Unilogo

28
Jan
2014

Visionäre Begabung

In ihrer frühen Kindheit verfügen alle vernunftbegabte Lebewesen über visionäre Begabungen. Der naive Geist ist noch von aller Erziehung ungestört offen für das, was ihm seine Fantasie offenbart.

Was für Erwachsene wie Spielen aussieht, vollzieht sich in Wahrheit als fantasievolles Probehandeln des Geistes. Die Fantasie inszeniert für ihn jene Bilder, welche den gerade gegenwärtigen Stimmungen und Bedürfnissen entsprechen. Die Bilder sollen dem kleinen Lebewesen durch fantasievolles Übernehmen von Rollen helfen, seine Bedürfnisse zu befriedigen.

Ein wilder Indianer, der mit Pfeil und Bogen durch den Dschungel streift, befreit sich aus seiner Gefahr, indem er seine Angreifer tötet. Die Fantasie bietet dem jungen Wesen eine unmittelbare fiktive, scheinbare Auflösung seiner miesen Situation an. Durch die Flucht in eine fantastische Vorstellung weicht das Kind seinem Problem aus.

Vor die Realität wird gleichsam eine verfremdende Kulisse geschoben, die das Geschehen umdeutet und umgestaltet. Die Realität wird verdrängt und findet gleichsam gar nicht statt. Das kleine Wesen nimmt die Quälerei durch Bezugspersonen nicht zur Kenntnis.

Dieses exemplarische Beispiel für die Kraft einer fantastischen Fiktion lässt zugleich die Fantasietätigkeit als Veranlagung zur visionären Kraft hervorscheinen.

Im Gegensatz zur fantastischen Vorstellung handelt es sich bei der Vision um ein Innenbild, das Wirklichkeit nicht umgestaltet, sondern Wirklichkeit religiös oder künstlerisch deutet. Die Entwicklung der Vision lässt sich mit der Entwicklung einer Fantasie nur bedingt vergleichen.

Während die Tätigkeit der Fantasie neben vorhandenen Bedürfnissen vor allem von Erfahrungen initiiert wird, bilden sich Visionen allein durch Antriebe, Bedürfnisse und schöpferisch gestalterische Begabungen.

Fantasien wie Visionen erfahren ihre Kraft durch starken Glauben. Schon mit fünfzehn Jahren wird Hildegard von Bingen bewusst, dass sie ihre seherischen Fähigkeiten einer besonderen Begabung verdankt. Das junge Mädchen stellt fest, dass sie Dinge sieht, die anderen Kindern verborgen bleiben. Verständlicherweise behält das Mädchen dieses Geheimnis für sich. Das Bewusstwerden geht einher mit ihren ersten klösterlichen Erfahrungen des hoch sensiblen und leicht kränklichen Mädchens, hoch wahrscheinlich durch frühes meditatives und asketisches Leben unterstützt.

Währen die ersten Visionen der Jugendlichen folgenlos bleiben, stellen sie sich der etwa vierzigjährigen Hildegard schließlich als Auftrag Gottes dar. Die innere Stimme trägt ihr auf, ihre Visionen aufzuschreiben, um sie anderen erlebnisgetreu beschreiben zu können.

Zweifel an der Wahrheit der Visionen als Eingebungen Gottes quälen die junge Frau und lassen sie zögern, dem göttlichen Auftrag nachzukommen. Was, wenn es sich nicht um göttliche Eingebungen, sondern um teuflische Einflössungen handelt?

Hildegard von Bingen entscheidet sich schließlich mutig, ihre Aufzeichnungen von namhaften einflussreichen Theologen prüfen zu lassen. Aufgrund der Befürwortung durch Bernhard von Clairveaux gibt Papst Eugen III während der Synode in Trier 1147 Hildegard von Bingen die Erlaubnis, ihre Visionen zu veröffentlichen.

27
Jan
2014

Weisheit statt Wissen?

„Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ ist der wegweisende Erfahrungssatz des Sokrates. Der Philosoph glaubt aufgrund lebenslanger philosophischer Erfahrungen, dass alles Wissen letztlich nicht dazu beiträgt, wonach er strebt.

Man muss sehr viel wissen, um zu wissen, wie wenig man weiß. Je mehr Wissen angeeignet wird, um so eher werden auch die Grenzen dessen erreicht, was gewusst werden kann.

