Unilogo

22
Dez
2012

Buddhas Advent

 
Sein ist die Fülle aller Möglichkeiten, seiend zu werden. Sein ist als Wesen des Seienden die Bedingung der Möglichkeit von Existenz. Sein ist jene Information, welche der Energie ermöglicht, Materie zu werden.

Das vernunftbegabte Wesen nennt Nichts jenes, welches für es als Herkunft des Seins hervor scheint. Nichts erscheint als uninformierte oder pure Energie. Nichts ist das Wesen von Energie, und Sein ist das Wesen von Materie. Physikalisch, nicht philosophisch betrachtet ist Sein und Nichts dasselbe.

Das vernunftbegabte Wesen verfügt über zwei duplizitäre Arten und Weisen des Wahrnehmens: den Verstand, der das sinnliche Erfassen organisiert und die Vernunft, die das intuitive Erfassen organisiert.

Der Verstand wird durch Betrachten, Beobachten und Begreifen konstituiert. Die Vernunft wird durch Glauben, Hoffen, Lieben bestimmt.

Die treibende Kraft des Verstandes ist das Denken. Die treibende Kraft der Vernunft ist das Fühlen bzw. Empfinden.

Der Verstand zählt, rechnet und mathematisiert seine Welt. Die Vernunft spürt, fantasiert und inszeniert ihre Welt. Der Verstand verwirklicht sich vor allem durch die Naturwissenschaft, die Vernunft durch Philosophie und Kunst.

Die naturgegebene Duplizität von Verstand und Vernunft gebärt das Lebewesen in eine Parallelwelt hinein, in der es sich entscheiden oder das Gleichgewicht zwischen beiden wahren muss, wenn es nicht im ständigen Konflikt leben will.

Der Name für das Erfahren eines solchen Gleichgewichts ist „Weisheit“.

Die dem Verstand zugängliche physische Welt lässt sich naturwissenschaftlich erforschen und erfahren.

Die der Vernunft zugängliche metaphysische Welt lässt sich philosophisch erforschen und erfahren. Die Möglichkeiten naturwissenschaftlichen Forschens enden an den Grenzen des Seins, also genau dort, wo Philosophie beginnt. Bisweilen haben geniale Physiker die Grenze zu überschreiten vermocht. Desgleichen gilt, wenngleich seltener und zeitlich sehr viel früher, für geniale Philosophen.

Physische und metaphysische Welt unterscheiden sich wesentlich in ihrer existentiellen Qualität. Die metaphysische Welt ist als Möglichkeit der Wirklichkeit der physischen Welt. Diese Möglichkeit wird von der Vernunft vergegenwärtigt. Als Ideengeberin des Verstandes schafft die Vernunft Ideen für das Gestalten von Wirklichkeit.

Im Gegensatz zur Philosophie existiert die metaphysische Welt für die Physik nur virtuell. Eine besondere Qualität von Wirklichkeit gewinnt die metaphysische Welt in der Mystik.

Mystisch und visionär begabte Menschen wie Hildegard von Bingen vermögen die metaphysische Welt nicht nur zu schauen, sondern mit ihr sogar zu kommunizieren und die empfangene Information in ihre Sprache zu übersetzen. Angesichts der Seltenheit solcher Erscheinungen wird dementsprechend von Wundern gesprochen. In den Religionen werden mystisch begabte Menschen als Religionsstifter, Propheten, Heilige verehrt oder sogar bis in unsere Gegenwart zu Kriegen missbraucht.

Voraussetzungen für eine Vision sind Sehnsucht, ein extrem starker Wunsch, Besonderes zu schauen, eine Fantasie, die das zulässt, hoch sensibilisierte Konzentration, aber auch - tabuisiert - extremer Ehrgeiz und wahrscheinlich auch ein Wille zur Macht.

Visionäre Erscheinungen, besonders von Verstorbenen, sind aber auch bei extremen Schmerz und tiefer Trauer möglich.

Wie wahr erscheint das, was sich in einer visionären Erscheinung offenbart?

Offenbarungen gehören dem Glauben und damit der Vernunft. Sie lassen sich mit Verstand nicht erschließen.

