Unilogo

29
Mai
2014

Erste Gedanken

Vermutlich überfällt den Menschen der erste Gedanke in dem Augenblick, in dem er das Licht der Welt erblickt. Und er drückt diesen seinen ersten Gedanken in seinem Schrei aus. Der erste Gedanke besteht wohl im ersten Erblicken der anderen Welt. Aber das ist Spekulation. Der erste Gedanke könnte sich genau so gut schon mit der ersten Empfindung im Mutterleib gebildet haben.

Tatsache ist, dass sich niemand von uns an seinen ersten Gedanken erinnern kann. Wir bekommen auch die Entwicklung des Denkens nicht mit. Unversehens finden wir uns eines Tages denkend vor, ohne dass uns irgend jemand erklärt hätte, was da mit uns geschieht, wenn wir denken.

Irgendwann haben wir irgendwo das Wort „Denken“ aufgeschnappt, und wir entdecken eines Tages, dass genau in und mit uns geschieht, was dieses Wort meint. Wir spüren geradezu diese Bedeutung.

Wenn das Kind gesagt bekommt: "Jetzt iss endlich auf!“, dann weiß es, was verlangt wird. Wenn Kinder aber gefragt werden „Wo bist du nur wieder mit Deinen Gedanken?“, dann können sie nur ahnen, was gemeint ist.

Von den vielen Situationen her, in denen von Denken gesprochen wird, erschließen wir uns die Bedeutung dieses Wortes. Aber diese eigenständige Ermittlung führt nicht dazu. jetzt ganz spontan erklären zu können, was genau mit „Denken“ gemeint ist.

Beobachtet man also Situationen, in denen Leute sagen, dass sie denken, dann geht es gewöhnlich darum, dass sie etwas zu erklären versuchen, nach Worten suchen oder überlegen, wie etwas gemacht werden soll.

28
Mai
2014

Denken ohne Philosophie?

Philosophen beanspruchen seit jeher Denken als ihr Geschäft. Sie stellen sich vornehmlich als jene dar, welche das Denken denken. Weil sie diese Tätigkeit ausüben, bezeichnen sie sich mit dem griechischen Namen „Philosophen“. Dieser Name bedeutet „Freunde der Weisheit“. Aber diese Freunde legen letztlich nicht offen, was sie unter Weisheit verstehen, sondern scheinen gar ein Geheimnis daraus machen zu wollen.

Manche nennen sich auch „Sophisten’, die Besserwisser oder die Klugen. Aber unter Philosophen gilt „Sophist“ eigentlich als Schimpfwort. Interessant ist, warum Philosophen einen ganz natürlichen Vorgang wie das Denken für so schwierig halten, dass sie ihn seit Jahrtausenden zu erklären zu versuchen, ohne auf den Punkt zu kommen. Sie scheinen sich zu weigern, Denken mit einfachen, für jeden verständlichen Worten zu erklären.

Solche Umstandskrämerei macht dann doch neugierig, weil man selbstverständlich herausfinden möchte, was daran so schwierig sein soll, dass es nur umständlich vermittelt werden kann. Ist es nicht vielmehr so, dass ein klarer Kopf auch einfach, leicht verständlich spricht?

Diese Frage reizt zu dem Versuch, herauszufinden, ob sich Denken vielleicht nicht doch ganz einfach erklären lässt.

27
Mai
2014

Denken ist Atmen des Gehirns

Wortbedeutungen haben ihre Vorgeschichte. Als geschichtliche Wesen übernehmen wir zumeist unbewusst diese Bedeutungen. Deshalb können wir auch häufig nicht antworten, wenn nach der Bedeutung eines benutzten Wortes gefragt wird.

Das Thema, um das es hier geht, lässt sich mit dem Verb „denken“ am besten erfassen. Wir möchten aber dieses Tätigkeitswort nicht benutzen, ohne gleich zu sagen, was unter der Tätigkeit „denken“ verstanden wird.

Ich brauchte trotz intensiven Studiums der Philosophie lange, um zu erfassen, was „denken“ bedeutet. Heute erst ist mir endlich klar, dass es sich paradoxerweise um einen unbewussten Vorgang handelt. Wie wir nicht leben können, ohne zu atmen, so vermögen wir auch nicht zu existieren, ohne zu denken. Unser Gehirn braucht Gedanken so dringend wie unser Körper den Sauerstoff.

