Unilogo

3
Jan
2015

Entfremdung der Sinne

In der Grundschule setzt sich das Drama des Verlustes an Er-kenntnisgewinn fort. Lehrer überhäufen Kinder mit Unver-ständlichem. Aber fortan geschieht das nicht nur sprachlich, sondern auch sinnenfällig. Nicht nur der Verstand, sondern auch die Sinne werden in die Irre geführt.

So erhalten Kinder in einer Unterrichtsstunde die Aufgabe, die von der Lehrerin eigens mitgebrachten Holzwürfel abzuzeich-nen. Als die Lehrerin aber kontrollierend durch die Reihen geht, muss sie feststellen, dass die Zeichnungen ihrer Kinder ganz und gar nicht ihren Vorstellungen entsprechen. Die zeichnerischen Ergebnisse gleichen eher Kartoffeln als Wür-feln. Die Lehrerin geht kopfschüttelnd an die Tafel und zeich-net exakt die geometrische Figur eines Würfels. Sie kommen-tiert streng: „So sieht ein richtiger Würfel aus!“ „Ihr aber habt Kartoffeln gezeichnet!“
Die Lehrerin weiß nicht, das Neunjährige einen Würfel natürli-cherweise perspektivisch richtig zeichnen. Ihre Würfel sehen deshalb wie Kartoffeln aus. Im Unterricht aber erfahren sie, dass sie sich nicht auf ihre Sinne verlassen können. Es gilt nicht das als richtig, was sie sehen, sondern allein das, was im Un-terricht gesagt wird. So beginnen sie, nicht mehr genau hinzu-schauen, sondern eigene Erfahrungen und Vorstellungen auf Wahrnehmungen zu übertragen.
Aus Wort|bruch ist zusätzlich Wahrnehmungsstörung gewor-den. Wahrnehmen wird zum Wahr Nehmen. Es wird nicht mehr unvoreingenommen gesehen, sondern hinein gesehen.

2
Jan
2015

Verdrängen durch Verschieben

Kinder, die nach Bedeutungen von Wörtern fragen, erhalten von Erwachsenen zumeist unzulängliche Antworten oder werden auf das Älterwerden verwiesen. „Das verstehst Du noch nicht! Dazu bist Du noch zu jung!“ Solche Sätze quittiert das Gehirn je nach Eigenart mit Niedergeschlagenheit oder Wut. Im ersten Fall lässt es sich unterdrücken, im zweiten Fall wehrt es sich. Unterdrückt wird Neugier. Geschieht das wiederholt, hört das Kind auf zu fragen und stellt das Suchen ein. Die Neu-gier verliert ihre Durchsetzungskraft. Das wütende Kind dagegen kündigt gefühlsmäßig Widerstand an. Es wird versuchen, selbst Mittel und Wege zu finden, um sich Klarheit zu verschaffen.

1
Jan
2015

Fachsprache ist eine Fremdsprache

„Wort|bruch “ bedeutet: ein Wort hält nicht, was es ver-spricht. So etwas geschieht immer dann, wenn ein Wort den Empfänger nichtssagend bzw. bedeutungslos ist. Wer mit ei-nem Wort nichts anfangen kann, dem teilt sein Gehirn mit, dass es außerstande ist, eine sinnvolle neuronale Verbindung herzustellen. In der Regel sind es Fremdwörter, die nicht ver-standen werden. Meistens handelt es sich um Fachausdrücke, die einem fremd sind. Arztberichte sind voll davon. Welcher Patient versteht schon den Entlassungsbrief des Krankenhau-ses für seinen Hausarzt. Im Internet nach Bedeutungen suchen nützt wenig. Schließlich gibt man auf in der Hoffnung, dass das alles schon seine Richtigkeit haben werde. Dieses erzwungene Vertrauen macht dem Patienten seine Abhängigkeit von Ärz-ten bewusst. In der Folge liest er solche Berichte erst gar nicht mehr. Im Fall medizinischer Fachausdrücke delegiert der Ver-stand seine Unfähigkeit an das Fachwissen der Mediziner, im Vertrauen. dass ihm nicht geschadet wird. Sehr viel besser wäre es, von den Medizinern eine klare Übersetzung zu for-dern. Aber gewöhnlich geschieht das nicht, weil das Recht auf Verstehen nicht selbstverständlich ist.

