Unilogo

24
Sep
2013

Religion ohne Gott

Aesthe Logkat hat sich mit dem buddhistischen Mönch Chodron im buddhistischen Zentrum Köln verabredet. Als sie dort eintrifft, wird sie bereis von Chodron erwartet. Nach einer freundlichen Begrüssung begeben sie sich beide in die Teestube, in der Aesthe von Chodron eingeladen wird. Der Mönch ist es auch, der das Gespräch eröffnet. "Da Sie von mir eine Begründung für meine Anzeige erwarten, möchte ich Ihnen das erklären. Ich war mit einer Gruppe meiner Novizen in der Kirche Groß St. Martin. Dort sollten sie durch Wachsamkeit tiefer Meditation der Gegenwart des von Katholiken behaupteten göttlichen Geistes nachspüren. Die meisten der jungen Novizen erlebten Visionen von der Abwesenheit dieses Gottes. Deshalb drängten sie darauf, diese Abwesenheit den Ordnungshütern mitzuteilen. Ich erlaubte ihnen also, zum nahe gelegenen Polizeipräsidium zu gehen, um ihre Beobachtung mitzuteilen. Der zuständige Beamte erklärte, dass er nur eine Vermisstenanzeige aufnehmen könne. Da er keine andere Kategorie zur Verfügung hatte, um dem Begehren der Novizen stattzugeben, nahm er schließlich eine Vermisstenanzeige auf, wobei er immer wieder betonte, dass er selbst Atheist sei. Und der Mönch betonte, dass es ihn selbst sehr interessiert, wie die Bürokratie dieses Paradoxon auflösen wird." Aesthe wendet ein, dass sie die gestellte Aufgabe sehr verwundere, da der Buddhismus doch gar keinen Gott kenne.
Chodron schüttelt den Kopf. "Ja, wir haben keinen Gott aber wir glauben an die vier Wahrheiten. Wir glauben auch nicht an Buddha, sondern daran, dass seine Lehren gut und wahr sind. Aber Buddhismus ist deshalb nicht atheistisch. Wir akzeptieren Götter anderer Religionen. Dennoch: Buddha und seine Lehren stehen moralisch und ethisch für uns höher als Gott. Und die Katholiken lehren eine Wahrheit, die sie über die vier edlen Wahrheiten stellen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger sollten sie verstehen lernen."

23
Sep
2013

Abteitropfen

"Für die Mischung werden ausschließlich Kräuter und andere natürliche Zutaten verwendet, die wir teils aus verschiedenen Erdteilen beschaffen müssen, um sie hier in unserer Abtei zu der einmaligen Ingredienz zusammen zu fügen, die den unverwechselbaren, angenehm duftenden und leicht an Honig erinnernden Charakter unseres Klosterlikörs ausmacht. Deshalb enthält unser Klosterlikör auch keine chemischen Zusätze und keine Geschmacksverstärker."
Der Abt schenkte Aesthe zum Abschied eine kleine Flasche Klosterlikör. Während ihrer Rückfahrt vergegenwärtigt sich Aesthe noch einmal ihr Gespräch mit dem Abt. Natürlich gesteht sie sich ein, längst nicht alles verstanden zu haben, sondern eher verwirrt zu sein. Zu fremd sind ihr die Ausführungen des Abtes von einer Religion ohne Gott. Allerdings vermutet sie intuitiv einen engen Zusammenhang zum Buddhismus, der ja auch den Weg zur Erleuchtung durch vollkommenes Loslassen kennt. Ihr wird klar, dass sie das Gespräch mit jenem Buddhisten suchen muss, welcher durch seine Anzeige diese merkwürdige Geschichte ins Rollen gebracht hat.