Glauben verhält sich diametral entgegengesetzt zu Wissen. Je mehr geglaubt wird, desto intensiver wird das erfahren, was sich durch Glauben offenbart.

Im Gegensatz zu Wissen, das sich durch Zuwachs dem Glauben nähert, entfernt sich Glauben durch zunehmende Intensität von Wissen.

Und dann geschieht etwas höchst Geheimnisvolles. In einer ihm größtmöglichen Entfernung vom Wissen schaut das vernunftbegabte Lebewesen durch Glauben das, was sich ihm durch Wissen verschließt.

In einer Vision schaut das vernunftbegabte Lebewesen das Wesen der Natur. In seinem Höhlengleichnis beschreibt Platon den Weg des Menschen zu jener visionären Weisheit, den Martin Heidegger gut zwei Jahrtausende später als „Lichtung“ begreift.

Im Gegensatz zu Platon aber, bedarf für Heidegger das vernunftbegabte Lebewesen keines Lehrers, der ihm diesen Weg weist, sondern vielmehr handelt es sich bei dieser visionären Begabung um eine höchst seltene Pflanze.

26
Jan
2014

Verstehen der Vernunft

Vernunft denkt in Bildern. Verstand denkt in Begriffen. Vernunft versteht subjektiv, Verstand versteht intersubjektiv oder objektiv. Das Verstehen der Vernunft beruht auf Glauben, und das Verstehen des Verstandes beruht auf (tradiertem) Wissen.

Vernunft schafft Kunst, Verstand bringt Wissenschaft hervor.
Als Weg systematischen Vorgehens ist Logik Kunst und Wissenschaft gemeinsam. Logik der Kunst oder Schaffensperiode führt zu einem Werkzyklus. Logik der Wissenschaft entwirft Theorien oder epochale Paradigmen.

Kunst und Wissenschaft scheinen auch als Mischformen hervor wie z.B. als Theologie oder Pädagogik. Solche Mischformen wie z.B. Sozial-, Wirtschafts- oder Politikwissenschaften gründen dann Logik häufig auf Statistik, auf der Kunst, Geschehnisse in Zahlen abzubilden.

Problematisch wird es dann, wenn der Verstand versucht, Verstehen der Vernunft zu beweisen. Diese Gefahr erscheint in Mischformen wie z. B. in Theologie besonders hoch. Immer wieder lassen sich Theologen oder auch Philosophen durch den Verstand zu sogenannten Gottesbeweisen verleiten.

Trotz aller Bemühungen erweisen sich solche Versuche natürlicherweise als nutzlos. Das Bestreben der Vernunft, sich beweisen zu müssen, scheitert spätesten an der Grenze zwischen Glauben und Wissen. Wissen zu können, was man glauben muss, aber erscheint erfahrungsgemäß unmöglich.

25
Jan
2014

Intuition Glauben schenken

Ursprünglich natürliches, künstlerisches Denken vollzieht sich in Bildern der Fantasie. Diese Bilder entstehen vor allem emotional, fantasievoll spielerisch als Tag- und Nachttraum. Künstlerisch schaffende Menschen setzen solche Intuitionen unmittelbar in ihren Werken schöpferisch um.

Diese Kunstwerke lassen sich wiederum nur intuitiv verstehen. Allein durch künstlerische Werke vermögen Emotionen unmittelbar intuitiv kommunizieren, und zwar zumeist sogar global, d.h. national unabhängig. Die Sprache der Kunst ist zwar nicht wie die Sprache der Wissenschaft allgemeingültig, aber dafür ohne besondere Festlegungen unmittelbar allgemein gültig.

„allgemein gültig“ bedeutet im Gegensatz zu „allgemeingültig“ nicht „per definitionem richtig oder beweisbar“, sondern vielmehr „intersubjektiv wahr“. Kunst ist nicht wie Wissenschaft objektiv richtig, sondern untersubjektiv wahr.

Allerdings wird Wahrheit weniger vertraut als Richtigkeit. Das liegt einerseits an der Enge menschlichen Bewusstseins, andererseits an zusätzlichen Verengungen durch Schule und Erziehung.