Nach Auffassung der Philosophen des Altertum gehören visionäre Offenbarungen zum Wesen des Menschen. Deshalb bestimmen sie den Menschen als vernunft- und nicht als verstandbegabtes Wesen.

Für die Vernunft kann alles sein, was für den Verstand nichts ist.

Buddha offenbart sich Alles und Nichts als dasselbe. Um das erfahren zu können, muss der Verstand alles loslassen.

Weisheit ist jenes Glück, welches durch vollkommenes Loslassen zum Vorschein gelangt und von innen nach außen ausstrahlt. Der weise Mensch betrachtet und beobachtet alles gelassen, ohne Anspruch, es begreifen zu müssen.

Um Weisheit erlangen zu können, müssen Vernunft und Verstand im Gleichgewicht sein.
 

21
Dez
2012

Kann Wissenschaft praktisch sein ?

 
Wissenschaft hat es mit der Bildung theoretischer Begriffe zu tun. Es existiert ein maßgeblicher Unterschied zwischen einem theoretischen und praktischen Begriff. Der theoretische Begriff ist allgemeingültig bzw. objektiv. Der praktische Begriff ist nur für den Einzelfall gültig bzw. subjektiv.

Nach Aristoteles ist Sokrates der erste gewesen, der nicht nur danach fragte, woraus etwas geworden ist, sondern danach, was es ist. Ziel des sokratischen Fragens war eine allgemein gültige, unbezweifelbare Definition, die er in Gesprächen mit seinen Gesprächspartnern entdecken wollte. Dabei gibt sich Sokrates nicht mit einzelnen Fällen oder Beispielen einer Sache zufrieden. So fragt er nicht nach Beispielen gerechten Handelns, sondern möchte wissen, was die Gerechtigkeit selbst ist. Er forderte seine Gesprächspartner auf, das Allgemeine aus dem Einzelnen herauszuarbeiten. Das ist das, was bei aller Mannigfaltigkeit der Einzelfälle immer identisch bleibt.
(vgl. Chr. Axelos: Allgemeines, Besonderes, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie 1, S. 164 f.; ebenso: Gernot Böhme: Platons theoretische Philosophie, Metzler Verlag, 2000 (Lizenzausgabe der WBG S. 116))

„Zweierlei ist es, was man mit Recht dem Sokrates zuschreiben kann: die Induktionsbeweise und die allgemeinen Definitionen; dies beides nämlich geht auf das Prinzip der Wissenschaft. Sokrates setzte das Allgemeine und die Begriffsbestimmungen nicht als abgetrennte, selbständige Wesen; die Anhänger der Ideenlehre aber trennten es ab und nannten dieses Ideen der Dinge."
(Aristoteles: Metaphysik, 1078b, übersetzt von Hermann Bonitz)

Aristoteles nennt das Allgemeine, das vielem Besonderen zukommt, das Wesen einer Sache. Er nennt den Begriff auch oft "Logos", um die Notwendigkeit der sauberen Ab- oder Eingrenzung in Bezug auf das vielerlei Einzelne aufzuzeigen. Daher rührt auch der lateinische Ausdruck für Begriff "definitio" (Abgrenzung).

SUMMA: Ein Begriff (Definition) umfasst zwei Teile. Der erste ordnet den Begriff in eine Gruppe von Begriffen ein (Der Mensch ist ein Lebewesen). Der zweite Teil ordnet dem Begriff das zu, was ihn in der Gruppe besonders (wesentlich) auszeichnet: Vernunft, also "vernunftbegabtes Lebewesen".
 

20
Dez
2012

Zur praktischen Begriffsbildung

 
Die praktische Begriffsbildung durch die Vernunft vollzieht sich im Gegensatz zur theoretischen Begriffsbildung des Verstandes nicht künstlich aufgrund von Erziehung und Unterricht, sondern natürlich aufgrund von Veranlagung und Einflüssen.

Die theoretische Begriffsbildung beruht auf Lernen durch Einsicht. Die natürliche Begriffsbildung dagegen beruht auf Lernen durch Nachahmung.

