Unilogo

5
Jan
2013

Buch Arete

 
Wie zu Beginn eines philosophischen Gesprächs üblich begrüßt Sokrates zunächst seine Gäste, zuerst die junge Arete, den jungen Platon, und nicht zuletzt Protagoras.
Da sich der Grund für das philosophische Gespräch aus der Einladung von Arete ergibt, bittet Sokrates auch Arete, das erste Gesprächsthema zu wählen. Arete äußert ihre große Sorge über die Auswirkung der Logik auf die Bildung. Natürlich hat Arete bei ihrem Vorschlag mit der Angriffslust des Protagoras gerechnet. Prompt reagiert Protagoaras mit herausfordernder Ironie: "Ich bitte unsere Philosophin, uns doch erst einmal zu verraten, was sie unter Logik und Bildung versteht, damit auch ich ihre weise Klage zu erfassen vermag!"

Arete ist sehr wohl bewusst, dass Protagoras mit seinem Verständnis von Bildung sehr viel Geld scheffelt. Nicht ohne Grund gilt er als der bestbezahlte Wanderlehrer (übrigens bis heute). Sokrates erwartet gespannt Aretes Antwort.
Arete übernimmt die Tonart des Protagoras: "Bis auf Protagoras wisst Ihr ja alle, was wir als Wesen der Bildung betrachten, nämlich das Wachsen des Glaubens an die eigene Kraft, die Hoffnung auf Verwirklichung gegebener Möglichkeiten und die Liebe zu deren Umsetzung!"

Protagoras aber hält das für eine recht eigenwillige, weibische Auslegung von paideia und sagt das auch sehr deutlich. Sokrates greift ein, bevor das Ganze ausartet und es möglicherweise aus verletzter Eitelkeit nur noch um Rechthaberei geht. "Es kommt darauf an, mein verehrter Protagoras, ob man einen Vorgang vom Anfang oder vom Ende her betrachtet. Vom Ende her betrachtet, treffen Aretes Ausführungen durchaus zu, beschreibt sie doch nicht nur das, was wir doch alle als Kalokagathia begreifen?"

Protagoras ist damit noch keineswegs einverstanden, und er betont, dass das Ergebnis doch ganz entscheidend vom gewählten Weg abhängt. Der junge Platon gibt zu bedenken, dass die angesprochene geistig, seelisch, körperliche Harmonie nicht durch einen beliebigen Weg zu erreichen sei, sondern doch wohl vor allem durch den des idein (gefühltes Denken).

Arete greift diesen Gedanken auf und ergänzt, dass es dann wohl nur um den Weg der Ausbildung intuitiven Denkens gehen kann.
 

4
Jan
2013

Buch Arete

 
Arete ist zwei Stunden zu Fuß unterwegs, als sie nach 60 Stadien erneut Protagoras in die Arme läuft. Es ist wohl Sokrates, den Protagoras da begleitet. Protagoras begrüßt Arete und stellt ihr Sokrates vor, nicht ohne dabei etwas spöttisch zu bemerken, dass sich diese junge Frau im Augenblick im verkehrten Raum zur verkehrten Zeit aufhält.

Sokrates versteht nicht, was diese seltsame Bemerkung des Protagoras soll.

Sokrates begrüßt die Philosophin aus Kyrene sehr freundlich und sagt ihr, dass er sich auf das Gespräch mit ihr über die Zeit überaus freut, zumal er sich bis heute noch nicht eigens damit beschäftigt hat. Arete ihrerseits möchte gern Sokrates' Mäeutik verstehen lernen. Und vor allem interessiert sie, warum der Mensch den Athenern im Gegensatz zu den Kyrenern als vernunftbegabtes Lebewesen gilt. Unbemerkt beschleunigt das gemeinsame Interesse an den bevorstehenden Gesprächen ihre Schritte.

Sokrates erkundigt sich bei Protagoras nach dessen eigenartiger Bemerkung über die verkehrte Raum-Zeit. Aber Protagoras wünscht sich nun, das doch besser am Abend in Ruhe zu erörtern.
 

