Unilogo

8
Dez
2012

Faszination des Suchens

Philosophen und Mystiker sind Menschen voller Leidenschaft zu suchen. So schreibt Augustinus zu Beginn seines Werkes "Bekenntnisse": „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr.“ "Inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te, Domine." (Augustinus confessiones, I 1) Solches Suchen kann entweder vor allem geistiger und/oder seelischer Natur sein.
Die Seele, die auf der Suche ist, hat ihren eigentlichen Beweggrund noch nicht gefunden.
Der Geist, der auf der Suche ist, hat das Wesentliche seiner Existenz noch nicht entdeckt.

Das Selbst löst sich auf, sobald Seele und Geist nicht mehr suchen. Die nicht suchende Seele wird von äußeren Widrigkeiten der Natur abhängig. So leidet sie je nach Verfassung unter unterschiedlichen Jahreszeiten. Die Touristik bietet solchen Seelen preiswerte Fluchtmöglichkeiten an, freilich verschweigend, dass die wahre Sonne nur innen scheint.
Der nicht suchende Geist erschafft nichts mehr, indem er es aufgibt, sich weiterhin mühsam durch den Dschungel des Ungedachten zu schlagen. Medien bieten solchen Geistern preiswerte Möglichkeiten der Zerstreuung.

Flüchtende Seelen frönen der Arroganz der Rechthaberei, sind selbstherrlich eitel und voller Hass gegen alles, was sie aus ihrer Selbstfäulnis befreien könnte.
Flüchtende Geister suchen ihr Heil in der Besserwisserei und vereinen sich mit ihrer Seele im Angriff auf alles, was sie unbewusst auch nur leicht berühren könnte.

Wer auf der Flucht ist, übersieht allzu leicht noch immer vorhandene Zufluchten, um das Selbst vor dem gehetzten Ich zu schützen.

Der Zufluchtsort für ein Kind wird von seiner Fantasie bei sich zu Hause in der Wahl der Traumwelt vorbereitet. In dieser Welt darf es sich ausprobieren und sich so versuchsweise selbst erfahren. Auf der Trutzburg haben Seele und Geist dem kleinen Jungen schon früh ein großartiges Gedankenlabor eingerichtet. Dort durfte jeder all seine Gedanken mitteilen und mit den jeweiligen Gästen diskutieren. Das war alles so interessant, dass es sich gewiss lohnen könnte, noch nach Gedächtnisprotokollen zu suchen.

7
Dez
2012

Nachbildung

Vor lauter Vorbilder werden Nachbilder kaum beachtet. Es sind die frühen Ereignisse der Kindheit, die als Nachbilder in uns wirksam bleiben. Diese Nachbilder prägen uns sehr viel stärker als Vorbilder. Wahrscheinlich sind es innere Empfänger, die uns für Schwingungen bestimmter Vorbilder nicht nur empfindlich machen, sondern auch als Sender diese wiederum für das, was wir für sie zugleich ausstrahlen. Vereinsamt, allein auf sich gestellt sein versteinert entweder eine Seele oder verflüchtigt sie. Beide Seiten dieser Alternative sind mit großen Gefahren verbunden. Beiden Seiten ist wohl eine fortschreitende Gefühllosigkeit gemeinsam. Für ein Kind gibt es da wahrscheinlich nur eine Möglichkeit der Flucht. Es muss möglichst schnell für sich eine Traumwelt finden, die es aufnimmt und vor der Tageswelt schützt. Das ist dann jene Zeit, in welcher sich die kindliche Entwicklung sehr leicht in einer Art Autismus verfängt. Jedenfalls zeige ich mit hoher Wahrscheinlichkeit als Neun- oder Zehnjähriger autistische Züge. Das hilft mir wiederum, wenn ich aus Strafe Stunden im Kohlen- oder Holzkeller oder im Bad verbringen muss. Das autistische Kind widersetzt sich frühester Isolation, indem es ganz in sich gekehrt ruht. Da es sich selbst aus sich selbst versorgt, widersetzt es sich einer Fürsorge von außen. Diese Art von Selbstversorgung verdichtet sich in mir zum Kern existentieller Gestaltung. Das bringt eine sehr geringe Bereitschaft mit sich, von Anderen etwas anzunehmen. Ich lerne sehr schnell, dass dies in der Schule gekonntes Widersprechen bedeutet.

