Unilogo

12
Okt
2013

Utopia

Ein Ort, von dem bis jetzt niemand weiß, ob er überhaupt existiert.

Es ist der Raum, in dem sich schöpferische Gedanken formen. Aus allen Richtungen der Erfahrungen finden sie sich, um gemeinsam ihr Bild mutig zu gestalten. Risiken in Kauf nehmend gestalten sie ihre Vorstellungen und lassen Wegloses weit zurück. Das Licht der Einsicht erlischt, bevor noch das Ganze erfasst worden ist. Fast verloren leuchtet er aus der Ferne auf, um schöpferisch aufzuerstehen.






Wagnis

denken - die Seiten aufschlagen
rechts links mittig nach vorn
nach nichts

tatsächlich kommen Bilder an
betörend sagt jeder der ihnen
zusehen kann
andere pflegen ihr Unbehagen

es riskieren - das Unvorstellbare
in die Mitte heben

es hat kein Gewicht keine
Grenzziehung

kein Mass kann
es sicher machen
nicht einmal für
das Alphabet
der Hieroglyphen

weit weg ist
das Weglose

wortlos heraus gerückt
aus Für und Wider

die Positive dreht sich noch
bis auch
ihre Achse aufgelöst ist

Drachentöter zücken
ihre geheimste Waffe
der lebensgroße Spiegel

geblendet von der scharfen Auflösung
erlischt das allerletzte Licht

das Dunkle
das Gegenüber
ist licht
aus sich zu sich

(urs)

11
Okt
2013

Glaubwürdigkeit

Das Geheimnis der Natur offenbart sich allein dem Glauben. Wer Wissenschaften nicht durch den Vorhof der Intuition betritt, versteht nicht, was sich ihm zeigt. Unter genialen Wissenschaftlern hat sich längst herumgesprochen, dass Wissenschaft unter der Optik der Kunst gesehen werden muss, die Kunst aber unter der Optik des Lebens.

 Der Atem des Geistes braucht die unvoreingenommene Reinheit einer freien Seele, wenn er nicht an dem ersticken will, was er schafft. Tatsächlich leidet er oft unter dem schlechten Textgeruch, sobald Neunmalkluge ihren Mund aufmachen. Kaum jemand will verstehen, wie empfindlich Sprache ist. Texte brauchen viel Zeit und Geduld, um gute Gedanken tragen und übertragen zu können.

 Die Wege seiner Insel verlaufen durch viele Gedankenfelder, die er im Verlauf seines Lebens anbaute. Nun hat er neues Land erworben, da er weiterhin gute Früchte ernten will. Und ein wenig stolz ist er auf den Kräutergarten mit seinen vorwiegend wilden Heilpflanzen.

 Es sind Tagträume, die zu solchen Bildern verführen. Jetzt aber ist es Zeit, Ablenkungen Einhalt zu gebieten, um sich erneut Wesentlichem zuzuwenden. Er möchte die Einladung nicht versäumen, die ihm die Intuition geschenkt hat. Sinn und Zweck dieser Einladung ist die längst überfällige Auseinandersetzung mit der Utopie.

 


Nachbesinnung

Glaubwürdigkeit

Das Geheimnis der Natur - es lässt sich nur erfahren, denn es offenbart sich allein dem Glauben. Dass da ein Geheimnis ist, erfährt nur, wer sich auf die Intuition einlässt - ohne wenn und aber. Sich der Wissenschaft nähern, ohne der Intuition zu folgen, vernebelt Erkenntnis zu nicht Verstehen. Geniale Wissenschaftler erfahren das. Wissenschaft muss unter der Optik der Kunst, Kunst unter der des Lebens betrachtet werden. Nur eine unvoreingenommene reine Seele gibt dem Geist den zum atmen lebensnotwendigen Raum. Wie quälend ist es zu erleben, wie ein übler Textgeruch sich ausbreitet, wenn eitle Überschlaue die Sprache leichtfertig strapazieren. Wie empfindlich die Sprache ist, das kann nur erahnen, wer sich Tag für Tag mit ihr ausspricht. Das verlangt Geduld und Disziplin und immer wieder die Erneuerung des Zuspruchs des Erfahrenen. Der Verstand des Geistes hat Zeit seines Lebens viele Gedankenfelder angelegt, die die Wege seiner Insel gestalten. Nun beginnt etwas Neues. Er hat neues Land erworben. Er will weiterhin erfahren, wie gute Früchte wachsen. Sein Kräutergarten kommt ihm in den Sinn mit den vielen wilden Heilpflanzen. Schön ist das. Er ist sogar etwas stolz auf diese Entwicklung. Allerdings sind dies Tagträume, geeignet ein wenig spazieren zu gehen und nachzuschauen, ob nicht etwas freundlich grüßt. Er ermahnt sich, zurückzukehren zu der Einladung, die ihm von der Intuition überbracht wurde. Das Wesentliche fordert ihn zurück. Er versteht. Sinn und Zweck dieser Einladung ist die Auseinandersetzung mit der Utopie, die er bisher schuldig geblieben ist.
 
