Unilogo

3
Mrz
2016

Wahrnehmen verlernt


„.. wir sind ohne Bildung, noch mehr,
wir sind zum Leben, zum richtigen und einfachen Sehen und Hören, zum glücklichen Ergreifen des Nächsten und Natürlichen verdorben und haben bis jetzt noch nicht einmal das Fundament einer Kultur,
weil wir selbst davon nicht überzeugt sind, ein wahrhaftiges Leben in uns zu haben.“

Es sind vor allem zwei Aussagen des Philosophen Friedrich Nietzsche, die das, was ich intuitiv empfinde, ausdrücken. Die erste Aussage beinhaltet seine Kritik an der Pädagogik, die uns jene Erziehung und Bildung aufdrängt, durch welche das unvoreingenommene Sehen verlernen.

"Man mache sich nur einmal mit der pädagogischen Literatur dieser Gegenwart vertraut; an dem ist nichts mehr zu verderben, der bei diesem Studium nicht über die allerhöchste Geistesarmut und über einen wahrhaft täppischen Zirkeltanz erschrickt. Hier muss unsere Philosophie nicht mit dem Erstaunen, sondern mit dem Erschrecken beginnen: wer es zu ihm nicht zu bringen vermag, ist gebeten, von den pädagogischen Dingen seine Hände zu lassen."

Die Begründung Nietzsches für diesen Missstand in der Pädagogik fällt scharf aus:

"Dass es aber trotzdem nirgends zur vollen Ehrlichkeit kommt, hat seine traurige Ursache in der pädagogischen Geistesarmut unserer Zeit; es fehlt gerade hier an wirklich erfinderischen Begabungen, es fehlen hier die wahrhaft praktischen Menschen, das heißt diejenigen, welche gute und neue Einfälle haben und welche wissen, dass die rechte Genialität und die rechte Praxis sich notwendig im gleichen Individuum begegnen müssen: während den nüchternen Praktikern es gerade an Einfällen und deshalb wieder an der rechten Praxis fehlt."

Die Folgen solcher Erziehung und Bildung: "wir sind ohne Bildung, noch mehr, wir sind zum Leben, zum richtigen und einfachen Sehen und Hören, zum glücklichen Ergreifen des Nächsten und Natürlichen verdorben und haben bis jetzt noch nicht einmal das Fundament einer Kultur, weil wir selbst davon nicht überzeugt sind, ein wahrhaftiges Leben in uns zu haben. Zerbröckelt und auseinander gefallen, im Ganzen in ein Inneres und Äußeres, halb mechanisch zerlegt, mit Begriffen wie mit Drachenzähnen übersät, Begriffs-Drachen erzeugend, dazu an der Krankheit der Worte leidend und ohne Vertrauen zu jeder eigenen Empfindung, die noch nicht mit Worten abgestempelt ist : als eine solche unlebendige und doch unheimlich regsame Begriffs- und Wortfabrik habe ich vielleicht noch das Recht zu sagen cogito ergo sum, nicht aber vivo, ergo cogito. Das leere "Sein", nicht das volle und grüne "Leben" ist mir gewährleistet, meine ursprüngliche Empfindung verbürgt mir nur, daß ich ein denkendes, nicht daß ich ein lebendiges Wesen, daß ich kein animal, sondern höchsten ein cogital bin. Schenkt mir erst Leben, dann will ich euch auch eine Kultur daraus schaffen!"

Als Grundvoraussetzung für richtiges und einfaches Sehen und Hören, zum glücklichen Ergreifen des Nächsten und Natürlichen gilt dem Philosophen Nietzsche die Überzeugung, ein wahrhaftiges Leben in sich zu haben. Seiner Ansicht nach stört das Fehlen einer solchen Überzeugung das Wahrnehmen ganz empfindlich.

Auf den Punkt gebracht bedeutet das: Wer ‚unvor-eingenommen' äußerlich (sinnlich) wahrnehmen will, muss von innen (geistig) nach draußen schauen. Wer sich nicht mit der Fantasie als Verfremdung des Wahrnehmens auseinandersetzt und aufklärt, vermag nicht zu erfassen, was in Wahrheit geschieht.

Der Rückgang in den Ursprung allen Erkennens gelingt der Vernunft, indem sie nach innen schaut. Diese Sichtweise lässt sich verhältnismäßig leicht als Bewusstwerden beschreiben.

Bewusstwerden lässt sich entweder durch Aufmerk-samkeit oder Konzentration ausrichten. Durch Aufmerksamkeit werden sinnliche (äußere) Wahrneh-mungen bewusst, durch Konzentration geistige (innere). Will man den Ursprung allen Erkennens schauen, dann geschieht das natürlich durch Konzentration. Wie weit man nach innen sehen kann, das hängt natürlich davon ab, wie stark man sich konzentriert.

Als Vergegenwärtigen von inneren Bildern oder Vorstellungen vollzieht sich Konzentrieren gleichsam noch ohne Aufwand. Man braucht dazu keine geistige Kraft. Sich etwas vorstellen, das geht so einfach wie sich erinnern. In der Regel muss sich niemand anstrengen, um sich zu erinnern.

Fragt man sich aber, was dem Vorstellen innerer Bilder vorausgeht, dann benötigt man geistige Kraft. Fragen kostet Kraft, und es hängt von der Art und Weise des Fragens ab, wie viel Kraft erforderlich wird. Die Frage „Wer oder was?“ kostet allerdings kaum Kraft, weil man sich lediglich erinnern muss, um diese Frage zu beantworten. Der Philosoph Sokrates aber kam als Erster auf die Idee die Frage „Was ist das?“ radikal umzudeuten. „Was?“ verlangt bei Sokrates nicht, etwas wiederzukennen, sondern vielmehr das Wesen von Etwas zu bestimmen. Als Wesensfrage braucht „Was?“ entschieden mehr Kraft als eine bloße Bestimmungsfrage.