Das vernunftbegabte Lebewesen hat die Vernunft verlernt. Es zeigt nicht mehr in der Lage, inneren Bildern der Fantasie Glauben zu schenken, um sie vernünftig zu verstehen.

24
Jan
2014

Paradoxon des wissenden Glaubens

Selbstverständlich sollte der Gläubige um Möglichkeiten und Grenzen des Glaubens wissen. Sobald er versucht, diese Grenzen zu überschreiten, weil er versucht, Glauben in Wissen zu überführen, gerät er in kaum mehr aufzulösende Zweifel. Zudem entzieht sich Glauben wie gesagt dem Wissen aufgrund verminderter Komplexität wissenden Fragens.

Aber jene Gewissheit, welche der Glaubende in Hinsicht auf das, was er glaubt, beansprucht, hat unter dem Aspekt des Wissens nichts mit Wissen zu tun. In Wahrheit wäre eine Feststellung wie „Ich weiß, dass ich glaube“ absurd, denn Wissen lässt sich nicht fühlen. ‚Gewissheit‘ des Glaubens ist in Wahrheit subjektive Überzeugung oder Sicherheit, die mit Wissen nichts gemein hat.

Glauben verlangt als Bedingung seiner Möglichkeit das achtsame Beschränken auf das Gefühl, ohne nach Absicherungen durch den Verstand zu schielen. So lässt sich zwar Gottes Existenz sicher spüren, aber niemals wissen.

23
Jan
2014

Vernunft vs. Verstand

„Vernunft vs. Verstand“, in Zeichen „I“ für Intuition und „L“ für Logik.

L: „Arme Vernunft, Du glaubst an Phänomene, die aus meiner Sicht gar nicht existieren!“

I: „Spar’ Dir Dein Mitleid, denn Du bist nicht weniger auf Glauben angewiesen als ich. Nimm doch nur einmal als Beispiel den Kreis, über den Du so schöne Beweise zu führen verstehst. In Wirklichkeit aber gibt es gar keine Kreise!“

L: „Das behauptet auch niemand. „Kreis“, das ist eine Idealform von Wirklichkeit. Ein Rad dreht sich um so besser, je mehr es der Idealform des Kreises entspricht, also rundläuft, obgleich „vollkommen rund“ niemals wirklich zu erreichen ist. Logik vollzieht immer nur eine Annäherung an Wirklichkeit, ohne jemals vollkommen mit ihr kongruent zu werden! Wissen bedeutet immer nur ein vereinfachtes Modell von Wirklichkeit. Und Du hast Recht: Wissenschaft glaubt an ihre Modelle! Kein redlicher Wissenschaftler bezweifelt diesen Glauben!“

I: „Diese Art zu Weise zu glauben, entspricht nicht jenem Glauben, von welchem ich spreche. Was ich glaube, teilt sich mir gefühlsmäßig und nicht logisch mit. Wahrheit ist für mich, was ich als offenkundig empfinde. Es ist keine Annäherung an Wirklichkeit, sondern unmittelbar an das, was ich wirklich fühle."

L: „Gläubige sind in der Regel religiös. Sie glauben das, was Empfindungen in ihnen vergegenwärtigen. Als höchste ‚Stufe‘ gilt ihnen der Glaube an die Idee des Guten oder der Glaube an Gott! Dieses Glauben ist allerdings logisch nicht nachvollziehbar!“

I: „Das braucht es auch nicht. Wenn ich Gottes Gegenwart konkret spüre, was brauche ich dann noch den Beweis, dass Gott wirklich existiert? Er ist ja wirklich durch seine gefühlte Gegenwart!“

L: „Und warum zweifeln dann so viele Gläubige?“

I: „Sie lassen sich von einem fehlgeleiteten Wissensdurst verführen! Sie könnten von den Wissenschaften Bescheidenheit lernen und wie diese innerhalb der Grenzen ihres Bereiches, nämlich dem des Glaubens bleiben! Wer glaubt, das, was er glaubt, beweisen zu müssen, glaubt in Wahrheit nicht. Wissenschaft gesteht jederzeit ein, dass es Bereiche gibt, über die sie keine Aussagen zu treffen vermag. Glauben sollte dem nacheifern und sich selbst treu bleiben!“

L: „Dem kann ich nur zustimmen, schon deshalb, weil wir dann nicht in Streit geraten!“

22
Jan
2014

Freiheit der Intuition

 
 

Als sensibelste seelisch-geistige Information erscheint Intuition dem Bewusstsein zwar wahrnehmbar, aber doch so vage, dass sie sich einer genaueren Bestimmung zu entziehen scheint. Manche erfahren sie als vor Fehlern mahnende, innere Stimme des Gewissens.

