Unilogo

14
Jan
2014

Innerer Dialog

"Innerer Dialog“, das ist der Name für jene Form der Kommunikation zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein, welche gewöhnlich als eine Art Selbstgespräch empfunden wird.

Das Selbstgespräch ist jene Form, in welcher sich das Ich mit sich selbst einen inneren Dialog gestaltet. Das Ich hört sich selbst dabei als innere Stimme eines vorgestellten Selbst.

Ein innerer Dialog kann sowohl vom Bewusstsein als auch vom Unbewusstsein angeregt werden. Wird das innere Zwiegespräch durch das Un- oder Unterbewusstsein ausgelöst, dann wird das häufig als Stimme des Gewissens empfunden. Die innere Stimme meldet sich nämlich in der Regel dann, wenn etwas als nicht ‚ordentlich‘ geregelt erscheint.

In der Geschichte der Philosophie wird die innere Stimme zum ersten Mal von Sokrates beschrieben. Sokrates nennt sie ‘daimonion’ und versteht diese innere Erscheinung wie später auch Augustinus oder Hildegard von Bingen als Wesen und Wirkung des Göttlichen.

Sokrates’ Auffassung nach wird jedem Menschen von Geburt an ein göttlicher Schutzgeist mit auf den Weg gegeben, der ihn vor Unheil bewahrt. Erst wenn der Mensch diesen Schutzgeist vernachlässigt und damit den Unwillen der Götter erregt, wird das Dämonische in ihm zur Verblendung und Besessenheit.

Das sokratische Daimonion stellt sich, ständig anwesend, schützend vor die ihm Anvertrauten. Das Daimonion berät zwar, aber es trägt nicht zum Erkennen bei. Das Daimonion ist streng getrennt vom Verstand, es sagt das, was der Verstand nicht erkennen kann. Es ist nicht das sittliche Gewissen. Was Sokrates zu tun hat und was nicht, sagt ihm sein Verstand. Das Daimonion bedeutet die Stimme, die ihn warnt, sobald er gegen seine Intuition handelt.

Die innere Stimme gilt je nach Ansicht den einen als Stimme der Seele, anderen als Sprache der Vernunft und wieder anderen als Ausdruck des Gewissens oder als Zuspruch des Geistes oder auch Stimme des Herzens. Mahatma Gandhi nennt die „leise innere Stimme den einzigen Tyrann, den er in dieser Welt anerkennt.“

Die innere Stimme wird gewöhnlich durch das Gewissen, seltener durch den Verstand geweckt. Im Alltag meldet sie sich wie gesagt zu Wort, wenn unser Verhalten gegen eine Norm, eine Regel oder gar gegen ein Gesetz zu verstoßen droht. Durch den Verstand wird sie gewöhnlich durch eine Frage geweckt. Sie berät schöpferische Menschen, was sie schaffen können und diktiert Schriftstellern den Text oder Komponisten, was sie komponieren sollen.

Künstlerisch, aber auch wissenschaftlich schaffende Menschen sind auf die innere Stimme angewiesen.

Als innerer Dialog spiegelt die innere Stimme Reflexionen des Empfindens durch Gefühle. Äußere Reize oder innere Impulse finden dabei ihren sprachlichen Ausdruck oder gestalten sich als Antizipationen oder auch Visionen.

13
Jan
2014

Offenbarung

Als Entbergen von bisher Verborgenem vollzieht sich Offenbarung vor allem als Vision. Ideen, Theorien oder schöpferische Vorhaben werden bewusst, inszeniert vom Unbewussten. Gewöhnlich werden von der Fantasie gestaltete, utopische Bilder geschaut. Diese inneren Bilderlebnisse werden durch Triebe oder Grundbedürfnisse angeregt. Emotionale Bewegungen gelangen als zumeist antizipiertes Geschehen zur Sprache. Der Verstand unterscheidet zwischen Träumen, Illusionen oder positiven Utopien, um aus der Betrachtung notwendige Beobachtungen für hoffnungsvolle Vorhaben zu erschließen.

Not und Mangel verführen allerdings nicht selten zu fantasievollen Überzeichnungen.

