Unilogo

2
Feb
2013

Bereitschaft zur Offenheit

 
Erziehung aber beinhaltet die Bereitschaft zur Offenheit für die Alternative entweder der Bildung des Gefühls oder der Bildung des Geistes.

Die Bildung des Gefühls geschieht vorwiegend künstlerisch. Die Bildung des Geistes spielt sich dagegen vor allem logisch ab.

Das junge Lebewesen orientiert sich in seiner Ausrichtung an seinen Eltern. Diese Bezugspersonen gelten ihm als frühe Vorbilder.
 

1
Feb
2013

Achtsamkeit

 
Wer sein Gefühl achtet, erfährt, dass die Seele Wesensfragen nicht mag. Das Gefühl entscheidet sich für innen, der Kopf für draußen. Das Selbst offenbart sich dem Kopf nicht.

Seele und Verstand sind gegensätzliche, einander widerstreitende Kräfte in uns. Wer diese gegeneinander ausspielt, gerät bei der Lösung von Problemen in die Ausweglosigkeit.

Die Entscheidung für die Seele ist eine grundsätzliche, existentielle Entscheidung für die Bildung der Intuition und die Ausbildung der inneren Stimme. Es ist das Ja zum vornehmlich künstlerisch schöpferischen Weg.
 

31
Jan
2013

Erziehung zu einfach gedacht

 
Denken vollzieht sich dreifach in eins zugleich, und zwar als körperliches, seelisches und geistiges Denken.

Die körperliche, seelische, geistige Verfassung bestimmt die Höhe von Aufmerksamkeit und Konzentration, also die Weite des Bewusstseins und somit den Zeit-Raum des Bewusstwerdens.

Um die Weite des Denkens selbst denken zu können, erscheint es sinnvoll, von der ursprünglichen Bestimmung des Denkens als Bilderleben auszugehen. Das seelisch empfundene, fantasievoll gefühlte Bilder-Leben bewegt den Verstand, auszuwählen und das Bild-Erleben in die Tat umzusetzen. Die Tatkraft entspringt der körperlichen Energie des Bilderlebens.

Erziehung fördert Bilderleben, Bilder-Leben und Bild-Erleben, indem sie körperliche, seelische und geistige Leistungen fordert.

Deswegen galten Sport, Kunst und Philosophie in den Anfängen Abendländischer Kultur als die drei Komponenten der Bildung.
 

30
Jan
2013

Auseinandersetzung

 
Ein durch Dressur unterdrücktes Gehirn ergreift höchst selten die eigene Initiative, sondern folgt eher den Regeln einer unauffälligen Anpassung. Durch die Vorherrschaft des Verstandes bleiben dann Vernunft und Gefühl auf der Strecke. Vorgegebene Verhaltensmuster werden brav angenommen und nachgeahmt. Das Bilderleben der Vernunft und das Empfinden der Seele können sich so nicht mehr hinreichend ausbilden, um noch einer sich offenbarenden Wahrheit glauben zu können.

Die Bedingungen für die Möglichkeiten einer Auseinandersetzung mit Wahrheit als Selbstoffenbarung schwinden und damit die Chance, seinen eigenen existentiellen Seinsgrund zu entdecken.

"Die Wahrheit blitzt im Augenblick auf", sagt Platon in seinem berühmten siebten Brief (datiert um das Jahr 353 v.Chr.). Wahrheit erfährt man als Energie, die wie ein Blitz erscheint, der das Dunkel unklar Gedachten urplötzlich erhellt. Ein solcher Augenblick ist vergleichbar mit einer Situation, in der man sich urplötzlich vollkommen überraschend in einen Menschen verliebt oder seine Berufung verspürt.

Wahrheit entbindet schöpferisch neu gestaltend der bisherigen eigenen bunten, schönen, abwechslungsreichen, aber fantasievoll vorgetäuschten Welt der Illusionen und befreit am Ende in eine sich selbst offenbarende existentielle Welt.

Das Ich kündigt dem gewohnten Selbst und verändert radikal seine Sichtweise, wie ein prachtvoll schöner Herbstabend, ein Geschenk spontaner Ergriffenheit, eine Ahnung von Ewigkeit.

Wahrheit im Sinne der Unverborgenheit ist immer der einfache Anfang alles Wesentlichen.
 

29
Jan
2013

Widerstand

 
Wer ein Lebewesen erzeugt, muss auch für es sorgen. Das gilt unter allen Herdentieren als ungeschriebenes Gesetz.

Bevor werdende vernunftbegabte Lebewesen in der Lage sind, sich selbst zu regeln, werden sie auf vorgegebene Sollgrößen hin eingeregelt. Wollen sie diesem Mechanismus entkommen, müssen sie sich im Ungehorsam üben. Statt einfach nur alles zu befolgen, müssten sie von Grund auf alles in Frage stellen.

Wenn sich das Ich jemals aus von sich entfremdetem Selbst befreien wollte, müsste es aus seinem Leben eine Geschichte des Ungehorsams machen.

