Unilogo

4
Jan
2014

Native Philosophie

„nativ(e)“ bedeutet „gebürtig“, „ursprünglich“, „unverändert“ oder „unbehandelt“ bzw. "naturbelassen“, wahrscheinlich bekannt als „natives Olivenöl“.
„Native Philosophie“ meint jenes ursprüngliche Denken, welches sich allein aus natürlicher Begabung heraus entwickelt. Alles was das vernunftbegabte Lebewesen Mensch zum Philosophieren braucht, hat ihm die Natur von Geburt an geschenkt.
Man vergisst allzu leicht, dass die ersten Philosophen philosophisch unvorbelast bzw. ahnungslos sind, und ihre Gedanken erst durch Wahrnehmen und Beobachten sammeln, ordnen und nach und nach in einen gedanklichen Zusammenhang bringen. Auf dessen Grundlage entwickeln sie dann ihre Lehre wie Heraklit, der erklärt, dass alles fließt, weil er nirgendwo Seiendes entdecken kann. Philosophie entwickelt sich nach und nach durch Übernehmen und Erweitern vorhandener gedanklicher Zusammenhänge.
Wahrnehmen, Betrachten, Beobachten und Auswerten braucht niemand zu lernen. Zusammenhänge ergeben sich aus Erfahrungen natürlicherweise.
Native Philosophie entwickelt sich spiralförmig aus der Begabung des vernunftbegabten Lebewesens heraus. Nicht das Wort steht am Anfang, sondern das Bild.
Der naturphilosophische Weg entwickelt nicht begrifflich, sondern sehr viel früher vor jeglicher Begriffsbildung als Bilderleben. Am Anfang steht nicht die Logik des Verstandes, sondern das Spiel der Fantasie.
Bilderleben ist ein bipolarer Prozess des Bilder-Lebens der Fantasie und des Bild-Erlebens des Gefühls. Im frühen Stadium natürlicher Philosophie werden Bilder durch Erleben bzw. durch Erinnerungen an entsprechende Erlebnisse interpretiert. Lernen als Versuch und Irrtum bzw. als Imitation geschieht bildlich, also sehend, hörend riechend, schmeckend oder tastend.

Beurteilt und behalten werden eindrucksvolle Erfahrungen gefühlsmäßig. Ein Kind verbrennt seine Hand an der heißen Herdplatte. Das ist eine Erfahrung, die sich nicht wiederholen darf. Im Wiederholungsfall taucht dieses Bild in der Vorstellung des Kindes als Warnung wieder auf. Erzieherische, mit Strafen verbundene Verbote prägen im Langzeitgedächtnis des Kindes Verbotsschilder aus.

Das Gehirn organisiert im neuronalen Netz Verhaltensmuster gleichsam in etwa wie ein Straßenverkehrsnetz. Die Bilder der Umgebung werden einschließlich aller Gebote, Verbote und Straßenverkehrsregeln gespeichert und von Fall zu Fall als Hinweisschilder für ordnungsgemäßes Verhalten abgerufen.

Bilder-Leben und Bild-Erleben prägen je nach maßregelnder Ordnung mehr oder weniger komplexe Verhaltensmuster aus.
Schließlich existieren nur noch Ordnungen wie Hausordnung, Geschäftsordnung, Betriebsordnung, Sitzordnung, Tagesordnung usf. Tatsächlich verbringen wir im Alltag keinen Augenblick, der nicht durch irgendeine Ordnung geregelt ist.

Natürliche Philosophie gelangt zunächst als systemische Bildbetrachtung in Ordnungen zum Vorschein.

3
Jan
2014

Das innere Auge

„Inneres Auge“ ist der Name für jenen kontemplativen Zustand innerer Anschauung, welcher einen Einblick in die innere Welt gewährt. Dieser Einsicht offenbart sich ineins zugleich das Geheimnis der Natur.

Der Weg, das innere Auge zu öffnen, lässt sich nicht ganz leicht beschreiben, zumal verschiedene Möglichkeiten existieren. Der einfachste Weg ist natürliche Begabung. Der religiöse, vor allem der buddhistische Weg des Loslassens, oder der Weg der Entsagung und Askese in kontemplativen Klöstern zeigen, wie schwierig das Öffnen des inneren Auges ist.