Die praktische Begriffsbildung ist im vernunftbegabten Lebewesen von Natur aus angelegt. Sie bildet das Grundmuster für die Bildung eines theoretischen Begriffs.

Unterricht ist jedoch nicht darauf ausgelegt, Kinder sich durch Anwendung ihrer natürlichen Begriffe ausprobieren zu lassen. Stattdessen werden ihnen neue Verhaltensmuster aufgedrängt. Das geht so lange gut, wie es gelingt, die theoretische Begriffsbildung der praktischen anzugleichen. Das Kind erfährt auf diese Weise eine Erweiterung seines Nachahmungsverhaltens durch die Erfahrungen des Experimentierens. Wenn sich ein Kind im Naturkundeuntericht das Bestimmen von Pflanzen aneignen soll, dann werden ihm gewöhnlich die maßgeblich bestimmenden Eigenschaften von Pflanzen vorgegeben, statt sie selbst herausfinden zu lassen, wodurch sich Pflanzen unterscheiden.

Das Problem ist jedoch, dass die gegenwärtige Organisation der Schule keine Zeit zum eigenen Experimentieren lässt. Es verhält sich gerade so, als sei das Prinzip des Exemplarischen immer noch völlig unbekannt. So werden Lernende mit Lernstoffen überfrachtet, statt exemplarisch lernen zu dürfen.

Andererseits besteht bei der natürlichen, praktischen Begriffsbildung auch ständig die Gefahr von Verwilderung, wenn diese nicht systematisch gefordert und dadurch gefördert wird. Systematische Förderung bedeutet, dass Regeln zur praktischen Begriffsbildung vermittelt werden.

Praktische Begriffsbildung vollzieht sich als Versuch und Irrtum durch Wiederholen des Gleichen.
Wahrnehmen wandelt sich vor allem durch Zeigen und mehr noch durch eigenes Tun zum Wahr Nehmen.
„Was du mir sagst, das vergesse ich. Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich. Was du mich tun lässt, das verstehe ich.“ Dieser Konfuzius zugeschriebene Spruch bringt den zureichenden Grund praktischer Begriffsbildung auf den Punkt.

Sagen hilft nur, wenn das Gesagte vom Gehirn spontanes Bilderleben erzeugt und sich aus dem Bilderleben eine ansprechende Geschichte inszeniert. Weil Märchen und Fabeln das so phantastisch einfach, leicht gelingt, werden sie auch gut gemerkt.
Zeigen hilft nur, wenn das Gezeigte eine Verhaltensstrategie leicht erkennen lässt. Das, was Schritt für Schritt erfahren wird, lässt sich ebenfalls gut merken.
 
Eigenes Tun, lässt sich am besten merken, weil das Gehirn alles bevorzugt merkt, was bewegt wird. Bewegung ist die beste Assistentin nicht nur des Lernens, sondern auch des Denkens.
 

19
Dez
2012

Eigenschaften eines Begriffs

 
Ein praktischer Begriff existiert als solcher erst dann und nur dann, wenn er sich als Handlungsvorlage oder Vorbild definiert. Der Praktikant repräsentiert eine erfolgreiche unterrichtliche Maßnahme, nämlich klare, sehr deutliche Zeichen, die signalisieren, worauf es im Augenblick ganz entschieden ankommt.
Praktische Begriffe werden durch wiederholtes Handeln definiert. Solche Begriffe können nur durch Praxis bewiesen werden. Der Beweisgrund ist kein System, sondern einzig und allein eine zuverlässige Übereinstimmung von Vorlage und vollzogener Handlung. Allein die Bildung praktischer Begriffe ermöglicht einem vernunftbegabten Wesen natürliches Lernen, das ist das Lernen durch Nachahmen (Imitation).

Praktische Begriffe ermöglichen keine unmittelbare Anwendung, sondern erfordern vorweg eine sorgfältige, situative Ableitung auf die eigenen Bedingungen des Handelns. So wäre es absurd, von dem gestrigen pädagogischen Begriff des Praktikanten abzuleiten, dass jede überlaute, undisziplinierte Lerngruppe mit einem lautstarken Signal des Lehrenden spontan zur Vernunft gebracht werden kann.

