hilft ein Ausbruch aus der Wissenschaft (in die Kunst).

Das Wort ist ein Anfang. Ein Wort ist ein Zeichen.
Es zeigt uns ein Bild. Während der Betrachtung entstehen Gefühle. Vorstellungen zum geschauten Bild gestalten sich und kleiden sich wiederum in Worte. Eine Geschichte entwickelt sich. Die Fantasie spürt, was sie erzählen will. Und eine Idee scheint aus den Tiefen des Unbewussten hervor.

Es ist schwierig, überhaupt einen Weg zu finden, wenn sich ein Wort an das andere klammern muss, um wenigstens irgend etwas geschehen zu lassen.

In der dunklen wort- und gedankenlosen Welt beginnt es zu dämmern. Der erste Anschein eines Ideenlichts zeigt sich in der Finsternis des entschwundenen Dagewesenen. Die Dämmerung vertreibt die Nacht des spielenden Chaos neuronaler Unverbundenheiten.

Fragen machen sich auf die Suche nach Antworten für helfende Schritte. Fragen, das hilft immer, wenn man sich in einer gedankenlosen Wüste nicht mehr zurechtfindet.
Aber Fragen sind auch gefährlich, orientieren sie sich doch an erfahrenen Vorgehensweisen.

Der Blitz des Sturzes durch den Raum-Zeit-Tunnel treibt alles Ordnen auseinander, und der Kosmos löst sich in eine raumlose Unendlichkeit auf. Worte verlieren ihre Sicherheit. Inmitten des Werdens erscheinen Hauptwörter als Lügen, heucheln sie doch nicht existierendes Seiendes.

Verunsicherte Hauptwörter nehmen Sätzen ihre Standfestigkeit. Blumen blühen nicht mehr. Blühen überlässt es der Fantasie, selbst zu wählen und zu entscheiden, was blühen soll. „Blühen fantasieren“.
Aufforderung, sich das Blühen selbst auszumalen.
Angestecktes, Aufgestecktes (lateinisch: suffixum) gewährt Geschehen wenigstens etwas Halt. Unter Umständen helfen auch Begleiter (Artikel). „Das Blühen fantasieren“ fordert stärker auf als „Blühen fantasieren“. Es sei denn, man nimmt einen Nullartikel an und fühlt sich angesprochen.

Als Hauptwort aufgegeben bleibt für „Totzeit“ „sterben“ und nicht einmal „Sterben“. Aber mit „sterben“ lässt sich sehr viel sensibler malen.

sterben
ableben, abscheiden, absterben, auflösen, dahinscheiden, eingehen, einschlafen, einschlummern, entschlafen, entschlummern, erfrieren, erlöschen, ersticken, ertrinken, fallen, heimgehen, hinübergehen, schwinden, umkommen, verdursten, verenden, vergehen, verhungern, verlöschen, verscheiden, verschwinden, versterben
(Quelle: Wortschatz.Uni-Leipzig)

„sterben“ ist Synonym von: abberufen, abkratzen, ableben, abrufen, absterben, aufgeben, aushauchen, dahingehen, dahinscheiden, eingehen, einschlafen, einschlummern, entschlafen, entschlafen, erfrieren, erleiden, erlöschen, ersticken, erwischen, fallen, heimgehen, hinraffen, krepieren, scheiden, umkommen, verbluten, verdursten, verenden, verlöschen, verrecken, verscheiden, versterben, versterben, wegsterben
(Quelle: Wortschatz.Uni-Leipzig)

Synonyma sind gefühlte Färbungen eines Wortes. Die durch das Wort vermittelte Stimmung oder Einstellung verändert sich.

Wandeln von „Totzeit“ in Sterben:
Auf Bleiben durch Übergehen verzichten
Auflösen im Werden
Loslassen.

Kein Trösten nach Verabschieden
Vergehen von Glauben, Hoffen, Lieben im Werden
Loslassen.