Was aber lässt sich durch das innere Auge sehen, was ansonsten nicht wahrgenommen werden kann. Die Antwort fällt wahrscheinlich ernüchternd aus, wenn erklärt wird, dass auf metaphysischem Weg der Philosophie die gleiche Konzentrationsstufe erreicht werden kann. Das innere Auge wird in der Philosophie nicht ohne Grund inneres Licht genannt.

Philosophen des Altertums beschreiben den Weg zum inneren Licht als eine Art Befreiung aus der Dunkelheit einer inneren Höhle.

Wir zeigen uns hier nicht in der Lage, die angedeuteten Wege miteinander zu vergleichen oder gar zu bewerten. Wahr bleibt, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss, wenn ihn die Neugier dazu antreibt, mehr zu schauen, als die Augen zeigen.

Die exemplarische Darstellung eines Weges kann nicht mehr als eine Anregung sein. Das Öffnen des inneren Auges ist ein hoch sensibler und deshalb vor allem ein naiver Weg. “naiv“ meint hier ausschließlich „natürlich“, also weitestmöglich unbeeinflusst von Erziehung oder Bildung.

Der naive Weg ist zumindest anfangs in gewisser Weise sogar ein kindlicher Weg.

2
Jan
2014

Ich sehe was, was du nicht siehst

Jeder Künstler schaut etwas, das andere nicht wahrnehmen können. Er setzt das Geschaute in seinem poetischen, bildnerischen oder musikalischen Werk um. Das, was die künstlerische oder auch philosophische Wahrnehmung von anderen unterscheidet, wird Intuition genannt. Intuition beruht vor allem auf einer limbischen Aktivität, also gefühlsmäßigen Regelung des Bewusstwerdens.

Intuition beruht auf Begabung und lässt sich nicht erlernen, wohl aber durch fleißiges Trainieren empfindsamer machen. Intuitionen werden in der Regel von inneren Dialogen begleitet. Die innere Stimme diktiert Poeten bzw. Lyrikern ihre Texte, stellt bildnerischen Künstlern Bildmotive vor, lässt Musiker Töne, Klänge, Melodien oder komplexe Aufführungen hören.

Inspirationen werden häufig mit Intuitionen verwechselt. Im Gegensatz zu Intuitionen sind Inspirationen aber nicht seelischer, sondern geistiger Natur. Intuitionen entwickeln sich spielerisch, Inspirationen logisch. Das Ergebnis der Intuition ist ein Bild oder ein innerer Klang. Das Ergebnis der Inspiration ist eine Idee.

Höchst seltene Formen innerer Wahrnehmungen sind Visionen, die sinnlich nicht mehr vernehmbare Erscheinungen subjektiv bildhaft erleben lassen. Oft handelt es sich um religiöse Erscheinungen, die auf das Einwirken einer jenseitigen ‚Macht‘ bzw. Kraft zurückgeführt werden.

Philosophische oder mathematische Entdeckungen beruhen in der Regel auf Inspirationen, höchst selten auf Intuitionen. „Ich sehe was, was Du nicht siehst!“ beinhaltet das Versprechen, schwer zugängliche Ereignisse der alles Sinnliche übersteigenden Welt der Metaphysik zum Vorschein gelangen zu lassen.

Um sich diesen Ereignissen überhaupt nähern und das Versprechen einlösen zu können, bedarf es sorgfältiger Vorbereitungen.


ff

1
Jan
2014

Allen Lesern des Begriffskalenders


Ein geglücktes, erfolgreiches Jahr 2014!

31
Dez
2013

Offenbarung

Nicht dem Wissen, sondern dem Glauben erschließt sich das Geheimnis des Unbewussten. Wissen und Glauben sind zwei einander entgegengesetzte Richtungen des Denkens.

Wissen ist das Denken, welches nach außen strebt, um sich die Außenwelt zu erschließen.
Glauben ist dagegen jenes Denken, welches nach innen strebt, um sich die Innenwelt zu erschließen.