26
Mai
2014

Dominikanerwitwe

Ich erfahre Denken als Vorstellen von dem, was ich zu tun vorhabe. Dieses Vorstellen besteht im Projizieren von Bildern, die mir meine Tätigkeit entweder Schritt für Schritt oder als Ablauf zeigen.

Wenn ich beispielsweise das Schreiben dieses Textes betrachte, dann tippe ich die Sätze gleichsam so wie sie mir in den Kopf kommen. Dabei verlasse ich mich auf das Gefühl, das mir sagt, dass ich das so schreiben kann. Sobald ich ein ungutes Gefühl habe, halte ich mit Schreiben inne, um dann das Geschriebene noch einmal zu prüfen oder gegebenenfalls zu korrigieren.

Ich schreibe vor allem aus zwei Gründen. Zumindest sind es jene Gründe, welche mir bewusst sind. Ich schreibe, weil ich Lust dazu habe und weil ich neugierig bin. Soweit ich mich erinnern kann, möchte ich jene Gründe herausfinden, welche uns Menschen veranlassen, wider besseren Wissens zu handeln. Warum tun wir etwas, obgleich wir ganz genau wissen, dass wir das nicht tun dürfen?

Genau genommen entstammt diese mein ganzes Leben bestimmende Leitfrage meiner frühen Kindheit. Ich habe fast nur kriegsbeschädigte Männer erlebt. Mindestens eines der Gliedmaßen fehlte immer. Auf einer Weihnachtsfeier habe ich einen auf seinem Rollstuhl festgebunden, blinden Mann ohne Arme und Beine erlebt. Seine Frau reichte ihm Kaffee und Zigarette, damit er trinken und rauchen konnte. Was mir bis heute nachgeht, ist die Heiterkeit dieses Mannes. Ich habe ihn heimlich beobachtet, wie er fröhlich lachte und seinen Kriegskameraden heitere Geschichten erzählten. Ich berichtete meinem kriegsblinden Vater von meinem traumatischen Erlebnis. Er erklärte mir nur, dass ich ihn nachher zu diesem Kameraden H. führen könne, weil er ihn begrüßen und sich über die Dominikanerwitwe informieren wolle…

„Warum tun sich Menschen so etwas Schlimmes an?“ Ich konnte bis heute keine Antwort auf diese Frage erfahren. Auch das Schlimme, das ich immer wieder erlebe, gibt keinerlei Aufschluss.

Aber in mir entwickelte sich im Lauf der Zeit eine Hypothese, die zu verifizieren mir sehr am Herzen liegt. Es geht darum, folgende Behauptung entweder zu beweisen oder zu widerlegen: „Unser Gehirn ist mit einem Virus infiziert, den ich in der Vergangenheit einfach „Hirnvirus“ nannte.

25
Mai
2014

Schuster bleib bei Deinen Leisten

„Schuster bleib bei Deinen Leisten“ ist die Forderung, bei dem zu bleiben, was man kann und versteht und nicht nach Dingen Ausschau zu halten, bei denen es an hinreichenden Erfahrungen und Erkenntnissen mangelt.

Durch den Dialog zwischen Daimonion und mir sollten die Grundlagen des Denkens herausgearbeitet werden. Das gelingt bislang nur unzureichend, vor allem wegen der unscharf bestimmten Rolle des Daimonions. Zudem braucht die dialogische Entwicklung eines Problems zu viel Zeit.

Das Problem bzw. Experiment besteht darin, das Denken als Geschehen, soweit irgendwie möglich, ohne Inanspruchnahme fremder Hilfe darzustellen.

24
Mai
2014

Vorsicht Innenbilder

Im Umgang mit Innenbildern ist Vorsicht geboten.
Innenbilder dürfen sich nicht verselbständigen. So scheint der Glaube an die eigene Vision als Selbsttäuschung hervor, sobald sich dieser nicht mehr als Außenbild objektiviert.

Ein Dialog zwischen Ich und Du verführt auf Dauer zu der irrigen Annahme einer hilfreichen dialogischen Form.

Wenn aber der angestrebte Erkenntnisgewinn ausbleibt, sollte man sich von dieser Gestaltung verabschieden und das Leuten überlassen, die sich besser auf dieses Geschäft verstehen wie z.B. Künstler.

Hier aber mangelt es an Begabung, und deshalb ist folgende Empfehlung seit einiger Zeit überfällig: Schuster bleib bei Deinen Leisten.

