Unilogo

20
Jan
2016

Reigen


die Melodie
weckt die Bilder auf

ein Tuch flattert
Glocken läuten

ein Stern
spricht von Erinnerungen

von der Zeit
von dem Meer

von dem großen Traum
der durch die Tasten

aufersteht


20.1.2015
+Ulrike Schmid


Erwachen der Gier


Das Reflektieren alternativer Bilder weckt die Gier nach Mehr. Überzogenes Grundbedürfnis kehrt sich in Machtbedürfnis. Übersteigerte Neugier verkürzt Räume und beschleunigt Zeiten. Das habgierig ge-wordene vernunftbegabte Lebewesen macht sich die Erde nicht untertan, sondern zerstört sie.
Die ‚schlafende’ Vernunft der Naturvölker bringt das Glück natürlicher Bescheidenheit zum Vorschein. Im Einklang mit der Natur entwickelt das afrikanische Naturvolk einzigartige Überlebensstrategien. So bil-den sie über Jahrtausende in einer lebensfeindli-chen Umgebung, der Wüste die Fähigkeit des Langstreckenlaufs.
Die San verfolgen ein von Pfeilen verletztes Tier so lange, bis dieses vor Erschöpfung aufgibt. Seit über zehntausend Jahren leben die San die Wüste in der Kalahari im südlichen Afrika. In Jahrtausenden hat sich ihr Leben nicht verändert.
Sie nehmen zum täglichen Leben das, was ihnen die Natur schenkt, mehr nicht. Sie kennen etwa zweihundert nutzbare Pflanzenarten. Sie leben mit und von der Natur. Es gibt keine sichtbaren Verän-derungen bei den San. Es gibt keinen Streit, keine Häuser, keine Schrift, keine Mathematik, keine Ast-ronomie. Sie führen keine Kriege. Wachstum und Fortschritt ist ihnen fremd.
Sie erscheinen zivilisierten Völkern primitiv. Sie be-wahren die Natur und leben dort, wovon der Mythos erzählt: im Paradies. Sie nehmen nur das, was für sie von Natur aus verfügbar ist.
Das Leben der Aborigines in Australien ist sogar seit fast vierzigtausend Jahren unverändert.

Ohne Beteiligung der Vernunft wird der Zuwachs von Reflexionspotential von der Natur beschränkt und innerhalb von Wiederholungen genutzt. Zufolge dieser Ökonomie ändert sich im Leben der Aborigi-nes auch im Verlauf von dreißigtausend Jahren nichts Nennenswertes. Infolgedessen bleibt auch die Natur unverletzt.
Vernunft wird aus dem gestörten Grundbedürfnis nach Schutz geboren. Um sich hinreichend schützen zu können, braucht man ausreichend Macht.

Das Bedürfnis, sich abzusichern schlägt in Gier um. Das eigene Wohlbefinden nicht mehr das der Gruppe dominiert, Geltungssucht und Statusdenken dominieren.

Ohne Gier gäbe es keinen wirtschaftlichen Konkurrenzdruck, keine Weiterentwicklung, keinen Wohlstand. Nicht das Wohlwollen, sondern der Egoismus des Bäckers sorgt dafür dass wir unser Brot bekommen. Der Beruf wird um so besser gewählt, je mehr er der Selbstbefriedigung dient. Das Selbst ruft, und das Ich fühlt sich berufen.


19
Jan
2016

carmargue


fließende Konturen
etwas schwebt
in einer anderen
Dimension

der Duft von Zitronen
Mäander von Traum

etwas ist
das nicht ist
etwas bleibt

der Geschmack von Leben
der außerordentliche Traum


19.1.2015
+ Ulrike Schmid


Ahnungslose Vernunft


Vernunft verdankt ihr Entstehen einer neuronalen Störung des Urinstinkts. Durch diese neuronale Störung wechselt Steuerung in Regelung, d.h. die Organisation des Verhaltens.

Durch situative Alternativen entsteht Information, die Entscheidungen herausfordern. So wird Werkzeug notwendig, weil das, was zu tun ist, ohne Hilfsmittel nicht mehr getan werden kann. Wenn Früchte an einem Baum zu hoch hängen, wird ein Stock benötigt, um sie erreichen und herunterschlagen zu können.

Störungen der Befriedigung von Grundbedürfnissen führen zu Reflexionen von Sinneseindrücken. Reflexion bedeutet hier das Entwerfen alternativen Bil-dern:

Beispiel:
Frucht pflücken und sie verzehren.
Alternatives Bild: Frucht hängt zu hoch, um sie pflücken zu können, als braucht man einen Stock, um sie herunter schlagen zu können.

Das, was frühe Philosophen „Vernunft“ nennen, entsteht, weil unbefriedigte Grundbedürfnisse nach Alternativen verlangen.

So entsteht Religion, weil das schutzlose Lebewesen Hilfe braucht. Weil es Naturkatastrophen schutzlos ausgeliefert ist, fantasiert es Götter, die ihm unter bestimmten Bedingungen helfen.

Fantasie als bildgebende Kraft schafft fehlende al-ternative Bilder. Dank dieser Schaffenskraft spaltet sich Bilderleben (fantasieren) in Bilder-Leben (Fan-tasie) und Bild-Erleben (Reflexion):

Vernunft = Bewusstwerden = Bilderleben = Bild-Erleben / Bilder-Leben

Die Entdeckung der Reflexion entwickelt sich zur Reflexion der Reflexion. Zu den Bildern kommen Sprachzeichen als Mittel zum Zweck der Reflexion, wenn Bilder nicht verfügbar sind; Philosophieren entwickelt sich.

Die Erfahrung des Bewusstwerdens lässt vergessen, dass sich dieses letztlich instinktgesteuert (im Unbewussten) organisiert. Als Abschattung des Instinkts bleibt die Vernunft ahnungslos. Triebe treiben das ‚vernunftbegabte’ Lebewesen ahnungslos durch Raum und Zeit.


18
Jan
2016

doppelbrechender Kristall


wenn Liebe

die Unwahrscheinlichkeit selbst ist,
die uns immer wieder berührt,
die wir immer wieder umarmen

dann ist sie

wahrscheinlich stets beteiligt
in all unserem Fühlen und Tun

weil sie Grund des Leben ist


18.1.2015
+ Ulrike Schmid


Emotionale Intelligenz


Gefühle sind Wechselwirkungen (⇔) zwischen Innen- und Außenwelt: Physiostruktur ⇔ Psychostruktur.
Affektion (Stimmung) ⇔ Emotion (Einstellung) konstituieren die situative, subjektive Grundbefindlichkeit eines Menschen.

Die Wechselwirkung „Affektion ⇔ Emotion“ bestimmt die Identifikation bzw. Interpretation eines Ereignisses:

Reiz ⇔ Erfahrung = Identifikation.

Bewusstwerden vollzieht sich als Gleichzeitigkeit von „Reiz ⇔ Erfahrung = Identifikation“ und „Reiz ⇔ Erfahrung = Identifikation“.

(Reiz Erfahrung)/(Affektion<=>Emotion) = Gefühl

Als Ausweis des jeweiligen emotional rationalen Verhältnisses gilt die subjektive oder intersubjektive Befindlichkeit.

Strukturieren von Empfindungen hilft Gefühle deutlicher wahrzunehmen und besser zu verstehen. Gefühle formen Gedanken, bevor sich diese verstandesmäßig gestalten.

(Wahrnehmung)/Affektion + (Erfahrung)/Emotion = Bewusstsein/(Gefühl) = Selbst

Als Bildungskomponenten des Selbst(- Bewusstseins) zeigen sich Gefühle als Bilderleben:

(Bild-Erleben)/(Bilder-Leben) = Bilderleben = Bewusstwerden

Beispiel:

(Vergänglichkeit)/(Laubbäume im Herbst) = Trauer = Erinnerungen


17
Jan
2016

Liebe


wenn wir uns begegnen
als träumten wir
den Traum eines Lebens
so weit entfernt

das Licht verbindet
das Gefühl mit dem Selbst
wir ahnen dass wir
gebunden sind

an das Gesetz der Natur
das Licht ist der Verweis
für die Energie, die uns
selbst erhält


17.1.2015
+ Ulrike Schmid


Gefühle - Gedanken der Seele


Im abendländischen Denken gelten Verstand und Gefühl, Rationalität und Emotionalität als Gegensätze. Logik und Intuition werden gleichsam gegeneinander ausgespielt.