Sobald wir wahrnehmen, erfassen wir nicht mehr, was wesentlich ist. Stattdessen nehmen wir oberflächlich wahr. Wenn wir einen Baum wahrnehmen, endet das Erfassen gewöhnlich mit der Feststellung „Das ist!“, mit bloßem Identifizieren also.


2
Mrz
2016

Kontemplation


Wahrheit: „Im Gegensatz zur Meditation wird Kontemplation nicht durch Einstellungen gesteuert. Kontemplation organisiert sich erwartungslos. Bedingung der Möglichkeit der Kontemplation ist Loslassen. Vision als Ziel des kontemplativen Weges wird augenblicklich geboren.
Im Jetzt des Augenblick erscheint eine Vision gleichsam urplötzlich als intuitiver Blitz!“

Seele: „Wie gelange ich eigentlich in den Augenblick?!“

Wahrheit: „Du lässt alle Gedanken los und wendest den inneren Blick bei geschlossenen Augen konzentriert nach innen, bis sich durch diesen Einblick das innere Auge öffnet“
Diese Schauen im Augenblick kündigt sich gewöhnlich durch blaue Lichtpunkte an. Konzentriere dich dann auf einen dieser Punkte und halte ihn fest, bis er sich dir öffnet und du schauen kannst, was sich nur sehr kurzfristig zeigt!“

1
Mrz
2016

Tod


Vernunft: „Verstand ist die rationale Seite der Vernunft, Seele deren emotionale Seite.
Wir werden deshalb nie erfahren, was während des Sterbens geschieht. Mit dem Hirntod ist auch der Verstand tot, und ohne den Verstand könnte sich die Seele niemals mitteilen, gleichgültig, ob sie nun den Tod überlebt oder nicht!“

Seele: „Intuition braucht keinen Verstand. Sie vermag sich auch ohne Logik mitzuteilen!“

Verstand: „Wir bilden ein Einheit, und durch den Tod wird diese Einheit gebrochen! Und von allem existiert dann nichts mehr!“

Wahrheit: „Nicht der Verstand richtet meine Offen-barung, da ich mich unmittelbar nur der Seele offenbare. Es ist wahr, dass der Verstand zum Tod nichts zu sagen hat!

Verstand: Allen Theorien über den Tod mangelt es tatsächlich an Beweiskraft. Auch Religionen verlieren zunehmend mehr an Glaubenskraft. Das bedeutet tatsächlich, dass es zum Tod nichts (mehr) zu sagen gibt.

Wahrheit: „Sturheit hilft niemandem weiter. Es müssten die Möglichkeiten intuitiver Beweiskraft ehrlich geprüft werden.

Seele: „Um diese Möglichkeit überhaupt verwirklichen zu können, müssen Visionen und Wunder als emotionale Anschauungsformen erst einmal anerkannt werden. Solange sogenannte Wunder nicht als Belege jenseitiger Existenz nicht akzeptiert wer-den, ist an eine intuitive Beweiskraft nicht zu denken.
Vergleichbare Schwierigkeiten gibt es mit den Selbstheilungskräften.
Obgleich deren Heilwirkung unbestritten ist, lässt sich deren Ursache nicht wirklich beweisen.


28
Feb
2016

Zur Vernunft kommen


Wahrheit: „Nach dem langen Streit auf Grund der Zwiespältigkeit von Seele und Geist, ist es an der Zeit, vernünftig zu werden!“

Vernunft: „Wissen und Glauben wandeln sich in die Duplizität ‚Theorie und (mögliche) Praxis’!“

Wahrheit: „Theorie als mögliche Praxis besagt, dass Wissen so lange unglaubwürdig bleibt wie es sich nicht durch Praxis bestätigt.“

Vernunft: „Was bedeutet das im Hinblick auf Religi-onen?“

Wahrheit: „Glauben wird durch die Praxis der wissenschaftlichen Anerkennung von Wundern bestä-tigt!“

Vernunft: „Konsequenterweise würde das bedeuten, dass sich der Glaube an die Existenz Gottes praktisch durch den persönlichen Vorschein Gottes bestätigen müsste!“

Wahrheit: „Das setzt voraus, dass der Glaube auch tatsächlich echt ist, also gelebt wird!“

Vernunft: „Aber wer kann das schon ohne doch dabei insgeheim irgendwie zu zweifeln?“

Wahrheit: „Das ist das große Problem des Glaubens! Sogenannte Heilige haben das jedenfalls für sich gelöst!“

Seele; Ist Gottes Existenz denn jener Art und Weise, welche der Mystiker Angelus Silesius beschreibt?

