Unilogo

21
Mrz
2017

Seltsames Gemisch

Die Geschichte Abendländischen Denkens lässt ein höchst seltsames Gemisch aus Sein und Werden entstehen. Wissenschaften, die letztlich auf gläubigen Annahmen beruhen, überziehen Werden mit fantasievoll modellierten Sein. Fortan wird im Werden gesucht, was als Sein vorweg gedacht worden ist.

Natürlich liefert schließlich die unendliche Vielfalt des Werdens immer wieder Angebote des Seins, die Werden modellhaft begreifbar werden lässt.

Obgleich Mathematik allein auf gläubigen axiomatischen systematischen Annahmen beruht, erscheint diese Wissenschaft des Geistes als unübertreffbare Möglichkeit, Richtigkeit des Rechnens gegen Wahrheit des Denkens auszuspielen.

Jedoch weist Denken dem Rechnen gegenüber den nicht zu übersehenden Vorteil der Beweisbarkeit auf, während Wahrheit auf Glauben angewiesen bleibt.

20
Mrz
2017

Zeitenfolge

Bevor sich etwas verwirklicht, bedarf es seiner Organisation als mögliche Wirklichkeit in Form einer Abfolge einzelner Verwirklichungsfunktionen. Existieren keine Erfahrungen solcher Konzeptionen, dann gestalten sich solche Konzeptionen als Versuch und Irrtum. Vorlagen für konzeptionelle Versuche liefern wirkliche Möglichkeiten. Diese zu erfassen bedarf es der Intuition.

Als Spiel möglicher Möglichkeiten gewinnt Intuition annehmbare Beziehungen zufällig. So sucht das Schutzbedürfnis nach Sicherheit durch eine immerwährende Kraft, welche sich die Fantasie als unsichtbarer unwiderlegbarer Gott ausmalt. Durch Hinzufügen immer neuer unübertreffbarer Eigenschaften entwickelt sich diese Schöpfung sehnsuchtsvoller Fantasie selbst zum Schöpfer der Natur, da er sämtliche Eigenschaften aufweist, die der Natur nicht zukommen wie Unsterblichkeit, ewige Unendlichkeit, allgegenwärtige Allmacht.

Aber zufälliges Erschaffen eines Gottes und religiöses Vereinnahmen verstellt den Blick auf den wahren Ursprung allen Werdens. Zwar erkennt der Philosoph Sokrates noch die Möglichkeit eines Wahrnehmen, das über die Grenzen des sinnlich Vernehmbaren hinausragt, zwar malt sich sein Schüler Platon diesen Bereich als Welt der Ideen aus, zwar sucht wiederum Aristoteles Sicherheit diesseits der Grenzen, indem er das Allgemeine als Schutz vor Vergänglichkeit postuliert, aber alle diese Versuche erreichen nicht jenen Weitblick, welcher die Wahrheit des Urgrundes schaut.


19
Mrz
2017

Schweigende Sprache





Lautlose Worte

als geistige Mitteilung

der toten Seele



18
Mrz
2017

Auflösung ins Nichts


Ohne Raum und Zeit

Ewigkeit der reinen Seele

innerer Stimme

16
Mrz
2017

Geburtstag

Sobald geboren

alt genug um zu sterben

ohne Wiederkehr

15
Mrz
2017

Fragen als natürliches Phänomen der Neugier

Als Vorgaben der Art und Weise zu suchen erweisen sich Fragen als Verführungen, Ursachen und Gründe für etwas zu finden. Es sind die Grundbedürfnisse des sich Absichern und Schützend, welche die Vernunft antreiben zu suchen.

Als Konstituenten der Neugier, sind Fragen in vernunftbegabten Lebewesen von Natur aus angelegt.

14
Mrz
2017

Wiedererinnerung

Der Philosoph Platon erklärt im Dialog Menon alles, das uns an Originellem einfällt, als Wiedererinnerung an ein Wissen, das die Seele zwar besessen, aber vergessen hat. Demnach sind beispielsweise die Möglichkeiten zu ordnen oder die Kategorien keine Entdeckung des vernunftbegabten Lebewesens, sondern Erinnerungen an ein vorkörperliches Sein. Die Seele wandert durch das Reich der Ideen, bezieht vorübergehend das Haus des Körpers, um nach dem Tod wieder in die Welt der Ideen zurückzukehren.