Außen- und Innenbilder

D: „Ob das, was Du Dir (als Bild) vorstellst von innen oder außen stammt, spielt für die Qualität der Imagination kaum eine Rolle!“

I: “Und wie verhält es sich mit Traumbildern?“

D: "Traumbilder sind Innenbilder wie Erinnerungen auch!“

I: „Und was hat es mit Fantasien wie Visionen auf sich?“

D: „Bevor Du mir mit weiteren Bildern kommst, möchte ich Dich mit dem zusätzlichen Hinweis bremsen, dass sich die Qualität eines Innenbildes vor allem daran misst, ob es sich in ein Außenbild überführen lässt!“

I: „Dann brauche ich mich ja um um den Ursprung eines Innenbildes nicht zu sorgen, solange ich eine Überführung in ein Außenbild vor Augen habe!"

22
Mai
2014

Ich denke, was ich sehe

D: "Ich denke, was ich sehe. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich um äußere bzw. sinnliche oder innere bzw. geistige Wahrnehmungen handelt.

„Maiglöckchensträußchen auf dem Wochenmarkt“ ist eine sinnliche Wahrnehmung. „Maiglöckchenstrauß am Grab meines Vaters“ ist eine geistige Wahrnehmung oder Erinnerung.“

I: „Ich denke, indem ich überlege, zu welchem Preis die kleinen Sträußchen auf dem Wochenmarkt angeboten wurden. Oder ich denke, indem ich mir zu erklären versuche, warum mein Vater diese Blumen geliebt haben mag.“

D: „Und in beiden Fällen erhälst Du ein Ergebnis, das sich als Gedanke verflüchtigt, weil sich diese Spekulationen nicht mehr in Bilder zurückführen lassen!“

21
Mai
2014

Nicht nur Menschen denken

Daimonion (D): "Auch Tiere denken. Aber sie denken nicht auf Dauer, sondern für den Augenblick. Tiere denken nicht in sprachvermittelten, mittelbaren, sondern in unmittelbaren Bildern. Gedanken drücken sich spontan in Verhalten aus und Denken in Strategien des Verhaltens.“

Ich: (I) „Wenn ich auf die gleiche Art und Weise wie Tiere mit Dir kommunizieren wollte, was müsste ich dann tun?“

D: „Du müsstest Dir etwas rein bildlich vorstellen!“

I: “Ich versuche es und stelle mir jetzt etwas bildlich vor!“

(…)

I: „Du antwortest ja gar nicht!“

D: „Ich habe nichts empfangen!“

Weitere Versuche verlaufen ebenso ergebnislos. Schließlich gibt I auf.

I: „Das funktioniert so nicht!“

D: “Das liegt daran, dass sich Dir jedes Mal Sprache unwillkürlich aufdrängte und Du für Dich das benanntest, was Du als Innenbild vor Dir sahst … Sprache aber filtert gerade das aus, was ich eigentlich empfangen soll!"

I: „Ja, das stimmt! Und wie lässt sich das verhindern?“

D: „Du musst Dich vollkommen loslassen und absolut „Nichts“ denken! Das aber verlangt viel Übung!“

I: „Wie lange dauert so etwas?“

D: “Du brauchst Jahre!“

I: „Gibt es keine Chance, das zu verkürzen?“

D: „Übe mit einem intelligenten Tier wie z.b. mit einem Delfin.
Delphine gelten sogar für Mensch wegen ihrer Talente als Vorbilder.
Für die Talente der Delphine sprechen folgende Umstände:

<> Delphine haben so gut wie keine natürlichen Feinde und kennen deshalb auch kaum Angst. Angst aber nimmt die Zeit, um neue Strategien zu entdecken. Angst ist nicht nur ein schlechter Ratgeber, sondern raubt auch Möglichkeiten, etwas zu verändern. Angst lähmt und lässt nur automatisiertes Verhalten zu, weil jeglicher Spielraum, sich auszuprobieren, fehlt.

<> Delphine sind neugierig und einfallsreich, sehr einfallsreich, und sie lernen extrem schnell. Wenn etwas nicht funktioniert, wechseln sie ihre Strategie und probieren etwas anderes. Weil sie sehr flexibel sind, finden sie oft originelle neue Lösungen.

<> Delfine sind gute „Einzelkämpfer“, aber auch außerordentlich kooperativ. Um bestimmte Ziele zu erreichen, bilden sie Teams. Sie beziehen sogar andere Arten mit ein. Diese Zweckgemeinschaft löst sich wieder auf, sobald der Zweck erreicht ist.
<> Sie nutzen untereinander eine hoch entwickelte Kommunikation, sind sehr aufmerksam und prüfen ständig Wind und Strömungen, um sich auf dem Laufenden zu halten.