Wahrheit: „Es verhält sich so!“


27
Feb
2016

Die Wahrheit als Moderatorin


Wahrheit: „Es ist an der Zeit einzuschreiten. Es kommt weder dem Verstand noch der Seele allein zu, über das Verhältnis von Wissen und Glauben zu entscheiden.
Schon die Philosophen zu Beginn der abendländischen Kultur erkennen dieses Problem. Sie bestimmen den Menschen deshalb nicht weder als mit Verstand begabten noch als mit Seele ausgestatteten Lebewesen.
Statt dessen wählen sie das Wort „Vernunft“ als das Vermögen Bilder-Leben zu formen und Bild-Erleben zu gestalten. Sie nennen diese Einheit „logos“ (λόγος) und verstehen darunter „Bilderleben“, also das gleichzeitige Formen der Fantasie und Gestalten des Verstandes.
Sie unterscheiden nicht zwischen Glauben und Wissen, sondern sehen im Denken die Aufgabe, für den Menschen anstelle der Religionen Daseinsorientie-rungen zu schaffen.
Ich schlage deshalb vor, auf den Streit zwischen Glauben und Wissen zu verzichten. Einigt euch vielmehr auf die Duplizität von Logik der Fantasie!“

Verstand: „Verstand als ‚Ordnen der Fantasie’, das ist eine Bestimmung, die ich gut annehmen kann!“

Seele: „Vernunft als Einheit von Verstand und Seele scheint auch mir für mich eine hilfreiche Bestimmung zu sein!“

Verstand: „Somit zerfällt die Dreiheit Körper, Seele, Geist zur Einheit von Körper und Vernunft! Verstand und Seele sind nicht für sich selbständig, sondern wechselseitig voneinander abhängig!“

Wahrheit: „Folgerichtig wandelt sich der Dialog von Seele und Verstand zum Zwiegespräch zwischen Wahrheit und Vernunft!“

26
Feb
2016

Nichts und Sein sind nur rational dasselbe

Verstand: „Es ist der Philosoph Sokrates, der zuerst im Besonderen das Allgemeine gesehen hat und im Besonderen das Seiende und im Seienden das Sein!“

Seele: „Du willst rational durch eine Tür, die sich Dir allein emotional öffnet. Als Verstand schaust Du das Sein so abstrakt, bis es mit dem Nichts unterschiedslos verschmilzt. Rational mag das zwar gehen, emotional aber keineswegs. Als Seele schaue ich das Nichts nicht als reines Sein, sondern als reines Fühlen. Dem Nichts entzieht sich alles, was auch nur im Entferntesten mit Verstand zu tun hat. Das Nichts ist absolut sprachlos.

Das Nichts sind absolute, reine Intuitionen, ursprünglich gewachsen auf dem Boden der Erfahrungen.

Es ist wie bei Demenz. Erlebnisse, Erfahrungen, Kenntnisse und Erkenntnisse schwinden und können nicht mehr erinnert werden, aber die emotionale Persönlichkeit bleibt. Demenz ist der Entzug der rationalen Persönlichkeit. Aber die Gefühlswelt bleibt vollständig erhalten. Demente teilen sich größtenteils rein intuitiv mit. Ich meine, dass das Nichts ist eher das, was Seele und weniger das, was Verstand ausmacht. Wenn die Seele das Haus des Daseins verlässt, verliert sie sich nicht wie der Verstand im Nichts, sondern kommt vielmehr bei sich selbst zu Hause an!“

Verstand: „Findest Du das nicht eine viel zu gewagte Fantasie?“

Seele: „Du besitzt Logik und ich Fantasie!
Intuitionen können sich mir allein über die Fantasie mitteilen. Das sind zumeist Träume oder Visionen. Diese Offenbarungen der Wahrheit gelangen einzig und allein durch Glauben zum Vorschein. In Bezug auf Wissen ist das natürlich alles nicht wirklich seiend!“

Verstand: „Es verhält sich wohl doch so, dass eine saubere Trennung von Seele und Verstand akzeptiert werden muss!“


25
Feb
2016

Pause


Einhalt in der Zeit
Routinen-Lücke
Zwischen Vor und Nach


Exkursion ins Nichts


Verstand: „Als Bilderleben erfährt das Denken Schwierigkeiten, sobald es an die Grenzen der Veranschaulichung stößt. Jenseits dieser Grenzen beginnt das Theoretisieren, d. i. das Schauen des noch nicht Seins.
Sobald diese Grenzen überschritten werden, verlässt man die Wirklichkeit. Das unmittelbare Dasein entzieht sich. Die Mittelbarkeit des Ermöglichens beginnt und Räume lösen sich auf. Zeiten erscheinen nur noch vage als zweiseitig offener Pfeil des Ordnens inmitten eines Jetzt. Diesem Moment sind die Vergangenheit vor- und die Zukunft nachgeordnet. Folgt man diesem Zeitpfeil in Richtung Zukunft, dann erreicht man mögliche Wirklichkeiten. Indem das Seiende mögliche Wirklichkeiten seiner Vergangenheit schaut, erkennt es die Versäumnisse für seine Zukunft. Dieser Mangel wird im hochbewussten Zustand im Augenblick jederzeit erfahren.
Aus solchem Mangel erwachsen durchaus nicht selten schöpferische Ideen als Blick in zukünftig Mögliches.“

Seele: „Das, was Du schaust, ist eigentlich nicht sichtbar! Erkläre mir also, welcher Art dieses Schauen ist!“

Verstand: „Ja, ich sehe was, das Du nicht siehst!
Dieses Sehen wird ‚Fantasieren’ genannt. Fantasie ersetzt wirkliches Sein durch möglichen Schein! Ich nehme an, dass hierfür entsprechende Begabung erforderlich ist. Diese Begabung projiziert ins Be-wusstsein nicht wirkliches, sondern mögliches Bil-derleben. Aus Bilder-Leben kann sich eine Theorie entwickeln und aus Bild-Erleben eine Methode.“

Seele: „Das Nichts ist nicht mehr als mein Fantasie-produkt!
Ich nämlich bin es, die Dir diese Ideen eingibt. Und naturwissenschaftliche Theorien entstammen letztlich alle sämtlich meiner weiblichen Intuition. Das Schöpferische ist insgesamt wesentlich mir der Seele zu eigen. Eines, was meine Fantasie in Dir schafft, das vermagst Du zu beweisen und somit zu wissen, Anderes musst Du glauben!“

Verstand: „Wenn Einsteins Theorie der Relativitäts-theorie genau so intuitiv entstanden ist wie der Glaube an die Existenz Gottes, dann beweisen Naturwissenschaften letztlich auch die essentielle Qualität des Glaubens! Ich bin beeindruckt!“

Seele: „Die Existenz von Gravitationswellen kannst Du beweisen, die Existenz Gottes aber entzieht sich bislang Deiner Beweiskraft!“

Verstand: „Intuition schafft gleichsam aus dem Nicht. Die schöpferische Kraft der Kraft ist gleichsam göttlich und insofern Wegmarke auf der Suche nach Gott. Ich verstehe, obgleich es unbeweisbar ist!“

Seele: „Ich sehe, Du machst Fortschritte!“

Verstand: „Noch mehr, wenn Du mir weiter hilfst!