Ewiges Werden, Fließen ohne Eigenschaften
Verlieren im Werden
Loslassen
Gott ist kein Hauptwort
 

20
Sep
2012

2.5 (10) Ontische Herms

 




 

Naturcode heißt jene Information, welche das Überführen von Energie in Materie ermöglicht und umgekehrt die Rückführung der Materie in Energie. Materie gelangt vorübergehend als informierte Energie zum Vorschein. Information ist das Substrat jeglicher Substanz. Sie ist gleichsam Sein, das alles Seiende in sich vereint. Die Ur-Information ist sowohl der Physik als auch der Metaphysik zugänglich. Sie ist gleichsam Theorie der Praxis von Energie. Insofern lässt sie sich sowohl denken als auch berechnen und messen. Das Unterrichten der Energie durch Information lässt sich in entsprechender Materie nachweisen, und zwar aufgrund des Verhaltens ihrer Elementarteilchen.[1] Unter den kleinsten Elementarteilchen bewegt sich der Zwitter[2], mit griechischem Namen Hermaphroditos, auf der Grenze zwischen Sein und Nichts oder zwischen Metaphysik und Physik. Insofern ist dieses kleinste Elementarteilchen das einzige dem Denken zugängliche Teilchen, denn es ist in gleicher Weise geistig wie materiell und kann deshalb metaphysisch wie physikalisch erforscht werden. Hoch wahrscheinlich ist Hermaphroditos, kurz: Herm(s), das, ‘was die Welt im Innersten zusammenhält’.[3]

Herms sind Platzhalter in der Sphäre möglicher Möglichkeiten. Als solche bilden sie das Substrat aller Substanzen und beinhalten Formen, um wirkliche Möglichkeiten zu gestalten. Diese Gestaltung folgt jenen Vorschriften, welche der Ur-Information zugrunde liegen. Danach geht etwas als Grund etwas als Ursache voraus, und etwas als Ursache folgt auf etwas als Grund, wobei Grund und Zweck hinter Ursache und Wirkung allen Berechnungen verborgen bleiben und deshalb auch nicht messbar sind. Die Kohärenz der Herms sorgt für eine Vernetzung aller Teilchen zu einem Ganzen, wobei jedes Ganze jederzeit wiederum ein Teilchen sein kann. Angesichts einer kohärenten Vernetzung können Teilchen verschiedener Bereiche nur daran erkannt werden, ob sie identisch, gleich, ähnlich, unterschiedlich oder entgegengesetzt sind. Je nach Nichtigkeitsgrad sind Herms des Nichts aneinander gebunden oder voneinander gelöst, und sie beschleunigen oder verlangsamen sich, und sie fügen sich in ein Ganzes ein oder entfernen sich daraus. Der Makro- und Mikrokosmos folgen derselben Information und die Entstehung der Universen folgt den selben Gesetzen wie die Entstehung neuronaler Welten. Die Geburt der Vernunft ergibt sich aus der Spiegelung des Makrokosmos im Mikrokosmos. Diese grandiose Reflexion ermöglicht der Vernunft, die kosmischen Erscheinungen zu schauen und deren Gesetzmäßigkeiten für sich zu nutzen.
 
__________
[1] Bausteine der Materie
[2] ερμαφρόδιτ|ος <-η, -ο> [ɛrmaˈfrɔðitɔs] ADJ
[3] aus Goethe’s Faust I
 

19
Sep
2012

2.4 (9) Naturcode

 




 

Naturcode, das ist die Menge aller natürlichen Zeichen, welche vom Sein des Seienden her auf dessen Ursprung (zurück) verweisen.
So weisen Ordnung der Natur und Naturgesetze auf eine schöpferische Intelligenz hin. Die Hochbegabung aller Kinder von Geburt an deutet auf eine dem physischen Werden innewohnende künstlerisch informierte, leistungsstark initiierte Energie hin.

Dem Ursprung alles Seienden ist gemeinsam, dass er die Grenzen einer schulisch reduzierten Vernunft und eines durch Bildung deduzierten Verstandes sprengt.

So vermag das Wissen des Verstandes den Glauben der Vernunft nicht anzunehmen. Und so fordert das Leben vom vernunftbegabten Wesen eine Entscheidung zwischen konstruierter Welt des Wissens und unentschiedener, frei spielerischer Welt des Glaubens.
Es ist die Alternative „Entweder mechanisiertes technisch algorithmiertes oder intuitives spielerisch freies Existieren.“

Wie der Blinde dem glaubt, was er wahrnimmt, und der Taube der Bedeutung der Zeichen vertraut, so vernimmt der Glaubende, was ihm die Intuition seiner Vernunft eingibt.