Meistens teilt sich Intuition eher gefühlsmäßig als sprachlich mit. Ein schlechtes Gefühl zeigt uns, dass wir gerade etwas tun, was nicht in Ordnung ist. Entsprechend werden wir durch gute Gefühle in unserem Tun bestärkt. Positive Gefühle zeigen an, dass begabungsbedingte Bereiche des Unbewussten aktiv sind. Das geschieht insbesondere dann, wenn wir schöpferisch künstlerisch oder wissenschaftlich tätig sind oder handwerklich bzw. technisch etwas gelungen herstellen. „Lust zu etwas haben“ ist ein untrügliches Zeichen intuitiver Aufforderung, solange es um schöpferische Vorgänge und nicht etwa um körperliche Bedürfnisse wie Lust auf Schokolade geht.

Die Freiheit der Intuition besteht darin, nicht wie der Verstand wissen zu müssen, sondern glauben zu dürfen. Das führt nicht selten zum Konflikt zwischen der Intuition der Vernunft und der Logik des Verstandes. Bisweilen versucht der Verstand sogar, sich der Vernunft zu bemächtigen, um das zu beweisen bzw. als Wissen auszuweisen, was allein geglaubt werden kann.

21
Jan
2014

Wissen heißt nichts glauben

Wer Fragen einschränkt, verliert unversehens seinen Zugang zum inneren Dialog. Die innere Stimme lässt sich nämlich vor allem durch jene Fragen anregen, welchen Wissen ausweicht.
Es sind vor allem Fragen, die aus der Stimmung oder Einstellung des Fragens heraus zwar verdrängt, sehr wohl aber gefühlt werden. So weicht die Ich-Frage nach Selbsterkenntnis gerade vor dem aus, was sie eigentlich zu erfragen beabsichtigt.

Das Ich vergegenwärtigt sich zwar ein Selbst, in dem es sich als Ganzes vorstellt. Übersehen wird dabei allerdings, dass diese Selbst-Vorstellung reine Fantasie ist, denn jenes Ich, welches nach seinem Selbst fragt, stellt sich damit selbst in Frage.

Das Ich fragt nach Selbst, sobald es sich selbst nicht mehr über den Weg traut. Die Selbst-Frage stellt indirekt das eigene Tun in Frage. Jenen, welche sich ihres Tuns sicher sind und sich selbst vertrauen, stellt sich die Selbst-Frage erst gar nicht.

Selbst ist Ich-Spiegelung oder Ich-Erfahrung. Sobald das, was dieser Innenspiegel zeigt, in Frage gestellt wird, traut man dem nicht mehr, was man sieht. Die Frage nach dem Selbst erscheint in Wahrheit als Zweifel an der eigenen Sichtweise. Statt des Ichs ist also dessen Tun kritisch zu hinterfragen. Wer sich selbst ausweicht, um nach dem Sinn des Lebens zu fragen, gleicht einem, der die Funktionstüchtigkeit seines Autos untersucht, nur weil er sich verfahren hat. Er gleicht jenem kleinen Jungen, welcher klagt: „Ich möchte nur wissen, wer mir in die Hose gemacht hat. Ich habe sie doch angehabt!“

Reflexives, sich seiner selbst versicherndes Fragen, sollte jederzeit daran zweifeln, ob wegen dieser Unsicherheit zuverlässiges Fragen überhaupt noch möglich sein kann. Gemeint sind hier natürliche existentielle und nicht etwa logistische Probleme.

Schwund an Glauben aber lässt sich nicht durch Wissen ausgleichen. Einem Künstler, der daran zweifelt, ob er seine Idee gelungen ins Werk gesetzt, kann keine wissenschaftliche Untersuchung seines Werkes weiterhelfen.