Seele: „Sobald Sein ins Nichts wechselt, wandelt sich Denken in abstrahierende Fantasie. Sobald Du das Haus des Seins verlässt, fällst Du aus deinen Wirklichkeiten in deren Möglichkeiten. Diese möglichen Wirklichkeiten werden von wirklichen Möglichkeiten angezogen, um von möglichen Möglichkeiten angezogen zu werden. Intuition bildet gleichsam ei-nen Tunnel von wirklicher Gegenwart zum gespiel-ten Augenblick, der als kairós als erspielter Zufall zum Vorschein gelangt. Mit Hilfe dieses Tunnelns gelangt intuitives Denken in Kontakt zu Gewese-nem. Das ist zwar klar, aber vollkommen unklar, auf welche Art und Weise das geschehen kann!
Das ich das Gewesene im Nichts befindet, ist es von reinem Geist a priori, folglich für vernunftbegabte Wesen nicht mehr unmittelbar erreichbar. Ich schließe nicht aus, dass eine intuitives mittelbares Erreichen möglich ist, wenngleich rational sehr schwer deutbar!“

Seele: „Wie wir bei der Eingebung von Ideen zu-sammenarbeiten, so wird das bei Intuitionen auch von uns verlangt. Als Beispiel wähle ich das merk-würdige Phänomen vom Stehenbleiben der neuen Armbanduhr.
Genau zu ihrem Todeszeitpunkt bleibt Ulrikes neue Armbanduhr stehen! Intuitiv deute ich das als ein Zeichen, das sie mir geben will! Was sagst Du dazu?“

Verstand: „Dieses Zeichen ist für einen Uhrenfan bestimmt. Es ist unwahrscheinlich, dass eine neue Uhr mit neuer Batterie zu einem solchen Zeitpunkt stehen bleibt. Dennoch kann es sich um eine zufällige technische Störung handeln. Deine Intuition deutet diesen Zufall als von der Sterbenden herbeigeführt, um ein Zeichen zu geben. Kann sein, aber eben nicht überprüfbar!“

Seele: „Und wenn es mehrere vergleichbare Zeichen gibt?“

Verstand: „Dann wächst zwar die Wahrscheinlich-keit, dass Deine Zeichendeutung zutrifft, aber den Mangel fehlender Überprüfbarkeit behebt das nicht!“

Seele: „Für mich stellt das keinen Mangel dar, weil ich meiner Intuitionen sicher bin! Glauben genügt mir!“

Verstand: „Jeder glaubt seinen Projektionen!“


24
Feb
2016

Teufel


Gegenteil von gut
guter Gott böser Teufel
Warum braucht Ja Nein?


Vermutungen über die Existenz Gottes


Verstand: „Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich nicht so wohl mit Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, so fern diese a priori möglich sein soll, überhaupt beschäftigt.“ (Immanuel Kant: AA III, 43).
Kategorien existieren beispielsweise vor aller Anschauung, bilden also als solche transzendentale Erkenntnisse. Kategorie ist ein Grundbegriff der Logik, der Ontologie und der Metaphysik und meint die Grundmerkmale des Seienden.
Ich nehme als Beispiel die Kategorie der Zeit. Als Form des Verstandes a priori kommt Zeit allem Seienden zu. Alles Seiende ist zeitlich, also Werdendes. Zeit als Phänomen a priori lässt sich a posteriori erfassen, indem man sie misst.
Die erste Uhr des Menschen tickt nur einmal am Tag, unsere sich drehende Erde. Der Mensch nutzt seit jeher die gleichbleibende Drehung der Erde zur Zeitmessung. Der Mensch nutzt die ständige Wiederholung als Uhr. Zeit ist ein Kreislauf, ein immer wiederkehrender Prozess.
Uhren können Zeit anzeigen, aber was genau Zeit ist, verraten sie uns nicht. Albert Einstein erschüttert die Welt mit einer radikalen neuen Betrachtung der Zeit. Er entdeckt, dass die Zeit unterschiedlich schnell vergehen kann. Es gibt nicht die eine Zeit, es gibt Zeiten entsprechend unterschiedlichen Bewegungen im Raum. Solange man sich nicht im Raum bewegt, findet die Bewegung vollkommen in der Zeit statt. Die Bewegung durch den Raum be-einflusst die Bewegung durch die Zeit. Die Zeit vergeht um so langsamer, je schneller man sich bewegt. Raum und Zeit sind voneinander abhängig. Sie sind in der sogenannten Raumzeit miteinander verknüpft. Die grassen Unterschiede zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft existieren in der Raumzeit nicht. Sie verschwinden um so eher, je schneller wir uns vom jetzigen Standort entfernen.
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind gleich wirklich. Der Unterschied ist nur eine Illusion. Der durch den Urknall verursachte Zeitpfeil bewirkt die Richtung von Vergangenheit in die Zukunft und von Ordnung hin zur Unordnung (Entropie).
Ich nehme nun an, dass Du mit dem Tod in der Raumzeit verbleibst und die Allgegenwart Deines Lebens erfährst, also den Ortspunkt Deines Lebens frei wählen kannst. Und ich nehme ferner an, dass das, was Gott genannt wird, als Intuition der raumzeitlicher Existenz erfahren wird.“