22
Sep
2013

Abt Angelus

Der Abt Angelus überzeugt die Kriminalkommissarin von Gott als neuronales Phänomen. Aber was Aesthe nicht versteht, ist, was ihren Kommilitonen eigentlich veranlasste, in einen so strengen Orden einzutreten. Angelus lacht und sagt spontan: "Aesthe, das war blanker Egoismus, denn man muss auf alle weltlichen Zutaten verzichten, damit sich das vollkommen selbstlose Ich auf dem Trip des reinen Lichts erscheinen kann!" Aesthe erwidert mitleidig: "Oh Du armer Angelus, das hättest Du wirklicher einfacher haben können, wenn Du das wie Platon gemacht hättest!" Jetzt lacht Angelus herzhaft: "Ja guter griechischer Wein, aber unser selbst gebrannter Klosterlikör ist auch nicht ohne!"

http://www.shop-mariawald.de/likoerfabrik/index.html

21
Sep
2013

Angelus Silesius unter neurologischem Aspekt

Dem Dichter Angelus Silesius werden die gleichen (inneren) Spiegelungen bewusst wie dem Philosophen Platon. Auch Platon betrachtet das Schauen der höchsten Idee als göttlich.

Durch die griechische Mythologie gelangt wahrscheinlich der erste, nämlich menschliche Grund der Götterwelt zum Vorschein. Es sind besonders begabte Seher, durch welche sich Gottheiten künstlerisch gestalten. Solche fantastischen Inszenierungen werden durch Priester missbraucht, indem sie sich ihrer aus Machtgier bemächtigen. Sie vergiften natürliches Glauben mit ihren Machtfantasien von einer jenseitigen Welt.

Heilige verinnerlichen solche fantastischen Vorstellungen so stark, dass sie Möglichkeit und Wirklichkeit verwechseln. Aber ihr Gott lässt sich nicht verallgemeinern, sondern immer wieder erneut in jeder Seele besonders initiieren.

„Gott lebt nicht ohne mich

Ich weiß, daß ohne mich Gott nicht ein Nu kann leben,

Werd' ich zunicht', er muß von Not den Geist aufgeben“.

Es ist wahrscheinlich, dass der Gottesglaube evolutionär bedingt physiologisch im Gehirn verankert ist. Das „Gottes-Gen“ (VMAT2-Gen), schreibt der Biochemiker und Verhaltensgenetiker Dean Hamer 2004 in seinem so betitelten Buch, ist für die Ausschüttung chemischer Botenstoffe im Gehirn verantwortlich. Diese Botenstoffe steuern neben Stimmungen u.a. auch religiöse Gefühle.

Die gewagte These vom Gottes-Gen begründet keinen biochemisch bedingten Gottesglauben.

Dass Kinder eine natürliche Tendenz, an Übernatürliches zu glauben, besitzen, ergibt sich aus einem Ungleichgewicht zwischen Vernunft und Verstand. So wird alles Unerklärbare durch Glauben und nicht durch Wissen geregelt. Auch Erwachsene regeln in ihrem Alltag Vieles noch mit Aberglauben.

Aber nicht nur der Glaube, sondern auch unser Wissen erscheint uns vereinzelt zunächst als Glaube. Ein Axiom beispielsweise gelangt gleich einem Dogma zum Vorschein. “Ich glaube an die Identität ‘a = a’ ” wie an die Dreifaltigkeit.

Viele Sätze beweisbaren Wissens waren ursprünglich nicht beweisbare Glaubenssätze. Eigene Vorstellungen sind häufig mehr als negative Utopie oder eine Art Fata Morgana des Bewusstseins.

Es scheint aber oft sehr schwierig, auszumachen, ob das Schauen innerer Spiegelungen des Unbewussten auf irgendeine Art und Weise schließlich doch Wahrheit offenbart.

Wird davon ausgegangen, dass der Mensch vernunftbegabt ist und die mythischen Hinweise eines Sokrates, Platons oder Moses zutreffen, dann könnte das menschliche Erbgut tatsächlich doch eine Art Gen enthalten, das religiöses Empfinden ermöglicht.

Den kanadische Neuropsychologen Michael Persinger[2] veranlasst dies zu folgender Überlegung: Wenn ich die fürs Religiöse zuständigen Hirnregionen eines Menschen stimuliere, verschaffe ich ihm damit auch religiöse Gefühle? Er entwickelte einen Helm, der ein sich bewegendes Magnetfeld erzeugt. Diesen Helm liess er Versuchspersonen zwanzig Minuten lang tragen. Vier von fünf Probanden beschrieben die ausgelösten Empfindungen als übernatürlich oder spirituell. Sie fühlten die Gegenwart eines höheren Wesens, eine Berührung Gottes, Transzendenz.
Demnach könnte ein allgegenwärtiges Wesen (“Geist in der Materie”) sich offenbaren, indem es das Gehirn beeinflusst und auf dem Weg der Spiegelungen religiöse Vorstellungen und Empfindungen erzeugt. Erscheinungen der Heiligen bekämen dann eine “natürliche” Erklärung.