Eine Anleitung zu solcher Rebellion hält gewöhnlich jedes Gehirn von Natur aus vor. Spätestens mit der Pubertät ist die Zeit gekommen, zur Selbstbefreiung aufzurufen. Pubertät ist jener neuronale Gewaltakt, welcher für die Empörung der Seele über alle aufgedrückten Verhaltensmuster sorgt. Schließlich befinden sich alle neuronalen Netze im Umbruch. Über die Hälfte erfährt sogar den totalen Zusammenbruch. Angesichts dieses inneren Krieges fällt es schwer, sich nach außen hin friedlich zu verhalten.

In den Zeiten totalen neuronalen Umbruchs bietet das Gehirn individuell angemessene Waffen für den persönlichen Freiheitskampf an. Äußerlich flüchtet sich die Fantasie in geträumte Abenteuer.
 

28
Jan
2013

Anpassung

 
Jedes Lebewesen wird in die Abhängigkeit von seinen Eltern hineingeboren. Ohne Hilfe seiner Bezugspersonen vermag es nicht einmal zu überleben. Seine Eltern verhelfen ihm dazu, seine Grundbedürfnisse zu befriedigen. Durch die Art und Weise wie sie das tun, vermitteln sie dem kleinen Wesen, in welchem Verhältnis sie zu ihm stehen. Ein liebevolles, einfühlendes Verhalten erlaubt es der erwachenden Vernunft, sich frei zu entfalten.

Hier zeigt sich der hohe Anspruch der Erziehung.
Aber oft reichen Kraft und Möglichkeiten nicht aus, dem zu entsprechen. Die kaum auf die Erziehung vorbereiteten Eltern werden in der Regel ohne Hilfestellung allein gelassen. Sie bleiben auf das verwiesen und angewiesen, was in den Medien an beratender Information zu finden ist. Aber letztlich handeln sie nach Gutdünken und von eigenen Bedürfnissen und Wünschen gesteuert. Auf diese Weise wandelt sich freie Erziehung allmählich zur Dressur. Verhaltensregeln vereinfachen den Umgang mit dem werdenden vernunftbegabten Lebewesen. Die Grenzlinien des das-und-das-nicht Dürfens werden enger erzogen.

An die Stelle einer positiv geträumten Utopie treten tradierte Topoi, Muster und Regeln des Verhaltens.
 

27
Jan
2013

Missverständnis der Erziehung

 
Erziehung steht nicht nur am Anfang des Lebens, sondern erweist sich vielmehr als lebenslanger Prozess. Erziehung beschränkt sich zwar nicht auf ein bestimmtes Lebensalter, aber wandelt sich dem Alter entsprechend.

Da Erziehung vor allem ein innerer Vorgang ist, lassen sich die verschiedenen Phasen auch nicht von außen her zeitlich genau festlegen. Es handelt sich nicht um das biologische, sondern um das seelische, geistige Lebensalter. "Man ist so alt, wie man sich fühlt!"

Es lassen sich folgende Epochen der Erziehung unterscheiden:

Anpassung während der Kindheit und Jugend, Widerstand während der Pubertät, Auseinandersetzung während der Ausbildung, Existenzkampf während der Berufszeit, Wertung während der nachberuflichen Zeit.
 

26
Jan
2013

Fördern durch Fordern

 
Erziehung setzt Freiheit voraus, um sich formen und gestalten zu können. Als Selbstformumg und Selbstentfaltung ist Erziehung ein innerer Vorgang, der von außen her nur bedingt gefördert werden kann. Diese Förderung fordert die verfügbare Begabung oder das vorhandene Talent vorbildhaft, liebe- und verständnisvoll heraus.

Alle Erziehung, die über eine Hilfe zur Selbsthilfe hinausgeht, führt zur Selbstentfremdung des anderen. Lehren, das nicht Hilfe zur Selbsthilfe ist, entartet zum Unterrichten. Unterrichten bedeutet „unter eine Richtung zwingen“. Unterricht verkehrt Erziehung als Befreiung zu sich selbst in Dressur.
 

25
Jan
2013

Erziehung und Bildung (paideia)

 
Philosophen und Pädagogen sehen offensichtlich in der Erziehung etwas Anderes als das, was sich beobachten lässt. So spricht der Philosoph Friedrich Nietzsche in seiner Schrift von 'Schopenhauer als Erzieher' von der Erziehung als Befreiung:

"… Befreiung ist sie, Wegräumung alles Unkrauts, Schuttwerks, Gewürms, das die zarten Keime der Pflanzen antasten will, Ausströmung von Licht und Wärme, liebevolles Niederrauschen nächtlichen Regens, sie ist Nachahmung und Anbetung der Natur, wo diese mütterlich und barmherzig gesinnt ist, sie ist Vollendung der Natur, wenn sie ihren grausamen und unbarmherzigen Anfällen vorbeugt und sie zum Guten wendet…"

Auch für den Philosophen Sokrates bedeutet Erziehung Befreiung. Er nennt sie mit dem griechischen Namen paideia und versteht darunter die Bildung zur Tugend und das Denken des Wesentlichen.
 