Offenbarungen setzen als Bedingung ihrer Möglichkeit das Überschreiten der Grenzen der Bewusstseinsenge voraus. Während solchen Überschreitens wechselt sprachliches, logisches Denken, in bildliches, intuitives Denken.

So entsteht aus der Logik „Einheit des Gegensätzlichen“ das Bild des Seiltänzers. Diese Bild offenbart die ins Werk gesetzte Wahrheit menschlicher Existenz als Weg über Abgründe.

12
Jan
2014

Elementarereignis ‚Schöpfung‘

Indem das Kurzzeitgedächtnis seine organisatorischen Grenzen überschreitet, geht Wahrnehmen oder Betrachten in Intuition über. Allein auf der Basis einer solchen Grenzüberschreitung wird Schöpfung intuitiv vernehmbar.

Eigenschaften als Grund des Wesens formen dessen wirkliche Gestalt. Die Duplizität von Grund und Zweck ist als Sein im Nichts angelegt und bewirkt als Ursache das Hervorscheinen des Seienden.

Durch diese gestalterische Bewegung werden elementare Partikel zu Elementarteilchen verdichtend geformt und wiederum aufgelöst. Partikel werden hinzugefügt, andere entfernt.

Das Zusammenspiel geistiger und materieller Prozesse geschieht ununterscheidbar. Kleinste physikalische Teilchen binden sich an metaphysische und auch umgekehrt. Zufällige Bindungen lösen sich wieder, um sich wiederum anders zu verbinden.

Ständiges Hinzufügen und Binden wechselt zugleich in Wegnehmen und Lösen. In unaufhörlichem Hin und Her oder Auf und Ab entstehen neue Formen und Gestalten, bevor mögliche, verborgene Materie als wirkliche, sichtbare Materie hervorscheint.

Mystiker sehen das wirklich Körperliche als Vorschein des Seelischen. Der bis heute nicht messbare metaphysische Stoff des Seins bleibt hierbei im physischen Seienden erhalten. Das erklärt, warum Mystik von der unsterblichen Seele im sterblichen Körper spricht. Mystiker vermögen das in Visionen zu schauen.

Das Zusammenspiel metaphysischer und physischer Teilchen wird auch im Wort „Energie“ ausgedrückt. Das griechische Wort für „bewegen“ ist "ergein“ und für das einer Bewegung innewohnende Wirken "en_ergein“, Energie also. Indem sich Eigenschaften bewegen, bewirken sie Wesentliches. „Energie“ ist die Duplizität der Eigenschaften als Grund und dem Wesen als Zweck.

Das Werden des Wesens ermöglicht das Verwirklichen von Eigenschaften in möglichen Gestaltungen. Das Werden des Wesens in-formiert Energien. Dieses Informieren schafft den Vorschein möglicher Gestaltungen. Information gelangt als Ursache energetischer Wirkung in Materie zum Vorschein.

Im naturhaft Seienden bleibt das Gesetz seines Entstehens als Information des entsprechenden Naturgesetzes erhalten. Alles Schöpferische trägt die ‚Handschrift‘ des schaffenden Geistes oder Schöpfers. Man muss sie allerdings zu lesen verstehen.

Das Alphabet der Schöpfung umfasst die schöpferischen, bindenden und lösenden oder nehmenden und gebenden Momente Eigenschaften und Wesen, Grund und Zweck, Art/Weise und Umstand, Mittel und Maß, Raum und Zeit.

Information als solche ist einfachste Form minimaler Gestaltung vorgängiger Materie als Pre-Elementarteilchen zwischen reiner Energie und Materie. Diese Teilchen sind zum Teil sowohl sichtbar als auch unsichtbar.

Schöpferisches Spielen von Arten und Weisen des Vorscheines sucht Gelegenheiten zu erscheinen. Wahrscheinlichkeiten entsprechend günstiger Umstände formieren sich gleichzeitig als informierte Materie.

Äonen dieses Spiels ergeben Substanzen geeigneten Ausmaßes. Ursprüngliche Bewegungen von Eigenschaften explodieren nun als Wesen in Raum und Zeit und gebären Wirklichkeiten aus Möglichkeiten oder Sein aus Nichts.

Was treibt dieses Spiel möglicher Möglichkeiten bis zum Äußersten, d.h. in die Veräußerung als reale Wirklichkeiten?
Warum überhaupt Schöpfung und nicht vielmehr Nichts?

