Unilogo

10
Jan
2015

Schutzgeist

Aus der Tiefe des Unbewussten schöpft die innere Stimme jene Worte, welche sie ins Bewusstsein flüstert. Lichtspuren von drüben, Widerschein einer Welt, die für Sinne unerreichbar bleibt.
Die Seele hat einen inneren Sinn für diese verborgene Welt. Weder der Vernunft noch dem Verstand offenbart sie sich. Das, was sich aus dieser Welt dem höchst empfindlichen inneren Ohr mitteilt, bedeutet dem Verstand nur unverständliches Rauschen, und auch die Vernunft vermag diese Eingebungen nicht zu deuten.

Platon beobachtet bei seinem Lehrer Sokrates, dass das besondere Reaktivieren innerer Sinne Wahrnehmen so vertiefen kann, dass meta ta physika (nicht sinnlich vernehmbare Erscheinungen) hervorscheinen. So erfährt Sokrates inneres Wahrnehmen gleichsam, als ob ihn ein Schutzgeist begleitet.

9
Jan
2015

Aus der Tiefe des Unbewussten

Man erzählt sich, dass Gelassenheit die beruhigte Unent-schiedenheit zwischen Ja und Nein sei. Es verhält sich aber keineswegs so, als ob etwas aufgegeben worden sei, und schon gar nicht, dass man Beides nicht mehr will.
Gelassenheit ist kein erzwungenes Weder-noch nach ei-nem hart umkämpften und nunmehr aufgegebenen Ent-weder-oder.

Wer gelassen ist, hat losgelassen, ohne aufzugeben.
Gelassenheit ist nicht die Ruhe versiegten Zweifelns, son-dern wohltuende Stille vollkommen beruhigter Gefühle. Das ist keine Willensstärke und schon gar nicht Selbstbe-herrschung. Aber es ist jener Ort, an welchen sich die Stimme aus der Tiefe des Unbewussten wagt.
Daimonion ist ihr ältester Name. Ruchlos Oberflächliche verunglimpfen diesen Namen und schimpfen den Schutzgeist Dämon.
Daimonion liebt die innere Stille und bevorzugt diesen Ort, um mit dem Ich zu sprechen.

8
Jan
2015

.

Je suis Charlie


Ich bin Charlie

4
Jan
2015

URS zum 70. Geburtstag

Besondere Begabung künstlerischer Menschen

Künstler unterscheiden im Gegensatz zu Wissenschaftlern nicht zwischen Glauben und Wissen.
Für sie ist wahr, was sich ihnen als Idee offenbart und richtig, wie sie diese ins Werk setzen.
Sie zweifeln allenfalls an der Umsetzung einer Idee, nicht aber an der Idee selbst.

Im Gegensatz zum Wissenschaftler muss der Künstler nichts beweisen. Er muss nicht einmal sein Werk als Kunstwerk ausweisen.

Die Ausweispflicht des Wissenschaftlers beruht auf dem Anspruch des Wissens als Formel oder Formulierung eines nachweisbaren und beweisbaren Phänomens.

An welcher Stelle des schöpferischen Prozesses aber unterscheiden sich Kunst und Wissenschaft?

Sowohl Kunst als auch Wissenschaften setzen Ideen ins Werk. Sowohl Künstler als auch Wissenschaftler sind schöpferisch tätig. Aber die Richtung ihres Weges unterscheidet sie. Während der künstlerische Ausgangspunkt im Wesen des Künstlers selbst liegt, befindet sich der Ausgangspunkt eines Wissenschaftlers im Wesen äußerer Erscheinungen.

Der Weg des Künstlers führt von innen nach außen, während der Weg des Wissenschaftlers in umgekehrter Richtung verläuft. Der Künstler objektiviert unmittelbar, während der Wissenschaftler mittelbar durch Modellierung objektiviert.

Modell ist immer Modell von etwas. Wissenschaft muss also nachweisen, dass Modell und Modelliertes unter bestimmten Gesichtspunkten wie beispiels-weise Funktionen übereinstimmen. Das künstliche Herz muss sich dem natürlichen entsprechend verhalten.

Die besondere Begabung des Künstlers ergibt sich aus der besonderen Gabe der Natur, nämlich der Freistellung von gewöhnlichen Bindungen und damit den Mut, Wesentliches zu veräußern.

Künstler sind in Wahrheit geborene freie Wesen.

