Unilogo

29
Okt
2014

Kehrwoche (3.Tag)

WIEDERVORLAGE

Auf Wiedervorlage wartet Unerledigtes.
Zu den unerledigten Fragen gehört für mich jene Frage, mit welcher mein erstes Buch "Totzeit" (Henn-Verlag, Wuppertal-Ratingen, 1968) endet.

Unerledigt bedeutet hier nicht, dass ich mich mit dieser Frage nicht beschäftigt hätte, sondern vielmehr, dass ich noch keine zureichende Antwort habe.

Wiedervorlage bedeutet jetzt, dass ich mich auf den Weg zu dieser Antwort begebe. Das mache ich fast auf den Tag genau 46 Jahre nach Erscheinen von „Totzeit“, also 31. Oktober 2014.

Dieses Buch wird maßgeblich durch die Frage nach der Existenz Gottes bestimmt. Trotz intensivem Nachdenken kommt es letztendlich zu keiner schlüssigen Antwort. Was aber ist in den Jahrzehnten nach Erscheinen geschehen?

Die ursprüngliche Annahme, dass unser Zugang zur Existenz Gottes durch die Sprache blockiert bzw. verstellt wird, führte zu Untersuchungen über Kongruenzen zwischen Worten und Gedanken.

Kann ich wenigsten meiner eigenen Sprache trauen, wenn ich mich schon nicht allgemein verständlich machen kann?

Innerhalb meiner Sprache sind Gedanken für mich glaubhaft. Es wäre ein Symptom einer Erkrankung. würde ich den eigenen originären Gedanken misstrauen. In Bezug auf eigene schöpferische Gedanken macht das Gehirn in der Regel nämlich keine Fehler.

Schöpferische Gedanken entstehen vor allem intuitiv. Es ist gleichsam die innere Stimme, die sie uns diktiert.

Meiner Intuition nach glaube ich zwar an Gott, aber ich weiß es noch nicht. Aber warum muss ich das überbaut wissen und kann es nicht nur glauben?

28
Okt
2014

Kehrwoche (2.Tag)

Am 26. Mai schrieb ich: „Ich erfahre Denken als Vorstellen von dem, was ich zu tun vorhabe. Dieses Vorstellen besteht im Projizieren von Bildern, die mir meine Tätigkeit entweder Schritt für Schritt oder als Ablauf zeigen.

Wenn ich beispielsweise das Schreiben dieses Textes betrachte, dann tippe ich die Sätze gleichsam so wie sie mir in den Kopf kommen. Dabei verlasse ich mich auf das Gefühl, das mir sagt, dass ich das so schreiben kann. Sobald ich ein ungutes Gefühl habe, halte ich mit Schreiben inne, um dann das Geschriebene noch einmal zu prüfen oder gegebenenfalls zu korrigieren.

Ich schreibe vor allem aus zwei Gründen. Zumindest sind es jene Gründe, welche mir bewusst sind. Ich schreibe, weil ich Lust dazu habe und weil ich neugierig bin. Soweit ich mich erinnern kann, möchte ich jene Gründe herausfinden, welche uns Menschen veranlassen, wider besseren Wissens zu handeln. Warum tun wir etwas, obgleich wir ganz genau wissen, dass wir das nicht tun dürfen?

Genau genommen entstammt diese mein ganzes Leben bestimmende Leitfrage meiner frühen Kindheit. Ich habe fast nur kriegsbeschädigte Männer erlebt. Mindestens eines der Gliedmaßen fehlte immer. Auf einer Weihnachtsfeier habe ich einen auf seinem Rollstuhl festgebunden, blinden Mann ohne Arme und Beine erlebt. Seine Frau reichte ihm Kaffee und Zigarette, damit er trinken und rauchen konnte. Was mir bis heute nachgeht, ist die Heiterkeit dieses Mannes. Ich habe ihn heimlich beobachtet, wie er fröhlich lachte und seinen Kriegskameraden heitere Geschichten erzählten. Ich berichtete meinem kriegsblinden Vater von meinem traumatischen Erlebnis. Er erklärte mir nur, dass ich ihn nachher zu diesem Kameraden H. führen könne, weil er ihn begrüßen und sich über die „Dominikanerwitwe" informieren wolle…

„Warum tun sich Menschen so etwas Schlimmes an?“ Ich konnte bis heute keine Antwort auf diese Frage erfahren. Auch das Schlimme, das ich immer wieder erlebe, gibt keinerlei Aufschluss.

