Unilogo

11
Feb
2014

Du sollst die Vergänglichkeit und Verhältnismäßigkeit allen Seins bejahen

„Bestimmungen des Seins sind wegen ihres Abstraktionsgrades und des dadurch bedingten eingeschränkten Aspekts immer nur innerhalb ihres Systems gültig. Bestimmungen des Seins sind deshalb immer nur relativ richtig und niemals wahr. Systeme, also vom Menschen geschaffene Zusammenhänge, bleiben wegen ihrer grundsätzlich unterschiedenen Begründungen unvereinbar.
Während künstlerische und wissenschaftliche Systeme bei hinreichender Toleranz kommunikationsfähig sind, gelten religiöse Systeme in der Regel als unvereinbar.

Je unvereinbarer Systeme scheinen, desto stärker erscheint der sie begründende Machtanspruch.“

10
Feb
2014

Du sollst die Gleichwertigkeit aller Lebewesen bejahen.

„Der Mensch erhebt sich über alle anderen Lebewesen, indem er sich das Vermögen zu denken zuspricht, ohne genau zu wissen, was er sich da eigentlich zuschreibt. Aufgrund dieser Selbst-Bestimmung erhebt sich das Lebewesen Mensch nicht nur über alle anderen Lebewesen, sondern er spricht sich zugleich die Macht zu, über deren Leben und Tod zu entscheiden.

Diese Überheblichkeit gleicht einem Virus, der im Hirn des Menschen die Fähigkeit auslöscht, die Sprache der Tiere zu verstehen.

Sage mir, wie Du mit Tieren umgehst, und ich sage Dir, was Du als Lebewesen taugst.

9
Feb
2014

Du sollst das Streben, Vorbild zu sein, niemals aufgeben.

„Das Gebot, Vorbild zu sein, erscheint als Paradoxon, denn wer sich als Vorbild betrachtet, schaut in sein Trugbild.

„Vorbild sein“ ist kein Vorhaben, sondern eine Maxime, gleich dem kategorischen Imperativ „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz des Handelns werde.„ (I. Kant)

„Vorbild sein“ ist ein Prinzip, ein Leitsatz des Handelns. Vorbild ist ein durch die Fantasie inszeniertes Vor-Bild, das als Leitbild Handeln antizipiert. Vorlagen zu dieser inneren Bild-Gestaltung liefert das Gewissen.

Allerdings ist vielen das Gewissen so etwas wie eine unbekannte Größe. Obgleich sie durch ihr Gewissen maßgeblich gelenkt werden, wissen sie letztlich nicht, was sie lenkt. Eine Möglichkeit, dem nachzugehen, wäre, sich folgender Frage zu stellen:

‚Welche Normen und Werte,
Gebote und Verbote,
Regeln und Gesetze,
Gewohnheiten und Verpflichtungen
bestimmen mich eigentlich?’ „

8
Feb
2014

Du sollst Wesentliches mit dem Herzen sagen.

"Als Vorschein des Verstandes zeigt sich das Wesen dem Bewusstwerden wie eine im Eis erstarrte Blume. Die Wärme des Herzens vermag dieses Eis nicht zu schmelzen. Zu weit weg ist Abstraktes des Verstandes von den konkreten Bedürfnissen der Seele.

Was vernunftbegabte Lebewesen am Sein von Abstrakta fasziniert, ist dessen Leuchtkraft. Abstraktion entzündet nicht das natürliche innere Licht, sondern ein künstliches Licht, das über den Horizont des Daseins hinausreichen soll. Als Philosophie erscheint Metaphysik gleichsam als abstrakte Mystik. Aber die unpersönliche Gottheit einer höchsten Idee des Guten entzieht sich alltäglichen Anliegen.

Niemand entzündet dem unpersönlichen Gott eine Kerze. Die Botschaft seiner Schöpfung aus dem Nichts lässt sich zwar denken, aber nicht glauben. Der Himmel der Wissenden erscheint Gläubigen schon beinahe als Hölle.

Wer betet oder bittet schon einen unpersönlichen Gott? Seit Menschengedenken vermochte er noch keinem zu helfen, geschweige denn Wunder zu wirken.