Seele: „Zeit a priori erscheint also theoretisch als Raumzeit, die auch nach und nach empirisch a posteriori verifiziert wird.
Das lässt mich entsprechend sagen, dass die mystische Erfahrung der Existenz Gottes zugleich auch als eine geistige Erfahrung erscheint. Allerdings haftet meiner Formulierung der Mangel eines nur vermuteten ‚a priori’ an.“

Verstand: „Verstehe, dass Dir die Existenz Gottes wichtig ist. Schließlich existierst Du aus dem Glauben heraus an diese Existenz. Ich betrachte aber als unsere Gemeinsamkeit, als neuronale Funktion des Gehirns a priori nicht existent zu sein. Aufgrund dieser Abhängigkeit kann ich mir eine Existenz nach dem Hirntod nicht vorstellen.

23
Feb
2016

In der Gegenwart Gottes


Versenkung des Ichs
Fantasieren über Gott
ein mystischer Traum


Intuitiver Beweis


Seele: „Die Intuition oder Empfindung ist die Fähigkeit, Einsichten oder subjektive Stimmigkeit von zu erlangen, ohne Gebrauch des Verstandes also ohne bewusste Schlussfolgerungen. Intuition ist Teil schöpferischer Entwicklungen. Der Verstand führt nur noch aus oder prüft bewusst die Ergebnisse, die aus dem Unbewussten kommen.
Ich stimme als einer emotionalen Einsicht zu, wenn diese von einem positiven Gefühl begleitet wird. Ich bin durch das da bzw. anwesend, was ich empfinde. Empfinden ist das, was mein Wesen ausmacht. Dieses Sein bevorzuge ich allem verstandesmäßigen Ordnen.“

Verstand: “Ich stimme Dir zu, dass es einer existen-tiellen Entscheidung bedarf, um zu erkennen, ob man der rationalen oder emotionalen Seite bewussten Verhalten zuneigt.“

____
[1] Hans Ludwig Held: Angelus Silesius. Sämtliche poetische Werke inI drei Bänden. (Band 1: Die Ge-schichte seines Lebens und seiner Werke. Urkun-den; Band 2: Jugend- und Gelegenheitsgedichte. Heilige Seelenlust oder geistliche Hirten-Lieder der in ihren Jesus verliebten Psyche. (Enthält auch: Bonus Conciliarius und Christliches Ehrengedächtnis des Herrn Abraham von Frankenberg]; Band 3: Cherubinischer Wandersmann. Sinnliche Beschreibung der vier letzten Dinge.) 2. Aufl. München 1924)

Seele: „Verstand, Du bist zu stur. Es geht mir um keine existentielle Entscheidung, sondern um sowohl emotionales als auch rationales Erkennen. Lass uns also nach dem suchen, was uns eint, und nicht nach dem, was uns trennt.
Vielleicht hilft uns folgende verrückte Idee weiter. Ich folge dem Mystiker Angelus Silesius in seiner Erfahrung, Gott als gleichsam rein subjektiven Rausch der Fantasie zu erfahren. Nehmen wir also einmal an, Gott existiert einzig und allein in der Fantasie des Subjekts. Ich nehme ferner an, dass diese Projektion dem unbewussten Spiel der Möglichkeiten zu verdanken ist. Auf Grund meiner Annahme behaupte ich nun, dass die subjektive Gotteserfahrung als ein Geschenk des allgegenwärtigen Spiels unendlicher Möglichkeiten zum Vorschein gelangt.
Man könnte das Spiel unendlich möglicher Möglich-keiten auch als einen der Natur innewohnenden Geist betrachten. Dieser unendlich allgegenwärtige Geist entzieht sich jeglichem wissenschaftlichen Denken und offenbart sich einzig und allein dem Glauben. Glauben bedeutet nunmehr das Vermögen, den Zuspruch des Geistes der Natur entweder emotional zu schauen oder rational wie beispielsweise Albert Einstein zu betrachten. Der Geist der Natur offenbart sich folglich ganz offensichtlich entweder dem Mystiker oder dem Genie!

Verstand: „Als eine wirklich entrückt verrückte Idee erscheint mir Deine Gottesidee, aber durchaus überaus interessant. Geist der Natur offenbart sich deshalb Mystikern und Genies, weil mystische Kontemplation und rein logische, physikalische Betrachtung den zureichenden Grund gemeinsam habe. Mystisches Schauen und reine Theorie gelangen einzig und allein durch transzendentale Fantasie des Unbewussten zum Vorschein.“

22
Feb
2016

Vision


Seins Attrappe
Triebhafte Projektion
Selbst-Befriedigung


Existenz Gottes


Seele: „Ich glaube an die Existenz Gottes. Du aber vermagst als Verstand diese Existenz nicht zu bejahen, weil Dir Beweise fehlen.
Der Dichter und Mystiker Angelus Silesius schreibt im Cherubinischen Wandersmann:
„Gott lebt nicht ohne mich
Ich weiß, daß ohne mich Gott nicht ein Nu kann leben,
Werd' ich zunicht', er muß von Not den Geist aufgeben.“
Demnach erweist sich Gott lediglich als subjektiv empfundene Analogie zum Tagtraum. Damit muss jeder Gläubige leben. Er darf sich nicht von dir dazu verführen lassen, nach Beweisen zu suchen!“

Verstand: „Und Angelus Silesius erklärt zurecht:
„Gott ergreift man nicht

Gott ist ein lauter Nichts, ihn rührt kein Nun noch Hier:
Je mehr du nach ihm greifst, je mehr entwird er dir.“

Und der Verstand fährt fort: „Es wäre gut, wenn du das endlich beherzigen könntest!“ Du musst schließlich akzeptieren, dass uns Welten trennen!“

Seele: „Ich habe keine Schwierigkeiten damit. Mich interessieren nicht die wenigen rationalen Beweise, sondern vielmehr die vielen emotionalen Beweise.

