Unilogo

4
Jun
2013

Zehn Gebote der Natur

1. Du sollst auf Deine innere Stimme hören.
2. Du sollst das innere Licht bewahren.
3. Du sollst den Verstand durch Deine Seele ernähren und nicht umgekehrt.
4. Du sollst immer darauf achten, dass Erfahrung mehr ist als man denkt.
5. Du sollst Wesentliches mit dem Herzen sagen.
6. Du sollst das Streben, Vorbild zu sein, niemals aufgeben.
7. Du sollst Glauben Wissen vorziehen.
8. Du sollst die Gleichwertigkeit aller Lebewesen bejahen.
9. Du sollst die Vergänglichkeit und Verhältnismäßigkeit allen Seins bejahen.
10.Du sollst Dein Gewissen als Deine höchste Instanz akzeptieren.

3
Jun
2013

Die natürliche Begabung zu lehren wird heutzutage nicht akzeptiert

Die gegenwärtige Ausbildung von Lehrern gewährt heutzutage einer natürlichen Begabung zu lehren keinen Raum. Die natürlichen Begabungen von jungen Leuten, die Lehrer werden wollen, werden nicht einmal erkannt. Infolgedessen werden deren unterrichtliche Ideen als unüblich verworfen. Pädagogische Praktika dienen der Anpassung und ideenreiche unterrichtliche Versuche werden nicht geduldet. Durch Bürokratisierung unterrichtlichen Verhaltens wird Lehre standardisiert und das ideengebende innere Licht erstickt. Aber es existieren Lehrer und Lehrerinnen, die ihre Ausbildung seelisch überleben. Durch ihr Vorbild tragen sie wesentlich zur Rekonvaleszenz natürlicher Pädagogik bei.