3
Jan
2015

Entfremdung der Sinne

In der Grundschule setzt sich das Drama des Verlustes an Er-kenntnisgewinn fort. Lehrer überhäufen Kinder mit Unver-ständlichem. Aber fortan geschieht das nicht nur sprachlich, sondern auch sinnenfällig. Nicht nur der Verstand, sondern auch die Sinne werden in die Irre geführt.

So erhalten Kinder in einer Unterrichtsstunde die Aufgabe, die von der Lehrerin eigens mitgebrachten Holzwürfel abzuzeich-nen. Als die Lehrerin aber kontrollierend durch die Reihen geht, muss sie feststellen, dass die Zeichnungen ihrer Kinder ganz und gar nicht ihren Vorstellungen entsprechen. Die zeichnerischen Ergebnisse gleichen eher Kartoffeln als Wür-feln. Die Lehrerin geht kopfschüttelnd an die Tafel und zeich-net exakt die geometrische Figur eines Würfels. Sie kommen-tiert streng: „So sieht ein richtiger Würfel aus!“ „Ihr aber habt Kartoffeln gezeichnet!“
Die Lehrerin weiß nicht, das Neunjährige einen Würfel natürli-cherweise perspektivisch richtig zeichnen. Ihre Würfel sehen deshalb wie Kartoffeln aus. Im Unterricht aber erfahren sie, dass sie sich nicht auf ihre Sinne verlassen können. Es gilt nicht das als richtig, was sie sehen, sondern allein das, was im Un-terricht gesagt wird. So beginnen sie, nicht mehr genau hinzu-schauen, sondern eigene Erfahrungen und Vorstellungen auf Wahrnehmungen zu übertragen.
Aus Wort|bruch ist zusätzlich Wahrnehmungsstörung gewor-den. Wahrnehmen wird zum Wahr Nehmen. Es wird nicht mehr unvoreingenommen gesehen, sondern hinein gesehen.

2
Jan
2015

Verdrängen durch Verschieben

Kinder, die nach Bedeutungen von Wörtern fragen, erhalten von Erwachsenen zumeist unzulängliche Antworten oder werden auf das Älterwerden verwiesen. „Das verstehst Du noch nicht! Dazu bist Du noch zu jung!“ Solche Sätze quittiert das Gehirn je nach Eigenart mit Niedergeschlagenheit oder Wut. Im ersten Fall lässt es sich unterdrücken, im zweiten Fall wehrt es sich. Unterdrückt wird Neugier. Geschieht das wiederholt, hört das Kind auf zu fragen und stellt das Suchen ein. Die Neu-gier verliert ihre Durchsetzungskraft. Das wütende Kind dagegen kündigt gefühlsmäßig Widerstand an. Es wird versuchen, selbst Mittel und Wege zu finden, um sich Klarheit zu verschaffen.

1
Jan
2015

Fachsprache ist eine Fremdsprache

„Wort|bruch “ bedeutet: ein Wort hält nicht, was es ver-spricht. So etwas geschieht immer dann, wenn ein Wort den Empfänger nichtssagend bzw. bedeutungslos ist. Wer mit ei-nem Wort nichts anfangen kann, dem teilt sein Gehirn mit, dass es außerstande ist, eine sinnvolle neuronale Verbindung herzustellen. In der Regel sind es Fremdwörter, die nicht ver-standen werden. Meistens handelt es sich um Fachausdrücke, die einem fremd sind. Arztberichte sind voll davon. Welcher Patient versteht schon den Entlassungsbrief des Krankenhau-ses für seinen Hausarzt. Im Internet nach Bedeutungen suchen nützt wenig. Schließlich gibt man auf in der Hoffnung, dass das alles schon seine Richtigkeit haben werde. Dieses erzwungene Vertrauen macht dem Patienten seine Abhängigkeit von Ärz-ten bewusst. In der Folge liest er solche Berichte erst gar nicht mehr. Im Fall medizinischer Fachausdrücke delegiert der Ver-stand seine Unfähigkeit an das Fachwissen der Mediziner, im Vertrauen. dass ihm nicht geschadet wird. Sehr viel besser wäre es, von den Medizinern eine klare Übersetzung zu for-dern. Aber gewöhnlich geschieht das nicht, weil das Recht auf Verstehen nicht selbstverständlich ist.

Allen Lesern

ein zufriedenes, gesundes, glückendes neues Jahr!

31
Dez
2014

ZEHN JAHRE BEGRIFFSKALENDER

...