20
Jan
2014

4 x 3

Unter dem übermächtigen Einfluss des Verstandes verkümmern Fragen zu einseitigem rationalen Suchen und verlieren dadurch ihre emotionalen Bindungen.

Triebe oder Bedürfnisse wecken Empfindungen, Gefühle oder Wünsche.

Ohne emotionale Bindung des Ichs an sich selbst verkommt intuitives Suchen zum ‚kalten‘, unverbindlichen Recherchieren. Durch Vereinfachen der Komplexität des Fragens, z. B. durch Abstrahieren, ‚erkalten‘ Gefühle in emotional ungebundenem Wissen.

Das eigene Empfinden spüren erhält die innere Bewegung aufrecht und motiviert zu existentiellen Abenteuern gefühlten, ganzheitlichen Suchens. Hier endet die innere Stimme damit, dem Fragen Unverzagtheit zuzuflüstern.

Angesichts dieser Situation sorgt sich die Frage, ihrem Suchen nicht mehr gerecht zu werden, um das zu entdecken, was eigentlich möglich wäre.

Schließlich bedeutet jede Einbuße an Dimensionen bzw. Perspektiven oder Aspekten des Fragens einen erheblichen Verlust an Offenheit.

F: „Was geschieht eigentlich genau, wenn ich mich in meinem multidimensionalen Nachforschen einschränke?“

A: “Die Antwort steckt bereits in Deiner Frage, denn eine solche Bescheidenheit bedeutet Minderung der Möglichkeiten einer allumfassenden Einsicht. Du kannst beispielsweise nicht mehr wirklich verstehen, warum Alles in Wahrheit Eines ist und in Einem Alles anwesend ist. Auf ganzheitliches Fragen verzichten bedeutet, der Wahrheit aus dem Wege gehen! Wenn Du z.B. zu viele Dimensionen des Fragen einbüßt, vermagst Du nicht mehr wirklich zu glauben, sondern kannst tatsächlich nur noch auf Wissen vertrauen!“

F: „Bedeutet denn Wissen weniger als Glauben?“

A: „Das vermag ich nicht zu sagen, denn ich bin allein in der Lage, festzustellen, dass aus dem Schwinden des Glaubens der Entzug der Wahrheit folgt und Richtigkeit die Vorherrschaft über die Welt übernimmt! Der größte Verlust des Glaubens besteht aber darin, dass sich die Allgegenwart Gottes Deinem Alltag entzieht. Ich aber bin der Ansicht, dass Unglauben so zum Synonym für Dummheit wird! Der Verzicht auf umfassendes Fragen bedeutet den Verlust auf eine ganzheitliche Welt!

Mathematik und Naturwissenschaften beweisen zwar, dass etwas richtig, aber nicht, dass es auch zugleich wahr ist!“

F: „Muss umfassendes Fragen nicht erst wieder zurück erobert werden, nachdem es schulische Erziehung vertrieben hat?“

19
Jan
2014

Fragen sind nicht allein

F: „Hast Du mich nicht verwechselt? Ich habe nachgeforscht. Ich bin nämlich gar nicht geboren, als die Frühmenschen das Werkzeug entdeckten. Das war nicht Ich als „Wer-Frage“, sondern die „Wie-Frage“, die herauszufinden versuchte, zu was ein Faustkeil taugt. Es ging ihr also um die Art und Weise der Handhabung dieses Werkzeugs!"
A: „Das ist ein Missverständnis! Ich habe angenommen, dass Du als Frage das Fragen überhaupt meinst. Du aber meinst das besondere Fragen „Wer oder was?“ Ich sehe, es ist an der Zeit, Dich aufzuklären.

Also Du musst erkennen, dass Fragen immer vielseitig geschieht, niemals einseitig erkundigen. Fragen wird nämlich nicht vom Verstand ausgelöst, sondern vom Gefühl. Und Gefühle organisieren sich sehr viel umfassender als der Verstand. Emotionen erscheinen zumindest als dreifache suchende Bewegung (Motiv). „Wer oder Was“ beinhaltetet immer zugleich das Verlangen, sowohl Eigenschaften des Wer oder Was?, also „Welche?“ zu erfahren als auch das „Wie?“ des Verhaltens aufgrund der Eigenschaften."