6
Dez
2012

Selbst-Berührung

Heute Nacht jedoch sollte er nicht mehr entkommen. Das Selbst wollte das Ich berühren, um ihm zu zeigen, dass Nähe heilt.

Während der kleine Junge aus seinem Albtraum erwacht, spürt er wie eine Hand seinen Mund zuhält. Noch zu Tode erschrocken stellt er fest, dass es seine eigene linke Hand ist, die ihm den Mund zuhält, während er mit seinen oberen Zähnen auf seine Unterlippe beißt. Er löst die Umklammerung des linken Armes, der seinen Kopf umschließt, um mit der Hand den Mund zudrücken zu können.

Der kleine Junge ist sehr erleichtert und froh über diese Entdeckung. Die körperliche Selbstberührung wischt die Angst hinweg, und fortan bedroht ihn diese Kugel in keiner Nacht mehr. Es dämmert in der körperlosen, mütterlichen Berührungslosikeit, und die ersten Nebel von Hospitalismus lösen sich auf. Das traumatische Ereignis gerät für Jahre in Vergessenheit. Selbst die Eigenliebe der Selbstberührung bleibt ohne Folgen. In den ersten Nachkriegsjahren vertreibt die Enge des Zuhauses durch aufgezwungene Flüchtlinge die Möglichkeiten einer Ausweitung phantastischer Weiten. Das Bild von einem kargen Mittagsmahl gleitet durch die Dunkelheit frühester Erinnerungen. Teller wasserklarer Gemüsesuppe stehen vor uns. Im Teller meines Vaters finden sich die meisten Wurststückchen. Ich will die Frau fragen, warum sie denn gar keine Stückchen hat. Aber sie führt schnell ihren Zeigefinger an ihren Mund und bedeutet mir zu schweigen. Meine Erinnerung sagt mir, dass sie mir in diesem Bild meine Mutter zum letzten Mal zu Hause zeigt. Aber ich kann mich auf diesen Hinweis wahrscheinlich schon nicht mehr verlassen, passt doch das Verhalten dieser Frau so gar nicht zu dem, was alle über meine Mutter erzählen.

5
Dez
2012

 

 

deadlines




Die Geschichte beginnt in einem Kriegslazarett einige Jahre vor dieser Naturkatastrophe. In das Lazarett, das etwa hundert Kilometer vor Moskau liegt, wird an einem eisigen Wintertag ein junger, knapp über dreissig Jahre alter, schwer verwundeter Soldat eingeliefert. Ein Granatsplitter hatte ihn am Kopf getroffen und seine Augen zerstört. Obgleich er sich an der Front unvorsichtig verhalten hatte, wurde er für diese schwere Verletzung zynischerweise wegen Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet. Während seines Aufenthaltes im Kriegslazareth lernt er die junge Lazarettschwester Magdaleine aus dem Waldecker Land kennen. Die beiden verlieben sich ineinander und heiraten noch während des Krieges. Nach vergeblichen Abtreibungsversuchen gebärt sie im Singener Krankenhaus einen gesunden Jungen. Ein Jahr später folgt noch ein Mädchen. Der blinde Mann bemerkt nicht, dass seine junge Frau mit ihrem Mann und den beiden Kindern völlig überfordert ist und den Haushalt samt den beiden Geschwister verwahrlosen lässt. Um ihr Leben überhaupt noch bewältigen zu können, flüchtet sie in eine Traumwelt und spielt bei ihren Männerbekanntschaften die reiche Frau. Um sich dieses Spiel leisten zu können, ersetzt sie die Geldscheine ihres Mannes durch zurechtgeschnittene Papierblätter. Als der Sohn des Kriegsblinden für diesen Rauchwaren besorgen soll, werden ihm statt Geldscheine wertlose Papierblätter in die Hand gedrückt. Der Vater, ein Oberstleutnant, fackelt nicht lange und erstattet Anzeige. Es kommt zu einem Gerichtsverfahren, bei dem die junge Mutter schuldig gesprochen, mit Gefängnis bestraft und ein Jahr später von ihrem Mann geschieden wird.