Allen Lesern

ein zufriedenes, gesundes, glückendes neues Jahr!

31
Dez
2014

ZEHN JAHRE BEGRIFFSKALENDER

...

30
Dez
2014

Gedanke

Vermutlich überfällt den Menschen der erste Gedanke in dem Augenblick, in dem er das Licht der Welt erblickt. Und er drückt diesen seinen ersten Gedanken in seinem Schrei aus. Der erste Gedanke besteht wohl im ersten Erblicken der anderen Welt. Aber das ist Spekulation. Der erste Gedanke könnte sich genau so gut schon mit der ersten Empfindung im Mutterleib gebildet haben.

Tatsache ist, dass sich niemand von uns an seinen ersten Gedanken erinnern kann. Wir bekommen auch die Entwicklung des Denkens nicht mit. Unversehens finden wir uns eines Tages denkend vor, ohne dass uns irgend jemand erklärt hätte, was da mit uns geschieht, wenn wir denken.

Irgendwann haben wir irgendwo das Wort „Denken“ aufgeschnappt, und wir entdecken eines Tages, dass genau in und mit uns geschieht, was dieses Wort meint. Wir spüren geradezu diese Bedeutung.


Wenn das Kind gesagt bekommt: "Jetzt iss endlich auf!“, dann weiß es, was verlangt wird. Wenn Kinder aber gefragt werden „Wo bist du nur wieder mit Deinen Gedanken?“, dann können sie nur ahnen, was gemeint ist.


Von den vielen Situationen her, in denen von Denken gesprochen wird, erschließen wir uns die Bedeutung dieses Wortes. Aber diese eigenständige Ermittlung führt nicht dazu, spontan erklären zu können, was genau mit „Denken“ gemeint ist.


Beobachtet man also Situationen, in denen Leute sagen, dass sie denken, dann geht es gewöhnlich darum, dass sie etwas zu erklären versuchen, nach Worten suchen oder überlegen, wie etwas gemacht werden soll.
Denken wird demnach als jener Vorgang ange-nom¬¬men, durch welchen sich Bewusstwerden organisiert. Gedanke ist demzufolge ein Moment der Bewusstseinsorganisation. Solche Momente sind körperlich, seelisch, geistig multiphren glaub¬würdig.
Strittig wird der Wahrheitsgehalt eines Gedankens dann, wenn sich Körper, Seele und Geist nicht mehr im Gleichgewicht befinden. Wahre Gedanken sind Zeugnisse harmonischer Be-wusstseinsmomente.

29
Dez
2014

Glaubwürdigkeit

Dass fantasievermittelte Erscheinungen zu einer Frage der Glaubwürdigkeit werden, ist insofern sehr merkwürdig, als uns unser Wahrnehmen nur durch Improvisieren der Fantasie bewusst wird.
Konsequenterweise müssten wir also alle unsere Wahrnehmungen in Frage stellen. Aber uns wird nicht bewusst, dass wir fantasieren bzw. uns gemäß (um-) gestalten, bevor wir wahrnehmen.
Was veranlasst uns also, Wahrnehmen entweder zu vertrauen oder zu misstrauen? Es sind unterschiedliche Bilder, die diese Frage beant-worten.
Weniger vertrauenswürdige Wahrnehmungen werden als gespürte Abbildungen von Erinnerun-gen erfahren. Vertrauenswürdigere Wahrnehmun-gen werden dagegen als erfahrene Sinnesein-drücke bewusst.
Wir glauben, dass Sinneseindrücke weniger fan-tasie¬¬¬¬voll sind als gefühlvolle Erinnerungen. Wer oder was entscheidet aber, wie glaubwürdig uns Inhalte des Bewusstseins erscheinen sollen.
Es ist das Unbewusste, das limbische Impulse Bewusstwerden vorbewusst günstig oder ungün-stig beeinflussen lässt.
Bisweilen bekommen wir dergleichen mit, wenn wir ahnen, dass etwas, das wir tun schiefgehen oder erfolgreich sein wird.
Da wir uns aber Vorgänge des limbischen Systems nicht bewusst werden, vermögen wir diese auch nicht zu reflektieren. Ursachen und Gründe von Glaubwürdigkeit scheinen somit vor uns verborgen zu bleiben.