(urs)

10
Okt
2013

Morgendämmerung

Hoffnung scheint auf und erhellt die Oase. Inmitten der Wüste spendet eine verborgene Quelle Trost. "Verlasse die Wege!" flüstert es zärtlich. Die lange Wanderung durch die Wüste deutet Verstehen des Leidens an Überkommenen an. Überall zerstreute geistige Skelette zeichnen die Endlichkeit von Schemata: Überholte Leitgedanken für lebende Tote.

 Noch wartet dort drüben für kurze Zeit das Leben. Es gilt, sich zu beeilen, um noch in der rechten Zeit anzukommen. Die Ausrüstung bleibt zurück. Das Gepäck der Gewohnheiten darf nicht weiterhin belasten.
 Der Aufbruch soll erfolgen, noch bevor die Sonne das Licht des neuen Tages vollendet. 

Glaube in die Hoffnung auf die Erfüllung gefühlter Utopie beflügelt den Weggang. Angeführt durch die Intuition erscheint nach dem ersten Schritt nicht sogleich ein Weg. 
Ein Augenblick ist nur der Möglichkeit nach die Zukunft des nächsten Moments. Befreiung von den Fesseln der Zeit durch Loslassen übel gelaunter Planungen ermöglichen erst dem Geschick des Zufalls das Sagen. Er empfindet eine Art Bestimmung in sich. Es ist die Bestimmung, die aus der Begebenheit augenblicklicher Vergegenwärtigung kommt, bevor ihm die innere Stimme unbemerkt seinen Text diktiert. Das geschieht ohne Anspruch auf allgemeine Anerkennung, wohl wissend, dass sich die Wissenschaft der Wahrheit entzieht. Wahrheit, zu der er sich unterwegs glaubt, offenbart sich allein durch gefühlte Erfahrung. 
Also sucht er in der Sprache keine Worte, sondern versucht, die zarten Andeutungen wortlosen Geflüsters der Gefühle zu verstehen. 

Mögen andere das für wirres flatterhaftes Geraune halten, was die Seele dem Geist flüstert, ihm offenbart sich in diesem Klang die harmonisch schöne Komposition der Natur.
 