2
Jun
2013

Natürliche Antizipation

Die erste natürliche Antizipation des Unterrichtens geschieht im Spiel. Bevor die Bärin, welche in einer Klasse der Bärenschule unterrichtet, den selbst eingerichteten Unterrichtsraum betritt, überlegt sich das kleine Mädchen sehr genau, was es als Bärenlehrerin den kleinen Bären beibringen möchte. So ist heute eine Exkursion in den kleinen Kaufladen nebenan vorgesehen. Die kleinen Bären sollen lernen, wie man einkauft. Als Vorbilder dienen der kleinen Lehrerin natürlich die Einkäufe der Erwachsenen sowie ihre eigenen Einkaufserfahrungen. Da sich das Mädchen spontan zum Spielen mit ihrer Bärenschule entschlossen hat, bleibt kaum Zeit, sich über die Vorgehensweise Gedanken zu machen. Aber das ist auch nicht erforderlich, da seine Fantasie eine ausgezeichnete Beraterin ist. Schon nach Sokrates' und Platons Auffassung bezieht sich die Fantasie immer dann auf die Gesetze der Natur, wenn es in einer Situation an Orientierung mangelt. Eines dieser Gesetze besagt, dass etwas immer etwas vorausgeht, und umgekehrt etwas immer auf etwas folgt. Also erkundigt sich die Lehrerin bei den kleinen Bären, wer von ihnen schon eingekauft hat. Der kleine Otto meldet sich und erzählt, dass er am liebsten Honigbonbons einkauft. Otto nennt dann auch zwei Cent für ein Bonbon als Bezahlung. Wie im Bärenunterricht üblich, darf jeder, der eine Frage beantwortet hat, auch selbst eine Frage stellen. Otto erklärt, dass in einer kleinen Tüte fünf Bonbons sind und will wissen, wie viel er bezahlen muss. Der kleine Per meldet sich und antwortet richtig "Zehn Cents!" Hier folgt die Fantasie im Spiel dem Gesetz, dass jedes Ganze aus Teilen besteht, und umkehrt Etwas immer auch Teil von Etwas ist. Jetzt will die Lehrerin von den Bären wissen, was man bedenken muss, bevor man einkaufen geht. Heidi meldet sich und erklärt stolz, dass man einen Einkaufszettel braucht und fragt die Klasse, warum das so ist. Mia meldet sich: "Damit man nicht vergisst, was man braucht!" Peter meldet sich, weil er noch etwas dazu sagen möchte. Heidi ruft ihn auf, und Peter erklärt stolz: "Wenn man einen Einkaufszettel hat, dann kauft man nichts Unnötiges!" "Sehr gut!", lobt Mia. Hinter dieser Spielszene verbirgt sich das Gesetz des Vergleichens, denn bei sorgfältigem Vorgehen befindet sich im Einkaufswagen das, was auf dem Einkaufszettel steht. Da Mia keine Frage mehr hat, ruft sie eine Mitschülerin auf, um mit Lilly zusammen den Unterricht fortzusetzen. Lilly fordert nun die Klasse auf, einen Einkaufszettel zu schreiben und sich in der gewohnten Ordnung auf den Weg zum Kaufladen zu machen. Die kleinen Bären stellen sich vor der Bushaltestelle ordentlich in einer Schlange auf, um auf den Bus zu warten. Nach kurzer Zeit fährt der Bus vor, vom Bruder der Lehrerin geschoben. Die Bären steigen ein, und nach sehr kurzer Zeit kommen sie beim Kaufladen an. Heidi ist als erste an der Reihe. "Ich brauche neue Turnschuhe!" Die Verkäuferin sagt freundlich zu Heidi: "Wir haben keine Schuhe! Die bekommst Du im Schuhgeschäft. Hier kannst Du nur Lebensmittel bekommen!" Nachdem alle Bären eingekauft und die Erfahrung gemacht haben, dass es in einem Laden nicht alles zu kaufen gibt, fahren sie zur Bärenschule zurück, um ihre Erfahrungen auszutauschen und Konsequenzen daraus zu ziehen. Da die kleinen Bären der Meinung sind, noch nicht gut genug rechnen zu können, beschliessen sie, das im Mathematikunterricht noch zu üben. Der Bruder, der seine Schwester beim Schule Spielen beobachtet hat, meint, dass das kein richtiger Unterricht gewesen sei, weil man in der Schuhe so etwas nicht macht. Die Bärenlehrerin wehrt sich mit dem Hinweis, dass sie das selbst von ihrer Lehrerin gelernt hat.
Kinderunterricht zeigt in der Regel, dass Kinder gewöhnlich zunächst ihre Lehrer nachahmen, dann aber sehr schnell zu ihrem eigenen Stil finden. Kinder bereiten sich auf Unterricht vor, indem sie dessen Verlauf antizipieren. Antizipationen ergeben sich für Platon aufgrund von Innenbildern, das sind fantasierte Wiedererinnerungen ursprünglicher Ideen zur Bewältigung einer Situation. Ein schöpferischer Lehrer erkennt das, was zu tun ist, durch das innere Licht.

1
Jun
2013

Die Natur offenbart uns die Gesetze des Lebens.