28
Dez
2014

Fantasie als Vermittlerin

Fantasierend vermögen wir innere Wahrnehmun-gen als Innenbilder zu gestalten, um diese dann betrachten, beobachten und begreifen zu können.
Fantasie versetzt uns in die Lage, dem zuzuschauen, was in uns geschieht. Künst-lerische Menschen setzen inneres Geschehen ins Werk, wenn sie schaffen. Bei Imaginationen oder gar Visionen geschieht Vergleichbares.
Nicht immer inszeniert Fantasie das, was sie empfängt in Bildern. Fantasie vermag auch in Empfindungen zu gestalten. Aber die meisten haben dann Probleme, dem zu glauben, was sie empfinden.
Sehr häufig treten solche Erscheinungen bei Trauernden auf, wenn sie glauben, die Anwesenheit des Verstorbenen zu spüren. Statt sich auf dieses Gefühl einzulassen, zweifeln sie und tun es als Einbildung ab.
Damit nehmen sie dem Verstorbenen, die Gelegenheit, sich über die innere Stimme mitzuteilen, um einen Dialog mit dem Trauernden zu beginnen.
Es gibt manche wundersame Ereignisse während eines Tages, die allzu leicht als Hirngespinste abgetan werden.
Wider derartige Zweifel sollte unbedingt beachtet werden, dass das eigene Gefühl Wahrheiten offenbart, obgleich wir diese nicht verstehen (wollen).
Entsprechende Sensibilität vorausgesetzt, können aber Täuschungen von Wahrheiten unterschieden werden.
Angenommen, eine Frau spürt die Anwesenheit ihres verstorbenen Mannes und zweifelt an ihrem Gespür. Sie kann ihrem Zweifel entgegenwirken, wenn sie „schweigend“ mit ihm einen (inneren) Dialog beginnt. Dabei sollte sie dann auch nicht scheuen, ihn um ein Zeichen für die Echtheit seiner Anwesenheit zu bitten.

27
Dez
2014

Wer oder was schenkt Eingebungen?

Im Gegensatz zur Religion, Philosophie, Lyrik, Poesie, Musik oder Tanz kommt Intuition nicht zu Wort. Man spricht von einem Einfall und sagt zwar, dass diese Eingebung Intuition gewesen sei, aber man verschweigt, was darunter zu verstehen ist.


Ich gebe zu, dass es mir genau so ergeht. Ich schreibe wie selbstverständlich diese Sätze auf. Ich vermag jedoch nicht zu beschreiben, wie sie eigentlich entstehen. Natürlich bin ich wie die meisten versucht, zu sagen: „Sie fallen mir einfach ein!“ Aber das erklärt genau nichts.

Das macht mich unzufrieden, und ich spüre, wie diese Unzufriedenheit mich antreibt, den Grund zu schreiben aufzuspüren. Ich vermute daher erst einmal, dass es vielleicht meine Befindlichkeit sein könnte, die das Schreiben anregt.

Im Augenblick schreibe ich ja, um das Unbehagen loszuwerden. Ich stocke, wahrscheinlich, weil tief nachts alles schleppender vorangeht als früh morgens, eine Zeit, zu der ich bevorzugt arbeite. Zudem fallen die meisten von den Texten, die ich mir nachts mühsamer erarbeite, bereits früh morgens durch.


Auch das ist typisch für die Nacht, dass ich das von mir schreibe. Ich sehe mich schon, wie ich das morgen wieder verwerfe, um dann erneut zu erfahren, dass ich dadurch alle näheren Texte der augenblicklichen Schreibumgebung überkritisch bedrohe, um sie dann letztendlich doch zu löschen.