Die Außenwelt (Physik) wird logisch durch den Verstand erschlossen. Die Innenwelt (Metaphysik) wird mythisch durch die Seele entdeckt.

Der Verstand regelt den Geist aufgrund von Erfahrungen. Die Fantasie regelt die Seele aufgrund von Intuitionen.

Das Geheimnis der Offenbarung liegt darin verborgen, dass sich das Wesen der Innenwelt im Sein der Außenwelt spiegelt.

30
Dez
2013

Wer glaubt, wird selig

Allzu leicht wird vergessen, dass auch das, was Wissen beansprucht, nicht mehr als eine alternative Form des Glaubens darstellt. Begriffe haben mit Dogmen gemein, dass sich ihre Inhalte empirisch nicht überprüfen lassen. Sowohl Religion als auch Wissenschaft sind auf die Glaubhaftigkeit ihrer Lehren angewiesen. Allein der Glaube verschafft Sicherheiten oder existentielle Orientierungen.

Die Art und Weise des Glaubens ergibt sich aus einer eher limbisch oder einer eher mental neuronalen Regelung des Gehirns. Welchem Glauben man zuneigt, lässt sich nicht bewusst steuern, sondern bleibt Ansichtssache. Alle Bemühungen, den einen Bereich durch den anderen ergänzen oder gar ausweisen zu wollen, müssen zwangsläufig scheitern.

Ob Schöpfung oder Urknall bleibt der persönlichen Entscheidung bzw. dem individuellen Kampf zwischen Gefühl und Vernunft überlassen!

29
Dez
2013

Abstrakte Kunst

„Begriff“ ist der Name für die abstrakte Kunst des Wortes. „Abstrakte Kunst“ ist eine Kunstrichtung, die sich von der Wiedergabe und Interpretation der realen Welt bis hin zur Gegenstandslosigkeit entfernt. Auch das Wort „Baum“ verliert während der Abstraktion die Beziehung zum einzelnen konkreten Baum wie z.B. Buche oder Birke und wird zum Repräsentanten der Menge aller möglichen Bäume.

Wenn wir im Alltag von einem Baum erzählen, dann lassen wir offen, welchen konkreten Baum wir eigentlich meinen. Die Alltagssprache ist voller vergleichbarer Weglassungen. Wer sagt, dass er zum Friseur geht oder Gemüse kauft, hält es für überflüssig, eigens zu erwähnen, zu welchem Friseur er geht oder wo er Gemüse kauft.

Auch ein Begriff entsteht durch Weglassen aller konkreten Eigenschaften. In der Botanik wird unter Baum eine holzige Pflanze verstanden, bei der aus der Wurzel nach und nach der Stamm mit einer belaubten Krone entsteht.

In der Geometrie wird bis auf die Struktur eines Objekts alles weggelassen. In der bildnerischen Kunst wie z.B. bei Paul Klee geschieht Vergleichbares. Die Mathematik gar beschränkt sich vor allem auf das Darstellen von Verhältnissen bzw. Beziehungen oder Relationen.

„Kreis“, „U = π mal d“ oder „Baum“ existieren nur in unserer Vorstellung, aber nicht wirklich, sondern verweisen lediglich, zumeist sogar nur andeutungsweise, auf außerhalb der Vorstellung Existierendes.

Ein besondere Form des Begriffs ist die philosophische Definition des Wesens. „Begriff“ als Wesensbestimmung, das ist eine Entdeckung des Sokrates.
Nach Aristoteles ist Sokrates der erste gewesen, der nicht nur danach fragte, woraus etwas geworden ist, sondern danach, was es ist (τί ἐστι).

Ziel des sokratischen Fragens ist eine allgemein gültige, unbezweifelbare Definition (ὁρισμός), die er in Gesprächen mit seinen Gesprächspartnern entdeckt.

