Unilogo

16
Jul
2013

Zweierlei Maß

Im Alltag des Menschen überwiegt die Vernunft. Der Beitrag des Verstandes wird auf nur 1% geschätzt. Der bevorzugte Gebrauch der Vernunft wird durch den philosophischen Namen des Menschen "vernunftbegabtes Lebewesen" zum Ausdruck gebracht. Menschliches Verhalten beruht also vornehmlich auf Emotionen, Meinungen, Vermutungen und Annahmen des Glaubens. Logik und Intelligenz des Verstandes spielen kaum eine Rolle. Der vorherrschende Eindruck logischen Verhaltens beruht auf der Eigenschaft der Vernunft, erfolgreichen Erfahrungen bzw. bewährten Gewohnheiten oder Konzepten zu folgen. Dass Unterricht üblicherweise mit Wiederholung beginnt, erscheint zwar aufgrund gängiger Erfahrung folgerichtig, ist aber nicht logisch. Da wir nur aus Fehlern lernen können, drängt sich Experimentieren als intelligenter Beginn des Unterrichts auf, denn wir ändern unser Verhalten frühestens, wenn uns Fehler unterlaufen. Grundsätzlich beteiligt sich der Verstand nicht, solange Verhalten auf verfügbaren Mustern wie das Telefonieren beruht. Während die Vernunft Gewohnheiten oder Anleitungen folgt, meldet sich der Verstand erst, wenn es um Neues geht. Vieles wird für intelligent gehalten, was in Wahrheit nur gut gemeint ist. Vernünftige Ergebnisse werden in der Regel nach Geschmack beurteilt, intelligente Ergebnisse aufgrund von Einsicht.

r.n. 5

15
Jul
2013

Menschwerdung

Im Streit zwischen Seele und Geist kristallisiert sich zweifaches Denken heraus: das Bilder-Leben der Vernunft und das Bild-Erleben des Verstandes.
Bilder-Leben und Bild-Erleben werden gleichzeitig als Bilderleben bewusst. Als Denken der Vernunft steht der Glaube im Gegensatz zum Wissen als Denken des Verstandes. Was man weiß, wird auch geglaubt, aber was man glaubt, wird nicht gewusst. Die Gewissheit des Glaubens beruht auf subjektivem, nicht unbedingt für jeden nachvollziehbarem Gefühl. Die Gewissheit des Wissens beruht auf objektiven, für jeden nachvollziehbaren Beweisen.

r.n. 4

14
Jul
2013

Streit

Bewusstwerden ständiger Veränderung weckt Schutzbedürfnisse und zugleich in eins Neugier.
Neugier will erfahren, wie alles geworden, was gegenwärtig ist, und wie alles werden wird, was jetzt noch nicht ist. Neugier ist Erfahrung ständiger Veränderung und Suche nach Halt. Neugier versucht, das Schutzbedürfnis zu befriedigen. Mit der Unruhe der Seele durch Neugier verflüchtigt sich die ursprünglich vollkommene Harmonie von Fühlen und Denken, und der Mensch stürzt in den Zwiespalt von Seele und Geist. Statt im Paradies findet er sich in deren Streit gegeneinander wieder.

r.n. 3

13
Jul
2013

Alles in Allem

Vor allem ist Geist und Energie. Indem Energie informiert wird, entsteht Materie, und aus Nichts wird Sein. Aus der Einheit von Information und Energie wird die Duplizität von Geist und Materie. Diese Zweiheit gestaltet sich im Menschen als Seele und Körper und wird als Fühlen und Denken bewusst. Religion oder Mythos sind Namen für die ursprüngliche Einheit von Fühlen und Denken. Diese Einheit wird als Paradies erfahren.

(regula naturae 2)

12
Jul
2013

Vor Allem

Mögliche Möglichkeiten spielen mit sich selbst. Mögliche Möglichkeiten gewinnen wirkliche Möglichkeiten. Wirkliche Möglichkeiten informieren Energien. Informierte Energien formen Materie. Materie bindet und löst, vereinfacht und vervielfacht, gleicht an und unterscheidet, Entstehen und Vergehen gestaltend.