Schöpfung belegt die Endlichkeit des Spiels möglicher Möglichkeiten, wenngleich innerhalb eines nahezu unendlichen Zeitraums. Ursachen und Gründe für das Schaffen dieses endlichen Spiels möglicher Möglichkeiten formulieren den eigentlichen Schöpfungsakt.

Wie gesagt, das lässt sich ganzheitlich allein intuitiv verstehen. Begreifen müssen wir das linear nach und nach.

11
Jan
2014

Elementarkräfte

Elementare Naturkräfte des Ursprungs sind mehr und weniger werden, hinzufügen, wegnehmen, auflösen, verdichten bzw. lösen, binden.

Mehrere Kräfte konzentrieren sich in einem Moment als mehrdimensionaler Impuls von Veränderungen, von Verhältnissen innerhalb jenes Ganzen, welches wir Welt oder auch Kosmos nennen. Wegen seiner vielfachen nichtlinearen Auswirkung vermögen wir den Impuls nicht zu denken, denn unser Denken vollzieht sich einfach und linear.

Da zudem unser Kurzeitgedächtnis oder Bewusstsein nur etwa sieben neuronale Vorgänge zugleich zu organisieren vermag, erweist es sich nicht einmal in der Lage, dem selbstgesetzten Anspruch des Wissens zu genügen. Wissen muss den zwölf kategorischen Bewegungen genügen, d.h. ein Phänomen unter allen zwölf Perspektiven bzw. Aspekten bestimmen.

Wissen entsteht erst dann, wenn Grund und Zweck in Hinsicht auf seine Ursache und Wirkung geklärt wird, und zwar nach Art/Weise und Umstand der auffälligen Eigenschaften des Wesens unter Berücksichtigung des Mittels und Ausmaßes in Raum und Zeit seines Vorscheins.

Die zwölf Perspektiven und Aspekte des Bewusstseins (Kategorien) sind:

Grund und Zweck
Ursache und Wirkung
Eigenschaften und Wesen
Art/Weise und Umstand
Mittel und Maß
Raum und Zeit

Diese Perspektiven oder Aspekte können nur nacheinander, also linear wahrgenommen, betrachtet, beobachtet oder begriffen werden, ineins und zugleich gelingt das allein intuitiv.

Intuition umfasst alles, was Wissen nicht zu erfassen vermag. Selbst, wenn es gelänge, Wissen komplex zu erfassen, würde Wirklichkeit unvollständig erfahren. Das ganzheitliche Erfahren von Wirklichkeit bleibt allein der Intuition, also dem Glauben von Wirklichkeit, vorbehalten. Der wahrhaft Wissende weiß, dass er nichts weiß. Das lässt sich am ehesten am für vernunftbegabte Lebewesen wahrscheinlich wichtigsten Ereignis der Schöpfung aufzeigen.

10
Jan
2014

Geburt von Verstand und Vernunft

Verstand ist eine Gabe der Natur, Vernunft aber ist eine Gabe des Verstandes.

Es ist die der Natur innewohnende Ordnung, die im vernunftbegabten Lebewesen als Verstand zum Vorschein gelangt.

Natur wiederum entspringt aus der Einheit von Energie und Information. Diese Einheit erscheint als Nichts oder Abwesenheit allen Seins. Als Sein oder Schöpfung sinnlich vernehmbarer Natur erschafft sie sich, indem Energie informiert wird.

Sobald aber Energie informiert wird, entsteht Materie. Sobald z.B. die Variablen einer geometrischen Formel mittels Zahlen informiert werden, entsteht eine bestimmte konkrete geometrische Figur. Ursprüngliche Information muss jene Form sein, welche jegliches natürliches Gestalten oder Werden von Seienden ermöglicht.

Weil die erste Grundbewegung aus einem „Weniger, das zunehmend mehr wird“ besteht, kommt es zum kritischen Moment, in welchem Weniger nicht mehr Mehr zu werden vermag, zum Urknall. Das Nichtige explodiert und aus Nichts fließt gleichsam die Fülle aller Möglichkeiten oder das Sein alles Seienden.