Sokrates gibt sich nicht mit einzelnen Fällen oder Beispielen einer Sache zufrieden. Er fragt nicht nach Beispielen gerechten Handelns, sondern möchte wissen, was die Gerechtigkeit selbst ist. Er fordert seine Gesprächspartner auf, das Allgemeine (καθόλου, wörtlich: hinsichtlich des Ganzen) aus dem Einzelnen (ἕκαστον) herauszuarbeiten. Das ist das, was bei aller Mannigfaltigkeit der Einzelfälle immer identisch bleibt.

28
Dez
2013

"Aha"

„Aha“ ist jenes Gefühl, welches neuronalen Erfolg einer geglückten Verbindung von Nervenzellen unmittelbar empfinden lässt. Es ist ein Glücksgefühl, welche Kunst Schaffende leidenschaftlich bewegt, erfahrene Intuitionen ins Werk zu setzen.

27
Dez
2013

Wort- und Sprachspiel

Erlebnisse und Erfahrungen sammeln sich als bewegte, gefühlte, wechselnde Bilder im Unbewussten. Dieses Bilderleben empfängt nach und nach Worte, um wieder bewusst werdend als Denken zur Sprache kommen zu können.

Der Spracherwerb schafft dem Unbewussten die Möglichkeit, seine schöpferischen Spiele nicht nur als Träume, sondern auch als Ideen im Bewusstsein zu inszenieren.

Künstlerisch begabte Menschen werden auf diese Weise eingeladen, diese Inszenierungen bildnerisch, sprachlich gestaltend oder musikalisch komponierend künstlerisch ins Werk zu setzen.

Das Empfangen solcher Inspirationen oder Eingebungen wird bereits durch geringe Ablenkungen gestört. Helfende Zeiten liegen in der Regel nachts oder in den frühen Morgenstunden, je nach dem, ob es sich um „Nachteulen“ oder „Amseln“ handelt.
Seine schöpferische Zeit muss jeder selbst herausfinden. Es handelt sich gewöhnlich nur um 1 bis 3 Stunden täglich. Erfahrene Künstler kennen meisten zwei zwei- bis dreistündige Phasen pro Tag. Eine Missachtung oder Überziehung kreativer Zeiten führt leicht zu Gefühls- oder Gedankenverzerrungen.

Künstlerische Werke lassen sich nicht verstandesmäßig erzwingen, sondern allein meditativ empfangen. Um künstlerisch intuitiv empfangen und werken zu können, muss man mit Sprache, Formen, Farben oder Tönen spielen können. Beim Tanz oder Theater übernimmt die Körpersprache in der Art und Weise der Bewegung diese Funktion.

Um unsere Kompetenz nicht über zu strapazieren, beschränken wir uns auf die Darstellung des Sprachspiels, und wir beginnen mit dem Wortspiel.

Wortspiel meint hier nicht spielerischer Umgang mit der Mehrdeutigkeit, sondern mit der Mehrdimensionalität eines Wortes. In seiner neuronalen Funktion wird das Wort vor allem durch die Wortart bestimmt. So übernimmt das Hauptwort oder das Substantiv, seinem Namen entsprechend, im neuronalen Netz die Rolle des Initiators. Das Substantiv hat deshalb im neuronalen Regelwerk die Funktion eines Operators oder Reglers.

Im einfachsten Fall regelt ein Substantiv als Subjekt einen einfachen Satz wie „Baum erschlägt Fußgänger“. Durch das Prädikat wird eine spezielle neuronale Verbindung zum Objekt geschaffen.

Diese Schlagzeile während des letzten Orkans in Hamburg überrascht. Im neuronalen Netz löst der Satz geradezu Verwirrung aus, weil ein Baum nicht gerade unter der Gruppe der Schläger aufzutreiben ist. Das Nicht-auffinden von Erfahrungen, die durch Wörter aktiviert werden sollen, sorgt im neuronalen Netz Millisekunden für enorme Hektik. Es muss möglichst schnell ein akzeptables neuronales Beziehungsgefüge gefunden werden.