Wer Gott in Wahrheit begegnen will, muss das mit dem Herzen tun. Niemand vermag ihn mit dem Verstand zu finden!“

7
Feb
2014

festhalten

die hochschießenden Bilder
wollen nichts klären

lenken weg
fangen Blick um Blick

Leben als Fantasie

wer die zwei sieht
erkennt den Zweck

Augen Blitz
spürt er das Original

bildlos, fremd
das einzige Ureigene wartet

auf die gefühlten Bilder
des sich eröffnenden Originals


(c) urs 2014

6
Feb
2014

Du sollst immer darauf achten, dass Erfahrung mehr ist als man denkt.

Aufgrund der "Enge des Bewusstseins“ erfahren wir mehr unbewusst als bewusst. Die meisten sinnlichen Eindrücke fließen am Bewusstsein vorbei unmittelbar dem Unbewussten zu. Niemand bekommt das alles mit, was er tatsächlich erfährt. Und wenn uns das Unbewusste das Versäumte nicht zeigt, wird es auch vor uns verborgen bleiben.

Aber auch von dem, was uns bewusst wird, geht aufgrund der Filterung Vieles verloren. Der zureichende Grund für solches Vorenthalten ergibt sich aus der Tatsache, dass wir alles nur unter einer bestimmten Perspektive und das auch noch ‚oberflächig‘ sehen. Es genügt beispielsweise, während eines Spazierganges Bäume zu sehen oder Vögel zu hören. Arten interessieren uns gewöhnlich nicht. Dieses oberflächig filternde oder oberflächliche Betrachten hat aber auch Vorteile, schützt sie uns doch vor Überforderung durch Überreizung.

Hinzukommt, dass wir wenig von dem wissen, was wir sinnlich erfahren. In nur Wenigem kennen wir uns wirklich aus. Wer weiß schon genau, wie sein Handy oder sein Auto funktioniert. Wir glauben, Vieles begriffen zu haben, ohne es zu begreifen. Kurzum wir sind zu schnell und zu oberflächlich zufrieden mit dem, was wir bewusst annehmen.“

5
Feb
2014

Du sollst den Verstand durch Deine Seele ernähren und nicht umgekehrt.

„Offenbarungen des Unbewussten kräftigen den Geist, damit er sich auf seine eigene Kraft besinnt und sich nicht hochmütig seelische Bedürfnisse zueigen macht.

Wer ‚inneres Licht‘ und ‚Einsicht‘ nicht zu unterscheiden vermag, erfährt weder Glauben noch Wissen. Diese Wahrheit zu leugnen zeugt von Hilflosigkeit in künstlerischen oder wissenschaftlichen Angelegenheiten.

Allein das Genie oder der Weise vermag Wissenschaft unter der Optik der Kunst zu sehen, Kunst aber unter der Optik des Lebens. Unbewusstes offenbart sich deshalb sprachlich, weil es der inneren Stimme bedarf, um sich offenbaren zu können.

Offenbaren des Unbewussten zeugt von Spielen oder geistiger Kraft der Natur, die jedem Lebewesen zueigen sind. Allein Erziehung vermag den Geist in Vernunft und Verstand zu spalten, um schizoide Lebewesen hervorzubringen."

4
Feb
2014

Du sollst das innere Licht bewahren.

„‚Inneres Licht‘ ist der Vorschein von Wahrheit. Das innere Licht ist der Einsicht gleich, welche das Dunkel des Suchens durch Entdeckung lichtet.

Im Gegensatz zur Einsicht gelangt ‚inneres Licht‘ nicht durch Denken, sondern durch Fühlen zum Vorschein. ‚Inneres Licht‘ ist eine Gabe des Glaubens. Einsicht ist eine Gabe des Wissens. ‚Innerem Licht‘ und Einsicht gemeinsam sind Zuwendungen des Unbewussten.

Geschenke dieses Vorscheins lassen sich nicht erzwingen, sondern sind vor allem Gaben von Begabungen und weniger Erfolge von Intelligenz. Gefühlte Eingebungen erscheinen vorwiegend in poetischen Bildern oder musikalischen Themen, verstandesmäßige Eingebungen erscheinen dagegen eher als theoretische Ideen oder Modelle.