Nachbesinnung

Morgendämmerung

Hoffnung schenkt ein besonderes Licht. In der Wüste zeigt sich eine verborgene Oase, die Trost spendet. Es ist mehr als Trost. Es zeigt sich eine Wende. "Verlasse die Wege!" Die Wege sind ausgetreten, ohne Inspiration - sie existieren nur noch als Wege, als Hinweis, wo es langgeht, wenn nichts anderes leitet. Sie sind skelettiert, sie lassen nur noch die Überreste von lebendigen Gestalten erahnen. Das Leiden an der zähen Macht des bloß Überkommenen, des bereits Toten, verschafft sich Gehör und zeigt die überscharfen Bilder des durch Gewohnheit Verdrängten. Es sind die überholten Leitgedanken, an die sich die lebenden Toten klammern. Weg! Diese Wege verlassen! Die Hoffnung hat darauf gezeigt: Abwarten ist nicht mehr möglich, die Zeit drängt - da ist noch das Leben, es kann eingeholt werden - die Gewohnheiten müssen weg. Sie sind es, die alles verstellen. Die Ausrüstung muss deshalb zurückbleiben. Nur so kann dem durch die Hoffnung geschenkten Bild geantwortet werden. Der Aufbruch zu Neuem soll bereits vor Anbruch des Tages geschehen. Es ist die Intuition, die den ersten Schritt setzt. Der Glaube in die Hoffnung auf Erfüllung der Utopie macht mutig. Doch auf den ersten Schritt folgt keineswegs der zweite unmittelbar; die Entscheidung für das Loslassen von den Fesseln der Zeit und den Diktaten übernommener Erwartungen schafft erst die Möglichkeit, dem Zufall, so wie er den Augenblick prägen kann, als Geschick zu erkennen. Denn es ist ihm geglückt. Er spürt in sich diese besondere Art der Bestimmung: ihm fällt zu, was der Augenblick als gänzlich offene Anwesenheit von sich her zum Vorschein bringt. Er lässt los und die innere Stimme der Intuition beginnt, ihm die zugesagten Worte zu flüstern. Die Wahrheit erspürter Erfahrung ist es, die ihm den Text diktiert. Es ist ihm einerlei, was andere davon halten werden, denn der Anspruch auf allgemeine Anerkennung wurde bedeutungslos. Die Wissenschaft selbst ist es, die sich der Wahrheit entzieht. Die Wahrheit, die sich ihm zeigt, passt nicht in Worte hinein. Sie zeigt sich allein als gefühlte Erfahrung, als erahnte Andeutung geflüsterter Gefühlsschwingungen. Was die Seele dem Geist so mitteilt, offenbart sich im harmonischen Klang der inneren Natur.
 
(urs)

9
Okt
2013

Halbdunkel

In der dunklen neuronalen Welt beginnt es zu dämmern. Der erste Schein des bläulichen Lichts zeigt sich in der Finsternis des Dagewesenen. Die Dämmerung vertreibt die Nacht des spielenden Chaos neuronaler Verwirrungen. Träume verflüchtigen sich bedeutungslos ins Unbewusste, während sich die Sterne der Nacht im Morgengrauen verbergen.



Zwischen frühen Vogelstimmen deuten sich sanfte Töne leiser Innenklänge an. Zaghafte Gefühle malen Bilder in sanften Farben. Allmählich formen sich Gedanken, aus denen sich erste Worte gestalten.



Der Tag deutet sanfte Spuren an, um den Weg zu markieren. Intuitionen offenbaren sich ihm jenseits ichhaftiger Ansprüche als wahre Begriffe. Unbekannte Wegmarken scheinen das Ende ständig wachsender Wüsten anzudeuten.
 



Nachbesinnung

Halbdunkel

Das Licht lässt Anwesendes sichtbar werden. In der Welt der Neuronen ereignen sich Begegnungen in einem Raum, der zugleich entsteht und sich verändert. In der Dämmerung lässt das bläuliche Licht die dunklen Gebilde des Dagewesenen aufscheinen. Die Dämmerung lässt in der Finsternis das Chaos des ungelenkten Spiels zurück und die Träume verlieren sich wieder in deutungsloser Beliebigkeit des Unbewussten.

Es ist die Zeit des Übergangs zu den sichtbaren Innenbildern. Klänge aus dem Inneren gelangen in das intuitive Hören. Eine behutsame Annäherung des aus dem Dunklen kommenden nicht ortbaren sich Befindens in die sich lichtenden spürbaren ersten Antworten. Zarte Gefühle begleiten die ersten Gedanken, die sich zu Worten hin bewegen.

Der Tag deutet sich an, zurückgenommen noch, aufspürend Verweise auf die sich andeutenden Wege. Das Ichhafte hat sich zurückgezogen. Wahre Begriffe offenbaren sich, von der Intuition mit unbekannten Markern versehen, die als Wegmarken anzudeuten scheinen, dass die Zeit wachsender Wüsten sich ihrem Ende zuneigt.
 