F: „Ich verstehe, dass ich mich in Wahrheit dreifach nach meinem Wesen erkundige, nämlich „Wesen = (Wer oder was?, Welche?, Wie?)“ oder „Faustkeil = (Werkzeug, spitz, scharf, schneiden). Das Wesen des Faustkeils ist, es aufgrund seiner Eigenschaften als Schneidewerkzeug, um ein Beutetier zerlegen zu können, zu erkennen.

Welche Tripels zu fragen muss also eine Frage beherrschen?"

A: Neben Triple 1 = Wesen = (Wer oder Was?, Welche? Wie?)
Triple 2 = Form = (Wobei?, Wofür?, Weshalb?)
Triple 3 = Gestalt = (Wie viel?, Warum?, Wozu?)
Triple 4 = Erscheinung = (Womit?, Wo?, Wann?)“

F: „Ich erkenne, dass mein Fragen „Wer? oder Was?“ unzureichend, weil unbedacht ist! Ich muss mich demnach umfassend diesem Quartupel von Tripels (4 x 3) stellen!“

18
Jan
2014

Ich Frage, Du Antwort

Fragen sind immer schon Anzeichen von Schwierigkeiten, in denen sich das Ich befindet. Im Regelfall versucht das Ich erst einmal, diese Schwierigkeiten mit sich selbst auszumachen. Das beginnt gewöhnlich mit einer Frage, die ein Selbstgespräch beginnt. Die Frage könnte sich beispielsweise einfach fragen (F für Frage, A für Antwort):
F: „Wer bin ich?“
A: „Du bist eine Suchende, die sich neugierig immer nach etwas erkundigt. In diesem Fall willst Du Dich Deiner eigenen Persönlichkeit versichern. Nun gut, als Person stellst Du Recherchen in der Außen- oder Innenwelt an. Dein Charakter ist das Ausfragen!“
F: „Das klingt ziemlich unangenehm. Aber ich bin ja nicht nur im Klatsch und Tratsch zu Hause, sondern auch ernsthaft in Kunst und Wissenschaft tätig! Das hängt ganz von dem Bewusstsein ab, in dem ich tätig bin. Aber meine Frage hast Du nicht zufriedenstellend beantwortet! Ich möchte natürlich etwas über meine Herkunft erfahren."
A: „Du bist geboren, kurz bevor Frühmenschen Werkzeug entdeckten. Das sind vor etwa 1,8 Millionen Jahren Steinwerkzeuge in Kenia, nämlich Faustkeile, mit denen sie ihre Beutetiere zerlegten. Die Fähigkeit, Werkzeuge zu benutzen, haben alle Menschen durch Imitieren erworben. Und Du bist auch ein Werkzeug, nämlich ein Instrument des Geistes, um Unklares zu zerlegen. Man sagt dazu heute „analysieren“ statt „zerlegen“, obwohl viele Leute ihre Entdeckungen immer noch wie Beutetiere betrachten.“
F: “Und wo bin ich zu Hause?“
A: „Ich glaube Du wohnst im Zentrum der Empfindungen und Gefühle, im limbischen System also, wenn Du es genau wissen willst!“
F: „Und was zwingt mich, außer Haus zu sein?“
A: “Reine Neugier, meine Liebe. Du musst alles mitbekommen, was in der neuronalen Welt geschieht. Und wehe, Dir entgeht was!“
F: „Bin ich so schlimm?“
A: „Mach' Dir nichts draus. Wir brauchen Detektive, die ermitteln, bevor Chaos entsteht. Die meisten mögen Dich und möchten Dich nicht missen. Also kannst Du auch gar nicht schlimm sein!“

17
Jan
2014

Frage und Antwort

„Frage“ bedeutet als sprachlicher Impuls des Bewusstsein eine Anregung für das Unbewusstsein zu versuchen, den angefragten Inhalt bewusst werden zu lassen. Entspringt eine Frage eher Intuitionen als Logik dann bringt das Unbewusste eine Antwort lieber spielerisch schöpferisch fantasievoll zum Vorschein als durch mehr oder weniger zufälliges Kombinieren verfügbarer Erfahrungen.