30
Dez
2014

Gedanke

Vermutlich überfällt den Menschen der erste Gedanke in dem Augenblick, in dem er das Licht der Welt erblickt. Und er drückt diesen seinen ersten Gedanken in seinem Schrei aus. Der erste Gedanke besteht wohl im ersten Erblicken der anderen Welt. Aber das ist Spekulation. Der erste Gedanke könnte sich genau so gut schon mit der ersten Empfindung im Mutterleib gebildet haben.

Tatsache ist, dass sich niemand von uns an seinen ersten Gedanken erinnern kann. Wir bekommen auch die Entwicklung des Denkens nicht mit. Unversehens finden wir uns eines Tages denkend vor, ohne dass uns irgend jemand erklärt hätte, was da mit uns geschieht, wenn wir denken.

Irgendwann haben wir irgendwo das Wort „Denken“ aufgeschnappt, und wir entdecken eines Tages, dass genau in und mit uns geschieht, was dieses Wort meint. Wir spüren geradezu diese Bedeutung.


Wenn das Kind gesagt bekommt: "Jetzt iss endlich auf!“, dann weiß es, was verlangt wird. Wenn Kinder aber gefragt werden „Wo bist du nur wieder mit Deinen Gedanken?“, dann können sie nur ahnen, was gemeint ist.


Von den vielen Situationen her, in denen von Denken gesprochen wird, erschließen wir uns die Bedeutung dieses Wortes. Aber diese eigenständige Ermittlung führt nicht dazu, spontan erklären zu können, was genau mit „Denken“ gemeint ist.


Beobachtet man also Situationen, in denen Leute sagen, dass sie denken, dann geht es gewöhnlich darum, dass sie etwas zu erklären versuchen, nach Worten suchen oder überlegen, wie etwas gemacht werden soll.
Denken wird demnach als jener Vorgang ange-nom¬¬men, durch welchen sich Bewusstwerden organisiert. Gedanke ist demzufolge ein Moment der Bewusstseinsorganisation. Solche Momente sind körperlich, seelisch, geistig multiphren glaub¬würdig.
Strittig wird der Wahrheitsgehalt eines Gedankens dann, wenn sich Körper, Seele und Geist nicht mehr im Gleichgewicht befinden. Wahre Gedanken sind Zeugnisse harmonischer Be-wusstseinsmomente.

29
Dez
2014

Glaubwürdigkeit

Dass fantasievermittelte Erscheinungen zu einer Frage der Glaubwürdigkeit werden, ist insofern sehr merkwürdig, als uns unser Wahrnehmen nur durch Improvisieren der Fantasie bewusst wird.
Konsequenterweise müssten wir also alle unsere Wahrnehmungen in Frage stellen. Aber uns wird nicht bewusst, dass wir fantasieren bzw. uns gemäß (um-) gestalten, bevor wir wahrnehmen.
Was veranlasst uns also, Wahrnehmen entweder zu vertrauen oder zu misstrauen? Es sind unterschiedliche Bilder, die diese Frage beant-worten.
Weniger vertrauenswürdige Wahrnehmungen werden als gespürte Abbildungen von Erinnerun-gen erfahren. Vertrauenswürdigere Wahrnehmun-gen werden dagegen als erfahrene Sinnesein-drücke bewusst.
Wir glauben, dass Sinneseindrücke weniger fan-tasie¬¬¬¬voll sind als gefühlvolle Erinnerungen. Wer oder was entscheidet aber, wie glaubwürdig uns Inhalte des Bewusstseins erscheinen sollen.
Es ist das Unbewusste, das limbische Impulse Bewusstwerden vorbewusst günstig oder ungün-stig beeinflussen lässt.
Bisweilen bekommen wir dergleichen mit, wenn wir ahnen, dass etwas, das wir tun schiefgehen oder erfolgreich sein wird.
Da wir uns aber Vorgänge des limbischen Systems nicht bewusst werden, vermögen wir diese auch nicht zu reflektieren. Ursachen und Gründe von Glaubwürdigkeit scheinen somit vor uns verborgen zu bleiben.