Dem Wissenden bleibt die Natur als Schöpfung verborgen, weil sich der Naturcode als Schlüssel zu diesem Geheimnis nicht rechnerisch, sondern intuitiv erschließt.

Der Wissende ist eingeschlossen und gefangen von seinem ordnenden Verstand. Um sich aus dieser Gefangenschaft befreien zu können, muss er so viel wissen, bis er endlich weiß wie wenig er weiß. Sokratisches Nichtwissen befreit in die Akzeptanz des Glaubens (Paradoxon des Wissens). So wird niemand einen genialen Menschen finden, der nicht glaubt.

Der Wissenssatz wird natürlicherweise zum Glaubenssatz.

Der Wissenssatz lautet:

Ich erfasse wissend etwas dann, wenn ich über dessen Grund und Zweck in Hinsicht auf seine Ursache und Wirkung verfüge, und zwar nach Art/Weise und Umstand der auffälligen Eigenschaften seines Wesens unter Berücksichtigung des Mittels und Ausmaßes in Raum und Zeit seines Vorscheinens.

Und das Paradoxon des Wissens ist das Credo der rationalisierten Vernunft:

Ich glaube an den Sinn zweckvermittelter Gründe und an die eine Ursache aller Wirkungen.
Ich glaube, dass sich jedes Wesen durch (seine) besonderen Eigenschaften auszeichnet und auf je eigene Art und Weise unter entsprechenden Umständen zum Vorschein gelangt.
Ich glaube an die mir in hinreichendem Maß geschenkten Mittel.
Ich glaube an die vollkommene Übereinstimmung von Ich und Selbst in der Selbstverwirklichung durch geglücktes Existieren in Raum und Zeit.
Amen

Es ist das Bekenntnis des Glaubens durch Wissen. Wer hinreichend viel weiß, dem offenbart sich die bislang nur gewusste Welt als freie Welt eines unendlich schöpferischen Gottes.

Die Gottesfrage entscheidet sich also am Phänomen des Naturcodes und dessen wissender Entschlüsselung.
 

18
Sep
2012

2.3 Schöpfung

 




 

Arten und Weisen solchen Zufallens formen Bedingungen, die Gründen Sinn geben, aus Ursachen Wirkungen zu gestalten.
Sein materialisiert sich in Seiendes und braucht Raum und Zeit. Das Minimum des Universums quantifiziert sich als Maximum des Alls und schafft Mittel und Wege, um maßvoll Seiendes unendlich sein und gleichzeitig für gewisse Zeit werden zu lassen.
Als Gestalt dieser Urformungen erscheint Natur als Zeugnis und Beweis eines unendlich aus sich heraus schaffenden Geistes.

Indem Energie informiert wird, entsteht Materie. Welten entstehen, weil sich Energie achtfach formt und zwölffach gestaltet und so materiell erscheint. Allerdings sind nicht alle Arten und Weisen von Materie, selbst durch die empfindlichsten Messinstrumente nicht, unmittelbar sinnlich vernehmbar.
 

17
Sep
2012

2.2 Offenbarung

 




 

Das Wahrnehmen dessen, was sich da intuitiv zeigt, beruht auf mystischem, schöpferischem oder künstlerischem Denken. 
Wahrheit offenbart sich also nicht der sinnlichen Wahrnehmung. 

Um Wahres schauen zu können, braucht es Begabung als natürliches Geschenk der Natur. Diese Begabung lässt sich weder aneignen noch erlernen. 

Die Natur offenbart sich als Schöpfung, sobald Ich und Selbst übereinstimmen. Sobald alles losgelassen wird, erscheint alles als Eines. 
Diese Harmonie entsteht, sobald sich die Seele glaubt, in dem, was sie fühlt und schaut. Der innere Zuspruch durch gefühlte Information vor allem Bewusstwerden zeigt sich unvoreingenommener Fantasie, die das Geschaute der Vernunft einsichtig werden und den Verstand als Idee anerkennen und vielleicht dann auch öffentlich vertreten lässt.