Dieser Umgang aber widerspricht alltäglichen Erfahrungen. Im Alltag gelangen Gedanke und Gefühl als feste Verbindung zum Vorschein. Wenn sich jemand über sommerliches Wetter freut und daran denkt, an den Strand zu fahren, dann erscheint diese Freude als gefühlsmäßiger Ausdruck dieses Vorhabens. Die Seele kommentiert diese Absicht als erfreulich, um für die Verwirklichung zu motivieren. Der Gedanke der Seele beinhaltet folglich einen Kommentar zum Gedanken des Verstandes. Dieser emotional-rationale Dialog findet im abendländischen Denken kaum Beachtung.

Infolge dieser Missachtung wird nicht erkannt, dass die Gedanken der Seele limbische Mitteilungen des Unbewussten sind, und jene Formen ausmachen, in welchen Gedanken sich gestalten.

‚Bauchgefühl’ oder Intuition aber ist die Fähigkeit, Einsichten in Sachverhalte, Sichtweisen, Gesetz-mäßigkeiten oder die subjektive Stimmigkeit von Entscheidungen zu erlangen, ohne diskursiven Ge-brauch des Verstandes, also etwa ohne bewusste Schlussfolgerungen.

Wir haben weitgehend verlernt, auf intuitive Eingebungen zu hören. Wir haben vergessen, die Leiden-schaft des Erkennens zu erfahren. Analog zum Bewusstwerden als:

• Wahrnehmen,
• Betrachten,
• Beobachten,
• Begreifen,
• Umsetzen.

existiert Empfinden als:

• Affizieren,
• Aufspüren,
• Interessieren,
• Motivieren.
• Engagieren

Ich schlendere durch den herbstlichen Park. Das bunte Laub der Bäume beeindruckt mich (Affektion). Ich spüre einen Hauch von Vergänglichkeit. (Empfindung). Ich überlege ein Gedicht über den Herbst zu schreiben. (Interesse). Das Gedicht „Das ist der Herbst“ motiviert mich.

Das ist der Herbst

Das ist der Herbst; die Blätter fliegen,
Durch nackte Zweige fährt der Wind;
Es schwankt das Schiff, die Segel schwellen –
Leb wohl, du reizend Schifferkind! –

Sie schaute mit den klaren Augen
Vom Bord des Schiffes unverwandt,
Und Grüße einer fremden Sprache
Schickte sie wieder und wieder ans Land.

Am Ufer standen wir und hielten
Den Segler mit den Augen fest –
Das ist der Herbst! Wo alles Leben
Und alle Schönheit uns verlässt.

Theodor Storm (1817 – 1888)


Das Gedicht bringt zum Vorschein, dass Gefühle Ereignisse nicht wie Begriffe eingrenzen, sondern offen halten für subjektive Auslegungen.
Dennoch existiert neben rationaler Intelligenz auch emotionale Intelligenz. Gefühle ordnen Bewusstwerden analog zu Begriffen.


16
Jan
2016

Spiegelung




ein See
ein gläsernes Haus

Licht spiegelt sich

im Glas, im Wasser,
im Licht

es sammelt sich

16.1.2015
+ Ulrike Schmid


Brechung



ist das Bewusstsein
beschädigt
durch einen
ungelebten Traum

dann heften sich
die verlorenen Bilder
in sich gekehrt
an den Saum

Bild für Bild will
aufgehoben sein
bis das Gefühl
im Licht steht


16.1.2015
+ Ulrike Schmid


Inneres Licht


Im Gegensatz zu rationalem Verstehen wird emoti-onales Erkennen arg vernachlässigt. Dieses Vernachlässigung steht im Gegensatz zum alltäglichen Erleben. Dieses wird fast nur emotional geregelt. Im Alltag richten wir uns meistens nach dem sogenannten ‚Bauchgefühl’ . Weitaus weniger wird verstandesmäßig entschieden. Die emotionale Dominanz im Alltag wird den wenigsten bewusst.

Profis meinen, dass sie Vieles routiniert bzw. automatisiert erledigen. Tatsächlich entscheiden aber Gefühle, welche Routinen wie ausgeführt werden.

Im Spitzensport wird die Rolle des Gefühls besonders deutlich. Deshalb versucht man sich durch mentales Training auf einen Wettkampf positiv einzustimmen.

Das Gefühl ist der wichtigste Gradmesser des Verhaltens. Unlust ist ein deutliches Anzeichen für inadäquates Verhalten. Regelmäßiges Missachten gefühlsmäßiger Kommentare führt zwangsläufig zum sogenannten Burn-out.

Emotionale Rückkopplungsfunktionen versagen und körperliche, seelische, geistige Vorgänge organisieren sich so unkontrolliert, dass es zum Zusammenbruch des gesamten Systems kommt.

Unterschätzung der Rolle des Gefühls während des Erkennens führt zum Tunnelblick des Verstandes. Allein gefühltes Erkennen führt jenem Lichtblick, welchen Philosophen „Einsicht“ nennen.

Wahre Einsicht offenbart sich als Erfahren inneren Lichts. Lichtblick und Einsicht sind Synonyme. Aber wem wird diese neurologische Wirkung überhaupt bewusst?
Einsicht steht für den klaren inneren Blick auf etwas.


15
Jan
2016

Innenbilder


die Sprache der Seele
kennt nur Bilder

denen sie selbst ihr
Leben gibt

leuchtende Flächen
Gestalten aus Licht

im Tanz des Lebens

Traum der Vernunft


15.1.2015
+ Ulrike Schmid


Kunst ohne Zweifel


Künstlerisches Schaffen offenbart Wahrheit. Was ins Werk gesetzt wird, das wird durch Betrachten subjektiv ausgelegt.
Im Gegensatz zur empirisch beweisbaren, objektiven Richtigkeit lässt sich Wahrheit allein subjektiv begreifen. Was Musik, Malerei oder Dichtung zum Ausdruck bringt, das lässt sich niemals verallgemeinern. Es ist gleich gültig, ob das, was ins Werk gesetzt wird, von einzelnen oder vielen auf bestimmte Art und Weise subjektiv erfahren wird.

Jedoch empfinden die meisten nicht mehr, was sich ihnen als Wahrheit offenbart. Sie trauen ihren Empfindungen nicht. Sie wollen in der Regel sich selbst nicht wahr haben. Stattdessen flüchten sie sich in überzogene, Weisheiten. Andere vertrauen wiederum auf wissenschaftliche Fragmente der Wirklichkeit.

Allein Kunst vermag Wahrheit in Werk zu setzen, also Subjektives zu objektivieren. Aber ins Werk gesetztes Subjektives entzieht sich jeglichen wissenschaftlichen Zugriffen.

Extreme Fantasietätigkeit führt zu emotionalen Überreaktionen, die zu verstärkter Aktivitäten der inneren Stimme bis hin zu Visionen führen können.

Nicht wenige sensible Menschen empfinden solche Aktivitäten als inneren Ruf Gottes und fühlen sich zu besonderem religiösem Leben im Dienste Gottes berufen.

Besondere Riten wie beispielsweise Askese und Gebete führen dann dazu Transmissionen der Intelligenz oder eines besonderen Talents zu zügeln bzw. einzuschränken.

Ähnliche Wirkungen können aber auch durch ein karges, ärmliches Leben hervorgerufen werden.

Die vielleicht bekannteste und zugleich früheste überlieferte Vision ist die des Moses (8. Jh. v. Chr.). Es ist die Vision vom brennenden Dornbusch. Es wird in der Bibel erzählt, dass Moses viele Jahre die Herden seines Schwiegervaters Jitro hütete.

Eines Tages weideten die Schafe und Ziegen auf den saftigen Weiden an den Hängen des Berges Sinai. Moses blickte in die Ferne, und er traute seinen Augen nicht.

Er erblickte einen brennenden Busch, der nicht verbrannte. Neugierig näherte sich Moses.

Da hörte er plötzlich eine Stimme. Sie kam aus dem brennenden Busch und sagte: "Zieh deine Schuhe aus, Mose! Du stehst auf heiligem Boden."
Moses spürte intuitiv, dass es Gott war, der zu ihm sprach.
Er gehorchte, und Gott sagte: "Ich bin, der ich bin.
Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Ich habe die Klagen und Bitten meines Volkes gehört, das in Ägypten in der Sklaverei lebt. Und ich werde es retten. Du Mose, sollst es aus Ägypten in ein Land führen, das ich den Nachkommen Abrahams versprochen habe. In diesem Land werden Milch und Honig fließen. Und dich Moses, sende ich nun zum Pharao."