(regula naturae 1)

11
Jul
2013

Inneres Licht

Die kleine Flamme des inneren Lichts erstickt unter menschlicher Eitelkeit. Das Loslassen der Leidenschaften schützt das innere Licht.

Körperliche, seelische und geistige Askese ernähren das innere Licht.

Der natürliche Weg zum inneren Licht lässt sich nicht lernend finden sondern braucht Erziehung, um den Zugang vor unbefugten Einflüssen zu schützen.

10
Jul
2013

Selbstfindung

Selbstfindung ist der die Pubertät maßgeblich bestimmende Prozess. Das Ich beginnt sich auf den Weg zu machen, um sein Selbst zu suchen. Die Fantasie orientiert sich an Vorbildern und entwirft Ideen, die Vernunft eifert Idolen nach und engagiert sich für Ideale, und der Verstand erforscht bzw. erfragt Möglichkeiten, indem er Modelle durchspielt, um für sich ein tragfähiges Vorbild zu entdecken, das die Selbstverwirklichung antizipiert.

Die Selbstfindung während der Pubertät beruht auf der Ichfindung während der ersten Lebensmonate. Die Ichfindung wird durch Empfinden, sinnliches Erfassen und durch Erfahren ermöglicht. Durch das Wechselspiel von gefühltem aufmerksamen Aufnehmen und gefühltem, konzentriertem Erinnern entstehen sich wiederholende neuronale Regelungen. Aus den positiv empfundenen Wiederholungen des immer Gleichen erwachsen Regler für angesagtes und nicht angesagtes Verhalten.

So wird erfolgreiches Schreien von weniger erfolgreichen Verlautbarungen unterschieden und nach und nach eingesetzt bzw. als neuronale Grundmuster ausgeprägt. Erfolge verhelfen zu beschleunigtem Differenzieren der Verlautbarungen und so zum Fortschreiten des Spracherwerbs. Das gelingt allerdings vorwiegend nur dann, wenn sich die Bezugspersonen liebevoll und schlüssig verhalten.

Inkonsequentes Verhalten dagegen liefert nicht nur keine brauchbaren Verhaltensvorlagen, sondern chaotisiert auch neuronale Netze. Inkonsequentes Verhalten der Bezugspersonen bzw. widersprüchliches Verhalten zwischen den Bezugspersonen verhindert das Entstehen wichtiger Konstituenten für geordnetes, zielgerichtetes Verhalten. Es können dann kaum mehr erfolgreiche Strategien entwickelt werden.

Um durch solche möglichen neuronalen Missbildungen nicht lebenslang gehemmt und behindert zu werden, unternimmt das Gehirn während der Pubertät radikale selbstreparierende Maßnahmen. Unbrauchbare neuronale Bindungen werden dann schlichtweg aufgelöst und gelöscht. Dieser Maßnahme fallen dann auch frühe Kindheitserinnerungen zum Opfer. Für die gesamte spätere Entwicklung des Gehirns sind solche Streichungen aber nicht bedeutsam, bis vielleicht auf die Tatsache, dass in derartigen Fällen Gehirne zu radikalen Löschungen (Vergessen) neigen. Diesem neuronalen Radikalismus lässt sich aber wiederum durch geeignetes Training entgegenwirken.

Der Verstand unterbricht die Darstellung der introspektiven Fantasie.”Was mir an dieser Darstellung missfällt, das ist die einseitige Betonung des informativen oder geistigen Aspekts! Es gibt doch auch unbestreitbare nachteilige körperliche Einflüsse auf das Gehirn oder etwa nicht?” Die Fantasie blickt den Verstand sehr erstaunt an: “Das ist doch auch eine Frage der Priorität! Das Gehirn jedenfalls hält es mit dem Grundsatz, dass das Sein und damit auch das Daseins im Bewusstsein entschieden wird und insofern jeder wird, was er sich vorstellt! Wie Du Dich selbst im Spiegel siehst, das strahlst Du auch aus!” Die Vernunft will von der Fantasie wissen, warum es denn so schwer für das Ich ist, das Selbst zu sehen. “Das Selbst erscheint dem Ich in seinen Träumen und Tagträumen. Deren Bejahung in täglichen kleinen Schritten, das ist der Weg!”

