Unilogo

26
Feb
2013

Denken als praktisches Gestalten

 
Das Gestalten philosophischer Gedanken formt sich intuitiv um eine schöpferische Idee.

Der Philosoph Platon nennt dieses geistige Sehen der "idea" "idein" und "paideia" die Begabung, dieses Schauen im vernunftbegabten Lebewesen zu bilden.

Während die Natur die gestalterische Begabung überreichlich verschenkt, überlässt sie es der Vernunft eines Lebewesens, das Verwirklichen gestalterischer Ideen selbst zu verwirklichen.

Die Natur schenkt die Kunst, die Technik muss sich der Künstler selbst aneignen.

Aufgrund der Duplizität von Form und Gestalt vermag sich Schöpferisches nicht ohne Praxis der Formgebung zu verwirklichen.
 

25
Feb
2013

Denken als Probehandeln

 
Um sich das Vermögen zu denken zu erhalten, muss zunächst die kindliche Spielwelt gepflegt und behutsam erhalten werden.

Die Spielwelt des Kindes dient dem kindlichen Probehandeln.

In seiner Fantasiewelt kann das Kind z. B. seinen Spürsinn als Indianer, seine strategischen Fähigkeiten als Detektiv oder Kommissar, oder seine Reaktionsgeschwindigkeit als Cowboy oder Fußballer ausprobieren.

Daneben lassen sich Ausdauer, Durchsetzungsvermögen und Frustrationstoleranz bei Versuch und Irrtum beobachten.

Manchmal versuchen sich Kinder schon sehr früh in späteren Rollen, wenn sie beispielsweise Lehrer, Arzt, Tänzer, Artist oder Trainer spielen.

Andere Kinder wiederum erkunden ihre Fähigkeiten mit einem Instrument oder mit einem technischen Gerät.

Nicht wenige Kinder scheuen sich, ihre Spielwelt offen zu zeigen und spielen alles lieber heimlich mit ihrer Fantasie in ihrer Vorstellung durch.

Das fantasievolle Durchspielen von Vorgängen oder Abläufen in der Vorstellung ist genau das, was geschieht, wenn später Künstler ihre Komposition oder Wissenschaftler ihre Theorie durchspielen.
 

24
Feb
2013

Das Erwachen der Philosophie

 
Das Erwachen des Philosophierens macht sich bei Kindern durch unaufhörliches Fragen bemerkbar.

Gewiss, diese Fragen können nerven, zumal sie alltägliche Selbstverständlichkeiten in Frage stellen wie “Warum fallen die Wolken nicht vom Himmel?”

Isabell Graw in ihrem Artikel "Kindliche Fragen" in Die Zeit Nr.46 vom 15.11.1963 (Quelle: Zeit@online):

"Jeden Morgen, wenn ich meine vierjährige Tochter in den städtischen Kindergarten bringe, ergibt sich in verschiedenen Variationen immer wieder dieses Gespräch: "Mutti, warum geht Monika (das ist ihre Freundin) in den katholischen Kindergarten?" – "Weil Monikas Eltern katholisch sind." – "Mutti, bist du evangelisch?"
– "Ja, mein Schatz." – "Ist Opa auch evangelisch?" Ich lüge, um sie nicht völlig zu verwirren. "Ja, Kind." (Der Großvater war katholisch und ist aus der Kirche ausgetreten.) – "Mammi, später gehe ich auch in die katholische Schule, weil Monika und Gigi auch in die katholische Schule gehen." – "Wir werden sehen, Liebling."

Sie kann die Worte "katholisch" und "evangelisch" nicht immer flüssig sprechen, ich helfe ihr dabei. Später werde ich ihr erzählen, daß wir trotzdem alle an einen Gott glauben und wie es dazu kam, daß alles so kompliziert wurde."