(urs)

8
Okt
2013

Dürre

Abwesende Emotionen künden von innerer Trockenheit. Seelische Regungen bleiben aus. Trägheit hindert eh' schon schwach geistige Anregungen aus dem Unbewussten. So beherrscht Leere das Bewusstwerden, bis sich eine Emotion aus dem Widerstand heraus mutig nach vorn wagt. Sie fordert das Beenden des Stillstandes. Diese Aufforderung wirkt wie ein Stein, der in ruhiges Wasser geworfen wird. Die emotionale Störung breitet als neuronale "Störung" Energien wellenförmig aus. Impulsiv inszenieren sich neuronale schöpferische Spiele. Es gestalten sich Bilder, in denen sich neue Ideen darstellen. Durch Zufall fallen einander neuronale Verbindungen zu, die spontan einen helfenden Einfall gebären.
Solche neuronalen Ereignisse spiegeln sich in uns als Bewusstsein. Durch Selbstbeobachtung können wir sie betrachten und auch beobachten, um sie zu begreifen.
Auch "Dürre" stellt eine solche introspektive Spiegelung dar.

7
Okt
2013

Formung des Begreifens

Das Bilden neuronaler Beziehungsgefüge erleben wir als Begreifen. Als Ergebnisse neuer neuronaler Verknüpfungen erfahren wir Begriffe. Diese neuronalen Vorgaben ermöglichen uns sicheres Auftreten und verlässliches Handeln. Begriffe sind Formen des Schöpferischen. Der Künstler begreift, indem er Intuitionen thematisiert. Themen sind die Begriffe des Künstlers.

Neuronale Netze befinden sich wie alles in der Natur in ständiger Veränderung. Weil alles ständig im Fluss ist, schützen sich neuronale Beziehungsgefüge durch feste Marken. Die Fähigkeit, Begriffe zu bilden, ist eine natürliche Begabung.
Dank der natürlichen Fähigkeit der Selbstorganisation vermag das Gehirn bereits vorgeburtlich, effektive Verhaltensmuster zu entwickeln. Geburt bedeutet dann die radikale Reorganisation dieser Struktur, die sich nach und nach aufgrund äußerer Einflüsse durch die Umgebung modifiziert. Solche Modifikationen werden zugleich verlautbart. Laute tun kund, was neuronal geschieht. Umgekehrt vermögen Laute oder Lautverbindungen neuronale Prozesse in Gang zu setzen. Die Lautsprache erzählt von neuronalen Geschehnissen im Gehirn. Schriftsprache vermag diese Geschichten zu konservieren. Schriftsprache ist insofern das erste Medium vernunftbegabter Lebewesen.

6
Okt
2013

Alternative Begriffsbildung

Begriffe lassen sich nicht nur durch Verallgemeinerung bzw. Abstraktion gewinnen, sondern auch durch Beobachtung und Strukturieren der beobachteten Zusammenhänge.

Diese Alternative soll am Beispiel der Erziehung erklärt werden:

Der erste Schritt besteht in der Antwort auf die Frage, worin Erziehung eigentlich besteht. Um diese Frage beantworten zu können, muss man Erziehung beobachten, z.B. die Erziehung eines Kindes. Wenn sich ein Kind das Schreiben von Buchstaben aneignen soll, dann muss es lernen, dass ein Buchstabe eine bestimmte Gestalt hat, die in eine bestimmte Form bzw. Norm gebracht bzw. geschrieben werden muss.
 

 

oder vereinfachte Ausgangsschrift (BRD 1972)
 
 

Erziehen besteht also hier aus dem Einüben von Formen und Gestalten und Vorschriften, wie diese auf den Hilfslinien zu setzen sind. Die nachgeschriebenen Buchtaben zeigen, ob sie wiederholt werden müssen.
 
 
Erziehung: Schreibschrift lernen lassen
Verhalten: Buchstaben schreiben
Regel: an die Vorlage bzw. Vorgabe halten
Gebote: Strichführung
 
Die abgebildete Erziehungsstruktur wird Regelkreis genannt. Dieser aus dem Einzelfall gewonnene Begriff erfasst alle erzieherischen Fälle. Entsprechend lässt sich eine allgemeine Bestimmung wie "Verhalten" als Anpassen an vorgegebene Verhältnisse strukturieren:
 
 

5
Okt
2013

Objektivierung

Wahrnehmen objektivieren bedeutet, Wahrnehmunginhalte so zu verallgemeinern, dass möglichst viele Subjekte zustimmen können. Ein Begriff ist demnach eine gemeinsam verabredete Sicht auf etwas. So ist die Sicht auf das Lebewesen "Mensch", ihn als vernunftbegabtes Lebewesen zu betrachten, um es von allen anderen Lebewesen zu unterscheiden.