Da aber die Umkehrung des Weniger, das zunehmend mehr wird, das Mehr ist, das zunehmend weniger wird, ist alles Wachsen des naturhaft Seienden endlich. Alles, was die Natur erschafft, lässt sie nur für eine gewisse Zeit entstehen! Sobald diese Zeit überschritten wird, vergeht das Erschaffene wieder.

Dem Vorschein der Natur gemäß erscheint die Alternative „Mehr oder Weniger“ als Erste Form des Verstandes, nachdem zuvor offenbar über die Alternative „Ja oder Nein“ entschieden worden ist.

9
Jan
2014

Natürliches Missverhältnis zwischen neuronaler Form und empirischer Gestaltung

Während Formen wie Gebote und Verbote oder Regeln und Gesetze eindeutig ausgeprägt werden, vollziehen sich Gestaltungen aufgrund von Erfahrungen mehrdeutig.

Die Regel, dass es geregnet hat, wenn die Strasse nass ist, erweist sich nicht als zuverlässig. Diese Setzung von Ursache und Wirkung aufgrund von Erfahrungen ist nicht eindeutig. Sie wird durch die Erfahrung, dass die Strasse nass ist, weil der Wassersprengwagen sie besprühte, widerlegt.

Die eindeutige Form einer neuronalen Strukturierung durch den Verstand lässt sich nicht auf die Gestaltung von Erfahrungen durch die (praktische) Vernunft übertragen. Die neuronale Adressierung eines Wortes (Logistik) geschieht zwar eindeutig, aber ein Wort selbst ist mehrdeutig.

Das Denken des Verstandes als das Organisieren von Strukturen ist vom Denken der Vernunft als das Organisieren von Erfahrungen streng zu unterscheiden. Der Verstand formt, und die Vernunft gestaltet.

Es existiert noch ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen Verstand und Vernunft. Der Verstand wird bereits vorgeburtlich ausgeprägt, die Vernunft aber erst nachgeburtlich. Philosophie ist u.a. das Bemühen, mit der Vernunft den Verstand zu verstehen.

Verstand und Vernunft aber lassen sich dementsprechend auch durch die Art und Weise zu denken unterscheiden. Das Denken des Verstandes bewegt sich vor aller Erfahrung (a priori), das der Vernunft aufgrund von Erfahrung (a posteriori).

8
Jan
2014

Steuerungs- und Regelungsstruktur

Beispiele für Regelungs- und Steuerstruktur sind Regel und Gesetz oder Gebot und Verbot. Regeln lassen bei Wiederholungen von Ereignissen Ausnahmen zu. Im Straßenverkehr gewähren Gebotsschilder im Gegensatz zu Verbotsschildern Verhaltensspielraum.

So bedeutet das Achtungsschild: „Vorsicht, Vorfahrt beachten." Das Stoppschild verlangt aber in jedem Fall: „Anhalten, Fahrzeug zum Stehen bringen!“

Ähnlich verhält es sich bei Regel und Gesetz. Eine Regel besagt, dass etwas mit Wahrscheinlichkeit eintritt, ein Gesetz aber besagt, dass sich etwas mit Sicherheit ereignet.

7
Jan
2014

Frühes Sprachspiel

Das Ausprägen von Strukturen, insbesondere die natürliche Grammatik lehrt vor aller Bildung von Sprache die Erfahrung von Zusammenhängen.

Laute verlautbaren körperliche Ereignisse. Schreien deutet auf Mängel, Durst, Hunger oder auch Unwohlsein. Auch Verlautbarungen, Töne oder Geräusche der Umgebung deuten auf Ereignisse. So zeigt der Singsang der Mutter, dass das Stillen von Hunger und Durst bevorsteht. Sanfte Bewegungen zeugen von Beruhigung.

Durch das Erfahren der Beziehung von Verlautbarung und unmittelbar darauf folgendes Ereignis wird Bedeutung gesetzt.
Laute werden zu Zeichen, die auf das verweisen, was sich ereignen wird.

Dieser Zusammenhang bereitet die Struktur eines Satzes vor. Verlautbarung bildet das Subjekt des Satzes, das Ankündigen, was sich ereignen wird steht für das Prädikat, und das, was sich dann ereignet, das Ereignis, repräsentiert das Objekt.