Es wird also nach verfügbaren Erfahrungen im Zusammenhang mit „Baum“ und „erschlagen“ gesucht werden. Dass Bäume Dächer und Auto zerschlagen können, zeigen Erinnerungen an Berichte vergangener Zeiten. Aber es gingen der zerstörenden Bewegung des Baumes „Entwurzelung“ voraus. Der Baum ist also kein echtes Subjekt. Infolgedessen wird eine Satz-Prothese hergestellt:

„Entwurzelung stürzt Baum“ —> „(Stürzender) Baum erschlägt Fußgänger“.

Aufgrund der extrem hohen Geschwindigkeit der Beschaffung der Prothese wird dieser neuronale Vorgang auch nicht andeutungsweise bewusst.

26
Dez
2013

Wortlos

Bevor aus dem Vor- oder Unbewussten etwas hervorscheint und zur Sprache kommt, spielen Bedürfnisse und Gefühle zusammen, verdichten sich zu Wünschen, lösen sich wieder in Frustrationen auf. Einflüsse fügen sich ein, bevor Erfahrungen sie wieder wegnehmen. Ein Hin und Her oder Auf und Ab, ohne etwas zu zeugen. Obgleich Empfindungen und Gefühle toben, erfahren weder Fantasie noch Geist Nennenswertes. Begabungen wühlen unter der Oberfläche, bis sie aus dem Unbewussten hervordrängen und einem Vulkan ähnlich ausbrechen.

Vor jeder schöpferischen Geburt stehen die Schmerzen der Geburtswehen. Bei vernunftbegabten Lebewesen sind es vermutlich Missbildungen der Erziehung, die solches widerfahren lassen.

Natürliche Wortlosigkeit des Tohuwabohu aber herrscht auch, bevor Sein ins Nichts drängt und als Werden der Natur hervorscheint. Es ist das Licht, bevor das Wort den Anfang von allem setzt.

Das Bilden des ursprünglichen Wortes geschieht als Formel der Einheit von Energie und Information. Es ist jenes Wort, welches dieser Einheit als Materie Gestalt verleiht:

Information —> Energie = Materie

Wortbildungsstrategien sind im menschlichen Gehirn von Natur aus als Automatismen der Verlautbarung angelegt.

Das erste Wort im neuronalen Netzwerk entsteht konform mit der Entstehung des ursprünglichen Wortes:

Reiz —> Impuls = Blitz

Ein Reiz wird neuronal konvertiert zum Impuls. Die entstehende Lichterscheinung der Transmission wird als Einheit gespeichert.

25
Dez
2013

7 Türen nach innen

Das Wort „Reiz“ drängt sich uns auf. Wir Kennen den Grund dieser Aufdringlichkeit nicht. Aber vertrauen der Fantasie, die uns für diese Idee unverdient, wie wir finden, lobt. Wir befinden uns mit der Fantasie im Raum des Unbewussten. Dieser Warteraum für den Einlass nach innen ist dunkel. Die einzige Möglichkeit, überhaupt etwas wahrzunehmen, ist das Gefühl. In einer nicht abzusehenden Warteschlange befinden sich unzählige Aussenreize, die darauf warten eingelassen zu werden.

Im Dunkel des Vorbewussten ist es die Fantasie, die allein in der Lage ist, das vorbewusste Geschehen wahrzunehmen und uns davon zu erzählen. Sie sagt uns auch, dass im Vorbewussten Raum und Zeit noch keine Rolle spielen. Deshalb nennt sie das Vorbewusstsein auch das Tor göttlicher Visionen. „Allein hier kann sich ein ewiger Gott wortlos offenbaren“, sagt sie, und sie fügt noch hinzu „Gott hat keine Worte. Er spricht allein in Bildern!“ „Das Vorbewusstsein ist der einzige Raum des Glaubens!“

Die Fantasie verspricht uns, das später noch zu erklären. In diesem Augenblick zuckt ein Licht durch den Raum, gerade ausreichend, um einen Baum, nein, eine Tanne zu erkennen. Und ebenfalls blitzartig durchzuckt uns die Erkenntnis „Das ist unser gesuchtes Wort.