Probleme ergeben sich nicht selten aus dem Widerstreit zwischen Intelligenz des Verstandes und Begabung limbisch orientierter Vernunft. Vernunft malt in Bildern, Verstand zeichnet in Sprache. Nicht selten versucht der Verstand, sich der Bilder der Vernunft zu bemächtigen. Nicht selten endet ein solcher Streit in Aporien von Zweifeln.

Es ist eine Frage der Bescheidenheit, sein eigenes Zuhause zu bewahren und nicht auszubrechen versuchen.“

3
Feb
2014

Du sollst auf Deine innere Stimme hören

„Deine innere Stimme empfiehlt Dir. Sie befiehlt niemals. Die innere Stimme bietet das an, was Bedürfnisse oder Gefühle nicht zur Sprache bringen können. Manche nennen die innere Stimme ihren inneren Ratgeber, Lehrer oder Richter, und einige von ihnen scheuen nicht davor zurück, mit dem inneren Zuspruch sogar Geschäfte zu machen. Sie gaukeln anderen vor, dass man bestimmte Übungen braucht, um den inneren Zuspruch erfahren zu können.

Das Geheimnis aber ist, dass nur schöpferische Kräfte die innere Stimme stark genug werden lassen, um sich Gehör verschaffen zu können. Faule Menschen haben ihre innere Stimme an ihre Bequemlichkeit verloren.“

2
Feb
2014

Du sollst die Gleichwertigkeit aller Lebewesen bejahen

„Der Mensch erhebt sich über alle anderen Lebewesen, indem er sich das Vermögen zu denken zuspricht, ohne genau zu wissen, was er sich da eigentlich zuschreibt. Aufgrund dieser Selbst-Bestimmung erhebt sich das Lebewesen Mensch nicht nur über alle anderen Lebewesen, sondern er spricht sich zugleich die Macht zu, über deren Leben und Tod zu entscheiden.

Diese Überheblichkeit gleicht einem Virus, der im Hirn des Menschen die Fähigkeit auslöscht, die Sprache der Tiere zu verstehen.

Sage mir, wie Du mit Tieren umgehst, und ich sage Dir, was Du als Lebewesen taugst."

1
Feb
2014

Tipp

...


Offenbarungen des Unbewussten
 

31
Jan
2014

Die Kunst zu glauben

Kunst erscheint als Vermögen, Empfindungen oder Glauben zu wecken. Es sind künstlerisch inszenierte Bilder, die jenes Bild-Erleben inszenieren, welche Glauben schaffen. Das setzt voraus, dass das sprachlich, bildnerisch oder musikalisch ins Werk Gesetzte subjektiv anzieht. Um betrachtet zu werden, müssen künstlerische Werke den Geschmack treffen.

Kunst fasziniert um so mehr, je eher sie den eigenen Geschmack trifft oder - in wenigen Fällen - diesem ganz entschieden widerspricht. Gewöhnlich entsprechen Kunstwerke Erwartungen oder Träumen. Die Kunst, gut zu reden, ist, Glauben zu wecken (Aristoteles). Für Visionen gilt Vergleichbares. Visionen wecken Glauben, indem sie beeindrucken.

Visionäre Begabung geht mit künstlerischer Begabung einher. Bedürfnisorientierte Fantasien inszenieren visionäres Bilder-Leben ebenso wie Tag- oder Nachtträume.

30
Jan
2014

Der brennende Dornbusch

Die vielleicht bekannteste und zugleich früheste überlieferte Vision ist die des Moses (8. Jh. v. Chr.). Es ist die Vision vom brennenden Dornbusch. Es wird in der Bibel erzählt, dass Moses viele Jahre die Herden seines Schwiegervaters Jitro hütete.
Eines Tages weideten die Schafe und Ziegen auf den saftigen Weiden an den Hängen des Berges Sinai. Moses blickte in die Ferne, und er traute seinen Augen nicht.
Er erblickte einen brennenden Busch, der nicht verbrannte. Neugierig näherte sich Moses.
 