28
Dez
2014

Fantasie als Vermittlerin

Fantasierend vermögen wir innere Wahrnehmun-gen als Innenbilder zu gestalten, um diese dann betrachten, beobachten und begreifen zu können.
Fantasie versetzt uns in die Lage, dem zuzuschauen, was in uns geschieht. Künst-lerische Menschen setzen inneres Geschehen ins Werk, wenn sie schaffen. Bei Imaginationen oder gar Visionen geschieht Vergleichbares.
Nicht immer inszeniert Fantasie das, was sie empfängt in Bildern. Fantasie vermag auch in Empfindungen zu gestalten. Aber die meisten haben dann Probleme, dem zu glauben, was sie empfinden.
Sehr häufig treten solche Erscheinungen bei Trauernden auf, wenn sie glauben, die Anwesenheit des Verstorbenen zu spüren. Statt sich auf dieses Gefühl einzulassen, zweifeln sie und tun es als Einbildung ab.
Damit nehmen sie dem Verstorbenen, die Gelegenheit, sich über die innere Stimme mitzuteilen, um einen Dialog mit dem Trauernden zu beginnen.
Es gibt manche wundersame Ereignisse während eines Tages, die allzu leicht als Hirngespinste abgetan werden.
Wider derartige Zweifel sollte unbedingt beachtet werden, dass das eigene Gefühl Wahrheiten offenbart, obgleich wir diese nicht verstehen (wollen).
Entsprechende Sensibilität vorausgesetzt, können aber Täuschungen von Wahrheiten unterschieden werden.
Angenommen, eine Frau spürt die Anwesenheit ihres verstorbenen Mannes und zweifelt an ihrem Gespür. Sie kann ihrem Zweifel entgegenwirken, wenn sie „schweigend“ mit ihm einen (inneren) Dialog beginnt. Dabei sollte sie dann auch nicht scheuen, ihn um ein Zeichen für die Echtheit seiner Anwesenheit zu bitten.

27
Dez
2014

Wer oder was schenkt Eingebungen?

Im Gegensatz zur Religion, Philosophie, Lyrik, Poesie, Musik oder Tanz kommt Intuition nicht zu Wort. Man spricht von einem Einfall und sagt zwar, dass diese Eingebung Intuition gewesen sei, aber man verschweigt, was darunter zu verstehen ist.


Ich gebe zu, dass es mir genau so ergeht. Ich schreibe wie selbstverständlich diese Sätze auf. Ich vermag jedoch nicht zu beschreiben, wie sie eigentlich entstehen. Natürlich bin ich wie die meisten versucht, zu sagen: „Sie fallen mir einfach ein!“ Aber das erklärt genau nichts.

Das macht mich unzufrieden, und ich spüre, wie diese Unzufriedenheit mich antreibt, den Grund zu schreiben aufzuspüren. Ich vermute daher erst einmal, dass es vielleicht meine Befindlichkeit sein könnte, die das Schreiben anregt.

Im Augenblick schreibe ich ja, um das Unbehagen loszuwerden. Ich stocke, wahrscheinlich, weil tief nachts alles schleppender vorangeht als früh morgens, eine Zeit, zu der ich bevorzugt arbeite. Zudem fallen die meisten von den Texten, die ich mir nachts mühsamer erarbeite, bereits früh morgens durch.


Auch das ist typisch für die Nacht, dass ich das von mir schreibe. Ich sehe mich schon, wie ich das morgen wieder verwerfe, um dann erneut zu erfahren, dass ich dadurch alle näheren Texte der augenblicklichen Schreibumgebung überkritisch bedrohe, um sie dann letztendlich doch zu löschen.

Früher, an der Schreibmaschine, gab es viel mehr Schreibhemmungen, um zu vermeiden, dass erst Texte entstehen, die dann doch im Papierkorb landen.

Aber mir fällt ein, dass ich schon damals oft am folgenden Tag Texte zerrissen habe, die nachts entstanden waren. Und da ich vor Jahren lieber nachts als am Tag geschrieben habe, füllte sich der Papierkorb in jener Zeit ziemlich schnell.

Noch etwas war vor vielen Jahren ganz anders. Ich habe nicht freiwillig geschrieben, sondern aus Verpflichtung, weil ich mich qualifizieren wollte oder besser musste. Schließlich wollte ich mich so schnell wie irgend möglich beruflich qualifizieren, um davon möglichst gut und ungebunden leben zu können. Von klein auf hasse ich nämlich jede Form von Abhängigkeit.

Immerhin förderte nun diese Art und Weise der Rückbesinnung einen Beweggrund für mein Schreiben zutage. Es ist eine Art Selbst-verpflichtung aus einem existentiellen Bedürfnis oder Selbsterhaltungstrieb heraus.

26
Dez
2014

Gen Himmel

Himmel ist Allgegenwart des Schöpferischen, seelisch als Intuition der Seele, körperlich als sinnliche Erfahrung der Natur und geistig als ideenhaftes Schauen des Geistes.