Dieser Auftrag ist für einen Hirten in der Wüste nicht gerade naheliegend. Offenbar ist allen Visionen gemeinsam, dass sie Menschen überraschen, die über die Kraft verfügen, ihnen zu entsprechen.

Moses macht erst gar nicht den Versuch, sich als Hirte darzustellen, der dazu nicht in der Lage ist, weil er ja nichts gelernt und aus sich gemacht habe und nur ein dummer Hirte geblieben ist.

Anders als bei Hildegard von Bingen wird Moses’ Vision nicht durch innere Prozesse vorbereitet und auch nicht theologisch, sondern religiös gedeutet. Die Vision überrascht. Wahrnehmungsreize bzw. Überreizungen könnten sie ausgelöst haben.

Beide Visionen zeichnen sich als Kraftgeber aus und ermöglichen dadurch außergewöhnliches mutiges Verhalten. Unbefriedigend bleibt in beiden Fällen, dass sie als Ereignisse des Glaubens natürlicherweise (neuronal bedingt) analytischem Denken verschlossen bleiben.

Auch der Mythos basiert auf einer Überreaktion der neuronalen Transmissionen der Fantasie.

Über die Vertreibung aus dem Paradies selbst berichtet niemand. Dieser katastrophalste Augenblick der Menschheit wird verdrängt. Religionen vermeiden angestrengt eine redliche Offenlegung dieses Ereignisses.

Philosophie vermag solchen Ursprung nicht in den Blick zu nehmen, und auch Kunst setzt nichts ins Werk.

Seit Jahrtausenden wird der Paradies-Mythos verdrängt. Andererseits wird von Religionen so getan, als hätte alles genau so stattgefunden. Niemand streicht diesen Anfang aus dem Buch der Bücher. Stattdessen sammeln sich weitere Mythen an. Das Buch Moses ist voll davon.

Es bleibt dabei, der Gott der Religionen verbleibt im Dunkel der Mythen.

Zu allem Unglück hat sich das Trauma Paradies tief ins Unterbewusste des Menschen eingegraben. Aber Erinnerungen sind nicht kräftig genug, um Wahrheit zu vergegenwärtigen. Ahnungen lassen vermuten, wesentlich Existentielles verloren zu haben.

Vage Vermutungen zwingen zu suchen. Diese Zwangsneurose nötigt zum Glauben an den strafenden Gott des Paradieses. Religionen aber schaffen so großartige Bestimmungen ihres Gottes, dass selbst Wissenschaften nicht zu widersprechen vermögen.

Sokrates und Platon sind bislang die einzigen Philo-sophen, denen es gelingt, ein annehmbares Kom-plement zum Mythos aufzuzeigen.

Um vor dem Göttlichen überhaupt bestehen zu können, muss die von den beiden Philosophen entdeckte Welt natürlich die gleichen Wesenseigenschaften aufweisen wie die göttliche.

Die philosophisch gedachte Welt darf nicht von dieser Welt, also von Menschen gemacht sein. Diese Welt muss ebenso unsichtbar wie ewig sein. Zudem muss sie für den menschlichen Geist unerreichbar bleiben.

Dem Dichter Angelus Silesius werden die gleichen (inneren) Spiegelungen bewusst wie dem Philosophen Platon. Auch Platon betrachtet das Schauen der höchsten Idee als göttlich.

Durch die griechische Mythologie gelangt wahrscheinlich der erste, nämlich menschliche Grund der Götterwelt zum Vorschein. Es sind besonders begabte Seher, durch welche sich Gottheiten künstlerisch gestalten. Solche fantastischen Inszenierungen werden durch Priester missbraucht, indem sie sich ihrer aus Machtgier bemächtigen. Sie vergiften natürliches Glauben mit ihren Machtfantasien von einer jenseitigen Welt.

Heilige verinnerlichen solche fantastischen Vorstel-lungen so stark, dass sie Möglichkeit und Wirklichkeit verwechseln. Aber ihr Gott lässt sich nicht verallgemeinern, sondern immer wieder erneut in jeder Seele besonders initiieren.

„Gott lebt nicht ohne mich

Ich weiß, daß ohne mich Gott nicht ein Nu kann leben,

Werd' ich zunicht', er muß von Not den Geist aufgeben“.


Es ist wahrscheinlich, dass der Gottesglaube evolu-tionär bedingt physiologisch im Gehirn verankert ist. Das „Gottes-Gen“ (VMAT2-Gen), schreibt der Bio-chemiker und Verhaltensgenetiker Dean Hamer 2004 in seinem so betitelten Buch, ist für die Aus-schüttung chemischer Botenstoffe im Gehirn ver-antwortlich. Diese Botenstoffe steuern neben Stim-mungen u.a. auch religiöse Gefühle.

Die gewagte These vom Gottes-Gen begründet keinen biochemisch bedingten Gottesglauben.

Dass Kinder eine natürliche Tendenz, an Übernatür-liches zu glauben, besitzen, ergibt sich aus einem Ungleichgewicht zwischen Vernunft und Verstand. So wird alles Unerklärbare durch Glauben und nicht durch Wissen geregelt. Auch Erwachsene regeln in ihrem Alltag Vieles noch mit Aberglauben.

Aber nicht nur der Glaube, sondern auch unser Wissen erscheint uns vereinzelt zunächst als Glaube. Ein Axiom beispielsweise gelangt gleich einem Dogma zum Vorschein.

“Ich glaube an die Identität ‘a = a’ ” wie an die Dreifaltigkeit".

Viele Sätze beweisbaren Wissens waren ursprünglich nicht beweisbare Glaubenssätze. Eigene Vorstellungen sind häufig mehr als negative Utopie oder eine Art Fata Morgana des Bewusstseins.

Es scheint aber oft sehr schwierig, auszumachen, ob das Schauen innerer Spiegelungen des Unbewussten auf irgendeine Art und Weise schließlich doch Wahrheit offenbart.

Wird davon ausgegangen, dass der Mensch ver-nunftbegabt ist und die mythischen Hinweise eines Sokrates, Platons oder Moses zutreffen, dann könnte das menschliche Erbgut tatsächlich doch eine Art Gen enthalten, das religiöses Empfinden ermöglicht.

Den kanadische Neuropsychologen Michael Persinger[2] veranlasst dies zu folgender Überlegung: Wenn ich die fürs Religiöse zuständigen Hirnregionen eines Menschen stimuliere, verschaffe ich ihm damit auch religiöse Gefühle? Er entwickelte einen Helm, der ein sich bewegendes Magnetfeld erzeugt. Diesen Helm liess er Versuchspersonen zwanzig Minuten lang tragen. Vier von fünf Probanden beschrieben die ausgelösten Empfindungen als übernatürlich oder spirituell. Sie fühlten die Gegenwart eines höheren Wesens, eine Berührung Gottes, Transzendenz.

Demnach könnte ein allgegenwärtiges Wesen (“Geist in der Materie”) sich offenbaren, indem es das Gehirn beeinflusst und auf dem Weg der Spiegelungen religiöse Vorstellungen und Empfindungen erzeugt. Erscheinungen der Heiligen bekämen dann eine “natürliche” Erklärung.

Der “Umweg” über Spiegelungen des Glaubens sichert das kulturell bedingte, individuelle Verstehen und Auslegen des allgegenwärtigen Wesens. Alle Versuche, diesen Glauben in Wissen umzuwandeln, versagen.

Der göttliche Funke bleibt eine innere Entladung, die sofort nach Absinken höchster Konzentration erlischt.

Das vernunftbegabte Lebewesen neigt dazu physi-kalische Eigenschaften metaphysisch oder künstlerisch zu überhöhen. Der Mythos gestaltet meteorologische Erscheinungen zu Göttern um. Es ist die griechische Göttin Ge, die gute oder schlechte Ernten verursacht. Es ist Thor, der germanische Gott des Gewitters, der Blitze schleudert und donnert, wenn er grollt. Es ist ein Gott, den Moses im brennenden Dornbusch erblickt, und aus überschärfsten Sinneseindrücken werden noch heutzutage Erscheinungen von Schutzengeln geboren.
Überhöhte Vorstellungen während des Bewusstwerdens kommen durch psychisches Verfremden physikalischer bzw. physischer Prozesse zustande. Wider alle verfügbaren Erfahrungen spielt die Fan-tasie ver_rückt.