Tradierte Lehrer begreifen nicht, dass Lernen nicht ihre Angelegenheit ist, sondern die der Lernenden. Diesen Lehrern verengten Bewusstseins scheint Unterricht ohne sie undenkbar. Sie planen Unterricht sehr akribisch linear, weil Nebenwege sie mangels fachlicher und sozialer Kompetenz ängstigen würden. Ein Lehrer aber muss um so genauer planen, je weniger fachlich und sozial kompetent er ist. Bei ihm sind auch keine Fragen erlaubt, die seiner Meinung nach nicht in seinen Unterricht gehören. Der fachlich arme und sozial inkompetente Lehrer vertraut weder seinen Schülern noch traut er ihnen etwas zu. Ein solcher Lehrer bzw. Leerer darf nicht unterrichten. Der wahre Lehrer aber fördert Lernende, indem er von ihnen unterrichtliche Selbstorganisation fordert. Förderungen durch solche Forderungen aber vermögen Lernende erst dann und nur dann anzunehmen, wenn sich ihr Lehrer in ihren Augen nicht nur als Persönlichkeit, sondern auch als vorbildlicher sehr kompetenter, mediengerechter Vermittler von Information erwiesen hat. Angesichts dieser Anforderungen wird offensichtlich, dass der Beruf des Lehrers maßlos unterschätzt wird und von daher nur geringe Anforderungen an die Ausbildung gestellt werden. So entsteht bei Studierenden häufig der Eindruck, dass man schließlich, wenn man zu anderen Fächern nicht taugt, immer noch Lehrer werden kann. Aber Lehrer ist weniger Beruf als vielmehr Berufung. Es ist die innere Stimme, die zu dieser anspruchsvollen Aufgabe ruft. Eine solche Berufung erfolgt nur bei hinreichender Begabung und Intelligenz. Es ist die innere Natur eines Menschen, die ihm diesen Ruf erteilt. Und es ist auch die innere Natur, die dem Bewusstwerden während des Unterrichtens spontan offenbart, was im Augenblick anliegt und was gerade zu tun ist. Der schöpferische Lehrer organisiert Lernen intuitiv. Natürlich muss er sich in Gruppendynamik und Sozialverhalten von Lernenden auskennen. Dieses Wissen erwirbt er sich nur durch Erfahrung im Umgang mit Lernenden. Deshalb sollte das Studium der Pädagogik durchgängig von Praktika begleitet werden, denn Erfahrung in der Praxis zeigt immer mehr, als man in der Theorie denkt.

31
Mai
2013

Grundlagen der Neurologik

Die vorgeburtliche neuronale Organisation des Gehirns beruht auf natürlicher Veranlagung der neuronalen Struktur. Dank der natürlichen Fähigkeit der Selbstorganisation vermag das Gehirn effektive Verhaltensmuster zu entwickeln.
Geburt bedeutet dann die radikale Reorganisation dieser Struktur, die sich nach und nach aufgrund äußerer Einflüsse durch die Umgebung modifiziert. Eines der ersten durch Lernen erworbenen Grundmuster lässt sich durch die Funktion Verhalten = Reaktion auf einen äußeren (Reiz) und/oder internen (Impuls) als Aktion bestimmen.
An der Verlautbarung einer solchen Reaktion durch Schreien, muss die Bezugsperson intuitiv den Grund dafür erschließen. Spracherwerb ermöglicht nach und nach die Konkretisierung der Verlautbarungen. Die neuronale Grundstruktur bildet dann auch die Grundstruktur eines einfachen Satzes, wobei das Subjekt den Verhaltensregler, das Prädikat die Verhaltensregelung und das Objekt den Grund des Verhaltens nennt. Das Bilden von Sätzen ermöglicht das Fassen von Gedanken, die einfache Bilder vor allem sensitiv reflektieren. So wird "Die Mutter wechselt die Windeln." nicht einfach abgespeichert, sondern zugleich auch gefühlsmäßig vermerkt.
Als Kunst neuronale Verbindungen zu ordnen ist die Neurologik gleichsam angeboren. So wird durch die Duplizität von Zu- und Einordnung Vergleichen ermöglicht, durch die Duplizität von Vor- und Nachordnung das Algorithmieren, durch die Duplizität von Über- und Unterordnung das Hierarchisieren und durch die Duplizität von An- und Beiordnung das Systematisieren und Strukturieren. In diesem neurologischen Geschenk der Natur liegt der zureichende Grund für jenes innere Gespür Platons, welches dieser Philosoph "idein" nennt und dem er vertraut, wenn er von Wiedererinnern spricht. In diesem Licht der Intuition erkennt Platon den geheimen Weg der Philosophie zur Wahrheit. Diese Quelle ist für ihn zugleich die Bedingung der Möglichkeit aller Bildung und schöpferischer Erziehung. Das ist auch der wesentliche Grund, warum wir bei der Organisation unseres Lernens auf die Vernunft unserer Natur vertrauen. Sie ist die wahre Leiterin unseres Lernzentrums.