Die Verwendung nicht objektiver, praktischer Begriffe verlangt in jedem Fall deren Subjektivierung unter den augenblicklichen persönlichen Bedingungen. Will man versuchen, aus praktischen Begriffen Verallgemeinerungen zu gewinnen, so muss man versuchen, deren gegensätzliche Anwendungen zu superieren, also zu einem Oberbegriff zusammenzuführen. Das bedeutet, dass zwar in Bezug auf jedes Verhalten eines Lehrers deutliche Signale erforderlich sind, aber solche Signale je nach Persönlichkeit unterschiedlich ausfallen. Nicht nur eine laute Stimme kann Wirkung zeigen, sondern auch ein gelassenes, geduldig abwartendes Schweigen.

Praktische Begriffe können auch gefährlich sein, nämlich dann, wenn man sie für verallgemeinerbar oder gar allgemeingültig hält. Zu den am häufigsten falsch eingeschätzten praktischen Begriffen gehört zum Beispiel der Begriff der Freundschaft. Besonders Paare, die sich trennen, versprechen sich häufig, dass sie Freunde bleiben wollen. Wenn aber Leute, die sich trennen, von Freundschaft reden, unterstellen sie, dass sie die Freundschaft erhalten wollen, denn sie wollen ja, wie sie sagen, Freunde bleiben. Dieses Versprechen ist eine reine Schutzbehauptung, denn Freunde trennen sich nicht, wenn es schwierig wird, sondern versuchen mit ganzer Kraft, Schwierigkeiten zu beseitigen. Hier also entartet "Freundschaft" zu einem bloßen Alibi Begriff. "Wir wollen Freunde bleiben!" ist von vornherein ein falsches Versprechen, wahrscheinlich aus einer ebenso falschen Hoffnung heraus, sich doch noch ein Türchen offenzuhalten. Eine Freundschaft lässt sich aus besagten Gründen auch nicht kündigen. Freundschaften können sich sehr wohl von selbst auflösen, wenn sich das gemeinsame Ja zu etwas zersetzt.
 

18
Dez
2012

Flow

 
Flow ist ein emotionaler Träger von Information. Als solcher ist er ein Moment des Bewusstwerdens. Insofern geschieht der Flow zugleich physisch, psychisch und rational. Der Flow ist um so schwächer, je weniger bildhaft Information bewusst wird. Flow geschieht wesentlich als emotionales Bilderleben. Im Gedankenlabor gilt Flow als Glücksmoment, der bzw. das allein durch das Denken des Nichtdenkens zu erreichen ist. Dieser oder dieses Moment gilt als Einheit des dreidimensionalen Koordinatennetzes K, S, G (Körper, Seele, Geist). Das Gefühl für eine Handlung entsteht durch die Lage eines Verhaltens in diesem Raum. Entdeckt wird ein solches Verhalten aufgrund der zwölf Fragen des Bewusstwerdens bzw. aufgrund des systematischen Suchens in der zwölfdimensionalen Welt des Bewusstseins. Diese Fragen formen den Schlüssel zur Information nach innen. Die Information aus der Tiefe des Innenraumes erscheint als Idee. Im Gedankenlabor geht es wesentlich um Ideenspiegelungen der spielerischen Natur. Der Begriff ist im Gedankenlabor ein Bild, das körperlich, seelisch und verstandesmäßig lebendig erfahren wird. Der Begriff "Unterricht" ist im Gedankenlabor erst dann und nur anwesend, wenn er als unterrichtliches Ereignis in der Vorstellung erlebt wird. In der Regel wird das ein Blitzlicht (Erinnerungsbild) aus der Praxis sein.