14
Jan
2016

Irrlichter


ich dachte, ich freue mich
auf den nächsten Schritt

ich täuschte mich

ich blieb vor meinen Gedankenbildern stehen

ich freute mich über ihr Spiegelbild

dem Wunsch nach mehr
Freiheit von mir selbst


14.1.2015


Kraft der Fantasie


Das innere Auge bedarf wegen der intensiven ästhetischen Funktion der Bilderzeugung der Kraft der Fantasie, um das Schauen von Sein hervorscheinen zu lassen.

Durch konzentriertes Loslassen sich aufdrängender Erinnerungen und Erfahrungen verdichten sich mögliche Fantasien zu einem sinnlich vernehmbaren Lichtpunkt, aus dem heraus aus der Tiefe unbewussten Sein eine Projektion hervorscheint.

Die meisten Esoteriker fantasieren diesen Vorschein in absurden okkulten Bildern und beanspruchen auf diese Weise Erfahrungen, über die sie nicht verfügen.
Sie missbrauchen gleichsam die Kraft ihrer Fantasie, in der Regel um Machttriebe und/oder Geldgier zu befriedigen. Dabei gestalten sie das Öffnen des inneren Auges so kompliziert, dass die meisten interessierten Suchenden frustriert aufgeben.

Aber jeder künstlerisch Schaffende geht mit innerem Wahrnehmen ganz natürlich um. Er empfängt wie selbstverständlich innere Bilder und/oder Worte und setzt sie spontan ins Werk.
Aus diesem Grund erscheint das, was Künstler und Künstlerinnen über die Welt hinter dem Horizont ins Werk setzen auch wahrhaftiger. Kunst geht mit Selbstbefreiung einher. Als Kern des Ichs treibt das Selbst aus sich künstlerisch schaffend heraus.

In seinem Höhlengleichnis weist Platon auf den Weg der Selbstbefreiung des Ichs hin. Es ist das Wagnis, das Wissen aus seinen Engen zu befreien und die Intuition (wieder) zuzulassen. Das Ich vermag sich nämlich einzig und allein intuitiv selbst zu schauen.

Der im Selbst Gefangene erkennt im Augenblick seiner Befreiung aus der Höhle das Licht der höchsten Idee. Diese Erkenntnis entspringt dem Glauben auf Grund seiner Erfahrungen, dass sich im reinen inneren Licht das anerzogene Selbst dem Ich als bloßer Schatten des Gehabes seiner Erzieher offenbart.

Angesichts dieser Offenbarung erscheinen dem Ich alle Annahmen des Selbst als unwahr. Und die innere Stimme teilt dem Ich mit, dass nichts von dem wahr ist, was es bislang seinem Selbst zugesprochen hat.

Im reinen, weil von Erziehung ungefilterten inneren Licht, schaut das Ich die Wahrheit des Selbst. Und Lethe, die Göttin oder Kraft des Vergessens, offenbart dem Ich, dass das Selbst verunreinigt und zum Krankheitsherd wird, sobald ihm überhaupt Eigen-schaften irgendwelcher positiver oder negativer Art zugesprochen werden.

"Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht ins Reich Gottes kommen." (Markus 10, 13 - 16)
Kleine Kinder kennzeichnet darüber die völlige kör-perliche Abhängigkeit und geistige, seelische Unab-hängigkeit von den Eltern und Erziehern. Die kindliche Fantasie lässt eine Gleichschaltung von körper-licher Abhängigkeit und geistig, seelischer Unabhängigkeit nicht zu und entführt das Kind jederzeit in seine eigene Welt, um es zu retten.

Es ist die kindliche Unvoreingenommenheit, die allein das wahre Selbst schaut. Lethe verhilft zum Ausstieg aus der eigenen Höhle, indem sie jeden Gedanken einer unwahren Selbsteinschätzung verbietet bzw. gebietet, diesen unmittelbar loszulassen. Und es ist die Zeit, die dann aufgrund der Übungen des Loslassens von den Selbstschändungen reinigt.

Allein ein freies, wahres, weil vom Ich nicht ausgelegtes Selbst ermöglicht dem Ich die Existenz in der Allgegenwart Gottes, denn das "Himmelreich", das überall ist, duldet wie das Selbst keinerlei Auslegung.


Paradoxerweise fordert die Seele das Ich trotz Los-lassens auf, sich wieder sinnlich anschauen zu ler-nen. "Dein innerer Spiegel zeigt Dir, inwieweit es Dir gelingt, die Spuren der Erziehung zu beseitigen!" Das unangenehme Gefühl, welches diese Berührung der inneren Stimme das Ich noch spüren lässt, macht die Entfernung zum Selbst deutlich.

"Einer von den Pharisäern, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (nach MT 22, 37-39 verkürzt)

Ohne Liebe ist das Selbst nicht zu haben. Ohne Selbstliebe vermag das Ich sich nicht zu finden. Selbstliebe sollte allerdings nicht zum Narzissmus oder zur homosexuellen, körperlichen Selbstverliebtheit entarten.
Bei der Fantasie (φαντασία phantasía – „Erscheinung“, „Vorstellung“, „Traumgesicht“) handelt es sich letztlich um eine vernachlässigte geistig seelische Kraft. Im Zusammengang mit Denken findet sie kaum Beachtung. Dennoch bestimmt Fantasie als „Bilder-Leben“ (Bilderleben) Denken maßgeblich.

Das Verdrängen der Fantasie aus dem Bewusstsein lässt Wirklichkeit als Illusion in Vergessenheit geraten. Zurück bleibt die ungenutzte Chance, durch den Schein das Sein zu schauen.


13
Jan
2016

Spirale nach innen


zurück
in den Augenblick

nähere mich

hier stehe ich
da
spüre ich
dich

das Licht
die Hoffnung

das Zufallende

auch Glück


13.1.2015
+ Ulrike Schmid


Innere Stimme


Als Reflexion auf das Ich wird die innere Stimme „Selbst“ genannt.
Jeder Mensch hat eine angeborene Fähigkeit zu unterscheiden was wahr oder unwahr ist. Das Gewissen macht sich durch die „innere Stimme“, die alle unsere Handlungen beurteilt, bemerkbar. Die innere Stimme ist also gleichsam die Stimme des Gewissens.

Die innere Ruhe und Gelassenheit, mit der verschiedene Überlieferungen das Ende des Sokrates darstellen, verdankte der Philosoph seiner „inneren Stimme“ (gr. ‚daimónion’), wie er es zu nennen pflegte. Diese innere Stimme vernahm er seit seiner Kindheit und er hörte auf sie unbeirrt in allen Situationen des Lebens bis zu seinem Tod.

Platon beobachtet bei seinem Lehrer Sokrates, dass das Reaktivieren dieses Sinns ein Vertiefen des Wahrnehmens derart ermöglicht, dass metaphysische Ereignisse hervorscheinen. So erfährt Sokrates das ‚Idein’(gr.) (geistiges Wahrnehmen als innerer Sinn) so, als ob ihn ein Schutzgeist begleitet.
Aber dieser Schutzgeist begleitet ihn nicht nur, sondern berät ihn auch in heiklen Situationen.

In der Tat wird in der Geschichte der Philosophie das Phänomen der inneren Stimme zum ersten Mal von Sokrates beschrieben. Sokrates nennt sie ‘daimonion’. Das bedeutet für ihn Wesen und Wirkung des Göttlichen.

Nach Sokrates Auffassung wird jedem Menschen von Geburt an ein göttlicher Schutzgeist mit auf den Weg gegeben, der ihn vor Unheil bewahrt. Das erinnert an Schutzengel, deren Fest jedes Jahr am 2. Oktober gefeiert wird. Dieses christliche Fest erinnert an das Wirken der Schutzengel, welche die Menschen wie die „Dämonen“ des Sokrates in ihrem Leben begleiten und vor Schaden bewahren.

Erst wenn der Mensch diesen Schutzgeist vernach-lässigt und damit den Unwillen der Götter erregt, wird das ‚daimònion’ zum Dämonischen in ihm, zur Verblendung und Besessenheit.

Das sokratische Daimonion hat eine Stimme und stellt sich schützend vor die ihm Anvertrauten. Für Sokrates ist das ein klar erkennbares Faktum. Es ist so selbst-verständlich anwesend, dass dies nicht erst diskutiert zu werden braucht. Das Daimonion berät zwar, aber es trägt nicht zum Erkennen bei.