21
Feb
2016

Traum


unbewusstes Spiel
Sprachbilder der Erfahrung
schöpferische Kraft


Freiraum


Seele: „Glauben ist gleichsam Vorspiel der Wissenschaften. Als Spiel aller Möglichkeiten ist Glauben wesentlich schöpferisch. Die wissenschaftliche Idee bleibt folglich eine Angelegenheit des Glaubens. Das Wort Theorie (griechisch θεωρεῖν theorein ‚beobachten, betrachten, [an]schauen‘; θεωρία theoría ‚Anschauung, Überlegung, Einsicht, wissenschaftliche Betrachtung‘) beinhaltet dieses durch seine Bedeutung als inneres Schauen.
Wer also eine Theorie entwickelt, tut dies, weil er an die Verwirklichung seiner Idee glaubt.“

Verstand: „Dieser Deiner Überlegung vermag ich durchaus zustimmen! Aber ich meine, dass sich eine Theorie durch deren Übertragung auf die Praxis verselbständigt. Die Wahrheit der ursprünglich geglaubten Theorie wandelt sich durch empirische Verifikation in die Richtigkeit wissenschaftlicher Bewei-se!“

Seele: „Wissen bestätigt also Glauben! So erweist sich Glauben nicht nur als wahr, sondern zugleich auch als richtig!“
Verstand: „Aber längst nicht alles, was geglaubt wird, lässt sich auch beweisen. Für mich aber ist Glauben ohne wissenschaftlichen Beweis nichts wert!“

Seele: „Das unterscheidet uns wohl wesentlich, und es erscheint unsinnig, einen gemeinsamen Nenner finden zu wollen. Für mich gilt eben auch die intuitive emotionale Zustimmung als Beweis!“

Verstand: „Dann solltest Du Dich mit mir, sondern mit der Intuition auseinandersetzen!“

Seele: „Was soll diese unverständliche Bemerkung? Mich mit meiner Intuition, mit mir selbst also, zu unterhalten, das führt doch nicht weiter!“

Verstand: „Selbst-Dialoge führe ich ständig. Denken ist ja für mich so etwas wie mit mir selbst sprechen. Ohne diese Reflexionen könnte ich wohl kaum existieren! Ich nehme an, dass es sich doch bei Dir entsprechend verhält. Was Für mich Denken bedeutet, das ist doch für Dich Intuition!“

Seele: „Ja, was für mich Begabung bedeutet, das ist für dich Intelligenz! Du akzeptierst nicht, was ich intuitiv verstehe. Dennoch nutzt Du es, sobald es Dir als eine Idee erscheint! Mir reicht Glauben aus, Dir nicht!“

Verstand: „Ja ich brauche Beweise für das, was Du nur glaubst!“


20
Feb
2016

Existenz


Schöner Schein des Seins
Tagträumende Fantasie
fiktive Utopie


Vision


Seele: „Solange wir Wissen und Glauben als Gegensätze betrachten, werden wir uns wahrscheinlich immer uneins sein. Deshalb fordere ich sowohl gefühltes Wissen als auch wissenden Glauben!“

Verstand: „Ich verstehe Dein nach Harmonie strebendes Anliegen! Aber dann erkläre mir auch einmal, was ich unter emotionaler Philosophie oder Mathematik verstehen soll. Ich könnte diese Fragestellung auch weiter fassen und nach den Bedingungen und Möglichkeiten emotionalen, wissenschaftlichen Denkens schlechthin fragen!“

Seele: „Wenn wir wissenschaftlich Denken wollen, müssen wir einen Begriff der Wahrheit haben, denn wissenschaftliche Theorien sollen ja wahr sein!“

Verstand: „Ich durchschaue Dich! Du beabsichtigst, dass ich Dir in Bezug auf die Wahrheit zustimme, um mir dann Glauben unterstellen zu können!“

„Seele: „Gebe durchaus zu, dass ich das beabsichtige, denn jeder wissenschaftlich Denkende und Handelnde muss doch wollen, dass seine richtigen Ergebnisse auch wahr sind! Wenn z. B. ein Arzt einem schwer kranken Menschen seine sehr geringe Lebenserwartung prognostiziert, dann kann das zwar richtig, muss aber nicht wahr sein! Es gibt hinreichend viele Beispiele, die beweisen, dass die durchaus richtige Prognose nicht wahr war!“

Verstand: „Sehr schlau eingefädelt! Aber nicht gut genug, um mich zum Einlenken zu bewegen. Ärztliche Prognosen werden immer mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit versehen! Deshalb sind sie immer nur mehr oder weniger wahrscheinlich, aber niemals richtig!“

Seele: „Dann räume mir bitte etwas mehr Zeit ein, um Dir darlegen zu können, wie ich das Problem sehe!“

Da auch dem Verstand an einer Einigung sehr gelegen ist, willigt er selbstverständlich spontan ein.