Früher, an der Schreibmaschine, gab es viel mehr Schreibhemmungen, um zu vermeiden, dass erst Texte entstehen, die dann doch im Papierkorb landen.

Aber mir fällt ein, dass ich schon damals oft am folgenden Tag Texte zerrissen habe, die nachts entstanden waren. Und da ich vor Jahren lieber nachts als am Tag geschrieben habe, füllte sich der Papierkorb in jener Zeit ziemlich schnell.

Noch etwas war vor vielen Jahren ganz anders. Ich habe nicht freiwillig geschrieben, sondern aus Verpflichtung, weil ich mich qualifizieren wollte oder besser musste. Schließlich wollte ich mich so schnell wie irgend möglich beruflich qualifizieren, um davon möglichst gut und ungebunden leben zu können. Von klein auf hasse ich nämlich jede Form von Abhängigkeit.

Immerhin förderte nun diese Art und Weise der Rückbesinnung einen Beweggrund für mein Schreiben zutage. Es ist eine Art Selbst-verpflichtung aus einem existentiellen Bedürfnis oder Selbsterhaltungstrieb heraus.

26
Dez
2014

Gen Himmel

Himmel ist Allgegenwart des Schöpferischen, seelisch als Intuition der Seele, körperlich als sinnliche Erfahrung der Natur und geistig als ideenhaftes Schauen des Geistes.

Mystisches Erleben aber bedeutet seelisches, körperliches, geistiges Erfahren in eins zugleich.

Dem Himmel begegnen bedeutet demzufolge philosophisch sich auf das eigene endliche Dasein als Moment des endlichen Seins einlassen.

Der Weg dorthin führt über die Kehre des Denkens oder als Umwendung des Denkens in Spüren, Empfinden, Fühlen.

Mir scheint es, das gesuchte innere Geschehen namens Denken entzieht sich so jeglicher, begrifflichen Bestimmung. So setzte ich Denken mit jenem gefühlten Fühlen gleich, welches auch Intuition genannt wird.


Mir ist dabei völlig klar, dass diese vorläufige Beschreibung jene verärgern muss, welche sich als Mathematiker oder Naturwissenschaftler betrachten. Dennoch Denken bleibt vorwiegend ein Schöpfungsprozess.


Mathematiker und Naturwissenschaftler aber denken nicht wie der Philosoph Martin Heidegger höchst provozierend bemerkt, sondern rechnen. Wissenschaften modellieren, kalkülisieren, mathematisieren und prognostizieren, aber in aller Regel verlassen sie sich - bis auf geniale Ausnahmen wie Einstein - nicht auf das Empfinden ihrer Gefühle.


Auf den Punkt gebracht:


- Religion glaubt,

- Kunst denkt,

- Wissenschaft rechnet.


Mir ist klar, dass Denken als Spüren eigenen Fühlens noch ziemlich unscharf ist.

Wer ein Gedicht oder auch einen Roman schreibt, dem wird das, was er aufschreiben soll, gleichsam von der Tiefe des Unbewussten gegeben. Diese künstlerische Gabe oder Begabung schenkt der Vorstellungskraft künstlerisch Schaffender Bilder, die sich beschreiben lassen. Bilder schenken Bedeutungen jenen Worten, welche dann poetisch oder lyrisch gesetzt werden.


Eingebungen gelangen meistens nicht unmittelbar zu Papier. Die eingegebenen Bilder werden vom Künstler oder der Künstlerin gedeutet. Der Sinn des Unbewussten erhält den Eigensinn der Schaffenden. Das Umdeuten der Eingebung durch künstlerisches Gestalten formt den Sinn eines Gedichts oder eines Romans.

Das Spielen und Inszenieren des Unbewussten mit Fantasien des empfangenden, sensibel empfindenden Bewusstwerdens gelangt nunmehr als Denken zum Vorschein. Als Spielen und Gestalten des Unbewussten formt Fantasieren jenes Gestalten, welches sich dann künstlerisch ins Werk setzen lässt.
Als Empfinden des Fühlens wird Denken nunmehr als Atmen der Seele spürbar.