Aber in mir entwickelte sich im Lauf der Zeit eine Hypothese, die zu verifizieren mir sehr am Herzen liegt. Es geht darum, folgende Behauptung entweder zu beweisen oder zu widerlegen: „Unser Gehirn ist mit einem Virus infiziert, den ich in der Vergangenheit einfach „Hirnvirus“ nannte."

Als Kehraus eines hermeneutischen Zirkel(tanze)s bleibt festzustellen, dass ich im Grunde wie eine Katze um den heißen Brei schleiche, also das Wesentliche nicht klar benenne, mich nicht traue, über das eigentliche Anliegen offen zu reden, mich umständlich ausdrücke, das eigentlich Wichtige verschweige.

27
Okt
2014

Kehrwoche (1.Tag)

Vor der eigenen Türe kehren“ Fehler bei anderen entdecken wir besonders leicht, während wir die eigenen gern übersehen. ABER wir erkennen in anderen nur die eigenen Fehler.

"Wer auf andere mit dem ausgestreckten Zeigefinger zeigt, der deutet mit drei Fingern seiner Hand auf sich selbst.“ Deutlicher als durch diese Redewendung lässt es sich kaum ausdrücken."

Die katathyme Kehrwoche wird seit jeher „Gewissenserforschung“ genannt. Eigentlich sollte diese am Ende eines jeden Tages vollzogen werden. Am einfachsten geht das, wenn man sich den vergangenen Tag noch einmal gleichsam als Film im Kopfkino vorstellt.

Seltsamerweise nutzen viele zu diesem Zweck ihre Blogs. Dort sprechen sie oft sogar das aus, was sie sonst niemanden sagen würden. Das hat wohl die Funktion konzentrierter Selbstgespräche. Aber für diese oftmals mutige öffentliche Beichte gibt es keine Absolution.

Andererseits kann man es drehen oder wenden, wie man es will, wann immer man irgend etwas veröffentlicht, teilt man sich dadurch mehr oder weniger bewusst selbst mit.

26
Okt
2014

Es hilft nichts

Körperlich schwer erkrankt ist sehr schlimm. Aber noch viel schlimmer wird es, wenn auch die Seele erkrankt. Im Krankenhaus verschließt sich die kranke Seele. Von körperlichen Kräften im Stich gelassen, wird die so gekränkte Seele unoffen, also unwahr.

So machte ich gestern eine erschreckende Beobachtung. Eine sehr kranke Patientin zeigt sich durch ein lebhaftes Gespräch offensichtlich aufgemuntert und guter Dinge. Da wird sie von ihrem Mann besucht, und schlagartig verfinstert sich ihr Gesicht und nimmt depressive Züge an. Helle Heiterkeit weicht häßlich leidvoller Mimik.

Vielleicht meint sie sogar, durch ihr Leidensgesicht ihren ebenfalls sehr kranken liebevollen, aber verschlossenen Mann helfen zu können. Aber es hilft nicht: Helfen würde nur Wahrheit offener Liebe.

Nun, wahrscheinlich herrscht nicht Unwahrheit, sondern Verdrängung. Offensichtlich wächst mit körperlich schwindender Gesundheit die Macht des Unbewussten.

Okay, morgen habe ich bei mir Kehrwoche.

Geschrieben in der von der Zeit zurückgegebenen geliehenen bzw. verliehenen Stunde ;-))

Winterzeit, ich gönne mir ein wenig Wärme und habe den alten Gasofen angemacht. 54,3 feucht und 21,5 warm.

Guck' mal!

25
Okt
2014

Im Nebel eigener Fantasie oder bungee jumping

Chemotherapie gleicht einem risikanten Sprung in die Tiefe. Allein im Vertrauen, dass alles wenigstens seine schulmedizinische Richtigkeit hat. Der Fantasie gelingt es gottlob nicht, mit blitzartigen Schreckensbildern zu erschrecken. Jedoch ist sie meistens damit beschäftigt. sich positive Bilder auszumalen, um die Selbstheilungskräfte zu stärken.

Als Mitbetroffener leide ich mit und erfahre mich dabei,
inmitten von Infusionen aufzuwachen.

24
Okt
2014

Grenzen der Komplexität <> Zusatzkosten

Das System MH Krankenhaus ist so komplex, dass es sich nicht mehr Zufiedenheit der Patienten organisieren lässt.
Im Gegensatz zur Zielsetzung des Systems müssen sie dort länger verweilen als gewollt. Das kostet dem Patienten Lebensqualität oder Zusatzkosten in Tagen, in denen er nicht Zuhause sein kann.

In einem System überhöhter Komplexität lässt sich noch so viel rechnen, Verrechnen lässt sich da nicht vermeiden. Auch hier trägt die Zusatzkosten ein weiteres System die KV und natürlich auch wiederum der Patient.