Mystisches Erleben aber bedeutet seelisches, körperliches, geistiges Erfahren in eins zugleich.

Dem Himmel begegnen bedeutet demzufolge philosophisch sich auf das eigene endliche Dasein als Moment des endlichen Seins einlassen.

Der Weg dorthin führt über die Kehre des Denkens oder als Umwendung des Denkens in Spüren, Empfinden, Fühlen.

Mir scheint es, das gesuchte innere Geschehen namens Denken entzieht sich so jeglicher, begrifflichen Bestimmung. So setzte ich Denken mit jenem gefühlten Fühlen gleich, welches auch Intuition genannt wird.


Mir ist dabei völlig klar, dass diese vorläufige Beschreibung jene verärgern muss, welche sich als Mathematiker oder Naturwissenschaftler betrachten. Dennoch Denken bleibt vorwiegend ein Schöpfungsprozess.


Mathematiker und Naturwissenschaftler aber denken nicht wie der Philosoph Martin Heidegger höchst provozierend bemerkt, sondern rechnen. Wissenschaften modellieren, kalkülisieren, mathematisieren und prognostizieren, aber in aller Regel verlassen sie sich - bis auf geniale Ausnahmen wie Einstein - nicht auf das Empfinden ihrer Gefühle.


Auf den Punkt gebracht:


- Religion glaubt,

- Kunst denkt,

- Wissenschaft rechnet.


Mir ist klar, dass Denken als Spüren eigenen Fühlens noch ziemlich unscharf ist.

Wer ein Gedicht oder auch einen Roman schreibt, dem wird das, was er aufschreiben soll, gleichsam von der Tiefe des Unbewussten gegeben. Diese künstlerische Gabe oder Begabung schenkt der Vorstellungskraft künstlerisch Schaffender Bilder, die sich beschreiben lassen. Bilder schenken Bedeutungen jenen Worten, welche dann poetisch oder lyrisch gesetzt werden.


Eingebungen gelangen meistens nicht unmittelbar zu Papier. Die eingegebenen Bilder werden vom Künstler oder der Künstlerin gedeutet. Der Sinn des Unbewussten erhält den Eigensinn der Schaffenden. Das Umdeuten der Eingebung durch künstlerisches Gestalten formt den Sinn eines Gedichts oder eines Romans.

Das Spielen und Inszenieren des Unbewussten mit Fantasien des empfangenden, sensibel empfindenden Bewusstwerdens gelangt nunmehr als Denken zum Vorschein. Als Spielen und Gestalten des Unbewussten formt Fantasieren jenes Gestalten, welches sich dann künstlerisch ins Werk setzen lässt.
Als Empfinden des Fühlens wird Denken nunmehr als Atmen der Seele spürbar.

25
Dez
2014

Wo liegt der Himmel?

Als Himmel ist Fantasie Widerschein tiefen Glaubens. Glauben ist künstlerischer Vorschein seelischer Bedürfnisse.



Als unstetes, vernunftbegabtes Wesen ist der Mensch ständig unterwegs zu sich selbst. Er glaubt, sobald sich das Ich im Selbst vorfindet, das Glück gefunden zu haben.



Aber so angestrengt er auch dem Schatten des schönen Scheins nacheifert, so wird er doch niemals schnell genug sein, um ihn einzufangen.



Wann nur wird der Mensch weise genug sein, das Selbst als Abschattung seines Ichs zu schauen? Solange ihm das misslingt, gefährdet er sich durch Überhöhen seines Ichs.



Der Schöpfer begabt ihn mit Widersprüchlichkeit zwischen Gefühl und Geist. Im Schein dieses Irrlichts tasten sich bereits die ersten Menschen durch ihr Paradies. Obgleich daraus vertrieben, hören sie niemals auf zu hoffen, dieses eines Tages wieder zu finden.



Unaufhörlich lockt die Fantasie mit dieser Utopie. Ständig beständig gelobt sie der Vernunft das Vermögen, den Schleier des Geheimnisses lüften zu dürfen. Und die Fantasie, diese Närrin, setzt dafür sogar das Leben der Vernunft auf’s Spiel, indem sie die Hoffnung nährt, ihren Himmel spätestens im Tod zu entdecken.



Aber Fantasien versickern allmählich und Träume der Kindheit verlieren sich. Die alternde Vernunft voller widersprüchlicher Erfahrungen traut Fantasien nicht mehr. Sie hofft nicht mehr auf das, was da kommen soll, während sich das Leben entzieht. Sterben erscheint der Vernunft nunmehr zu spät, um Wesentliches über das Leben zu erfahren.