9
Jul
2013

Verlust des Paradieses

Der Mythos schildert die Dämmerung der Vernunft als Vertreibung aus dem Paradies. Das Paradies wird in der Mythologie als Harmonie oder Einheit von Körper, Seele und Geist überliefert. Der Mensch erlebt Gott intinktiv. Durch die Entdeckung des Werkzeugs beginnt der Geist, sich der Seele und des Körpers zu bemächtigen. Aber indem der Verstand mit der ursprünglichen Harmonie bricht, verliert er die Nähe zu Gott. Gott ‘bestraft’ ihn, indem er den Blick des Menschen verdreht. Dessen Augen tasten von nun alles daraufhin ab, ob es als Mittel zum Zweck taugt. Nicht mehr die Liebe, sondern der Trieb regelt von nun an das Wahrnehmen. Die Wahrnehmung des Verstandes aber lässt den Menschen sich selbst und den anderen vor allem als Mittel zum Zweck der Fortpflanzung erkennen. Weil der Menschen nicht mehr mit seinem Herzen sieht, erkennt er erst, dass er nackt ist.

8
Jul
2013

Utopie

Utopie ist eine noch unverwirklichte existentielle Vorstellung. Utopie ist ein Ort, an dem ein Mensch noch nicht angekommen ist. Die häufigste Utopie ist das Bestreben des Ichs in sich selbst anzukommen. Der Wunsch nach Selbstfindung entspringt unerfüllten Bedürfnissen. Die Selbstverwirklichung ist allerdings eine negative Utopie, ein Weg also, der in Wahrheit nicht existiert. Das Selbst als das vollendete Ich kann allein durch vollkommenes körperliches, seelisches und geistiges Loslassen erreicht werden. Das schließt den Verzicht des Ichs auf das Streben nach seinem Selbst mit ein. Die Vorstellung, die hinter dem Wunsch nach Selbstverwirklichung steckt, ist der Traum vom vollkommenen Glück. Dieses Glück setzt aber körperliche, seelische und geistige Bedürfnislosigkeit voraus. Das Streben nach Glück ist ein existentielles Paradoxon.

7
Jul
2013

Einkehr in früher Kindheit I

Ihre früheste Erinnerung führt sie in ihr Elternhaus zurück. Sie betritt das kleine Bauernhaus, steigt die schmale Treppe zu ihrem Kinderzimmer hinauf und betritt dieses nach sehr langer Zeit. Überraschenderweise findet sie ihr Zimmer aufgeräumt vor. In den Strahlen der untergehenden Sonne spielt der Staub in der muffigen Luft des länger nicht gelüfteten Raumes. Sie öffnet die unterste Schublade des kleinen Schrankes und erblickt ihre Lieblingspuppe. Sie ergreift sie und betrachtet sie liebevoll. Lisa, so heißt die Puppe, trägt noch ihr hellblaues Strickkleid mit passender Mütze, die ihr die Oma einmal zu Weihnachten gestrickt hatte. Sie betrachtet die Schuhe, wohl eher Pantöffelchen aus der gleichen Wolle wie Kleid und Mütze. Sie hätte gewettet, dass Lisa rote Schühchen trug. Ob ihre Oma diese wohl auch gestrickt hatte? Aber da lässt sie ihre Vorstellungskraft schon das Weihnachtspäckchen öffnen und die erwachsene Frau sieht sich als kleines Mädchen, Kleid, Mütze und Schuhe auspacken. Also doch!