So erinnere ich mich an folgendes Eröffnungsmoment einer Unterrichtsstunde im Schulzentrum Flensburg-Harrislee.Der Praktikant Werner Preuss soll eine Lerngruppe der Hauptschule unterrichten, die ausschließlich aus jenen besteht, welche aus Strafe nicht an der Klassenfahrt teilnehmen dürfen. Diese Lerngruppe setzt sich aus unterschiedlichen Klassen zusammen. Nach der Pause kommen die Schüler und Schülerinnen in den Klassenraum hereingestürzt und rennen laut lärmend über Tische und Bänke. Intuitiv spürte ich, dass ich da nichts werde ausrichten können, falls Werner mit der Situation nicht klar kommt. Ich ging deshalb zu ihm, um ihm das zu sagen. "Aber das ist kein Problem, wenn einer das hier schafft, dann bist Du es!", sagte ich noch. Ich kannte den Nordfriesen Werner, ein Hüne von Mann, bereits aus anderen Stunden. Hinten in der Klasse saßen schadenfrohe Lehrer, die nun miterleben wollen, wie ein Praktikant dieses unkonventionellen Professors kläglich scheitern wird.

Jetzt ist es Zeit, mit der Kunststunde zu beginnen. Werner nimmt seine großen Hände, formt sie zu einem Trichter und schreit mit seiner kräftigen Stimme "Hallo!". Es gab niemanden in diesem Raum, der nicht vor Schreck zusammenzuckte. Auch die Schüler waren plötzlich still und folgten ruhig den Anweisungen zum perspektivischen Zeichnen. Die Ergebnisse dieser Kunststunde waren sogar recht beachtlich. Wütend verließen die Lehrer den Raum.

Dieses Bild aus der Unterrichtspraxis ist eine typische, für das Gedankenlabor übliche Anschauung. Obwohl diese Anschauung keine Definition darstellt, handelt es sich um einen praktischen Begriff. Flow ist in diesem Fall die Emotion, welche die didaktisch-methodische Information begleitet.
 

17
Dez
2012

Bewegen im Fluss des Werdens

 
Flow (engl. Fließen, Strömen) ist der Name für ein Gefühl der völligen Vertiefung und des Aufgehens in einer Tätigkeit. Das geschieht vor allem bei komplexen, schnell ablaufenden Geschehen. Der Zustand, der beim Flow erreicht wird, entspricht einer optimalen Synchronisation von Herzschlag, Atmung und Blutdruck. In diesem Zustand besteht völlige Harmonie zwischen dem limbischen System, das die Emotionen steuert, und dem kortikalen System, das als Grund des Bewusstseins bzw. des Verstandes gilt. Als Null-Linie zwischen + und - ist Flow die Balance zwischen Überforderung und Unterforderung, zwischen Vergangenheit und Zukunft im Augenblick oder in der Gegenwart. Während des Flows fließen Bilder-Leben und Bild-Erleben im Bilderleben zusammen und durchströmen das Bewusstsein warm als meditativer Strom des Loslassens. Trotzdem ereignet sich der Flow zugleich deutlich zielorientiert, wobei die Tätigkeit unmittelbar emotional positiv rückgekoppelt wird.
 

16
Dez
2012

Leben, um zu erleben

 
Sehr schnell wird klar, dass wir uns zunächst aus der Verwirrung zufälliger Spiele befreien müssen. Auf dem Rückweg durch mögliche und wirkliche Möglichkeiten in mögliche Wirklichkeiten lernen wir zu verstehen, dass Ideen sehr viel schöner sind als das, was aus ihnen wird. Völlig unverständlich bleibt, was wir mit dieser Art von Einsicht anfangen können. Außer unserer Intuition verfügen wir über nichts, das uns Halt schenken könnte. Unsere Ratlosigkeit beginnt sich allmählich aufzulösen und zurück bleibt die Intuition, etwas Besonderes zu erfahren.

Sollten wir etwa im Gedankenlabor entdecken, dass wahres Leben erleben heißt? Mit dieser Frage offenbart sich die Intuition als Wahrsagerin, die uns verkündet, dass es sich genau so verhält. Wert- und vorurteilsfreies Erleben lässt uns glücklich werden, indem wir uns jeden Augenblick spielerisch schaffen, der Philosoph, indem er philosophiert, der Mönch, indem er betet, der Autor, indem er schreibt, der Naturwissenschaftler, indem er theoretisch oder praktisch experimentiert. Als Beweggrund erscheint Tun, um zu spielen. Scheint durch diesen Beweggrund zugleich der Urgrund allen Werdens durch: das Spielen des Zufalls mit sich selbst. Ist der Urgrund allen Werdens ein Spielen als Experperimentieren mit dem Zufall?
 

