Unilogo

3
Feb
2015

Vernunft <=> Verstand

Vernunft wertet und entscheidet auf Grund des Gewissens.
Vernunft orientiert sich an Gefühlen.

Verstand regelt auf Grund von Erfahrungen.
Verstand orientiert sich an Begriffen.

Vernunft glaubt - Verstand weiß.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, Die eine will sich von der andern trennen; Die eine hält, in derber Liebeslust, Sich an die Welt mit klammernden Organen; Die andere hebt gewaltsam sich vom Dust (= Staub) Zu den Gefilden hoher Ahnen.
(Faust I, Vers 1112 1117)

Merke:

Vernunft <= Gewissen

Verstand <= Wissen

Vernunft und Verstand sind unechte Gegensätze, aber echte Komplemente.

Wissen ohne Gewissen ist inhuman.

2
Feb
2015

Ich vs. Selbst

Das Ich erfährt sein Selbst als Einheit des Gegensätzlichen. Es gestaltet sein Dasein bisweilen im Streit zwischen Vernunft und Verstand. Dabei treten existentielle Situationen auf, die den Eindruck erwecken, gleichsam zwischen zwei Stühlen zu sitzen. Manchmal wird es eben schwierig, Entscheidungen entweder nach Gefühl oder aufgrund von Wissen zu treffen.

1
Feb
2015

Flüchtige Ideen

"Du kannst niemals in den selben Strom steigen!" Dieser Satz des griechischen Philosophen Heraklit gilt auch für den Bewusstseinsstrom schöpferischer Energie. Halte den einmaligen (!) Augenblick einer Eingebung fest, bevor die Idee unwiederholbar ins Vergessen versinkt.


Unbewusstes schafft, lässt schöpferische Ideen sprachlich hervorscheinen und emotional bewerten, bevor sich der Verstand ihrer annehmen darf.

31
Jan
2015

Sobald der Mensch wahrnimmt, betrachtet, beobachtet oder begreift, reduziert er

Durch Sprache offenbart sich die Vernunft eines Menschen. Durch Körpersprache zeigt sich seine Seele. Das scheint zu bedeuten, dass sich der Mensch nur dann weitestgehend zu öffnen vermag, wenn er spricht. Diese Vermutung aber trifft für die künstlerische Sprache der Lyrik und Poesie nicht zu und schon gar nicht für die Sprache der Musik. Im Gegensatz zum gewöhnlichen Sprachgebrauch vermittelt Kunst die Sprache der Seele vor allem in Bildern.

Wird auf den künstlerischen oder körpersprachlichen Ausdruck verzichtet, dann reduziert sich der Mensch, d.h., er nimmt nur eingeschränkt wahr, beobachtet oberflächlich und begreift verkürzt. Die nicht künstlerische Schriftsprache erfährt also erhebliche Nachteile.

Die Sprache der Wissenschaft dagegen verzichtet von vornherein bewusst auf seelische Anteile. Die gewollt seelenlose Sprache der Wissenschaft beruht vor allem auf Abstraktion. Emotionen brauchen konkrete Bilder. In Verallgemeinerungen aber verflüchtigen sich Gefühle.

Die Sprache der Mathematik ist höchst emotionslos. Der Verstand reißt sich hier von der Vernunft los und formalisiert sich absolut. Der Mathematik gelingt es, Natur und Welt gleichsam hinter Gittern zu betrachten und Verhältnisse zwischen Koordinaten in Zahlen zu erfassen und zu berechnen. Aber durch Rastern erstickt man Leben und durch Mustern lässt sich Dasein nicht erreichen.

Dennoch könnte heutzutage niemand mehr ohne Hilfe der Mathematik existieren. Medizinische Diagnosen beispielsweise beruhen auf nur noch von Computer beherrschbaren Zahlenwerken bzw. auf mathematisch ermittelten Grafiken.

Wie aber wird es möglich, mit Hilfe einer zutiefst lebensfremden Sprache Leben zu retten?

Naturwissenschaft begreift Sein ganz entschieden anders als Geisteswissenschaft. Was für den Philosophen Wesen bedeutet, das stellt sich für den Naturwissenschaftler als Formel dar. Naturwissenschaftler erfassen Wesentliches als Formel. „Wesen“ und „Formel“ sind Extremwerte eines vorweg reduzierten Daseins.

30
Jan
2015

Innere Stimme

Um die innere Stimme zu verstehen, muss man seine Sprache begreifen.

Sprache organisiert sich gemäß den Regeln der Natur. Entgegen der meist verbreiteten Meinung ist Sprache niemals eindeutig, sondern immer vieldeutig. Worte regen dazu an, ihnen eigene Bedeutungen zuzuordnen.