23
Okt
2014

Zwei Nummern in Warteschlangen oder acht Stunden sind kein Tag

Zugegeben, acht Stunden sind kein Tag. Aber acht Stunden Warten kostet im Krankenhaus ein verlorener Tag. Ein Tag ist verloren, wenn anstehende Behandlungen nicht mehr durchgeführt werden können.

Vier Stunden Warten in der Annahme, bis die eigene Nummer aufgerufen wird, lehrt Sinn und Zweck des Zahlensystems. Der Mensch wird als Nummer entwertet, um ihn sicher in den komplexen schulmedizinischen Behandlungsalgorithmus integrieren zu können.

Vier Stunden Wartezeit auf ein freies Bett, weil der Transportdienst nicht alles wie berechnet zu leisten vermag. Aber freundliche Schwestern und ein freundlicher Arzt trösten zwei wartende Zahlen.

22
Okt
2014

Punkte sind nicht reich

Jedes Wesen existiert als Punkt einer beidseitig offenen Linie. Infolgedessen reflektiert es sich gegenwärtig sowohl auf das, was vergeht, als auch auf das, was entsteht. Obgleich ein gegenwärtiges Wesen, versäumt es doch jeden Augenblick.
Entweder verweilt es in seiner Vergangenheit oder stellt sich seine Zukunft vor. Da sich mit fortschreitendem Alter Zukunft verringert, verweilt er zunehmend mehr in Vergangenheiten.

Bedenke aber, ein Punkt ist nur Nichts mit eingebildeter Umgebung.

21
Okt
2014

Mutterkorn

Manche Menschen sind von Natur aus bösartig. Sie widerlegen idealistische Annahmen vom Gutmenschen. Bösartige Menschen sind gehässig und zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie andere Menschen für eigenes Versagen verantwortlich machen.

Im Alltag erweisen sie sich als Kriechtiere mit den üblichen Schleimspuren, voller Neid auf jene starrend, die schneller sind und es deshalb weiter bringen als sie.

Nach Aufnahme von Mutterkorn können Halluzinationen entstehen. Unter Halluzination versteht man sinnliche Wahrnehmungen ohne dass nachweisbare Reize vorliegen. Das bedeutet zum Beispiel, dass physikalisch nicht nachweisbare Objekte gesehen werden oder Stimmen gehört, ohne dass jemand spricht.

20
Okt
2014

multiphren

Überkommene Ansichten von Persönlichkeit bemühen sich das Selbst einer Person als Einheit bzw. Ganzheit darzustellen. Das Wort Person entstammt dem lateinischen Wort „persona“, das „Maske eines Schauspielers“ bedeutet. Der Mensch maskiert sich. Eines seiner vielen möglichen Gesichter „trägt“ er öffentlich vor. Das Selbst inszeniert sich für seinen öffentlichen Auftritt. Das Ich maskiert sich je nach Situation. Kaum jemand zeigt je sein wahres Gesicht.

Das Selbst gleicht in Wahrheit einem Chamäleon, das sich spontan seiner Umgebung anzupassen weiß.
Der zureichende Grund für die Vielgesichtigkeit des Menschen, ergibt sich aus der Notwendigkeit, sich im Alltag flexibel zu zeigen. Vorgelebt wird das durch die Scheinheiligen der Kirche, die sich mit Frömmigkeit maskieren, nachdem sie Kinder missbrauchten oder andere Untaten verübten. Mordende Kreuzritter, habgierige, lüsterne Päpste, neurotische Priester tragen allesamt solche Masken. Sie verkaufen den Glauben, indem sie nach wie vor Steuern eintreiben.

Das ganzheitliche Ich wird im Paradies durch die unselige Fantasie eines allmächtigen Wesens, dem sich alle unterzuordnen zu haben, geschaffen. Die Zehn Gebote verstärken diesen Zwang und lassen jeglichen Sinn im Glauben erstarren.

19
Okt
2014

"Du sollst nicht begehren..."

In den Anfängen seiner Bewusstwerdung wird der Mensch weder von seinem Verstand noch von seiner Vernunft gesteuert. Vielmehr regeln religiöse Gefühle sein Verhalten. Geschichten religiöser Gefühle scheinen in mythischen Erzählungen hervor. Intuitive Empfindungen werden dichterisch fantasievoll ins Werk gesetzt. Zu den ältesten Sagen dieser Art gehört die Erzählung vom Sündenfall aus dem Garten Eden.