Aber die Fantasie ermahnt uns, nicht vorschnell zu urteilen, denn das, was wir vernehmen, ist noch nicht das Wort, sondern erst das Bild zu einem Wort. Das erste Aufblitzen des Bildes zu einem Aussenreiz, zeigt, dass dieser Reiz bereits von allen anderen Reizen isoliert ist. Als ausgefilterter Reiz wird er zum Impuls, der als Bild im Bewusstsein erscheint. Erst dort wird die Wahrnehmung identifiziert und benannt. Und weil wir eine Tanne gesehen haben, erhält sie auch den Namen „Tanne“.

Da wir inzwischen das Vorbewusstsein verlassen haben, verfügen wir über hinreichend Licht, um uns das Erscheinen des Bildes der Tanne klar vorstellen zu können. Erinnerungsbilder fügen Erfahrungen zu jenem Raum zusammen, in welchen wir in meiner Jugend Weihnachten feiern.

Die Tanne erscheint in Gestalt des Weihnachtsbaumes aus dieser Zeit. Während dieser Interpretation führt mich meine Intuition auf jenen Weg zurück, auf welchem mich die entscheidende Frage meiner Kindheit auf die Suche schickte.

Ich frage mich nach den Ursachen und Gründen für den Verlauf dieser Erkundung. Indem das Ich die Entwicklung des Selbst beobachtet, empfängt es die Inspiration einer schöpferischen Idee.

Jetzt, wo wir das Innere erreichen, zeigt uns die Fantasie auf ihrer Karte noch einmal den zurücklegten Weg:

Isolation —> Initiation —> Identifikation —> Interpretation —> Intuition —> Interrogation —> Introspektion —> Inspiration

Legende

Isolation = Filterung des Sinnenreizes
Initiation = Impuls bewusst zu werden
Identifikation = Verbindung von Innen- und Aussenreiz
Interpretation = Erfahrungen
Intuition = Spiel der Möglichkeiten
Interrogation = existentielle Frage
Introspektion = Suche
Inspiration = Entdeckung einer Idee

24
Dez
2013

Nicht ausgepacktes Geschenk

Als neuronale Adresse ist ein Wort ein verbindliches Versprechen. Sobald es ausgesprochen oder angesprochen wird, verbindet es Kurzzeit- mit Langzeitgedächtnis, um an das zu erinnern, was es meint.

Die Erinnerungen des Sprechenden sind aber nicht die Erinnerungen des Angesprochenen. Das Wort ist allein Hoffnung auf vergleichbare Erfahrungen. Das Wort baut auf Übereinstimmung, die Stimmigkeit durch gemeinsame Stimmungen. Als Stimme des Gefühls wird das Wort in Mitteilungen oft unterdrückt.

Es wird in der Regel nicht mehr bewusst, dass weniger Sinn als vielmehr Gefühle Worte ausmachen. Die Lebendigkeit des Wortes als körpersprachliche Verlautbarung ist verloren. Das Wort bleibt gewöhnlich in der Identifikation stecken. Das allmorgendliche „Guten Morgen“ ist als Lebenszeichen, als Verlautbarung der Freude, sich wieder zu begegnen, meist zur gewöhnlichen Phrase entartet.

Das Wort braucht Zeit, um sein Versprechen einzulösen. Die Wort gegebene emotionale Übereinstimmung braucht Zeit, damit versprochene Stimmigkeit eingelöst werden kann.

Gedichte geraten gar völlig aus den Fugen, wenn Hörer oder Leser es nicht schaffen, sie zumindest für den inneren Dialog zu retten. Wer ein Gedicht nur liest, behandelt es wie ein Geschenk, das er verpackt lässt. Es ist das Geschick vieler Gedichte, umausgepackte Geschenke zu bleiben.

Ein Gedicht verlangt nach Disziplin des Verlangsamens. Ohne Kunst des sich Entschleunigens zerbricht das Gedicht, noch ehe es bewusst zu werden vermag.

Worte sind Stoppzeichen für die Zeit. Wer Worte nicht versteht, wird Begriffe nie begreifen. Denn: Begriffe sind, wie wir noch erfahren werden, Worte einer Welt jenseits von Zeit und Raum.