24
Jan
2013

Erziehung

 
Das Verb erziehen bezeichnet ursprünglich in der Bedeutung von herausziehen die Tätigkeit der Hebamme, die das Gebären eines Kindes unterstützt. Erziehen meint dagegen heute Möglichkeiten einer Begabung zur Verwirklichung zu verhelfen. 

Obwohl die meisten wie selbstverständlich von und über Erziehung sprechen, verstehen sie letztlich nicht, wovon sie eigentlich sprechen. Eltern und Lehrer erziehen, oder allgemeiner: Erwachsene erziehen Kinder, aber was tun sie, wenn sie erziehen?

Beobachtungen erzieherischer Tätigkeiten zeigen, dass es vor allem um das Vermitteln von Regeln und Mustern des Verhaltens geht. Erziehung scheint um eine individuell gerechte Anpassung an Bedingungen des Alltags und gesellschaftlicher Verhältnisse bemüht zu sein. Es lässt sich allerdings nicht unmittelbar erkennen, woran sich Erziehung bei dieser Adaption orientiert. Vom Ergebnis her geht es wohl um Werte und Normen, Gebote und Verbote.
 

23
Jan
2013

Utopie der Erziehung

 
Utopie ist die Vision von einer noch nicht erreichten existentiellen Stelle, zu der hin ein vernunftbegabtes Lebewesen strebt.

Selbst-Erziehung wird einem Lebewesen zwar als Wille der Selbstfindung bewusst, aber es vermag diesem Willen nicht zu entsprechen, da sein Gefühl zu vage ist. Das Selbst zeigt sich dem Ich nicht.

Es fehlt an Klarheit, um sich hinreichend selbst erkunden zu können.

Viele bauen auf das Führen eines Tagebuchs, um sich Klarheit über sich zu verschaffen.

Erziehung als Befreiung des Ichs erscheint umso mehr als negative Utopie, je länger die Selbst-Suche andauert.
 

22
Jan
2013

Fortschreitende Vergesslichkeit

 
Zu den größten bestgehütetsten Geheimnissen gehört wohl das Tabu der Unberührtheit des eigenen Seinsgrundes. Der Frage, warum wir sind, wie wir sind, gerät letztlich in Vergessenheit.

Diese Vergesslichkeit wiederholt sich bei jedem Menschen, der sich diese Frage stellt. Erwachsenwerden vollzieht sich als unmerkliches Verdrängen dieser Wesensfrage und zugleich als schleichende Anpassung vorgebender, überkommener Antworten auf diese Frage.
 

21
Jan
2013

Ergebnis existentieller Färbung

 
Denken folgt niedrigen Beweggründen, sobald sich Vernunft der Seele und Verstand des Geistes nicht mehr im Gleichgewicht befinden. Dieses Ungleichgewicht geht mit dem Verlust des Gewissens einher. Werte und Normen, Gesetze und Regeln, Verbote und Gebote, Verträge und Vereinbarungen verblassen als Wegmarken des Handelns. Die innere Stimme widerspricht nicht nur unanständigem ungehörigem Verhalten nicht mehr, sondern verliert sich angesichts der Vorherrschaft der Triebe und niedriger Bedürfnisse. Vorspiegelung falscher Tatsachen und Ausflüchte verdrängen die Möglichkeiten offener Begegnungen und aufrichtiger Auseinandersetzungen. Derartige Hemmungen und Blockaden werden durch jene Technik der Manipulation aufgebaut, für welche sich der Name Pädagogik durchgesetzt hat.

Die Sophisten, allen voran der Wanderlehrer und bestbezahlte Lehrer aller Zeiten Protagoras, lehren schon damals vor zweieinhalb Jahrtausenden gegen teures Geld, wie man erfolgreich wird. Den Anspruch, erfolgreich Erfolg zu lehren, hat die Pädagogik jedoch längst aufgegeben.
 

20
Jan
2013

Färbemittel menschlicher Existenz

 
Vernunft als Gabe und zugleich untaugliches Mittel, Existenz modisch bedürfnisbetont schön oder triebhaft missbraucht schwarz zu färben, mit Hilfe des Verstandes wegdenken und vedrängen zu wollen, stiftet jenes Unheil, welches vor allem Priester und Pädagogen für ihre Interessen vereinnahmen.

Das ist das Ende der menschlichen Geschichte, bevor sie überhaupt beginnt. Die abendländische Geschichte erweist sich als Ungeschick oder Ungeschichte. Priester schaffen unauslöschliche Angst vor dem Tod, Philosophen entdecken das vernunftbegabte Lebewesen als Überwesen und Pädagogen verführen zu selbstzerstörerischem Verhalten durch Missbrauch von Technik.

Das Ergebnis?
 
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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