15
Dez
2012

Im Gedankenlabor

 
Im Gedankenlabor verlieren sich Wahrnehmen, Betrachten, Beobachten und Begreifen, um zu einem spontanen Gespür für das zeitlose Werden zu verschmelzen. Im Schein des inneren Lichts erscheint alles ungewohnt anders und muss deshalb neu gedacht werden.
Das Überschreiten der logischen Grenzen des Verstandes bedeutet, gekonnte Ordnungen zu verlassen, um damit herkömmliche Orientierungsmöglichkeiten aufzugeben. Grenzüberschreitungen sind im Denken nicht ungewöhnlich. Ohne eine solche Überschreitung wären weder die Metaphysik noch die Geometrie und die Mathematik möglich geworden.

Aus solchem Geschehen wird deutlich, dass es eine zündende Idee ist, welche das Überschreiten ermöglicht. Durch eine solche Idee werden festgefahrene neuronale Beziehungen entflammt und völlig unbrauchbar. Die Idee, nach der wir seit dem Betreten des Gedankenlabors Ausschau halten, erscheint uns als Einladung, das Bilderleben als einen Vorgang zu sehen und nicht mehr in das Bilder-Leben der Fantasie und das Bild-Erleben des Verstandes zu splitten.

Es wird gefordert, dass sich Vernunft der Seele und Verstand in der Intuition vereinen. Das verlangt vom Verstand den Verzicht auf den Unglauben der Seele gegenüber und von der Seele den Verzicht auf Bedürfnisse gegen den Verstand. Jenes Denken, welches aus der Vereinigung von Vernunft bzw. Seele und Verstand hervorgeht, geschieht als reines Denken a priori. Das Wissen tritt im Gedankenlabor seine Vormachtstellung an den Glauben ab, an ein Glauben, dass vor aller Erfahrung Allgemeingültiges und zugleich Bedingungen für die Möglichkeiten von Erfahrungen überhaupt existieren.
 

14
Dez
2012

Führung durch die Räume des Gedankenlabors

 
Nach kurzem Einfühlen in das Gespür der Intuition erfahren wir, worin solches Spüren eigentlich besteht. Die Intuition offenbart sich uns als Wahrheit des Herzens, indem sie uns die Räume des Gedankenlabors eröffnet.

Durch unterschiedlich verwirklichte Wirklichkeiten verschiedener Ansichten gelangen wir jenseits der wirklichen Möglichkeiten zu einsichtigen Bedingungen ihrer Existenz. Diese Bedingungen wirklicher Möglichkeiten werden mögliche Möglichkeiten genannt. Diese entdecken wir in den Räumen des Zufalls, in denen sie aus Spielen möglicher Möglichkeiten entstehen.

Innerhalb solcher Spiele empfinden wir uns als vollkommen orientierungslos. Es existieren keine Ordnungen mehr, an die wir uns halten könnten. Wir sind nicht sonderlich glücklich darüber, dass als Grund aller Zufälle das Nichts erscheint.

Während des Übergangs wurde klar, dass die Möglichkeiten immer sehr viel größer sind als die Wirklichkeiten. Wir überlegen, was uns durch die Erscheinungen gezeigt werden soll.
 

13
Dez
2012

Selbstloses Ich

 
"Das letzte Hemd hat keine Taschen!" Niemand kann irgend etwas mitnehmen. Erst das Ich, welches das Selbst los ist, hat alles losgelassen. Solange noch Nach- oder Vorbilder gesucht werden, ist das Ich noch nicht zu sich gekommen. Durch das lange Warten vor dem Gedankenlabor klärt sich alles auf. Der Nebel irrelevanter Vorstellungen löst sich auf. Es kommt nicht darauf an, viel mitzubringen, um mit Mengen-Angaben anzugeben.

"Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele?" (MT 16,26)

Nur das selbstlose Ich vermag den Zugang zum Gedankenlabor zu entdecken. Spätestens während der langen Wartezeit vor dem Gedankenlabor vergegenwärtigt sich die Wahrheit, dass es leichter ist, nichts zu haben, als alles loszuwerden. Für das Gedankenlabor ist nicht entscheidend, möglichst viel gelesen, sondern die Lese eigener Gedanken sorgfältig gepflegt zu haben.
 

12
Dez
2012

Ausweis

 
Sich auszuweisen, das wird vielleicht nicht nur vor dem Betreten des Gedankenlabors verlangt, sondern wahrscheinlich vor allem auch beim Verlassen der Welt der Wahrnehmungen. Jedenfalls gilt allgemein die Auffassung, dass während des Ablebens noch einmal das gesamte Leben innerhalb kürzester Zeit an einem vorüberzieht. Der Ausweis, der zum Betreten eines Gedankenlabors berechtigt, bezieht sich nun nicht auf das gesamte Leben, sondern auf den zureichenden Grund der bisherigen existentiellen Gestaltung, also auf das, worauf es im Leben wesentlich ankommt. Am Eingang eines Gedankenlabors will man ganz genau wissen, was jemand aus seinem Leben gemacht hat. Ohne diese Klarheit ist es unmöglich hineinzukommen. Dabei geht es keineswegs um irgendeine Bewertung, sondern um jene Selbst-Klarheit, welche dem Ich allererst ermöglicht, durch sich selbst zu sich selbst hindurchzukommen.

Wahrscheinlich werden die meisten überrascht sein, wenn sie plötzlich aufgefordert werden, ihr Leben auf den Punkt zu bringen. Vermutlich besitzen nur wenige einen Basta-Ausweis, der 'nur' das reine Leben ausweist. "Ich habe gelebt und sonst nichts, basta!" Dieser Lebensweisheit steht ein Gedankenlabor jederzeit offen, bedeutet das doch, alles losgelassen zu haben.

Die Kraft, alles sein zu lassen, trägt das Wesen in die Freiräume des Begreifens. Allein das Wissen eigenen Nichtwissens befreit von allen Beengungen durch Voruteile und überschätzte Erfahrungen. Begreifen bedeutet den Reichtum einer allumfassenden Vergegenwärtigung.

Allmählich wird klar, wozu die langen Wartezeiten vor dem Gedankenlabor eigentlich gedacht sind.
 

11
Dez
2012

Besuch in einem Gedankenlabor

 
Um sich Zutritt zu einem Gedankenlabor zu verschaffen, muss man erst einmal durch das Gedränge der Eindrücke eines Alltags hindurch. Und sogleich danach stellt sich heraus, dass man auch viel Geduld mitbringen muss, denn das Gedränge vor einem Gedankenlabor ist sehr groß. Solange man nämlich noch mit all seinen vielen Wahrnehmungen beschäftigt ist, geht es nicht voran. Man versteht also schnell, dass der Zugang zu einem Gedankenlabor sehr viel, wenn nicht gar ausschließlich mit Loslassen zu tun hat. Das bedeutet die gewiss nicht einfache Befreiung von noch so interessanten Dingen, von sich hartnäckig aufdrängenden Bedürfnissen oder anzüglichen Trieben.

Hat man das geschafft und kommt endlich zur Ruhe, dann befindet man sich bereits in den beruhigten Bereichen der Betrachtungen. Das Gedränge von Wahrnehmungen lässt spürbar nach, so dass man sogar Zeit findet, sich mit einzelnen Wahrnehmungen genauer zu beschäftigen. Auf diese Weise entdeckt man wahrscheinlich andere Zusammenhänge und begreift andere Möglichkeiten sich zu verhalten.

10
Dez
2012

Einrichtung eines Gedankenlabors

 
Leitender Architekt eines Gedankenlabors ist das Gehirn, welches die Areale des Bewusstseins entsprechend organisiert. Gewöhnlich erscheint Bewusstsein als Erscheinungsform zwischen unbewusstem Vorbewusstsein und Un- oder Unterbewusstsein. Im Vorbewusstsein werden für das Bewussein relevante Wahrnehmungen ausgefiltert. Dadurch werden nur Wahrnehmungen bewusst, die entweder interessant oder aufdringlich sind. Es interessiert grundsätzlich alles, was die Neugierde reizt und als aufdringlich erweist sich alles, was Bedürfnisse weckt oder Triebe erregt. Aber aufdringlich können auch Erinnerungen oder ungelöste Probleme sein. Im Unter- oder Nachbewusstsein werden alle Bewusstseinsinhalte aufbewahrt und gegebenenfalls weiter verarbeitet.