Der “Umweg” über Spiegelungen des Glaubens sichert das kulturell bedingte, individuelle Verstehen und Auslegen des allgegenwärtigen Wesens. Alle Versuche, diesen Glauben in Wissen umzuwandeln, versagen.

Der göttliche Funke bleibt eine innere Entladung, die sofort nach Absinken höchster Konzentration erlischt.

20
Sep
2013

Angelus

Abt Angelus begrüßt Aesthe herzlich. Aesthe betrachtet den Abt immer noch als ehemaligen Kommilitonen und duzt ihn deshalb nach wie vor. Er hatte zudem das vertraute "Du" nie korrigiert. Aesthe erklärt noch einmal den Anlass ihres Besuches. "Wer hat denn diese merkwürdige Anzeige aufgegeben?" Aesthe darf das nicht preisgeben und lässt diese Frage unbeantwortet. Sie möchte wissen, welche Chancen überhaupt bestehen, ein Verschwinden Gottes zu bemerken? Der Abt lächelt. "Das ist reiner Ulk!" "Gott ist ein sehr persönlicher Gott, der allein im jeweiligen Selbst eines Ichs wohnt". Der verwunderte Gesichtsausdruck von Aesthe veranlasst Angelus, noch zu ergänzen, dass jedes Lebewesen aufgrund seines angeborenen religiösen Triebes gleichsam seinen eigenen Gott erfährt. Und er fährt fort, dass Visionen immer wieder zu Erscheinungen führen, die einen Schöpfer glauben machen. Ganz offensichtlich existiert Gott also für Heilige in ihren Visionen. Er frage sich, ob diesen hoch sensiblen Menschen die Fantasie nach hartem Ringen und Entbehren endlich das vermittelt, wonach sie sich so sehr sehnen? Ist Gott etwa ein Phänomen, das sich allein in fantasievollen, sensiblen Menschen konstituiert? Um seine Ausführungen noch zu unterstreichen, zitiert Angelus den Dichter und Mystiker Angelus Silesius, der im Cherubinischen Wandersmann schreibt:

„Gott lebt nicht ohne mich

Ich weiß, daß ohne mich Gott nicht ein Nu kann leben,

Werd' ich zunicht', er muß von Not den Geist aufgeben.

Gott ergreift man nicht

Gott ist ein lauter Nichts, ihn rührt kein Nun noch Hier:

Je mehr du nach ihm greifst, je mehr entwird er dir.“

19
Sep
2013

Es kann nicht sein, was nicht ist.

Dass nichts ist, lässt sich nur philosophisch denken. Und es lässt sich auch glauben, dass sich etwas an einem Ort befindet, wenn sich dieses nicht (sinnlich) wahrnehmen lässt.
Der Glaube eröffnet nämlich Möglichkeiten des Wahrnehmens, die den Sinnen verschlossen bleiben.
Aesthe Logkat ist sehr schnell klar, dass sie einen Gläubigen braucht, um in diesem Fall weiterkommen zu können. So beschließt sie, nach Heimbach in der Eifel zu fahren. Sie ist nämlich mit Angelus befreundet, der seit kurzem Abt im dortigen Trappistenkloster Maria Wald ist. Sie kennt den Mönch seit ihrem Studium an der Universität Köln. Sie hatten sich dort in einer studentischen Arbeitsgruppe während des Philosophiestudiums kennen gelernt. Also ruft Aesthe Angelus an und erhält bereits für morgen Vormittag einen Termin.
Einige Minuten vor zehn parkt die Kommissarin ihren Wagen vor dem Gästehaus des Klosters.
Bruder Kunibert, der Pförtner, erwartet sie bereits und führt sie in eines der Gästezimmer. "Der Abt wird gleich kommen!" erklärt er.