Aber nicht nur Fragen, sondern auch Wahrnehmungen und Gefühle regen das Unbewusste an, aktiv zu werden. Insbesondere Künstler setzen gefühlte Wahrnehmungen durch fantasievolle Eingebungen ins Werk. Das künstlerisch Helfende des Unbewussten kann so hoch aktiv werden, dass schöpferisch tätige Menschen geradezu den Eindruck gewinnen, ihren inneren Eingebungen gar nicht nachkommen zu können, so viel sie auch arbeiten.

Während das Unbewusste ungenutzte schöpferische Möglichkeiten bereithält, wartet das Unterbewusste mit Emotionen vorgängiger Erfahrungen auf. Das Unterbewusste agiert eher logisch und weniger intuitiv wie das Unbewusste.

Das Gewissen bildet eine Art Brückenfunktion zwischen Un- und Unterbewusstsein, insbesondere dann, wenn schöpferische Auswege für etwas, dem Erfahrungen widersprechen, gefragt sind.

Das Gewissen kann aber auch wie das Daimonion des Sokrates den Alltag ‚beratend‘ begleiten. Die Fantasie gläubiger Menschen kleidet bisweilen diese Funktion in das Bild eines Schutzengels oder Heiligen. Hierbei wäre es falsch, von bloßer Einbildung zu sprechen, solange über eine mögliche geistige oder seelische Allgegenwart solcher ‚Geister‘ nichts ausgesagt werden kann. Es ist keineswegs ausgemacht, ob nicht der Mythos des Himmels diese Form der Allgegenwart ausmacht.

Aber statt sich in spekulative Höhen zu versteigen, scheint es angebracht, die Rollen von Frage und Antwort im inneren Dialog einmal exemplarisch aufzuzeigen.

16
Jan
2014

Dialektik statt Dialog?

Protagoras hat seine dialektischen Fähigkeiten von Zenon von Elea (490 - 430) erworben, dem Urheber der Dialektik, also der Methode, gesprächsweise Erkenntnisse zu entwickeln. Dieses Verfahren wurde später von Demokrit aus Abdera (460 - 410) verfeinert. Von ihm ist folgender Dialog überliefert:

"Erst spricht der Verstand zu den Sinnen und sagt: 'Die Leute meinen zwar, es gebe euch: das Bunte, das Süße, das Bittere, aber in Wirklichkeit gibt es nur die Atome und leeren Raum.' Darauf kehren die Sinne den Spieß um und erwidern: 'Du armer Verstand. Von uns nahmst Du doch die Beweisstücke, wie kannst Du uns damit besiegen wollen!'"

Dieser innere Dialog ist hier gleichsam ein mythisches Überbleibsel: die Fähigkeit, sich von der inneren Stimme (daimonion) etwas zeigen zu lassen. "Der Mythos argumentiert nicht, sondern stellt dar. Er ist kein Produkt des abstrakten Verstandes, sondern der schöpferischen Einbildungskraft." (G.Scherer, Das Problem des Todes in der Philosophie, S.81/82) Die Kraft mythischen Denkens wird bis heute in bestimmten Formen der Kontemplation und Meditation geübt.

Im 'Glasperlenspiel' beschreibt Hermann Hesse die Aufgabe der Meditation so: "Je mehr wir von uns verlangen, oder je mehr unsere jeweilige Aufgabe von uns verlangt, desto mehr sind wir auf die Kraftquelle Meditation angewiesen, auf die immer erneute Versöhnung von Geist und Seele. Und je intensiver eine Aufgabe uns in Anspruch nimmt, und bald erregt und steigert, bald ermüdet und niederdrückt, desto leichter kann es geschehen, dass wir diese Quelle vernachlässigen. Die wirklich großen Männer der Weltgeschichte haben alle entweder zu meditieren verstanden oder doch unbewusst den Weg dorthin gekannt, wohin Meditation uns führt. Die andern, auch die begabtesten und kräftigsten, sind alle am Ende gescheitert und unterlegen, weil ihre Aufgabe oder ihr ehrgeiziger Traum so von ihnen Besitz ergriff, sie so besaß und zu Besessenen machte, daß sie die Fähigkeit verloren, sich immer wieder vom Aktuellen zu lösen und zu distanzieren." (Hermann Hesse, Glasperlenspiel,Suhrkamp TB 79,1972)