6
Jul
2013

Wege nach innen brauchen das Gedächtnis

Der einfachste und deshalb auch der meistgenutzte Weg nach innen besteht aus dem Vergegenwärtigen von Erinnerungen. Dabei werden zunächst die Erinnerungen geweckt, die noch unmittelbar zur Verfügung stehen. Memotechnische Maßnahmen können im Festhalten früher Ereignisse in Zeichnungen, Notizen oder im Anschauen von Fotografien bestehen, wobei Bilder oder Symbole am ehesten hilfreich sind, weil sie der Fantasie den größten Spielraum bieten. Die Vorstellungskraft schmückt die frühen Erinnerungen so konkret aus, dass sie einem wieder lebendig vor Augen stehen. Die Erfahrungen mit Gedächtnistraining zeigen, dass frühe Erinnerungen noch weiter zurückliegende Erinnerungen um so eher wecken, je genauer sie vergegenwärtigt werden. Viele fasziniert dabei, dass spontan Dinge aus dem Gedächnis auftauchen, die sie gar nicht mehr wussten.

5
Jul
2013

Wege hinter den Horizont der Wirklichkeit

Der körperliche Weg der Askese, insbesondere der buddhistische baut durch Verzicht und Überwindung auf die Selbstreinigung des Wahrnehmens. Der seelische Weg der Kunst sieht im emotionalen Ausdruck erfahrener Wirklichkeit die Möglichkeit einer Widerspiegelung des Selbst, die das Ich verstehen kann. Der philosophische Weg, aus dem körperlichen und seelischen Weg hervorgegangen, glaubt aus wesentlichen Eigenschaften der Abildung von Wirklichkeit das Original rekonstruieren zu können. Aus verschiedenen Vorgehensweisen des Rekonstruierens sind die einzelnen Wissenschaften hervorgegangen. Als Fantasie des Verstandes überzieht die Mathematik allen Theorien voran mittels naturwissenschaftlichen, berechenbaren Modellen die Wirklichkeit und Religion, Philosophie verlieren zunehmend an Bedeutung.

4
Jul
2013

Künstler der Wirklichkeit

Das bewusstgewordene Bild der Wirklichkeit, kurz "Bewusstsein", wird gestaltet von den Empfindungen des Körpers, von den Gefühlen der Seele, von den Vorlagen des Bewusstseins und Erfahrungen des Bewusstseins. Die Wirklichkeit wird durch das Zusammenspiel der Sinneseindrücke, der Gefühle und verfügbarer Erfahrungen künstlerisch ins Werk gesetzt. Bewusst wird immer nur ein Abbild von Wirklichkeit, niemals die Wirklichkeit selbst.
Da verwundert es nicht, wenn manches vernunftbegabte Lebewesen den Wunsch verspürt, gleichsam hinter den Vorhang gefilterter Wirklichkeit zu schauen. Um sich diesen Wunsch zu erfüllen, ersannen sich Menschen Wege, um hinter den Horizont der Wirklichkeit zu gelangen. Der körperliche Weg der Askese, der religiöse Weg der Seele und der philosophische Weg des Verstandes gelten noch heuzutage als aktuell, wobei vor allem in der Kunst diese Wege nicht isoliert verlaufen, sondern sich in der jeweiligen künstlerischen Komposition von Formen, Farben, Worten und Tönen vereinen.

3
Jul
2013

Bilder einer Ausstellung

Bewusstwerden ist unaufhörliches Gestalten von Bildern. An dieser Gestaltung wirken sinnliche Wahrnehmungen, Erinnerungen und Gefühle mit. Die Natur hat Lebewesen mit Vernunft ausgestattet, um sie die gestalteten Bilder betrachten und auf sich wirken zu lassen. Dieses Bilderleben kann vom Verstand beobachtet und unter gewissen Bedingungen auch verstanden werden. Die Geschichte des Denkens macht es schwierig, zwischen Vernunft und Verstand zu unterschieden. Der älteste Name für das Bilderleben ist "Denken", wobei das Bewusstwerden der Bilder, also das Bilder-Leben den Anteil der Vernunft ausmacht und das Bewusstsein, also das Bilder-Erleben den Anteil des Verstandes. Vereinfacht ausgedrückt verhält es sich so, dass die Vernunft die Seele zum Vorschein bringt und sich der Verstand mit dem Geist dieser inneren Erscheinungen beschäftigt.
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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