Die Wiedererinnerungslehre ist ein Versuch, den Urgrund menschlichen Wissens zu erklären. Es ist die frühe Inszenierung des Unbewussten als Unterwelt als Weg einer unendlichen Seelenwanderung.

Dieser zwar naiv anmutende Versuch konnte aber auch zwei Jahrtausende später - so unglaublich es klingt - noch immer nicht stichhaltig ersetzt werden. Neben Wiedergeburt, religiösen Glaubensannahmen oder Spielereien des Unbewussten existiert nichts, das z.B. das Phänomen des a priori stichhaltig zu erklären vermöchte.

13
Mrz
2017

Raumzeit

Werden ist umgeben von Sein, durch das es informiert wird. Im Gegensatz zum Werden ist Sein unvergänglich und unabhängig vom Werden. Sein ist mögliches Werden a priori und verwirklichtes Werden a posteriori.

Sein ist jene Fülle möglicher Möglichkeiten, welche Energien zufallen und Materie entstehen lassen. Was aber geschieht mit informierter Energie, wenn Materie zerfällt?

Während Information Energie zur Materie formt, verbleibt ihr Vorschein als Wesensgestalt erhalten, nämlich als erweiterte Information der Energie. Als reiner Geist voller Information a posteriori vermag das Wesen jederzeit wieder hervorzuscheinen und sogar anderen sinnfällig (nicht: sinnenfällig) zu begegnen.

12
Mrz
2017

Grenzen

Vernunft wird begrenzt durch sinnliches Wahrnehmen des Körpers, durch geistiges Wahrnehmen des Geistes und durch gefühlsmäßiges Wahrnehmen der Seele. Diese Begrenzungen machen das aus, was wir als Wirklichkeit erfahren.

Aber seit jeher ist das vernunftbegabte Lebewesen versucht, diese Grenzen zu überschreiten, ohne in den Bereich bloßen Glaubens zu geraten. Dieser Bereich wird von Trieben, Bedürfnissen, Sehnsüchte, Träume usf. bestimmt, und er gilt vernünftigerweise als nicht anerkannt, da nicht überzeugend als zutreffend ausgewiesen.

Wer Glauben nicht anzuerkennen gewillt ist, versucht sich geistig darum, Existieren zu optimieren.

11
Mrz
2017

Was ist Wahrheit?

Das Wort „Wahrheit“ steht für Unverborgenheit. Es ist etwas entdeckt, was sich zuvor verborgen hielt. Jene Wahrheit, für welche sich nahezu alle interessieren ist das Selbst als die Wahrheit des Ichs.Das Ich erfährt und erlebt sich vor allem als Bewusstwerden. Das, was sich verbirgt, ist sowohl das vorbewusste als auch das unbewusste Geschehen.

Inwiefern spiegelt sich im Bewusstsein das Unbewusste wider und welche Rückschlüsse sind möglich? Schwierigkeiten ergeben sich aus der Tatsache, dass jegliche analytischen Methoden im Bewusstsein verankert sind. Das bedeutet, dass Deutungen des Unbewussten stets vom Bewusstsein maßgeblich geprägt werden.

Dessen eingedenk verlassen sich psychologische auf sinnlich vernehmbare und überprüfbare Modellierungen, die sie dann statistisch absichern.

Das, was „Wahrheit“ meint, kann auch Utopie bedeuten, also ein angestrebtes, aber nicht zu erreichendes Ziel. Der Bezug zu solcher Utopie wird als Hoffen erfahren.
Unter diesem Aspekt erscheint Wahrheit als Motivation nach etwas zu suchen oder es zu erforschen.

10
Mrz
2017

Lebenswert

Nicht die Menschen haben am längsten gelebt, die am ältesten geworden sind, sondern die am meisten gefühlt haben.

Jean Jaques Rousseau

9
Mrz
2017

Lässt sich Unbewusstes ergründen?

Von sinnlich vernehmbaren Daten auf vorgängige geistige Prozesse zu schließen, ist wegen der Verfremdung durch das Vorbewusstsein recht fragwürdig. Selbst das Vorbewusstsein verschließt sich auf Grund der Zufälligkeiten einer zuverlässigen Analyse. Aus einem Gedicht lässt sich nicht erkennen, was sich in dem Dichter, während er das Gedicht schrieb, vor sich gegangen ist.