Und Carl Friedrich von Weizsäcker: "Meditation ist eine Aneignung einer Wahrheit durch das Bewusstsein, bei der nicht nur der Inhalt, sondern die Struktur des Bewusstseins verändert wird. Sie hängt damit zusammen, dass Erkenntnis selbst ein Lebensvorgang ist... Stetes Anschauen, Durchdenken, Sich Vergegenwärtigen und Einüben der Wahrheit, im Wechsel zwischen dem Durchwandern des schon bekannten Gebietes und dem immer wiederholten Anklopfen an Türen, die sich noch nicht geöffnet haben, in der ständigen Bereitschaft, das eigene Wesen der erkannten Wahrheit anzugleichen - das etwa ist der Beitrag, den der Wille zur Meditation leistet. Der Vorgang, der sich dann vollzieht, wenn diese Willenseinstellung da ist, stammt aus den Kräften des Unbewussten und besteht in einer langsamen aber tatsächlichen Verwandlung der Beschaffenheit des Bewusstseins. Er ist in seinem Wesen nicht verschieden von jedem Vorgang des Reifens. Auch der Erwachsene hat ein anderes Bewusstsein als das Kind; er hat andere Willenseinstellungen und Triebe, und er verwendet Vorstellungen und Begriffe mit einer Selbstverständlichkeit, die für das Kind überhaupt keinen begreiflichen Sinn haben. Alle höhere Erkenntnis aber kann nicht ohne eine bewusste Einstellung des Willens auf den Erkenntnisvorgang gewonnen werden, und es gibt Erkenntnisse, die nur auf dem im strengen Sinn meditativen Wege zugänglich sind... Alle Schulen systematischer Meditation kennen den Begriff der Meditationsstufen. Es liegt im Wesen der Meditation, dass sie sich die Wahrheit, die nicht auf einmal erreicht werden kann, allmählich aneignet. Auf diesem Wege gibt es Stationen, die der Reihe nach durchlaufen werden müssen... Selbstverständlich bedeutet dies kein starres Schema: es sind plötzliche Durchblicke in eine an sich noch unzugängliche Tiefe oder Höhe möglich. Aber es ist immerhin erstaunlich, wie gesetzmäßig sich die Entwicklung des Bewusstseins vollzieht." (Zum Weltbild der Physik, Stuttgart 1958,7.Aufl.)

Soll der innere Dialog dialektisch genutzt werden, dann sollte der Verstand mittels Vorstellungskraft ein personifiziertes Pro und Contra einander gegenüber stellen und sie ein Streitgespräch führen lassen.

15
Jan
2014

Missbrauch des inneren Dialogs

Wird das Daimonion zum Gegenstand der ‚Vermarktung‘, dann erfährt es vielfältige Auslegungen. Das reicht von Engeln bis hin zu inneren Beratern wie der innere Arzt oder der innere Lehrer. Das sind - vor allem im esotherischen Bereich - Versuche, das Phänomen der inneren Stimme für alle bewusst und damit erfahrbar zu machen.

Das Problematische solcher Versuche liegt in der Besetzung der inneren Stimme mit einer bestimmten Rolle. Wird das Daimonion beispielsweise als innerer Arzt ausgestattet und zum inneren Berater für gesundheitliche Angelegenheiten erklärt, dann werden die Möglichkeiten des Daimonion gefiltert. Der Vorteil solcher Filterung liegt darin, dass das Daimonion leichter zur Sprache gelangt. Der ganz entschiedene Nachteil aber ergibt sich aus der Vermischung von intuitiven Mitteilungen mit Argumenten des Verstandes. Dadurch wird die natürliche intuitive Verlautbarung des Daimonion verfälscht und gemindert.

Die Mitteilungen der inneren Stimme in Gestalt eines Engels, eines inneren Arztes oder eines inneren Lehrers werden zu Gags. Das so verfälschte Daimonion veranstaltet narzisstische Gigs, also spontane, verführerische Selbstvergnügungen.
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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If a priori represents a metaphysical congruence with...
wfschmid - 9. Januar, 05:24

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Es gelten die Rechtsvorschriften für Webseiten der Universität Flensburg © Texte: Wolfgang F. Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) wfschmid(at)me.com Bilder: Ulrike Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) mail(at)ulrike-schmid.de

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