Das Daimonion ist streng getrennt vom Verstand, es sagt das, was der Verstand nicht erkennen kann. Es ist nicht das sittliche Gewissen. Was Sokrates zu tun hat und was nicht, sagt ihm sein Verstand. Das Daimonion bedeutet die Stimme, die ihn warnt, sobald sein Verstand gegen seine Intuition zu handeln rät.

Innere Wahrnehmungen, die sich übersinnlich gestalten und wirkliches Anwesen von hilfreichen Wesen spüren und empfinden lassen, gelten nicht als Fantasmata (eine Art Wahnvorstellungen), sondern als wirklich existierend.
Nach Sokrates Auffassung wird jedem Menschen von Geburt an ein göttlicher Schutzgeist mit auf den Weg gegeben, der ihn vor Unheil bewahrt.

Das erinnert an Schutzengel, deren Fest jedes Jahr am 2. Oktober gefeiert wird. Dieses christliche Fest erinnert an das Wirken der Schutzengel, welche die Menschen wie die „Dämonen“ des Sokrates in ihrem Leben begleiten und vor Schaden bewahren.

Erst wenn der Mensch diesen Schutzgeist vernach-lässigt und damit den Unwillen der Götter erregt, wird das Dämonische in ihm zur Verblendung und Besessenheit.

Das sokratische Daimonion hat eine Stimme und stellt sich schützend vor die ihm Anvertrauten. Für Sokrates ist das ein klar erkennbares Faktum. Es ist so selbst-verständlich anwesend, dass dies nicht erst diskutiert zu werden braucht. Das Daimonion berät zwar, aber es trägt nicht zum Erkennen bei. Das Daimonion ist streng getrennt vom Verstand, es sagt das, was der Verstand nicht erkennen kann. Es ist nicht das sittliche Gewissen. Was Sokrates zu tun hat und was nicht, sagt ihm sein Verstand. Das Daimonion bedeutet die Stimme, die ihn warnt, sobald er gegen seine Intuition handelt.

Innere Wahrnehmungen, die sich übersinnlich gestalten und wirkliches Anwesen von hilfreichen Wesen spüren und empfinden lassen, gelten nicht als Fantasmata (eine Art Wahnvorstellungen), sondern als wirklich existierend.
Der griechische Schriftsteller Plutarch (45-120) hat das sokratische Daimonion ausführlich erörtert. Hinweise auf die Existenz eines Daimonion finden sich auch in den Schriften der römischen Autoren Seneca (4-55 n. Chr.) und Marc Aurel (121-180 n. Chr.). Augustinus deutet das Daimonion als Gewissen und legt die innere Stimme als Stimme Gottes aus. Thomas von Aquin deutet es sogar als Erkenntnisorgan der praktischen Vernunft.
“Die innere Stimme gilt je nach Ansicht den einen als Stimme der Seele, anderen als Sprache der Vernunft und wieder anderen als Ausdruck des Gewissens oder als Zuspruch des Geistes oder auch Stimme des Herzens. Mahatma Gandhi nennt die leise innere Stimme den einzigen Tyrann, den er in dieser Welt anerkennt.“ (Ausgewählte Texte, Richard Attenborough (Hrsg.))

„Du hast deine Kindheit vergessen, aus den Tiefen deiner Seele wirbt sie um dich. Sie wird dich so lange leiden machen, bis du sie erhörst.“
(Ausgewählte Texte, Richard Attenborough (Hrsg.)

Und Friedrich Nietzsche sagt zur inneren Stimme:

“Es geht geisterhaft zu, jeder Augenblick des Lebens will uns etwas sagen, aber wir wollen diese Geisterstimme nicht hören. Wir fürchten uns, wenn wir allein und stille sind, daß uns etwas in das Ohr geraunt werde, und so hassen wir die Stille und betäuben uns durch Geselligkeit.”
Friedrich Nietzsche, Werke I - Unzeitgemäße Betrachtungen)

“In dem Augenblick aber, wo uns alles verloren scheint, erreicht uns zuweilen die Stimme, die uns retten kann; man hat an alle Pforten geklopft, die auf gar nichts führen, vor der einzigen aber, durch die man eintreten kann, und die man vergeblich hundert Jahre lang hätte suchen können, steht man, ohne es zu wissen, und sie tut sich auf."
(Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3 )

Woher die recht unterschiedlichen Namen für die innere Stimme?

“Das liegt daran, dass sich dieses Phänomen dem Wissen entzieht und allein dem Glauben offenbart. Der Glaube verfügt aber über keine eindeutigen Namen bzw. Begriffe, sondern allein über vielfältige und vieldeutige Hinweise, Zeichen oder Bezeichnungen.

Offenbarungen des Glaubens lassen ganz persönliche Deutungen zu wie beispielsweise auch das Wort Gott. Deshalb glaubt Sokrates seiner inneren Stimme, als einer göttlichen Eingebung und nennt sie deshalb auch seinen “daimonion”, also seinen persönlichen Schutzgeist, der Teil des Ichs ist.

Diese innere Stimme warnt ihn in entscheidenden Augenblicken und hielt ihn von der Ausführung einer gefährlichen Absicht ab. Sokrates versteht das Dai-monion, wie bereits gesagt, als eine Gegeninstanz zum Logos, die das erkennt, was der Vernunft verborgen bleibt, und vom Falschen abrät, jedoch zu nichts rät.

Seinen Daimonion schätzt Sokrates so hoch ein, dass er ihm auch gegen seine rationale Einsicht gehorcht. Da er es auch über die Götter stellt, wurde ihm sogar vorgeworfen, es als einen neuen Gott einführen zu wollen.”

Die innere Stimme offenbart der Fantasie, der Vernunft und dem Verstand, dass sie selbst letztlich nichts Anderes ist als ein sprechendes inneres Bild ihrer ureigenen daimonia.

Aus der inneren Stimme spricht nicht nur das Selbst des Ichs, sondern zugleich auch der Logos der Natur. Und was die innere Stimme nicht auszudrücken vermag, zeigt sie dem Dritten Auge in den inneren Bildern der Vorstellungskraft.

Wer künstlerisch schafft, ist begabt genug, sowohl die innere Stimme zu vernehmen als auch zu schauen, was das innere Auge zeigt.

Der Dichter hört die Worte, die er aufschreibt. Der Musiker hört seine Komposition, die er in Noten umsetzt, der Maler sieht die Bilder, die er ins Werk setzt.
Der künstlerisch begabte Mensch bedarf keiner Übung, um inneres Hören oder Schauen aus Kindheitstagen zu reaktivieren.

Kinder folgen in ihrer Spielwelt ihrer inneren Stimme und dem, was ihnen das innere Auge fantasievoll zeigt.


12
Jan
2016

Öffnen des inneren Auges


Das innere Auge lässt sich nur im kontemplativen Zustand öffnen. Als innere Versenkung verlangt Kontemplation vor allem sowohl das Vermögen los-zulassen als auch die Kraft der Konzentration. Vor allem bedarf es, um Erfolg zu haben, viel Geduld.
Wer unerfahren im Philosophieren oder Meditieren ist, wird sich besonders schwertun.

Aber auch der Unerfahrene kann sehr wohl überprüfen, inwieweit und inwiefern er in der Lage ist, das innere Auge zu öffnen.
Das geschieht einfach dadurch, dass er versucht, folgende Gedanken sorgfältig nachzuvollziehen.

Erfolg geglückter Existenz wird als Leichtigkeit des Seins erfahren. Diese Leichtigkeit wird durch jenes Bewusstwerden getragen, welches Sein als Illusion des Werdens empfindet und sich aus der Verbindlichkeit aller „ismen“, Irrlehren also befreit.

Existenz meint Vorhandensein, Vorschein von etwas. Körperliches ist das Hervorscheinen informierter Energie, die wir als Materie wahrnehmen.

Existenz erleben wir sinnlich, seelisch, geistig. Wir versuchen dieses Erfahren geistig zu erfassen, indem wir dessen Werden analysieren, kalkülisieren, mathematisieren, objektivieren. Wir versuchen Leben zu verstehen, indem wir es simulieren. Simulationen steuern zunehmend mehr Operationen. Nicht computerunterstütze Diagnosen verschwinden.

Weitgehend ohne besondere Rücksicht auf seelische Belange entwickeln sich vielfältige technische Realisierungen menschlichen Verhaltens.
Wir vergessen dabei zunehmend mehr, dass alles letztlich Illusionen sind, also Reaktionen sinnlicher Wahrnehmungen auf jene physischen Formen, wel-che sich informativ energetisch gestalten.