3
Jan
2013

Buch Arete

 
Nachdem Arete einige Stunden geschlafen hatte, erwachte sie vom Lärm im Haus tobender Jungens. Xanthippe erwartete sie bereits mit einem köstlichen kleinen Mahl, das sie eigens zubereitet hatte.
Bei ihr am Tisch saß eine ärmlich gekleidete, hübsche Frau, die Xanthippe mit Myrto vorstellt. "Myrto gehört zu den Verhältnissen meines Mannes. Weil sie als Witwe allein nicht zurechtkommt, wohnt sie bei uns!" Myrto aber erklärt, dass sie kein Verhältnis, sondern die zweite Frau Sokrates sei.

Arete sind solche Verhältnisse ganz offensichtlich sehr unangenehm, sie versucht abzulenken und unterbricht Myrto, indem sie nach den Namen der Jungen fragt. Xanthippe erklärt, dass Lamprokles ihr Sohn ist, und Myrto ergänzt, dass Sophroniskos und Menexenos ihre Söhne sind.

Arete erklärt, dass sie und ihr Mann noch keine Kinder haben, weil noch nicht die rechte Zeit dafür sei. Xanthippe und Myrto blicken sich verwundert an und fragen Arete erstaunt, wann denn die rechte Zeit sei. "Dann, wenn Archäos und ich beide dazu Lust haben!". Die beiden Frauen scheinen sich jetzt noch viel mehr zu wundern.

Xanthippe fragt, ob sie und ihr Mann noch nie etwas von guten Staatsbürgern gehört haben. Dann nämlich wüssten sie, dass es zu deren Pflichten gehört, für Nachwuchs zu sorgen.

Arete erklärt stolz, dass die friedlicheren Kyrener da anders denken als die kriegerischen Athener. Sie ergänzt "Ich weiß sehr wohl, dass die Bevölkerung Athens durch zahlreiche Kriege arg geschrumpft ist, und kriegslüsterne Politiker deshalb auf Nachwuchs drängen! Das ist aber nicht das Problem in Kyrene!"

Arete verspürt immer weniger Lust auf eine Stelle an der Akademie in Athen. Insgeheim sucht sie bereits nach einer Ausrede, um zu ihrem Archäos nach Kyrene zurückkehren zu können, ohne jemanden zu beleidigen. Also provoziert sie die beiden Frauen, sich über Männer auszulassen, um dann die völlig verschüchterte, verängstigte Frau zu spielen, die jetzt schleunigst zu ihrem Mann zurückkehren muss, damit dieser nicht mit einer anderen Frau die Ehe aufs Spiel setzt.

Voll gespielten Verständnisses verabschieden sich Xanthippe und Myrto von Arete.
 

2
Jan
2013

Buch Arete

 
Seit Arete ihren Vortrag über die Zeitenfolge auf dem Athener Markplatz gehalten hat, haben ihr einige Akademien eine Lehrstelle angeboten. Sie aber hat mit der Begründung abgesagt, dass es ihr an geistiger Zeit mangelt, um so etwas übernehmen zu können. Aber ein Schüler des Protagoras will das nicht akzeptieren. So hat er Arete zu sich nach Hause zu einem philosophischen Diskurs über die Zeit eingeladen.
Arete lässt sich nicht zweimal bitten, schickt einen Boten mit ihrer Zusage nach Athen und macht sich wenige Tage nach der Bestätigung auf den Weg nach Athen zu Sokrates.

Auf dem Marktplatz zu Athen trifft sie Protagoras, der sie freundlich begrüßt und sie spontan ob ihrer Unpünktlichkeit tadelt. Zugleich kritisiert er Aretes Methode der Zeit, da diese ja gar keine spontane Begegnung mehr erlaube. Arete aber verweist auf die Tatsache aufgabenfreier Zeiträume oder auch auf die Zeiten des Unterwegseins, die auch zufällige Begegnung ermöglichen. Nachdem Protagoras Arete erklärt hat, dass er im Augenblick weder ohne Aufgaben noch unterwegs ist, beantwortet er Aretes Frage und erklärt ihr den Weg zum Haus des Sokrates.