Seele: „Für erkenntnistheoretische Diskussionen der Aufklärung legt René Descartes im Jahr 1641 mit seinen Meditationen einen Grundstein. Er stellt folgende Frage: Was kann ich sicher wissen? Ob es kalt ist, ob hell oder dunkel, wie sich etwas anfühlt, ob etwas außer uns existiert: Alle diese angenommenen Wahrheiten lassen sich der logischen Möglichkeit nach infrage stellen. Denn es könnte sich bei ihnen genauso gut um Sinnestäuschungen handeln.
Bleibt also nichts, was wir als Wahrheit annehmen können? Doch, sagt Descartes: Wir mögen zwar möglicherweise diversen Sinnestäuschungen ausgesetzt sein, sind aber auch in der Lage, über diese Sinnestäuschungen nachzudenken. Dass wir denken, setzt aber die Existenz unseres Ichs voraus. Anders formuliert: Sobald wir denken, können wir uns zumindest einer Sache sicher sein: unserer eigenen Existenz. Kurzum: ‚Ich denke, also bin ich!’
Diese Feststellung ist sein philosophischer Ausgangspunkt, von dem aus er seine Erkenntnisse die Wirklichkeit betreffend entfaltet. Descartes denkt nämlich sehr wohl, dass man feststellen kann, ob man träumt oder wach ist. Oder anders: Wenn wir an allem zweifeln, können wir immer noch nicht daran zweifeln, dass wir zweifeln - sonst würden wir nicht zweifeln... Das zweifelnde ‚Ich’ kann also scheinbar nicht an sich selbst zweifeln - beim ‚Ich-Bewusstsein’ schlägt aller Zweifel um.

Letztlich entdeckt er in der Welt zwei unterschiedliche ‚Substanzen’ - einerseits den Geist und andererseits die Materie. ‚Substanz’ könnte man als ‚Selbständiges’ oder ‚Wesentliches’ beschreiben, das in der Welt ist. das lateinische Wort ‚substantia’ bedeutet ‚das, woraus etwas besteht’. Alles in der Welt ist laut Descartes entweder der unausgedehnte und unsichtbare Geist (das ‚Subjektive’) oder die ausgedehnte und sichtbare Materie (‚das Objektive’).
Ich bin der Ansicht, dass wir uns der Duplizität bzw. Dualität von Subjektivität und Objektivität stellen und die Duplizität von Glauben und Wissen akzeptieren müssen.
Es bleibt immer das Subjekt, dass Objekte wissen-schaftlich betrachtet. Folglich ist es selbstverständlich, dass wissenschaftlich arbeitende Subjekte glauben, dass ihre Resultate wahrscheinlich richtig sind.“

Verstand: „Mhm, daran habe ich doch nie gezweifelt! Aber, wenn ich es jetzt recht bedenke, bist Du der Ansicht, dass jedes Wissen mit Glauben verbunden bleibt!“

Seele: „Jedes Wissen wird aus dem Glauben an eine Idee geboren, und es bleibt insofern in diesem Glauben verhaftet.“

Verstand: „Man muss zwischen philosophisch wissenschaftlicher, künstlerisch schöpferischer, religiöser und persönlicher Überzeugung unterscheiden. Eine wissenschaftliche Aussage ist unabhängig von einem Subjekt richtig. Durch die wissenschaftliche Objektivierung vermag sich eine Aussage vom formulierenden Subjekt zu lösen und ist dann von diesem unabhängig zutreffend oder nicht. Auf alle anderen Arten von Aussagen trifft das nicht zu. Natürlich wird ein Wissenschaftler in aller Regel auch immer an das glauben, was er sagt und für richtig hält.
Du siehst hoffentlich ein, liebe Seele, dass Wissenschaft und Glauben nicht auf bzw. unter einen gemeinsamen Nenner zu bringen sind!“

Seele: „Der Philososoph Descartes betrachtet den Zweifel als letzte Instanz der Gewissheit. Das ist doch ein Gefühl oder nicht?“

Verstand: „natürlich begleitet methodischer Zweifel jede wissenschaftliche Arbeit. Zweifel ist notwendig, um sensibel für Fehlermöglichkeiten zu bleiben. Es wäre ja völliger Unsinn, anzunehmen, dass wissenschaftliches Arbeiten ohne Feingefühl auskommt!“


19
Feb
2016

Entdeckung des Ursprungs


Verstand: „Sokrates Entdeckung des Wesens bringt seinen Schüler Platon auf den Gedanken, Sein weder im Werden wie die Vorsokratiker zu suchen noch im Wesen wie Sokrates, sondern vielmehr im Seinwerden als Ursprung von allem selbst.“

Seele: “Platon entdeckt die Kunst des inneren Sehens (gr. idein ἰδεῖν). Das Betrachten des Verstandes vereinigt sich mit dem Schauen der Seele zum Denken als Kontemplation des Werdens als Sein.“

Verstand: „Das geht doch einfacher, denn du meinst doch wohl nichts Anderes als Kontemplation der Natur!?“

Seele: „So ist es! Der Philosoph behauptet nämlich, dass wir uns - wider der Täuschung durch unsere Sinne – unsere eigentlichen Wahrnehmung zuwenden sollen, das ist das innere Sehen (ἰδεῖν) oder Intuition.“

Verstand: „Leichter gesagt als getan!“
Seele: „Nein, ganz und gar nicht. Es verhält sich nämlich vielmehr umgekehrt: Es ist leichter zu tun als zu sagen!
Ja, es ist die Sprache, die uns den Weg versperrt und im Haus des Seins gefangen hält. Worte benennen jene Stäbe, die uns gleichsam hinter Gittern festhalten. Wir glauben, dass numerische und alphanumerische Zeichen tatsächlich auf das verweisen, was sie nennen.“

Verstand: „Du willst mir weismachen, dass z.B. das Wort „Haus“ nicht auf ein tatsächliches Haus verweist?“