Nach Aristoteles ist Sokrates der erste gewesen, der nicht nur danach fragte, woraus etwas geworden ist, sondern danach, was es ist (τί ἐστι). Ziel des sokratischen Fragens war eine allgemein gültige, unbezweifelbare Definition (ὁρισμός), die er in Gesprächen mit seinen Gesprächspartnern entdecken wollte. Dabei gibt sich Sokrates nicht mit einzelnen Fällen oder Beispielen einer Sache zufrieden. So fragt er nicht nach Beispielen gerechten Handelns, sondern möchte wissen, was die Gerechtigkeit selbst ist. Er forderte seine Gesprächspartner auf, das Allgemeine (καθόλου, wörtlich: hinsichtlich des Ganzen) aus dem Einzelnen (ἕκαστον) herauszuarbeiten. Das ist das, was bei aller Mannigfaltigkeit der Einzelfälle immer identisch bleibt.

(vgl. Chr. Axelos: Allgemeines, Besonderes, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie 1, S. 164 f.; ebenso: Gernot Böhme: Platons theoretische Philosophie, Metzler Verlag, 2000 (Lizenzausgabe der WBG S. 116))

„Zweierlei ist es, was man mit Recht dem Sokrates zuschreiben kann: die Induktionsbeweise und die allgemeinen Definitionen; dies beides nämlich geht auf das Prinzip der Wissenschaft. Sokrates setzte das Allgemeine und die Begriffsbestimmungen nicht als abgetrennte, selbständige Wesen; die Anhänger der Ideenlehre aber trennten es ab und nannten dieses Ideen der Dinge."

(Aristoteles: Metaphysik, 1078b, übersetzt von Hermann Bonitz)

Aristoteles nennt das Allgemeine, das vielem Besonderen zukommt, das Wesen (οὐσια) einer Sache. Er nennt den Begriff auch oft "λόγος und ὅρος", um die Notwendigkeit der sauberen Ab- oder Eingrenzung in Bezug auf das vielerlei Einzelne aufzuzeigen. Daher rührt auch der lateinische Ausdruck für Begriff "definitiv" (Abgrenzung).

SUMMA: Ein Begriff (Definition) umfasst zwei Teile. Der erste ordnet den Begriff in eine Gruppe von Begriffen ein (Der Mensch ist ein Lebewesen). Der zweite Teil ordnet dem Begriff das zu, was ihn in der Gruppe besonders (wesentlich) auszeichnet (Vernunft).

4
Okt
2013

Zwielicht

Zweifel existiert in der Unentschiedenheit. Nach langer Wanderung durch Argwohn, Bedenken und Misstrauen eröffnen sich Ahnungen. Mutmaßungen entströmen dem Unbewussten. Sind es Eingebungen unbekannter Kräfte?
Sprachloses Staunen

Fremdartige Ströme durchdringen verhärtete Verformungen. Natürliche Kräfte kämpfen sich durch Missbildungen neuronaler Felder.
Suchende Bewegungen verlieren sich in aussichtslosen Utopien. Ströme gestalten helfende Bilder, deren Geheimnisse sich in der Kunst zwischen Religion und Philosophie verbergen.

3
Okt
2013

Vergegenwärtigung

Vergegenwärtigung bedeutet Bewusstwerden entweder durch Aufmerken oder durch Konzentrieren.
 

 

Sobald wir aufmerken, weil wir etwas Auffälliges oder Aufdringliches wahrnehmen, könzentrieren wir uns auf unsere Erfahrungen und versuchen diesen das aktuell Wahrgenommene anzugleichen. Sinn und Zweck dieser erfahrungsbezogenen Aufmerksamkeit ist es, möglichst schnell ein brauchbares Verhaltensmuster zu haben, um angemessen reagieren zu können. Bewährt sich diese Handlungsvorlage nicht, versuchen wir sie den neuen Gegebenheiten und Erfordernissen anzupassen.