Das Verschieben einer helfenden, mühevollen Antwort ist einer der häufigsten Fehler. Das Kind spürt die Verlegenheit aus Bequemlichkeit und deutet die entsprechende Reaktion gefühlsmäßig als Ausdruck einer Belästigung. Um das zu vermeiden, stellt das Kind zunächst bestimmte und dann nach und nach alle Fragen ein.
 

23
Feb
2013

Ein Geschenk der Natur

 
Körperliches, seelisches, geistiges Wahrnehmen entwickeln und verbinden sich spielerisch vorgeburtlich zur Kraft der Intuition, die dem Neugeborenen in seiner nachgeburtlichen Welt erste Orientierung schenkt.

Philosophieren gilt es folglich niemals durch Lernen zu erwerben, sondern vielmehr durch alle Erziehungen hindurch behutsam zu bewahren.

Die Gabe zu philosophieren, verändert sich zwar, aber geht auch bei körperlichen, seelischen oder geistigen Behinderungen nicht verloren.

Erziehen zur Bildung bedeutet, alles dafür zu tun, um die philosophische Begabung durch altersgemäße Herausforderungen zu fördern, gleichgültig ob sie musikalisch, bildnerisch gestaltend, poetisch, handwerklich, technisch, sportlich, mathematisch, naturwissenschaftlich oder unmittelbar philosophisch hervor scheint.

Immer dann, wenn ein besonderes Talent hervor scheint, vertritt die oder der Betroffene seine eigene praktische Philosophie des Erfolgs.
 

22
Feb
2013

Denken aus Selbstschutz

 
Die Sicherheit eines eigenen stabilen Daseinsgrundes lässt sich nicht durch Abschauen oder Nachahmen erwerben.

Vor- und Leitbilder ersparen niemandem die Mühe eigener Erfahrungen.

Aus diesem Grund verschenkt die Natur an jedes vernunftbegabte Lebewesen gleichsam als erstes Geburtstagsgeschenk die Gabe zu philosophieren, also eigenes Erfahren wahr nehmen und verändern.
 

21
Feb
2013

Denken ist ein Grundbedürfnis

 
Es ist das Grundbedürfnis nach Geborgenheit und Schutz, welches die Suche nach einem allen Wechsel überdauernden Aufenthalt antreibt.

Philosophieren ist eine Erscheinungsweise des Selbsterhaltungstriebs, um der Furcht vor Orientierungslosigkeit zu entgehen.

Indem die Philosophie das vernunftbegabte Lebewesen nach festem Grund des Daseins suchen lässt, erweist sie sich als vorrangige existentielle Aufgabe, der sich jeder Mensch stellen muss.
 

20
Feb
2013

Denken des Denkens

 
Weil das “Bilderleben” zu komplex und kompliziert ist, hat der Mensch eine Kunst der Vereinfachung ersonnen.

Diese Kunst nennt er Philosophie.

Philosophie ist das bewusste Absehen von ständig sich verändernden Sinneseindrücken, um nach Bleibendem in allem Wandel zu suchen.

Diese Suche ist eine existentielle Notwendigkeit.

Der Mensch braucht eine Bleibe, um sich orientieren zu können.
 

19
Feb
2013

Denken ist Bilderleben

 
Das Wort “Bilderleben” bedeutet sowohl “Bilder-Leben” als auch “Bild-Erleben".

“Bilder-Leben” meint das Spielen der Fantasie, das Empfinden des Körpers oder das Fühlen der Seele.

“Bild-Erleben” meint das sich Einstellen auf besondere Bilder und das Auswählen von Bildern, um sich besonders damit zu beschäftigen.
 

18
Feb
2013

Besonderes Denken

 
Unserer Erfahrung nach können wir das Bildgeschehen in uns auch bewusst beeinflussen, indem wir uns darauf konzentrieren.

Meistens meinen Philosophen nur dieses bewusste Beeinflussen des Bilderlebens, wenn sie von Denken sprechen.

Aber niemand wird verneinen, dass auch jenes Denken existiert, welches unbewusst in uns jene Bilder gestaltet, welche uns einen Einfall oder eine Idee entdecken lassen.