25
Dez
2014

Wo liegt der Himmel?

Als Himmel ist Fantasie Widerschein tiefen Glaubens. Glauben ist künstlerischer Vorschein seelischer Bedürfnisse.



Als unstetes, vernunftbegabtes Wesen ist der Mensch ständig unterwegs zu sich selbst. Er glaubt, sobald sich das Ich im Selbst vorfindet, das Glück gefunden zu haben.



Aber so angestrengt er auch dem Schatten des schönen Scheins nacheifert, so wird er doch niemals schnell genug sein, um ihn einzufangen.



Wann nur wird der Mensch weise genug sein, das Selbst als Abschattung seines Ichs zu schauen? Solange ihm das misslingt, gefährdet er sich durch Überhöhen seines Ichs.



Der Schöpfer begabt ihn mit Widersprüchlichkeit zwischen Gefühl und Geist. Im Schein dieses Irrlichts tasten sich bereits die ersten Menschen durch ihr Paradies. Obgleich daraus vertrieben, hören sie niemals auf zu hoffen, dieses eines Tages wieder zu finden.



Unaufhörlich lockt die Fantasie mit dieser Utopie. Ständig beständig gelobt sie der Vernunft das Vermögen, den Schleier des Geheimnisses lüften zu dürfen. Und die Fantasie, diese Närrin, setzt dafür sogar das Leben der Vernunft auf’s Spiel, indem sie die Hoffnung nährt, ihren Himmel spätestens im Tod zu entdecken.



Aber Fantasien versickern allmählich und Träume der Kindheit verlieren sich. Die alternde Vernunft voller widersprüchlicher Erfahrungen traut Fantasien nicht mehr. Sie hofft nicht mehr auf das, was da kommen soll, während sich das Leben entzieht. Sterben erscheint der Vernunft nunmehr zu spät, um Wesentliches über das Leben zu erfahren.



So erkundigt sie sich ungeduldig bei den Möglichkeiten des Verstandes nach dem, was ihr als Himmel utopisch erscheint.



Aber der Verstand verneint die Ortlosigkeit des Himmels, indem er auf das mystische Erleben der Allgegenwart der Natur als Schöpfung eines für die menschliche Vernunft nicht mehr denkbaren Geistes verweist.



Himmel ist überall – im Leben. Alles Lebendige zeugt von jenem schöpferischen Geist, welcher es seit jeher als Möglichkeit bereithielt.

Sterben

Sterben heißt alles loslassen,
?alles Lieben und Hassen.

Rechtzeitig im Leben
?gegen allen Widerstand vergeben.

Gehen muss jeder allein,
?aber er muss dabei nicht einsam sein.

Er braucht nicht zu verzagen,
?wenn er von Liebe getragen!


Das vernunftbegabte Wesen entdeckt Philosophie als dichterische Form, aus Werden Sein zu gestalten. Während Religion menschliche Existenz dem Dasein entrückt, sollen sich Philosophen des Daseins versichern.


Unausgesprochen geht es darum, menschliche Grundängste vor dem Tod zu überwinden. Religionen versuchen das durch das Versprechen, Sterben als ein Hinübergehen oder Heimkehr ins Paradies erleben zu lassen.


Die Philosophie will den Menschen davon befreien, solchen Versprechen glauben zu müssen. Er soll sich dessen vergewissern, wovon Glauben überzeugen soll.


Tatsächlich gelingt es der Philosophie vor mehr als zweieinhalb Jahrtausenden die Mythologie zu überwinden und von der Herrschaft der Götter zu befreien.

Das gelingt der Philosophie, indem sie die religiöse Grundidee als Metaphysik des Seins übernimmt. Nicht mehr die ferne unsichtbare Gottheit im Himmel soll dem Menschen gebieten, sondern das unmittelbar gegenwärtige Wesen der Natur soll sich dem Menschen als Spiegelung des Göttlichen offenbaren.