Menschen nutzen solche Fähigkeiten nicht immer erfolgreich. Vielfach enden Probleme und Konfliktsituationen nur mit Kompromissen, die faul sind, weil alle Beteiligten weniger bekommen als angestrebt. Delfin-Strategien helfen, Lösungen zu finden, bei denen alle gewinnen.

Ein Karpfen dagegen hält still und wartet ab. Das Karpfenschicksal ist eine demotivierende Teufelsspirale aus Angst, Handlungspassivität, Isolation und Misserfolgen. Typisch für den Karpfen sind folgende Einstellungen: Ich habe keine Chance zu gewinnen. Ich möchte daher möglichst wenig verlieren, also meide ich Risiken jeder Art, für die ich Verantwortung übernehmen müsste. Bloß keine Aktivität – lieber abwarten, ob es besser wird.

Der Hai ist ebenso unflexibel wie der Karpfen, aber aggressiv. Für ihn gelten folgende Prinzipien

<> Er muss auf jeden Fall gewinnen, gleichgültig, was andere dabei verlieren.

<> Jeder frisst jeden. Ohne Konkurrenz, gäbe es keinen Fortschritt.

<> Fehler kann sich niemand erlauben, denn die Konkurrenz schläft nicht.

Die langfristigen Ergebnisse der Hai-Strategie sind ähnlich dürftig wie die der Karpfen:

<> Energie wird durch hohen Kontrollaufwand und Reibungsverluste vergeudet.

<> Die Angst vor Fehlern und Umdenken lähmt: Kreativität und gute Ideen bleiben aus.

<> Der ständige Kampf gegeneinander führt in die Isolation. Fehlende Unterstützung durch andere ist die Folge.

Aber nur der Delfin kommt über „abwegige“ Fragen zu überraschenden Lösungen. Verhalten, das sich nicht als erfolgreich erweist, wird aufgegeben. Eine Sache, für die es nicht lohnt zu kämpfen, wird abgelegt.

I: „Huch, das war jetzt viel Information!“

D: “Merke Dir delphinische Grundsätze und vor allem handle auch danach!“

I. „Das werde ich!"

20
Mai
2014

Besuch bei einem Scheinheiligen

Scheinheilig ist jemand, der nach außen hin ein Bild von sich vermittelt, das nicht seinem realen Selbstbild entspricht. Wer z.B. Hilfsbereitschaft heuchelt, um in Wahrheit damit Geld zu verdienen, ist scheinheilig. In Religionen treten Scheinheilige en masse auf, um wider ihre ureigene Auffassung zu predigen.

Sogar Selbstbilder erweisen sich als Anflüge von Scheinheiligkeit. Fast jeder macht sich vor, etwas zu sein, was er in Wahrheit nicht ist. I hat sich von D gewünscht, einen Scheinheiligen besuchen und ihn interviewen zu dürfen. Nach einigen Bedenken stimmt D zu und I begibt sich auf eine lange Reise.

I hat sich nämlich vorgenommen, eine Art Legende zu besuchen. Es ist ein alter Einsiedler, dem wundersame Heilkräfte nachgesagt werden.
Unterwegs überlegt sich I, welche Fragen unbedingt gestellt werden sollten.

Nach langer Zeit gelangt I endlich zu der bereits halb verfallenen Hütte des alten Einsiedlers hoch oben in den Bergen des unzugänglichen Gebirges.

I: „Ich habe einen langen Weg zurückgelegt, um Dir vielleicht Fragen stellen zu dürfen, die mich sehr bewegen!“

Der Alte (A) schweigt sehr lange, bevor er sagt: „Dein Weg war wohl noch nicht lange genug!“ Nach dieser Feststellung hüllt er sich erneut in Schweigen.

Schließlich fügt er hinzu: „Was nur hast Du angestellt, dass sich Dir keine Antworten schenkten?“

I: „Die Strapazen des Weges hielten mich vielleicht zu sehr in Atem!“

Der Einsiedler fordert I auf, erst einmal zur Ruhe zu kommen, um offen für Antworten zu werden.

Nach Tagen trägt I seine Bitte erneut vor, aber wiederum erklärt ihm der Alte, dass er nicht lange genug gewartet habe.