Das Ausprägen der Struktur „Satz“ bildet die einfachste Form der Regelung aus, nämlich „Steuerung“. Im Gegensatz zur Regelung bleibt bei der Steuerung die Vorgabe des Reglers unverändert.

6
Jan
2014

Zum Denken gehören wesentlich Neugier, Fantasie und Vernunft

„Neugier“ motiviert zum Denken, indem sie zu fragen reizt. Fantasie spielt Erfahrungen durch. Wiederholungen des immer Gleichen prägen Regeln aus.

Neugier fragt, Fantasie sucht, Vernunft ordnet. Durch diese Dreiheit bildet sich das Gewissen als Regelung des Verhaltens aus. Normen und Werte bilden die Vorgabe der Regelung (‚Führungsgrößen‘), Gebote und Verbote steuern die Regelung (Regler), Ordnungen und Vorschriften formieren Änderungen oder Erhalten (Regelgröße oder Maßnahme), Erfahrungen sorgen für Umsetzung (Regelung) und Gefühle wirken korrigierend oder fördernd ein (‚Störgröße‘).

Strukturen der Regelungen (Regelkreise) sind von Natur aus neuronal ausgeprägt und werden instinktiv organisiert.

Das kleine Kind probiert diese Organisationsform spielerisch aus.

5
Jan
2014

Frühes natürliches Denken als Imitieren erfahrener Strukturen

Ein Kind wächst in geordneten Verhältnissen auf. Durch geregelten Ablauf erfährt es Existenz als geordneten Verlauf. Unbewusst werden Geschehnisse in Wenn-Dann-, Vorher-Nachher- oder So-dass- Beziehungen aufgelöst:

„Wenn ich schreie, kommt jemand!“ oder „Erst schreien (vorher), dann Beruhigt-werden (nachher)!“ oder „So laut schreien, dass jemand kommt!“ (So-dass).

Durch ein einziges, sich wiederholendes Ereignis kristallisieren sich nach und nach verschiedene Aspekte heraus. Das Kind erwirbt ganz natürlich die Grammatik, das Regelwerk einer Sprache, bevor es sich die Sprache selbst aneignet.

Verschiedene Erlebnismomente erhalten unterschiedliche Bindungen (Konjunktionen) wie:

- temporal: „Als ich unartig war…“
- konditional: „Wenn ich unartig bin…“
- konzessiv: „Obwohl ich unartig bin, … “
- kausal: „Weil ich unartig bin, …“
- modal: „Indem ich unartig bin, …“
- komparativ: „Es ist besser, als ich es …“
- adversativ: „Während ich unartig bin…“
- final: „Damit ich beachtet werde, …“
- konsekutiv: „Ich war unartig, sodass …“
- lokal: „Wo ich liege, …“
- instrumental: „Ich bin unartig, indem ich…“

Das Vermögen, diese Sätze intuitiv zu ergänzen, zeigt, dass Grammatik als Regelwerk der Sprache natürlicherweise intuitiv verfügbar ist. Diese Verfügbarkeit ist keineswegs ein schulischer, sondern vielmehr ein vorschulischer, frühkindlicher Erfolg.

Es ist nicht die Schule, sondern das einfache Leben, welches das neuronale Netz unseres Gehirns maßgeblich bestimmend organisiert.

Ein Kind lernt Denken, indem es Ordnungen bzw. geordnetes Verhalten imitiert wie zum Beispiel beim Turmbau mit Bauklötzchen. Durch Experimentieren mit der Höhe erwirbt es Erkenntnisse der Bedingungen, unter denen der Turm zusammenstürzt.

Als geordnete Folge von Handlungsbildern bzw. von Handlungsmomenten gelangt Denken als Strukturieren von Verhalten zum Vorschein. Dieses Vorgehen wird in Spielen zur Antizipation, als vorstellungsmäßige Vorwegnahme der Organisation von Verhalten. Das Kind lernt vorauszusehen, wann spätestens der Bauklötzchen-Turm kippen wird.

Das Kind lernt Denken wie das Gehen: behutsam Schritt für Schritt. Als früheste Form in der Entwicklung des Denkens kristallisiert sich dementsprechend das Algorithmieren heraus, also als Anordnen einzelner Schritte zu einem Vorhaben oder Durchführung einer Handlung.