Erfahrungen mit Leidenschaften des Religiösen lehren, dass besonders Begehrenswertes nicht ohne Opfer zu haben ist. Asketisches Leben in der Abgeschiedenheit eines Klosters oder einer Einsiedelei, soll zähes, hartnäckigstes Ringen um das nur im tiefen Glauben zu Schauende endlich belohnen.


So leuchtet es unmittelbar ein, wenn Philosophen von Anfang an klarstellen, dass Wissen nicht weniger mühsam erworben werden kann als Glauben. Wie Askese eine lange Zeit des Einübens und Eingewöhnens braucht, so bedarf auch Philosophieren zunächst des Erwerbs grundlegender Methoden des Denkens.


Glauben und Wissen sind mühsame Wege der Entdeckung, Abenteuer, durchaus mit dem hohen Risiko behaftet, das Gesuchte niemals zu finden.

Philosophen versprechen durchaus nicht weniger als Propheten. Philosophie gilt wie Religion als Vorbereitung auf das Sterben. Und der Philosoph erwartet denkend das zu erblicken, was sich der Mystiker tief glaubend zu schauen erhofft. Es geht darum, jene Grenze zu überwinden, welche die Seele überschreitet, wenn sie den Körper als ihr Haus verlässt.


Religion wie Philosophie konstatieren „Sein“ als Bedingung ihrer Möglichkeit zu glauben oder zu philosophieren.

Mehr als zweieinhalb Jahrtausende hüten Religion und Philosophie „Sein“ als ihren geheimnisvollen zureichenden Grund und halten so die Trennung von Glauben und Wissen aufrecht.


Letztlich geht diese Trennung aber auf Kosten des gemeinsamen Urgrundes von Glauben und Wissen. Als verschiedene Arten und Weisen zu denken entstehen Glauben und Wissen aus Denken als Bilderleben. „Bilderleben“ meint die Duplizität von Bilder-Leben der Fantasie und Bild-Erleben sowohl der Seele als auch des Geistes.


Denken als Bilderleben verdeutlicht, dass sowohl Glauben als auch Wissen die Fantasie als Ursprung vernachlässigen. Warum Fantasie als gemeinsamer Ursprung von Glauben und Wissen seit jeher tabuisiert wird, lässt sich nur vermuten.

24
Dez
2014

Tod

Der Körper ist das Haus der Seele. - Sollten wir unser Haus nicht pflegen, damit es nicht verfällt? (Philon von Alexandria, 20 v. Chr. - 50 n. Chr.)

Nach Auffassung vieler Mythen und Religionen ist der Tod jener Zeitpunkt, zu welchem die Seele ihr Haus verlässt, um nach Hause zurück zu kehren.

Leben wird als vorübergehender Aufenthalt der Seele betrachtet.
Diese Betrachtungsweise seines Lehrers stellt Platon in der Apologie dar. Sokrates erläutert seine Auffassung in seiner Verteidigungsrede nach seiner Verurteilung zum Tod durch den Schierlingsbecher:

"Lasst uns aber auch so erwägen, wieviel Ursache wir haben zu hoffen, es sei etwas Gutes. Denn eins von beiden ist das Totsein: entweder so viel als nichts sein noch irgend eine Empfindung von irgend etwas haben, wenn man tot ist; oder, wie auch gesagt wird, es ist eine Versetzung und Umzug der Seele von hinnen an einen andern Ort. Und es ist nun gar keine Empfindung, sondern wie ein Schlaf, in welchem der Schlafende auch nicht einmal einen Traum hat, so wäre der Tod ein wunderbarer Gewinn. Denn ich glaube, wenn jemand einer solchen Nacht, in welcher er so fest geschlafen, dass er nicht einmal einen Traum gehabt, alle übrigen Tage und Nächte seines Lebens gegenüberstellen und nach reiflicher Überlegung sagen sollte, wie viel er wohl angenehmere und bessere Tage und Nächte als jene Nacht in seinem Leben gelebt hat, so glaube ich, würde nicht nur ein gewöhnlicher Mensch, sondern der Großkönig selbst finden, dass diese sehr leicht zu zählen sind gegen die übrigen Tage und Nächte.