Ein Gespräch ist vor allem ein gefühlsmäßiger und nicht so sehr ein geistiger Austausch. Auch die innere Stimme spiegelt Gefühle wider. Sie zu verstehen, bedeutet, seine Gefühle begreifen.

Selbstgespräche haben mit der inneren Stimme nichts zu tun, sondern dienen dazu, die innere Stimme zu 'übertönen'.

29
Jan
2015

VISIONEN FÜR JEDERMANN

Sich vorsichtig dem nähernd, was sie eigentlich sagen will, beginnt sie ihren Vortrag :
„Bereits der jüdische Philosoph Baruch Spinoza, der Schotte David Hume oder der Physiker Ernst Mach halten es für falsch, das Ich als etwas anzusehen, was von seiner Außenwelt getrennt existiert.
Durch das Vermögen der geistigen Wahrnehmung ist jeder in der Lage, sich mit dem allgemeinen Ich oder dem allumfassenden, allgegenwärtigen Geist zu verbinden.
Vermittelt wird eine solche Verbindung durch die innere Stimme.Die Vermittlerin einer solchen Verbindung ist die innere Stimme…“

28
Jan
2015

Halluzination

Sie ist zu viel mit sich allein. Es umgibt sie so viel Stille, dass sich ihr Gehirn inmitten solcher Reizlosigkeit schon selbst Gesellschaft leistet. So nähert sich ihr die innere Stimme. Die sie sonst nur in sich hört, wendet sich plötzlich von draußen an Sie, um ihr von ihrem Vorhaben abzuraten. Selbstbewusst tut sie das als Trugwahrnehmung ab. Sie ist nicht bereit, sich davon abbringen zu lassen und schon eben gar nicht von sich selbst.

Es macht sie auch nicht stutzig, dass sich im Traum die Warnung vor ihrem Vorhaben wiederholt. Schließlich hat sie Jahre gebraucht, um das herauszufinden. Jetzt endlich hat sie geschafft, es zu beweisen. Da wird sie sich doch nicht von so einer kleinen Irritation abbringen lassen.

27
Jan
2015

Neugier

Als Grundbedürfnis der Fortbewegung verführt Neugier(de) zu Veränderungen. Neugier lässt ständig nach Möglichkeiten suchen, Vorhandenes entweder zu optimieren oder Neues zu wagen.

Neugier regelt Bewusstwerden durch Fragen. Die Frage-stellungen orientieren sich an dem, was als Mangel empfunden wird. Neugierige wollen etwas herausfinden. Sie untersuchen es meistens so lange, bis sie entdecken, was sie suchen.
Geduld und Sorgfalt verhelfen dabei zum Erfolg.

26
Jan
2015

Unruhe

Fragen ist der Gegensatz zu loslassen. Fragen treibt das vernunftbegabte Lebewesen aus seiner Zufriedenheit mit dem, was ist und lässt ihn nach Veränderung oder gar Neuem suchen. Die innere Unruhe des Fragens schafft Eingebungen, die als schöpferische Ideen bewusst werden. Aus der Fülle dieser Quelle schöpft Begabung das Leitmotiv der Daseinsgestaltung.

25
Jan
2015

Nicht Ich, sondern ES diktiert

Doch bevor uns eine geeignete Frage einfällt, meldet sich die innere Stimme:
„Ich frage, nicht Du. Ich diktiere Dir ja ohnehin seit jeher Deine Texte. Du schreibst auf, was ich Dir eingebe, und Du bist dabei sogar überzeugt, eigene Gedanken zur Sprache zu bringen. Aber Fakt ist: Ich diktiere Dir Deine Texte. Ich schenke Dir meine Gedanken. Ich sehe Dir sogar nach, dass Du die meisten liegen oder in den Papierkorb lässt.

24
Jan
2015

Intervention des Unbewussten

Die Einmischung des Unbewussten verführt zu dem Versuch, dem Unbewusstsein doch einmal zu entlocken, was der eigentliche Urgrund seines Treibens ist. Zu diesem Zweck hören wir, was die innere Stimme sagt und was sie uns dazu mittels Fantasie an inneren Bildern schauen lässt. Wir wagen dieses Experiment und notieren, was wir erfahren.
Wir wissen, dass wir die innere Stimme durch geeignete Fragen anzuregen bzw. zu aktivieren vermögen.