18
Sep
2013

Kein Fall für die Staatsanwaltschaft

Frederike van Freesen ist recht ungehalten über die erneute Delegation der Akte "Periculum in mora" an sie. Um den Kram möglichst schnell vom Tisch zu bekommen leitet sie diese an Kriminalkommissarin Aesthe Logkat mit der Bitte, sich dieses merkwürdigen Falles anzunehmen.
Die Agnostikerin Aeste Logkat durchschaut sofort die Brisanz des Falles. Ihr rheinischer Humor rät ihr, diesen Fall wie jeden anderen Fall auch ernst zu nehmen. Dabei entdeckt sie sofort eine Reihe von Missverständnissen. Es handelt sich um keine Vermissten-, sondern Betrugsanzeige. Diese Anzeige wurde von einem Buddhisten aufgegeben. Dieser bewertet die katholischen Zeremonien und Riten als Vorspiegelung falscher Tatsachen, wahrscheinlich, um sich durch Leichtgläubige zu bereichern. Der Kern seiner Aussage besteht aus dem Vorwurf, dass etwas 'verkauft' wird, das gar nicht existiert. Es wird nämlich die unsichtbare Anwesenheit eines Gottes behauptet, der aber in Wahrheit abwesend ist oder überhaupt gar nicht existiert.

17
Sep
2013

Beweisaufnahme

Es ist bis gestern nichts geschehen, denn gegen Unsichtbares vermag keine Staatsanwalt zu ermitteln. Wie denn auch? Wo zuvor nichts war, lässt sich die Abwesenheit von Nichts nicht nachweisen. Die wenigen, die eine Vermisstenanzeige aufgaben, zeigten sich zudem zu einem Phantombild nicht in der Lage. Und die ermittelnden Beamten fanden in Kirchen nichts vor, was hätte fehlen können.
Um den Fall aber einerseits ad acta legen zu können und andererseits damit auch provozieren zu können, bat die zuständige Kölner Staatsanwaltschaft den Vatikan über die italienische Polizei um Amtshilfe, um das Fehlen Gottes in Kirchen feststellen zu können. Commissario Luciano aber kennt sich mit rheinischem Humor aus, denn schließlich hatte er in Köln lange genug studiert. Also fordert Luciano die Staatsanwältin auf, ihm den Bericht der Spurensicherung zukommen oder in dieser allerheiligsten Angelegenheit doch noch einmal genauer nachforschen zu lassen.

16
Sep
2013

Gefahr im Verzug

Medien versuchen zwar eine vor Langeweile erschöpfte Gesellschaft mit Sensationen wachzuhalten, aber sie halten auch dann Veröffentlichungen zurück, wenn Gefahr im Verzug ist.
"Gefahr im Verzug", ein Begriff aus dem Verfahrensrecht, meint eine Sachlage, bei der ein Schaden eintreten würde oder ein Beweismittel verloren ginge, wenn nicht an Stelle der zuständigen Behörde oder Person eine andere Behörde oder Person tätig wird.
Im aktuellen Fall, in dem Gott unbemerkt seine Kirchen verließ, tun alle so, als sei nichts geschehen. Ganz im Gegenteil, mit Kopfschütteln wurden die 'ewigen Lichter', die Zeichen für die Anwesenheit Gottes von den Gläubigen unbemerkt neu entzündet.

15
Sep
2013

Vergesslichkeit des Seins

Die Vergesslichkeit des Menschen ist erstaunlich. Visionen werden überzeugend vorgetragen und geglaubt. Schöne Bilder der Fantasie genügen Leichtgläubigen, den vorgestellten Darstellungen zu glauben. Das Phänomen solcher Leichtgläubigkeit ist von der Wirksamkeit alltäglicher Werbung nur allzu vertraut. Auch hier überzeugen schöne Bilder leichtgläubige Menschen von der Wirksamkeit angebotener Produkte.
Die erfolgreichsten und seit gut zwei Jahrtausenden wirksamsten Geschichten schöpferischer Fantasie finden sich im sogenannten Buch der Bücher. Offenbar beeindrucken diese Geschichten weitaus mehr als die Erzählungen der griechischen Mythologie, denn wer glaubt heutzutage noch an den Göttervater Zeus, ganz im Gegensatz zu Gott, dem Schöpfer von Himmel.
Die große organisatorische Leistung von Religionsstiftern besteht im Vermögen, ein komplexes Glaubensgebäude in eine bürokratisch beherrschbare Verwaltung zu überführen. Auf die Bibel bezogen ist das die Kirche.