Dieses Denken organisiert Bilderleben im Bewusstsein als Bildergeschichte, die seine Erfahrungen erzählt, Strukturieren wie es das Kind aus Bilderbüchern gelernt hat.

Denken heißt Verhalten organisieren und Folgen vorhersehen zu können. Als ordnendes Bilderleben ist Denken vor allem Antizipation.

Ordnung erscheint offensichtlich als früheste Form des Verstandes, denn die erste Tätigkeit des Verstandes besteht im Ordnen von Bildern. Aber was schafft der Verstand wirklich, denn die Abfolge von Bildern wird ja bereits vom Gedächtnis vorgegeben.

4
Jan
2014

Native Philosophie

„nativ(e)“ bedeutet „gebürtig“, „ursprünglich“, „unverändert“ oder „unbehandelt“ bzw. "naturbelassen“, wahrscheinlich bekannt als „natives Olivenöl“.
„Native Philosophie“ meint jenes ursprüngliche Denken, welches sich allein aus natürlicher Begabung heraus entwickelt. Alles was das vernunftbegabte Lebewesen Mensch zum Philosophieren braucht, hat ihm die Natur von Geburt an geschenkt.
Man vergisst allzu leicht, dass die ersten Philosophen philosophisch unvorbelast bzw. ahnungslos sind, und ihre Gedanken erst durch Wahrnehmen und Beobachten sammeln, ordnen und nach und nach in einen gedanklichen Zusammenhang bringen. Auf dessen Grundlage entwickeln sie dann ihre Lehre wie Heraklit, der erklärt, dass alles fließt, weil er nirgendwo Seiendes entdecken kann. Philosophie entwickelt sich nach und nach durch Übernehmen und Erweitern vorhandener gedanklicher Zusammenhänge.
Wahrnehmen, Betrachten, Beobachten und Auswerten braucht niemand zu lernen. Zusammenhänge ergeben sich aus Erfahrungen natürlicherweise.
Native Philosophie entwickelt sich spiralförmig aus der Begabung des vernunftbegabten Lebewesens heraus. Nicht das Wort steht am Anfang, sondern das Bild.
Der naturphilosophische Weg entwickelt nicht begrifflich, sondern sehr viel früher vor jeglicher Begriffsbildung als Bilderleben. Am Anfang steht nicht die Logik des Verstandes, sondern das Spiel der Fantasie.
Bilderleben ist ein bipolarer Prozess des Bilder-Lebens der Fantasie und des Bild-Erlebens des Gefühls. Im frühen Stadium natürlicher Philosophie werden Bilder durch Erleben bzw. durch Erinnerungen an entsprechende Erlebnisse interpretiert. Lernen als Versuch und Irrtum bzw. als Imitation geschieht bildlich, also sehend, hörend riechend, schmeckend oder tastend.

Beurteilt und behalten werden eindrucksvolle Erfahrungen gefühlsmäßig. Ein Kind verbrennt seine Hand an der heißen Herdplatte. Das ist eine Erfahrung, die sich nicht wiederholen darf. Im Wiederholungsfall taucht dieses Bild in der Vorstellung des Kindes als Warnung wieder auf. Erzieherische, mit Strafen verbundene Verbote prägen im Langzeitgedächtnis des Kindes Verbotsschilder aus.

Das Gehirn organisiert im neuronalen Netz Verhaltensmuster gleichsam in etwa wie ein Straßenverkehrsnetz. Die Bilder der Umgebung werden einschließlich aller Gebote, Verbote und Straßenverkehrsregeln gespeichert und von Fall zu Fall als Hinweisschilder für ordnungsgemäßes Verhalten abgerufen.

Bilder-Leben und Bild-Erleben prägen je nach maßregelnder Ordnung mehr oder weniger komplexe Verhaltensmuster aus.
Schließlich existieren nur noch Ordnungen wie Hausordnung, Geschäftsordnung, Betriebsordnung, Sitzordnung, Tagesordnung usf. Tatsächlich verbringen wir im Alltag keinen Augenblick, der nicht durch irgendeine Ordnung geregelt ist.

Natürliche Philosophie gelangt zunächst als systemische Bildbetrachtung in Ordnungen zum Vorschein.