Eine junge Hinterbliebene, deren Mann als vermisst gilt, übernimmt den Haushalt und die Erziehung der Kinder. Voller Genuss zeigt sie bei einem sonntäglichen Spaziergang in die Nordstadt den Kindern die vergitterten Fenster des Gefängnisse, hinter denen ihre Mutter angeblich ihre Strafe absitzt. Später droht sie dem kleinen Jungen, den sie nicht ausstehen kann, damit, dass er eines Tages wie seine Mutter ins Gefängnis kommen wird. Jahrelang kämpft sie vergeblich darum, dass der unfolgsame Junge in eine Erziehungsanstalt eingeliefert wird. Als sich die ersten positiven schulischen Leistungen des Jungen abzeichnen, versucht sie, ihn an seinen Hausaufgaben zu hindern, indem sie ihn nachmittags so oft wie irgendwie möglich in weit auseinander liegende Geschäfte zum Einkaufen schickt. Schließlich darf aus ihm auf keinen Fall mehr werden als auf ihrem Hugo, der keine Lehre zum Abschluss brachte und nun als Fahrer mit seinem VW Lieferwagen mit Sanella-Werbung bei einem Lebensmitellager tätig ist. Er findet seinen Job so toll, dass er den kleinen Jungen dazu überredet, ihn einen Tag auf seiner Tour über Land zu begleiten. Natürlich sagt der Junge ohne Zögern zu, zumal er Hugo gut leiden kann. Auf seiner Tour zeigt ihm Hugo, wie viele Mädchen er überall kennt. Aber den kleinen Jungen interessiert das nicht. Und was den Job angeht, so denkt er sich, dass es doch besser ist, noch zur Schule zu gehen. Diese Gedanken behält er jedoch für sich und instinktiv erzählt er auch der Haushälterin, Hugos Mutter, nichts von der Tour mit Hugo. Diese hat für ihn ohnehin schon eine Lehre in der Suppen- und Gewürzfabrik Maggi vorgesehen.

Es ist ohnehin die Zeit gekommen, sich für oder gegen eine weiterführende Schule für den Jungen zu entscheiden. Das Kriterium für diese Entscheidung besteht in dem Argument der Haushälterin, dass es nur darum gehen kann, möglichst schnell Geld zu verdienen, um möglichst bald existentiell abgesichert zu sein. Der Vater lässt sich ebenfalls davon überzeugen, zumal ihn alle Verwandten drängen, das Kind doch auf der Volksschule zu lassen und in die Hauptschule zu geben.

Während seine Freunde das Gymnasium besuchen, geht das Kind des kriegsblinden Vaters zur Volksschule. Er erinnert sich noch sehr genau an seine erste Stunde in der Hauptschule. Seine Mitschüler sind sehr aggressiv und hänseln ihn. Erst als der Lehrer die Klasse betritt, hören sie damit auf. Der Klassenlehrer aber fragt ihn scharf: "Was willst Du denn hier? Du hast hier doch überhaupt nicht zu suchen!" Nach der ersten Stunde, nimmt der Klassenlehrer den Jungen mit zur Schulleitung, um sich zu beschweren. Dort aber erfährt er, dass alles seine Ordnung hat und der Schüler ganz ordnungsgemäß in der Hauptschule für die fünfte Klasse angemeldet ist. Nach einem längeren Streitgespräch einigen sich Klassenlehrer und Schulleiter ungewöhnlicherweise darauf, den Jungen sofort in die Mittelschule, in welcher der Lehrer ebenfalls unterrichtet, zu schicken. Also nimmt ihn der Hauptschullehrer in die Mittelschule mit, in der er die anschließende Schulstunde unterrichtet. Dieser Schultyp befindet sich im selben Haus ein Stockwerk höher.
Überraschenderweise taucht der Haupt- und Mittelschullehrer nachmittags bei dem Jungen zu Hause auf, um mit seinem Vater zu sprechen und ihn um sein Einverständnis zu dem geplanten Schulwechsel zu bitten. Der Vater erklärt sich gegen den heftigen Widerstand seiner Haushälterin und selbsternannten Erzieherin des Jungen einverstanden. Also besucht der Junge weiterhin die Mittelschule.

Die existentielle Zeit erinnerbarer Ereignisse erscheint anders als die real abgelaufene Zeit. Der anerzogene Hang zur Ordnung verführt dazu, die existentielle Zeit als biografische Linie zu betrachten. Solche Rationalisierung verführt dazu, die Sprache der Seele zu überhören und die innere Stimme verstummen zu lassen. Entgegen der Stimme des Verstandes sagt die Stimme der Vernunft, der Intuition also, dass die Kindheit mit diesen letzten Volksschuljahren ihren Abschluss findet.