Nach Wochen hat I eine Vision. D erscheint und offenbart I: „Wahrheit geht niemals fremd. Sie offenbart sich allein aus Dir!“

Aufgrund dieser Offenbarung verlässt I das Gebirge, um in die Auseinandersetzung des Alltags zurückzukehren.

Und I erkennt, dass der alte Einsiedler die Fantasie eines Traumes war.

19
Mai
2014

emovere --> Emotion

I: "Traditionell wird Denken als bewusstes Geschehen betrachtet, also als etwas, das wir nicht nur gezielt beeinflussen, sondern zugleich auch betrachten können. Denken des Unbewussten dagegen geschieht ohne unser Hinzutun!“

D: „Deshalb wird es auch emotionales Denken genannt. „emovere“ bedeutet „aus sich heraus bewegen“ oder „heraus- bzw. hinausdrängen“! Emotionales Denken formt unbewusst Gedanken und gestaltet deren Inhalte für das Bewusstsein als Bilder oder Gefühle.“

I: „Wenn also ein frommer Mönch eines beschaulichen Ordens während seiner in sich versenkenden Meditation die Allgegenwart Gottes empfindet oder gar wie Hildegard von Bingen Visionen hat, dann sind das gedankliche Bewegungen des Unbewussten?"

D: “Das kann man so sehen bzw. annehmen!“

I: „Das ist mir zu vage. Also: Kann oder muss man?“

D: „Nach dem, was Du Dir zurechtlegst, verhält es sich so, dass Du dergleichen annehmen musst. Jeder muss das für sich entscheiden!"


(D) für Daimonion
(I) für Intuition

18
Mai
2014

Das Unbewusste

I: „Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie ich Dich eigentlich anreden soll.“

D: „Du kennst doch meinen Namen oder nicht?“

I: „Ja natürlich! Du nennst Dich Daimonion. Aber ich habe das Gefühl, dass dies nur ein Pseudonym für das Unbewusstsein ist!“

D: „Warum verlässt Du Dich nicht auf Dein Gefühl?“

I: "Ich frage ja gerade nur deshalb, weil ich ein ungutes Gefühl habe!“

D: „Was ist ungut am Bewusstsein? Du kannst mich entweder Unbewusstes, Intuition oder ganz einfach „Du“ nennen!“

I: „Verhält es sich so, dass ich das allein fühlend, aber nicht denkend zu erfassen mag, was Du mir sagst?“

D: „Die deutlichste Ausdrucksform des Unbewussten ist die innere Stimme. Die Begegnung zwischen Ich und Du ist der lautlose innere Dialog schweigender Augenblicke!“

I: „Ich kann mir nicht helfen! Irgendwie hat der Glaube an unbegreifliches Unbewusstes fast religiösen Charakter!“

D: "Du darfst Dich nicht wie Augustinus dazu verführen lassen, die innere Stimme selbstüberhöht für etwas Göttliches zu halten so wie das bisweilen aus klösterlicher Vereinsamung geschehen kann. Wenn Dir das, Esoterikern gleich, widerfährt, solltest Du Dir Hilfe holen!“

I: „Diese Gefahr sehe ich nicht. Eingebungen empfinde ich als sehr hilfreiche Ideen.“

D: „Das ist ganz natürlich. Schließlich bin ich es, die Verhalten zum größten Teil regelt. Deshalb missbrauchen mich Geheimlehren und verkaufen mich als innerer Ratgeber, Arzt, Lehrer, innerer Richter usf.!“

I: „Und warum glauben Leute solches Zeug, kaufen es, besuchen teure Kurse oder unterstützen Kirchen und Sekten?“

D: „Es gibt viele innerlich Vereinsamte!"


(D) für Daimonion
(I) für Intuition

17
Mai
2014

Denken ist mehr als Erinnern

D: „Wenn Du Dich an das Konstruieren eines Quadrats mit Zirkel und Lineal erinnerst und Dir wieder einfällt, wie es geht, denkst Du dann nach?“

I: „Ja, ich nehme es an, weil ich ja aufgrund der Betrachtung herausfinden muss, wie die einzelnen Konstruktionsschritte aussehen. Denken besteht hier wahrscheinlich im genauen Nachvollziehen dessen, was mir die Abbildung zeigt.“

D: „Das trifft zu. Denken ist das Entdecken, wie etwas entsteht!“

I: "Und wenn ich spontan wieder weiß, wie es geht?“

D: „Die Interjektion „Aha" signalisiert als Ausdruck der leicht empfundenen Erleichterung, dass Du nachgedacht hast. Gefühlsausdrücke erscheinen mir als Zeichen einer Intuition, also eines als zutreffend empfundenen Einfalls.“