3
Jan
2014

Das innere Auge

„Inneres Auge“ ist der Name für jenen kontemplativen Zustand innerer Anschauung, welcher einen Einblick in die innere Welt gewährt. Dieser Einsicht offenbart sich ineins zugleich das Geheimnis der Natur.

Der Weg, das innere Auge zu öffnen, lässt sich nicht ganz leicht beschreiben, zumal verschiedene Möglichkeiten existieren. Der einfachste Weg ist natürliche Begabung. Der religiöse, vor allem der buddhistische Weg des Loslassens, oder der Weg der Entsagung und Askese in kontemplativen Klöstern zeigen, wie schwierig das Öffnen des inneren Auges ist.

Was aber lässt sich durch das innere Auge sehen, was ansonsten nicht wahrgenommen werden kann. Die Antwort fällt wahrscheinlich ernüchternd aus, wenn erklärt wird, dass auf metaphysischem Weg der Philosophie die gleiche Konzentrationsstufe erreicht werden kann. Das innere Auge wird in der Philosophie nicht ohne Grund inneres Licht genannt.

Philosophen des Altertums beschreiben den Weg zum inneren Licht als eine Art Befreiung aus der Dunkelheit einer inneren Höhle.

Wir zeigen uns hier nicht in der Lage, die angedeuteten Wege miteinander zu vergleichen oder gar zu bewerten. Wahr bleibt, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss, wenn ihn die Neugier dazu antreibt, mehr zu schauen, als die Augen zeigen.

Die exemplarische Darstellung eines Weges kann nicht mehr als eine Anregung sein. Das Öffnen des inneren Auges ist ein hoch sensibler und deshalb vor allem ein naiver Weg. “naiv“ meint hier ausschließlich „natürlich“, also weitestmöglich unbeeinflusst von Erziehung oder Bildung.

Der naive Weg ist zumindest anfangs in gewisser Weise sogar ein kindlicher Weg.

2
Jan
2014

Ich sehe was, was du nicht siehst

Jeder Künstler schaut etwas, das andere nicht wahrnehmen können. Er setzt das Geschaute in seinem poetischen, bildnerischen oder musikalischen Werk um. Das, was die künstlerische oder auch philosophische Wahrnehmung von anderen unterscheidet, wird Intuition genannt. Intuition beruht vor allem auf einer limbischen Aktivität, also gefühlsmäßigen Regelung des Bewusstwerdens.

Intuition beruht auf Begabung und lässt sich nicht erlernen, wohl aber durch fleißiges Trainieren empfindsamer machen. Intuitionen werden in der Regel von inneren Dialogen begleitet. Die innere Stimme diktiert Poeten bzw. Lyrikern ihre Texte, stellt bildnerischen Künstlern Bildmotive vor, lässt Musiker Töne, Klänge, Melodien oder komplexe Aufführungen hören.

Inspirationen werden häufig mit Intuitionen verwechselt. Im Gegensatz zu Intuitionen sind Inspirationen aber nicht seelischer, sondern geistiger Natur. Intuitionen entwickeln sich spielerisch, Inspirationen logisch. Das Ergebnis der Intuition ist ein Bild oder ein innerer Klang. Das Ergebnis der Inspiration ist eine Idee.

Höchst seltene Formen innerer Wahrnehmungen sind Visionen, die sinnlich nicht mehr vernehmbare Erscheinungen subjektiv bildhaft erleben lassen. Oft handelt es sich um religiöse Erscheinungen, die auf das Einwirken einer jenseitigen ‚Macht‘ bzw. Kraft zurückgeführt werden.

Philosophische oder mathematische Entdeckungen beruhen in der Regel auf Inspirationen, höchst selten auf Intuitionen. „Ich sehe was, was Du nicht siehst!“ beinhaltet das Versprechen, schwer zugängliche Ereignisse der alles Sinnliche übersteigenden Welt der Metaphysik zum Vorschein gelangen zu lassen.

Um sich diesen Ereignissen überhaupt nähern und das Versprechen einlösen zu können, bedarf es sorgfältiger Vorbereitungen.


ff

1
Jan
2014

Allen Lesern des Begriffskalenders


Ein geglücktes, erfolgreiches Jahr 2014!
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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