Dort empfängt sie Sokrates Frau Xanthippe erbost darüber, dass ihr Mann erneut die Frechheit besitzt, seine Freundinnen nun auch wieder einmal zu sich nach Hause zu bestellen. Arethe aber versucht die aufgebrachte Xanthippe zu beruhigen, indem sie ihr überzeugend erklärt, dass sie mit solchen Dingen nichts zu tun habe. Dann erklärt sie Xanthippe den Grund ihres Kommens. "Verstehe, Sie sind also das philosophierende Weib aus Kyrene! Mein Mann hat von Ihnen gespochen und Sie tatsächlich auf Rat seines Lehrers Protagoras eingeladen!" Dann erklärt sie sichtlich beruhigt, dass ihr Mann in Athen sei, um für die Familie Besorgungen zu machen. Es sei aber nie sicher, wann mit seiner Rückkehr zu rechnen sei. Das hinge u.a. ganz davon ab, wem er in Athen begegnet. Also lädt sie Arete ein, doch hier zu warten. Arete, müde von der Reise, nimmt diese Einladung gern an.
 

1
Jan
2013

Buch Archäos

 
Verschiedene Welten unterscheiden sich durch verschiedene Zeiten. Arete unterscheidet vor allem zwischen körperlicher, seelischer und geistiger Zeit. Körperliche Zeit ist der naturgegebene Wechsel der Jahreszeiten, durch welche die körperliche Befindlichkeit erheblich beeinflusst wird. Arete betont immer wieder, dass nichts gegen die körperliche Zeit unternommen werden darf. Arete nennt die Kondition das Maß der körperlichen Zeit. Die seelische Zeit ist die gefühlte Zeit, das ist jene Zeit, die man während der Verrichtung einer Aufgabe empfindet. Je länger etwas dauert, desto ungünstiger erscheint die Zeit, die dafür verwandt wird. Das Erleben von Zeit ist das Maß der seelischen Zeit. Die geistige Zeit nennt Arete das Träumen, das Planen von Vorhaben oder künstlerische Arbeiten. Die Kraft der Visionen nennt Arete das Maß der geistigen Arbeit oder Zukunft. Mit diesem Maß misst Arete das wahre Alter eines Menschen. So hält sie beispielsweise den alten Protagoras für jung, da er immer voller neuen Ideen steckt und die Leute immer wieder damit überrascht.
 

31
Dez
2012

Buch Archäos

 
Protagos trifft wider Erwarten Aretes viel zu früh ein. Protagoras aber besteht darauf, dass er pünktlich sei. Arete jedoch erklärt, dass jeder Mensch sein eigenes Zeitsystem hat. Ihre Zeit orientiere sich an ihren Aufgaben, und da sie ihre Hausarbeit noch nicht erledigt habe, sei auch keine Zeit für Besuche. Protagoras schätzt Aretes Spitzfindigkeiten sehr und lässt sich deshalb überaus gern darauf ein. So erklärt er, dass er auch nach ihrer Zeit durchaus pünktlich sei, denn seine Aufgabe, Arete und Archäos zu besuchen, sei mit seiner Ankunft erfüllt.

Arete aber widerspricht ihm, indem sie darauf hinweist, dass seine Aufgabe nicht die gleiche wie die ihrige sei. Das wäre erst abends der Fall, nämlich zu der Zeit für Besuche. Also wäre er jetzt entschieden zu früh. Wenn er aber trotzdem pünktlich sein wolle, dann könnte er ja seine Aufgabe der ihrigen angleichen und ihr helfen. "Verdammte praktische Philosophie!", schimpft Protagoras, fragt aber dann doch, was er tun solle.