Gewohnheit ist eine neuronale, vielfach bewährte und deshalb schwer veränderbare Verhaltensschleife. Wir sehen die Dinge weniger wie sie sind, sondern vielmehr so wie wir sie gewohnt sind.

Sobald wir aufmerken, also sinnlich wahrnehmen, mischen sich Erinnerungen an unsere Erfahrungen ein, d.h., wir konzentrieren uns auch zugleich. Dadurch werden unsere Wahrnehmungen individuell umgestaltet. Vereinfacht gesagt: Aufgrund unserer Geschichte können wir etwas nur geschichtlich bedingt subjektiv wahrnehmen.

Wenn wir das nicht wollen, müssen wir Vergegenwärtigungen gleichsam entsubjektivieren bzw. objektivieren.

2
Okt
2013

Kurzsichtig

Ein Begriff wird nicht begriffen, wenn er allein wissenschaftlich betrachtet wird. Man darf nicht so tun, als sei das Bewusstwerden ein Vorgang, bei dem sich Perspektive oder Aspekt der Betrachtung beliebig steuern lässt. Auch das wissenschaftliche Begreifen schließt zum Beispiel Gefühle nicht aus. Begreifen vollzieht sich niemals wertfrei und auch nicht unabhängig von der jeweiligen körperlichen Verfassung.

So lässt sich für Sie leicht überprüfen, ob Sie diesen Text hinreichend konzentriert lesen. Dies ist der Fall, wenn während der Lektüre der Unterschied zwischen "Perspektive der Betrachtung" und "Aspekt der Betrachtung" klar vergegenwärtigt worden ist. Eine solche Betrachtung ergänzt nämlich den Satz:


"Man darf nicht so tun, als sei das Bewusstwerden ein Vorgang, bei dem sich Perspektive oder Aspekt der Betrachtung beliebig steuern lässt"

etwa so:

"Man darf nicht so tun, als sei das Bewusstwerden ein Vorgang, bei dem sich "Aufmerksamkeit" oder "Konzentration" beliebig steuern lassen".

Ist diese oder eine vergleichbare "Einblendung" nicht erfolgt, dann erfolgt die Lektüre des Textes nicht konzentriert genug.

1
Okt
2013

Begriffe begreifen

Warum sollen wir Begriffe eigens begreifen, wenn uns doch der Umgang damit gänzlich vertraut erscheint? Gewöhnlich nutzen oder benutzen wir doch Begriffe, ohne uns darüber Gedanken zu machen, was dieser Umgang mit den Formen des Denkens bedeutet.
Aber was uns so selbstverständlich erscheint, verunsichert uns, sobald jemand auf den Gedanken kommt, sich erklären zu lassen, was "Begriff" genau bedeutet. Selbst in Prüfungen an Universitäten werden Kandidaten bisweilen gebeten, einen Begriff zu definieren. Nun bedeutet aber "definieren", etwas als Begriff zu formulieren. Das aber ist gar nicht gemeint. Warum denn nicht einfach darum bitten, das Zustandekommen eines Begriffs zu erklären? Vielleicht kommt sich jemand überlegen vor, wenn er sich gestelzt auszudrücken vermag?
Andererseits werfen wir mit Begriffen um uns, ohne genau zu wissen, was sie bedeuten. Häufige Begriffe dieser Art sind beispielsweise "Bildung", "Pädagogik", "Politik", "Philosophie" usf. Wir haben uns allzu sehr daran gewöhnt, mit Leerstellen umzugehen. Die Sprache des Ungefähren hat sich eingebürgert. Wir begnügen uns, vage Inhalte auszutauschen.
Da aber Worte neuronale Adressen darstellen, gelingt es dem Gehirn mit zunehmenden Alter weniger, mit vagen Adressierungen umzugehen und es verliert den Kontakt mit den mit Worten verbundenen Situationen oder Ereignissen. Für diese Art von Kontaktlosigkeit hat sich der Name "Demenz" eingebürgert. "demens" ist lateinisch und bedeutet "ohne Geist".
Ein geistloser Umgang mit der Sprache führt eines Tages zur geistlosen Vergegenwärtigung von Wahrnehmungen.