14
Sep
2013

Letzte Fragen

Den meisten Religionen ist der Glaube an einen Gott gemeinsam. Das verführt viele zur Meinung, dass da etwas Wahres dran sein müsse. Selbst Wissenschaftler lässt das nicht unberührt und verleitet sie sogar zu Versuchen, beweisen zu wollen, was nur geglaubt werden kann.
Nicht von ungefähr erklärt der große wissenschaftliche Visionär Albert Einstein die Suche nach Spuren Gottes als Beweggrund seiner Forschung. Eine Wissenschaftssendung des WDR, die Ranga Yogeshwar moderiert, stellt sich heutzutage immer noch Fragen wie:
"Woher kommen und wohin gehen wir? Wie ist unsere Welt entstanden? Was war davor? Und gab es einen Schöpfer?"
"Das sind Fragen" - so der Moderator, "die wir Menschen uns stellen, seit es uns gibt. Theologen und Philosophen suchen ebenso nach Antworten, wie Physiker und Kosmologie."

13
Sep
2013

Gottheiten

Lange vor allen Philosophen entdecken Priester das Fantasieren als Vorstellen von etwas Unsichtbaren, das sich gemäß ihrer Bedürfnisse von ihnen gestalten und lehren lässt. Manche von ihnen erleben ihre Vorstellungen so intensiv, dass sie diese für wirklich halten. Gottheiten entstehen, indem Vorstellungen so intensiv erlebt werden, dass sie gleichsam als wirklich vergegenwärtigt werden. Das ist das Prinzip der Mystik bzw. Visionen. Hildegard von Bingen beschreibt das sehr anschaulich, wenn sie von ihren Visionen erzählt.
Religionen sind Glaubensgemeinschaften, die sich auf überzeugenden Visionen gründen und davon leben.

12
Sep
2013

Philosophen

Aber es gab auch Leute, welche die Geschäfte mit der Angst sehr kritisch beobachteten. Gleichzeitig entdeckten sie auch die Erfindung einer Gottheit als Mittel zu diesem miesen Zweck. Angesichts der Anfälligkeit der Menschen für alles, was über den Horizont sinnlicher Wahrnehmungen hinausgeht, drängte sich ihnen die Frage auf, was es damit wirklich auf sich hat. So wandten sie sich dem Grund des überall vorherrschenden Aberglaubens zu, nämlich der Natur und ihren Erscheinungen selbst. So bestimmen die griechischen Naturphilosophen Natur sowohl als das, was sie von sich her beobachtbar zeigt als auch als das, was Menschen sich unter ihr vorstellen. Beobachtbar ist die Natur des Körpers, der stirbt und zerfällt. Nicht sichtbar aber ist die Natur des Körpers als solchen, also das Wesen oder die Essenz des Körperlichen.
Die Naturphilosophen beobachten, dass Priester die Unsichtbarkeit des Wesentlichen nutzen, um darin ihre erdachten Gottheiten einzunisten. Und sie versuchen herauszufinden, was die Natur des Menschen veranlasst, diesem Unsinn zu glauben und sich den erdachten Gottheiten zu unterwerfen.

11
Sep
2013

Frühe Geschäfte mit der Angst

Der Mensch wird sich zunächst seines Bewusstwerdens nicht als verfremdetes Wahrnehmen bewusst. Er glaubt, dass alles so geschieht wie er es wahrnimmt. Was in Wahrheit eine Projektion des Un- bzw. Unterbewussten ist, das hält er für unmittelbar wirklich. Aus diesem Glauben heraus erlebt er anfänglich Naturereignisse wie Unwetter, Überschwemmung oder Dürre als Zorn der Gottheiten. Diesen Zorn versucht er durch Opfer zu besänftigen.

Die Bereitschaft, aus Angst zu bezahlen, entdecken geschäftstüchtige Leute als sichere Einnahmequelle und machen deshalb auch als Priesterinnen oder Priester ein Geschäft. Sie denken sich Geschichten von Gottheiten aus, mit denen sie die Ängste der Leute schüren können. Diese Strategie haben christliche Religionen übernommen, indem sie beispielsweise eine Hölle erfunden haben. In vielen Menschen wirkt das noch heutzutage nach. Und letztlich geht auch die Angst vor dem Tod auf die Idee eines strafenden Gottes zurück.
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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