Während des Erwachens seines Bewusstseins erfährt sich der Mensch weniger als rationales, sondern vielmehr als emotionales Wesen. Dieses Wesen bewertet sein Verhalten vor allem als raffgierig. Seine Beobachtungen fasst er in mythischen Bildern.

In diesen Bildern zeigt sich der Mensch keineswegs als vernunftbegabtes, sondern als gieriges Wesen. Intuitiv wird klar, dass er seinem unersättlichem Verlangen Einhalt gebieten muss. Das kann allein durch ein Wesen geschehen, das seiner Veranlagung entgegengesetzt ist.

Das gierige Lebewesen inszeniert seinen Gegensatz gleichsam als Axiom, das er „Gott“ nennt.

Als allmächtiges Wesen ist Gott frei von Gier, ohne Machtgier, ohne Habgier, aber auch ohne Neugier.
Ein triebfreies Wesen ist körperlos und deshalb unsichtbar.

In seiner Machtgier aber bemächtigt sich das gierige Lebewesen „Mensch“, seiner einmaligen Entdeckung als Mittel zum Zweck der Bemächtigung anderer Lebewesen. Um diese hinreichend ohnmächtig zu halten, drängt er ihnen den Glauben an seinen Gott auf.

Heutzutage wird diese von Gier bestimmten Lebewesen Machenschaft von verschiedenen Institutionen, das sind Kirchen. unterschiedlich organisiert und verwaltet. Im Verlauf der Geschichte entwickelt sich das zum Symbol eines religiös kaschierten Kapitalismus.

Der Wesenszug des kapitalistischen Menschen ist das Gewinnstreben. Nicht Neugier, sondern Habgier wird zum existentiell maßgeblich bestimmenden Verlangen.


"Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Rind, Esel, noch alles, was sein ist". (5. Buch Mose / 10. Gebot)



(10. Gebot Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Haus, Acker, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was sein ist.)


Viel verlangt, denn der Mensch ist von Natur aus egoistisch und verhält sich nur aus Angst vor Strafe ehrlich wie Untersuchungen von Hirnforschern zeigen.

18
Okt
2014

um jeden Preis

Der Mythos vom Paradies offenbart zum ersten Mal in der Geschichte den Wesenszug. Der Mensch erscheint nicht wie in Griechenland des Altertums als vernunftbegabtes, sondern als habgieriges Lebewesen. Als zureichender Grund der Verführung erscheint das Verlangen, wie Gott zu sein.

Der Genuss der Frucht vom Baum der Erkenntnis sollte dieses Verlangen stillen. Die Dichter der mythischen Erzählung aber bestrafen diese Absicht mit dem Rausschmiss aus dem Garten Eden.

17
Okt
2014

Verlust durch Vieldeutigkeit

Die Vieldeutigkeit eines Wortes macht es zugleich unglaubhaft. Der Arzt versichert einer schwerkranken Patientin, das Beste für sie zu tun und meint damit seinen Kontostand. Ärzte unterlassen sogar aus Gründen ihrs Budgets Hilfeleistungen.

Vieldeutigkeit ermöglicht die Entwertung aller Werte.

16
Okt
2014

„Welt als unser Wille und unsere Vorstellung“?

Wörter sind Rätsel, die unser Gehirn ständig löst, ohne dass uns dies bewusst wird.


Jeder von uns hat zu jedem Wort seine eigene Vorstellung. Sobald jemand ein Wort hört oder liest, projiziert er diese seine Vorstellung in das Gehörte oder Gelesene. Indes glaubt er zu verstehen.


Wir verstehen, was uns andere mitteilen, indem wir uns an Erfahrungen erinnern und diese vergegenwärtigen.


Macht uns Besinnung auf Sprache klar, dass Verstehen „sich selbst sehen“ bedeutet?


Einsicht nicht mehr als vollkommene Übereinstimmung mit sich selbst?


„Sprache ist das Haus der Seins.“ Diese Aussage des Philosophen Martin Heidegger sehen wir ein, weil sie das Wohlgefühl eines Zuhause in uns erzeugt. Vielleicht stimmen wir nur zu, weil diese Aussage in uns das Gefühl von Geborgenheit hervorruft. Dieses Gefühl ergreift uns so sehr, dass wir nicht die rechten Worte finden, um die Bedeutung dieser Aussage mitzuteilen.
In Wahrheit aber fehlen uns hinreichende Erfahrungen.


Verstehen erscheint als eine Frage der Sympathie. Um uns zu begreifen, müssen wir stimmungs- und einstellungsmäßig übereinstimmen. Unsere Empfindungen und Gefühle animieren unsere Phantasie, ihnen eine ihnen gemäße Welt zu malen. „Welt als unser Wille und unsere Vorstellung“?
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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