4
Dez
2012

 

 

5. Herr Schmitz




Lehrer Schmitz löst in mir sehr zwiespältige Gefühle aus.

Er lud mich öfters zu sich nach Hause ein, machte mit mir Spaziergänge oder ging mit mir ins Kino. Aus heutiger Sicht handelte es sich um eine zumindest latente pädophile Persönlichkeit.


Ich kann mich jedoch nicht erinnern, dass es seinerseits irgendwelche unanständigen Annäherungen gegeben hätte. Dennoch gab es Anzeigen gegen ihn. Ich aber konnte der Polizei nichts bestätigen. Auslöser dieser Anzeigen war jedoch seine rabiate Methode, Jungens für ihre Ungezogenheiten im Unterricht zu bestrafen. Er packte sie nämlich ganz einfach und hielt sie zur Abschreckung in der vierten Etage zum Fenster hinaus.

Ansonsten unterrichtete er lebendig und humorvoll.

Eine Tages gab es Lehrer Schmitz nicht mehr. Er war aus dem Schuldienst entlassen worden.





2
Dez
2012

 

 

4. Herr Winterer




Lehrer Winterer war einer der strengsten Lehrer der Schule und eine Weile unser Religionslehrer. Wir mussten die Bibel zu Hause seitenweise auswendig lernen. Wer beim Aufsagen im Unterricht stecken blieb, kassierte als Prügelstrafe sogenannte Hosenspanner.

Besonders gefährlich waren Schlechtwettertage, an denen Karl Winterer unter seinem Holzbein besonders litt. Neben der Prügelstrafe gab es noch weitere Strafen wie Motorrad putzen oder für seine Frau einkaufen gehen. Besonders eindrucksvoll war es freitags, wenn man Bücklinge kaufen und in den Unterricht bringen musste. Herr Winterer putzte sie während des Unterrichts, um sie dann durch einen Schüler quer durch die ganze Stadt zu seiner Frau nach Hause bringen zu lassen. Das dauerte hin und zurück gut drei Stunden, die dann für die weiteren Unterrichtsstunden verloren waren.

Trotz allem war Lehrer Winterer bei uns Kindern beliebt, weil wir letztlich immer mit Strafarbeiten seinem todlangweiligen Unterricht entkamen. Sein extrem kleines, lautes Motorrad beeindruckte uns und außerhalb seines Unterrichts war er ja auch ganz nett.


Bei einer Weihnachtsfeier des VdK sollte ich ein Gedicht aufsagen, dass er selbst zu diesem Zweck geschrieben hatte.

Vor lauter Aufregung aber hatte ich das Gedicht zu Hause liegen lassen, so dass er mir nicht vorsagen konnte, falls ich stecken bleiben sollte.

Statt der erwarteten Schelte tröstete mich Lehrer Winterer damit, dass ich das auf jeden Fall so schaffen werde, weil ich ja ein mutiger und kluger Junge bin. Und das aus dem Munde dieses Tyrannen.

Jedenfalls blieb ich nicht stecken und erhielt auch viel Beifall.

Eines Tages ersetzte Lehrer Winterer sein klenes Motorrad durch einen scharzen Borgward. Es war zugleich das erste Auto, in dem ich mitfahren durfte. Das war, als Herr Winterer meinen Vater und mich in der Stadt traf und uns nach Hause fuhr.



 

 

3. Fräulein Umrath




Die Erinnerung an die Grundschullehrern Frl. Umrath ruft spontan das Bild eines mit Pflanzen, Büchern und Lernmaterialien vollgestellten Klassenraums in mir wach. Danach sehe ich mich gleich in ihrem Garten wieder einmal ihr Fahrrad putzen. "Fahrrad putzen", das war eine Strafe, die Frl. Umrath aussprach, wenn man in ihrem Unterricht ungezogen war. Das Denkwürdige dieser Bestrafung waren Kakao und Kuchen, den es hinterher immer gab. Und alles war vergessen! Aber eines Tages bekam ich im Naturkundeunterricht großen Ärger mit Fräulein Umrath. Ich erzählte nämlich freuestrahlend von einer seltsamen Blume, die ich auf einem meiner Streifzüge per Fahrrad durch den Hegau entdeckt hatte. Ich konnte diese Blume, die ich wegen ihres Aussehens Schachbrettblume nannte, ganz genau beschreiben. Fräulein Umrath lachte mich aus und sagte mir, dass ich phantasiere. Als ich nicht nachgab, schlug sie vor, dass ich diese sogenannte Schachbrettblume in den Unterricht mitbringen soll. Ich aber war beleidigt und bestrafte Fräulein Umrath damit, dass sie diese seltsame Blume nicht sehen durfte.