Da hörte er plötzlich eine Stimme. Sie kam aus dem brennenden Busch und sagte: "Zieh deine Schuhe aus, Mose! Du stehst auf heiligem Boden."
Moses spürte intuitiv, dass es Gott war, der zu ihm sprach.
Er gehorchte, und Gott sagte: "Ich bin, der ich bin.
Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Ich habe die Klagen und Bitten meines Volkes gehört, das in Ägypten in der Sklaverei lebt. Und ich werde es retten. Du Mose, sollst es aus Ägypten in ein Land führen, das ich den Nachkommen Abrahams versprochen habe. In diesem Land werden Milch und Honig fließen. Und dich Moses, sende ich nun zum Pharao."

Dieser Auftrag ist für einen Hirten in der Wüste nicht gerade naheliegend. Offenbar ist allen Visionen gemeinsam, dass sie Menschen überraschen, die über die Kraft verfügen, ihnen zu entsprechen.
Moses macht erst gar nicht den Versuch, sich als Hirte darzustellen, der dazu nicht in der Lage ist, weil er ja nichts gelernt und aus sich gemacht habe und nur ein dummer Hirte geblieben ist.

Anders als bei Hildegard von Bingen wird Moses’ Vision nicht durch innere Prozesse vorbereitet und auch nicht theologisch, sondern religiös gedeutet. Die Vision überrascht. Wahrnehmungsreize bzw. Überreizungen könnten sie ausgelöst haben.

Beide Visionen zeichnen sich als Kraftgeber aus und ermöglichen dadurch außergewöhnliches mutiges Verhalten. Unbefriedigend bleibt in beiden Fällen, dass sie als Ereignisse des Glaubens analytischem Denken verschlossen bleiben.

29
Jan
2014

Von der geistlichen Einsicht

Diesen Titel gibt Hildegard von Bingen der Beschreibung ihrer ersten Vision.

„Ich sah einen großen, eisenfarbenen Berg: auf ihm saß ein Menschenbild von solchem Glanze, dass seine Helligkeit mein Auge blendete. Von seinen beiden Seiten erhob sich ein sanfter Schatten, der sich wie ein wundersamer breiter und langer Flügel ausdehnte. Am Fuße dieses Berges stand vor dem Manne eine Gestalt, die überall voller Augen war; wegen der Menge der Augen konnte ich nicht unterscheiden, ob sie eine menschliche Gestalt war. Vor dieser stand eine andere Gestalt im knabenhaften Alter mit mattfarbenen Gewand und weißen Schuhen. Über deren Haupt stieg von dem Manne, der auf jenem Berge saß, eine solche Helle hernieder, dass ich sein Antlitz nicht sehen konnte. Von demselben, der auf dem Berge saß, gingen viele lebendige Funken aus, welche beide Gestalten mit großer Anmut umflogen. In dem Berge selbst sah man zahlreiche Fenster, in denen bleiche und weiße Menschenköpfe erschienen. Der Mann auf dem Berge rief mit gewaltiger und durchdringender Stimme;

„o du gebrechlicher Mensch, Staub vom Erdenstaube, Asche von der Asche, rufe und verkünde vom Eintritt der makellosen Erlösung, damit jene unterwiesen werden, die das Mark der Schriften sehen,sie aber doch nicht verkündigen und predigen wollen, weil sie lau und stumpf sind im Kampf um Gottes Gerechtigkeit! Öffne ihnen das Siegel der Geheimnisse, das sie auf verborgenem Acker furchtsam und fruchtlos vergraben! Breite dich wie ein übervoller Quell aus und ströme so oft in mystischer Lehre aus, dass jene von deiner Ausgießung und Bewässerung erschüttert werden, welche dich wegen Evas Fall verächtlich halten wollen! Denn du nimmst die Erhabenheit dieser Lehre nicht von einem Menschen an, sondern vom höchsten und furchtgebietenden Richter aus der Höhe, wo in hellstem Licht auch ein Licht unter den Leuchtenden stark erstrahlt. Erhebe dich also, rufe und verkünde, was dir in der alleestärksten Kraft göttlicher Hilfe geoffenbart wird! Denn der, welcher allen seinen Geschöpfen machtvoll und gütig gebietet. durchgießt die, die ihn fürchten und ihm in anmutiger Liebe im Geiste der Demut dienen, mit der Klarheit übernatürlicher Erleuchtung und führt die auf dem Wege der Gerechtigkeit Ausharrenden zu den Freuden der ewigen Schau.“