Arete drückt ihm lächelnd einen Korb und einen Einkaufszettel in die Hand und sagt ihm, dass er alles auf dem Markt in Kyrene finden könne. Das Geld für die Ware befände sich im Korb.

Unterwegs trifft Protagoras Archäos. Archäos fragt ihn, wo ihn sein Weg hinführe. Der Schrecken steht ihm im Gesicht, als er erfährt, dass sich Protagoras auf dem Weg zum Markt befindet, um für Arete einzukaufen. Archäos aber erklärt ihm, dass heute die falsche Zeit sei, da kein Markt abgehalten würde. Protagoras erwidert überrascht, dass er dann in Kyrene bleiben würde, bis die rechte Zeit für seine Aufgabe gekommen sei.
 

30
Dez
2012

Buch Archäos

 
Archäos ist durchaus beeindruckt von Aretes Gedanken über den zureichenden Grund für persönliche Entscheidungen. Andererseits ist er der Ansicht, dass Gedanken, die nicht lebensfähig sind, nichts taugen. Aber im Gegensatz zu ihm besteht Arete darauf, dass nicht irgendein Leben in irgendeiner Zukunft gemeint sein kann. Was da Archäos von Metaphysik erzählt, hält sie für eine schöne Traumwelt. Überhaupt kritisiert Arete an der Philosophie, dass sie praktisch wenig taugt und ihre Fantasien vorwiegend außer Haus in einer anderen Welt spielen lässt. Bisweilen nennt Arete die Philosophen sogar Sterngucker und spielt damit auf Thales von Milet an, der ganz in Gedanken in einen Brunnen gefallen ist. Viele Abende diskutieren Arete und Archäos über Sinn und Zweck der Philosophie. Arete fordert immer wieder, dass Philosophie so praktisch wie die ihrige werden muss. Und sie wird nicht müde, Archäos die wesentlichen Aufgaben zu erklären. Sie nennt ihre Philosophie dann gern eine Kunst der Vereinfachung. Besonders zu später Stunde, wenn sie wieder einmal zu oft in ihren Weinkrug geschaut hat, wiederholt sie immer wieder, dass sie jetzt ihre Philosophie des rechten Maßes anwende und keinen Schluck mehr trinken werde. Archäos weiß dann, dass es höchste Zeit ist, schlafen zu gehen, will er Arete nicht wieder tragen müssen. Aber Archäos gesteht Arete auch gern zu, dass sich seine Philosophie eben kaum auf den Alltag übertragen lässt. Andererseits findet er Aretes Methode, die Dinge nach dem Prinzip des kürzesten Weges zu ordnen, auch nicht unbedingt optimal. So müssen Arete und er, wenn sie zu einem Fest eingeladen sind, ihre Gewänder immer wieder erneut unter zwischenzeitlich abgelegten Kleidungsstücken suchen. Arete erklärt das damit, dass unwichtige Dinge natürlicherweise in den Hintergrund drängen, um wichtigeren Dingen Vorrang zu lassen. Deshalb ist die Kleidung, die sie täglich benötigt, sofort greifbar. Aber Arete gibt auch zu, dass die Kunst der Vereinfachung ihre natürlichen Grenzen an Ordnungen finde. Das scheint sie nicht zu stören, wenn sie diese Grenzen wieder einmal überschreitet und dabei von der Freiheit der Unordnung schwärmt. Wen wundert es dann noch, dass Archäos den bevorstehenden Besuch seines Lehrers Protagoras mit gemischten Gefühlen erwartet.
 