Der Philosoph Platon nennt dieses Denken deshalb “idein”.

Das Gestalten schöpferischer Bilder ohne Hinzutun unseres Bewusstseins nennen wir heutzutage Intuition.
 

17
Feb
2013

Spiel mit Innenbildern

 
Wir verfremden warnehmungsbezogene Bilder im Kopf durch unsere Erfahrungen, durch unsere augenblickliche Stimmung und durch unsere Einstellung zum Wahrgenommenen.

Wir können uns Bilder im Kopf aus der Vergangenheit zeigen lassen, wenn wir uns erinnern, und wir können sogar Bilder in der Zukunft anschauen, wenn wir uns etwas ausmalen.

Wenn wir tag- oder nachtträumen, sucht sich unser Gehirn seine Bilder selbst aus und setzt sie auch ohne unsere Mitwirkung spielerisch zusammen.
 

16
Feb
2013

Es ist nicht möglich, nicht zu denken

 
Dauernd stellen wir uns mehr oder weniger bewusst etwas vor.

Im Alltag bemerken wir nicht, dass wir nicht unmittelbar wahrnehmen, sondern alles vermittelt durch die Brille jener Bilder sehen, welche wir uns von Wahrnehmungen machen.

Unsere Welt ist für uns nicht so wie sie ist,
sondern so wie wir sie sehen wollen.
 

15
Feb
2013

Die drei Weisen des Denkens

 
Denken drückt sich durch das Zusammenspiel körperlicher bzw. sinnlicher, seelischer und geistiger Eindrücke aus.

Körper, Seele und Geist bzw. Filtern, Fühlen, Erinnern prägen das Denken.

Gedanken entstehen aufgrund von Erfahrungen, Glauben oder Begreifen.

Denken strebt von seinem natürlichen Wesen her nach sinnlichem, religiösem oder neuem Erleben.

Denken erlebt und kristallisiert sich in Kunst, Religion und Forschung der Wissenschaft.

Im Alltag wird das kaum bewusst, wenn sich Wahrnehmungen zu Vorstellungen gestalten, denen wir aufgrund unserer Erfahrungen glauben und die wir nur bei Abweichungen in Frage stellen.

Existieren bedeutet, der Utopie glauben, auf die Kraft der Verwirklichung hoffen und das Abenteuer dieses Weges lieben!
 

14
Feb
2013

Zur Erkenntnis verhelfen

 
Philosophie ist der Name für das Erforschen und Erklären der Selbstreflexion.

Der Philosoph Platon nennt die Hinwendung des Menschen zur Reflexion seiner selbst „Bildung“, das ist das deutsche Wort für das griechische „paideia“.

Als Kunst der Paideia übernimmt Pädagogik die Aufgabe, Bildung zu vermitteln.

Im Grunde fasst Platon Pädagogik als Hinführung zur Philosophie auf. Mit seiner Auffassung stellt sich Platon gegen Protagoras, dem Lehrer seines Lehrers Sokrates.

Der Sophist Protagoras sieht nämlich in der Pädagogik die Kunst und Technik des Erfolgs.

Aber schon Sokrates folgt der geschäftstüchtigen Auffassung des Protagoras nicht mehr.

Sokrates betrachtet die Mäeutik als zur Erkenntnis verhelfende Kunst als vornehmliche Aufgabe der Pädagogik.
 

13
Feb
2013

Quelle der Erkenntnis des Denkens

 
Denken ist jene gestalterische Kraft, welche innere Bilder schafft.

In diesen Bildern spiegeln sich Wechselwirkungen zwischen sinnlichen Eindrücken und Erfahrungen.

Diese Wechselwirkungen lassen sich wiederum betrachten, beobachten und begreifen.

Der Name für dieses Zusammenspiel von innerem Betrachten, Beobachten und Begreifen ist Selbstreflexion.

Selbstreflexion ist auch die alleinige Quelle unserer Erkenntnis des Denkens.
 
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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