Wenn also der Tod etwas solches ist, so nenne ich ihn einen Gewinn, denn die ganze Zeit scheint ja auch nicht länger auf diese Art als eine Nacht. Ist aber der Tod wiederum wie eine Auswanderung von hinnen an einen andern Ort, und ist das wahr, was gesagt wird, dass dort alle Verstorbenen sind, was für ein größeres Gut könnte es wohl geben als dieses, ihr Richter? Denn wenn einer, in der Unterwelt angelangt, nun dieser sich so nennenden Richter entledigt, dort die wahren Richter antrifft, von denen auch gesagt wird, dass sie dort Recht sprechen, den Minos und Rhadamanthys und Aiakos und Triptolemos, und welche Halbgötter sonst gerecht gewesen sind in ihrem Leben, wäre das wohl eine schlechte Umwanderung? Oder auch mit dem Orpheus umzugehen und mit Musaios und Hesiodos und Homeros, wie teuer möchtet ihr das wohl erkaufen?


Ich wenigstens will gern oftmals sterben, wenn dies wahr ist. Ja, mir zumal wäre es ein herrliches Leben, wenn ich dort den Palamedes und Aias, des Telamon Sohn, anträfe, und wer sonst noch unter den Alten eines ungerechten Gerichtes wegen gestorben ist: mit dessen Geschick das meinige zu vergleichen, das müsste, glaube ich, gar nicht unerfreulich sein. Ja, was das Größte ist, die dort eben so ausfragend und ausforschend zu leben, wer unter ihnen weise ist, und wer es zwar glaubt, es aber nicht ist. Für wie viel, ihr Richter, möchte das einer wohl annehmen, den, welcher das große Heer nach Troia führte, auszufragen, oder den Odysseus oder Sisyphos, und viele andere könnte einer nennen, Männer und Frauen: mit welchen dort zu sprechen und umzugehen und sie auszuforschen auf alle Weise eine unbeschreibliche Glückseligkeit wäre! Gewiss werden sie einen dort um deswillen doch wohl nicht hinrichten. Denn nicht nur sonst ist man dort glückseliger als hier, sondern auch die übrige Zeit unsterblich, wenn das wahr ist, was gesagt wird.“

23
Dez
2014

Augenblick

Augenblick ist das subjektive Zeitquant von höchs-tens drei Sekunden, die wir für eine Wahrnehmung oder einen Gedanken verwenden. Danach wenden wir entweder unsere Aufmerksamkeit einer anderen Wahrnehmung zu oder lenken unsere Konzentration auf einen anderen Gedanken. Sätze, deren Auf-nahme mehr als drei Sekunden benötigt, werden nicht vollständig aufgenommen, sondern überlesen.
Folglich gilt es, sich dementsprechend kurz zu fas-sen. Eine Aufforderung, der besonders ich, der zu langatmigen Sätzen neigt, nachkommen muss.
Augenblicke verkürzen sich, wenn Aufmerksamkeit oder Konzentration zunehmen. Sekunden der Ge-fahr werden als sehr viel länger empfunden als Se-kunden großer Freude.
Wenn wir etwas erwarten dehnt sich die Zeit. Be-schäftigen wir uns dagegen mit etwas, das uns sehr interessiert, dann schrumpft sie.
Gefühlte und tatsächliche Dauer nähern sich um so mehr, je geübter wir in dem sind, was wir tun.
In jenem Augenblick, welchen wir Tod nennen, er-reichen wir die größte Zeitdehnung bei hoch sensib-ler Bewusstseinsorganisation. Während des Ster-bens steigt der Energiebedarf des Gehirns so hoch, dass Licht erzeugt wird. Der Augenblick des Ster-bens erzeugt gleichsam einen Lichttunnel, durch den wir das Diesseits verlassen, um ins Jenseits zu wechseln. Der Augenblick dieses Wechsels, in dem endliches Leben in Unendlichkeit übergeht, heißt „Totzeit“. (1968)

22
Dez
2014

Mystische Ereignisse

Mystische Ereignisse sind natürlicherweise (wesentlich) wahr. Es ist daher müßig zu fragen, ob die vom Trauernden empfundene Anwesenheit eine Verstorbenen sich tatsächlich so ereignet oder nicht.