29
Dez
2012

Buch Archäos

 
Archäos ist sehr erstaunt, als ihm Arete zu erklären versucht, dass Frauen im Gegensatz zu Männern zuerst fühlen und dann denken, während Männer zuerst denken und dann fühlen. "Aus diesem Grund gibt es unter Frauen so gut wie keine Philosophinnen.", betont Arete. Sie selbst betrachtet sich als Ausnahme, weil es ihr gelingt, das, was sie fühlt, unmittelbar zur Sprache zu bringen. Arete erklärt Archäos, dass ihr Vater Aristippos war, der ihr das in Kyrene schon als kleines Mädchen beigebracht habe, statt zu denken, mit Gefühlen zu malen. Sie erzählt, ihr Vater habe nämlich früh bei ihr eine philosophische Begabung entdeckt. Diese Entdeckung machte er, als er mich heimlich im Garten beobachtete, wie ich die Blumen in die Philosophie einführte. Nach seiner Erzählung habe ich den Blumen beigebracht, nicht auf die Erfahrung zu bauen, sondern allein dem zu vertrauen, was Lust oder Unlust verschafft. Ich hatte auf die Bienen gezeigt. Sie haben Lust auf Honig, und deshalb ist Honig für sie auch eine wahre Nahrung. Und Arete betont, dass sie noch immer in echten Gefühlen die Zeichen für das Wahre sieht. Natürlich, so betont sie, können Gefühle nur das als wahr erkennen, was wichtig für das Leben ist. Philosophie ist deshalb für mich Liebe zum Leben, welche höher als alle Weisheit ist.

Archäos sieht in Aretes Ausführungen den Einfluss ihres Vaters, der in Kyrene ein bedeutender Philosoph ist. Ihr Vater hält nämlich mathematische und physikalische Studien für unnütz, weil sie nichts dazu beitragen, was für das Leben nützlich ist. Es gilt nicht mehr das allgemein Zutreffende des Sokrates, sondern das eigene Wohlbefinden.
 

28
Dez
2012

Buch Archäos

 
Nach seiner Rückkehr aus Athen will Arete von Archäos sogleich erfahren, ob ihn denn nun Sokrates Entdeckung der Metaphysik zufriedenstelle. Allerdings drückt Archäos' Mimik nicht gerade Begeisterung aus. Dementsprechend erklärt Archäos, dass er erst noch einmal darüber nachdenken muss. Arete kennt ihren Archäos nur zu gut, um jetzt nicht zu wissen, dass Sokrates ihn nicht überzeugt hat. Nun erst erzählt ihr Archäos, dass er sich in Athen auch länger mit einem Schüler von Sokrates unterhalten habe. Dieser Platon hätte ihm sehr viel mehr zu denken aufgegegeben als sein Lehrer. Er behauptet nämlich etwas völlig Ungewöhnliches.

Archäos versucht dies nun Arete zu erklären. Platon behauptet, dass uns das Denken überhaupt nicht weiterbringt, da es sich letztendlich immer nur im Dunstkreis des Wahrnehmens abspiele. Platon erklärt, dass wir neben dem Denken noch ein sehr viel bedeutsameres Vermögen, etwas in Erfahrung zu bringen, besitzen. Platon nennt es idein, was so viel wie Intuition bedeutet. Arete fängt an zu lachen und entschuldigt sich sofort dafür. Dann nennt sie den Grund ihrer Heiterkeit. Arete amüsiert sich über die Geheimniskrämerei der Männer und belehrt Archäos, dass sie ihm das hätte gleich sagen können. Nach Aretes Auffassung verfügen nämlich Frauen natürlicherweise schon immer über die Gabe der Intuition. Männer machen um diese Gabe viel zu viel Aufhebens.

Archäos aber findet das alles gar nicht lustig. Also bittet er Arete darum, ihm doch einmal zu erkären, was sie eigentlich unter Intuition versteht. Arete wählt als Beispiel den gemeinsamen Besuch im Theatron. Archäos prahlt dort gern mit seiner Kritik an einem Stück, indem er Zusammenhänge als nicht stichhaltig darstellt. Arete empfindet solche Kritik eher als Störung, kann sie doch dann nicht mehr die Atmosphäre einer Aufführung genießen.

Im Gegensatz zu Archäos besucht Arete das Theatron, um sich für Stunden einmal abzulenken. Archäs aber legt großen Wert darauf, sich mit der Lehre zu beschäftigen, die ein Theaterstück vermittelt.
 