Fallbeispiel:

Neonuntergang

Bläue in altmodischen Scheibengardinen.
Altbaugehäuse hinter Rauhfaser.
Zerstörtes Uhrwerk in Ebenholz.
Verkümmerte Pflanzen auf dem Fensterbrett.
Rest von starkem Kaffee in ziegelroter Keramiktasse.
Staubteilchen auf milchig brauner Brühe.
Zerknüllte Notizen. Papierknäuel auf dem
Holzfußboden.

Erste Zeichen der Dämmerung zeigen sich ihm nach einer Zeit vergessenen nicht sonderlich erfolgreich durchwachten Nacht. Papierknäuel bezeugen vergebliche Anstrengungen unermüdlich wiederholter Versuche.
Warum wird diese ungute Situation eigens dichterisch ins Werk gesetzt?
Diese Situation wird als mitteilungswürdig betrachtet, also als wichtig genug, um sie dichterisch umzusetzen. Aber auf welche existentielle Situation verweist sie tatsächlich? Verkriecht sich der Schreiber ins Dunkel der Nacht, um sich vor dem Tag zu schützen? Und warum versucht er dem Licht des Tages zu entkommen? Das Gedicht gibt darauf keine Antwort.

Es lässt nicht einmal erahnen, dass kriegstraumatische Erlebnisse das Erzeugen dieses Textes betreiben. Es ist die Furcht vor Tag für Tag möglichen Zwangsmaßnahmen gegen die Freiheit. Als kleines Kind hat er derartige Zugriffe auf seine Familie, ohne sie zu begreifen, erleben müssen. Im Unbewussten wird unbegriffen Erlebtes, verankert, um sich dann unter Umständen ein Leben lang störend oder gar zerstörerisch auszuspielen.

Kurzum: Texte erscheinen keineswegs als wahre Dokumente eines dokumentierenden Subjekts.

8
Mrz
2017

Nicht Denken, sondern Gefühle diktieren den Text

Besonders deutlich wird der Zusammenhang von Denken und Gefühlen in Lyrik, Poesie und Philosophie. Gefühlsmäßig werden Möglichkeiten unbewusst durchgespielt, bevor vernünftig bzw. verstandesmäßig versucht wird, in Frage kommende mehr oder weniger zufällig zu verwirklichen.

Aus diesem Grund bedarf Denken eines initiierenden Motivs, um sich zielgerichtet vollziehen zu können.

Als Bilderleben formt sich Denken als Bilder-Leben vorbewusst fantasievoll, um sich als Bild-Erleben bewusst zu gestalten.

Auf das unbewusste Bilder-Leben hat das Denken (Bild-Erleben) keinen unmittelbaren Einfluss. Vielmehr empfängt es seine Gedanken bereits vorbewusst zurechtgemacht aus dem Unbewussten.

7
Mrz
2017

E-motion

„Emotion“ bedeutet dem Namen nach „Vorschein“. Emotion ist für das Ich der Vorschein des Selbst. Das Ich ist sich Selbst, indem es sich fühlt. „Gefühl“ ist der Dialog zwischen Ich und Selbst. Dieser Dialog findet im geistigen Raum der Vernunft statt und wird von dieser als Prozess zwar wahrgenommen, aber nur nachlässig reflektiert.

Versuchen wir, das Phänomen des Gefühls denkend zu erfahren. Zu diesem Zweck nutzen wir das Sprachzeichen „Haus“. Nun entscheiden unsere Gefühle, auf welche Art und Weise uns dieses Wort ein Bild von Haus in unserer Vorstellung erzeugen. Uns erscheint gewöhnlich zunächst ein Bild von jenem Haus, welches für uns eine besondere Rolle spielt. Das kann das Haus sein, in dem wir gerade wohnen, oder das, in dem wir aufgewachsen sind.

Mit dem modifizierten Wort „Elternhaus“ gestalten sich Ereignisse aus unserer Kindheit oder Jugend. Die vorstellungsmäßige Annäherung an ein besonderes Ereignis wird emotional bestimmt. Bei mir ist es merkwürdigerweise die Haustüre und das Treppenhaus. Ich gehe hinauf zu unserer Wohnung, aber es ereignet sich unmittelbar nichts. Ich betrete die Wohnung, aber es ist niemand da!
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Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

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