30
Sep
2013

Ungläubige Frömmigkeit

Der Protestantin Aesthe Logkat ist klar geworden, dass sich wahre Frömmigkeit jenseits von Glauben und Wissen und vor allem durch praktisches Loslassen vollzieht. Dennoch ist für sie nicht leicht nachzuvollziehen, dass Gott für den Mystiker dann existiert, wenn er ihn vollkommen unwesentlich und sprachlos schauend erfährt. Aesthe ist froh ob ihrer Drogenerfahrung während ihres Studiums. Diese Erfahrung schützt sie jetzt davor, verwirrt zu sein.
Aber sie versteht, dass Religiosität nichts mit Glauben zu tun hat, dass das Nichtsdenken des Mystikers und das Loslassen des Buddhisten ein und dasselbe sind. Zunehmend weniger begreift sie, warum Religion einer Verwaltung namens Kirche bedarf.

29
Sep
2013

Kontemplation

Aesthe: "Was genau verstehst Du unter Kontemplation?"
Angelus: "Das Wort "Kontemplation" ist eine Ableitung vom lateinischen Verb "contemplari" „anschauen“, „betrachten“ und bedeutet also Beschaulichkeit oder auch beschauliche Betrachtung. Kontemplation ist ein mystischer Weg, der durch ein kontemplatives Leben oder Handeln zu einem besonderen Empfindungszustand führt, eine Art von Bewusstseinserweiterung. Eine kontemplative Haltung ist von Ruhe und sanfter Aufmerksamkeit bestimmt. Eigentlich gleicht sie der buddhistischen Einsichtsmeditation."
Aesthe: "Was bedeutet da Einsicht?"
Angelus: "Vipassanā bezeichnet in pali „Einsicht“, also im Buddhismus die „Einsicht“ in die drei Daseinsmerkmale Unbeständigkeit, Leidhaftigkeit bzw. Nichtgenügen und Nicht-Selbst. Der Übungsweg zur Entfaltung dieser Einsicht wird „Einsichtsmeditation“ oder „Vipassana-Praxis“ genannt. Vipassana-Praxis ist ein Weg, um das durch Nichtsehen und Verblendung verursachte Leiden zu überwinden bzw. im Leben die Befreiung des Nirwana zu erlangen."
Aesthe: "Kannst Du mir "Nirwana" erklären?"
Angelus: "Nirwana ist ein buddhistischer Schlüsselbegriff, der den Austritt aus dem Samsara, dem Kreislauf des Leidens und der Wiedergeburten durch Erwachen bezeichnet. Das Wort bedeutet „Erlöschen“, wörtlich „erfassen“ im Sinne von verstehen, „verwehen“, folglich im Sinne des Endes aller mit falschen persönlichen Vorstellungen vom Dasein verbundenen Faktoren, wie Ich-Sucht, Gier, Anhaften."
Aesthe möchte gern wissen, was nun ein Mönch eines beschaulichen Ordens mit einem buddhistischen Mönch gemeinsam hat. Angelus erklärt ihr, dass das, was die Buddhisten Nirwana bzw. Zustand des höchsten Glücks nennen, der ekstatischen Versunkenheit in die vollkommen bedeutungsfreie Anschauung des Lichts gleichkommt. Im Zustand des vollkommenen Loslassens erscheint alles durch sich selbst klar. Namen spielen dann keine Rolle mehr, denn sie sind ganz und gar bedeutungslos geworden!
Aesthe spürt nun intuitiv, worin der eigentliche Reiz eines so strengen kontemplativen Ordens besteht. Sie würde das zwar durchaus reizen, aber sie würde ein solches entbehrungsreiches Leben überhaupt nicht aushalten. Nur das, was ihr besonders wichtig erschien, hat sie verstanden. Es geht also vor allem darum, auf dem Weg zu bleiben. Mönchsein besteht weniger aus Glauben, sondern vielmehr aus Suchen. Es ist ein Weg zum Licht, auf dem sich asketisches Leben verschwendet.
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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