27
Dez
2012

Buch Archäos

 
Heraklit, ein Philosoph, der um 520 bis etwa 460 in Ephesos lebte, verglich das Denken mit einem Fluss und machte klar, dass das Erfassen eines Gedankens eigentlich nicht möglich ist, weil die Zeit dazu fehlt.

Als Moment des Bewusstwerdens ist Bewusstsein die Erinnerung einer Wahrnehmung, die längst verflossen ist, wenn das Denken sich mit ihr beschäftigt.

Wahrnehmungen, über die nachgedacht wird, sind entweder bereits vergangen oder noch nicht geschehen. Die Vergegenwärtigung von Wahrnehmungen ist nämlich eine Fiktion des Bewusstseins. Gäbe es ein Jetzt, würde das Stillstand bedeuten. Und wenn Wirklichkeit eines nicht ist, dann ist es Stillstand.

Angesichts ständiger Veränderung existiert für Heraklit kein Sein. "Panta rhei!". "Alles ist in Fluss!". Niemand kann zweimal in denselben Fluss steigen, denn beim zweiten Mal fließt ihm anderes Wasser zu als beim ersten Mal. Nichts geschieht noch einmal so wie es geschehen ist. Die Wiederholung geschieht aufgrund einer Unschärfe des Wahrnehmens. Der Alltag als Wiederholung des immer Gleichen existiert, weil wir unscharf wahrnehmen und Gewesenes projizieren, um so die Veränderung nicht sehen zu müssen.

Wir sehnen uns nach Beständigem und wollen etwas Anderes nicht wahrhaben. Der zureichende Grund ergibt sich aus der Tatsache, dass das Denken Zeit braucht, um Wahrnehmungen zu verstehen. Wahrnehmen unmittelbar zu verstehen, das ist erst dann und nur dann möglich, wenn das Verstehen automatisiert ist oder instinktiv geschieht.

Sokrates gesteht zwar Heraklit zu, dass Denken in Bezug auf Wahrnehmen nichts ausrichten kann, aber er kritisiert Heraklit, nicht zu bedenken, dass Denken ebenfalls Wahrnehmen bedeutet, und zwar nicht Wahrnehmen der Sinne, sondern Wahrnehmen der Vernunft.
Während sinnliches Wahrnehmen Werden reflektiert, reflektiert geistiges Wahrnehmen (Denken) Sein.

Als Gegensatz zur Physik des Werdens entdeckt Sokrates die Metaphysik des Seins.

Allein geistiges Wahrnehmen vermag die Unsicherheit angesichts ständiger Veränderung zu überwinden. Das was das Sein eines ständig sich verändernden Seienden ausmacht, ist das, was es nicht nur wesentlich als solches bestimmt, sondern auch überdauert. Wenn ein Gerechter stirbt, bleibt die sein Leben maßgeblich bestimmende Gerechtigkeit erhalten.

Angesichts des Sterbens nehmen die Sinne allein Vergänglichkeit wahr, und sie sehen nicht mit den Augen der Vernunft das Unvergängliche des Wesens und die Unsterblichkeit der Seele.
 

26
Dez
2012

Buch Archäos

 
Der Verstand des Archäos lässt die Fantasie die ersonnene Götterherrschaft in Frage stellen. Er glaubt nicht, was man sich über die Götter so erzählt, und er sieht schon gar nicht, dass im Namen der Götter sogar Kriege geführt werden. Da sich Archäos außerstande sieht, das inzwischen ausgeklügelte, verwickelte Netz noch zu durchschauen, verspürt er die starke Neigung, einfach das Ganze abzulehnen. Aber Freunde raten ihm dringend, davon abzusehen, denn es wäre unmöglich, sich gegen eine allgewaltige Götterlobby durchzusetzen. Arete, die Freundin des Archäos, die zugleich als erste Frau gilt, die sich mit Philosophie beschäftigte, macht ihrem Archäos einen ganz praktischen Vorschlag. Sie gibt ihm zu bedenken, ob er den Götterfantasien nicht zu viel Gewicht einräumt. Schließlich handle es sich doch nur um eine Art fantastisches Spielzeug, mit dem nur Bedürfnisse in Traumwelten befriedigt werden. Arete schlägt ihm vor, sich doch lieber selbst etwas auszudenken. Und Arete schlägt ihm vor, doch gemeinsam etwas auszudenken, was mächtig genug sein würde, um sich gegen die Traumgeburten der Götter durchzusetzen. Jetzt erzählt Archäos seiner Freundin Arete von seinem geheimen Wunsch. Er möchte nämlich gerne Sokrates in Athen aufsuchen, um mehr über dessen geheimnisvolle Entdeckung der Metaphysik zu erfahren.
 