Zunächst verlangt noch das Wort, hinreichend zu Wort zu kommen. Das Wort „Reiz“ drängt sich auf, um zu einem Gang des Bewusstwerdens einzuladen.

23
Dez
2013

Reflexive Lichterscheinung

Tunneleffekt, das ist ein bewusst gewordenes Moment oder reflexiver Blitz. Diese Lichterscheinung wird als besondere Einsicht erlebt. Das Denken erfährt diesen Augenblick, sobald das Bewusstwerden höchste Vigilanz (Wachsamkeit) erfährt. Die Entwicklung solcher Konzentration lässt sich vor allem durch zwei Prozesse erreichen - durch Loslassen in Verbindung mit Askese und durch Philosophieren in Verbindung mit Fantasie.

Dieser Vorgang lässt sich am einfachsten am Beispiel eines Gedankens beschreiben.

1. Das Denken beginnt, indem eine Wahrnehmung als Vorstellung erscheint. Dieses Innenbild erhält unmittelbar einen geeigneten Namen. Es ist gewöhnlich eine gelernte Bezeichnung. Das Bezeichnen einer bewusst gewordenen Wahrnehmung wird Identifikation genannt.
2. Die vergegenwärtigte Wahrnehmung erinnert an damit verbundene Erfahrungen. Das Vergleichen vergegenwärtigter Wahrnehmungen mit Erinnerungen wird Interpretation genannt.
3. Erinnerungen können zu weitergehenden Fragen anregen. Solche Fragen lösen spielerisches Suchen im neuronalen Netz nach Möglichkeiten neuer neuronaler Verbindungen aus. Werden sie gefunden, so werden sie als Einfälle erlebt. Bei dieser Gelegenheit können Kommentare entstehen, die durch die innere Stimme vermittelt werden. Dieser innere Dialog bzw. das Wechselspiel zwischen Fragen und Antworten wird Interrogation genannt.
4. Während der Interrogation findet ein Überschreiten der Grenze zwischen sinnlich vernehmbaren (physischen) und allein geistig vernehmbaren (metaphysischen) Bereich statt. Als Bilderleben wandelt sich Denken zum Schauen von Ideen, das sind schöpferische Gestaltungsmöglichkeiten der Welt. Dieses Schauen wird von innerem Licht begleitet. Der Name für diese Erscheinung ist Introspektion.

22
Dez
2013

Nicht beim Wort nehmen

Die Vielfältigkeit des Denkens zeigt, wie viel bei einem Wort ungesagt bleibt. Die Sprache der Musik genügt der Mehrdimensionalität des Denkens noch am ehesten. Zudem wir sie von nahezu allen Völkern der Erde verstanden.
Was während der Verschriftlichung der Sprache verloren geht, versucht die Fantasie während der Beschäftigung mit einem Text auszugleichen. Das Denken ist auf diesen Ausgleich angewiesen, um sich überhaupt vollziehen zu können. Dabei entsteht gewöhnlich die kaum vermeidbare Gefahr, dass etwas Anderes entsteht als der Text zu vermitteln versucht.
Die Wissenschaft versucht diese Gefahr abzuwenden, indem sie Regeln aufstellt, wie mit einem Wort umzugehen ist.
Die Texte der Kunst dagegen laden eher die Fantasie zum Mitspielen ein. Künstlerische Texte regen Hörer oder Leser zu eigenen Inszenierungen an.
Sprache bedeutet in der Regel mittelbare Verständigung. Zum unmittelbaren Verstehen kommt es erst durch die eigene Auslegung. Sprache dient wider allen Anscheins der Unterhaltung, bisweilen in Diskussionen auch einer mehr oder weniger kriegerischen Auseinandersetzung zwecks Behauptung oder Durchsetzung eigener Positionen. Sprache eignet sich zur Offenlegung ebenso wie zur Verstellung. Das alltägliche, zumeist verlegen gelächelte „Guten Tag“ ist nicht wörtlich zu nehmen.
Ein Wort beim Wort zu nehmen, das kann manchmal zu bösen Überraschungen führen.
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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