Körperliche Erscheinungen sind Akzidenzien der Energie als Substrat. Information als Inhärenz zwischen akzidenzieller Gestalt und substanzieller Form des Substrats reiner Energie (Verhältnis zwischen Sein und Werden) vermögen wir durchaus kontemplativ zu schauen.

Existieren entfaltet sich physikalisch aus dem ‚Spiel’ möglicher Möglichkeiten über wirkliche Möglichkeiten hin zu möglichen Wirklichkeiten als Bedingungen der Möglichkeit von Wirklichkeit. Geistig vollzieht sich diese Entwicklung durch Wahrnehmen möglicher Möglichkeiten, Betrachten wirklicher Möglichkeiten, Beobachten möglicher Wirklichkeiten und Begreifen der Wirklichkeit.

Ziel allen Begreifens ist, Wahrnehmen zu durch-schauen, also angeborene Neugier zu befriedigen.
Denken, das auf die Grenzen des Verstandes stößt, muss, um diese überschreiten zu können, in Intuiti-on wechseln, also Innenbilder wahrnehmen, betrachten, beobachten und begreifen.

Intuition gründet im Gegensatz zum Verstand auf Fantasieren oder Träumen. Das innere Auge ist gleichsam ein intuitives Organ, das über die Welt des Verstandes hinaus sehen kann.

Platon nennt dieses Vermögen „idein“. Diesem inneren Sehvermögen verdanken wir alle unsere Ideen und Theorien.

Das innere Auge erlaubt als höchste Stufe der Kon-templation das Schauen informierter Energiemuster, die in dieser tiefen Wesensschau als ganz konkrete Bilder hervorscheinen.

So erblicke ich plötzlich in ein Auge, das mich unsäglich warm und gütig anblickt. Mir wird während dieser Kontemplation klar, dass es mein verstorbener, blinder Vater ist, der mich so liebevoll ansieht.

Als inneres Auge der Seele schaut das dritte Auge vor allem alles, was Gefühle schenkt: Berühren, Tasten, Schmecken, Riechen, Hören...

Wahre vollkommene Ein-Sicht aber entsteht erst dann und nur dann, wenn das Vergegenwärtigen von etwas 12-dimensional erfolgt, beispielsweise durch Vergegenwärtigen des komplexen Satzes:

Ich erfasse etwas dann, wenn ich über dessen

• Grund und Zweck,
• Ursache und Wirkung,
• Art/Weise und Umstand,
• Eigenschaften und Wesen,
• Mittel und Ausmaß
• in Raum und Zeit

verfüge .

Um das Öffnen des inneren Auges zu unterstützen, kann man in der Stille die Augen schließen, um sich stark auf die Mitte der Stirn zwischen den Augenbrauen zu konzentrieren. Wenn man dies lange genug durchhält, erscheint plötzlich vor dem inneren Auge ein kleiner blauer Punkt, der sich bei weiterer Konzentration vergrößert und zu drehen beginnt. Inmitten dieser sich drehenden Kreisfläche entstehen lichte Spiralen, die für einige Augenblicke das Bild informierter Energie freigeben.

Durchaus für diese Übung geeignet ist die Zeit vor dem Einschlafen oder kurz nach dem Erwachen, hinrei-chende Geduld immer vorausgesetzt.

11
Jan
2016

Botschaft der Liebe


Sehnsucht
nach Berührung -

die Seele
sehnt sich nach sich selbst

Sehnsucht nach Licht -

ein zarter Hauch löscht
alle anderen Begehren auf

das Selbst ist
Seele und Ich


11.1.2015
+ Ulrike Schmid


Wie die Seele Gott erfährt


B: „Durch Vergegenwärtigen des Satzes vom zu-reichenden Grund wird auch der allgegenwärtige Ursprung allen Werdens bewusst. Diese Gegenwart vollzieht sich areligiös.

Irgendwelche Interpretationen sind nicht zulässig. Deshalb schweigt die innere Stimme. Zugleich entsteht irgendwie das Empfinden, dass durch diese Verbindung zugleich auch Kontakt zur Welt hinter dem Horizont zustande kommt.

Es ist völlig klar, dass sich solcher Kontakt vollkommen subjektiv gestaltet. Aber er erlaubt durch das Öffnen des Dritten Auges sogar einen sichtbaren Anblick von bzw. Einblick in Drüben.

Dimensionieren und Kategorisieren lösen sich gleichsam in Allgegenwart von Unsterblichkeit und Ewigkeit auf. Erfahren des absooluten Nichts kräftigt die Seele.

Sein ist Information. / Werden ist Energie =>
Seiendes ist informierte Energie = Materie


Gleichnis von der Raupe und dem Schmetterling:

Eine Raupe findet zutiefst erschrocken die sterbliche Hülle ihres verstorbenen Bruders. Sie ist zu spät gekommen. Ihr Bruder ist ohne sie einsam und allein gestorben.

Plötzlich fällt über sie ein Schatten über sie. Die Raupe blickt hoch und sieht einen wunderschönen, farbenprächtigen, fröhlichen Schmetterling über sich flattern. „Warum bist Du so traurig?“, fragt er die kleine Raupe.

„Siehst Du denn nicht, dass mein Bruder gestorben ist?“
Der Schmetterling beruhigt lächelnd die traurige Raupe:
„Siehst du denn gar nichts? Dein Bruder ist nicht tot, denn ich bin Dein Bruder, der sich in einen Schmetterling verwandelt hat!

Ich bin dieser hässlichen Hülle entschlüpft und freue mich über meine neue Welt, den Himmel!“
Die Schwester erkennt jetzt ihren Bruder in seinem licht-durchfluteten Gewand und versteht, dass das, was sie für „Tod“ hält, in Wahrheit eine große Wandlung bedeutet.

Energie wird nur für eine gewisse Zeit informiert. Materie zerfällt, ohne dass Energie verloren geht,
Während es materiellen Zustands gewonnene Information bleibt als Sein erhalten. Das gilt auch für die Materie als Energiemuster selbst.

Das innere Auge vermag Energie des Seins zu erfassen. Diese Energiemuster werden als subjektive Innenbilder kontemplativ entwickelt.


10
Jan
2016

selbstlos


in jedem Augenblick
drängen
endgültige Taten
auf das Tun

jeder Augenblick
wiederholt sich

sein Gesicht
ruhelos


10.1.20115
+Ulrike Schmid


Heimkehr


ein einziges Leben

eines das standhält

ein Tag

ein einziges Bild
jeweils

es drängt dem Ende zu

es blendet
Ahnungen aus

es lebt


10.1.2015


Warum die Seele und nicht der Verstand Gott erkennt


C; „Es ist streng zu unterscheiden zwischen sinnli-cher (A) und innerer oder seelischer Erfahrung (B). Innere Erfahrungen haben allerdings erst dann und nur dann Beweiskraft, wenn sie sich unmittelbar von einem der vier Axiome ableiten lassen.“

B: “Innere (nicht religiöse!) Erfahrungen von Gott beruhen auf dem 4. Axiom:
: Der Satz vom zureichenden Grunde
Alles hat seinen Grund, warum es so ist, wie es ist.