25
Dez
2012

Älteres Testament

 
In jenen Tagen, in welchen Religionen noch unbekannt waren, lebten die Lebewesen voller Glück. Die Idee des Paradieses war nocht nicht entdeckt. Die Lebewesen stillten ihre Sehnsucht noch mit eigenen Träumen. Da der Verstand noch nicht entwickelt war, existierten keine Ordnungen. Der Umgang miteinander wurde rein körpersprachlich spielerisch geregelt und von guten Gefühlen gesteuert.
Weil die Lebewesen Tiere als ihresgleichen betrachteten, ernährten sie sich mit ihnen ausschließlich von Pflanzen. Da Ich und Selbst noch ununterschieden waren, war ihre Gemeinschaft noch durch das Wir geregelt. Die Tiere galten für fortschrittlicher als die Menschen. Die Verständigung mit ihnen und die Bildung durch sie geschah durch Intuition. Das Vermögen, Erfahrungen sammeln, vergleichen, erinnern und verbessern zu können, sortiert allmählich einige Lebewesen aus. Bei diesen bildet sich Vernunft heraus, und zwar als die Fähigkeit, die Steuerung durch Triebe und Instinkte durch gefühlsmäßige Regelung zu ersetzen. Vernunftbegabte Lebewesen können gefühlsmäßig entscheiden und sind nicht mehr nur ihren Trieben ausgeliefert. Erlebnisse spiegeln sich mit erwachender Fantasie in Bildern wider, aus denen sich in Träumen Geschichten gestalten. Es sind übermächtige Bilder, die auch tagsüber noch gegenwärtig bleiben. Das vernunftbegabte Lebewesen erfährt diese Gegenwart der Traumgestalten als Begleitung von Göttern und fühlt sich durch sie beschützt. Es macht Spass, sich am lodernden Feuer inmitten geheimnisvoller Schatten Geschichten darüber zu erzählen, um darüber die Härte des zurückliegenden Tages zu vergessen.
 

24
Dez
2012

Weihnachtsbotschaft

 
Im Verlauf der Geschichte der Abendländischen Kultur werden Ursache und Wirkung miteinander verwechselt. In den Anfängen erfährt das vernunftbegabte Lebewesen Natürliche Ereignisse als göttliche Botschaften, bis schließlich Götter Ereignisse der Natur verantworten.

Wodurch wurde diese Verwechslung von Ursache und Wirkung ausgelöst? Hoch wahrscheinlich waren jene, welche durch Deutung von natürlichen Ereignissen als göttliche Botschaften viel Geld verdienten, daran interessiert, ihre Verdienstmöglichkeiten oder Macht noch zu steigern, indem sie sich entweder zu Befehlshabern der Götter erhoben oder zu Göttern ernannten. Ein Höchstmaß an Macht erreichte ein Herrscher als Gott in einer Person. Gottkönig zu werden, könnte den armen, hoch begabten Jeschua aus Nazareth gereizt haben, sich als solcher durch das Neue Testament zu etablieren. Jedenfalls hat er es geschafft, sein Ansehen zumindest als Gottes Sohn bis heute zu bewahren.