30
Mai
2013

Wiederkehr ästhetischer Erziehung als Pädagogik der Zukunft

Ein Erfahrungsbericht aus einer Schule in Utopia erscheint uns sehr viel anschaulicher als eine eher theoretisch gehaltene Wiederholung des zurückgelegten Gedankenganges. Die freie Schule oder Zentrum des Lernens liegt in einem Park zwischen hohen alten Bäumen. Auf den ersten Blick fällt das noch von Friedensreich Hundertwasser gestaltete Gebäude kaum auf. Das farbenfroh gestaltete künstlerische Haus verbirgt sich hinter dicht gewachsenem Efeu. Das Innere der Schule gestaltete der Künstler gemeinsam mit Schülern. Das mag der Grund dafür sein, dass man sich in dem Gebäude nicht sogleich zurechtfindet. Betritt man das große Foyer, so hat man zuerst das Gefühl, sich in einer buntbemalten Tropfsteinhöhle zu befinden, von der bunt beleuchte Gänge abzweigen. An einem Stand, den man zunächst für einen Informationsstand hält, verkaufen Kinder und Jugendliche Gemüse und Früchte aus dem eigenen Garten. Daneben bieten sie frisch gepresste Frucht- und Gemüsesäfte an. Gewohnheitsmäßig sucht der Besucher heimlich nach Preisschildern. Aber es sind nirgendwo Auszeichnungen von Preisen zu finden. Ein Besucher nimmt sich ein Glas Möhrensaft, greift zum Portemonnaie, um zu bezahlen. Aber die kleine Verkäuferin winkt ab. Der Besucher fragt völlig überrascht, ob denn die Angebote Geschenke sind. Das Mädchen aber zuckt nur mit den Schultern. Unschlüssig bedankt sich der Besucher und wendet sich zögernd ab, nachdem er das leere Glas zurückgestellt hat. Aber das Mädchen hält ihn auf, deutet auf eine Spülschüssel neben dem Stand, und gibt ihm das leere, ungespülte Glas zurück. Der Besucher hat verstanden. Nachdem er das Glas gespült und abgetrocknet hat, erkundigt er sich nach der Schulleitung. Das kleine Mädchen nennt ihm Schulen, an denen es noch Schulleitungen gibt, bedauert aber, dass ihre Lernstätte nicht über eine solche Einrichtung verfügt. Verständnisvoll beruhigt sie anschließend den Besucher, indem sie ihm erklärt zu wissen, was er meint. Sie bedeutet ihm freundlich, ihr zu folgen. Sie betreten einen der geheimnisvoll erscheinenden Gänge, der stark abfällt. Aus Rücksicht auf die elektrisch motorisierten Rollstuhlfahrer weist das Gebäude keine Treppen auf, wohl aber mehrere Aufzüge. Auf der nächsten Ebene verlassen sie den mit bunten Glasfenstern durchsetzten Flur. Sie betreten einen großen hellen Raum, und das Mädchen verabschiedet sich von dem Besucher mit den Worten, dass er nun selbst auswählen und entscheiden könne. Der Besucher entdeckt eine Vielzahl runder Tische, um die Kinder, Jugendliche und Erwachsene sitzen und zu diskutieren scheinen. Der Besucher spricht einen der Erwachsenen an, um zu erfahren, wo er sich hier eigentlich