Gemäß der Kategorien von Grund und Zweck, Ur-sache und Wirkung: Es lässt sich Erfahren von Wirklichkeit als Wirken bzw. Verfolgen eines Zwecks betrachten.
Demnach erscheint alles, das ist, Ursache einer Wirkung bzw. Zweck eines Grundes. Folglich lässt sich jede Erscheinung auf ihre eigentliche Ursache zurückführen.
Erfahren von Gottes Existenz ist Wirklichkeit der Seele.
Diese Erfahrung ist Wirklichkeit und nicht etwa Glauben! Sie wird ja analog zum Zweifeln Descartes als Erkenntnisgrund des Subjekts erfahren!“

A: „Das Problem ergibt sich für den Verstand auf-grund der Subjektivität von Gottes Erfahrungen! Im Gegensatz zur Seele erfordert der Verstand objekti-ve statt subjektiver Belege. Also was immer die Seele individuell erfährt und für sich beansprucht, kann also für den Verstand mangels Objektivität nicht gelten!“

B: „Das ist angesichts verstandsmäßiger Grenzen zwar selbstverständlich, aber Axiome sind keines-wegs subjektiv. Schließlich dienen sie nicht zuletzt jeglicher Objektivierung. Es ist folglich unzulässig, axiomatisch seelische Erfahrung als subjektiv abzu-tun. Ich würde sogar noch ganz entschiedener wei-tergehen und Axiome schlechthin als seelische Mit-tel zum Zweck der Absicherung bezeichnen. Und den ersten zureichen Urgrund „Gott“ nennen, das ist ein Name aus der Notwendigkeit, Dinge benennen zu müssen, um sie festhalten zu können. Als zu-reichender Grund existiert Gott als die Erste Ursa-che von allem. Aber ist natürlich nicht der Gott der Religionen!“

A: “Aber Du setzt letztlich Gott als Name für das Axiom vom zureichenden Grund! ein“

B: „Das ist für mich ein und dasselbe!“

C: „Einen philosophischen Gedanken mit einer see-lischen Erfahrung gleichzusetzen, das ist durchaus zulässig. Denn: Denken ist letztlich nichts Anderes als das mit dem Verstand zu formen, was die Seele vorweg gestaltet!“

A: „Allerdings ist längst nicht jede intuitive Gestal-tung für den Verstand formbar. Mit anderen Worten: Nicht alles, was Intuition gestaltet, ist für den Ver-stand verwendbar, jedenfalls, solange es sich nicht wissenschaftlich aufarbeiten lässt!“

C: „Axiome zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie der Verstand verwendet, ohne sie beweisen zu können. Vielmehr akzeptiert er sie als nicht zu be-weisende Grundvoraussetzungen des Denkens!“

A: „Einverstanden, aber nicht auch damit, ein Axiom religiös zu vereinnahmen.!“

C: „Der Name „Gott“ für das Axiom des zureichen-den Grundes ist keineswegs religiös gemeint. Er steht lediglich für den absoluten Anfang. Religion ist ohnehin ein Unglück für das vernunftbegabte We-sen.“

A: „Okay, dann nenne ich den absoluten Anfang „Tante Frida“;)“


C: Vernunft
B: Seele
A: Verstand


9
Jan
2016

Selbstfindung


etwas Unerreichbares
etwas in Not

die Gewichte sind groß
und schwer

doch das Licht
umfließt immer wieder
das Tor

so dass ich geblendet bin

ohne Not
keine Heimkehr
ohne Schatten kein Licht


9.1.2015
+Ulrike Schmid


Spiegelungen


aus Blicken

aus Schweigen

wenn es Abend wird
und die Weisen
stimmlos sprechen

in der Nacht
wenn Sehnsucht und
Stille sich begegnen

in dem sanften
Sprung
wenn alle und alles
einander segnen
9.1.2015
+ Ulrike Schmid


Intuitiver Beweis


C: „Der Verstand beklagt, dass es intuitiver Erkenntnis an Beweiskraft fehlt. Führt er diese Klage überhaupt zurecht?“

B: „Wegen seines Tunnelblicks vermag der Verstand nur in eine Richtung zu blicken. Allein auf die Sinne ausgerichtet, sieht er einen Beweis nur als empirischen Beweis gelten. Könnte er seinen Blick wenden, dann würde er sogleich einsehen müssen, dass auch Beweise existieren, die nicht auf sinnlich vernehmbaren Nachweisen beruhen. Dazu zählen nicht nur mathematische, sondern auch philosophische Beweise.
Das ist keineswegs verwunderlich, denn Philosophie hat sich intuitiv entwickelt, und Mathematik wiederum gründet auf philosophischen Überlegungen!“

C: „Das erscheint mir überaus kurzsichtig, denn der Verstand bedient sich philosophischer und vor allem mathematischer Methoden, um Experimente empirisch verifizieren oder auch falsifizieren zu können!

Es ist wohl Rechthaberei, die das vernunftbegabte Lebewesen in die einseitige Sicht des Verstandes treibt. Es ist viel zu engstirnig, allein optisch sinnli-che und nicht auch innere geistige Erfahrungen als Belege zuzulassen. Schließlich meint „Vernunft“ doch das, was allein aus dem Zusammenspiel von Intelligenz des Verstandes und Begabung der Intuition entsteht! Rationales Denken ist immer auch emotionales Denken und umgekehrt!“

B: „Als Vernunft moderierst Du ja bereits rationales Denken des Verstandes und emotionales Denken der Seele. Ich nehme doch an, dass eigentlich Vernunft als Zusammenspiel von Verstand und Seele das Wesen des Denkens ausmacht:

A + B = C ! "

A: „Das bestreite ich nicht. Ich wollte nur daran erin-nern, dass auch Beweise ohne sinnlich vernehmbare Belege existieren. Und wenn man diese Richtung weiter verfolgt und die Grenzen des Verstandes überschreitet, dann entdeckt man sehr schnell auch intuitive Beweise.

Ich möchte aber Beweise a posteriori und Beweise a priori streng unterscheiden. Beweise a priori wer-den rein intuitiv geführt und weisen sich dementsprechend auch allein intuitiv aus.

Wer allerdings allein dem Verstand vertraut, übersieht, dass auch jenseits seines Zugriffsbereichs Wahrnehmen, Betrachten, Beobachten, Definieren und Experimentieren existieren!“

C: Das ist die Stärke, die den gesunden Verstand auszeichnet, nämlich zugleich aus intuitiv, also vernünftig und nicht nur logisch zu denken!“

A: „Ich möchte den wesentlichen Charakter von Beweisen der Intuition als Denken a priori am Beispiel des Axioms ausführlich aufzeigen. Unser über 2000 Jahre altes Wissen fußt doch vor allem auf vier Ge-setzen des logischen Denkens. Die ersten drei Axiome gehen auf den Philosophen Aristoteles zurück:

1. Axiom: Der Satz der Identität
Alles ist mit sich identisch und verschieden von anderem.

2. Axiom: Der Satz vom Widerspruch
Von zwei Sätzen, von denen einer das Gegenteil des anderen aussagt, muss einer falsch sein.

3. Axiom: Der Satz vom ausgeschlossenen Dritten
Von zwei Sätzen, von denen einer das vollständige Gegenteil des anderen aussagt, muss einer richtig sein.

4. Axiom: Der Satz vom zureichenden Grunde
Alles hat seinen Grund, warum es so ist, wie es ist.

Intuitives Wahrnehmen erfasst nicht wie sinnliches Wahrnehmen Konkreta, sondern Abstrakta. Die Erfahrung der Intuition ist wesentlich emotionalisierte Abstraktion.

Intuition erfasst etwas, betrachtet seine wesentlichen Eigenschaften und beobachtet, dass nur solche Eigenschaften existieren, die etwas als etwas Wesentliches bzw. Wesen auszeichnen. Dieser Sachverhalt wird als Selbstidentität begriffen und durch den Satz der Identität (lat. principium identitatis): - auch Satz der Selbstidentität aller Dinge genannt – zum Ausdruck gebracht:

‚Für jedes A gilt A=A’.

Im Gedankenexperiment zeigt sich, dass ein Axiom als Gesetz des Denkens keinerlei Ausnahme duldet. Die Beweiskraft eines Axioms zeigt sich in seiner Selbstverständlichkeit und nicht etwa im empirischen Be-leg. Axiome bedürfen folglich keiner empirischen Beweise. Das allerdings lässt sich allein innerlich erfahren und verstehen.