Das Gedankenlabor ist nun eine Art Zwischenbewusstsein oder auch Oberbewusstsein, welches besondere Bedürfnisse und Interessen bevorzugt behandelt und diese auf das übrige Bewusstsein maßgeblich bestimmend Einfluss nehmen lässt.

Das Gedankenlabor als solches wird durch eine besondere Form des Denkens eingerichtet. Bei genauerer, kritischer Betrachtung jedoch erweist sich schon jeder einzelne Gedanke als ein inneres Bild bzw. als Bildungsmoment des Gedankenlabors.

Dieses Innenbild ist wahr, da von innen heraus geoffenbart.

Denken ist Bilderleben, nämlich das Bild-Erleben der Seele und das Bilder-Leben ihrer Fantasie. Im Innenbild spiegelt sich ein gefühlter Augenblick des Denkens. Als wahr gilt, was gefühlt wird. Das Gefühl schenkt Vertrauen in das, was betrachtet wird. Es schenkt Sicherheit.

Der Philosoph Descartes nennt diese Selbstgewissheit den Grund allen Wissens. Descartes erklärt dazu: Der Mensch kann an allem zweifeln, aber er kann nicht daran zweifeln, dass er zweifelt.

Bedeutet das, dass ich nur wissen kann, was ich fühle? Für das subjektive Wissen trifft das zu. Aber ausser dem subjektiven Wissen existiert noch intersubjektives Wissen und objektives Wissen. Intersubjektives Wissen beruht auf der Zustimmung von mehreren Subjekten. Objektives Wissen ist unabhängig von der Zustimmung einzelner Subjekte. Objektives Wissen beruht auf wissenschaftlichen (subjektunabhängigen) Gedanken. Intersubjektives und subjektives Wissen beruhen auf persönlichen Einsichten. Der Gedanke des Wissenschaftlers besteht aus einer definierten Abbildung. Auch er glaubt an dieses Bild, weil er den Methoden der Abbildung vertraut.

Eine im Bewusstsein vergegenwärtigte Abbildung ist ein Ergebnis vorgängiger Untersuchungen im Gedankenlabor.

Um uns zurechtzufinden, müssen wir uns Bilder von der Welt machen, die aber nur Deutungen sind. Dieses Bedürfnis zu deuten ist die Ursache aller Religion und aller Wissenschaften.
 

9
Dez
2012

Gedankenlabor

 
"Gedankenlabor" ist der Name für jene Projektionen des Bewusstseins, welche der Antizipation von Handlungen dienen. Das allein sich in der Vorstellung vollziehene Probehandeln soll das vernunftbegabte Wesen vor unüberlegtem Tun schützen.

Bei Kindern bildet das Gedankenlabor einen Schutzraum für deren Spielwelten. Auch das kindliche Spiel ist eine Möglichkeit, sich in der Vorstellung auszuprobieren.

In der Regel wird zwar das Gedankenlabor spätestens mit Beginn der Pubertät aufgelöst, aber viele, insbesondere philosophische Denker versuchen diese Idee der Natur für sich weiterhin als Methode zu benutzen. Grund genug vielleicht, einmal das Phänomen des Gedankenlabors näher zu betrachten. Simulationsspiele wie SIMcity oder SIMfamily sind ebenso wie Flug- oder Fahrsimulatoren geschickt programmierte Erscheinungsformen von Gedankenlaboren. Computerspiele simulieren, was sich ansonsten in einem Gedankenlabor abspielt. Die denkbar beste und damit zugleich genaueste Form, Gedankenspiele zu gestalten, sind Philosophie und Mathematik. Durch die Synthese beider wird das, was sie antizipieren, kybernetisch modellierend umgesetzt.
 
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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