befindet. Der Erwachsene erklärt ihm, dass er sich im großen Beratungsraum befindet. In den einzelnen Lerngruppen hier geht es darum, welchem Thema sich die Gruppe als nächstes zuwenden möchte. Und der Erwachsene erklärt, dass er selbst zur Zeit der Interessengruppe Naturwissenschaften angehört. Interessengruppen finden sich für eine gewisse Zeit zu einem Thema zusammen, dem sie sich besonders widmen wollen. Bei seiner Gruppe geht es gerade um das Thema Demenz. Dieses Thema wurde von Jugendlichen angeregt, die an einigen Tagen der Woche Demenzkranke betreuen und sich über diese Krankheit selbst informieren wollen. "Sind Sie einer der Lehrer hier?", will der Besucher wissen. Der angesprochene verneint. "Soweit ich weiß, gibt es es hier keine Lehrer, sondern nur beratende Fachleute, Wissenschaftler, Künstler, Philosophen und Pädagogen." Und er fügt hinzu, dass er selbst in seiner Eigenschaft als Wissenschaftsjournalist eingeladen worden ist. Die Jugendlichen wollen gemeinsam mit Medizinern und Hirnforschern in einigen Serien von dieser Krankheit berichten. Der Besucher will vom Journalisten wissen, wer denn eigentlich für ein solches Projekt finanziell aufkommt. "Jedes Projekt hier finanziert sich selbst, Unkosten werden von dem von Wirtschaft und Industrie stark gesponserten Förderverein dieser Einrichtung vorgestreckt." Der Journalist betont, dass es dank des enormen Ansehens dieser Einrichtung keinerlei finanzielle Probleme gibt. "Und womit beschäftigt sich diese Gruppe im Augenblick?", will der Besucher wissen. "Setzen Sie sich doch einfach dazu!", fordert der Journalist den Besucher auf. Ein etwa fünfzehnjähriges Mädchen fasst gerade Zwischenergebnisse der Gruppe zusammen. "Die im Augenblick von Karlheinz geleitete Gruppe "Alt und nicht Basta!" hat bei Demenzkranken, mit denen sie gemeinsam flippern, festgestellt, dass sie nach dem Spiel sehr viel fröhlicher und flexibler wirken. Die Demenzkranken haben Spass an diesen Spielen, bei denen sie durchaus gewinnen. Nach mehreren Besuchen in der Abteilung Neurologik des Instituts für Neurologie hat diese Lerngruppe die Hypothese entwickelt: Grund für die Ursache von Demenz ist vor allem das alte Ästhetik feindliche Schulsystem, denn mangelnde Betrachtung während des Lernens führt zu mangelnder Bindefähigkeit neuronaler Verbindungen. Dadurch kann sich im Gedächtnis keine stabile Neurologik ausbilden. Eine stabile Neurologik des Gehirns gewährleistet aber störungsfreie Vergegenwärtigungen und Erinnerungen!" Die Fünfzehnjährige verweist auf ihren Artikel "Grundlagen der Neurologik" und gibt den Link dazu an.
Der inzwischen sehr beeindruckte Besucher muss bedauerlicherweise wegen eines wichtigen Termins aufbrechen, verspricht aber am anderen Tag wiederzukommen.