I: "Da sagst Du was! Einfall, aber was ist das?“

D: „Wenn jemand sagt: „Jetzt ist es mir wieder eingefallen", erinnert er sich an das, was er bereits weiß. Wenn aber jemand davon spricht, dass er einen Einfall hat, dann schlägt ihm das Unbewusstsein einen Zusammenhang vor, den er bislang übersah oder überhaupt noch nicht gesehen hat!“

I: „Das bedeutet doch letztlich, dass ein Gedankenblitz unbewusst Gedachtes zum Vorschein bringt. Oder nicht?“

D: „Ganz offensichtlich! Das Unbewusste denkt gleichsam vor! Unbewusstsein scheint mir zumindest bisweilen gar der Vordenker des Bewusstseins zu sein!“

I: „Das Bewusstsein denkt, und das Unbewusstsein lenkt.“

D: „Dieser Schluss erscheint mir doch etwas voreilig!“

I:“Das ist mir spontan so eingefallen, als mir der Spruch „Der Mensch denkt, und Gott lenkt!“ durch den Kopf ging.“

D: „Ein schadenfreudiger Gott, das ist jetzt aber nicht das Thema! Tatsache ist jedoch, dass wir das Bewusstsein kaum und das Unbewusstsein gar nicht kennen!“

I: „Mir ist immer noch unklar, wann Erinnern in Denken übergeht!

D: „Denken beginnt an dem Punkt, an dem Du anfängst, Identifiziertes zu Interpretieren!“

I: „Wenn ich als ein Schild als Stoppschild identifiziere, dann erinnere ich mich, und wenn ich mir überlege, was es bedeutet, dann denke ich?“

D: „So nicht! Aber wenn Du überlegst, was es für Dich in einer bestimmten Situation, z.B. nachts, bedeutet, dann denkst Du. Das erst geht über bloßes Erinnern hinaus.“

I: „Wenn ich also bei Rot stehen bleibe, dann denke ich nicht, sondern erinnere mich lediglich an die Vorschrift. Und wenn ich für mich die Vorschrift verändere, dann denke ich! Ist das so?

D: „In etwa!"


(D) für Daimonion
(I) für Intuition

16
Mai
2014

Selbst herausfinden

D: "Jener Satz der Erfahrung, welcher Konfuzius zu geschrieben wird und als Grundsatz natürlicher Lehre gilt, besagt aus der Sicht eines Schülers: "Was du mir sagst, das vergesse ich. Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich. Was du mich tun lässt, das verstehe ich!“ Da Du offensichtlich vergessen hast, wie man ein Quadrat mit Zirkel und Lineal konstuiert, finde es selbst heraus, indem Du Dir folgende Zeichnung ansiehst:"

I: " Ich habe es herausgefunden. Das war einfach, weil ich mich auch wieder erinnern konnte!“
D: „Was glaubt Du, was war davon Denken, und was Erinnern?"


(D) für Daimonion
(I) für Intuition

15
Mai
2014

Einfache Lehre

D: „Denken bewahrheitet sich allein durch Tun. Wer also wissen will, wie er denkt, braucht sich nur anzuschauen, was er tut. An den Taten kann er sich und andere erkennen!“

I: "Bestimmt sich Denken als Vorbereiten zu handeln?"

D: „Denken offenbart sich durch Tun! Was also überlegst Du, bevor Du handelst? Wenn Du das nicht für Dich zu beantworten vermagst, dann denkst Du wahrscheinlich auch nicht."

I: „Mir fehlen die Worte!“

D: „Du brauchst dazu keine Worte. Es sind Bilder, die Dir zeigen, was Du tun sollst!“

I: "Ich habe auch keine Bilder. Mir fällt einfach ein, was zu tun anliegt und dann tue ich es!“

D: „Jetzt hast Du mit einfachen Worten beschrieben, was geschieht, bevor Du handelst! Und wenn Du genau hinsiehst, dann kannst Du feststellen, dass Deine Einfälle aus Bildern bestehen. Du stellst Dir vor, was Du tun sollst!"

I: „Dann ist das Vergegenwärtigen von Bildern ein Zeichen dafür, dass ich denke?“

D: „So ist es!"


(D) für Daimonion
(I) für Intuition

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Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

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