Quod erat demonstrandum!“


C: Vernunft
B: Seele
A: Verstand


8
Jan
2016

Selbstähnlichkeit



der Abstand wächst
zu den eigenen Zeiten

gesucht ist der Mensch
der sich selbst treu bleibt

Jahre und Welten
ziehen vorüber

was bleibt, was wächst
was davoneilt

entscheidet über die
Endlichkeit

und über das Licht
als Selbstverweis


8.1.2015
+ Ulrike Schmid


was größer bleibt


stößt an die Zeit
und rüttelt sie

wach auf! du bist
dir selbst im Weg

nimm deine Hände
ins Gebet

nichts bleibt von dem
was ewig ist


8.1.2015
+ Ulrike schmid


Zwei extreme Positionen gegenwärtigen Verstehens von Welt


A: „Was mich als Verstand vor allem auszeichnet, ist mein rationales Verhalten. Ich bin überzeugt, dass es richtig und vernünftig ist, nur das als wirklich anzunehmen, was sich sinnlich vernehmbar als bewiesen erweist. Kurzum: ich vertraue allein den von mir entwickelten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Allein Naturwissenschaften vermögen mir dank Logik und Empirie gesicherte Erkenntnisse zu vermitteln.“
B:“ Ich stimme zu, dass nur Logik und Empirie Erkennen begründen können. Aber ich verstehe nicht, warum Logik und Empirie allein dem Verstand zukommen sollten. Logik und Empirie begründen vor allem auch Intuition. Inneres Wahrnehmen ist so er-fahrbar wie sinnliches Wahrnehmen. Und schließlich verdankt Logik sich ausschließlich Wahrnehmungen a priori. Philosophieren entwickelte sich vor allem intuitiv reflektierend bis hin zur Begründung der Wissenschaft. Rationales und idealistisches Denken widersprechen sich nicht, sondern bedingen sich vielmehr wechselseitig.
Die Erfahrungen des Verstandes beruhen auf sinnlichen Wahrnehmungen, intuitive Erfahrungen beruhen dagegen auf inneren Wahrnehmungen.“

C: „Verstand und Intuition beanspruchen beide für sich sowohl empirische Erfahrungen als auch Logik, und zwar als Logik a posteriori und als Logik a priori. Aber der Verstand beklagt, dass es der Intuition an Beweiskraft mangelt!“

7
Jan
2016

Gleichmut



des Lebens Sinn
ist
das größte Gut

ihn zu erhalten
verlangt
viel Mut
es auszuhalten


7.1.2015
+ Ulrike Schmid

Angst


ist die sicherste Gefährtin

wenn es um das Lernen geht
ist sie durchschaut

dann bietet sie das Handeln an
das ihr hilft
sich in den Wind zu drehen
der Leben heißt

dann gibt sie auf


7.1.2015
Ulrike Schmid


Verhängnisvoller Irrtum


Sowohl Naturalismus als auch Idealismus verabsolutieren ihre Positionen. Vereinfacht gesagt handelt es sich um das wechselseitige Entgegensetzen von Werden und Sein bzw. von Natur- und Geisteswissenschaft.

Der Naturalismus überschätzt Verstand und unterschätzt Intuition. Naturalisten neigen dazu, vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen. Idealisten sind dagegen in der Gefahr, die Teile zu vernachlässigen, während sie das Ganze betrachten.

Letztlich fällt diese Auseinandersetzung hinter das Denken der Vorsokratiker, des Sokrates und Platons zurück.
Im Alltag einer Erkrankung zeigt sich diese Ausei-nandersetzung als jeweils persönlich zu entscheidende Alternative von Schulmedizin und Selbstheilungskraft. Sogenannte Wunderheilungen zeigen, dass durchaus Phänomene existieren, die das Fassungsvermögen des Verstandes übersteigen.

Der entscheidende Nachteil des Idealismus zeigt sich im verlorenen Bezug zu den Sinnen. Wissen begründet sich nun einmal durch sinnlich vernehmbare Belege.
Wie der Naturalist sich vornehmlich seines Verstandes bedient, so nutzt der Idealist vor allem seine Intuition.


Wir wollen trotzdem versuchen, Naturalismus und Idealismus in Gestalt von Verstand und Intuition zu einem Dialog einzuladen. Moderiert wird dieser Dialog durch die Vernunft, die verstandesmäßige Intelligenz und intuitive Begabung in sich vereint.

• C steht für Vernunft
• B für Intuition
• A für Verstand

C: Ein verhängnisvoller Irrtum stürzt den Menschen in die Abgründe von Unglücken und Kriegen. Dieser Irrtum beruht auf dem inneren Zwiespalt zwischen Seele und Geist und der Unfähigkeit, beides in sich in einer gemeinsamen Einsicht und Ansicht von Welt zu vereinen.
Ich möchte versuchen, eine von allen beteiligten Kräften akzeptierte Lösung, durch gegenseitige Zugeständnisse zu gelangen.
So schlage ich erst einmal vor, die gegenseitigen Positionen zu klären.
logo

Seit 20 Jahren BEGRIFFSKALENDER

Prof. Dr. habil Wolfgang F Schmid

Grundsätzliches (www.wolfgang-schmid.de)

 

Archiv

März 2025
Januar 2025
Dezember 2024
Juli 2024
Januar 2024
Dezember 2023
Oktober 2023
August 2023
Juli 2023
Juni 2023
Mai 2023
April 2023
Januar 2023
Dezember 2022
Oktober 2022
September 2022
Juni 2022
Mai 2022
März 2022
Februar 2022
Januar 2022
Dezember 2021
November 2021
Oktober 2021
September 2021
August 2021
Juli 2021
Mai 2021
April 2021
März 2021
Februar 2021
Januar 2021
Dezember 2020
November 2020
Oktober 2020
September 2020
Juni 2020
Mai 2020
April 2020
März 2020
Februar 2020
Januar 2020
Dezember 2019
November 2019
Oktober 2019
Juni 2019
Mai 2019
April 2019
März 2019
April 2018
März 2018
Februar 2018
Januar 2018
Dezember 2017
November 2017
Oktober 2017
September 2017
August 2017
Juli 2017
Juni 2017
Mai 2017
April 2017
März 2017
Februar 2017
Januar 2017
Dezember 2016
November 2016
Oktober 2016
September 2016
August 2016
Juli 2016
Juni 2016
Mai 2016
April 2016
März 2016
Februar 2016
Januar 2016
Dezember 2015
November 2015
Oktober 2015
September 2015
August 2015
Juli 2015
Juni 2015
Mai 2015
April 2015
März 2015
Februar 2015
Januar 2015
Dezember 2014
November 2014
Oktober 2014
September 2014
August 2014
Juli 2014
Juni 2014
Mai 2014
April 2014
März 2014
Februar 2014
Januar 2014
Dezember 2013
November 2013
Oktober 2013
September 2013
August 2013
Juli 2013
Juni 2013
Mai 2013
April 2013
März 2013
Februar 2013
Januar 2013
Dezember 2012
November 2012
Oktober 2012
September 2012
August 2012
Juli 2012
Juni 2012
Mai 2012
April 2012
März 2012
Februar 2012
Januar 2012
Dezember 2011
November 2011
Oktober 2011
September 2011
August 2011
Juli 2011
Juni 2011
Mai 2011
April 2011
März 2011
Februar 2011
Januar 2011
Dezember 2010
November 2010
Oktober 2010
September 2010
August 2010
Juli 2010
Juni 2010
Mai 2010
April 2010
März 2010
Februar 2010
Januar 2010
Dezember 2009
November 2009
Oktober 2009
Juni 2009
Mai 2009
April 2009
März 2009
Februar 2009
Januar 2009
Dezember 2008
Oktober 2008
Februar 2007
Januar 2007
Dezember 2006
November 2006
Oktober 2006
September 2006
Dezember 2005
November 2005
Oktober 2005
September 2005
August 2005
Juli 2005
Juni 2005
Mai 2005
April 2005
März 2005
Februar 2005
Januar 2005
Dezember 2004

Aktuelle Beiträge

Am Anfang war das Wort
Am Anfang war das Wort, und das Wort war das Sein,...
wfschmid - 10. März, 02:28
Schauen, was nicht zu...
Neue Publikation, auch in englischer Spreche Bestellung...
wfschmid - 22. Januar, 13:11
URSPRUNG DER INFORMATION...
Vernunft und Verstand begabter intelligenter Wesen...
wfschmid - 26. Dezember, 07:10
Bildlose Gedanken sind...
Bewusstwerden wird als Bilderleben sowohl von der Vernunft...
wfschmid - 21. Dezember, 06:11
ES GIBT DINGE, DIE GIBT...
ES GIBT DINGE, DIE GIBT ES GAR NICHT Dieser Spruch...
wfschmid - 14. Dezember, 11:22
Vernunft <--->...
Bewusstwerden wird als Bilderleben sowohl von der Vernunft...
wfschmid - 13. Dezember, 21:49
H u m o r
Gefräßige Gesellschaft www.greedype rson.com
wfschmid - 25. Juli, 12:09
Dreamed out
If a priori represents a metaphysical congruence with...
wfschmid - 9. Januar, 05:24

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 7778 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 10. März, 02:28

Suche (AND, OR erlaubt) - Nächste (leere) Zeile anklicken!

 

Credits

 

 

Es gelten die Rechtsvorschriften für Webseiten der Universität Flensburg © Texte: Wolfgang F. Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) wfschmid(at)me.com Bilder: Ulrike Schmid (sofern nicht anders ausgewiesen) mail(at)ulrike-schmid.de

 wfs