29
Mai
2013

Pädagogik als Kunst ästhetischer Erziehung

Auf der Webseite der Hermann-Hesse-Schule, eine Gesamtschule des Kreises Offenbach heißt es:
"In einem Wörterbuch findet man unter „Ästhetik" als Bedeutung die „Wissenschaft vom Schönen". Unter der Vielzahl von Bedeutungsvariationen ist dies für die Schule vielleicht die einfachste und aussagekräftigste, wobei das Ästhetische nicht nur vom Produkt (Kunstwerk) her zu verstehen ist, sondern Kunst von der Leistung des Ästhetischen für den Menschen. In dieser Konzeption ist das Ästhetische ein ebenso fundamentaler Aspekt des Menschseins wie wissenschaftliche Erkenntnis, Sprache und Gesellschaft. Kunst in diesem Sinn, damit ist gemeint Malerei, Bildhauerei, Architektur, Musik, Tanz, Literatur, Theater und Film, um nur die wichtigsten Teilgebiete zu nennen, kann definiert werden als menschliches Handeln, das wahrnehmbare Formen als Ausdruck menschlicher Gefühle schöpferisch gestaltet (Langer, 1962, zit. n. Fritzsche, 1994)."
Konsequenz:
"Die Schulgemeinschaft der Hermann-Hesse-Schule ist überzeugt von den auch hinreichend wissenschaftlich belegten positiven Auswirkungen der ästhetischen Bildung auf den schulischen und außerschulischen Werdegang ihrer Schülerinnen und Schüler und hat der ästhetischen Erziehung (produktiv und rezeptiv) einen entsprechenden Stellenwert im Schulprogramm und im Stundenplan eingeräumt. Ästhetische Erziehung gilt dabei als Prinzip, d.h., sie kann nicht nur in den dafür prädestinierten Fachrichtungen wie Musik, Kunst, Darstellendes Spiel oder Deutsch stattfinden, sondern auch in allen anderen Fächern. Herausragendes Beispiel dafür ist die „Mathemeisterschaft 2009", wo die Verbindung zwischen Kunst, Umwelt und Mathematik in bemerkenswerter Weise gelungen ist."
Bericht:
"„Zeichne Dein Lieblingstier aus Funktionen“, lautete der Arbeitsauftrag. Die „Querdenker“ zogen zunächst einen Orca aus schlichten Bögen. Dann gesellten sie noch zwei Baby-Wale hinzu, ein paar Vögel, Eisberge und Welle. Sinuskurven symbolisieren den Meeresboden, angelehnt an die Darwinschen Theorien könnten sie auch einen DNA-Strang darstellen. Insgesamt waren 45 Linien zu berechnen, allein ein Dutzend Funktionen für das Muttertier.
Sechs Wochen lang arbeitete das Sextett zusammen, montags, donnerstags und freitags blieben die talentierten Teenager länger in der Schule, manchmal auch mittwochs. Mehr als zwölf Stunden waren sie so beschäftigt, zu Hause tauschten sie aktuelle Erkenntnisse per E-Mail aus. Immer wieder landeten fehlgeschlagene Versuche im Papierkorb, erzählte Pädagogin Irmtraud Böhm. Sie schritt ein, wenn sich ihre Schützlinge auf dem Holzweg befanden.
„Ich habe auch viel dazu gelernt“, gestand die Studienrätin offen. Vor allem von Computer-Experte Sebastian, der für das Projekt ein eigenes Vorgehen entwickelt hat. Die Gruppe füllte schließlich 1 376 Zeilen und 25 Spalten im Excel-Programm, um die Strichzeichnung in lineare Funktionen umzusetzen. Das fand auch Schulleiter Michael Weis „spannend und interessant“. Der Sieg mache ihn „rasend stolz“, er dankte seiner Kollegin Böhm, der es immer wieder gelinge, Schüler für die Mathematik zu begeistern."
Die mathematische Auflösung der Zeichnung ist ein typisches Beispiel dafür, was schon die Mathematiker und Philosophen als Mathematik, Technik des Lernens, verstanden haben. Dieses Verständnis verhält sich streng analog zu dem, was der Philosoph und Dichter Friedrich Schiller unter ästhetischer Erziehung versteht, nämlich die Vertiefung sinnlicher Wahrnehmung durch das Spiel ihrer Eigenschaften durch die Vernunft, aus dem die Fantasie Möglichkeiten zu denken entwickelt. Die mathematische Formel f(x) = -0,175x² + 6.0522x - 46,498 ist der Gedanke der sinnlichen Form, das ist das Bild von der Außenlinie der rechten Schwanzflosse eines Killerwals.
Würde ästhetische Bildung gegenwärtigen Mathematikunterricht maßgeblich bestimmen, dann wären Schüler in die Lage versetzt, Mathematik wieder wie ursprünglich ästhetisch zu verstehen. Mathematik ist nämlich letztendlich die Form, Sinneseindrücke denkend zu gestalten.