Seele: „Ja genau das! Vergegenwärtige doch nur einmal, was du dir in Wahrheit vorstellst, wenn du „Haus“ sagst. Du weißt zwar, dass es sich um ein aus Beton, Steinen, Ziegeln usw. gebautes Gebäude mit meist rechteckigem Grundriss, das in verschiedene Räume und Stockwerke aufgeteilt ist und das Menschen als Wohnung oder Arbeitsraum dient, handelt, und Du siehst das auch in etwa vor dir, sobald du dieses Wort sagst. Aber, wenn du ein Haus betrittst, begegnest du keinem aus Beton, Steinen, Ziegeln usw. gebautem Gebäude, sondern einem Vorhaben, das dort stattfinden soll. Und niemand sieht einen Supermarkt vor sich, sondern immer nur das, was er einkaufen will. Nicht das Haus ist die Tatsache, sondern das, was dort tatsächlich stattfindet bzw. erlebt wird. Aufmerksamkeit richtet sich auf das, was sinnenfällig ist, Konzentration dagegen auf das, was erfahren wird.
Philosophieren ist im Gegensatz zu Naturwissen-schaften nicht nach außen, sondern nach innen gerichtet. Aber wir dürfen deshalb auch nicht philoso-phieren, als würden wir Naturwissenschaft betreiben.
Ich vergleiche einmal für dich naturwissenschaftliches und philosophisches Denken:

Naturwissenschaft: Philosophie:
Wahrnehmen empfinden
Betrachten unmittelbares Erkennen
Beobachten Bilder-Leben
Begreifen Bild-Erleben
Experimentieren Idee
Veri-/Falsifizieren Intuition“

Verstand: Es geht gerade nicht um eine Gegen-überstellung, sondern vielmehr um Wechselwirkungen wie:

Wahrnehmen als Empfinden,
Betrachten durch unmittelbares Erkennen,
Bilder-Leben beobachten,
Bild-Erleben erfahren,
Eingebungen prüfen,
Intuitives Offenbaren von Wahrheit!“

Seele: „Intuitive Einsichten aus der Tiefe des Unbewussten offenbaren sich wahrscheinlich als Visionen!“

18
Feb
2016

Genialer Einfall (Exkurs 2)


Der Verlust ihrer Götter lässt vielen Menschen ihr Dasein als sinnlos erscheinen. Immer mehr Fromme entziehen sich solcher Sinnlosigkeit, indem sie sich das Leben nehmen. Angesichts einer ständig wachsenden Selbsttötungsrate sucht Sokrates nach einem annehmbaren Ersatz für die verzweifelten Gläubigen.

Dem göttlichen Wesen entsprechend darf der religiöse Ersatz weder sinnlich vernehmbar noch vergänglich sein.

Der Mythos von der Vertreibung aus dem Paradies drängt jedem vernunftbegabten Lebewesen die Frage auf, ob eine solche Strafe überhaupt gerecht sein kann. Wie kann man jemanden überhaupt bestrafen, der nicht in der Lage ist, zu erkennen, was er tut.

Die Ungerechtigkeit der griechischen Götter sorgt dann letztendlich auch für den Untergang der mythischen Welt. Warum der christliche Gott angesichts der Ungerechtigkeit seinem Untergang entgeht, bleibt ungeklärt.

Das Bewusstsein von der Ungerechtigkeit der Götter lässt den Philosophen Sokrates die Frage nach dem stellen, was Gerechtigkeit eigentlich auszeichnet.

Nach Aristoteles ist Sokrates der erste, der nicht nur danach fragt, woraus etwas geworden ist, sondern danach, was es ist (τί ἐστι).

Ziel des Sokratischen Fragens ist eine allgemein gültige, unbezweifelbare Definition (ὁρισμός), die er in Gesprächen mit seinen Gesprächspartnern entdecken will. Dabei gibt sich Sokrates nicht mit einzelnen Fällen oder Beispielen einer Sache zufrieden.

So fragt er nicht nach Beispielen gerechten Handelns, sondern möchte wissen, was die Gerechtigkeit selbst ist. Er fordert seine Gesprächspartner auf, das Allgemeine (καθόλου, wörtlich: hinsichtlich des Ganzen) aus dem Einzelnen (ἕκαστον) herauszuarbeiten.

Das ist das, was bei aller Mannigfaltigkeit der Einzelfälle immer identisch bleibt. Aristoteles erklärt (Metaphysik, 1078b):

„Zweierlei ist es, was man mit Recht dem Sokrates zuschreiben kann: die Induktionsbeweise und die allgemeinen Definitionen; dies beides nämlich geht auf das Prinzip der Wissenschaft. Sokrates setzte das Allgemeine und die Begriffsbestimmungen nicht als abgetrennte, selbständige Wesen; die Anhänger der Ideenlehre aber trennten es ab und nannten dieses Ideen der Dinge."

Aristoteles nennt das Allgemeine, das vielem Besonderen zukommt, das Wesen (οὐσια) einer Sache. Er nennt den Begriff auch oft "λόγος und ὅρος", um die Notwendigkeit der sauberen Ab- oder Ein-grenzung in Bezug auf das vielerlei Einzelne aufzuzeigen. Daher rührt auch der lateinische Ausdruck für Begriff „definitio“ (Abgrenzung).

Mit der Entdeckung des Allgemeinen bzw. Wesens findet Sokrates das gesuchte, sinnlich nicht mehr Vernehmbare, das allen einer Gottheit gleich, als Orientierung zu dienen vermag.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Wesen bzw. Sein des Seienden wiederum als Gott gedeutet wird.


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Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

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