Erst viele Jahre später erfuhr ich durch Zufall in der Tageszeitung Der Südkurier, dass die Schachbrettblume entdeckt und wegen ihrer Seltenheit unter Natürschutz gestellt wurde.



1
Dez
2012

 

 

2. Herr Bürgesser




Wenn ich an meinen Lehrer Bürgesser denke, sehe ich ihn sofort mit seiner Geige vor mir.Ich denke an seinen wöchentlichen Musikunterricht nachmittags, den wir Kinder freiwillig besuchen konnten. Herr Bürgesser war bei uns sehr beliebt. Sein Unterricht fand meistens außerhalb des Klassenzimmers statt. Biologie in der Natur oder Mathematik in den Tante Emma Läden der Umgebung, Sachkunde auf der Post, im Bahnhof, auf dem Markt oder einen Tag auf einem Bauernhof. Herr Bürgesser machte mit uns viele Ausflüge und Wanderungen.In seinen Unterricht brachte er immer tolle Materialien mit, die wir auch behalten durften. In dem großen Sandkasten, den er in unserem Klassenzimmer aufbauen ließ, modellierten wir unsere Heimat in Miniaturlandschaften wie den Hegau, die Höri, den Bodensee oder den Schwarzwald.


Aber unser Lieblingsprojekt blieb die Landgewinnung an der Nordseeküste in Schleswig-Holstein. Kein Wunder also, dass sich alle Kinder in der wöchentlichen Musikstunde drängten. Herr Bürgesser beeindrucktt uns sehr mit seinen Geigensolis und seinem Ein-Mann-Theater, mit dem er uns das Volkslied der Woche nahebrachte.Unvergesslich bis heute das Lied "Ich armes welsches Teufli":

Ich armes welsches Teufli
bin müde vom Marschieren
bin müde vom Marschiern
Ich hab verlorn´ mein Pfeifli
aus meinem Mantelsack
aus meinem Mantelsack
Ich glaub´ ich hab´s gefunden
was du verloren hast
was du verloren hast


Herr Bürgesser fuhr mit einem Aufsehen erregenden uralten Fahrrad zu Schule.Ich sehe noch heute die überdimensioniert große Fahrradlampe vor mir. Fast sah sie wie ein kleiner schwarzer Kochtopf aus.



30
Nov
2012

 

 

1. Herr Salkosky




Mein erstes Schuljahr fiel in die Zeit 1950/51. Rektor Salkosky begrüßt seine ABC-Schützen in der Zeppelinschule Singen am Hohentwiel. Ich erinnere mich noch sehr genau an die ersten Minuten meiner Schulzeit. Wir Kinder wurden aufgefordert ruhig zu sein, still zu sitzen und die Hände auf die Schulbank zu legen. Ich war derartige Kommandotöne überhaupt nicht gewohnt. Ich flüsterte meinem Nachbarn protestierend wohl etwas zu laut zu "Der Salkosky ist ein Arschloch!" Zur Strafe schickte mich Rektor Salkosky erst einmal vor die Tür.Aber dort wartete ich natürlich nicht, sondern haute ab, um mir in der Gegend die Zeit zu vertreiben. Und das tat ich auch die folgenden Tage. Da nutzten alle Strafandrohungen und tatsächliche Strafen nichts. Ich erinnre mich nicht mehr, wie es dazu kam. Jedenfalls fand ein Gespräch zwischen diesem Rektor, meinem Vater und mir als Übeltäter statt. In diesem Gespräch überredete mich Rektor Salkosky zu folgendem Deal: "Ein Fleißzettel für einen Tag Schulbesuch. Bei zehn Fleißzetteln könnte ich einen Tag ungestraft fehlen!"