28
Mai
2013

"Ästhetische Erziehung des Menschen"

In seinen Briefen über die ästhetische Erziehung beschreibt Friedrich Schiller das natürliche Unvermögen der Philosophie, sich jener Wahrheit, welche sich in der Kunst offenbart, zu nähern, denn der Philosoph muss sie seiner Ansicht nach, in ein ungeeignetes Regelwerk zwängen und "ihren schönen Körper in Begriffe zerfleischen und in einem dürftigen Wortgerippe ihren lebendigen Geist aufbewahren". Und Schiller fragt im ersten Brief: "Ist es ein Wunder, wenn sich das natürliche Gefühl in einem solchen Abbild nicht wiederfindet und die Wahrheit in dem Berichte des Analysten als ein Paradoxon erscheint?" Schiller sieht sehr wohl auch in seinen Betrachtungen die Gefahr, dass sich die Dinge bei Annäherung an den Verstand den Sinnen entrücken. So beruht für ihn auch das Wesen der Schönheit im Geheimnis. Er betont deshalb am Ende des selben Briefes: "Die ganze Magie derselben beruht auf ihrem Geheimnis und mit dem notwenigen Bund ihrer Elemente ist auch ihr Wesen aufgehoben."
Die philosophische Betrachtung schaut die Schönheit eines Blumenstrausses und versucht deren Wesen gleichsam zu ergründen, in dem sie sich einzelne Blumen vornimmt.

27
Mai
2013

Irrtum des Aristoteles

Spätestens mit Aristoteles wird der Niedergang der Pädagogik klar und die vergeblichen Versuche einer wissenschaftlichen Begründung. Lässt man sich jedoch vom radikalen Denken Aristoteles' nicht abschrecken und überprüft noch einmal die Argumentation Platons, dann fällt auf, dass der Kern von Platons Philosophie übersehen worden ist. Platon spricht vom inneren Licht philosophischer Erkenntnis als Quelle des Erkennens pädagogischen Handelns. Platon ist der Auffassung, dass jeder Pädagoge Pädagogik originär aus sich heraus entwickeln muss. Nach Platon ist die Kunst der Erziehung vor allem der Wahrheit verpflichtet und keiner wissenschaftlich ermittelten Richtigkeit. Aristoteles hält für richtig, was Platon für wahr hält.

26
Mai
2013

Pädagogisches Denken Platons (B)

Platon betrachtet die Philosophen als Pädagogen, denen die Aufgabe zukommt, den Menschen zum Licht des Seins zu führen. Das bedeutet nichts Anderes als dem jungen Menschen selbständiges Denken durch Philosophieren zu ermöglichen. Mittel zu diesem Zweck sind ganz im Sinn damaliger erzieherischer Tradition Mathematik und Kunst.
Die höchsten Ideen sind für Platon göttlicher Art, aber sie bleiben als göttliche Wesen den Göttern übergeordnet. Platon gemäß bedarf es vorweg der Idee des Göttlichen, damit ein Gott überhaupt sein kann. Während die Sinneswahrnehmung mangels Zuverlässigkeit nur zum Meinen führt, ist die Idee Quelle echten Wissens.
Es ist also die Idee des Göttlichen, die dem Menschen Wahrheit offenbaren und zum Wissen des Göttlichen führen kann. Dazu bedarf es keiner Priesterinnen und Priester.
Platon schildert das Sonnen-, Linien- und Höhlengleichnis in seinem Werk "Der Staat" (politeia), in diesen Gleichnissen erfährt zugleich das Wesen der Pädagogik den zureichenden Grund. Die Kunst der Erziehung wird als Befreiung des Menschen zu sich selbst philosophisch erfahrbar und begründbar.