23
Jan
2015

Horizont des Bewusstseins

„Wir sind, aber wir haben uns noch nicht. Darum werden wir erst!“ Diese Sätze des Philosophen Ernst Bloch verdeutlichen, dass das Ich nicht von vornherein weiß, was es ist. Es macht sich erst ein Bild von sich. Dazu nimmt es wahr, vermutet und spricht sich zu, wofür es sich jeweils hält. Durch solche Zusprachen entwickelt sich das eigene Selbst-Bild. Es stellt dar, was ich mir zutraue und worauf ich vertraue.
Der eigene Zuspruch offenbart sich als Zustimmung des Unbewussten. Das Unbewusste umschreibt die Grenzen des Bewussten und bestimmt so den Horizont des Bewusstseins und damit den Spielraum des Daseins. Nicht das Bewusstsein sagt dem Ich, was es ist, sondern das Unbewusstsein offenbart ihm das Selbst.
Nicht ich denke, sondern ich werde gedacht. Der Eindruck, dass ich es bin, der denkt, ist eine Vorspiegelung des Unbewussten. Das Ich, das unterwegs zu sich selbst ist, um sein Selbst zu erfahren, bemerkt diesen Grund des Denkens sehr bald. Es entdeckt sein Dasein als Geschick des Unbewussten, denn es wird von diesem auf seinen Weg geschickt.
Wen wundert es da noch, dass innerhalb des bewussten Horizontes die Idee von einem Gott aufscheint, dem das Ich alles verdankt. Und folgerichtig sieht sich das Ich gedrängt, das Geheimnis dieses Vorscheins zu entbergen.

Augustinus von Hippo erkennt im Zuspruch des Unbewussten eine Art persönliche, geheime Offenbarung Gottes. Gott offenbart sich dem Heiligen durch die innere Stimme. Nimmt man das ernst, dann bezeugt das Unbewusste letztlich den Willen Gottes. In der Tat vertreten Ordensleute diese Auffassung, wenn sie ihre Berufung zum Klosterleben als Ruf Gottes beschreiben.

22
Jan
2015

Zeitenfolge der Vernunft

Die Vernunft wird aus der Zeit geboren. Werden wird nicht mehr intuitiv erfahren, sondern vernünftig als Gegenwart aus Vergangenheit und für die Zukunft. Gegenwart als Sein legt sich als Schein über das Werden und entzieht Erleben unmittelbarer Vergegenwärtigung.
Dieser Entzug wird in der Geschichte Abendländischer Kultur vollkommen unterschiedlich dargestellt, nämlich religiös als Sündenfall im Paradies und philosophisch als Grundlegung der Metaphysik. Beide Darstellungen sind bereits Inszenierungen der Vernunft, verdecken also die eigentliche Entstehung vor aller Vernunft.
Der im Paradies verbotenerweise gewonnene Erkenntniswert bringt dem vernunftbegabten Lebewesen kein Glück. Aufgrund seiner schlechten Erfahrung mit dem Gott des Paradieses ersinnt es sich neue Götter. Aber statt dadurch die Harmonie seiner Seele zurückzugewinnen, zerfällt sein Glauben in Vielgötterei, an der er nach und nach verzweifelt. Der Streit der Götter untereinander steigert die Suizidraten unter den Gläubigen so, dass sich damalige Philosophen intensiv Gedanken machen über die Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen.

Der Philosoph Sokrates überlegt zunächst, was Gläubige eigentlich am Göttlichen fasziniert. Es ist das Geheimnisvolle des Unsichtbaren, Allumfassenden.
Sokrates entdeckt jene Frage, welche sowohl nach dem Allgemeinen als auch nach sinnlich nicht Vernehmbaren sucht. Dem göttlichen Wesen entsprechend darf nämlich der religiöse Ersatz weder sinnlich vernehmbar noch vergänglich sein.

21
Jan
2015

Überheblichkeit

Der Mensch bestimmt sich in den Anfängen Abendländischer Philosophie als vernunftbegabtes Lebewesen. Mit dieser Selbst-Bestimmung unterscheidet er sich von allen anderen Lebewesen. Diese Selbst-Überheblichkeit kostet ihn seine unmittelbare Nähe zur Natur. Indem er seine eigene Sprache findet, verliert er das Vermögen, die Sprache der Schöpfung zu verstehen.
Das vernunftbegabte Lebewesen bemerkt nicht, dass es durch diese Entfremdung sich zugleich auch selbst entfremdet. Dem Ich wird das Selbst fremd.

Warum bricht die Vernunft mit der Natur des Lebewesens? Natürliches Wahrnehmen geschieht gefühlt sinnlich. Dieses unmittelbare Wahrnehmen wird nicht subjektiv verfremdet. Statt sich in Wahrnehmen, Betrachten, Beobachten und Begreifen aufzuspalten, ereignet sich Bewusstwerden unmittelbar als körperliches Empfinden und Fühlen. Nicht der Verstand, sondern Intuitionen regeln Verhalten spontan. Da der Intuition die Zeitenfolge der Vernunft fremd ist, lebt das Lebewesen ganz im Augenblick.
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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