So merkwürdig das für meditativ Unerfahrene zunächst klingt, künstlerisch abstrakte Räume finden sich jederzeit allenorts in der Natur. So kann ein Spaziergang in der Natur mystisch ebenfalls sehr hilfreich sein bzw. helfend wirken.

Verstorbene erscheinen den um sie tief Trauernden weniger konkret als vielmehr „abstrakt“ als Gefühl. Dieses Gefühl kann so intensiv sein, dass unmittelbare Anwesenheit Verstorbener empfunden wird.
Künstlerisch abstrakte Innenräume scheinen durch die Architektur in Klöstern beschaulicher Orden auf besondere Weise hervor, also genau dort, wo zugleich Mystik zu Hause ist.
Mystisch ist Schauen der Seele und nicht geistiges Wahrnehmen. Wenn die Seele „Liebe“ schaut, vermag geistige Wahrnehmung das allenfalls künstlerisch ideenhaft ausdrücken. Ein Liebesgedicht flüstert die innere Stimme der Seele der Künstler ins innere Ohr. Der Geist vermag oft nicht auszudrücken, was die Seele zu sagen vermag.

Nähe des Geliebten

Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.

Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wanderer bebt.

Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt
Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.

Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne
O wärst du da!

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Religiöse Mystiker vergegenwärtigen sich katathyme Eingebungen durch immer-währendes Beten.

21
Dez
2014

Nähe des Schutzgeistes

Einsichten in Augenblicke des Schutzgeistes ereignen sich selbst als Augenblick (1 bis 3 Sekunden). Subjektiv wird diese Einsicht zugleich als Blitzaufladung erfahren. Philosophieren vermag dazu verhelfen, solche Einsichten vorzubereiten. Wie wir bereits von der Abstraktion her annehmen können, müssen solche Vorbereitungen aus geeigneten Abstrakta bestehen. Diese Abstrakta dürfen das subjektive Zeitquant von etwa drei Sekunden nicht übersteigen.

Übungen der Annäherung sind sprachliche Verdichtungen wie das inhaltliche Verknüpfen von kurzen Sätzen wie z.B.
A) „Duplizität“ meint Einheit des Gegensätzlichen. „Gegensätzlich“ ist Negatives zu Positivem. „Negatives“ bedeutet Verneinung charakteristischer Merkmale.
B) Veranschaulichen von A) durch Beispiele: „Hitze und Kälte“ gefährden die Gesundheit. Bei „Hitze“ direkte Sonneneinstrahlung meiden, bei „Kälte“ Schutzkleidung tragen. Schnelle „Atome“: Mehr Wärme. Langsame „Atome“: Weniger Wärme. Bei etwa -275 Grad Celsius bewegen sich die Atome nicht mehr, Hitze kennt keinen Grenzwert.

Versuchen Sie täglich A) eine Konnexion aus drei Sätzen, B) Veranschaulichung dieser Sätze.
Alternativ hilft das Einprägen (!) mystischer Poesie.

Mystische Texte von Urs:

Kosmos des Wir

das Eine so stark
wie das Andere

ein jedes fühlt sich

gespiegelt
einzigartig

das Wir atmet

grenzfreier Raum
des Lichts
 


Magie des Blicks

Anziehung

Seele Herz Gefühl

Gespür leitet
hin zu

das Einzigartige
in mir
erkennt das Gleiche
im Wir

Sinn
 

wir leben

wir erleben einander

das Gemeinsame
trägt
soweit das Wir reicht
logo

Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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If a priori represents a metaphysical congruence with...
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Es gelten die Rechtsvorschriften für Webseiten der Universität Flensburg © Texte: Wolfgang F. Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) wfschmid(at)me.com Bilder: Ulrike Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) mail(at)ulrike-schmid.de

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