25
Mai
2013

Pädagogisches Denken Platons (A)

Platon folgt seinem Lehrer in der Aufgabe, denkend das Sein zu ergründen und nach dem inneren Licht zu streben. Wie die Sonne dem Verstand durch die Sinne dazu verhilft, sinnlich Vernehmbares erkennen zu können, so verhilft das innere Licht der Vernunft durch die Seele dazu, die Ideen als die Urbilder alles Seienden zu verstehen. Während das empirische Denken nicht über das Beschäftigen mit Abbildern der Ideen hinauszugelangen vermag, erreicht das philosophische Denken die Anschauung der Ideen bis hin zur höchsten Idee des Guten. Wie die Sonne für Platon als Ebenbild oder Wesen des eigentlich Guten steht, so steht das innere Licht für ihn für Wahrheit und das Offenbaren des Wesens des Seins. Diese seine Überzeugung veranschaulicht Platon im Sonnengleichnis, während das Liniengleichnis den Weg des Denkens zu dieser Anschauung darstellt. Platon teilt diesen Denkweg in Abschnitte auf. Im ersten Abschnitt verläuft dieser Weg durch die sichtbare Welt der sinnlichen Wahrnehmung. Das empirische Denken begegnet dort natürlichem Seienden als Schattenbilder des Seins. Der Mensch hält diese für reale Objekte. Platon nennt das empirische Denken Meinen (doxa). Das Meinen ist ein Denken, das über das Vermuten nicht hinausgelangt. Es bedarf eines Erziehers, der die Vernunft im Menschen aus der rein empirisch logischen Gefangenschaft des Verstandes befreit und die Intuition der Seele weckt. Aufgrund dieser Erweiterung des Denkens durch Kunst und Philosophie schaut das vernunftbegabte Lebewesen das Erkennen selbst und versteht nun das Denken (noesis) als Tätigkeiten des Verstandes (dianoia) und der Vernunft (episteme) zu unterscheiden und zu verstehen, dass sich die wahre Welt erst durch Überschreiten der Enge des Verstandes offenbart. Nach dieser Grenzüberschreitung schaut der Mensch das innere Licht der Wahrheit.

ff

24
Mai
2013

Nähe von Philosophie und Pädagogik

An der Struktur eines philosophischen Gedankens lässt sich leicht dessen Nähe zur Struktur der Bewusstseinsorganisation ablesen. Philosophieren geschieht ja gleichsam als Spiegelung des Bewusstwerdens auf der neuronalen Ebene des Begreifens. Das, was wir als Arbeit des Verstandes erfahren, vollzieht sich als mehrfache Spiegelung. Wahrnehmen spiegelt sich als Betrachten (1. Spiegelung), und Wahrnehmen als Betrachten spiegelt sich wiederum als Begreifen (2. Spiegelung). Und sobald philosophiert wird, spiegelt sich Begreifen nochmals als betrachtendes Begreifen (3. Spiegelung). Philosophieren ist folglich ein fortschreitendes nach innen sehen. Der Philosoph denkt, indem er in sich hineinsieht und sieht, was geschieht. Wesentliche philosophische Erkenntnisse beruhen auf geschauten Innenspiegelungen.
Da dem Pädagogen daran liegt, das Handeln organisierende Denken des Menschen zu fördern, muss er das, was für ihn pädagogisches Arbeiten bedeutet, philosophisch erkunden.
Dieses Vorgehen beschrieb der Philosoph Sokrates, der sich zugleich als Pädagoge verstand, als Mäeutik, die Kunst der Befreiung des Menschen zu sich selbst. Sokrates vergleicht das Bild der Mäeutik bzw. Hebammenkunst mit der Tätigkeit seiner Mutter, die den Beruf einer Ärztin und Hebamme ausübte.

23
Mai
2013

Philosophischer Gedanke

Ein philosophischer Gedanke umfasst: Frage, Strategie des Suchens und Entdeckung.

Ein philosophischer Gedanke, der nichts entdeckt, ist leer.

22
Mai
2013

Pädagogischer Gedanke

Ein pädagogischer Gedanke (sprich: Erfahrung) umfasst genau drei Verhaltensmomente, und zwar erstens Auslöser oder Initiator des Verhaltens, zweitens Initiation oder Strategie des Verhaltens und drittens Verhältnis oder Bezug des Verhaltens.

Beispiel: Information, didaktische und methodische Strategie, unterrichtliches Moment
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Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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