Sonntag für Sonntag bekennen sich zwei Milliarden gläubige Christen zu dieser Idee. Machthunger und Unterwürfigkeit bilden die beiden Pole der Weltgeschichte. Wahrscheinlich gilt es als absolutes Tabu, einen Papst für seine schauspielerische Leistung mit einem Oscar auszuzeichnen. Es gibt einfach Rollen, an die nicht gerührt werden darf.

Nun treten immer wieder Denker in Erscheinung, die unabhängig von religiösen Machwerken behaupten, dass religiöse Wahnideen ihren eigentlichen Grund in der Tatsache haben, dass jenseits der Welt sinnlicher Wahrnehmung eine raum- und zeitlose Welt existiert. Diese metaphysische Welt lässt sich auch metaphysisch denkend erreichen.
 

23
Dez
2012

Das innere Licht

 
Während unseres Besuches im Gedankenlabor werden wir von der inneren Stimme ermahnt, keine Zeit damit zu vergeuden, uns um die Bildung praktischer Begriffe zu kümmern. Dieser Beschäftigung lässt sich nämlich auch sehr gut außerhalb des Gedankenlabors nachgehen.

Die Fragen nach der Bildung praktischer Begriffe sind letztlich aus dem Bedürfnis heraus entstanden, mehr Sicherheit für Erscheinungen zu erhalten, die sich eben nicht empirisch erklären und beweisen lassen. Dieses Bedürfnis aber scheint sich nicht befriedigen zu lassen, da sich das Gedankenlabor außerhalb des sinnlich Vernehmbaren befindet. In diesen metaphysischen Außenbereichen lässt sich einzig und allein das in Erfahrung bringen, was durch das innere Licht erhellt wird.

Es erscheint demnach sinnvoll, sich mit diesem Phänomen noch näher zu befassen. Schließlich sind die wichtigsten Entdeckungen für die Welt des sinnlich Vernehmbaren ausschließlich im Schein des inneren Lichts entstanden.

Da sich Probleme, die durch eine Denkweise entstanden sind, nicht zugleich auch durch diese Denkweise lösen lassen, müssen jenseits der Wahrnehmung unserer Sinne Lösungen für sie gefunden werden. Wir dürfen uns endlich nicht mehr darauf verlassen, dass nur das existiert, was sich sinnlich erfassen, messen und beweisen lässt, sondern wir müssen uns darauf einlassen, dass Wesentliches wahrscheinlich nur außerhalb geschieht.

Es ist genau die Absicht, das zu tun, die uns letztlich zum Besuch im Gedankenlabor veranlasst hat. Ein solcher Besuch bedeutet vor allem, dem inneren Licht zu begegnen.

Mit der Erscheinung des inneren Lichts wird vor allem in der Esoterik viel Missbrauch getrieben. Das innere Licht ist allerdings nicht durch noch so starke Konzentration auf Chakren zu erreichen, sondern es lässt sich allein durch metaphysiches Denken entzünden bzw. wahrnehmen. Indem das innere Licht aufscheint, wechselt das Denken vom physischen in den metaphysischen Bereich.

Ob jemand das innere Licht in sich trägt, lässt sich leicht daran erkennen, ob sein Handeln durchgängig von einem einzigen maßgeblich bestimmenden Beweggrund motiviert wird. Das deutet eindeutig darauf hin, dass das innere Licht, eine durch besondere Begabung vermittelte Energie ist.

Das schränkt natürlich die Möglichkeiten, selbst ein Gedankenlabor zu besuchen, erheblich ein. Um so wichtiger ist es, das was in einem Gedankenlabor vor sich geht, sehr anschaulich zu gestalten, damit es wenigstens nachvollziehbar bleibt.

Wie in katholischen Kirchen das rote "Ewige Licht" Zeichen für die Anwesenheit Gottes ist, so ist das Innere Licht Zeichen für eine jenseits der sinnlichen Wahrnehmung gelegene verborgene, geistige Welt. Das Innere Licht erscheint als strenges Analogon zum Ewigen Licht.
 
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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