Auf diesen Deal ließ ich mich ein, mit dem Erfolg, dass ich keine Lust mehr zum Schwänzen hatte,weil ich den Unterricht interessanter als das Herumtreiben fand.



29
Nov
2012

 

 

Ein Lehrer ist kein Bauer




Ich erinnere mich an die Worte meines Mittelschullehrers Bürgesser, der uns einmal sagte, wie sehr er die Bauern beneide. "Bauern können am Ende eines Tages den Erfolg ihres Tagewerks zufrieden betrachten, Lehrer aber nicht!"

Nach mehr als vier Jahrzehnten Arbeit als Hochschullehrer ergeht es mir nicht anders. Das wundert mich gar nicht, denn ich selbst habe ja auch keinen Kontakt zu den vielen guten Lehren an Schulen und Hochschulen gehalten. Dennoch viel an sie gedacht, aber das eben nie geschrieben.

Da kommt mir die Idee, eine Serie von Portraits dieser Lehrer zu gestalten.


28
Nov
2012

Lehrerkalender

... nach Testphase eingestellt

 

 

Das Unbewusste lernt von Vorbildern




Im Lehrerkalender zeichnete ich gestern ein Bild meines Grundschullehrers Bürgesser. Heute stellte sich in meinem morgendlichen Gespräch mit Ulrike heraus, dass genau dieser Lehrer meine Art und Weise an Schule und Hochschule zu unterrichten, entscheidend geprägt hat. Um Lernenden und Studierenden eine hohe Selbstbeteiligung zu ermöglichen, musste ich mir ständig neue Ideeen, Unterricht zu gestalten. einfallen lassen. Gleichzeitig stellte sich in diesem Gespräch auch heraus, dass meine Entwickung vor allem durch vier Umstände geprägt wurde. Ich bin 1. ohne Mutter, 2. mit einem blinden Vater, 3. mit einer Haushälterin und Erzieherin, die mich nicht ausstehen konnte und 4. in einem Arbeiterviertel, dem Niederhof der Firma Maggi, aufgewachsen. Im Niederhof lernte ich vor allem Strategien, um mich gegen die Halbstarken und Rowdies dort zu behaupten.Der Erzieherin verdanke ich die Fähigkeit, die Widerwärtigkeiten des Alltags zu ertregen. Bei meinem blinden Vater erkannnte ich die Vorteile von Ordnungen. Und der felhlenden Mutter verdanke ich die Notwendigkeit, Fürsorglichkeit bei anderen (fremden) Menschen zu suchen. Ich vermute, dass bei mir durch diese Umstände die organisatorische, systemische und soziale Kompetenz besonders ausgeprägt und durch vorbildliche Lehrer gefördert wurde. Das führte wahrscheinlich später natürlicherweise dazu, als Pädagoge zu arbeiten.


27
Nov
2012

 

 

Erinnerungen an meine Grundschulzeit




Im Lehrerkalender schildere ich täglich unterrichtlich Wesentliches. Guter Unterricht ist kein Geheimnis.Aber bürokratisches Denken blockiert diese Möglichkeit. Guter Unterricht gestaltet sich vor allem sozial und inhaltlich kompetent humorvoll






26
Nov
2012

link

link

 

 

 

Erinnerungen an meine Grundschulzeit




Im Lehrerkalender schildere ich einen Ausflug in meine Grundschulzeit. Mein Beweggrund war die Frage, wo und wann in meinem Leben ich eigentlich meine spezifische Art und Weise zu denken gelernt habe. Ich habe dabei interessante Entdeckungen machen können!






25
Nov
2012

 

 

Lehrerkalender




Der Lehrerkalender (o.a.Link) ist für Lehrer und Studierende, die Lehrer werden wollen. Hinter den Beiträgen stecken nahezu fünf Jahrzehnte Praxis Schulpädagogik und ein Jahrzehnt Referenariatsausbildung. Mit Fragen zur Unterrichtsprais können Sie sich jederzeit ohne Scheu an Prof. Dr. habil. Wolfgang F. Schmid wenden!





24
Nov
2012

Studienleiter

In der Referendariatsausbildung habe ich 8 von 10 Studienleiter erlebt, die Ihr Unterrichtsbesuche als Mittel zur Befriedigung ihres Unterdrüchungstriebes betrachteten. Es würde mich interessieren, ob sich Referendare und Referendarinnen immer noch so viel gefallen lassen!
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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