So erkundigt sie sich ungeduldig bei den Möglichkeiten des Verstandes nach dem, was ihr als Himmel utopisch erscheint.



Aber der Verstand verneint die Ortlosigkeit des Himmels, indem er auf das mystische Erleben der Allgegenwart der Natur als Schöpfung eines für die menschliche Vernunft nicht mehr denkbaren Geistes verweist.



Himmel ist überall – im Leben. Alles Lebendige zeugt von jenem schöpferischen Geist, welcher es seit jeher als Möglichkeit bereithielt.

Sterben

Sterben heißt alles loslassen,
?alles Lieben und Hassen.

Rechtzeitig im Leben
?gegen allen Widerstand vergeben.

Gehen muss jeder allein,
?aber er muss dabei nicht einsam sein.

Er braucht nicht zu verzagen,
?wenn er von Liebe getragen!


Das vernunftbegabte Wesen entdeckt Philosophie als dichterische Form, aus Werden Sein zu gestalten. Während Religion menschliche Existenz dem Dasein entrückt, sollen sich Philosophen des Daseins versichern.


Unausgesprochen geht es darum, menschliche Grundängste vor dem Tod zu überwinden. Religionen versuchen das durch das Versprechen, Sterben als ein Hinübergehen oder Heimkehr ins Paradies erleben zu lassen.


Die Philosophie will den Menschen davon befreien, solchen Versprechen glauben zu müssen. Er soll sich dessen vergewissern, wovon Glauben überzeugen soll.


Tatsächlich gelingt es der Philosophie vor mehr als zweieinhalb Jahrtausenden die Mythologie zu überwinden und von der Herrschaft der Götter zu befreien.

Das gelingt der Philosophie, indem sie die religiöse Grundidee als Metaphysik des Seins übernimmt. Nicht mehr die ferne unsichtbare Gottheit im Himmel soll dem Menschen gebieten, sondern das unmittelbar gegenwärtige Wesen der Natur soll sich dem Menschen als Spiegelung des Göttlichen offenbaren.


Erfahrungen mit Leidenschaften des Religiösen lehren, dass besonders Begehrenswertes nicht ohne Opfer zu haben ist. Asketisches Leben in der Abgeschiedenheit eines Klosters oder einer Einsiedelei, soll zähes, hartnäckigstes Ringen um das nur im tiefen Glauben zu Schauende endlich belohnen.


So leuchtet es unmittelbar ein, wenn Philosophen von Anfang an klarstellen, dass Wissen nicht weniger mühsam erworben werden kann als Glauben. Wie Askese eine lange Zeit des Einübens und Eingewöhnens braucht, so bedarf auch Philosophieren zunächst des Erwerbs grundlegender Methoden des Denkens.


Glauben und Wissen sind mühsame Wege der Entdeckung, Abenteuer, durchaus mit dem hohen Risiko behaftet, das Gesuchte niemals zu finden.

Philosophen versprechen durchaus nicht weniger als Propheten. Philosophie gilt wie Religion als Vorbereitung auf das Sterben. Und der Philosoph erwartet denkend das zu erblicken, was sich der Mystiker tief glaubend zu schauen erhofft. Es geht darum, jene Grenze zu überwinden, welche die Seele überschreitet, wenn sie den Körper als ihr Haus verlässt.


Religion wie Philosophie konstatieren „Sein“ als Bedingung ihrer Möglichkeit zu glauben oder zu philosophieren.

Mehr als zweieinhalb Jahrtausende hüten Religion und Philosophie „Sein“ als ihren geheimnisvollen zureichenden Grund und halten so die Trennung von Glauben und Wissen aufrecht.


Letztlich geht diese Trennung aber auf Kosten des gemeinsamen Urgrundes von Glauben und Wissen. Als verschiedene Arten und Weisen zu denken entstehen Glauben und Wissen aus Denken als Bilderleben. „Bilderleben“ meint die Duplizität von Bilder-Leben der Fantasie und Bild-Erleben sowohl der Seele als auch des Geistes.


Denken als Bilderleben verdeutlicht, dass sowohl Glauben als auch Wissen die Fantasie als Ursprung vernachlässigen. Warum Fantasie als gemeinsamer Ursprung von Glauben und Wissen seit jeher tabuisiert wird, lässt sich nur vermuten.
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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