Hildegard von Bingen erklärt diese Vision sehr genau und deutet sie zugleich theologisch. „Der große eisenfarbene Berg versinnbildlicht die Kraft und Stetigkeit des ewigen Gottesreiches, das durch keinen Ansturm der Veränderlichkeit ein Ende finden kann. Der Mann, der auf dem Berge sitzt, blendet dein Auge mit seinem Glanze und zeigt den im Reiche der Seligen, der im Glanze einer sich gleichbleibenden Heiterkeit dem ganzen Erdkreise mit seiner höchsten Gottheit gebietet und menschlichem Geiste unfassbar ist. Von seinen beiden Seiten breitet sich ein Flügel von wunderbarer Breite und Länge aus. Sie zeigen in Ermahnung und in Züchtigung milden und linden Schutz recht und fromm, die unaussprechliche Gerechtigkeit, Beharrlichkeit und Billigkeit.

Vor ihm steht am Fuße des Berges eine Gestalt, die allüberall voller Augen ist, weil sie vor Gott in Demut in das Gottesreich Einblick hat, und aus Furcht vor ihm mit Genauigkeit und gerechtem Eifer und Ausdauer auf die Menschen wirkt, so dass man vor Augen keine menschliche Gestalt unterscheiden kann. Sie vergisst nie die Gerechtigkeit Gottes, weil menschliches Forschen in seiner Schwäche ihre Wachsamkeit nicht erschüttert.

Vor dieser Gestalt zeigt sich eine andere, knabenhafte, bekleidet mit mattfarbenem Gewande und weißen Schuhen, weil unter Vorantritt der Furcht des Herrn die Armen im Geiste folgen. Die Furcht Gottes hält nämlich in hingebender Demut die Glückseligkeit der Armut im Geiste kraftvoll fest, welche weder nach Rühmen noch Selbstüberhebung gelüstet, sondern Einfalt und Nüchternheit liebt. Nicht sich, sondern Gott allein gibt sie die Ehre für ihre gerechten Werke und folgt den Spuren des Gottessohnes getreulich nach. Auf ihr Haupt steigt eine solche Klarheit von dem auf dem Berge hernieder, dass du auch ihr Angesicht nicht schauen kannst, denn die Heiterkeit der Heimsuchung dessen, welcher jedem Geschöpf preiswürdig gebietet, gießt ihr ein solches Maß von Macht und Stärke ein, dass ein schwacher Sterblicher sie nicht zu fassen vermag. Er, der allen himmlischen Reichtum in sich trägt, unterwirft sich in Demut der Armut….“

Dieser exemplarische Auszug der ersten Vision zeigt, dass Hildegard von Bingen Erscheinungen gleichsam zweifach schaut, nämlich sowohl ästhetisch als auch logisch. Sie betrachtet das Bild und deutet gleichzeitig, wie sie dieses Bilder-Leben erlebt. Diese Gleichzeitigkeit von Bilder-Leben und Bild-Erleben macht ihre Vision aus.

Gefühl bzw. Intuition und Verstand befinden sich vor einem religiösen Hintergrund in einem harmonischen Gleichgewicht. Das ist der zureichende Grund, warum Hildegard von Bingen von „geistlicher“ und nicht von „geistiger Einsicht“ spricht.

Tiefes religiöses Empfinden angesichts von Schilderungen heiliger Schriften, das sich Versenken in Offenbarungen und fantasievoll gedeutetes Bilder-Leben und meditatives Bild-Erleben, inszenieren Bewusstwerden als eigene stigmatisierende Wirklichkeit. In Visionen befriedigt die Seele ihre tiefsten Sehnsüchte, oft durch ein streng asketisches Leben und autosuggestiven Gebeten getragene Hoffnungen unterstützt.

Der hohe subjektiv empfundene Wahrheitsgehalt von Visionen drängt schließlich den Verstand, dieses auch zu offenbaren. Solche faszinierenden Bekenntnisse enthüllen wiederum starke Bilder in anderen, die dadurch von intensivem Bild-Erleben beeindruckt werden. Visionen brauchen starke Hoffnungen, die sie erfüllen, um geglaubt zu werden. Stark vereinfacht; Wer Gott lange intensivst sucht, wird ihn auch finden. „Und ich sage euch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“ (Lukas 11,9)
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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