Dabei geraten Seele und Vernunft oft genug in Konflikt mit dem Wissen, das sinnlich nicht Vernehmbares nicht anerkennen mag.  Insbesondere göttliche Offenbarungen werden von sogenannten Wissenden arg gescholten.

Offenbarungen brauchen die seelische Kraft des Glaubens. Ansonsten entschwinden sie wieder, bevor sie geschaut werden können. 

Durch das vollkommene Gleichgewicht von Seele und Verstand und dessen Bewahrung durch die Vernunft wird Weisheit zur Quelle seherischer Kraft. 
Im höchst seltenen Fall einer besonderen Ausnahme versammelt sich diese Kraft in einem Wesen, als Offenbarung von Wahrheit.

Offenbarung meint das Erschließen bzw. Eröffnen von etwas Verborgenem. In der Religion bedeutet Offenbarung (gr. apokálypsis) das Offenlegen des Wesens der Schöpfung Gottes. 
Worte der Offenbarung erschließen sich keiner wissenden, aber jeder glaubenden Seele.
Offenbarungen lassen sich als Worte der Seele selbstverständlich nicht in Lehrsätzen vermitteln, sondern allein durch Bilder des Glaubens erschließen. 

Sobald sich Ich und Selbst vereinigen, geben sie das innere Wissen der Natur frei. Von da an vermag das Wesen das zu schauen, was es begehrt. Dieses Schauen (gr. idein) verhilft ihm über alle Behinderungen durch Körper oder Verstand hinweg. Sätze der Offenbarung sind ganz persönlich gemeint. Sie bedürfen erst der Übersetzung, wenn sie von anderen erfasst werden können sollen.

Aus der vollkommenen Übereinstimmung von Ich und Selbst erwächst die geheime (anonyme) Offenbarung der Natur und gelangt durch die innere Stimme zum Vorschein. 
Dieses Vorscheinen geschieht durch das Gestalten in Bildern schöpferischer Augenblicke. In günstigen Fällen lassen sie sich in Zeichnungen, Gemälden, Musik- oder Sprachkompositionen festhalten. 

Weisheit als jener Weg ist der von Natur aus gegebene, durch inneres Schauen zu entdeckende Urglaube. 
Der griechische Name für dieses innerlich vorgestellte Urbild ist εἶδος (eidos) bzw. ἰδέα (idea). 

Der Anfang von allem zeigt sich in der Kontemplation als Einheit (gr. τò ἕν: to hen) von Geist und Energie. 
Außer diesem in sich unendlichen Einen existiert nichts. 

Aber aus der Initiation von Raum und Zeit durch Zu-und Einordnen, von Urbild und Abbild durch Vor- und Nachordnen, aus der Initiation von Hierarchien durch Über- und Unterordnung und aus der Initiation von Strukturen und Systemen durch An- und Beiordnung entschlüsselt sich aus Sein Werden und Natur bricht aus Nichts hervor. 

Mit Leichtigkeit lässt sich für jeden aus Gewordenem Gewesenes erschließen. Und ein Narr, der Naturgesetze nicht als Form und Gestalt eines Ureinen zu erkennen vermag.
 

16
Sep
2012

2.1 Brennender Dornbusch

 




 

Die vielleicht bekannteste und zugleich frühest überlieferte Vision ist die des Moses (8. Jh. v. Chr.). Es ist die Vision vom brennenden Dornbusch. Es wird in der Bibel erzählt, dass Moses viele Jahre die Herden seines Schwiegervaters Jitro hütete.

Eines Tages weideten die Schafe und Ziegen auf den saftigen Weiden an den Hängen des Berges Sinai. Moses blickte in die Ferne, und er traute seinen Augen nicht.

Er erblickte einen brennenden Busch, der nicht verbrannte. Neugierig näherte sich Moses.
 
Da hörte er plötzlich eine Stimme. Sie kam aus dem brennenden Busch und sagte: "Zieh deine Schuhe aus, Mose! Du stehst auf heiligem Boden."
Moses spürte intuitiv, dass es Gott war, der zu ihm sprach.
Er gehorchte, und Gott sagte: "Ich bin, der ich bin.

Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Ich habe die Klagen und Bitten meines Volkes gehört, das in Ägypten in der Sklaverei lebt. Und ich werde es retten. Du Mose, sollst es aus Ägypten in ein Land führen, das ich den Nachkommen Abrahams versprochen habe. In diesem Land werden Milch und Honig fließen. Und dich Moses, sende ich nun zum Pharao."

Dieser Auftrag ist für einen Hirten in der Wüste nicht gerade naheliegend. Offenbar ist allen Visionen gemeinsam, dass sie Menschen überraschen, die über die Kraft verfügen, ihnen zu entsprechen.

Moses machte erst gar nicht den Versuch, sich als Hirte darzustellen, der dazu nicht in der Lage ist, weil er ja nichts gelernt und aus sich gemacht habe und nur ein dummer Hirte geblieben ist.

Wahrscheinlich „schreckt“ vor Jammerlappen selbst Gott „zurück“.
 

15
Sep
2012

2 Vision

 

 

14
Sep
2012

1.5 Zwischen Welten

 




 

Neben der improvisierten Welt der Fantasie existiert die strategische Welt des Verstandes und die spielerische Welt der Vernunft. Die Fantasie gestaltet jedem Wesen je nach Begabung seine eigene Welt religiös, künstlerisch, philosophisch, wissenschaftlich, technisch, handwerklich, sportlich oder besonders gesellschaftlich orientiert aus.

Je nach Veranlagung fühlt sich das Wesen in dieser Klausur der Fantasie wohl oder es versucht, auch besonders durch Reisen andere Welten kennen zu lernen und für sich zu erobern. Bisweilen aber bleibt es bei sich zu Hause und richtet sich ganz speziell ein bzw. spezialisiert sich, was Interesse für Anderes nicht ausschließt. Aber da in den einzelnen Welten unterschiedliche Sprachen gesprochen werden, fällt es oft schwer, sich zu verständigen und zu verstehen. Schon innerhalb einer Welt fällt das schwer. Geisteswissenschaftler verstehen in den seltensten Fällen, was Naturwissenschaftler sagen und umgekehrt.

Was aber bewegt Fantasie, Vernunft und Verstand, die Seele zu einer gemeinsamen Reise mit ihnen einzuladen? Geraten Vernunft und Verstand dadurch nicht in Schwierigkeiten, wenn sie sich aus sich heraus bewegen, um sich auf die Fantasie der Intuition einzulassen?

Es ist die Sehnsucht der Seele nach Utopia, einem Ort, den sie zwar fühlt, den sie aber noch nicht zu schauen, geschweige denn in Worte zu fassen vermag.

Den Ruf der Utopie verspürt die Seele zwar als inneren Antrieb, aber Hemmungen oder gar Blockaden hindern sie daran, dieser Berufung zu folgen. Allzu oft sind es aber auch spießbürgerliche Verklemmungen, Ängstlichkeiten oder ganz einfach Bequemlichkeiten, die einem Aufbruch entgegen stehen.

Aber einem inneren Ruf nicht zu folgen, das bedeutet oft, die eigene tragische Komödie zu inszenieren, denn Ausreden und Ausflüchte gestalten nun die Biografie seelischer Trägheit und Mutlosigkeit.
Da aber die Seele lebenslang ihre gefühlte Aufgabe nicht aufgibt, werden Gründe in der Erziehung gesucht, um fadenscheinig zu erklären, warum man diese Herausforderung beim besten Willen nicht annehmen kann.
So entgeht man durch selbstlügnerisches Jammern inneren Forderungen und tapst von einer Falle in die nächste.

Es ist nie zu früh und selten zu spät, der Mitwirkung bei einer selbstinszenierten Tragödie eine Absage zu erteilen, um sich endlich mit den verbliebenen Möglichkeiten auf den Weg zu machen
 
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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Es gelten die Rechtsvorschriften für Webseiten der Universität Flensburg © Texte: Wolfgang F. Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) wfschmid(at)me.com Bilder: Ulrike Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) mail(at)ulrike-schmid.de

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